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Full text of "Journal für Ornithologie"

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JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

GEGRÜNDET VON J. CABANIS 
Im Auftrage der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

mit Beiträgen von 

W. Bacmeister, W. Bassermann, A. Berger, E. Detmers, 

E. Eylmann, F. Gröbbels, J. Hammling und K. Schulz, 0. 

Heinrotb, E. Hesse, F. v. Lucanus, N. Sarudny, M. Sassi, 

H, Schalow, E. Schnorr v. Carolsfeld, J. Thieuemann, 

H. Weigold, 0. Graf Zedlitz, 

herausgegeben 

von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow, 

Zweiter Direktor des Kgl. Zoologischen Museums in BerJin, 
Generalsekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. 



LIX. Jahrgang. 

Mit Sonderheft und 6 Tafeln. 



Ijeipzi|^ 1911. 

Yerlag von L. A. Kittler. 

London, Paris, New*York, 

Williams & Norgate, 14 F. Viewog, rue Richelieu 67. B Westermaim & Co. 

Henrietta Street, (Joventgarden. 812 Broadway. 



Inhalt des LIX. Jahrganges (1911). 

Seite 
W. B a c m e i s t e r , Dr. Freiherr Richard König von und zu 

Warthausen. Ein Gedenkblatt. Mit Bildnis 613 

W. Bassermann, Über die Straufsenzucht 149 

A. B e r g e r , Liste der auf meiner mit Major Roth und K. v. 

Donner unternommenen Expedition gesammelten Vogelbälge. 

Mit Karte 503 

E. Detmers, Studien zur Avifauna der Emslande .... 434 

E. Eylmann, Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien . . 93, 259 

F. Gröbbels, Drei Beiträge zu der Frage nach der Entwickelung 

biologischer Phänomene unseres Vogellebens 241 

J. H a m m 1 i n g und K. Schulz, Beobachtungen aus der Um- 
gegend von Posen 384, 529 

0. Heinroth, [Beobachtungen in Dalmatien] 707 

E. H e s s e , Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 

1910 361 

F. V. Lucanus, [Untersuchungen darüber, bis zu welcher Höhe 

fliegende Vögel sichtbar bleiben] 524 

N. Sarudny, Verzeichnis der Vögel Persiens 185 

M. Sassi, Malacoptila torquata minor nov. subsp. . . . 181 
H. S c h a 1 w , [Mitteilungen aus der Umgegend des Bades Kis- 
singen] 166 

— [Nachruf an Dr. Parrot] 521 

E. Schnorr v. Carolsfeld, Dr. Carl Parrot f- Mit Bildnis 345 
J. Thienemann, X. Jahresbericht (1910) der Vogelwarte 

Rossitten der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft L Teil 620 
0. Graf Zedlitz, Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- 
Afrika. Mit 2 Tafeln 1 

— Nachtrag zu „Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika" 591 

— Revision des Genus Camaroptera 328 

— Ornithologische Notizen von der „Zeppelin-Studienfahrt", Spitz- 

bergen Sommer 1910 300 

H. W e i g 1 d , H. Jahresbericht der Vogelwarte der Kgl. Biolo- 
gischen Anstalt auf Helgoland 1910 Sonderheft 

Deutsche Ornithologische Gesellschaft. 

Bericht über die Septembersitzung 1910 164 

Bericht über die Oktobersitzung 1910 168 

Bericht über die Novembersitzung 1910 170 

Bericht über die Dezembersitzung 1910 350 



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IV 

Seite 

Bericht über die Januarsitzung 1911 353 

Bericht über die Märzsitzung 1911 521 

Bericht über die Aprilsitzung 1911 524 

Bericht über die Maisitzung 1911 707 

Mitgliederverzeichnis 1911 173 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften . . .. 182, 356, 526, 712. 



Abbildungen. 

1. Köpfe von Corvus corax tingitanus und C. c. krausei. 

2. Passer griseus eritreae, F. g. swainsoni, F. g. neiimanni. 

3. Bildnis von Dr. Parrot. 

4. Karte zur Expedition A. Berger. 

5. Bildnis von Baron Koenig-Warthausen. 

6. Emhenza siwdocephala 9 iuv. im Sonderheft. 




Corviis corax tingitanus Irby. 




G Krause ad nai. 



Corvus corax krausei Zedl. 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 



Neunundfünfzigster Jahrgang. 



No. 1. Januar 1911. 

Meine omithologisclie Ausbeute in Nordost-Afrika. 
Von O. Graf Zedlitz. 

(ffierzu Tafel 1.) 
(SchluTs vou Jahrgang 1910 Seite 807.) 

XLIII. Corvidae. 

224. Corvus corax krausei Zedl. 

0. Graf Zedl. 0. M. 08 p. 178/79. 

9d* ? ? No. 38, 39, 45, 46 El Tor (Sinai) 21.2. 08. Palä- 
arktisch. 

Der Beschreibung dieser Form in den 0. M. 08 habe ich 
nichts hinzuzufügen. Dieser Rabe steht gewissermafsen in der Mitte 
zwischen C. c. tingitanus Irby aus N.-Afrika und C. c. laurencei 
Hume aus NW.-Indien und Palästina. In den Mafsen gleichen 
sich mehr hrausei und tingitanus bis auf den Schnabel, in der 
Färbung mit ihrem matten etwas bräunlichen Ton stehen sich 
anscheinend hrausei und laurencei näher, während der Gegensatz 
in den Mafsen erheblich stärker ist. C. c. umbrinus ist bedeutend 
brauner in seinem Kleide als diese beiden, aufserdem biologisch 
ganz verschieden. Er ist ein Bewohner der flachen Wüste, 
krausei dagegen wie tingitanus ein Kind der Berge. 

Ende Januar hielten sich die Raben in Trupps beisammen, 
genau wie ich es bei tingitanus in Tunesien früher beobachtet 
habe, die Brutzeit dürfte kaum vor Ende März beginnen, da es 
vorher im Sinai noch recht unwirtlich ist. 

223. Corvus albus F. L. S. Müller. 

Rchw. V. A. II p. 634: C. scapulatus. 
0. Neum. J. 0. 05 p. 230: C. scapulatus. 
Kleinschmidt J. 0. 06 p. 90: C. albus. 
9 No. 895 Salamona 5. 7. 08 (Müller leg.). 

Jonm. f. Om. LIX. Jahrg. Januar 1911. 1 



2 0. Graf Zedlitz: 

9<:f9cfd* No. 1063, 1079, 1107, 1108, 1109 Nocra und 
Dahlak 10./14. 2. 09. 

9 No. 1110 (aberr.) Dahlak 14. 2. 09. Geb. I. 

An Hand der v. Erlanger'schen Ausbeute hat Kleinschmidt 
im J. 0. 06 p. 78 — 99 die Gruppe der Raben sehr ausführlich 
behandelt, dabei auch den C. albus, wie der alte scapulatus jetzt 
auf einmal heifst, sowie den umstrittenen phaeocephalus Gab. Ich 
kann hier nur auf den sehr interessanten Aufsatz hinweisen und 
versage mir jede Wiederholung daraus. Mein Material ist in 
mehreren Punkten recht lehrreich und geeignet, die Auffassung 
Kleiuschmidt's zu stützen. Das am 5. Juli gesammelte 9 ist in 
der Mauser, besonders am Kopf und Hals sieht man deutlich 
die frischen Federn, welche schwarz mit blauem Glanz sind, 
zwischen den alten, welche braun mit schwach violettem Schimmer 
sind, sich hervordrängen. Die im Februar erlegten Vögel, haben 
sämtlich Kopf- und Halsfärbung schwarzbräunlich mit mehr oder 
weniger (meist aber geringem) violettem Glanz, nach meiner 
Überzeugung ist das Braun nur eine Folge des Ausbleichens durch 
die Sonne und kann nicht zur Begründung einer gesonderten 
Form benutzt werden. Die Flügelmafse variieren ebenfalls stark 
bei den am gleichen Ort erlegten Vögeln wie folgende Zahlen 
zeigen: 5. 7. 08 9 342 mm, 10. 2. 09 9 365 mm, 12. 2. 09 cT 
352 mm, 14. 2. 09 9 355 mm, 14. 2. 09 cf 380 mm, 14. 2. 09 
cT 330 mm, 14. 2. 09 9 (aberr.) rechts 322, links 325 mm. Die 
Mafse liegen also zwischen 322 und 380 mm, bei v. Erlanger 
zwischen 315 und 377 mm, also ganz ähnliche Differenzen. 

Mein aberrantes Stück ist fast ganz schwarz, nur auf Kropf 
und Oberbrust zeigen sich helle Federränder, welche so fein sind, 
dafs man sie am lebenden Vogel in einiger Entfernung mit 
blofsem Auge nicht wahrnehmen konnte. Im Nacken ist ein fast 
ganz verdeckter weifser Fleck. Dieser Vogel ist dem dunkelsten 
phaeocephalus Gab., welcher schon so viel besprochen wurde, sehr 
ähnlich, ich habe sie hier nebeneinander vor mir und möchte 
den vulgären Ausdruck gebrauchen: „Sie gleichen sich wie ein 
Ei dem anderen". Der Charakter der aus schwarz, weifs und 
braun gemischten Zeichnung ist absolut derselbe. Ich behaupte 
nun mit vollster Bestimmtheit, es handelt sich hier nur um eine 
melanistische Aberration und nichts anderes. Abgesehen von 
der sonst deutlichen Übereinstimmung mit normalen Schildraben 
führe ich auch als Beweis das biologische Moment an, ich habe 
das abweichende Stück 3 Tage lang von früh bis Abends beob- 
achten können. In dieser Zeit wohnte ich in dem Hauptdorfe 
auf Dahlak in einem mir vom Schech zur Verfügung gestellten 
Häuserkomplex an der Peripherie des Ortes, der von Schild- 
raben wimmelte. Diese hatten es sofort heraus, dafs vor der 
Tür meines Präparators stets Vogelkörper lagen, und belagerten 
unsere Wohnung von früh bis spät. Gleich beim Einzüge bemerkte 
ich den schwarzen Burschen inmitten seiner Gefährten und 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 3 

behielt ihn so zu sagen immer im Auge, d. h., wir begrüfsten uns 
regelmäfsig früh, Mittags und Abends, das letzte Mal mit einem 
bleiernen Grufs, da er bei meiner bevorstehenden Abfahrt wohl 
sonst nicht gutwillig mitgekommen wäre. Während der ganzen 
Zeit zeigte der Rabe nichts in seinem Benehmen, wodurch er 
sich von den anderen unterschieden hätte, stets war er mit ihnen 
zusammen, auch seine Stimme war die gleiche. Übrigens habe 
ich am 11. 2. 09 etwa am entgegengesetzten Ende der Insel 
einen zweifellos nicht mit diesem identischen anderen schwarzen 
Schildraben gesehen, der mit einem normal gefärbten anscheinend 
angepaart war. Leider zeigten sich beide sehr scheu, sodafs ich 
nicht zu Schufs kommen konnte. Wenn erst in den betreffenden 
Gegenden mehr gesammelt sein wird, dann glaube ich, dafs eine 
ganze Reihe solcher melanistischer Aberrationen erscheinen wird. 
Zweifellos zeigt aber der weiter westlich im Nilgebiet und O.- 
Afrika lebende Schildrabe nicht die gleiche Tendenz zu Melanismus, 
ich wiederhole deshalb auch als meine Überzeugung die Worte 
Kleinschmidt's: „So wäre es nicht ausgeschlossen, dafs der Name 
C. phaeocephalus Gab. doch noch für NO.- Afrikaner in Frage 
käme". Mir liegen an Vögeln aus anderen Gebieten nicht die 
erforderlichen Suiten in verschiedenen Kleidern vor, ich rechne 
aber damit, dafs wir einen C. albus albus Müll, im Sudan und 
einen C. a. phaeocephalus Gab. am Roten Meer und im N.-Somali- 
land haben dürften. Ob der Ostafrikaner mit dem Sudanvogel 
übereinstimmt, ist eine offene Frage. 

Der Schildrabe benimmt sich ähnlich wie unsere graue 
Krähe. Ich fand ihn ausschliefslich in der Nähe menschlicher 
Niederlassungen, auf dem Festlande selten, auf den Inseln da- 
gegen häufig. Da er nicht verfolgt wird, ist er sehr frech. Er 
lebt zumeist vom Abfall und sammelt sich sofort in Scharen an 
jedem Luder. Besetzte Horste habe ich noch nicht gefunden, 
doch ist nach Befund der Sektion unzweifelhaft, dafs die Brut- 
zeit bevorstand. Dem 9 No. 1063 konnten wir ein legereifes 
Ei entnehmen. 

Im Geb. III und IV kommt der Schildrabe nicht vor, hin- 
gegen sah ich ein Exemplar in Bareutu nahe der Sudangrenze. 
Es dürfte sich hier schon um die westliche Form gehandelt haben, 
leider konnte ich des Vogels nicht habhaft werden, da er sich 
zwischen den Hütten der Eingeborenen herumtrieb, wo man nur 
ausnahmsweise einen Schufs abgeben kann, ohne Menschen zu 
gefährden. 

226. Corvus capensis minor Heugl. 

Rchw. V. A. II p. 638: Eeterocorax c. m. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 230: Eeterocorax c. m. 

Kleinschmidt J. 0. 06 p. 79: C. c. m. 

999 No. 146, 147, 148 südlich Asmara 4. 2. 08. 

cT ? No. 425, 426 südlich Asmara 5. 3. 08. Geb. III. 



4 0. Graf Zedlitz: 

Ich verweise zunächst wieder auf Kleinschmidt's Arbeit, 
deren Ausführungen ich mich nur anschliefsen kann. Auch hier 
ist wieder einmal der Fall eingetreten, dafs schliefslich die „minor"- 
benannte Form diegröfsere ist. Nicht, dafs mich dies tief be- 
kümmerte, ich erwähne es nur aus statistischen Gründen. Die 
Flügelmafse meiner Stücke sind: 999 320, 315, 315 mm, cf? 
310, 330 mm, also sehr konstant und durchweg kleiner als v. 
Erlanger's Mafse bezw. an deren unterste Grenze hinanreichend, 
jene sind 330 — 367 mm. 0. Neumann mifst bei seinen Stücken 
aus Schoa und Gofa, also vom Hochlande, 351 — 365 mm, bei 
einem Stück aus dem Tieflande des Sudans vom Akobo nur 305 mm. 
Da meine Exemplare sämtlich in rund 2500 m Meereshöhe er- 
beutet sind, läfst sich aber nicht allgemein behaupten, dafs Vögel 
vom Hochlande gröfser, solche aus der Niederung kleiner seien, 
eher scheinen mir die südaethiopischen stärkere, die nord- 
aethiopischen kleinere Mafse zu haben. Ob Vögel aus dem 
Sudan als konstant kleiner von den beiden abzutrennen sind, 
bleibt späteren Untersuchungen vorbehalten, mir erscheint die 
Differenz von 310 (kleinster Eritreavogel) und 305 mm (Akobo- 
vogel) doch recht minimal. 

Die auffallenden biologischen Abweichungen von anderen 
Raben sind von allen Forschern betont worden, ich verweise be- 
sonders auf Heuglin's und Kleinschmidt's Ausführungen. Letzterer 
vergleicht den Kropfraben m. E. recht zutreffend mit unserer 
Saatkrähe. Ich gestatte mir hier, nur einige Zeilen meines 
Tagebuches wörtlich so wiederzugeben, wie ich sie nach meiner 
ersten Beobachtung des C. c. minor niederschrieb: „Asmara 
4. 2. 08. Eine gröfsere Gesellschaft C. capensis minor bei einer 
Farm, wo Felsen und offenes Wasser. Flug leicht, oft rüttelnd, 
behend und mit vielen Kurven. Auf der Erde schnell herum- 
laufend, im ganzen sehr beweglich. Stimme viel höher und 
kreischender als die anderer Raben. Auf den gefallenen Genossen, 
auch wenn geflügelt, stofsen sie nicht, wie z. B. C. affinis, sonst 
aber nicht besonders scheu, sitzen gern auf den wenigen vor- 
handenen Bäumen." 

Die Brut dürfte in den Sommer fallen. Ich fand den 
Kropfraben ganz ausschliefslich im Hochgebirge über 2000 m. 
Wer ihn kennt, kann ihn nicht übersehen, ich bezweifle deshalb 
stark, dafs er im Barcagebiet vorkommen dürfte, wenn auch unter 
Heuglin's Fundorten ,,Bogos" aufgeführt wird. Man weifs eben 
nie recht, was mit diesem Namen gemeint ist, der auf Heuglin's 
Karte auch so in grofsen Zügen quer über eine sehr aasgedehnte 
Region weggeschrieben ist. Als Freund menschlicher Ansied- 
lungen fehlt dieser Rabe naturgemäfs im sehr schwach bevölkerten 
Geb. IV. 

227. Corvus affinis Rüpp. 

Rchw. V. A. II p. 639 Rhinocorax a. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 231 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 5 

Hartert V. d. p. F. p. 8 Corvus a. 

Kleinschmidt J. 0. 06 p. 83 „ „ 

cf, ? (9) No. 154, 155 Asmara 4. 2. 08. 

d* No. 191 Anseba oberhalb Cheren 11. 2. 08. Geb. II, III. 

Die Mafse bei diesem Raben variieren sehr und werden 
häufig nach der einen oder anderen Richtung zu knapp gefafst : 
Hartert nennt als Flügelmafs 34—37 cm, da ist die oberste 
Grenze zu klein gezogen. Reichenow wieder gibt 375— 400 mm 
an, da ist die unterste Grenzezu hoch hinaufgerückt. Es messen 
15 südaethiopische Stücke v. Erlangers 342—390 mm, 3 Stücke 
gleicher Herkunft von Neumann 352 — 410 mm, 3 nordaethiopische 
von mir 350—400 mm, im Gegensatz zu diesen allen 2 süd- 
arabische Exemplare von Erlanger 331 und 343 mm. Es bleibt 
abzuwarten, ob die arabischen Vögel sich als konstant kleiner er- 
weisen. Ich bemerke, dafs es sich um 2 cfcf handelt, im all- 
gemeinen aber die cfcT gröfsere Mafse zeigen als die 99- 

Im übrigen möchte ich auf die ausführlichen Besprechungen 
der oben zitierten Forscher verweisen. Der gleitende Flug dieser 
kurzschwänzigen Raben ist ganz eigenartig und erinnert tat- 
sächlich etwas an den des Gauklers. Die Nähe menschlicher 
Ansiedlungen wird ersichtlich bevorzugt. 

XLIV. Dicruridae. 

228. Dicrurus adsiniilis lugubris Hemp. & Ehrenbg. 

Rchw. V. A. II p. 646: D. afer. 

v. Erl. J. 0. 05 p. 703: „ „ 

0. Neum. J. 0. 05 p. 232: D. a. lugubris. 

9999 No. 99—102 Ghinda 31. l. 08. 

99, cf juv. No. 1362—1364 Salamona 25. 6. 08. Müller leg. 
Geb. I, II, m. 

Der Drongo ist besonders häufig im Hügelland zwischen 
Salamona und Ghinda, an der Bahnstrecke Massaua/Ghinda sieht 
man ihn überall auf freien Zweigen sitzen. Auch auf dem Hoch- 
plateau ist er nicht selten, selbst dort, wo nur einzelne niedrige 
Büsche zwischen dem Steingeröll sich finden. Im Barcagebiet 
sah ich ihn zumeist in dem östlichen bergigen Teil bei Cheren 
und auch noch bei Scetel, weiter westwärts wurde er seltener, 
im allgemeinen ist er aber überall hier weniger häufig als am 
Ostabhange. Dort fällt die Brut in das zeitige Frühjahr, ich 
besitze vom 25. Juni ein schon flügges Junges, das durch breite 
weifslichgelbe Säume der Federn besonders auf den Flügeldecken 
sich auszeichnet, wo dadurch 2 deutliche Binden gebildet werden. 
Die Flügelmafse meiner Stücke sind normale, 123 — 126 mm. 



6 0. Graf Zedlitz: 

XLV. Oriolidae. 

229. Oriolus 7tionachus nionachus Gm. 

Rchw. V. A. II p. 657. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 1. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 232. 

9 No. 896 oberster Mareb (Plateau) 3. 6. 08. 

d*9 No. 931/32 Ghinda 26. 6. 08 (Müller leg.). Geb. I/III. 

Meine Stücke sind insofern recht interessant, als das auf 
dem Hochland südlich von Asmara erbeutete einen rein gelben 
Schwanz mit Ausnahme der gelblich olivgrünen Mittelfedern hat, 
das Pärchen aus Ghinda dagegen vom Ostabhange zeigt deutlich 
schwarze Zeichung und zwar das cf auf den 4 Paar äufsersten 
Schwanzfedern eine von aufsen nach innen breiter werdende Quer- 
binde, auf den Aufsenfahnen zum Teil tiefschwarz, auf den Innen- 
fahnen matter, das 9 ^ine entsprechende aber durchweg matt- 
schwarze Binde. Die Flügelmafse sind: No. 896: 134 mm (links 
defekt), cfQ No. 931/32 138 und 134 mm. Der Nacken ist bei allen 
Stücken etwa gleich hellgoldgelb und hebt sich nicht scharf vom 
grüngelben Rücken ab sondern geht allmählich in den dunkleren 
Ton über. Auf die einzelnen Unterscheidungsmerkmale gegenüber 
0, larvatus roUeti Salvad. einzugehen würde hier zu weit führen, 
ich verweise auf die betr. Stellen bei Reichenow und 0. Neumann 
J. 0. 05 p. 235. Überhaupt kann ich nur empfehlen, Neumanns Aus- 
führungen zur Systematik der Formenkreise monachus und larvatus 
auf p. 232 — 36 nachzulesen. Im allgemeinen mit ihm vollkommen 
einverstanden mufs ich nur den einen Ausspruch richtig stellen, 
nach welchem die mowacÄMS-Formen nur Hochgebirge über 
2 200 m bewohnen sollen, meine beiden Stücke, die bei Ghinda 
in rund 10 00 m Höhe erbeutet wurden, sind monachus^ und 
keine larvatus. Wie schon aus meiner Beschreibung der Schwanz- 
färbung hervorgeht, sind sie sozusagen intermediär zwischen 
monachus und permistus Neum. Dafs diese schwarze Binde sehr 
variabel ist, geht sowohl aus Neumann's Untersuchungen der aus 
Italien geliehenen Stücke als auch daraus hervor, dafs mein cf 
die Zeichnung viel stärker zeigt als sein 9» das andere 9 ^ber 
garnicht. Ich bin geneigt, der Schwanzfärbung nur ein ganz sekun- 
däres Gewicht beizulegen, dafür aber die Farbe der Schwingen als 
entscheidendes Merkmal zu betonen. Ich habe nicht das Mate- 
rial hier, um über die Berechtigung der Formen meneliki Blund. 
Lovat., welche Neumann nicht anerkennt, und permistus Neum., 
welche er quasi dafür einsetzt (wenn auch in südlicheren Gebieten), 
mir ein eigenes Urteil bilden zu können. Wir hätten also mit 
folgenden Formen zu rechnen: 

1. 0. m. monachus Gm.: Eritrea, Nord- und Central- Abessinien 
bis Schoa, soweit es zum Bl. Nil abwässert. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 7 

2. Eine intermediäre Form, (meneliki Blund. Lovat.?): Berge 
von Harar und Schoa, soweit sie zum Hauasch abwassern. 

3. 0. m. permistus 'Neum.: Berge von Kaffa, Omogebiet. Neben 
diesen Bergbewohnern lebt dann eine larvatus-Fovm 0. l. 
rolleti Salvad. in den Tälern vom Omo bis zum W. Nil. 
Der monachus ist ein ausgesprochener Waldvogel und zwar 

liebt er schattige Plätzchen, wo unter dicht belaubten Hochbäumen 
auch noch reichliches Unterholz vorhanden ist. Daher ist es oft 
nicht leicht, ihn zu sehen und zu erbeuten. Auf der Konzession 
Gandolfi ca. 6 Stunden nordnordöstlich von Asmara in 15 — 1600 m 
Höhe sah ich den Vogel einige Male an einer der dort sehr 
seltenen Waldquellen, um welche eine Urwald ähnliche Vegetation 
sich ausbreitete, leider verschwand er mir immer sofort wieder 
im Blättergewirr. 

XLYI. Sturnidae. 

230. Btiphagus africanus L. 

Rchw. V. A. n p. 666. 

Der gelbschnäblige Madenhacker kommt eigentlich nur im 
Sudan ostwärts bis zum Gebiet des unteren Bl. Nils vor. Trotz- 
dem habe ich ihn in Eritrea zu Gesicht bekommen. Der Grund 
dafür ist, dafs dieser Vogel, der sich mit besonderer Vorliebe an 
Lasttiere hält, mit grofsen Karavanen auch nennenswerte Reisen 
macht, natürlich immer stolz zu Dromedar. So überholte ich am 
1. Mai 1908 östlich von Agordat eine sehr grofse Karavane, 
welche über Kassala aus dem Sudan kam, und wer safs ganz 
vergnügt auf einigen jüngeren ledig gehenden Höckertieren V 
Gelbschnäblige Madenhacker, es mögen 3—4 Stück gewesen 
sein. Sie hatten sämtlich gelbe Schnäbel und waren nicht 
etwa junge erythrorynchus. Nun ist es garnicht einfach, solch 
einen Burschen zu erbeuten: schiefst man ihn auf seinem Last- 
tier, so sind die Besitzer des letzteren wenig erfreut, in der nicht 
ganz unrichtigen Auffassung, dafs ein Kamelhöcker kein Kugel- 
fang ist nicht einmal für Schrotkörner. Jagt man aber den 
Madenhacker herunter, so fliegt er meist auf der entgegengesetzten 
Seite des grofsen Tieres schräg abwärts und bleibt durch den 
Rumpf desselben gedeckt, bis er aufser Schufsweite ist. Aufser- 
dem sehen die Eingeborenen es überhaupt nicht gern, dafs man 
ihren Höckertieren um die Ohren knallt, weil diese dann bisweilen 
scheu werden. Die Führer schlagen daher ein beschleunigtes 
Tempo an, wenn sie solche Absichten beim Sammler merken. 
Kurz ich konnte nicht zu Schufs kommen und mufs mich damit 
begnügen, den B. africanus vom Maultier aus auf 4 — 5 m 
Entfernung ganz genau erkannt und ihn als Vergnügungsreisenden 
für so weite Strecken festgestellt zu haben. 



8 0. Graf Zedlitz: 

231. Buphagus erythrorynchus Stanl. 

Rchw. V. A. II p. 667. 

0. Neura. J. 0. 05 p. 237. 

V. Erl. J. 0. 05 p. 705. 

? No. 184 Ela Bered 10. 2. 08. 

999?c:r No. 212—16 Cheren 12. 2. 08. 

cr9 No. 439/40 Asmara 8. 3. 08. Geb. II, III. 

Wo menschliche Niederlassungen sich befinden, deren Be- 
wohner viel Vieh halten, da lebt auch dieser Buphagus. Natür- 
lich sieht er es in erster Linie auf Tiere mit offenen Wunden 
am Rücken ab, daher hält er sich weit mehr an Dromedare, 
Maultiere und Esel als an Hornvieh. Auf den sehr gut gehaltenen 
Zebu-Rindern der Beni Amer, welche ich bei Scetel und Massaua 
täglich zu hunderten zur Tränke kommen sah, beobachtete ich 
so gut wie nie Madenhacker, wo aber ein Esel abseits weidete 
und die Druckstelle am Wiederrist sich ausheilen sollte, da safs 
gleich Ya Dutzend von diesen Plagegeistern auf ihm. Mit vollstem 
Recht erklärt sie Neumann für eins der schädlichsten Tiere, das 
überhaupt in jenen Gegenden existiert, denn abgesehen von der 
fortwährenden Beunruhigung ihrer Opfer und der natürlich nach 
Kräften verzögerten Heilung werden durch Übertragung von Blut 
und Eiter auch noch bösartige Infektionen verursacht. Es kann 
auf dies schädliche Treiben nicht genug hingewiesen werden, um 
eine Aufhebung der vollkommen ungerechtfertigten Schonbestim- 
mungen zu erzielen. Es liegt auch dann wohl auf absehbare 
Zeit noch kaum die Gefahr vor, dafs dieser Vogel wegen zu 
intensiver Verfolgung aus der tropischen Fauna verschwindet. 

Mit dem Madenhacker hängt ein scherzhaftes Erlebnis zu- 
sammen, das ich hier einflechten möchte. Am Nachmittag des 
12. 2. 08 durchstreifte ich die unmittelbare Umgegend von Cheren 
auf der Suche nach Vögeln, eigentlich fiel nur die Auswahl 
schwer, denn wenige Orte zeigen ein qualitativ wie quantitativ 
so reiches Vogelleben. Da sah ich an einer Kaktushecke ein 
einsames Dromedar stehen, dessen ganzer Rücken buchstäblich 
von Madenhackern bedeckt war. Nun hatte ich schon die Er- 
fahrung gemacht, dafs es oft nicht glückte, auf diese Kerle im 
Abstreichen einen guten Schufs anzubringen, ich sagte mir auch, 
dafs es dem armen Höckertier nicht viel schlimmer mehr gehen 
könnte, wenn es noch einige Körner Vogeldunst No. 13 erwischte, 
die meisten mufsten ja durch die dicht gedrängt sitzenden Vögel 
aufgefangen werden. Mein treuer Gewehrträger Stella meinte 
dasselbe, und so zielte ich mitten auf die Gesellschaft und sandte 
ihnen aus der Kaliber 12 eine ordentliche Dosis feines Blei zu. 
Der Erfolg war glänzend: 10 Buphagus purzelten herunter, von 
denen die 5 besten als No. 512 — 16 gebalgt wurden; das Dromedar 
machte ein so dummes Gesicht, wie ich es selbst bei einem so 
wenig geistig regsamen Vieh nicht für möglich gehalten hätte, 



Meine ornitbologiscbe Aasbeate in Nordost-Afrika. 9 

und schlug sich seitwärts in die Büsche in ziemlich lebhaftem 
Trabe. Es mufste doch etwas wie Kitzeln gespürt haben, denn 
nach einigen Tagen erfuhr mein Stella zufällig gesprächsweise, 
dafs eine Dromedar entlaufen sei, natürlich war es dasselbe. Wir 
hüteten uns wohl, von unserer heimlichen Schandtat etwas ver- 
lauten zu lassen, es blieb auch Frieden. Nach 10 Monaten im 
Dezember 1908 wurde dann besagtes Höckertier zurückgebracht, 
nachdem es die ganze Zeit in den Bergen als Einsiedler gehaust 
und sich dabei so dick und fett gefressen hatte, wie es einem 
arbeitenden Tier dieser Art wohl nie gelingt. Also das Befinden 
war vorzüglich, die Flucht war offenbar hauptsächlich durch den 
Schreck bewirkt worden. Erstaunlich ist mir dabei nur das eine, 
dafs das Dromedar so lanj^e Zeit den Hyänen entgangen ist, 
welche in der Umgegend von Cheren geradezu als Landplage 
auftreten. Natürlich hätte ich das alles nicht konstatieren können, 
wenn ich nicht im März 09 wieder nach Cheren gekommen und 
mein Stella nicht eine allgemein bekannte und beliebte Persön- 
lichkeit dort gewesen wäre. Warum das Dromedar damals seine 
lange Sommerfrische bezogen hat, das weifs aber heutigen Tages 
in Eritrea aufser Stella noch keine Seele. 



232. Spreo pulcher rufiventris Rüpp. 

Rchw. V. A. II p. 675: S. pulcher. 

9 juv. No. 196 Cheren 11. 2. 08. 

Cf ?,. „ 281/82 „ 16. 2. 08. 

9 „ 469 Gaalaflufs 11. 3. 08. 

9 „ 778 Barentu 26. 4. 08. 

(f „ 840 Darotai 1. 5. 08. 

9 „ 1227 Cheren 8. 3. 09. 

9 „ 1234 Scetel 12. 3. 09. Geb. II, III. 

An S. pulcher sind anscheinend die Systematiker bisher 
vorbeigegangen, ohne diesen längst bekannten und in seiner 
Heimat so gemeinen Vogel besonderer Beachtung zu würdigen. 
Bei Vergleich der aus verschiedenen Teilen Afrikas stammenden 
Vögel meiner Privatsammlung fiel mir zuerst eine geradezu in 
die Augen springende Verschiedenheit auf. Durch die Liebens- 
würdigkeit der Museumsleitung in Tring wurde mir noch weiteres 
reiches Material zur Verfügung gestellt, sodafs ich unter Zu- 
ziehung der Stücke des B. M. 29 Exemplare untersuchen konnte 
(11 aus Tring, 5 B. M., 13 eigene Sammlung), davon stammen 
15 aus NO. -Afrika, 10 aus NW.-Afrika, 4 aus dem Sudan. Ich 
konnte dementsprechend 3 recht gut unterschiedene Formen 
feststellen : 

1. S. p. pulcher St. Müller NW.-Afrika, Senegal. 

2. S. p. rufiventris Rüpp. Eritrea, N.-Abessinien. 

3. S. p. intermedius Zedl. Sudan bis Adamaua. 



10 0. Graf Zedlitz: 

Zuerst mufs ich auf die Namensfrage unter Berücksichtigung 
der Priorität eingehen : Buffon in seinem „Planches enluminees" 
Vol. IV p. 97 T. 358 beschrieb zuerst einen „Merle ä ventre 
jaune du Senegal", dessen Unterseite von der Kehle an lebhaft 
orangegelb gefärbt sein sollte, was auch die Abbildung be- 
stätigt. Ein Typus liegt nicht vor. Diesen Vogel nannte Gmelin 
„Turdus chrysogaster'''' und Temminck „Latnprotornis chrysogaster'^; 
später beschrieb Vieillot unter dem gleichen Namen einen ganz 
anderen Vogel aus dem Kaplande, der bei Buffon unter No. 221 
abgebildet ist, Schliefslich hat gar Van Swinderen im bearbeiteten 
Syst. Cat. von Buffon's „Planches" die No. 358 und 221 als 
denselben Vogel darstellend bezeichnet. Dies Chaos ist un- 
entwirrbar und am besten läfst man den Namen chrysogaster 
ganz fallen, da er nicht einem Typus gegeben wurde, sondern 
auf einer Beschreibung beruht, welche ohnehin garnicht auf 
unseren Vogel pafst, dessen Bauchfarbe ich beim besten Willen 
weder als orangegelb noch als goldig bezeichnen kann. Wir 
nehmen deshalb für den Senegal-Vogel den ältesten nachweisbar 
richtigen Namen „Turdus pulcher'''' von St. Müller S. N. S. 
Suppl. 139 (1776) an und nennen ihn ternär „Spreo pulcher 
pulcher St. Müller." 

Auf eine Verschiedenheit des nordostafrikanischen S. pulcher 
vom typischen hat zuerst oberflächlich Ehrenberg hingewiesen 
(Symbolae physicae, Aves Decas I, Bogen aa Note), doch lag ihm 
nur ein Stück von der abessinischen Küste vor, einen neuen 
Namen für den NO.- Afrikaner zugleich mit einer Diagnose 
brachte uns Rüppell N. W, p. 27 T. 1 1 F. I ,,Lamprotornis rufi- 
ventris oder L. chrysogaster var. ahyssinica^K Vorher auf p. 24/25 
geht er bei allgemeiner Besprechung der Lamprotornis-F ormeu 
speziell auf die Nomenklatur-Frage ein, jenen Ausführungen ist 
auch das Vorstehende zum Teil entlehnt. Die Rüppell'sche 
Diagnose ist durchaus treffend, besonders hebe ich als charak- 
teristisch hervor: „Nacken, Rücken, Flügeldeckfedern, Kehle, 
Hals und Brust bis zur Bauchraitte schön schwarzgrün mit 
lebhaftem entenhälsigem Metallschimmer, Bürzel und 
obere Seite des Schwanzes glänzend stahlblau". Damit 
stimmt die Abbildung vollkommen überein, bei welcher der 
blaue Bürzel trotz der Profilstellung noch deutlich hervortritt. 
Also der Rüppell'sche Vogel zeigt einen schönen vollen Metall- 
glanz, teils entenhälsig grün, teils bläulich. Genau so präsen- 
tieren sich alle ausgefärbten Stücke aus NO.-Afrika, welche mir 
vorliegen. Sie unterscheiden sich von Senegal-Vögeln wie folgt: 
Beim typischen pulcher ist der metaUische Schimmer der Unter- 
seite matt grün, zum Teil mit grau gemischt, zum Teil ins 
Broncefarbene ziehend. Die Oberseite ist ebenfalls matt, ihr 
Metallglanz fast rein broncegrünlich, nur auf den Schwanz- 
federn zeigt sich ein schwach bläulicher Ton. Mit einem Wort: 
Der Vogel sieht relativ matt aus, der Metallglanz ist im 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 11 

wesentlichen grünlich. Beim Vogel aus Eritrea dagegen 
zeigt die Unterseite sattgrün metallischen Schimmer, der bei 
ausgefärbten Stücken im frischen Gefieder zum Teil ins Bläu- 
liche spielt, die Oberseite hat aufser dem grünlichen je nach 
Alter und Frische des Gefieders einen mehr oder weniger aus- 
gesprochen aber stets wahrnehmbaren bläulich-violetten 
Glanz. Mit einem Wort: Der Vogel hat lebhaften Glanz, der 
Metallschimmer zieht mehr oder weniger ins Bläuliche. Dieser 
Form gebührt der Name S, p. rufiventris Rüpp. Die Mafse 
beider unterscheiden sich kaum, bei pulcher messe ich Flügel- 
längen von 105—115 mm, bei rufiveniris von 112 — 120 mm, 
dabei sind die cTd* meist etwas gröfser, weitaus die meisten 
Stücke messen zwischen 112 — 116 mm. Nun liegen mir noch 
3 Stücke vor, welche Baron Rothschild in Nubien und Dongola 
im Januar/Februar 1901 sammelte (cf99)» sowie 1 Stück des 
B. M. aus Giddar (Adamaua) leg. Sanitätssergeant Staniszewski 24. 
5. 09. Wenn ich diese Exemplare mit den anderen aus NO.- und 
NW.-Afrika vergleiche, so kann ich die 4 gut unter sich überein- 
stimmenden Stücke weder zu der einen noch zu der anderen 
Subspezies ziehen, sondern mufs sie als konstante Form ab- 
trennen: Der Metallglanz der Unterseite ist ausgesprochener als 
bei pulcher, doch zeigt sich die gleiche Neigung ins Broncegrüne 
hinüberzuspielen; der Rücken ist ebenfalls glänzender als bei 
pulcher und mit Ausnahme von ganz wenigen Federchen fast 
rein grün schimmernd, nicht bläulich wie bei rufiventris, doch 
zeigt im Gegensatz hierzu der Bürzel vielfach deutlich blaue 
Federränder. Dieser und der Oberschwanz sind blauer als bei 
pulcher, doch ist der Schwanz nicht so violettblau wie bei rufi- 
ventris. Diesen Vogel möchte ich S. p. intermedius nennen. 
Typus: das Stück des B. M. aus Giddar 24. 5. 09. 

Junge Vögel aller Formen haben den gröfsten Teil der 
ganzen Unterseite rostrot wie den Bauch, am Kropf zeigen sich 
einzelne grünliche Federchen. 

Der rotbauchige Star ist weit verbreitet über Eritrea, in 
Abessinien geht er anscheinend nicht sehr weit nach Süden 
hinab. Dicht bevölkerte Distrikte zieht er entschieden vor, im 
nahezu menschenleeren Adiabo-Lande sah ich ihn überhaupt 
nicht. Wald und Dornbusch sagt ihm weniger zu als die Steppe 
mit lichtem Bestände, Felder sind ihm besonders sympathisch. 
Am zahlreichsten tritt er wohl in und um Oberen auf, dort sitzt 
er sozusagen auf jeder Hecke und jedem Busch, dabei zieht er 
aber die steppenartigen Teile der Umgegeng den hochkultivierten 
Gärten vor. Im ganzen Barcagebiet traf ich ihn allenthalben. 
Das Land der Beni Amer ist ja auch dicht bevölkert und relativ 
nicht arm an Kultur. Im Süden kam er noch in Barentu vor, 
drunten am Tacazze in der Wildnis fand ich ihn jedoch nicht 
mehr. Auf dem Plateau von Asmara sah ich ihn dort, wo die 
Gegend nicht allzu kahl und baumlos ist, an der Meeresküste 



12 0. Graf Zedlitz: 

und auf den Inseln scheint er nicht zu leben. Stets traf ich ihn 
in kleinen Trupps, von Paarunp war bis zum Mai noch nichts zu 
merken, die Brutzeit fällt also wohl in den Sommer gegen Schlufs 
der Regenzeit. Den gröfsten Teil des Tages verbringt dieser 
Star an der Erde, wo er eifrig botanisiert, dabei recht gewandt 
und flink herumlaufend, in seinem ganzen Benehmen keinen 
Moment die Star-Manier verleugnend. Auf den Bäumen wählt 
er gern freiliegende Sitzplätze, besonders die Spitzen der höheren 
Dornbüsche scheinen ihm als Ruheplatz zuzusagen. Nicht selten 
traf ich ihn und Lamprocolius cyaniventris in schönster Eintracht 
beisammen, vergebens habe ich dagegen stets nach seinem Vetter 
den S. superbus ausgeschaut, immer und immer wieder liefs ich 
alle rotbauchigen Stare, die ich zu Gesicht bekam, mit dem 
Glase Revue passieren, aber nie zeigte sich darunter einer mit 
hellem Brustbande und weifsen Unterschwanzdecken. Wenn er 
in den von mir bereisten Gegenden überhaupt vorkommt, so 
mufs seine Verbreitung eine sehr lokale sein ; dafs er erst zur 
Brutzeit von Süden her einrücken sollte, glaube ich nicht recht, 
da alle anderen Stare im Lande ausgesprochene Standvögel sind. 

233. Lamprocolius cyaniventris Blyth. 
Rchw. V. A. II p. 687: L. chalyhaeus. 
V. Erl. J. 0. 05 p. 709: „ „ 

0. Neum. J. 0. 05 p. 239 : L. cyaniventris. 
V No. 142 Asmara Febr. 08 (geschenkt erhalten). 
99 No. 240, 259 Anseba b./Cheren 14. 2. 08. 
9, ? „ 290, 291 Oberen 16. 2. 08. 
? „ 355 Ela Bered 26. 2. 08. 
cf „491 Marebquellen 13. 3. 08. 
cT „ 828 Agordat 29. 4. 08. 
9 „ 897 Adua 6. 4. 08 (Müller leg.). 
9 „ 1300 Mansura (Barca) 25. 3. 09. Geb. II, III. 
Der Typus von L. chalyhaeus Hemp. & Ehrenbg. stammt 
aus Ambukol (Dougola), er ist sehr klein, Fl. 122, Schwanz 86 mm, 
und zeigt wenig blau auf dem Bürzel. Bei allen Stücken von 
Neumann und mir sind die Mafse erheblich gröfsere, der Bürzel 
ist stets sattblau. Ich schliefse mich daher Neumann in der 
Nomenklatur an und bitte weiteres dort J. 0. 05 p. 239 darüber 
nachzulesen. 

In der Färbung vermag ich keine konstanten Unterschiede 
bei meiner Suite zu konstatieren, die Flügelmafse der Stücke vom 
Hochland aus Geb. III sind jedoch etwas gröfsere: 

No. 142: 147 mm No. 240: 135 mm. 

„ 355: 150 „ „ 259: 133 „ 

„ 491: 145 „ „ 290: 136 „ 

„ 291: 141 „ 
„ 828: 140 „ 
„ 1300: 140 „. 



Meine ornitbologiscbe Ausbeute in Nordost-Afrika. 13 

Das Stück von Adua No. 897 mifst 140 mm Flügellänge, 
in der Färbung ist es etwas abweichend von allen anderen. 
Kropf und Rücken zeigen einen broncenen Ton, durch den das 
Gefieder im allgemeinen matter wirkt, Bürzel und Oberschwanz 
haben nicht rein blauen, sondern stark mit violett gemischten 
Metallglanz. Vielleicht lassen sich später bei sehr grofsem 
Material doch noch Subspecies dieses weit verbreiteten Stares 
feststellen. Zur Frage, ob chloropterus und syncohius als lokale 
Formen anzusehen seien, haben Reichenow und Neumann mehr- 
fach Stellung genommen, vergleiche J. 0. 05 p. 240 unter 
chloropterus (Neum.), p. 709 unter chalyhaeus (Rchw.j. Ich halte 
es für unerheblich, ob beide Arten in Afrika als Brutvögel nur 
„stellenweise" oder „überall" nebeneinander vorkommen. Der 
Umstand, dafs sie überhaupt nebeneinander nachgewiesen sind, 
sowie ihre konstante erhebliche Gröfsendiffereuz stempeln sie in 
meinen Augen zu Vertretern verschiedener Species. Wenn von 
W. Afrika (Goldküste bis Gabun) nachgewiesen ist, dafs dort 
nur chloropterus vorkommt, so möchte ich als Gegenstück be- 
tonen, dafs in den von mir bereisten Gebieten vom Januar bis 
Juli anscheinend nur cyaniventris sich aufhielt. W^ie aus meinen 
Fundorten ersichtlich ist, habe ich in den verschiedensten Teilen 
von Geb. II und 111, wo er vorkam, Exemplare gesammelt, und 
es haben mir unendlich viel mehr Stücke vorgelegen als ich selbst 
gesammelt habe, da kaum ein Vogel in der Kolonie so eifrig 
von den Italienern wegen seiner Federpracht geschossen wird, 
aber ein chloropterus ist mir darunter nicht zu Gesicht 
gekommen. 

Dieser Star ist ein ausgesprochener Kultur- und Menschen- 
freund, nirgends sah ich ihn so zahlreich wie in den Gärten und 
Höfen von Cheren. In den mittleren und hügeligen Lagen des 
Gebietes II fühlt er sich auch recht wohl, so bei Scetel und 
Maosura. In den Galerie-Wäldern am Barca bis Agordat kommt 
er noch regelmäfsig vor, dann in den Steppen nach Westen und 
Südwesten hin nur noch seltener. Bei Barentu sah ich noch 
Exemplare, welche die Offiziere dort gesammelt hatten, der Vogel 
galt jedoch als durchaus nicht häufig; über das Vorkommen im 
Geb. IV liegen mir keine Belege vor. Im Geb. 1 unterhalb 
Ghinda habe ich von der Bahn aus eines Tages Stare gesehen, 
welche ich für cyaniventris hielt, ganz bestimmt kann ich es 
natürlich nicht behaupten. Jedenfalls ist er hier nicht häufig. 
Heuglin fand ihn übrigens mehr in der Steppe und im Walde, 
weniger bei Niederlassungen, ich machte, wie gesagt, die um- 
gekehrte Beobachtung. In der trockenen Zeit dürfte der Star 
mehr an die Menschen sich halten, nach der Regenzeit, wenn 
die Früchte der Felder und wilden Sträucher reifen, sich weit 
herumtreiben. Beobachtungen über Brüten habe ich nicht ge- 
macht, Heuglin's Angabe, dafs sie in den Juli bis September 
fallen, dürfte für Eritrea durchaus zutreffend sein. 



14 0. Graf Zedlitz: 

234. Lamprotornis purpuropterus aeneocephalus Heugl. 

Rchw. V. A. II p. 710. 

9 No. 187 Ela Bered 10. 2. 08. 

cf „ 543 südlich Arresa 23. 3. 08. 

999 No. 837-39 Agordat 30. 4. 08. 

? „ 1233 Scetel 13. 3. 09. 

9 „ 1301 Mansura 25. 3. 09. Geb. II Grenze von III. 

Der Glanz der Oberseite ist je nach Alter, Geschlecht, Jahres- 
zeit und vielleicht individueller Anlage sehr verschieden, bald 
mehr ins purpurfarbene, bald mehr ins bläuliche, bisweilen sogar 
ins grünliche ziehend. Heuglin nennt diesen Star ausdrücklich 
einen Bewohner der „Gebirge des nördlichsten Abyssinien", da- 
gegen beobachtete ihn Neumann in S.-Aethiopien gerade in den 
Tälern, meist an Seen, wie am Abaya-, Gandjule- und Zuai-See. 
Ich mufs ihm beipflichten und den Lamprotornis als den Bewohner 
der tiefen Lagen bezeichnen, gelegentlich kommt er noch am 
Rande des Plateau's vor, also an der Grenze von Geb. III, das 
beweisen meine Fundorte „Ela Bered" und „südlich Arresa", doch 
fand ich ihn dort ganz vereinzelt. Ela Bered mit seinen Bananen- 
gärten und grofsartigen Agaven-Anpflanzungen ist ein so ausge- 
sprochenes Kulturfleckchen, dafs sich dorthin wohl manche Vögel 
ziehen mögen, welche sonst in einer Höhe von ca. 1600 m sich 
für gewöhnlich nicht mehr aufhalten. Jedenfalls hat der lang- 
schwänzige Glanzstar hier nicht seine eigentliche Heimat, diese 
liegt vielmehr drunten im Barca-Gebiet in den Galeriewäldern 
aus Dumpalmen und in den mit lichtem Dornbusch bewachsenen 
flachen Steppen der ganzen Region von Scetel bis Barentu. Dort 
ist der Vogel aufserordentlich häufig, je gröfser die Kultur, je 
mehr Glanzstare. Heuglin's Annahme, er brüte im Juli und 
August, dürfte auch für das Barca-Gebiet volle Gültigkeit haben, 
bisweilen mag es dort auch etwas später werden. Meine Stücke 
No. 838/39 vom letzten Apriltage sind vorjährige Junge, bei 
welchen auf Rücken, Flügeln und Kropf sich erst stellenweise ein 
wenig Metallglanz zeigt, vorwiegend sind sie noch mattschwarz. 

XLVII. Ploceidae. 

A. Ploceinae. 

235. Textor albirostris albirostris Vieill. 

Rchw. V. A. III p. 3. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 336: unter T. a. nyansae. 

cT No. 209 Anseba unterhalb Ela Bered 11. 2. 08. 

9^*9 luv.^,!' 304/306/ ^"'^^^ unterhalb Cheren 17. 2. 03. 
Geb. II Grenze von III. 



Meine ornitbologiscbe Ausbeute in Nordost-Afrika. 15 

Die bisher bekannten 6 Formen des T. albirostris zählt 0. 
Neumann J. 0. 05 p. 335/36 auf, ich kann hier nur auf seine 
Ausführungen verweisen. 

Den Büflfelweber traf ich auch aufserhalb der Brutzeit in 
grofsen Gesellschaften unmittelbar bei Niederlassungen von Ein- 
geborenen. Dort hielten sich die Vögel den ganzen Tag über 
auf, liefen zwischen den Hütten und auf den Plätzen herum, wo 
das Vieh nächtigte, und erinnerteii in ihren Bewegungen dabei 
etwas an Stare. Wenn v. Erlanger von der südlichen Form inter- 
medius im März und April Gelege finden konnte, so deutet dies 
darauf hin, dafs bei Ginir im Gallalande wohl andere Regen- 
verhältnisse mafsgebend sein müssen. In meinen Geb. II und III 
brütet der Vogel erst gegen Schlufs der Regenzeit, ich habe 
Hochbäume gefunden, welche von alten Nestern bedeckt waren, 
aber keins war besetzt. Die 3 Stücke juv. meiner Sammlung 
tragen noch volles Jugendkleid, das in seiner verwaschenen grau- 
braunen Fleckung auf der Brust an das unserer jungen Stare im 
Frühjahr erinnerte. Übereinstimmend mit meinem Befunde be- 
richten Brehm und Heuglin von Brüten im .Juli bis September 
aus N.-Abessinien, Sennar und Kordofan. Wenn Heuglin diesen 
Textor nicht für einen Standvogel in NO.-Afrika hält, so kann 
ich dem nicht beipflichten. Allerdings bewohnt er nicht das ganze 
Jahr hindurch seine Nester, sondern sucht sie anscheinend nur 
zur Brutzeit auf, aber er entfernt sich nicht allzu weit und sieht 
eben nur zu, wo er in der trockenen Zeit reichlich Nahrung findet; 
das ist naturgemäfs weniger der Fall in der öden Steppe als im 
Umkreise der Ansiedlungen, aus demselben Grunde findet man 
in dieser Periode auch den Vogel mehr an den Berghängen, wo 
die Vegetation lebhafter ist, im Sommer verteilt er sich dann 
in Kolonien über die weite Steppe des Barca-Gebietes, was mir 
zahlreiche alte Brutstätten bewiesen. Die Entfernungen zwischen 
den Winter- und Sommerständen sind jedoch so gering, dafs 
ich mich für berechtigt halte, diesen Weber als Standvogel in 
Eritrea zn bezeichnen. 

236. Flocepasser superciliosus Cretzsch. 

Rchw. V. A, III p. 14. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 336. 

V. Erl J. 0. 05 p. 4. 

? No. 236 Cheren 13. 2. 08. 

9 No. 246 „ 15. 2. 08. 

cT No. 774 Sittona a. Tacazze 22. 4. 08. 

cf9 No. 936/37 Ghinda 18. 6. 08. Geb. T, II, IV. 

Der Sperlingsweber lebt einzeln oder paarweise und scheint 
nicht sehr häufig zu sein. v. Erlanger konnte nur zwei Stück 
sammeln, welche er von einem Baum bei Menaballa im Juni 
1900 herabschofs. Neumann führt 4 Stücke vom Omo-Gebiet und 



16 0. Graf Zedlitz: 

Ghelo auf. Ich habe bei Cheren noch einige Male diesen Weber 
gesehen, oben auf dem Plateau jedoch garnicht, und No. 774 
ist das einzige Stück, das uns im Geb. IV zu Gesicht kam. Die 
Flügelmafse aller meiner Stücke sind sehr gleichmäfsig um 85 mm. 
Heuglin fand ein Gelege im September und gibt uns eine anschau- 
liche Beschreibung der Nester, ich sah an den mit licht stehenden 
Akazienbüschen bewachsenen Hängen bei Cheren einige Male 
kunstvolle Nestbauten, welche vom Flocepasser herrühren dürften. 
Die Brutzeit fällt dort jedenfalls in den Spätsommer. 

237. Sporopipes frontalis Daud. 

Rchw. V. A. III p. 16. 

cT No. 206 oberer Anseba 11. 2. 08. 

<S No. 243 Cheren 16. 2. 08. 

99 No. 807/8 Tocolai 28. 4. 08. 

cf No. 1264 Scetel 15. 3. 09. Geb. II. 

Das Schuppenköpfchen ist im Geb. II überall zu finden, 
am häufigsten erscheint es hart oberhalb Cheren nahe der Grenze 
von Geb. III. Es liebt vegetationsarme Regionen mit recht licht 
stehenden Dornbüschen. Meist sah ich 3 — 5 Stück beisammen, an 
den Wasserstellen des Barca-Tieflandes war es Ende April und 
Anfang Mai regelmäfsig in einigen Exemplaren zu beobachten. 
Das Vögelchen läfst nur hier und da ein leises Zirpen hören, 
scheint auch nicht sonderlich lebhaft zu sein. Solche kleine Gesell- 
schaften halten sich gern lange Zeit an ein und demselben 
Platze auf, abwechselnd vom Busch zum Boden streichend und 
von diesem wieder zurück auf den Strauch. Die Brutzeit beginnt 
während der Sommerregen. 

238. Ploceus baglafecht Vieill. 

Rchw. V. A. III p. 40. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 337. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 6. 

cf cT No. 901/2 Conz. Gandolfi b./Asmara 24./25. 5. 08. Geb. III. 

Der Vogel No. 901 ist ein semiadultes cf und zeigt auf 
dem Scheitel noch grünliche Federchen an der goldgelben Platte. 

Dieser Weber ist ein ausgesprochener Gebirgsbewohner, 
das hat schon Neumann hervorgehoben, der ihn in den Bergen 
des Omo-Gebietes von 2200 m an aufwärts fand. Die Brut auf 
dem Plateau von Asmara fällt in den Sommer, meine Stücke von 
Ende Mai tragen schon ihr Hochzeitskleid. 

239. JPloceus rubiginosus Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 55. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 7. 

9 No. 851 Darotai 1. 5. 08. Geb. II. 



Meine oroithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 17 

Dieser Weber wurde bisher stets weiter südlich gesammelt, 
Temben in N.-Abessinien war wohl der nördlichste Fundort, 
V. Erlanger stellte ihn nur am untersten Ganale im S.-Somalilande 
fest, dort als häufigen Brutvogel. Er scheint allerdings Neigung 
zu weiten Exkursionen zu besitzen, so erwähnt Reichenow ein in 
SW.-Afrika bei Rehobot erlegtes Exemplar, während ruhiginosus 
den Pangani sonst nicht überschreitet. Leider läfst sich durch 
mein 9 allein nicht feststellen, ob es sich um eine abweichende 
Form für Eritrea handelt. Entweder der Vogel ist dort beheimatet, 
dann dürfte er kaum mit den Ostafrikanern und den S.-Somalistücken 
ganz übereinstimmen, oder es handelt sich auch hier wieder um 
ein verflogenes Exemplar, das Datum des 1. Mai spricht jedoch 
nicht dafür. Die von Bocage für Angola angeführte Form liegt 
mir leider nicht vor. v. Erlanger stellte Ende April als Brutzeit 
im S.-Somalilande fest. 

240. Ploceus cucullatus dbyssinicus Gm. 

Rchw. V. A. III p. 57. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 7. 

cf No. 900 Adua 5. 6. 08 (Müller leg.). 

cf „1281 Asmara, Sommer 1908 (geschenkt erhalten). 
Geb. III. 

Das zweite Stück wurde von einem Italiener für mich 
während der Brutperiode im Sommer 1908 gesammelt, es hat 
den ganzen Kropf und Oberbrust orangegelb überlaufen, fast so 
dunkel wie die Nackenfärbung, das schwarze Längsband auf der 
Kropfmitte ist deutlich ausgeprägt, No. 900 dagegen zeigt gerade 
an den Teilen des Kropfes, welche an die schwarze Kehle an- 
grenzen, das hellste Goldgelb, erst die Oberbrust ist schwach 
orangefarben überflogen. Das schwarze Längsband auf der Kropf- 
mitte ist nur durch kleine nicht zusammenhängende Flecke an- 
gedeutet. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dafs sich eine 
dauernde Verschiedenheit zwischen den Vögeln aus Eritrea und 
denen von N.-Abessinien herausstellen könnte, über den genauen 
Fundort von No. 1281 bin ich nicht orientiert, er kann schon 
an der Grenze von Geb. I liegen, welche ja von Asmara so 
leicht zu erreichen ist. Dafs die Färbung der Unterseite bald 
rötlicher, bald goldgelber ist, hätte an sich wohl nichts anderes 
zu bedeuten als einen Altersunterschied, mir ist nur der Umstand 
auffällig, dafs bei dem einen Stück die obersten Teile des 
Kropfes gerade die dunkelsten, beim anderen hingegen die 
hellsten sind. Unter den Bälgen des B. M. befindet sich weder 
bei P. c. dbyssinicus noch bei F. c. hohndorfß Rchw. ein d* von 
diesem Färbungscharakter, stets ist die Umrandung der schwarzen 
Kehle etwas dunkler als die Oberbrust. Ich rechne nun aller- 
dings mit der Möglichkeit, dafs beim Präparieren meines Stückes 
einige dunklere Deckfedern am Kröpfe ausgefallen sein könnten, 

Jooxn. t Orn. LIX. Jahtfr. Januar 1911. 2 



Fl. 60, 


Sehn. 11 mm. 


„ 59, 


„ 10% » 


„ 60, 


„ 10 „ 



18 0. Graf Zedlitz: 

und warte im übrigen weiteres Material ab. v. Erlanger fand 
eine ganze Reihe Gelege und Einzeleier im zeitigen Frühjahr. 

241. JPloceus liiteoltis Licht. 
Rchw. V. A. III p. 76. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 341. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 9. 

cf No. 824 Tocolai 28. 4. 08. 

c^ juv. No. 1272 Scetel 19. 3. 09. 

cT No. 1337 Mansura 30. 3. 09. 
Geb. II. 

In der Barca-Niederung dürfte dieser Weber nicht so sehr 
selten vorkommen, doch ist er im Winterkleide kaum von galhula 
zu unterscheiden, solange man den erlegten Vogel nicht messen 
kann. Es scheint mir, als hätte luteolus in diesem Stadium 
etwas mehr Weifs am Saum der oberen Flügeldecken als galhula. 
In den Monaten Februar bis Mitte April habe ich im ganzen 
Geb. II kein cf gesehen, das ein Hochzeitskleid trug, erst mein 
cf No. 824 vom 28. April zeigt fast fertiges gelbes Kleid. Die 
Brutzeit fällt also etwa mit der Regenzeit zusammen. Ich fand 
diesen kleinsten Floceus stets vereinzelt unter gröfseren Gesell- 
schaften von galbula, mit denen er anscheinend gute Freund- 
schaft hielt. Vor- und Nachmittags beleben sie die Umgegend 
der Wasserstellen, in den heifsesten Stunden sitzen sie gern im 
dichten Gebüsch und klettern dort bedächtig aber mit vielem 
Geschick im Gezweig herum, etwa nach Art mancher Bartvögel 
und Meisen. 

242. Ploceus galhula Rüpp. 
Rchw. V. A. III p. 95. 

v. Erl. J. 0. 07 p. 12. 

9 No. 90 nördlich Massaua 30. 1. 08. Fl. 65 mm. 

(^(S9 No. 109/11 Ghinda 31. 1. 08. „ 67, 73, 64 mm. 

d* No. 135 Ghinda 1. 2. 08. „ 73 mm. 

cf9 No. 204/5 oberer Anseba 11. 2. 08. „ 72, 68 mm. 

99cf No. 330/32 Scetel 22. 2. 08. „ 64, 65, 67 mm. 

9cf No. 852/53 Darotai 1. 5. 08. „ 67, 70 mm. 

9 No. 898 Ghinda 18. 6. 08. „ 65 mm. 
9 juv. No. 933 Ghinda 27. 6. 08. 

9cJ No. 934/35 Salamona 5. 7. 08. „ 66, 68 mm. 

9 No. 1144 Ghedem (am Nest) 19. 2. 09. „ 64 mm. 

99 No. 1187/88 Cheren 5. 3. 09. „ 65, 66 mm. 

cf No. 1208 östlich Cheren 6. 3. 09. „ 71 mm. 

d* No. 1220 Scetel 12. 3. 09. „ 71 mm. 

d*9<:f No. 1237/39 Scetel 12. 3. 09. „ 73, 66, 67 mm. 

d^cf No. 1241/42 Scetel 12. 3. 09. „ 72, 73 mm. 

cf No. 1280 Scetel 19. 3. 09. „ 69 mm. 
Geb. I, II. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 19 

Wie aus dieser Suite hervorgeht, sind cfcf stets etwas 
gröfser als 99- Es messen die Fl. bei den cfcf 67—73, bei 
den 99 64—68 mm. Auch der Schnabel ist beim cf ad. fast 
stets länger als beim 9- Aufserordentlich interessant ist bei 
diesem Weber der Wechsel seiner Kleider. Ich will versuchen, 
an der Hand des von mir gesammelten Materials eine Erklärung 
für das anscheinend regellose Durcheinander von Hochzeitskleidern 
und Brüten, die ja doch mit einander in engem Konnex stehen, 
zu geben. Beginnen wir mit Geb. I. Dort ist dieser Weber ein 
Bewohner der Büsche im Küstenstrich, der Felder und einge- 
sprengten Waldpartien in den Vorbergen. Sehr häufig fand ich 
ihn Mitte Februar bei Ghedem südlich Massaua unmittelbar an 
der Küste, wo einige Wasserrisse von dichtem Buschwerk einge- 
fafst waren. Sehr zahlreiche Nester waren damals besetzt Ich 
sammelte frische sowie hochbebrütete Eier und mehrfach nackte 
Nestjunge. Befiederte Junge fand ich damals noch nicht. Alle 
cTcf trugen volles Hochzeitskleid. Übrigens konnte man stunden- 
lang warten, ehe die Alten sich einmal am Nest sehen liefsen, mochte 
es Eier oder Junge enthalten, dann aber kamen fast stets alle beide 
und schlüpften sofort ein, sodafs es wirklich nicht leicht war, zu 
Schufs zu kommen. Wir befanden uns gerade am Schlufs der 
Regenzeit, alles war so grün, wie es im Sahel möglich ist. Felder 
fehlen dort, welche bei der Ernährung mitsprechen könnten. Es 
ist dies im Küstenstrich die einzige Jahreszeit mit leidlich günstigen 
Bedingungen, daher konzentriert sich die Brutzeit hier ungewöhn- 
lich. Weiter oberhalb bei Ghinda wird viel Feldbau betrieben, 
die Saat erfolgt im Januar, die Ernte etwa im Mai. Hier ist 
der Tisch also auch in der ganzen Zeit vom Januar bis Mai, 
welche unserem Sommer entspricht, gedeckt, und die Brüten 
verteilen sich über diese Periode. Ich fand im Februar besetzte 
Nester, am 12. April 09 noch halbwüchsige Junge. Alle cfcf 
trugen zwischen 1. 2. und 5. 7. Hochzeitskleid, wie meine No. 109/11, 
135, 935 zeigen. Ein junger Vogel desselben Jahres No. 933 
vom 27. 6. ist schon gut ausgewachsen und dürfte das Nest seit 
mindestens 4 Wochen verlassen haben. Wann in dieser ganzen 
Region des Gebietes I die cTcf ihr Winterkleid, das mit dem 
des 9 fast übereinstimmt, tragen, kann ich aus eigener Beobach- 
tung nicht sagen, es dürften aber mit grofser Wahrscheinlichkeit 
die Monate vom Juli bis zum Herbst dafür in Betracht kommen, 
damit stimmt dann Heuglin's Notiz, der am Golf von Tedjera im 
Oktober das Anlegen des Hochzeitskleides beobachtete, v. Erlanger 
fand galbula in der Oase El Hota in S.-Arabien ungemein häufig, 
schon in den letzten Tagen des Dezembers konnten mehrere 
frische Gelege dort gesammelt werden. Die Verhältnisse in El 
Hota und Ghedem dürften sich nicht wesentlich unterscheiden. 

Überschreiten wir nun die Wasserscheide zwischen Lebca 
und Anseba und sehen uns in der Umgegend von Oberen sowie 
in der Barca-Niederung um. Hart am rechten Ufer des Anseba 



20 0. Graf Zedlitz: 

direkt auf der Grenze der Gebiete, doch schon auf dem Abhang 
zum Geb. II sammelte ich am 6. 3. 09 noch ein cf im Hochzeits- 
kleide. Das ist nicht besonders auffallend, da die Ausläufer der 
Winterregen bis hierher reichen, wie es auch die lebhaftere 
Vegetation bewies. Weiter westwärts im ganzen Geb. II ist nun 
von Januar bis Mai gerade die trockenste Zeit, dem entsprechend 
habe ich dort nicht einen Fall von besetzten Nestern in diesen 
Monaten feststellen können, und Heuglin erklärt auch summarisch: 
„Mit Eintritt der Sommerregen beginnt die Verfärbung und das 
Brutgeschäft". Das wäre nun ganz bequem und einfach, wenn 
die Vögel sich so genau darnach richteten, das tun sie aber 
durchaus nicht immer, wenigstens inbezug auf die Verfärbung. 
Die allgemeine Regel ist es ja, dafs bis Ende April das cf vom 
9 kaum zu unterscheiden ist, das beweisen folgende Stücke: 
cf No. 204 oberhalb Oberen 11. 2. 08, cT No. 332 Scetel 22. 2. 
08, cfcf No. 1241/42 Scetel 12. 3. 09. Sie alle unterscheiden 
sich von den 99 ^ur durch die langen Flügel, etwas längere 
Schnäbel und die dunkle, fast schwarze Färbung des Oberschnabels. 
Im Hochzeitskleid ist der Schnabel des cf ganz schwarz, der 
des 9 bleibt stets bräunlich fleischfarben. Diese angeführten 
Vögel sind herausgeholt aus Scharen, welche ich z. B. in Scetel 
täglich in Mufse beobachten konnte, und die nach Hunderten 
zählten. Unter diesen Massen fiel mir doch hier und da ein cT 
auf, das bereits zum Teil oder ganz gelb war und deshalb 
schleunigst verhaftet wurde. Es sind dies folgende Stücke: cf 
No. 1220 Scetel 12. 3. 09 volles Hochzeitskleid; cT No. 1237 Scetel 
12. 3. 09 im Beginn der Umfärbung, der sehr helle wie beim 9 
gefärbte Schnabel deutet auf ein jüngeres Stück; cT No. 1280 
Scetel 19. 3. 09 alter Vogel im vollen Hochzeitskleid. Diese 3 
Exemplare stehen wie gesagt unzähligen gegenüber, welche 
ich beobachtete aber nicht sammelte, da sie normales Winterkleid 
zeigten, immerhin müssen diese Ausnahmen ihre Begründung 
haben. Um diese zu finden, dürfte als Fingerzeig dienen, dafs 
die so früh schon verfärbten Stücke sämtlich in Scetel erbeutet 
wurden, es müssen also wohl die besonderen lokalen Verhältnisse 
zur Erklärung herangezogen werden: Hier ist eben für einen 
sperlingsartigen Vogel auch in der trockenen Zeit immer viel zu 
holen, wenn er nur gut Bescheid weifs. Tag für Tag vom Morgen- 
grauen bis die Sterne am Himmel stehen, lösen sich die Vieh- 
herden ununterbrochen an der Tränke ab, natürlich ist der 
Platz in weitem Umkreise reichlich mit Kuhmist bedeckt. Aufser- 
dem liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zwei gröfsere Dörfer 
mit den Wohnungen des Schechs und seiner Verwandten, offenen 
Ställen für die Pferde, Durrha und Heuvorräten etc. Dort haben 
nun einige galbula sich ganz in die Rolle unseres Hausspatzes 
eingelebt, ein echter Passer, der sie vertreiben könnte, kommt 
anscheinend nur gelegentlich in den Dörfern vor, nicht zahlreich 
wie in den grösseren Orten Oberen, Agordat und anderen. 



Meine ornitbologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 21 

Ich habe beobachtet, dafs die wenigen gelben Weber stets un- 
mittelbar an den Wasserstellen zu finden waren, und vermute, 
dafs infolge relativen Wohllebens einzelne dieser Vögel schon vor- 
zeitig zur Verfärbung geschritten waren. Solche Stücke brauchen 
deshalb nicht besonders alt zu sein, obgleich in der Regel ältere 
Schlaumeier besser für ihre Schnäbel zu sorgen wissen, sondern 
der enge Anschlufs an die Fleischtöpfe eines von Vieh und 
Menschen so besonders stark besetzten Platzes dürfte ausschlag- 
gebend sein. Das Gros der Weber, welches man besonders vor- 
mittags an den Brunnen sieht, kommt nur dorthin, um den Durst 
zu löschen und die letzten Neuigkeiten sich zu erzählen, dann 
verteilt man sich wieder in weitem Umkreise über die Steppe. 
Dort draufsen aber habe ich um diese Jahreszeit nie ein ver- 
färbtes d* erblickt. Es würde mich nicht sehr in Erstaunen setzen, 
wenn diese „Hausweber" auch gelegentlich zu abnorm frühen Brüten 
schreiten, so erwähnt ja auch Barnes, dafs er bei den Webern in 
Aden fast das ganze Jahr über Eier gefunden habe, vielleicht leben 
sie dort auch als Hausspatzen, denn aufserhalb der Stadt ist selbst 
für einen Weber blutwenig zu holen. Erlanger's Beobachtungen, 
dafs die Eier in der Grundfarbe weifs bis bläulichgrün, sowie in der 
Flecken- und Strichzeichnung stark variieren, fand ich durchaus 
in der Brutkolonie Ghedem bestätigt. 



B. Spermestinae. 

243. Quelea sanguinirostris aethiopica Sund. 

Rchw. V. A. III p. 109. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 343. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 13. 

99 No. 759/60 Tacazze 19. 4. 08. 

999 „ 847/49 Darotai 1. 5. 08. Geb. II, IV. 

Meine Exemplare, leider nur 99> bieten keine Veranlassung 
zu Bemerkungen systematischer Art. Auch für Eritrea dürfte 
der Blutschnabel ein Zugvogel sein, der erst spät im Frühjahr 
erscheint und nach der Aufzucht seiner Jungen im Herbste wieder 
verstreicht. Ich sah zuerst am 19. April 1908 am Tacazze einen 
kleinen Schwärm, es war gegen Abend, .und die auf dem Zuge 
befindlichen Vögelchen mochten sich wohl am Flusse ihren Rast- 
platz für die Nacht ausgesucht haben. Am 1. Mai fand ich dann 
an der Wasserstelle Darotai im Tiefland ca. 45 km östlich Agor- 
dat einige Blutschnäbel, welche sich anscheinend dort zuhause 
fühlten und wohl unlängst aus dem Süden zurückgekehrt waren. 
Bis zum April war im Barca-Gebiet kein Blutschnabel zu sehen, 
wie ich 1909 konstatierte. 



22 0. Graf Zedlitz: 

244. Pyromelana franciscana franciscana Isert. 

Rchw. V. A. III p. 122. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 345. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 14. 

cf cf No. 1 102, 1 1 14 Cheren Sommer 1908 (geschenkt erhalten). 

cf No. 1052 Adi Ugri 1. 6. 08. 

9 No. 1365 Tacazze 20. 4. 08. Geb. III, IV. 

Wegen der Verbreitung des Feuerwebers P. f. franciscana und 
P. f. pusilla Hartert verweise ich auf Neumann's Ausführungen. 
Die Vögel vom Danakil- und Somalilande zieht er zu letzterer 
Form, ich habe hier nicht das Material, um mich näher mit ihr 
beschäftigen zu können. Meine Stücke sind typische franciscana^ 
auch das 9 ^^^ ^och etwas über 60 mm Flügellänge. 

Nach meinen Feststellungen ist der P'euerfink in den hier 
behandelten Gebieten Zugvogel, der erst spät im Frühjahr er- 
scheint. Er zieht wohl nicht in so grofsen Schwärmen wie Q. s. 
aethiopica, mit der er sonst oft zusammen beobachtet wurde. 
Das früheste Stück sammelte ich am 20. 4. 08 am Tacazze, die 
anderen wurden während des Sommers von Bekannten für mich 
reserviert, es sind cfcf im Hochzeitskleid. 

245. Euplectes capensis xanthomelas Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 128. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 346. 
. v. Erl. J. 0. 07 p. 15. 

9 No. 608 Melissai 1. 4. 08. 

? No. 635 Tacazze 5. 4. 08. 

9 No. 905 Adua 6. 6. 08. (Müller leg.) Geb. III, IV. 

Alle 3 Vögel haben das amerartige Kleid und sind in diesem 
leicht mit anderen kleinen Webern zu verwechseln, besonders 
99 ^^^ P- franciscana^ Floceus luteolus und Hypochera ultramarina. 
Ich halte auch diesen für einen Zugvogel. 0. Neumann fand 
ihn nur in beträchlichen Höhen, meine Fundorte Melissai und 
Tacazze liegen dagegen nur auf ca. 700—800 m. v. Erlanger fand 
besetzte Nester im Gallalande Ende Juni und gibt genaue Be- 
schreibung der Eier. 

246. Coliuspasser laticauda Licht. 

Rchw. V. A. II p. 136. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 347. 

v. Erl. J. 0. 07 p. 15. 

cf No. 1169 Adi Ugri 1. 6. 08. Geb. IH. 

Das Stück ist im Übergangskleide, der Schwanz schon recht 
lang. In diesem Stadium ähnelt der Vogel sehr dem macrocer- 
cus, doch hat er kein Goldgelb am Flügel wie dieser. Weitere 
Exemplare habe ich nicht gesehen. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 23 

247. Coliuspasser macrocercus Licht. 

Rchw. V. A. III p. 137. 
0. Neum. J. 0. 05 p. 347. 
V. Erl. J. 0. 07 p. 16. 
Cf No. 532 Adi Ugri 22. 3. 08. 
cf No. 899 Adua 5. 6. 08 (Müller leg.). 
cfcf No. 1310, 1339 Asraara Sommer 1908 (geschenkt er- 
halten). Geb. III. 

Mein gröfstes Stück No. 532 mifst 88 mm Flügellänge, 
Neumann fand sogar 91 — 94 mm bei seinen Exemplaren aus 
Djimma, Reichenow gibt nur 85 mm als oberste Grenze an. Die 
bei Adi Ugri und Adua gesammelten Stücke fanden wir an feuchten 
hochgelegenen Wiesen ganz in Übereinstimmung mit den Mit- 
teilungen Heugling's und Neumann's. Die Stücke No. 532 und 
899 sind noch im Winterkleid, Heuglin sagt „Die Umfärbung 
zum Hochzeitskleid fällt in die Zeit der Sommerregen", das 
dürfte durchaus auf dem ganzen Hochplateau zutreffen. No. 1310 
und 1339 sind im vollen Hochzeitskleide und gegen Schlufs der 
Regenzeit 08 für mich bei Asmara gesammelt worden. Den ganz 
genauen Fundort weifs ich nicht, glaube aber, dafs es sich 
bei diesem so ausgesprochenen Hochlandsbewohner um die 
Weiden und Wiesen hart westlich der Hauptstadt handeln 
dürfte. 

248. Amadina fasciata alexanderi Neum. 

Rchw. V. A. III. p. 146. 

V. Erl. J. 0. 07 p. 17. 

0. Neum. B. B. 0. C. CXLVII. Vol. XXIII. p. 45. 

d'd'crd'9 No. 811—815 Tocolai 28. 4. 08. 

99 No. 822-823 Tocolai 28. 4. 08. 

cT No. 842 Darotai 1. 5. 08. 

cfcfcf No. 1306—1308 Mansura (Barca) 26. 3. 09. Geb. IL 

0. Neumann hat am 16. 12. 08 im B. B. 0. C. die Form 
alexanderi neu beschrieben auf Grund schärferer Bindenzeichnung 
der Oberseite und Sekundärschwingen sowie blasseren Grundtones 
der Unterseite und schwarzer Federränder unten am roten Kropf- 
band. Für die neue Form ist als Verbreitung angegeben: Nord- 
Abessinien bis Schoa, Somaliland und Deutsch-Ost-Afrika. Der 
Typus stammt von Hauasch in Schao. Meine Stücke mufs ich 
sämtlich als intermediär bezeichnen, man könnte sie fast ebenso 
gut zu fasciata ziehen, zeigt doch allgemein die Fauna von 
Gebiet II starke Verwandtschaft mit der des nördlichen Sudan, 
von Dongola u. s. w. Der schwarze Rand unten am Kropfband 
bei meinen Stacken ist teils gar nicht vorhanden, teils nur an- 
gedeutet, die Grundfarbe der Unterseite ist nicht auffallend hell, 
dagegen die Oberseite ziemlich lebhaft und stärker gebändert als 



24 0. Graf Zedlitz: 

z. B. bei Kordofan- Vögeln. Schwarze Subterminal -Binden auf 
den Armschwingen kommen übrigens auch bei echten fasciata 
vor. Die Fundorte meiner Exemplare im westlichen Barkagebiet 
stehen mit der intermediären Zeichnung durchaus im Einklang. 
Der Bandfink ist Standvogel in Eritrea und ein ausschliefs- 
licher Bewohner des Tieflands. In der trocknen Zeit traf ich 
ihn regelmäfsig an den im Barkabett gegrabenen Brunnen, stets 
in Schwärmen, auf niederen Bäumchen oft zu Dutzenden bei- 
sammen sitzend. Die Brutzeit mufs in dieser Region in den 
Sommer bis Frühherbst fallen, Antinori gibt für das Land der 
Rekneger entsprechend den August und September an. v. Er- 
langer fand im S.-Somaliland ein Nest mit Eiern schon am 9. Mai 
1901, doch sind dort die Regenverhältnisse wesentlich andere. 

249. Aideniosyne cantans orientalis Lz. Hellm. 

Rchw. v. A. III p. 156, v. Erl. J. 0. 07 p. 17. 

cf ? cf No. 230-232 Cheren 13. 2. 08. 

? No. 343 Scetel 22. 2. 08. 

? No. 793 Barentu 26. 4. 08. 

9 No. 1235 Scetel 12. 3. 09. Gebiet II. 

Das Lanzetschwänzchen scheint ebenso wie der Bandfink 
in den von mir bereisten Ländern nur Gebiet II zu bewohnen, 
geht aber im Gegensatz zum vorigen höher in die Vorberge 
hinauf und ist bei Cheren um 1000—1200 m Höhe am häufig- 
sten. Immerhin ist es im ganzen Barcabeckeu anzutreffen, in 
Gebiet IV sah ich es nie trotz besonderer Aufmerksamkeit. Das 
Vögelchen ist ein Freund des Menschen und seiner Ansiedelungen, 
daher mag es in den so schwach bevölkerten Steppen des Süd- 
westens sich nicht wohl fühlen. An den Wasserstellen in der 
Nähe von gröfseren Ortschaften sieht man das Lanzetschwänz- 
chen ziemlich sicher innerhalb seines Verbreitungsgebietes. Es 
lebt nicht in grofsen Scharen wie Amadina und manche andere 
Verwandte, sondern in kleinen Gruppen von drei bis acht Stück, 
sitzt auch nicht oben auf den Spitzen der Sträucher, sondern 
mit Vorliebe auf den untersten Seitenästchen etwas versteckt im 
Innern des Busches. Da hocken dann so vier bis fünf kleine 
graue Gesellen dicht nebeneinander und scheinen sich leise zwit- 
schernd im kühlen Schatten Geschichten zu erzählen. Von dort 
sah ich sie häufig zur Erde niederflattern, Heuglin sagt dagegen, 
dafs er sie selten am Boden beobachtet habe. Die Nistzeit fällt 
nach übereinstimmenden Meldungen in die Monate August bis 
Oktober. 

250. PytUia citerior jessei Shelley. 

Rchw. V. A. III. p. 165. 

cf No. 765 Tacazze 20. 4. 08. 

9 No. 804 Barentu 27. 4. 08. 



Meine orDithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 25 

d'd' No. 1236, 1247 Scetel 12. 3. 09. 
„ „ No. 1312, 1347 Mansura (Barca) 26. 3., 1. 4. 09. 
Gebiet II, IV. 

Die Vögel aus Bogos, woher auch meine Exemplare stammen, 
hat bereits Shelley abgesondert unter dem Namen „messet". Er 
betont als Unterscheidungsmerkmale rundliche weifse Flecken auf 
dem Kropf und brauneBänder auf den Unterschwanzdecken. Beides 
wird durch meine Stücke nicht bestätigt. Die Unterschwanzdecken 
sind rein weifs, der Kropf goldgelb, beim alten cf ist Kehle 
und Kropf stark rot verwaschen, also Reichenows Bemerkung 
„nur die Vorderkehle rot" ist für diese Stücke nicht zutreffend. 
Meine Vögel unterscheiden sich von denen aus Nord-West-Afrika 
durch allgemein blasseres Grau, feinere Bänderung zur Unterseite 
und mehr Rot an der Kehle. Da der Name „jessei'' einmal gerade 
für Exemplare aus Bogosland besteht, begnüge ich mich damit, 
die Diagnose in der angeführten Weise zu berichtigen und den 
Namen selbst beizubehalten. 

Diese Pytilia scheint Standvogel zu sein, in der Barca- 
Niederung ist sie ziemlich häufig, weiter südwärts anscheinend 
seltener. Sie führt ein recht verstecktes Leben, daher habe ich 
im ersten Jahre nur ein Pärchen erbeutet. Später kam ich dann 
hinter ihre Schliche. Wo dichtes Dornengebüsch die ausgetrock- 
neten Bäche einfafst, der Boden recht sandig und arm an Vege- 
tation ist, da kriecht das Vögelchen still und heimlich im dichte- 
sten Gezweig herum meist ganz nahe dem Boden, auf den es 
alle Augenblicke herabkommt, jedoch ohne sich lange dort auf- 
zuhalten. Wenn Heuglin aber sagt, er habe es selten an der 
Erde beobachtet, so stimmen meine Erfahrungen damit durchaus 
nicht überein, ich habe im Jahre 09 alle meine vier Exemplare 
am Boden geschossen, einfach, weil sie dort besser zu sehen waren 
als in dem dichten Buschwerk. Dies ist auch wieder einer der 
vielen Vögel, welche man am besten bekommt, wenn man sich 
während der späten Vormittagstunden ganz still auf die Erde 
inmitten eines Dickichtes hinsetzt und scharf auf alles achtet, 
was da im Laufe der Zeit im Geäst sich regt, durch die Dornen- 
ranken schlüpft, von Zweig zu Zweig flattert, oder am Boden 
entlang trippelt. Man bringt bei dieser Methode fast immer 
„bessere Sachen" nach Hause, und der Präparator hat gewöhn- 
lich dann für den Nachmittag reichlich Arbeit. 

251. Mstrilda cinerea Vieill. 

Rchw. V. A. III p. 182. 

cf ? 9 ? No. 730, 731, 737, 738 Sittona a. Tacazze 15./16. 
4. 08. Geb. IV. 

Bei dem etwas spärlichen Material, das mir hier vorliegt, 
kann ich keine deutlichen Unterschiede zwischen Vögeln aus 
NO.- und solchen aus N.W.-Afrika finden. 



26 0. Graf Zedlitz: 

Nur an einer Stelle sah ich diese Estrilda, dort aber häufig, 
es war am italienischen Grenzposten Sittona unmittelbar bei der 
Einmündung des Sittonaflusses in den Tacazze. Dort war ein 
ständiges Miniaturlager errichtet, das bei meinem Besuch vier 
Ascaris besetzt hielten. Hier führt ein Saumpfad vorbei, welcher 
das Uolcait in Nordabessinien mit Eritrea verbindet oder, wenn 
man die Namen von Städten anführen will, welche allerdings 
hunderte von Kilometern auseinander liegen: Gondar mit Barentu. 
In der trocknen Zeit, wenn der Tacazze leicht zu passieren ist, 
verkehren hier nicht selten Karawanen mit Elfenbein, Kaffee, 
Häuten und vor allem Honig. An der Grenze werden sie scharf 
auf Waffen untersucht, und das bedingt eine längere Rast unter 
den schönen schattigen Uferbäumen. Ziegenherden mit ihren 
Hirten treiben sich auch ständig bei dem Platze herum, weil sie 
dort vor Räubern ziemlich sicher sind, es ist also dort durch 
Tier und Menschen verhältnismäfsig recht belebt. Sobald ein 
Lagerplatz frei wurde, erschien regelmäfsig ein grofser Schwärm 
Estrilden, um eifrig nach Nahrung zu suchen, darunter befanden 
sich auch nicht wenige cinerea. Ich sammelte eine Suite von acht 
Stück, doch waren leider einige zu stark zerschossen, zwei Bälge 
kamen mir aufserdem abhanden, wahrscheinlich wurden sie, als 
sie zum trocknen ausgelegt waren, durch den Wind beiseite 
getrieben. Liegt solch winziger Vogel erst einmal unbeachtet an 
der Erde, so verschwindet er gar zu leicht ganz. Nach meinen 
Beobachtungen ist also diese Estrilde eine Bewohnerin der 
wärmeren tiefen Lagen des Südwestens. Es ist sehr wahr- 
scheinlich, dafs sie nur in der trockenen Zeit sich so eng an die 
menschlichen Ansiedlungen hält, im Sommer aber zur Brutzeit 
sich weiter über die Steppen verteilt. 

252. Estrilda rlwdopyga Sund. 

Rchw. V. A. III. p. 183, V. Erl. J. 0. 07 p. 20. 

Cf No. 114 Ghinda 31. 1. 08. 

cTQ No. 201, 202 Ansebar oberhalb Cheren 11. 2. 08. 

9 No. 942 Salamona 24. 4. 08 (Müller leg.). 

? No. 1192 Cheren 5. 3. 09. 

9 No. 1229 Cheren 8. 3. 09. Gebiet I, II. 

Ich kann zwischen meinen Stücken und den ostafrikanischen 
von Emin, Neumann und Schillings keinen Unterschied entdecken. 
Die Unterschwanzdecken variieren sehr, bald sind sie stärker, 
bald feiner gebändert, bald stark rot überlaufen (nur cTcf), 
bald in der Grundfarbe fast rein gelblich (meist 99)- I™ 
Gegensatz zu cinerea ist rhodopyga in Eritrea eine Bewohnerin 
der mittleren Höhenlagen. Schon bei Salamona und Ghinda fanden 
wir sie in den Vorbergen und von da an überall bis nach Cheren 
zu etwa 1200 m Höhe. Viel weiter hinauf in die Berge dürfte 
sie nicht gehen, aber ebenso scheint ihr die heifse Barca-Niederung 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 27 

nicht zuzusagen. Ansiedlungen und etwas Kultur sind ihr offenbar 
aogenehm. Im Gebiet I dürfte die Brutzeit schon ins zeitige 
Frühjahr fallen, No. 114 war anscheinend schon angepaart und 
hatte bereits einigermafsen entwickelten Eierstock. Jenseits der 
Wasserscheide brütet auch dieser Weber wie alle seine Verwandten 
im Spätsommer. 

253. Estrilda ochrogaster Salvad. 

Rchw. V. A. III. p. 185. 

V. Erl. J. 0. 07. p. 21. 

0*9 No. 908, 909 Adua 5. 6. 08 (Müller leg.). Gebiet III. 

Dieses Vögelchen ist anscheinend ausschliefslich ein Be- 
wohner des Hochlandes von Tigre, aber bis jetzt eine Seltenheit 
in unseren Sammlungen. Bei Reichenow sind nur zwei Fundorte 
„Tigre" und „Gelongol" angeführt, v. Erlanger erbeutete ein 
Exemplar in Süd-Schoa und Neumann erwähnt den Vogel über- 
haupt nicht. Aufser dem bei Adua von meinem Präparator ge- 
sammelten Pärchen ist uns kein Stück zu Gesicht gekommen. 
Immerhin ist es bei dem kurzen Aufenthalte in Adua gar nicht 
ausgeschlossen, dafs diese Estrilda doch häufiger vorkommt. 

254. Estrilda larvata larvata Rüpp. 

Rchw, V. A. III p. 191, 0. Neum. J. 0. 05 p. 348. 

cfd* No. 618, 625 Melissai (Adiabo) 2. 4. 08. Gebiet IV. 

Die Zahl der bisher der Wissenschaft zugänglichen Exem- 
plare ist eine sehr beschränkte. 0. Neumann hat meine beiden 
Stücke in England gehabt zum Vergleich mit seinem Stück von 
Koscha sowie solchen von Gelongol. Nach seinem Befunde handelt 
es sich um typische larvata, jedoch nicht vollkommen ausgefärbte 
semiadulte cfcf- Dafs in der Abbildung bei Rüppell N. W. T. 
36 Fig. 1 das schwarz am Kopfe zu ausgedehnt ist gegenüber 
dem Typus, hat schon Neumann erwähnt. Ein 9 dieser Art ist 
immer noch nicht bekannt. 

Es ist sonderbar, dafs dieser Vogel, welcher in Semien als 
Alpenbewohner von Rüppell entdeckt und auch später von Heuglin, 
Lovat, Neumann in nennenswerten Höhen gefunden wurde, auch an- 
scheinend unverändert mitten in der ausgesprochensten Steppenland- 
schaft vorkommt wie in Melissai. Ich erkläre mir die Sache so : Semien 
liegt bis Mitte März zumeist im Schnee begraben oder hat doch 
ausgesprochen winterliche Temperatur. Es ist nur natürlich, dafs 
Körnerfresser während dieser unwirtlichen Jahreszeit die Region 
verlassen und ins Tiefland streichen, wo sie leichter Nahrung 
finden. Das trifft am ehesten in dicht bevölkerten Gegenden zu, 
es kommen da vor allem im Süden und Westen die Gebiete des 
oberen und unteren Blauen Nils in Betracht. Unfern dem ersteren 
sammelte Neumann sein Stück im Februar, Antinori fand den 



29 0. Graf Zedlitz: 

Vogel im Sennar und sogar bis Kordofan. Auf der Rückreise 
von diesen westlichen Winterquartieren schlagen die Tierchen 
wohl den geradesten Weg ein, und dabei durchqueren einzelne 
auch die Adiabosteppe, welche sonst ihren Bedürfnissen kaum 
zusagen dürfte. Ich glaube nicht, dafs während meiner Anwesen- 
heit in Melissai aufser den beiden erbeuteten Stücken sich noch 
andere dort aufhielten, denn ich habe sehr sorgfältig darauf ge- 
achtet, und an die Wasserstelle mufste ja alles kommen. 

Es würde hier zu weit führen, über den Formenkreis larvata 
sich zu verbreiten, zu welchem aufser vinacea Hartl. und nigri- 
collis Heugl. noch mehrere Subspecies gehören dürften. 

255. Lagonosticta senegala erythreae Neum. 

Rchw. V. A. III p. 196, V. Erl. J. 0. 07 p. 21 L. brunneiceps. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 349 L. s. erythreae. 

d* 9 No. 292, 513 Marebquelien 13. und 15. 3. 08. 

d* cf No. 756, 768 Tacazze 19., 20. 4. 08. 

9 No. 846 Darotai 1. 5. 08. 

cf 9 d* No. 1246, 1257, 1258, Scetel 12. und 15. 3. 09. 
Gebiet II, III, IV. 

Diese Lagonosticta neigt offenbar zur Bildung von zoogeo- 
grapfischen Formen, ich möchte hier nur auf meine diesbezügliche 
Veröffentlichung in den 0. M. verweisen (1910, Novemberheft). 
Dieser niedliche kleine Weber ist an den Wasserstellen in mittleren 
und höheren Lagen durchaus nicht selten. Ich traf ihn meist 
in gröfseren Gesellschaften sehr oft untermengt mit Bengalinen. 
Auf die Nähe menschlicher Ansiedlungen scheint er weniger 
Wert zu legen als die Estrilden, doch stören sie ihn auch nicht. 
Auf dem Hochplateau an den Marebquelien war er ebenso häufig 
wie an den Strombetten der Barca-Niederung. Den gröfsten Teil 
des Tages verbringen die Vögelchen am Boden, werden sie auf- 
gescheucht, so schwirren sie auf die nächsten Büsche, um sofort 
wieder herabzukommen, wenn der Störenfried den Rücken gewendet 
hat. Im Gegensatz zu Heuglins Beobachtung fand ich schon im 
Frühjahr zahlreiche verfärbte (fcf. 

256. Ortygospi^a atricollis polyzona Temm. 

Rchw. V. A. III p. 202, V. Erl. J. 0. 07 p. 21. 

9 No. 452 Asmara 8. 3. 08. 

Cf (f No. 906, 907 Adua 5. und 8. 6. 08 (Müller leg.). 
Geb. III. 

Der Wachtelfink ist in NO.-Afrika ein Bewohner des Hoch- 
landes und als solcher schon von Heuglin gekennzeichnet worden. 
Er scheint sich ausschliefslich am Boden aufzuhalten. Bei Asmara 
traf ich nur einmal eine kleine Gesellschaft, welche vor meinen 
Augen in einem Büschel höheren Riedgrases neben einem Wasser- 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 29 

loch einfiel. Leider setzten sich die Vögelchen nicht auf die 
starken Halme sondern zwischen sie an die Erde, sodafs sie un- 
sichtbar waren. Ein auf gut Glück abgegebener Schufs lieferte 
leider nur das eine Stück No. 452. Im Juni traf dann mein 
Präparator bei Adua wiederholt auf Wachtelfinken, doch fand er 
es auch dort nicht leicht, sie zu erbeuten. Ich halte sie in Eri- 
trea nicht für Zugvögel, sonst wären sie Anfang März auf dem 
Plateau kaum anzutreffen gewesen. In S.-Afrika sind sie nach 
Ayres zweifellos regelmäfsige Zugvögel. 

257. Vraeginthus bengalus bengalus L. 

Rchw. V. A. III p. 207, v. Erl. J. 0. 07 p. 22. 

0. Neum. J. 0. 05 p. 350 ü. b. schoanus. 

cf No. 133 Ghinda 1. 2. 08. Geb. I. 

Cf cT juv. No. 939, 940 Salamona 21. 4. 08. (Müller leg.). 
Geb. 1. 

cT No. 478 Marebquellen 13. 3. 08. Geb. III. 

cf cf 9 No. 733, 734, 369 Tacazze 15. und 20. 4. 08. 
Geb. IV. var. barcae: 

(f No. 203 oberhalb Oberen 11. 2. 08. 

C? cT No. 333, 338 Scetel 22. 2. 08. 

cf (f No. 1333, 1334 Mansura (Barca) 30. 3. 09. Gebiet II. 

Die Stücke aus Gebiet I, III und IV stehen sich in der 
Färbung sehr nahe und unterscheiden sich von bengalus aus Ost- 
afrika nur durch etwas bräunlichere blassere Oberseite. Das 
Stück vom Hochland hat abnorm lange Flügel 56 mm, die Flügel 
der anderen messen 50—52 mm. Von schoanus Neum. sind sie 
sehr verschieden auf der Unterseite, das Blau bei schoanus ist 
mehr ins Grünliche ziehend und heller, das bei meinen Vögeln 
ist satter und dunkler. Die Oberseite von schoanus ist um einen 
Schein dunkler, bei dem Typus ist der rote W^angenfleck mit 
blau durchsetzt, doch dürfte das nur individuell sein. Ganz anders 
erscheinen meine Vögel aus Gebiet II: sie sind im allgemeinen 
viel heller, die Unterseite ist blafsblau ähnlich schoanus jedoch 
mit weniger grünlichem Ton, die Oberseite ist fahlbraun nicht 
grau, heller als bei allen Vögeln aus Abessinien und Ostafrika. 
Sie nähert sich darin der Färbung von perpallidus Neum. vom 
Weifsen Nil. Ich bezeichne diese Vögel vorläufig als „var. barcae'\ 

Über die Biologie ist schon genügend von früheren For- 
schern berichtet worden. Nicht zutreffend für Eritrea ist Heug- 
lins Angabe: „rottet sich nicht in gröfseren Gesellschaften zusammen, 
sondern zeigt sich meist nur einzeln oder paarweise". Dies mag 
wohl für die Zeit kurz vor oder während der Brut stimmen, z. B. 
fand ich die Vögelchen paarweise im Februar 08 im Gebiet I, 
in den anderen Regionen trat aber während der trockenen 
Zeit die Bengaline genau ebenso in Schwärmen auf wie die 
Esirilda-Arten. Bei Scetel, Mansura und am Tacazze zählten 



80 0. Graf Zedlitz: 

diese Scharen, die ich täglich an den Wasserstellen sah, meist 
zwischen 20—50 Stück, doch kamen auch noch gröfsere Flüge 
vor. V. Erlauger fand und beschrieb eine ganze Reihe von 
Gelegen. 

258. Hypochera Ultramarina Gm. 

Rchw. V. A. III p. 213, 0. Neum. J. 0. 05 p. 251, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 24. 

d* No. 385 Ela Bered 27. 2. 08. 

? No. 650 Tacazze 7. 4. 08. 

9 No. 721 Sittona am Tacazze 15. 4. 08. 

cf No. 1206 Anseba bei Cheren 6. 3. 09. Gebiet II, IV. 

Die Verwandtschaft dieser Form mit ähnlichen z. B. 
amauropteryx Sharpe ist noch nicht ganz geklärt. Es ist auch 
aufifallend, dafs in Oberguinea Vögel vorkommen, welche zu 
Ultramarina und nicht zur nordwestafrikanischen chalyheata St. 
Müller gehören. 

Ich fand dies Vögelchen nur vereinzelt am Nordabhange des 
Plateaus sowie am unteren Tacazz^. No. 385 ist schon ganz 
schwarz, No. 1206 in der Verfärbung begriffen. Wenn Heuglin 
es fast ausschliefslichen Bewohner der menschlichen Niederlassungen 
nennt, so mufs ich dagegen erwähnen, dafs sämtliche 4 Stücke 
weit ab von irgend einer Art von Ansiedlung durch mich ge- 
sammelt wurden, wenn man nicht den Grenzposten der vier As- 
karis bei Sittona eine Ansiedlung nennen will, wo ich No. 721 
erbeutete. 

259. Vidua serena L. 

Rchw. V. A. III p. 217, 0. Neum. J. 0. 05 p. 352, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 27. 

99 No. 336, 337 Scetel 22. 3. 08. 

d*cfcf No. 783-785 Barentu 26. 4. 08. 

(^9 No. 795, 796 dto. 

9 No. 803 Barentu 27. 4. 08. 

cr9 No. 844, 845 Darotai 1. 5. 08. 

cf No. 910 Adua 5. 6. 08. (Müller leg.). Gebiet II, III. 

Die Dominikanerwitwe ist ein Charaktervogel der Steppen 
am Barka. Flache Gegend unter 900 m Meereshöhe sagt ihr 
am meisten zu, bei Cheren habe ich kein Stück gesehen, dagegen 
war sie von Scetel bis Barentu an fast allen Wasserstellen aufser- 
ordentlich häufig. An letzterem Ort, dessen Umgebung besonders 
wasserarm ist, schätzte ich die Witwen, die ich täglich am Brunnen 
sah, auf viele hunderte. Sie ist im Gegensatz zum Ploceus 
galhula und den Estrilden keine eigentliche Bewohnerin mensch- 
licher Ansiedelungen, sondern kommt nur an die Brunnen, um 
zu trinken und sich etwas zu unterhalten, dann fliegt sie wieder 
davon und wird von anderen abgelöst. Die einzelnen Flüge 



Meine ornitbologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 31 

sind sehr verschieden an Zahl. Am Boden hält sie sich auch 
gelegentlich auf, jedoch weniger als die Estrilden, Lagonosiicia, 
Amadina und viele Ploceus. Unter der ungeheuren Zahl von 
Witwen, welche ich in den Monaten Februar bis Mai gesehen 
habe, befand sich auch nicht ein einziges cf, das nicht volles 
unverfärbtes Winterkleid getragen hätte, in welchem es sich vom 
9 nur durch die etwas dunklere Kopfzeichnung unterscheidet, 
erst das am 5. Juni bei Adua von meinem Präparator gesammelt 
cf befindet sich in der Umfärbung, welche zum gröfsten Teil 
schon beendet ist. Im allgemeinen ist diese Witwe Standvogel, 
doch halte ich es durchaus nicht für ausgeschlossen, dafs sie sich 
im Sommer in Regionen mit relativ starkem Feldbau, z. B. auf 
dem Plateau von Asmara, zahlreich einfindet, während sie in der 
trockenen Zeit dort anscheinend recht selten ist. 

XLVIII. Fringillidae. 

260. Passer griseus swainsonii Rüpp. 

Rchw. V. A. 111 p. 228. v. Erl. J. 0. 07 p. 25. 0. Neum. 

J. 0. 05 p. 352 und B. B. 0. C. CXLI März 1908 p. 70: F. g. 

abyssinicus. 

Cfcfcfcf No. 442, 443, 445, 446 > „, „. v, a q q aq 

99 No. 444, 447. } Westlich Asmara 8. 3.08. 

9 No. 912 nordöstlich Asmara 25. 5. 08. 

99 No. 1158, 1159 Asmara 28. 2. 09. Geb. III. 

Rüppell hat in seiner Beschreibung N.W. p. 94 zwei wohl 
unterschiedene Formen, eine dunkle und eine helle, zusammen- 
geworfen, weil er in dem Irrtum befangen war, die hellen Stücke 
seien die 9 der dunklen. Das ist, wie gesagt, absolut falsch, 
und schon von Reichenow (III. p. 229) richtig gestellt worden. 
Meine schönen Suiten bestätigen diesen Befund in ganz klarer 
Weise, ein Färbungs-Unterschied der Geschlechter besteht nicht. 
Nun entsteht die weitere Frage, welche Form als die von Rüpell 
beschriebene zu gelten habe. Die Antwort ist nicht ganz leicht^ 
da auch die Abbildung N.W. T. 33. Fig. 2. nicht einwandsfrei 
den einen oder anderen zum Ausdruck bringt. Typen im modernen 
Sinne liegen von Rüppell ja auch eigentlich nicht vor, wenn auch 
die von ihm stammenden Stücke im Senckenbergischen und Berliner 
Museum gewöhnlich so bezeichnet werden. Im übrigen unterliegt 
es schon nach dem Text gar keinem Zweifel, dafs Rüppell sowohl 
die dunkle als die helle Form gesammelt hat, letztere vielleicht 
sogar häufiger, da er ihr Gebiet, die Niederungen Abessiniens, 
als Heimat des Vogels angibt. Im gleichen Atem nennt er aber 
auch die Westküste Afrikas, da er eben die Trennung der Sub- 
species noch nicht kannte und auf geringe Unterschiede nicht 
achtete. Deshalb möchte ich seine Fundorts-Angaben nicht ver- 
werten. Der Text der Beschreibung führt uns darauf hin, die 



32 0. Graf Zedlitz: 

dunkle Form als den RüppelPschen Typus zu betrachten, denn 
diese ist das von ihm beschriebene cf, während der von ihm 
als zugehöriges 9 aufgefafste Vogel eben etwas Anderes ist. 
Blicken wir auf die Abbildung, so zeigt sich auch da im all- 
gemeinen die dunkle Färbung, besonders auf Bauch und Ober- 
kopf in prägnanter Weise. Die so charakteristischen Unter- 
schwanzdecken sind leider nicht sichtbar, auf Kinn und Kehle 
ist der in Wirklichkeit bei dunklen Vögeln nur schwach angedeutete 
aber stets vorhandene hellere Fleck bei der Abbildung viel zu 
stark betont und fast schneeweifs. Wollten wir aber dieses Moment 
verwerten, um zu behaupten, dafs hier nicht der dunkle sondern 
der helle Sperling mit seiner ganz weifsen Kehle Modell 
gestanden habe, so pafst dazu wieder nicht die übrige Färbung 
auf dem Bilde. Da nun auch bei den dunklen Hochlandsvögeln 
der lichtere Streif auf Kinn und Kehle bisweilen kaum bemerkbar, 
bisweilen aber deutlicher ist, so kann damit gerechnet werden, 
dafs s. Z. dem Zeichner eins der letzteren Stücke vorgelegen hat. 
Ich habe demnach jetzt in Übereinstimmung mit Prof. Reichenow 
die Auffassung, dafs Rüppell's Beschreibung sich auf die dunkle 
Form bezieht, der somit der Name swainsonii zukommt. Ur- 
sprünglich war ich anderer Ansicht und glaubte mit 0. Neumann, 
dafs mit swainsonii die helle Form gemeint sei. Als Folge davon 
benannte Neumann den dunklen Sperling des Hochlandes neu 
„ahyssinicus^\ ein Name, den auch ich in den 0. M. 08. XI. 
p. 180 angewendet habe, während ich ihn heute als synonym zu 
swainsonii betrachten mufs. Ich bin gewifs der Letzte, der Freude 
oder Ruhm darin sieht, fremde Namen in ihrer Berechtigung an- 
zuzweifeln und eigene dafür eiuzuführen, aber ich kann auch 
nicht absichtlich meine Augen den Tatsachen verschliefsen. Wohl 
möglich, dafs Andere aus Rüppells Text und Bild Anderes heraus- 
lesen. 

Diese dunkelste griseus-Yorm bewohnt als Haus- und Feld- 
sperling das ganze Plateau von Asmara südwärts. Ich besitze 
ein intermediäres Stück No. 912, das auf der Grenze von Gebiet 
I und III erlegt wurde. Dieser Befund scheint mir nur für die 
Richtigkeit der aufgestellten geographischen Subspecies zu zeugen. 
Auf meine Bitte übersandte mir Herr Konservator Hilgert alle 
auf der Erlanger'schen Expedition gesammelten griseus, 45 Stück. 
Legt man diese grofse Serie neben einander, so springt sofort 
in die Augen, dafs wir es mit zwei Färbungscharakteren zu tun 
haben, einem düster grauen und einem blasser gelblichen. Nun 
entstand für mich die weitere Frage: Sind die dunkelgrauen 
Stücke sämtlich zu swainsonii, die gelblichen zu neumanni zu 
ziehen, oder müssen weitere Subspecies aufgestellt werden? Zu 
letzterem konnte ich mich nicht entschliefsen, denn ich hätte 
dann gleich 5 neue Namen (2 für dunkelgraue, 3 für gelblich- 
graue Sperlinge) in den Galla-Ländern und Djam-Djam bezw. im 
N.-Somaliland, Hausch-Tal und südöstlichem Schoa einführen 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 33 

müssen. Da fürchte ich, mehr Verwirrung als Nutzen zu stiften, 
urasomebr, da intermediäre Stücke in grofser Zahl vorkommen. Ich 
bezeichne darum alle dunkelgrauen Sperlinge vom Hochland 
von Asmara bis hinab zu den Gallaländern und Djam-Djam als 
F. g. swainsonii. Die Stücke aus dem Webbi- Gebiet (Arussi- 
Galla) sind im allgemeinen etwas düsterer als Nordabessinier, 
die Unterflügeldecken sind stärker mit Grau vermischt, auch 
Bürzel und Oberrücken um eine Nuance dunkler rotbraun bezw. 
mehr rauchgrau. Es sind dies die Stücke No. 2434—2438, 
2440—2442, 2449 der Coli. v. Erlanger. 4 Stücke aus Djam-Djam 
hingegen stimmen ganz mit swainsonii aus dem Norden überein, es 
sind No. 2430— 2433. Intermediär zwischen wcwmanm' und SM;amsomV, 
jedoch letzterem näher stehend, sind No, 2416—2419 von der 
Route Harar — Adis Abeba bei Schankora von Hilgert gesammelt. 
Dieser Ort liegt an der Nordostgrenze der Gallaländer ca. 60 km 
von Adis Abeba am Rande des Hochplateaus. Dort ist auch die 
Grenze zwischen den beiden weit verbreiteten Formen swainsonii 
und neumanni zu suchen. 

261. Passer griseus eritreae subsp. nov. 

Rchw. V. A. III p. 228: P. swainsoni. 0. Neum. B. B. 0. 
C. CXLl. 1908 p. 70: P. g. swainsoni. 0. Gr. Zedlitz 0. M. 08 
XI p. 180: P. g. swainsoni. 

cf No. 754 Tacazze 18. 4. 08. 

? No. 777 Gase 25. 4. 08. 

9 d* d* No. 779, 794, 801 Barentu 26./27. 4. 08. 

9 No. 829 Agordat 29. 4. 08. 

cf No. 843 Darotai 1. 5. 08. 

cf 9 No. 1232, 1298, Scetel, Mansura 11. u. 15. 3. 09. 
Geb. II, IV. 

Diesen Sperling habe ich bei meiner Beschreibung von 
neumanni 0. M. 08 p. 180 noch als swainsoni bezeichnet, während 
ich die dunkle Bergform in Übereinstimmung mit 0. Neumann 
ahyssinicus nannte. Da ich jetzt die Überzeugung habe, dafs 
letztere Form der Rüppell'schen Beschreibung mehr entspricht 
und daher swainsonii heifsen mufs, kann ich nicht umhin, der 
anderen einen neuen Namen „eritreae'"'' zu geben. Über die sehr 
in die Augen springenden Unterschiede haben s. Z. schon 
0. Neumann und ich das Nötige gesagt, ich betone hier nur ganz 
kurz: deutlich weifser ausgedehnter Kehlfleck, fast ganz weifse 
Unterseite mit Ausnahme eines hellgrauen Brustbandes, reinweifse 
oder ganz hell rahmiarbene Unterschwanzdecken, bei denen nur 
vereinzelt mal einige der längsten Deckfedern schwarzen Schaft 
zeigen. Die Oberseite ist sehr hell und gleicht am meisten der 
von ihierryi Rchw. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. 

Dieser Sperling ist ein Bewohner des Tieflandes im ganzen 
Westen, zumeist meines Gebietes II mit seiner stärkeren Kultur, 

Joam. f. Gm. LIX. Jahrg. Januar 1911. 3 



84 0. Graf Zedlitz: 

doch kommt er auch in den Steppen von IV vereinzelt vor. In 
der trockenen Zeit hält er sich gern an menschliche Ansiedlungen, 
zur Erntezeit wandert er wohl geschlossen in die Felder aus, 
wie es auch v. Erlanger von den in Süd-Äthiopien heimischen 
Formen berichtet. 

Ich traf ihn vollkommen als Haustier in Barentu und Agordat, 
auch bewohnte er Rasthäuser für Karawanen wie Darotai, daneben 
aber wufste er auch ganz ohne menschliche Ansiedlungen am 
Gase und Tacazze auszukommen. Im ganzen stimme ich voll- 
kommen mit V. Erlanger überein, wir haben in diesen Griseus- 
Formen den nordostafrikanischen Haussperling (biologisch ge- 
sprochen) vor uns, doch zu gewissen Zeiten und unter gewissen 
Verhältnissen weifs er auch die Rolle des Feldsperlings zu über- 
nehmen. Bei Agordat werden die Dumpalmen stark frequentiert, 
auch anscheinend gern mit Nestern belegt. Bis Anfang Mai fand 
ich keine Brüten, v. Erlanger stellte bei Harar als Brutzeit den 
März bis Mai, bei Adis-Abeba den September bis Oktober fest. 
Wenn er daraus schliefst, dafs der Sperling mehrere Brüten im 
Jahre mache, ?o vermag ich mich dieser Auffassung nicht ohne 
weiteres anzuschliefsen. Es ist doch in diesen Landstrichen auch 
nur einmal im Jahre Ernte, und der Forscher erwähnt selbst, 
wie der Vogel in seinen Lebensgewohnheiten davon vollständig 
abhängig sei. Die Erklärung ist meines Erachtens eine ganz 
andere: Harar liegt etwa an der Wasserscheide, welche das 
Küstengebiet I vom Webbigebiet V trennt. Im Küstengebiet 
und auch um Harar fällt die normale Brutzeit eben ins Frühjahr 
und die Ernte in den Frühsommer, im Innern bei Adis-Abeba 
(Gebiet III) fällt die Brutzeit in den Spätsommer bis Herbst, 
die Ernte in den Herbst. Ganz genau so verhält es sich 
in meinen Gebieten I gegenüber II oder III. Dort brütet der 
Sperling bei Ghinda im Februarbis März, bei Asmara im August 
bis September, aber an keinem der beiden Orte dauert die Brut- 
zeit vom Frühjahr bis zum Herbst; ich halte dies deshalb auch 
für Süd-Abessinien nicht für wahrscheinlich. Hingegen dürfte es 
nicht ausgeschlossen sein, dafs ein Pärchen es bei der sprich- 
wörtlichen Emsigkeit des Sperlings innerhalb der normalen Zeit 
im Frühjahr oder Spätsommer bis auf mehrere Brüten bringen 
dürfte, ganz besonders in dem reich mit Regen gesegneten Schoa. 
Ich wende mich hier nur dagegen, dafs Beobachtungen aus dem 
einen Gebiet ohne weiteres auf ein anderes übertragen werden, 
auch handelt es sich ja um verschiedene Subspecies, neumanni 
bei den frühen, swainsonii bei den späten Brüten, ohne meteorolo- 
gische Verschiedenheiten dabei zu berücksichtigen. 

262. Passer griseus neumanni Zedl. 

0. M. 08 XI p. 180. 

Cf (f No. 115, 116 Ghinda 31. 1. 08. 



Meine ornithologische Ausbeate in Nordost-Afrika. 35 

(f Cf d' cf No. 132, 134, 943, 946 Salamona 23. 6. 08. 
(Müller leg.). 

? ? No. 944, 945 Ghinda I. 2. 08. 

9 No. 1209, östlich Cheren 6. 3. 09. Gebiet I. 

So. 1209 ist intermediär, er wurde hart östlich des Anseba 
auf der Grenze der Gebiete I und II gesammelt gleichzeitig mit 
einem Floceus galbula im Hochzeitskleid, ein Umstand, der auf 
Gebiet I deutlich hinwies. Ich habe meiner Beschreibung dieses 
gelbbräunlichen P. griseus in 0. M. 08. p. 180 nur hinzuzufügen, 
dafs auch die Unterflügeldecken bei typischen Stücken stets einige 
gelbliche oder bräunlich überlaufene Federn zeigen und im all- 
gemeinen heller sind als bei swainsonii. Von den Erlanger'schen 
Stücken aus dem Süden zeigen alle, welche im Nord-Somali- 
land, bei Harar, im Hauaschtal und am Südostabfall des Schoa- 
nischen Hochlandes bis nach Adis-Abeba gesammelt wurden, deut- 
lich den neumanni Charackter, untereinander wieder mit kleinen 
Abweichungen. Nicht zu unterscheiden von meinen Typen sind 
No. 2410—2415 vom Hauasch und den Abfällen zu seinem Tale. 
11 Exemplare No. 2399—2409 vom Nord-Somaliland bis eiu- 
schliefslich Harar sind auf Oberkopf und Rücken dunkler. Dieser 
Stücke sind zwischen 25. II. und 21. IV. erlegt; wenn der Unter- 
schied auch in anderer Jahreszeit konstant so deutlich sich erweisen 
sollte, würde ich es doch für angezeigt halten, diese Form mit 
dem scharf begrenzten Verbreitungsgebiete Nord-Somaliland neu 
zu benennen. Die Vögel aus der Umgebung von Adis-Abeba 
haben Oberkopf und Rücken wieder bräunlicher als typische 
neumanni, hingegen ist das Rotbraun des Bürzels oft etwas dunkler, 
es sind No. 2420—2429. Zum Schlufs möchte ich auf Grund 
der langen von Erlanger und mir sowohl während wie aufserhalb 
der Brutzeit gesammelten Suiten betonen, dafs neumanni nicht 
etwa ein Jugendkleid von stüainsonii darstellt. Bei neumanni 
scheint auch im Alter häufig der Unterschnabel nicht so tief- 
schwarz zu werden wie bei verwandten Formen. 

Das Verbreitungsgebiet des F. g. neumanni erstreckt sich 
also über die ganze Küstenregion vom Eritrea und Nordsomali- 
land bis Harar einschliefslich, verbreitert sich wesentlich im Süden, 
umfafst dort das ganze Hauasch-Tal und auch den Teil des 
Schoanischen Hochlandes, welcher zum Hauasch abwässert. Wirft 
man einen Blick auf die Karte B. in Reichenows Atlas, so findet 
man dort den Abfall des äthiopischen Hochlandes durch scharfe 
Berg-Signatur abgegrenzt. Alles was zwischen dem Meere und 
dem oberen Rande dieses Plateaus liegt (Adis-Abeba XIV, 13 liegt 
noch unterhalb desselben) ist die Heimat des F. g. neumanni. 
An der Grenze der Gallaländer kommen intermediäre Stücke 
vor aber nur in höheren Lagen genau wie am Rande des Plateaus 
von Asmara. Zur Erntezeit mögen auch Vögel der einen Form 
gelegentliche Besuche im Gebiet der anderen abstatten. 1 Stück 
des B. M. (Wache leg.) mit Fundort Dire-Daua ist kein neumanni 



36 0. Graf Zedlitz: 

sondern swainsonii. Da eine Zahl gleichzeitig eingetroffener 
sämtlich mit „Dire-Daua" etikettierter Vögel durchaus nicht mit 
den an genanntem Ort heimischen Formen übereinstimmt, 
glaube ich bestimmt, dafs sie von höheren Lagen des Hinterlandes 
stammen und erst nach demTode nach Dire-Dauagebracht wurden. 
Im folgenden führe ich nun zum Schlufs die bisher be- 
nannten Formen von P. griseus auf, welche ich für gut unter- 
schieden halte. Ich vermute, dafs bei weiterer Bearbeitung dieses 
sehr interessanten Vogels sich noch weitere Subspecies ergeben 
dürften. Andererseits möchte ich davor warnen, auf Grund rein 
lokaler sehr geringer Abweichungen allzuviel neue Namen zu 
schaffen, wie ich dies ja auch bei den Vögeln aus dem südlichen 
Abessinien, den Gallaländeru und dem Hauasch-Tal unterlassen 
habe. Es handelt sich hierbei oft nur um Übergänge von einer guten 
Form zur andern, deren Färbungs-Charakter man m. E. sehr 
wohl erwähnen kann ohne gleich solch rein lokale Varietät mit 
einem Namen zu beehren: 

1. F. g. griseus Viell. NW.- Afrika, Senegal bis Niger. 

2. P. g. vgandae Rchw. Central-Provinzen. 

3. F. g. suahelicus Rchw. D. 0. Afrika, Victoria-See bis 
Sambesi. 

4. P. g. diffusus A. Sm. Östliches S.-Afrika. 

5. P. g. georgicus Rchw. S.W.-Afrika nordwärts bis Mossa- 
medes. 

6. P. g. thierryi Rchw. Togo, westlicher Sudan. 

7. P. g. eritreae Zedl. Eritrea, NW.-Abessinien meine Ge- 
biete II u. IV, westwärts bis Nil und wahrscheinlich Kordofan. 

8. P. g. swainsonii Rüpp. Hochland von Eritrea (Gebiet III), 
südwärts bis Gallaländer und Djam-Djam bezw. Rudolf-See 

9. P. g. neumanni Zedl. NO.- Afrika, ganzes östliches bezw. 
nordöstliches Küstengebiet einschl. N.-Somaliland u. Harar- 
Berge, westwärts hinauf am Abfall des Plateaus bis über 
1500 m Höhe. 

10. P. g. gongonensis Oust. 0.- Afrika von der Küste land- 
einwärts bis Baringo-See u. Kenia. 
Ein Vogel meiner Privat-Sammlung aus Stanley-Pool am 
unteren Congo stimmt nicht recht mit georgicus und ebensowenig 
ugandae überein. Bei reichlichem Material dürfte sich noch eine 
neue westafrikanische Form herausstellen, welche von den 3 
benachbarten georgicus, ugandae, thierryi konstant abweicht. 

263. Passer hispaniolensis ivashingtoni Tsch. 

Rchw. V. A. III p. 236, v. Tschusi 0. Jbch. 03 p. 9. 
0^99 No. 1—3 Suez 16. 1. 08. 

dQcf No. 42—44 El Tor (Sinai) 21. 1. 08. Paläarkten. 
Die Weidensperlinge aus der Gegend von Suez und vom 
Fufse des Sinai stimmen nicht ganz mit einander überein, weder 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 37 

systematisch noch biologisch. Die Flügelmafse sind bei den 
ersteren 74, 75, 75 mm, bei letzteren 75, 77, 80 mm. In der 
Färbung sind die Vögel aus El Tor etwas matter bezw. grauer, 
die aus Suez lebhafter. Da der Weidensperling notorsich recht 
starker individueller Variabilität unterworfen ist, sehe ich vor- 
läufig noch keinen Grund zu einer Abtrennung, später bei 
reicherem Material halte ich es nicht für ausgeschlossen, dafs sie 
sich als notwendig herausstellen könnte. Darauf weisen auch 
biologische Gründe hin: Bei Suez lebt dieser Sperling weit 
draufsen in der Oase zumeist an feuchten Stellen mit kleinen 
Rohrdickungen, innerhalb der eigentlichen Stadt habe ich trotz 
besonderer Aufmerksamkeit weder im Januar Februar noch im 
Mai einen Sperling entdecken können. Hingegen kommt er in 
der Nähe der weiter draufsen liegenden von Gärten umgebenen 
Häuser hier und da vor. In El Tor lebt umgekehrt der P. his- 
paniolensis ganz als ob er domesticus hiefse. Überall auf den 
Gesimsen der Häuser, den Dächern der Baracken und am meisten 
auf den vereinzelt an Strafsen und Plätzen stehenden Palmen 
trieb sich die Gesellschaft herum, bald sich laut zankend, bald 
mitten auf dem Damm herumhüpfend, Nahrung suchend und sich 
balgend, kurz als echte Hausspatzen. Die Brutzeit dürfte ziem- 
lich früh fallen und wohl schon Ende Februar einsetzen. Weiter 
südlich an den Küsten des Roten Meeres habe ich einen Weiden- 
sperling nicht mehr gefunden. 

264. Carpospi^a brachydactyla Bp. 

Rchw. V. A. m. p. 243. 

1 d<, 7 9 No. 1194—1201 Cheren 9. 3. 09. Geb. IL 
Das Vorkommen dieses Steinsperlings in Afrika war bisher 
nicht ganz einwandsfrei festgestellt. Hemprich und Ehrenberg 
hatten ihn wohl an der arabischen Küste bei Kunfuda gefunden, 
Heuglins Nachrichten über das Vorkommen im abessinischen 
Küstenland und bis Kordofan wurden aber in Zweifel gezogen, 
und die betreffende Notiz steht bei Reichenow III p. 244 in 
Klammern. Ich möchte alle auf den Vogel bezüglichen Mit- 
teilungen, welche nicht durch Belegstücke erhärtet werden, äufsert 
skeptisch behandeln, denn ich halte es in der Regel für nicht 
gut möglich, den lebenden Vogel auf gröfsere Entfernung von 
seinen näheren Verwandten mit Sicherheit zu unterscheiden. In 
der ganzen Zeit meines Aufenthaltes in Nordost- Afrika habe ich 
nur am 6. 3. 09 einen grofsen Schwärm dieser Sperlinge gesehen, 
die sich jedenfalls auf dem Zuge befanden. Es war unmittelbar 
bei Cheren. Die Vögel trieben sich nahrungsuchend auf den 
kahlen Feldern herum und waren recht scheu. Da ich im Ge- 
biet II bisher überhaupt noch keinen Steinsperling angetroffen 
hatte, machte ich mir über die Art nicht erst viel Kopfzerbrechen 
sondern suchte mir zunächst einige Exemplare zu sichern. Nach 



88 0. Graf Zedlitz: 

längerer Anstrengung gelang es mir, einen Schufs aus der Cal. 12 
auf grofse Entfernung anzubringen, welcher mir diej angeführten 
8 Stück lieferte. Entrüstet ob dieser Behandlung erhoben sich die 
übrigen in die Lüfte und verschwanden. Meine 99 messen 
80 — 92 mm Flglg., das d* 96 mm, Reichenow gibt 90 mm an. 
Die Farbe des Schnabels variiert selbst bei meiner Suite stark, 
und es dürfte gelegentlich jede Nuance zwischen schwarzbraun 
und gelb vorkommen. Die Jahreszeit übt auch wohl hier einen 
gewissen Einflufs aus wie bei so vielen Finken, bei meinen im März 
erlegten Stücken sind höchstwahrscheinlich die älteren in der 
Umfärbnng des Schnabels schon weiter vorgeschritten als die 
jüngeren. 

265. Gymnoris pyrgita pyrgita Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 244, v. Erl. J. 0. 07 p. 27. 

d*9 No. 136, 137 Ghinda 1. 2. 08. Geb. I. 

Schon V. Erlanger bemerkte, dafs dieser Sperling das 
Hochland von Abessinien meidet, hingegen im nördlichen wie im 
südlichen Somaliland und in. den Arussi-Galla-Ländern nicht 
selten sei. In vollkommener Übereinstimmung damit fand ich 
ihn in meinem Gebiet I, in den anderen aber nicht. Es hat den 
Anschein, dafs er in Gebiet II, das zumeist die Barca-Niederung 
mit ihren Steppen umfafst, auch gelegentlich auftritt, darauf 
deuten die von Heuglin angeführten Fundorte hin. In Dongola 
am Nil wurde ein Steinsperling jedenfalls in neuerer Zeit durch 
Baron Rotschild bei Shendi gesammelt, doch ist dies eine abwei- 
chende Subspecies, welche den Name pallida Neum. trägt. Meine 
Stücke zeigen kleine Flügelmafse: cf 80, 9 76 mm, Reichenow 
gibt 80—92 mm an. Die Vögel aus Ost-Afrika sind nach 
meinen Messungen durchweg gröfser, das Gelb an der Kehle ist 
bei ihnen im höheren Alter anscheinend kräftiger, bei der echten 
Fyrgita blasser. Die Ostafrikaner gehören zu der von 0. Neumann 
neu beschriebenen Form massaica, wir kennen also nunmehr drei 
Subspecies und zwar: 

1. Gymnoris pyrgita pyrgita Heugl. 

Küste von Eritrea, Nord-Somaliland, Galla-Länder. 

2. G. p. pallida Neum. B. B. 0. C. März 08 p. 70. 
Nördlicher Sudan bis Senegal. 

3. G. p. massaica Neum. B. B. 0. C. März 08 p. 70. 
Britisch und Deutsch-Ost-Afrika. 

Ich halte es für keineswegs ausgeschlossen, dafs im Westen 
meines Gebietes II Übergänge von pyrgita zu pallida vorkommen 
können. 

266. Gymtioris dentata Sund. 

Rchw. V. A. III. p. 246. 

9 No. 536 südlich Arresa 23. 3. 08. 

9cfcf9 No. 603-606 Melissa! 1. 4. 08. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 39 

cT ? No. 612, 619 Melissai 2. 4. 08. 
99cf No. 753, 761, 762 Tacazze bei Bia Ghela 18, 19. 4. 
08. Geb. IV. 

Der Unterschied von cf und 9 besonders in der Färbung 
der Kopfseiten ist in die Augen springend, das cf hat einen 
deutlichen rotbraunen Streifen vom hinteren Augenwinkel zum 
Nacken, das 9 zeigt dieselbe Zeichnung bla fs gelblich bis rahm - 
färben. Die Flügelmafse sind 73—78 mm. 

Fand ich Fyrgita nur im Gebiet I, so begegnete ich dentata 
zum ersten Male an der Grenze von III und IV, um sie dann im 
ganzen Gebiet IV häufig wieder anzutreffen. Dieser Steinsperling 
ist ein Bewohner der Steppe, welcher die spärlichen Wasser- 
stellen fast den ganzen Tag über nicht verläfst. Steht in der 
Nähe ein hoher Baum, so wird dieser besonders gern als Ruhe- 
platz gewählt, zwischen durch bewegt sich der Vogel auch viel 
an der Erde. Ich sah ihn nicht einzeln oder paarweise sondern 
stets in Schwärmen, welche lose zusammenhielten. Einen andern 
Lockton als ein gelegentliches kurzes piepen oder zirpen habe 
ich von keinem Steinsperling gehört. An Brut dachten sie offen- 
bar noch nicht, war es doch im Gebiet IV gerade die Zeit der 
gröfsten Trockenheit. 

267. Serinus xanthopygins xanthopygius Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 254; vgl. auch v. Erl. J. 0. 07 p. 27/28. 

d* ? cT No. 493, 504, 505 Marebquelleu 13., 14. 3. 08. 

9 1221 Mai Arosso 7. 3. 09. Geb. II, III. 

Bei der Frage: welche Formen stehen sich so nahe, dafs 
man sie zu einem Kreise vereinigen mufs? dürfte die Antwort 
heute noch recht verschieden lauten. Vor der Hand liegen von 
den zuletzt beschriebenen Formen auch nur zu geringe Suiten 
vor, von erlangen Rchw. 2 Stück, collaris Rchw. 2 Stück, pachy- 
rhyncha Rchw. 1 Stück. Bei diesen spärlichen Fundorten können 
wir uns natürlich noch kein Bild von der eingentlichen Verbreitung 
dieser Subspecies machen. Ich möchte die Vögel mit gelber Kehle, 
collaris Rchw. und ftavigula Salvad., als gesonderte Gruppe 
auffassen, ebenso die mit auffallend breiten weifsen Endsäumen 
und Flecken an den Schwanzfedern, reichenowi Salvad. und 
angolensis Gm. Die übrig bleibenden 4 Formen aus Nordost- 
Afrika und Arabien möchte ich zunächst als enger verwandt 
zusammenfassen mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dafs die 
Forschung über die Gruppe erst in ihren Anfängen steht und 
über kurz oder lang vielleicht ein durchaus anderes Bild entrollen 
kann. Ich nenne sie ternär wie folgt: 

1. S. X. xanthopygius Rüpp. 
Eritrea, Nord-Abessinien. 

2. S. X. uropygialis Heugl. Süd-Arabien. 



40 0. Graf Zedlitz: 

3. S. X. erlangen Rchw, (J. 0. 07 p. 28). 
Arussi-Galla-Land, Erlangers Gebiet V. 

4. S. X. pachyrhynchus Rchw. (J. 0. 07. p. 28). 
Garre-Liwin-Distrikt, Erlangers Gebiet VI. 

Dieser Girlitz ist in Eritrea ein Bewohner des Gebirges, 
in Lagen unter 1000 m habe ich ihn nicht angetroffen; er hielt 
sich meist paarweise und war nirgends häufig. Verhältnismäfsig 
oft kam er mir an den kleinen Wasserlöchern der Marebquellen 
zu Gesicht. Das Benehmen, die Art zu sitzen, zu hüpfen u. s. w. 
erinnert ganz an unseren heimischen Girlitz. Die Stimme habe 
ich abgesehen von kurzen zirpenden Locktönen beim Auffliegen 
nicht gehört. 

268. Serinus leucopygius leucopygius Sund. 

Rchw. V. A. III p. 255. 

? No. 805 Barentu 27. 4. 08. 

cfcTcfcr No. 1295 — 1297, 1328 Mansura (Barca) 25. und 
28. 3. 09. Geb. II. 

Im B. B. 0. C. Januar 1908 p. 44 hat 0. Neumann den 
nordwestafrikanischen Vogel auf Grund des neuen von Riggenbach 
mitgebrachten Materials als S. l. riggenhachi abgetrennt. Der 
wesentliche Unterschied besteht darin, dafs riggenhachi Kehle, 
Kropf und Brust fast rein weifs zeigt, also hellere Unterseite 
als leucopygius aus Nordost-Afrika besitzt. Ich hatte kürzlich 
Gelegenheit, im B. M. ganz frische Bälge aus dem Hinterlande 
von Kamerun zu sehen, sie hatten ebenfalls fast weifse Unterseiten 
und dürften unter die Diagnose riggenhachi fallen. 

Der Graugirlitz ist ein Bewohner des heifsen Tieflandes im 
Gegensatz zu seinem Vetter mit dem gelben Bürzel; der Lieblings- 
aufenthalt für ihn sind die Dumpalmen an den Ufern der Flufsbetten 
im Barca-Gebiete. Auffallenderweise habe ich ihn in den Palm- 
wäldern am Tacazze nicht getroffen. In kleinen Gesellschaften 
beleben die Vögelchen die lichten Bestände, halten sich minutenlang 
in einer Palmenkrone auf, suchen flatternd und kletternd dort 
alles gründlich ab um dann auf den nächsten Baum überzusiedeln. 
Wenn Heuglin sagt, „sie treiben sich auf Gebüschhecken und 
niedrigen Bäumen herum, steiniges Hügelland scheinen sie mit 
Vorliebe zu bewohnen", so kann ich dem gegenüber nur auf meine 
Beobachtungen verweisen, nach welchen sich der Graugirlitz 
zumeist auf hochstämmigen Bäumen und gerade an den flachsten 
sandigsten Stellen aufhielt. Die Nähe menschlicher Ansiedelungen 
scheint ihn auch in der trockenen Zeit nicht besonders zu locken. 
Die Brut im Gebiet II dürfte bestimmt in den Spätsommer fallen, 
bis Ende April sah ich die Vögelchen nur in Gesellschaft nicht 
paarweise. 

249. Serinus ?. 

Am Abend des 24. 3. 09. erschien an der grofsen Wasser- 
stelle bei Mansura ein Flug Girlitze, der anscheinend sich auf 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 41 

dem Zuge befand. Ich erlegte 4 Exemplare, sie zeigten auf dem 
Bürzel weder eine deutlich gelbe noch weifse Färbung, waren 
unterseits grau verwaschen, oberseits auf bräunlich -gelblichem 
Grunde längs gestreift, besonders scharf waren die Streifen auf 
dem Kopfe. Da es schon dunkelte, verschob ich die nähere Be- 
stimmung auf den nächsten Morgen. Mein schwarzer Präparator 
bekam aber leider mal wieder den Ehrgeiz zu „denken", schlofs 
die noch unvergifteten Vögel am Abend nicht, wie er sollte, ein, 
sondern legte sie zum Auslüften auf einen Mauervorsprung. Am 
nächsten Morgen war allerdings Luft genug vorhanden, denn 
eine Ameisenstrafse führte über die Mauer weg, und die Vögel 
waren bis auf die blanken Knochen aufgefressen. Ich verzichte 
deshalb darauf, einen Namen für sie anzuführen, da mir die 
Belege fehlen, andererseits wollte ich nicht unterlassen, im Interesse 
späterer Forscher darauf hinzuweisen, dafs eine weitere Serinus- 
Art im Gebiet vorkommt, wenn nicht als Standvogel so doch als 
Durchzügler Ende März. Es bedarf wohl keiner Versicherung, 
dafs ich den Fundort in den folgenden Tagen wiederholt mit 
gröfster Sorgfalt abgesucht habe, der Girlitz war weg und liefs 
sich nicht mehr sehen. Wahrscheinlich dürfte es sich um noch 
nicht ausgefärbte Stücke unseres heimischen Serinus serinus L. 
gehandelt haben. 

270. Serinus Icterus harhatus Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 271, 0. Neum. J. 0. 05 p. 354. 

cf ?? No. 609, 612, 620 Melissai (Adiabo) 1., 2. 4. 08. 
Gebiet IV. 

Meine Stücke gehören durch ihre gelbgrünlich verwaschene 
Oberseite zweifellos zu harhatus, und ich schliefse mich im 
übrigen vollkommen Neumauns Ansicht an, welcher sämtliche 
Zitate über icterus aus Nordost-Afrika zu harhatus verweist. 

Ich traf den Mossambikzeisig nur an der grofsen Wasser- 
stelle inmitten der Adiabosteppe, hier hielten sich mehrere Stücke 
tagsüber ständig auf und safsen oft auf demselben Hochbaume 
mitten unter Gymnoris dentata. 

271. Poliosinza striolata Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 256, 0. Neum. J. 0. 05 p. 353, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 28. 

cf No. 435 Asmara 7. 3. 08. 

cf No. 911 Nordöstlich Asmara 25. 5. 08. Gebiet III. 

Reichenow trennt das Genus Poliospiza (Bd. III p. 251) 
lediglich auf Grund der Färbung von Serinus ab. Ich kann 
mich dem nicht vollkommen anschliefsen und rechne Formen 
wie xanthopygius und leucopygius zu Serinus, da im Körperbau 
nennenswerte Unterschiede sich nicht zeigen. Bei der hier vor- 
liegenden Art möchte ich aber den Genus-Namen Foliospiza doch 



42 0. Graf Zedlitz: 

beibehalten, keineswegs wegen der Färbung sondern wegen der 
Mafse. Besonders der sehr starke Schnabel weicht doch recht 
erheblich von dem anderer Serinus-F ormen ab und erinnert et- 
was an den von Chloris. Ich halte es deshalb für praktisch, 
schon durch den Genus-Namen diese grofsschnäbligen Vögel von 
kleinschnäbligen zu sondern, verkenne aber keineswegs, dafs viele 
Gründe dafür sprechen, den Namen Foliospiza zu Gunsten von 
Serinus überhaupt ganz fallen zu lassen. 

Unser Vogel ist ein Gebirgsbewohner, in Eritrea nur auf 
dem Hochlande von mir angetroffen; auch v. Erlangers Fundorte 
liegen im Gebirge bei Harar und Adis-Abeba, wenn auch weniger 
hoch als die meinigen. Neumann sagt ebenfalls am Schlufs seiner 
Besprechung: „Lebt im dichten Walde von 2400 bis 3000m Höhe". 

Auf dem Plateau von Asmara bezw. an seinen bewaldeten 
Abhängen traf ich diese Art nicht häufig genug, um wesentliche 
biologische Beobachtungen machen zu können, v. Erlanger be- 
richtet ausführlich über drei Gelege, welche er am 23. IV., 12. V., 
8. X. fand. 

272. Eftiberi^a hortulana L. 

Rchw. V. A. III p. 281, 0. Neum. J. 0. 05 p. 358, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 33. 

9d* No. 482, 483 Marebquellen 13. 3. 08. 

? No. 541 südlich Arresa 23. 3. 08. Geb. III, Grenze von IV. 

Der Ortolan ist keineswegs selten in Aethiopien als Winter- 
gast und als Durchzügler, Neumann z. B. sah ihn vom September 
an häufig bei Adis-Abeba. Ich traf den Vogel in Schwärmen 
an verschiedenen Stellen des Hochlandes, in den Steppen nicht. 
Zuletzt beobachete ich eine Menge an einer kleinen Wasserstelle 
unweit Arresa und erlegte davon mit einem Schufs 7 Exemplare 
wir hatten jedoch soviel andere Sachen zu präparieren, dafs nun 
ein Belegstück No. 541 konserviert wurde. 

273. Emberi^a cinerea Strickl. 

Rchw. V. A. III p. 281. 

(f No. 277 Cheren 15. 2. 08. Geb. II. 

Wir haben hier einen seltenen Wintergast aus Asien, 
Reichenow erwähntfürAfrika nur einen jungen Vogel, denHeuglinim 
Bogosland gesammelt hat (Oktober). Aufser dem erlegten Stück 
habe ich kein weiteres beobachtet. Immerhin ist es nicht unmöglich, 
dafs bei dem aufserordentlichen Reichtum an Vogelarten, welche 
im zeitigen Frühjahr bei Cheren den Sammler umwimmeln, auch 
einige interessante Durchreisende mal der Aufmerksamkeit ent- 
gehen können. 

274. Emberi&a flaviventris flavigastra Gab. 
Rchw. V. A. III p. 285, 0. Neum. J. 0. 05 p. 359. 
cT No. 489 Marebquellen 13. 3. 08. Geb. III. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika 43 

Das Rotbraun auf dem Rücken meines Stückes ist sehr hell, 
blasser als bei den im B. M. befindlichen Stücken aus Ostafrika. 
Ist dies mit Rücksicht auf das eine Exemplar auch noch kein 
Beweis, so betrachte ich es doch als Fingerzeig, den Namen 
flavigasira für Nordostafrikaner weiter zu benützen. Wir hätten 
somit drei Formen: 

1. E. f. flaviventris Steph. Ost- und Zentral- Afrika. 

2. E. f. flavigastra Gab. Nordost-Afrika: Eritrea, Nord- 
Abessinien. 

3. E. f. pöliopleura Salvad. Nordost- Afrika: Hauasch-Gebiet, 
Schoa, Süd-Somaliland bis Brit.-Ost-Afrika. 

Ich lasse es dahingestellt, ob man die a//5m'.s- Formen mit 
zu diesem Kreise rechnen soll, da der rotbraune Bürzel einen 
sehr auffallenden Unterschied darstellt. Es bewohnen die Formen 
afßnis Heugl. das Gebiet des untern Blauen und Weifsen Nils 
und die Recion von dort westwärts bis Senegambien, omoensis 
Neum. das Omo- und Sobatquellen-Gebiet in Südwest-Abessinien. 

Biologische Beobachtungen konnte ich leider nicht machen, 
da mir dieser gewifs auffallende Vogel nicht in mehreren Exem- 
plaren zu Gesicht gekommen ist. 

275. Fringillaria septemstriata se2>tenistriata Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 290, 0. Neum. J. 0. 05 p. 360: F. tahapisi. 

V. Erl. J. 0. 07. p. 34, 

d* No. 277 Cheren 13. 2. 08. 

d* No. 667 Tacazze 9. 4. 08. 

9 No. 797 Barentu 26. 4. 08. 

9 No. 938 Ghinda 27. 4. 08 (Müller leg.). Gebiet I, II, IV. 

Unter septemstriata fasse ich folgende Formen zusammen, 
über deren Färbungsunterschiede ich bei Reichenow III p. 289 — 
291 das Erforderliche nachzulesen bitte: 

1. F. s. septemstriata Rüpp. (1835) 
Nordost-Afrika bis Schoa südwärts, Nordwest-Afrika. 

2. F. s. tahapisi A. Sm. (1836) 

Grenze von Schoa, Galla-Länder und südwestwärts durch ganz 
Ost-Afrika bis Kapland, Südwest-Afrika und Gabun. 

3. F. s. insularis Grant Forb. (1899), Sokotra. 

4. F. s. arahica Lz. Hellm. (1902), südliches Arabien. 

Wenn Reichenow bei Besprechung der Erlanger'schen Samm- 
lung die Berechtigung der Form septemstriata in Zweifel zieht, 
weil V. Erlanger Vögel mit roten und solche mit braunen 
Schwingen sammelte, so möchte ich dagegen anführen, dafs der 
Forscher ja die Grenze zwischen den Verbreitungsgebieten von 
septemstriata und tahapisi überschritten hat, also ist es ganz 
normal, dafs er beide Formen sammelte; sollten an der Grenze 
intermediäre Stücke oder solche mit roten und andere mit 
braunen Schwingen nahe bei einander gelegentlich vorkommen, 



44 0. Graf Zedlitz: 

so wäre auch das keineswegs erstaunlich. Das von 0. Neumann 
am Zuai-See südlich Adis-Abeba gesammelte Stück ist bereits 
typisch tahapisi. Meine Exemplare aus dem Norden zeigen 
sämtlich deutlich rotbraune Schwingen mit Ausnahme der Aufsen- 
fahnen an den vorderen Handschwingen und den Spitzen. Das 
Schwarz an Kinn und Kehle ist bei ihnen mit grau vermischt, 
bei tahapisi anscheinend reiner. Hingegen finde ich bei allen 
ostafrikanischen Stücken im B. M. und meiner Sammlung die 
Schwingen stets dunkelbraun ohne eine Spur von rostrot. 

Diese Ammer ist über ganz Eritrea und Nord-Abessinien als 
Standvogel verbreitet, doch tritt sie anscheinend nirgends sehr 
zahlreich auf. Auch in der trocknen Zeit sah ich sie stets einzeln 
oder paarweise meist in unmittelbarer Nähe des Wassers. Sie 
sitzt oder läuft gern an der Erde, ruht mit Vorliebe auf Fels- 
vorsprüngen des Ufers, hüpft aber auch auf Hochbäuraen und 
Palmen herum. Ihre Stimme habe ich nicht gehört. 

XLIX. Motacillidae. 

276. Motacilla alba alba L. 

Rchw. V. A. III p. 299, v. Erl. J. 0. 07 p. 35. 

9 No. 408 Asraara 3. 3. 08. Geb. III. 

Die europäische weifse Bachstelze ist häufiger Wintergast 
besonders auf dem Plateau, wo man sie bis Anfang März unfehl- 
bar an jeder kleinen Wasserstelle antrifft. Auch an den Strafsen 
und auf Feldern sowie in der nächsten Umgebung menschlicher 
Wohnungen sieht man sie oft herumtrippeln. 

277. Motacilla alba vidua Sund. 

Rchw. V. A. III p. 296, 0. Neum. J. 0. 06 p. 229, v. Eq. 
J. 0. 07 p. 35. 

cfcf No. 651, 652 Tacazze 7. 4. 08. Geb. IV. 

Die Witwenbachstelze hält sich während der trockenen Zeit 
an grofse Ströme, B. Alexander beobachtete sie am Sambesi, 
Fischer am Tana, Reichenow und Sjöstedt in Kamerun „immer 
am Wasser", Neumann am Omo, Gelo und Akobp, wobei er aus- 
drücklich betont, dafs sie grofse Flüsse liebt. In Übereinstimmung 
mit diesen Nachrichten fand ich den Vogel nur am Tacazze, der 
nie versiegt, nicht an kleinen periodischen Flufsläufen. Der 
Lieblingsaufenthalt waren flache Sandbänke weitab von jeder 
menschlichen Niederlassung, in Abessinien ist diese Stelze also 
nicht der „treue Hausgenosse des Menschen", wie Böhm sie für 
Ost-Afrika bezeichnet. Mehrfach sah ich Pärchen zusammen, 
doch dürfte die Brut erst in den Sommer fallen, wenn es von 
Insekten wimmelt, v. Erlanger fand im Südsomaliland am 
Ganale die Jungen im Juli bereits ausgeflogen und konnte 
auch einen jungen Glanzkuckuck sammeln, der von alten Witwen- 
bachstelzen gefüttert wurde. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 45 

278. Motacilla flava flava L. 

Rchw. V. A. III p. 303, 0. Neum. J. 0. 06 p. 230, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 35. 

9 No. 1186 Cheren 5. 3. 09. Geb. II. 

Bei einem 9 iwi Winterkleid ist es sehr schwer zu sagen, 
ob man es mit flava oder borealis zu tun hat. Mich bestimmt 
das deutliche Vorhandensein eines kurzen weifsen Zügelstreifens, 
diesen Vogel als flava anzusprechen. Auch cinereocapilla zeigt 
bisweilen eine Andeutung von hellem Zügelstrich, doch ist bei 
dem hier vorliegenden Stück die Kehle stärker gelblich überlaufen 
als bei meinen 99 cinereocapilla. Immerhin ist sie noch etwas 
heller als die Brust, diese aber wieder intensiver gelb als bei 
der anderen Form. Die Sache läge ja ganz einfach, wenn ich 
gleichzeitig hätte ein cf sammeln können, ich fand aber während 
der Zugzeit meist cTcf und 99 von flava und cinereocapilla 
getrennt, dagegen lebte melanocephala, der häufigste Wintergast 
des Plateaus, gern paarweise. 

279. Motacilla flava melanocephala Licht. 

Rchw. V. A. III p. 303, 0. Neum. J. 0. 06 p. 230, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 36. 

d*9 No. 406, 407 Asmara 3. 3. 08. 

d(f No. 429, 449 Asmara 5., 8. 3. 08. 

cf No. 571 Mai Atal südlich Arresa 26. 3. 08. 

d No. 1156 Asmara 27. 2. 09. Geb. III. 

Als Wintergast eine keineswegs seltene Erscheinung, aber 
nur auf dem Plateau und an seinen Rändern beobachtet. Ein 
Stück sammelte ich auf der Grenze zum Gebiet IV an der grofsen 
Wasserstelle Mai Atal südlich Arresa, am mittleren Mareb sah 
ich diese Stelze aber nicht mehr. Ebensowenig habe ich 
sie bei Cheren oder im Barca-Becken beobachtet, unmittbar bei 
Asmara war sie am häufigsten an den kleinen Wasserlöchern 
anzutreffen, wo sie zwischen Menschen und Vieh ganz vertraut 
umherlief. Nach Ende März habe ich sie nicht mehr gesehen. 

280. Motacilla flava cinereocapilla Sav, 

Rchw. V. A. III p. 305. 

cTcf No. 475, 515 Marebquellen 12., 15. 3. 08. 

99 No. 572, 573 Mai Atal südlich Arresa 26. 3. 08. 

(f No. 653 Tacazze 7. 4. 08. 

9 No. 913 Cheren 12. 5. 08. Geb. II, III, IV. 

Bei No. 475 haben die Federchen an Kehle und Kropf 
schwarze Ränder, sodafs dieser ganze Teil schwärzlich gewölkt 
auf weifsem Grunde erscheint. Bei den anderen Stücken ist die 
Kehle fast rein weifs, bei No. 913 ganz schwach gelblich überflogen. 
Es handelt sich offenbar um ein jüngeres 9> da ist die Unter- 



46 0. Graf Zedlitz: 

Scheidung gegenüber flava und horealis sehr schwer, immerhin lasse 
ich mich durch die Kehle, welche deutlich heller als die Brust 
ist, dazu bestimmen, diesen Vogel zu cinereocapilla zu ziehen. 

Diese Schafstelze habe ich mehrfach von Mitte März an 
bei kleinen Wasserstellen des Plateaus und an seinen Abhängen 
gesehen, ich vermute daher, es handelte sich meist um Durch- 
zügler, nicht um Wintergäste. Der 12. V. ist ein bermerkenswert 
später Termin für Erlegung eines Zugvogels, doch handelte es 
sich hier um ein jüngeres Stück, das wohl aus irgend einem Grunde 
sich länger aufgehalten hat. 

281. Anthus pratensis L. 

Rchw. V. A. III p. 310, V. Erl. J. 0. 07 p. 36. 

cTcT No. 5, 33 Suez 16. und 19. 1. 08. Paläarktisch. 

Bei Suez unmittelbar am Meeresufer war der Wiesenpieper 
als Wintergast häufig. Schon in meinen „Ornith. Beobachtungen 
aus Tunesien" schrieb ich J. 0. 09 p. 146: „ich traf ihn im 
Februar 06 bei Gabös zumeist unmittelbar am Meeresufer". 
Ganz unter den gleichen Bedingungen beobachtete ich ihn hier 
bei Suez im Januar 08 und sammelte die oben erwähnten Beleg- 
stücke. An den Küsten im südlichen Teile des Roten Meeres 
traf ich ihn nicht mehr an. 

282. Anthus cervina Fall. 

Rchw. V. A. III p. 310, 0. Neum. J. 0. 06 p. 230, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 36. 

cTcfQ No. 4, 13, 14 Suez 16., 17. 1. 08. 

9cr9 No. 713, 740, 741 Tacazze 14. und 16. 4. 08. Geb. IV. 

Die drei bei Suez im Januar gesammelten Stücke tragen 
volles Winterkleid und unterscheiden sich in diesem Stadium von 
pratensis nur durch die deutliche Längsfleckung des Bürzels und 
die vierte Handschwinge, welche kürzer als die drei ersten ist. 
Hingegen ist bei den Exemplaren vom Tacazze, die ich Mitte 
April erlegte, die Kehle schon schön rostrot, sodafs der Vogel 
jetzt ein absolut anderes Aussehen hat und leicht zu erkennen ist. 

Am Meeresgestade wie am Flufsufer hielten sich diese Pieper 
stets dicht am Wasserrande, liefen gelegentlich auf dem Ufersande 
herum, versteckten sich aber auch gern zwischen den verfilzten 
Grasbüscheln, welche zum Teil noch vom Wasser bespült wurden. 

283. Anthus rufulus cinnamonieus Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 313, 0. Neum. J. 0. 06 p. 231, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 36. 

9 No. 918 Asmara 17. 5. 08. 

d' No. 919 Adi-Abun bei Adua 8. 6. 08. (Müller leg.). 

99 No. 1164, 1171 Asmara 28. 2., 2. 3. 09. Geb. III. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 47 

Dieser Pieper ist kenntlich an dem auf den beiden äufseren 
Paaren der Schwanzfedern sehr ausgedehnten Weifs, das ziemlich 
rein ist. Auch die 8chäfte der jederseits äufsersten Steuerfedern 
sind hell rostgelblich. Die Oberseite zeigt einen rötlich-gelblichen 
Ton besonders auf Flügeln und Bürzel; Neumann stellte bei frisch 
vermauserten Stücken breite rotbraune Säume der Handschwingen 
fest, bei meinen Exemplaren sind diese naturgemäfs schon ver- 
blafst, da das Kleid stark abgetragen ist. Ich schliefse mich 
vollkommen Neumann an, wenn er den Namen cinnamomeus 
Rüpp. für die Nordostafrikaner allein in Anspruch nimmt, und 
unterscheide wie er folgende Formen: 

1. Ä. r. rufulus Vieill. Indien, Sudan-Inseln. 

2. A. r. cinnamomeus Rüpp. Nordost-Afrika. 

3. Ä. r. raalteni Lay. Süd- und Ost-Afrika. 

4. A. r. camaroonensis Shell. Westafrika, Kamerun-Gebirge. 

5. A. r. bocagii Nich, Mossamedes. 

Dieser Pieper ist anscheinend ein Bewohner des Gebirges, 
0. Neumann schofs seine Exemplare in Höhen von 2600—3000 m, 
und die meinigen stammen sämtlich vom Plateau aus Lagen von 
2200 m aufwärts. Über die genauen Meereshöhen der Er- 
langer'schen Fundorte bin ich nicht orientiert, doch liegen sie 
bestimmt nicht in der Ebene mit Ausnahme von Kismayu. Es ist 
interessant und verdient hervorgehoben zu werden, dafs hier der 
Vogel auch unmittelbar am Gestade des Indischen Oceans an- 
getroffen wurde, v. Erlanger fand am 7. Juli 1900 unweit Adis- 
Abeba ein Nest mit halbwüchsigen Jungen, es war dort schon 
gegen Ende der Regenzeit. Das Nest war geschickt in ca. 20 cm 
Höhe auf zusammengedrücktem Grase angebracht und von über- 
hängenden Halmen überdacht. 

284. Anthus leucophrys sordidus Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 318, 0. Neum. J. 0. 06 p. 234, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 38. 

9 No. 278 Oberen 15. 2. 08. 

d* No. 418 Asmara 4. 3. 08. 

cT No. 490 Marebquellen 13. 3. 08. 

Cf Cf No. 914, 915 Asmara 17. 5. 08. 

d* No. 916 nordöstlich Asmara 26. 5. 08. 

cT No. 917 Adi-Abun bei Adua 4. 6. 08 (Müller leg.). 
Geb. II, III. 

Wegen des Systematik bitte ich, 0. Neuraanns ausführliche 
Besprechung J. 0. 06 p. 234 — 236 nachzulesen, wo unter anderem 
5 neue Formen beschrieben werden. Der Verfasser spricht am 
Schlüsse die Vermutung aus, dafs einige davon auf ihre Existenz- 
berechtigung hin angefochten werden dürften, es wäre aber dazu 
ein sehr grofses Material erforderlich, wie es heute wohl noch 
nicht zur Verfügung steht. Ich bin daher auch nicht in der 



48 0. Graf Zedlitzt 

Lage, mir selbst ein Urteil über alle Formen zu bilden, und lasse 
hier nur kurz die Namen der afrikanischen folgen, in Asien gibt 
es dann noch eine ganze Reihe, welche wir wohl hier übergehen 
dürfen: 

1. A. l. leucophrys Vieill. Süd-Afrika: Kapland, Natal. 

2. Ä. l. vaalensis Shell. Süd- Afrika: Transvaal. 

3. Ä. l. angolensis Neum. Angola und ostwärts bis Nyassa-Gebiet. 

4. Ä. l. hohndorffi Neum. Oberer Kongo. 

5. Ä. l. zenkeri Neum. Kamerun. 

6. A. l. gouldi Fräs. Gambia bis Niger. 

7. A. l. sordidus Rüpp. Nordost-Afrika: Eritrea bis Schon. 

8. A. l. saphiroi Neum. Nordost-Afrika: Gebirge von Harar, 
Nord-Somaliland. 

9. A. l. omoensis Neum. Nordost-Afrika: Südschoanische Seen- 
platte. 

Auch dieser Pieper ist ein Bewohner höherer Lagen, der 
am tiefsten liegende meiner Fundorte ist Oberen. Auf dem Plateau 
kommt er neben A. r. cinnamomeus vor, ist jedoch erheblich 
gemeiner. Der helle Teil der äüfseren Schwanzfeder ist stets gelb- 
bräunlich nicht weifs und bildet ein gutes Erkennungszeichen. 
Die dunkle Fleckung des Kropfes ist auch bei Vögeln, welche 
in derselben Region in einem Monat gesammelt wurden, sehr 
wechselnd, bald scharf und kräftig, bald kaum angedeutet, als 
Arten-Unterschied läfst sie sich meines Erachtens nicht verwerten. 



285. Anthus campestris campestris L. 

Rchw. V. A. III p. 319, V. Erlanger J. 0. 07 p. 39. 
? No. 239 Oberen 16. 2. 08. 

cT 9 1142, 1147 Ghedem südlich Massaua 19., 20. 2. 09. 
Gebiet I, II. 

Auch der Brachpieper ist Wintergast in NO.-Afrika. Zu- 
meist scheint er sich an der Küste aufzuhalten, ich sah aufser 
den beiden angeführten Belegstücken bei Ghedem noch mehrere. 
Auch V. Erlanger sammelte seine 5 Exemplare im Nordsomaliland 
also nicht gar zu weit von der Küste (Januar bis Anfang Februar). 
Im Binnenlande entsinne ich mich keines Stückes aufser dem 
bei Oberen erlegten, das vielleicht schon auf der Wanderung 
nach dem Norden begriffen war. Jedenfalls ist der Brachpieper 
in Eritrea und Abessinien eine viel seltenere Erscheinung als in 
Südtunesien, wo ich ihn zu den Charaktervögeln der Steppe zähle. 
Fast alle Fundangaben für NO.-Afrika stammen aus den Monaten 
Dezember bis Februar. Nur ein Stück wurde bei Ohartum von 
Witherby im Mai gesammelt, jedenfalls ein Nachzügler. Die 
Hin- und Rückreise zu den nordischen Brutrevieren dürfte also 
etappenweise und ohne besondere Eile zurückgelegt werden. 



Meine ornitbologisehe Ausbeute in Nordost-Afrika. 49 

L Alaudidae. 

286. Alaemon alaudipes desertorum Stanl. 

Rchw. V. A. III p. 349, v. Erlanger J. 0. 07 p. 47, Hartert 
V. d. p. F. p. 251. 

cf No. 34 Suez 19. 1. 08. Paläarktisch. 

Im Winter ist das Vogelleben der eigentlichen Wüste bei 
Suez sehr spärlich, erst um Anfang März wird es dort lebhaft. 
Ich hatte leider keine Gelegenheit, mehr als dies eine Exemplar 
zu sammeln während der wenigen Tage, die ich in Suez in Er- 
wartung meines Schiffes verbrachte. Die Lerche benahm sich 
genau wie ihre Verwandte Ä. a. alaudipes^ welche mir aus dem 
südtunesischen Chott-Gebiet eine liebe alte Bekannte ist. Von 
Balz war um Mitte Januar natürlich noch keine Rede. 

287. Afnmomanes deserti isäbellina Temm. 

Rchw. V. A. III p. 356, Hartert V. d. p. F. p. 223. 

9 No. 35 Suez 19. 1. 08. Paläarktisch. 

Über die Formen der Ämmomanes wie über die der Alaemon 
ist alles Wissenwerte entsprechend dem Stande der modernen 
Forschung in Harterts Werk niedergelegt, ich brauche nicht weiter 
darauf einzugehen. Bei meinem Stück kann es zweifelhaft sein, 
ob man es zu isäbellina Temm. oder zu deserti Liclit. ziehen 
soll, doch halte ich ersteres für richtig mit Rücksicht auf die 
sehr blasse grauliche Oberseite, welche ähnlich und nur etwas 
weniger rot ist als bei A. d. algerienses aus Tunesien, von der 
sich in meiner Sammlung und unter den Bälgen des B. M. eine 
gröfsere Zahl befindet. 

288. Galerida cristata bracliyura Tristr. 

Hartert V. d. p. F. p. 234. 

cf9 No. 15, 16 Suez 17. 1. 08. 

9 No. 40 El Tor 20. 1. 08. Paläarktisch. 

Meine Stücke erweitern das Verbreitungsgebiet dieser lang- 
schnäbligen Haubenlerche, deren terra typica die Senke des Toten 
Meeres in Südpalästina ist, sie können jedoch nicht gut anders 
denn als echte hrachyura aufgefafst werden. Die Flügellänge 
beträgt beim cf 108 mm, 99 95 und 97 mm, nach Hartert hat 
cf 105 — 110, 9 95 — 98 mm, also genau übereinstimmend. Die 
Schnäbel messen cf 18, 99 16, 17 mm. Die Färbung der Ober- 
seite ist fast genau so wie bei der erheblich gröfseren magna 
Hume, doch haben meine Stücke sowohl ober- wie unterseits 
einen ganz schwachen gelblichen Ton im Grau, der bei magna 
fehlt, hingegen sind sie ganz bedeutend grauer als die tunesischen 
Wüstenformen. Im isabellrötlichen Ton der Decken und Schwingen 
des Unterflügels wie im Grau der Aufsenfahnen der Schwingen 
ist meine brachyura um eine Nuance dunkler als magna und 

Jonm. f. Om. LIX. Jahrg. Januar 1911. 4 



50 0. Graf Zedlitz: 

stimmt darin ziemlich genau mit macrorhyncha Tristr. aus Nord- 
tunesien überein. 

Ich fand diese Lerche gar nicht selten in der Umgebung 
von Suez auf den kleinen Feldern der Oase sowie bei El Tor 
zwischen Barackenlager und Dorf. Leider war es mir bei der Kürze 
der Zeit nicht möglich, eine längere Suite präparieren zu lassen, 
wollten doch auch andere interessante Vögel in dieser kurzen 
Spanne zu ihrem Rechte kommen. 

289. Galerida cristata eritreae Zedl 

Hartert V. d. p. F. p. 234 No. 376: G. cristata? 

0. Gr. Zedlitz 0. M. April 1910 p. 59. 

cf? No. 84 Massaua 30. 1. 08. 

9 No. 1057 J. Nocra 10. 2. 09. 

d*cf No. 1145, 1146 Ghedem 20. 2. 09. 

0*9 No. 1123, 1124 Massaua 18. 2. 09. 

juv. No. 1125 Massaua 18. 2. 09. Geb. L 

Hartert hat festgestellt, dafs der Name ahyssinica Bp. sich 
nicht auf einen abessinischen Vogel sondern auf einen aus dem 
Sudan bezieht und Synonym zu isahellina Bp. ist (vergleiche unter 
G. c. isahellina p. 233 und Anmerk. p. 234). Er führt die lang- 
schnäblige Haubenlerche von den Ufern des Roten Meeres schon 
unter einer besonderen Nummer auf, jedoch ohne ihr einen Namen 
zu geben, da ihm s. Zt. nur ungenügendes Material zur Verfügung 
stand, welches sich anscheinend nicht recht von hrachyura unter- 
schied. Ich kann nun konstatieren, dafs bei meinen im Januar 
und Februar gesammelten Exemplaren vom Norden (hrachyura) 
und denen aus meinem Gebiet I im Süden {eritreae) sich letztere 
doch gut von ersteren unterscheiden lassen. Zunächst sind die 
Flügelmafse der cfcf konstant kleiner als bei hrachyura und 
stehen denen der 99 sehr nahe. Es messen meine Stücke: 
(cT?) No. 84 Flügel 102 mm Schnabel 16 mm 
d* „ 1123 „ 104 „ „ 19 „ 

„ „ 1145 „ 103 „ „ 19 „ 

„ „ 1146 „ 102 „ „ 19 „ 

9 „ 1157 „ 100 „ „ 18 „ 

» ti 11-^4 „ 99 ,, „ Ib „ 

Also kein cf erreicht das Minimum der Flügellänge von 
hrachyura mit 105 mm, die 99 dagegen sind etwas gröfser als 
jene. Die Schnäbel bei meiner Form sind im allgemeinen etwas 
länger. Was No. 84 betrifft, so rechne ich mit der Möglichkeit, 
dafs mein Präparator sich bei der Geschlechtsbestimmung geirrt 
haben könnte, da er an dem Tage aufserordentlich viel zu tun 
hatte. Was die Färbung anbelangt, so ist eritreae im ganzen 
gelblicher bezw. rötlicher als hrachyura, besonders deutlich tritt 
dies auf Kehle, Kropf und Brust hervor sowie Bürzel, Flügel und 
Oberschwanz. Die Kropffleckung ist nicht so scharf und schwarz- 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 51 

braun sondern undeutlicher und mattbrauner. Die isabellfarbenen 
Unflügeldecken sind meist etwas heller. Das Stück von Nocra 
ist blasser als alle anderen und kann als Übergang zu tardinata 
Hart, von Süd -Arabien gelten. Diese Form ist wiederum auf 
der Oberseite viel blasser und heller, sogar heller als brachyura, 
während eritreae durch den stark rotgelblichen Ton im Gegenteil 
dunkler erscheint als brachyura. 

Typus: No. 1146 Ghedem. 

No. 1125 ist ein noch nicht ausgewachsenes Junges mit weifs- 
fleckigem Kleide, es konnte knapp fliegen, als ich es am 18. IL 
erlegte. Die Brüten beginnen also teilweise schon sehr früh, ich 
traf im Januar und Februar diese Lerche stets paarweise. Auf 
Nocra sangen die cTcf eifrig am 9., 10. 2. von der Spitze 
niederer Büsche herab. Bei Ghedem am 19., 20. 2. hatten ein- 
zelne Pärchen nach ihrem Benehmen zu urteilen schon gelegt, 
doch habe ich kein Nest gefunden, weil ich dazu leider sehr wenig 
Talent besitze. Der Befund der Sektion bei allen Stücken bestä- 
tigte es, dafs wir uns im Beginn der Legezeit bezw. mitten 
darin fanden. Auch hier dürfte der innige Zusammenhang der 
Winterregen mit der frühen Brut für jeden Unbefangenen ein- 
leuchtend sein. 



290. Galerida theldae praetermissa Blanf. 

Rchw. V. A. III p. 361, V. Erl J. 0. 07 p. 48, Hart. V. d. 
p. F. p. 239, 0. Neum. J. 0. 06 p. 238. 

QcfQd* No. 414—416, 427 Asmara 4., 5., 3. 08. 

d* No. 1050 Asmara 15. 5. 08. 

juv. cr9cf No. 1051, 767, 904 Asmara 19. 5. 08 (Müller leg.). 
Geb. ni. 

Meine Vögel gehören sämtlich zu der „bräunlicheren nicht 
aber wüstenartig blassen" Form wie sie Hartert p. 240 letzter 
Absatz bei praetermissa als noch nicht genügend bekannt erwähnt. 
Demgegenüber hat 0. Neumann J. 0. 06 p. 238 nachgewiesen, 
dafs Blanford gerade diese brauneren Vögel abgebildet und 
gemeint hat und dafs seine Typen auch aus der betreffenden 
Region (Senafe, Adigrat) stammen. Meine Exemplare vom 
Plateau von Asmara sind aus demselben Gebiet und typische 
praetermissa. Ob auf dem Hochland von Semien eine dunklere 
Form vorkommt, mufs ich dahingestellt sein lassen, sie würde 
einen neuen Namen beanspruchen. Über die Mafse herrscht 
noch nicht volle Einigkeit: 

Reichenow gibt an: Flügel 96—104, Schnabel 14—15 mm, 
Hartert „ 104—105, „ 14 „ 

Neumann „ 95 — 103, „ 15 „ 

Meine Stücke 3 c? ad. „ 98—100, „ 13—15 „ 
„ 99 ad. „ 99-100, „ 13-14 „ 

4* 



52 0. Graf Zedlitz: 

Bei Angabe des Flügelmafses dürfte also Hartert tatsächlich 
ein Versehen untergelaufen sein, wie Neumann schon erklärt. 

Die kurzschnäblige Lerche ist Gebirgsbewohnerin, ich traf 
sie nur auf dem Plateau selbst, nicht an seinen Abhängen. Sie 
hält sich nicht ausschliefslich auf den Feldern auf, wo die Kalan- 
drelle in ungeheuren Scharen dominiert, sondern liebt die unbe- 
bauten mit etwas Steingeröll und vereinzelten niederen Büschen 
bedeckten Striche, je öder und steppenartiger desto besser. Im 
Februar und Anfang März sangen die cf fleifsig, am 19. Mai 
konnten wir schon Junge sammeln. Dieselben sind durchweg 
dunkler gefärbt als alte Vögel und in diesem Stadium naturgemäfs 
in den Mafsen kleiner, die weifse Fleckung der Oberseite, welche 
alle jungen Galerida tragen, ist bei ihnen aber spärlicher als bei 
den meisten anderen mir bekannten Arten, vielfach gerade nur 
angedeutet. Genau dieselbe Beobachtung über frühe Brutzeit 
machte Hilgert im Arussi - Gallaland Ende Juni 1900, nach 
seinen sehr zuverlässigen Untersuchungen biologischer und ana- 
tomischer Art war damals die Brutzeit schon längst vorüber. 
Diese Haubenlerche bildet also anscheinend insofern eine Aus- 
nahme, als sie auch in Regionen mit Sommerregen stets bereits 
im Frühjahr zur Fortpflanzung schreitet. Es ist dies sicher 
weder ein Zufall noch eine Laune des Vogels sondern in seiner 
Biologie begründet, nur bin ich für den Augenblick noch nicht 
in der Lage, den logischen Zusammenhang ganz klar zu stellen. 
Es sprechen unter anderem vermutlich zwei Faktoren mit: 

1. Diese Haubenlerche ist kein Feldvogel, wie ich schon oben 
erwähnte, also anch von Saat und Ernte weniger abhängig 
als andere. 

2. Sie bewohnt ausschliefslich hohe Lagen, in Semien z. B. 
Regionen, welche den Winter über vielfach in Schnee begraben 
sind. Wenn dann dort der Frühling kommt, so erwacht 
eben der Fortpflanzungstrieb. Die Vögel, welche die tieferen 
Lagen zwischen 2300 und 3500 m bewohnen, haben zwar 
keinen Schnee zu befürchten, aber auch dort sind die Nächte 
im Januar und Februar oft recht kalt. Schliefslich sind 
auch im Hochland periodische Gewitterregen häufiger als 
in der Steppe, sodafs für einen so genügsamen Gebirgsbewohner 
wie diese Lerche offenbar der äthiopische Frühling der Reize 
genug bietet; die Ansprüche sind eben verschieden auch bei 
Vögeln. 

291. Pyrrhulauäa inelanauchen Gab. 

Rchw. V. A. III p. 371. 
9, 4 cf No. 85—89 Massaua 30. 1. 08. 
3 cf No. 1071, 1075, 1076 Dahlak 11. 2. 09. 
d* 9 No. 1116, 1117 Dahlak 15.2.09. (Pärchen mit Brut- 
fleck). 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 53 

9 d* No. 1127, 1128 Massaua 18. 2. 09. (Pärchen.) 

juv. No. 926, 927 Salomona 5. 7. 08 (Müller leg.). Geb. I. 

Die Färbung des Nacken variiert aufserordentlich, bald zeigt 
sich ein breites schwarzes und darüber ein schmales weifses 
Band, bald sind beide annähernd gleich breit, dann wieder ist 
das schwarze unterbrochen und durch einen Nacken-Fleck ersetzt, 
in einem Falle fehlt die schwarze Nackenzeichnung ganz, es zeigt 
sich nur ein weifslich-grauer Streif, der sich nicht sehr scharf 
von der dunkleren Kopfplatte abhebt, naturgemäfs spreche ich 
hier nur von cfd* ad. Die 99 unterscheideu sich nur unwesent- 
lich untereinander, einige haben etwas gelblichen andere mehr 
grauen Ton. Dies alles sind offenbar Altersunterschiede, denn 
ich schofs die extremsten Stücke dicht bei einander. Die beiden 
juv. sind unter sich ganz verschieden, eins ist blafsgrau mit den 
für Lerchen im Jugendkleide charakteristischen breiten hellen 
Federsäumen auf der Oberseite, das andere hat die ganze Ober- 
seite einschliefslich Oberkopf rotbraun mit schmaleren hellen 
Säumen, auf der Bauchniitte kommt schon etwas Schwarz zum 
Vorschein, sonst ist die Unterseite matt graurötlich. In diesem 
Kleide erinnert der Vogel an leucotis Stanl., doch meine ich, 
dafs diese in so vorgerücktem Stadium des Jugendkleides schon 
mehr schwärzlich auf der Oberseite erscheinen müfste. Auch die 
längsten Oberschwanzdecken sind bei meinem Stück vollkommen 
weifslich isabellfarben, nicht, wie Reichenow für leucotis juv. an- 
gibt, „mit schwarzem nach dem Ende verbreitertem Schaftstrich". 

Diese Gimpellerche ist ein ausgesprochener Wüstenvogel, im 
ganzen Sahel an der Küste des Roten Meeres ist sie sehr häufig; 
sobald die Vegetation etwas üppiger wird wie bei Ghedem, zieht 
sie sich zurück, um landeinwärts in der trostlos öden Steppe bei 
Salamona sich anscheinend wieder recht wohl zu fühlen. Für die 
sterilen Dahlak-I. ist sie Charaktervogel und neben G. c. eritreae 
dort die einzige Lerche. Auf ganz kahlem Boden, wo auch nicht 
ein Hälmchen grünt, trippelt sie vergnügt umher, fast stets paar- 
weise, und immer wieder schwingt sich das cf in die Höhe, um 
nach echter Lerchenart jubilierend sich emporzuschrauben, aber 
nicht sehr hoch, singend einen Bogen zu beschreiben und in 
eleganter Kurve wieder zum 9 hinabzugleiten. Dieser fleifsige 
kleine Sänger ist eins der wenigen Lebewesen, dafs im Innern 
der Insel die tote Wüste angenehm belebt. Um Mitte Februar 
hatten offenbar viele 99 schon gelegt, das bewies mir das Be- 
nehmen mancher Pärchen, welche wenige Schritt vor mir herum- 
liefen und mich abzulenken suchten ohne aufzufliegen. Da ich 
Nester am Boden bei einigermafsen guter Schutzfärbung der 
Eier nur höchst selten finde, gelang es mir auch hier nicht, aber 
verschiedene alte Lerchen mit Brutfleck habe ich gesammelt. 
Dafs die Brut im ganzen Gebiet I der Norm entsprechend ins frühe 
Frühjahr nach der Winterregenzeit fällt, beweisen auch die bei 
Salamona Anfang Juni gefundenen schon stark verfärbten Jungen. 



54 0. Graf Zedlitz: 

292. CalandreUa hrachydactyla hlanfordi Shell. 

Rchw. V. A. III p. 379, 0. Neum. J. 0. 06 p. 238, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 49: C. ruficeps, Hartert V. d. p. F. p, 216 Anmerkung. 

? cT cf No. 152, 153, 182 Asmara 4., 10. 2. 08. 

cf cf No. 401, 402 Asmara 2. 3. 08. 

juv. No. 920 Asmara 15. 5. 08. 

d* 9 <f 9 d* No. 921—925 Asmara 15. bis 19. 5. 08. 

9 cf Cf No. 1153—1155 Asmara 27. 2. 09. 

cT cT No. 1172, 1173 Asmara 2. 3. 09. Geb. III. 

In der Nomenklatur schliefse ich mich Hartert an, der den 
Genusnamen tephrocorys als überflüssig verwirft und alle rotköpfigen 
afrikanischen Kalandrellen als Subspecies zu hrachydactyla auffafst. 
Es würde hier zu weit führen, den ganzen Formenkreis auch nur 
oberflächlich besprechen zu wollen, ich beschränke mich darauf, 
die für NO. -Afrika und die angrenzenden Gebiete in Frage kommen- 
den Namen aufzuzählen: 

1. C. b. hlanfordi Shell. Blasse Oberseite, keine oder undeutliche 
schwarze Striche in der Kopfplatte. 

Eritrea, Nord-Abessinien. 

2. C. b. ruficeps Rüpp. Gesamtfärbung dunkel und kräftig 
braunrot, deutliche schwarze Striche auf der Kopfplatte. 
Semien bis Schoa. 

3. C. h. erlangeri Neum. Oberseite ähnlich ruficeps, Unterseite 
bedeutend blasser, keine dunklen Striche auf der Kopfplatte. 
Hauasch-Gebiet, Arussi-Galla-Länder, Erlangers Gebiete II, V. 

4. C. b. saturatior Rchw. sehr dunkel rotbraun. Ostafrika. 

5. C. b. hrachydactyla Leisl. Nur d* mattrote Kopfplatte, im 
ganzen viel blasser. Ägypten, südwärts im Winter bis Sudan. 

Die Kalandrelle liebt ebene Flächen mit Weide, Ackerland 
und gemäfsigtem Klima. Auf dem Plateau von Asmara ist sie 
ganz aufserordentlich häufig, die Wüste im Gebiet I wie die 
Steppen im Gebiet II und IV meidet sie in gleicher Weise, es 
liegen aus jenen Regionen keine Fundangaben vor, dafür desto 
mehr vom ganzen Hochland Eritreas und Abessiniens bis hinauf in 
die Semischen Alpen, von denen der Typus der ruficeps Rüpp. stammt. 
Überall auf den Feldern bei Asmara traf ich diese Lerche in 
Schwärmen, hie und da auch paarweise schon im Februar und 
März, sie ist durchaus Standvogel, doch scheint die Frage der 
Brutzeit mir noch nicht ganz geklärt. Der Eindruck, den ich im 
Frühjahr durch die Beobachtung des Benehmens wie auch aus 
den Sektionen gewann, war nicht der, dafs im allgemeinen die 
Brutzeit herangekommen sei, trotzdem sammelten wir bei der 
Rückkehr nach Asmara am 15. 5. 08 dort ein noch nicht er- 
wachsenes Junges mit weifsfleckiger Oberseite. Ich meine, bei 
der grofsen Häufigkeit des Vogels hätten uns mehr solche Stücke 
zu Gesicht kommen müssen, wenn die Brutzeit allgemein schon 
vorüber gewesen wäre, und rechne daher diesen Fall zu den 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 55 

Ausuahraen, wie sie gerade in unmittelbarer Nähe grofser Ansied- 
lungen nicht gar zu selten vorkommen als Folge der dort günstigeren 
Lebensbedingungen für manche kulturfreundlichen Vögel. Sollten 
aber auch häufiger Frühjahrsbruten auf dem Plateau konstatiert 
werden, so hängt das nach meiner Vermutung mit den bald 
reichlicheren bald spärlicheren periodischen Gewitterregen in dieser 
Gegend zusammen und ist aus diesem Gesichtspunkt heraus 
leicht erklärlich. In den weitaus meisten Fällen dürfte aber die 
Sommerbrut hier doch die Regel bilden. Wie es sich damit bei 
ruficeps in Semien verhält, kann ich aus eigener Erfahrung nicht 
beurteilen, ich halte dort, wo mit einem Winter in europäischem 
Sinne zu rechnen ist, zum mindesten frühe Brüten für wahr- 
scheinlich, da die Jungen im Herbst zeitig schon widerstandsfähig 
sein müssen. 

LI. Pycnonotitae. 

293. Pycnonotus barbatus schoanus Neum. 

Rehw. V. A. III p. 840: P. arsinoe schoanus, 0. Neum. 0. 
M. 05 p. 77 u. J. 0. 06 p. 240. 

cfd^9 No. 124—126 Ghinda 31. 1. 08. 

c? No. 512 Marebquellen 14. 3. 08. 

9 No. 622 Melissa! 2. 4. 08. 

9cf No. 1000, 1001 Salomona 25. 6. 08 (Müller leg.). 
Geb. I, II, III, IV. 

Zur Systematik habe ich nichts nachzutragen, nachdem 0. 
Neumann J. 0. 06 die geographischen Formen wie folgt aufge- 
zählt hat: 

1. F. h. barbatus Desf. Nord-Afrika. 

2. F. b. arsinoe Licht. Mittel-Aegypten bis Sudan. 

3. P. b. schoanus Neum. Eritrea bis Süd-Schoa, Omogebiet. 

4. P. b. somaliensis Rchw. (V. A. III. p. 840) Nord-Somaliland. 

5. P. b. inornatus Fräs. Senegal bis Niger. 

6. P. b. gabonensis Sharpe. Kamerum bis Gabun. 

Der Bülbül kommt allenthalben vor, bald mehr vereinzelt, 
bald ist er aufserordentlich gemein. Besonders häufig fand ich 
ihn bei Ghinda, Oberen, an den Marebquellen und am Tacazze, 
er scheint also kein Gebiet gegen das andere zurückzusetzen. 
Es ist ein lebhafter, munterer aber auch recht zänkischer Geselle, 
der absolut nicht Ruhe halten kann. In den Büschen am Wasser 
treiben sich kleine Gesellschaften von 4—6 Stück den ganzen 
Tag über herum, bald auf freien Ästen sitzend, bald durchs dich- 
teste Gezweig hüpfend, zwitschernd und oft schimpfend. Kleinere 
Vögel räumen vor diesen unruhigen Gästen meist bald das Feld. 
Der Schopf auf dem Kopfe ist in steter Bewegung, bald wird er 
wie ein Helm aufgerichtet, bald angelegt, er unterstützt offenbar 
die lebhafte Unterhaltung und soll den erbosten Zänker ein 
schreckenerregendes Aussehen verleihen. Im Geb. I stand am 



56 0. Graf Zedlitz: 

1. 2. die Brut unmittelbar bevor, wie die Sektion bewies, hier 
sangen auch die cfd*, in den anderen Gebieten fällt anscheinend 
die Brut hingegen in den Spätsommer. 

LH. Zosteropidae. 

294. Zosterops poliogastra poUogastra Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 434, 0. Neum. J. 0. 06 p. 241, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 50. 

cT No. 481 Marebquellen 13. 3. 08. 

cTcf No. 998, 999 nordöstlich Asmara 25., 26. 5. 08. Geb. III. 

Aus den Bergen Süd-Aethiopiens beschrieb 0. Neumann den 
Z. p. erlangen B. B. 0. C. (CXL.) Februar 1908 p. 60. Nach 
übereinstimmender Beobachtung aller Forscher ist dieser Brillen- 
vogel ausschliefslich ein Bewohner des Hochlandes. Der Ort, 
wo No. 998, 999 gesammelt wurden, liegt verhältnismäfsig tief, 
wenig über 1600 m, ist aber mit besonders dichtem und üppigem 
Walde bestanden. Um diese Jahreszeit Ende Mai trugen viele 
Bäume dort Früchte, das dürfte die Vögel besonders angelockt 
haben, mein Fundort jist wohl der nördlichste der bisher bekannt 
gewordenen. No. 481 ist bedeutend blasser als die beiden anderen, 
insbesondere ist das Gelb der Stirn nur angedeutet. Wir haben 
hier offenbar einen jüngeren Vogel im vollen Winterkleide, die 
beiden anderen sind adulte im Hochzeitskleide. No. 481 ist von 
einem Z. ahyssinica im Hochzeitskleide kaum zu unterscheiden, 
nur das Gelb der Kehle ist etwas goldiger. 

295. Zosterops abyssinica ahyssinica Guer. 

Rchw. V. A. III p. 434, 0. Neum. J. 0. 06 p. 242 bei 
omoensis v. Erl. J. 0. 07 p. 51. 

cf No. 229 Oberen 13. 2. 08. 

„ No. 792 Barentu 26. 4. 08. 

9 No. 1189 Oberen 5. 3. 09. Geb. IL 

Die beiden Stücke No. 229 und 1189 sind erheblich blasser 
im Gelb der Kehle und Unterschwanzdecken wie auch im Grün 
des Rückens, No. 792 dagegen ist an denselben Stellen lebhafter 
gefärbt, es scheint danach, als liefse sich bei den Zosterops Eri- 
treas durchweg ein matteres Winterkleid und ein bunteres 
Sommerkleid unterscheiden. Diese Tatsache ist durchaus nicht 
erstaunlich, mufs aber betont werden, um einer artlichen Ab- 
trennung der blassen von den bunten Vögeln entgegenzutreten. 
Das bereits im Sommerkleid vorliegende cf No. 792 von den 
letzten Apriltagen ist von einem jüngeren poliogastra im Winter- 
kleid (vergl, No. 481) nur schwer zu unterscheiden. Die Ober- 
seite bei 792 ist sogar etwas lebhafter grün, doch das Gelb der 
Kehle erreicht nicht ganz den satten goldigen Ton der sich schon 
beim semiadulten poliogastra zeigt. Das Kleid, welches No. 229 



Meine ornithologische Aasbeute in Nordost- Afrika. 57 

und 1189 tragen, ist das normale für die betreffende Jahreszeit, 
ich schofs Anfang März 09 bei Scetel noch 4 Exemplare, welche 
sämtlich genau so gefärbt waren, leider war bei allen mindestens 
der halbe Kopf oder der ganze Schwanz durch das Schrot fort- 
gerissen worden, sodafs es nicht möglich war, aus einem 
solchen Torso noch einen leidlichen Balg herzustellen. Ich 
hätte mir die Haare ausraufen können, doch wären dadurch 
die Vögel auch nicht wieder zu den verlorenen Federn ge- 
kommen. Auch V. Erlanger erwähnt, dafs seine Stücke aus 
dem Schoanischen Seengebiet blasser als die vom Hauasch und 
Arussi-Galla-Lande seien. Ob dies lokale Verschiedenheiten sind 
oder auf Hochzeitskleider gegenüber Winterröcken zurückzuführen 
ist, kann ich nicht sagen, da über die Brutzeiten keine Notizen 
beigefügt sind. 

Ich möchte für NO.-Afrika und angrenzende Gebiete folgende 
Formen unterscheiden: 
\. Z. a. abyssinica Guer. Steppen von West-Eritrea, Gebiet IL 

2. Z. a. omoensis Neum. (0. M. 04 p. 162) Gofa, Omo-Gebiet. 

3. Z. a. socotrana Neum. (B. B. 0. C. Febr. 08 p. 59) Sokotra. 

4. Z. a. arabs Lz. Hellm. (0. M. 1901 p. 31) Süd-Arabien. 

Nach übereinstimmenden Mitteilungen der Forscher (Vgl. 
besonders v. Erlanger und Neumann) bewohnt dieser Brillenvogel 
vorwiegend Steppen und dort die Uferwälder der Flüsse, in die 
Berge steigt er an den Flufsläufen empor jedoch nur bis zu 
mäfsigen Höhen, Deshalb würde Blaufords Fundort „Senafe-Pafs" 
eine auffallende Ausnahme bedeuten, wenn es sich hier nicht etwa 
um einen semiadulten poliogastra im Winterkleid handeln sollte, 
eine Vermutung, welche durch das Datum Februar unterstützt 
wird. Wie aufserordentlich ähnlich unter Umständen blasse 
Vertreter der einen und bunte der anderen Art aussehen können, 
habe ich soeben erst ausgeführt. 

In der trockenen Zeit werden samentragende Hochbäume 
mit besonderer Vorliebe aufgesucht, wie es auch v. Erlanger 
erwähnt allerdings für poliogastra. Oberhalb Scetel schon in den 
Bergen stand an einer kleinen Wasserstelle ein solcher Baumriese, 
auf welchem den ganzen Tag über neben unzähligen Bülbül und 
Webern auch stets Z. abyssinica herumkletterten und sich den 
Inhalt der Samenkapseln zu Gemüte führten. Das Benehmen 
war durchaus meisenartig. Im dichten Laubwerk konnte man 
die Vögelchen meist recht schwer sehen, vier Stück, welche ich 
herunterschofs, waren leider sämtlich stark lädiert. Nur an dieser 
Stelle fand ich den Brillenvogel direkt häutig, sonst mehr ver- 
einzelt. 

Uli. Nectarlnlidae. 

296. Cinnyris senegalensis cruentatus Rüpp, 
Rchw. V. A. III. p, 462, v. Erl. J. 0, 07 p. 55: Chalcomitra 
cruentata, 0. Neum. J. 0. 06 p. 252, 254: C. s. cruentatus. 



68 0. Graf Zedlitz: 

cf semiad. No. 479 Marebquellen 13. 3. 08. 
„ No. 994 Salomona 5. 7. 08 (Müller leg.). 
9 No. 1207 Anseba bei Cheren 6. 3. 09. Geb. I, II, III. 

Die Mafse meiner Stücke sind: 

cf No. 479 Fl. 73, Schnabel 24 mm 
„ No. 994 „ 72, „ 24 „ 
9 No. 1207 „ 68, „ 23 „ 
also etwas gröfser als die von Neumann angegebenen: Fl. 69, Sehn. 
22 mm. Ich kann auch die Querstreifen des blauen Brustflecks 
bei meinen cfcf keineswegs grünlich-stahlblau nennen, wieder 
Forscher sie im Gegensatz zu scioanus bezeichnet. Meine Stücke 
haben keinen glänzenden Kehlfleck und stimmen darin mit den 
meisten Vögeln aus derselben Region überein, welche mir vor- 
liegen. Ich halte sie für durchaus typische C. s. cruentaius Rüpp. 
Um auf die südlichere Form scioanus Neum. hier weiter einzugehen, 
fehlt mir das Material, anscheinend dürften die Unterschiede 
gegenüber crueniaftis nur geringe sein. Die bei v. Erlanger als 
cruentatus aufgeführten Stücke aus Süd-Aethiopien dürften sämtlich 
scioanus sein, wenn diese Form überhaupt anerkannt wird. Im 
übrigen verweise ich auf Neumanns sehr ausführliche Behandlung 
des Formenkreises C. senegalensis. 

Diese grofse Cinnyris (ich lasse in Übereinstimmung mit 
Neumann den Genusnamen Chalcomitra fallen) bewohnt die 
höheren Lagen, das Plateau und seine Abhänge. Sie scheint 
nicht wählerisch zu sein, an den Marebquellen erbeutete ich sie 
in baumarmer Gegend, bei Cheren am vegetationsreichen kulti- 
vierten Ufer des Anseba, und bei Salomona wieder fand sie mein 
Präparator in der öden, mit Dorngebüsch bewachsenen Steppe zu 
der für Gebiet I trockensten Jahreszeit, im Hochsommer. 

297. Cinnyris venustus fasioglensis Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 473, 0. Neum. J. 0. 06 p. 249, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 55. 

cr9 No. 287, 288 (Pärchen) Cheren 16. 2. 08. 
cf No. 514 Marebquellen 15. 3. 08. 

„ „ 456 Gaala-Fl. (Plateau) 10. 3. 08. 

„ „ 654 Tacazze 7. 4. 08. 

„ „ 986 Adua 6.4. 08 \ müllerlee) 
„ „ 987 Ghinda 27. 6. 08 / ^^^^^^^^^ ^^S-^ 

99 No. 992, 993 nordöstlich Asmara 25. 5. 08. 

9 No. 1244 Scetel 12. 3. 09. 

3 d* juv. No. 1245, 1260, 1282 Scetel 12., 15., 19. 3. 08. 

cfcf 1275, 1276 Cheren Sommer 08 (geschenkt erhalten). 

cf No. 1274 Scetel 18. 3. 09. 

„ „ 1335 Mansura (Barca) 30- 3. 09. Geb. I, II, III, IV. 



Meine ornitbologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 59 

Der Formenkreis C. venustus ist ein sehr ausgedehnter, es 
würde hier zu weit führen, näher auf ihn einzugehen. Ich ver- 
weise besonders auf Reichenow 0. M. 99 p. 170, 171, sowie auf 
Neumann J. 0. 06 p. 250. Die Form fanoglensis gehört zu der 
Gruppe mit blafsgelber Unterseite und fast rein grünem 
Metallglanz des Rückens, nur der untere Teil des Bürzels und 
die Oberschwanzdecken sind veilchenblau. In meiner langen 
Serie sind nur No. 1275, 1276 im vollen Hochzeitskleide, sie 
wurden für mich im Sommer 08 gesammelt. No. 987 vom 27. 6. 
08 ist ebenfalls beinahe im ausgefärbten Prachtkleide, No. 1335 
vom 30. 3. 09 bereits weit in der Umfärbung vorgeschritten, 
alle anderen Stücke stehen noch mitten in der Umfärbung und 
sehen zumeist recht unansehnlich aus. 

Diese Cinnyris ist über die ganze Region verbreitet. Am 
Tacazze und Barca meidet sie nicht die warmen Täler wie nach 
Neumanns Beobachtungen in Süd-Aethiopien, vielmehr ist auch 
die vertikale Verbreitung eine sehr grofse. Gebüsche an Bächen 
und Flufsläufen werden besonders gern aufgesucht. Im März 
trägt ein Strauch, dessen Namen ich leider nicht kenne, überall 
in der Barca-Niederung korallenrote Blüten, ihn besuchen den 
ganzen Tag über die verschiedensten Arten von Honigsaugern 
regelmäfsig. An den Flufsbecken inmitten der Steppen traf ich 
diese Cinnyris häufiger als in der Nähe kultivierter Flächen und 
waldartiger Partien, bei Cheren war sie seltener in den Gärten, 
häufiger auf den mit Dornbusch bestandenen unbebauten Flächen, 
welche nordwärts an die Stadt anstofsen. 

298. Cinnyris mariquensis osiris Finsch. 

Rchw. V. A. III p. 480, 0. Neum. J. 0. 06 p. 251 unter 
C. m. hawlceri, v. Erl. J. 0. 07 p. 56. 

cfcfQ No. 188, 270, 295 Cheren 10,, 14., 17. 2. 08. 

OcTcf No. 808, 819, 820 Tocolai 28. 4. 08. 

cTcf No. 1248, 1269 Scetel 12., 16. 3. 09. 

4 cT juv. No. 1243, 1259, 1263, 1283 Scetel 12.— 19. 3. 09. 

cfcf No. 1311, 1340 Mansura (Barca) 26., 30. 3. 09. 

cfcf juv. No. 1336, 1344 Mansura 30., 31. 3. 09. Geb. IL 

Über die nähere oder entferntere Verwandtschaft der ähnlich 
gefärbten Formen hat sich 0. Neumann in seiner oben angeführten 
Arbeit schon geäufsert. Nach seiner Mitteilung, dafs C. m. suahelicus 
und C. microrhynchus in Ost-Afrika nebeneinander vorkommen 
(und zwar sind nach übereinstimmenden Beobachtungen beide 
Bewohner des Flachlandes), mufs ich mich ihm anschliefsen, indem 
ich vorläufig microrhynchus und bifasciatus nicht mit in den 
Formenkreis mariquensis ziehe. Es bleiben also nur: 

1. C. m. mariquensis A. Sm. SO.-Afrika. 

2. C. m. ovamboensis Rchw. SW.-Afrika, Ovamboland. 

3. C. m. suahelicus Rchw. Inneres O.-Afrika. 



60 0. Graf Zedlitz: 

4. C. m. hawkeri Neum. Nord-Somaliland bis Schoa. 

5. C. tn. osiris Finsch. Eritrea, Nord- und Central-Abessinien. 

Ich kenne leider die Stücke von suahelicus nicht, welche 
Neumann in O.-Afrika neben solchen von microrhynchus sammelte, 
möchte aber doch Folgendes der Erwä^^ung anheimstellen: Gerade 
die Formen von mariquensis neigen offenbar dazu, an den Grenzen 
ihrer Gebiete im weitesten Umfange intermediäre Stücke zu 
produzieren, wie es Neumann auch für Süd-Abessinien hervorhebt. 
Sollte nun nicht dasselbe bei suahelicus und microrhynchus vor- 
kommen? Dann wäre es nicht wunderbar, im Grenzrayon neben- 
einander Exemplare zu finden, welche bald mehr zu der einen, 
bald mehr zu der anderen Form neigen, aber eben zu keiner 
typisch gehören. Sollte man dieser Auffassung folgen, so könnte 
nach den Fundorten, wie sie bei Reichenow vorliegen, ange- 
nommen werden, dafs der typische suahelicus ein mehr central- 
afrikanischer, microrhynchus dagegen mehr ein Küstenvogel ist, 
der nordwärts bis zur Süd-Somaliküste hinaufgeht, wo ihn v. Er- 
langer sammelte. C. hifasciata bewohnt SW.-Afrika, Gabun bis 
Angola, also nördlichere Striche als ovamhoensis. Meine Suite 
von 16 Stück ist in mancher Beziehung recht interessant. Die 
cfcT, soweit sie nicht als juv. angeführt sind, tragen volles Hoch- 
zeitskleid, das ist bemerkenswert, da von den bis 31. 3. er- 
legten cfcf von C. V. faeoglensis kein einziges voll verfärbt ist. 
Die als cfcf juv. bezeichneten Stücke sind ganz grau, nur an der 
schwarzen Kehle erscheint der grüne Metallganz, teils ganz wenig, 
teils überzieht er schon die dunklen Federn zum gröfsten Teile. Bei 
dem am meisten vorgeschrittenen Exemplar No. 1243 zeigen sich 
ganz vereinzelte glänzende Federchen auch schon am Nacken. 
Stücke, welche mitten in der Umfärbung sind und schon zum 
Teil schwarze Unterseite haben, fand ich nicht. Offenbar trägt 
also der junge Vogel das graue Kleid bis zur nächsten Regen- 
zeit, nur seine schwarze Kravatte vertauscht er allmählich mit 
einer grünglänzenden, und zuletzt finden sich auch am Kopf 
einige blanke Federchen ein. Hat dann später das cf sein Hoch- 
zeitskleid angelegt, so ist künftig zwischen Winter- und Sommer- 
gefieder kein nennenswerter Unterschied mehr, aufser soweit die 
Abnützung mitspricht. Mein cf vom 10. 2. ist weder im 
Schwarz noch im Metallglanz irgendwie matter als das 
vom 31. 3., und beide unterscheiden sich weder von der da- 
zwischenliegenden Serie noch von Brutvögeln. Mir liegen leider 
keine hawkeri zum Vergleiche vor. Meine osiris weichen in der 
Färbung sehr stark von den drei südlicheren Formen suahelicus, 
mariquensis und ovamhoensis ab : das Rot auf der Brust bei letz- 
teren ist viel dunkler, der Metall glänz auf Kopf und Hals 
gelber bezw. kupf rigor, bei meinen Vögeln ist das Rot heller, 
der Glanz rein grün, nur eine schmale Binde zwischen der 
grünen Unterkehle und der roten Brust ist stahlblau, bei 
suahelicus etc. veilchenblau, also mit einem rötlichen Tone. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 61 

Dieser Befund steht im Gegensatz zu Neumanns Bemerkung: „C 
hawkeri und osiris haben düsteres rot und darüber stahl- 
violett in der Brustbinde, während die drei südlichen Formen 
helleres rot und darüber stahlblau zeigen." Ich nehme also 
an, dafs dieser Passus nur auf hawkeri zu beziehen ist, für 
osiris aus Eritrea stimmt er nicht, falls nicht etwa durch ein 
Versehen nur die Namen vertauscht sein sollten. Die 99 von 
allen mariquensis-F ormen haben blafsgraue manchmal gelblich ver- 
waschene aber niemals deutlich dunklere Kehle und sind dadurch 
vom cT juv. sofort zu unterscheiden. 

Dieser Honigsauger ist reiner Steppenvogel, der von Cheren 
abwärts das ganze Barca-Gebiet zahlreich belebt. Sehr häufig ist 
er in den Palmen-Beständen an den Strombetten, aber auch über- 
all sonst an Wasserstellen und selbst mitten in der Steppe an- 
zutreffen. Gar nicht selten beobachtete ich ihn auf demselben 
Baum oder Busch mit C. v. faeoglensis oder Nectarinia pulchella. 
Ich glaube, dafs er höchstens bis ca. 1500 m ins Gebirge hinauf- 
geht, etwa in dieser Höhe stellte ich noch ein Exemplar bei Ela- 
Bered fest. Es ist auffallend, wie wenig 9 gegenüber cf zu sehen 
sind, auch Erlanger erbeutete 15 cT, dagegen nur 3 9- 

299. Heäyilipna platura adiabonensis Zedl. 

Rchw. V. A. HI p. 492: H. platura, 0. Graf Zedl. 0. M. April 
1910 p. 59. 

cfcf No. 596, 597 Adiabo, Melissai 31. 3. 08. Geb. IV. 

Die westafrikanische H. platura war bisher in ihrer Ver- 
breitung ostwärts bis zum Weifsen Nil, Kordofan und unteren 
Blauen Nil nachgewiesen. Ich hatte das Glück, in der Adiabo- 
Steppe NW.-Abessiniens 2 cf zu erbeuten, welche sich von der 
typischen westafrikanischen Form durch kleinere Mafse und ganz 
rein grünen Metallglanz ohne jeden goldigen oder kupfr igen 
Ton unterscheiden. Die Mafse sind: 

Meine cfcT: Fl. 53, 54 mm. Sehn. 9 mm. 

Rchw. gibt an: Fl. 55—57, Sehn. 10—11 mm. 

Die Schwanzmafse führe ich nicht an, weil es schwer zu 
beweisen ist, ob die mittelsten Federn schon zu ihrer vollen 
Länge ausgewachsen sind öder nicht. 

Typus: No. 597 meiner Sammlung. 

Ich vermute, dafs dieser Honigsauger wie alle seine Ver- 
wandten Standvogel ist, konnte aber trotz gröfster Aufmerk- 
samkeit keine gröfsere Suite, insbesondere kein 9 erbeuten. Da 
überhaupt keine andere Nektarinie an dem Platze vorkam, mufsten 
die wenigen vorhandenen Exemplare einem aufmerksamen Beob- 
achter auffallen. Vielleicht liegt die eigentliche Heimat dieser 
Form weiter östlich und höher hinauf an den so gut wie uner- 
forschten westlichen Abhängen der Semischen Alpen. Jedenfalls 
seien spätere Reisende ganz besonders auf dieses Vögelchen auf- 
merksam gemacht, dafs ja so leicht zu erkennen ist. 



62 0. Graf Zedlitz: 

300. Hdyäipna metaUica Licht. 

Rchw. V. A. III p. 493, v. Erlanger J. 0. 07 p. 57. 
cf No. 816 Tocolai 28. 4. 08. 

3 cf , 1 9 No. 988-991 Ghinda 22. 6. und 5. 7. 08 (Müller 

leg.). 

9 ad., cT juv. No. 1262, 1273 Scetel 15., 18. 3. 09. 

9 No. 1350 Mansura (Barca) 1. 4. 09. Geb. I, II. 

Die 4 d* ad. sind fast ganz zum Hochzeitskleid ausgefärbt. 
Die Schnäbel sind zum Teil sehr kurz: 4 d* ad. 10—11 mm, 
2 9 9 — 10 mm, cT juv. und 1 9 defekt. In der Färbung kann 
ich nennenswerte Abweichungen von Hemprich und Ehrenbergs 
Typen aus Dongola nicht konstatieren, allerdings hat bei diesen 
der Metallglanz durch die Zeit gelitten. Meine 9 sind unterseits 
stark gelblich verwaschen. 

Ich verweise auf Heuglins ausführliche biologische Schil- 
derungen. Auch ich fand dieses Vögelchen oft paarweise, jeden- 
falls sah man nicht auffallend mehr cT als 9« 

301. Nectarinia jy^lcliella L. 

Rchw. V. A. III p. 497, 0. Neum. J. 0. 06 p. 256, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 58. 

9 No. 274 Cheren 14. 2. 08. 

cf juv. No. 296 Cheren 17. 2. 08. 

„ No. 610 Adi Ugri Sommer 09 (geschenkt erhalten). 

„ No. 766 Bia Ghela am Tacazze 20. 4. 08. 

cfd* No. 787, 788 Barentu 26. 4. 08. 

90* No. 809, 810 (Pärchen) Tocolai 27. 4. 08. 

d* No. 833 Agordat 30. 4. 08. 

„ juv. No. 997 Ghinda 17. 6. 08 (Müller leg.). 

„ juv. No. 1261 Scetel 15. 3. 09. 

4 d* semiad. No. 1326, 1327, 1329, 1330 Mansura 28., 29. 3. 09. 
3 „ semiad. No. 1342, 1343, 1348 Mansura 30., 31. 3. 09. 
d" ad. No. 1345 Mansura 31. 3. 09. Gebiet I, II, IV. 
Die als d* ad. aufgeführten Stücke sind fast ganz oder 

vollständig zum Hochzeitskleide verfärbt, sie befinden sich während 
der Monate März bis Mai in der starken Minderheit gegenüber 
den noch nicht ausgefärbten d'. Von letzteren hätte ich eine 
beliebig höhere Zahl sammeln können, von ersteren habe ich 
fast alle Exemplare geschossen, die mir zu Gesicht kamen. Der 
31. 3. 09 ist der früheste Termin, an dem ich ein ganz verfärbtes 
d* gesehen und erbeutet habe, es verhält sich also hier anders 
als bei C. m. osiris, wo alte d'cf das ganze Jahr über Hoch- 
zeitskleid tragen. Das d* juv. hat auch hier eine schwarze Kehle, 
auf welcher sich dann grünglänzende Federchen hervorwagen, 
gleichzeitig zeigen Bürzel und Flügeldecken dann aber auch schon 
beginnenden Metallglanz, auch die Brustfedern bekommen rote 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 63 

Säume, der Vogel sieht also mit dem Augenblick, wo die Um- 
färbung beginnt, sofort viel bunter aus als C. m. osiris im 
gleichen Stadium. Von verlängerten Schwanzfedern ist dann 
natürlich bei pulchella noch keine Rede, dieser Schmuck kommt 
ganz zuletzt. Das 9 ist unterseits gelblicher überlaufen als das 
von C. m. osiris^ bisweilen zeigen sich auf der Kehle einige 
dunklere Federchen, welche jedoch keinen deutlichen Fleck bilden 
wie beim cf juv. 

Diese Nectarinie ist über die ganze Region verbreitet mit 
Ausnahme des Hochlandes, am Barca und Tacazze ist sie direkt 
gemein. 

302. Nectarinia tacazze tacazze Stanl. 

Rchw. V. A. III p. 502, 0. Neum. J. 0. 06 p. 357, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 58. 

cf9 No. 995, 996 nordöstlich Asmara 25. und 28. 5. 08. 
Geb. III. 

Neumann kritisiert selbst J. 0. 06 p. 258 die von ihm 
früher aufgestellten Formen unisplendens und jacksoni mit dem 
Resultat, dafs nur die letztere mit Bestimmtheit aufrecht zu er- 
halten sei, besonders wegen der gröfseren Mafse. Die Flügel- 
mafse meiner Stücke betragen 78 mm und bewegen sich auf der 
untersten Grenze. 

Diese Nektarinie scheint das Gebirge zu lieben und ein 
Waldvogel zu sein. Käme sie auch an anderen Orten häufiger 
vor, so dürfte mir der auffallende Vogel kaum entgangen sein. 
Neumann und v. Erlanger konnten in den verschiedensten Teilen 
Süd-Aethiopiens von den Bergen Harars bis nach Djamdjam 
Veilchen-Nektarinien konstatieren und schöne Suiten davon sammeln. 

LIY. Paridae. 

303. Parus niger leucomelas Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 511, 0. Neum. J. 0. 06 p. 260, v. Erl. 
J. 0. 07 p. 51. 

? No. 368 Ela Bered 27. 2. 08. 

9 No. 628 Tacazze 4. 4. 08. 

(^9 No. 1216, 1217 (Pärchen) Mai Arosso 7. 3. 09. Geb. II, 
III, IV. 

Bei meinen Stücken sind die Aufsensäume der Schwingen 
rein weifs, doch kommen auch Vögel mit geblich verwaschenen 
Säumen vor, es ist das eine individuelle Abweichung, welche be- 
reits V. Erlanger konstatierte bei zwei Stücken seiner Sammlung 
und ebenso Reichenow bei einem Vogel aus Togo. 

Diese Meise ist ein Waldvogel, der die Abhänge des Hoch- 
plateaus an den Grenzen von Gebiet II und III vorzugsweise 
bewohnt. Wo genügend dichter Baumbestand ihn lockt, steigt 
er auch tief hinab, so traf ich ihn am oberen Tacazze noch auf 



64 0. Graf Zedlitz: 

ca. 800 m Höhe. Neumann fand ihn im Gebiet des oberen 
Blauen Nils bei Ghinderabat und v. Erlanger in den bewaldeten 
Bergen Süd-Aethiopiens. Ich sah das Vögelchen stets einzeln 
oder paarweise, niemals in Gesellschaften. Es klettert gern auf 
mittelhohen Bäumen bedächtig herum, seine Stimme habe ich 
überhaupt nicht vernommen. 

LV. Sylviidae. 

A. Sylviinae. 

304. Cisticöla cantans Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 347, v. Erl. J. 0. 05 p. 717. 

cr9 No. 433, 434 Asmara 7. 3. 08. 

99 ? No. 1023-1025 nordöstlich Asmara 25. 5. 08. Geb. III, 
Grenze von I. 

Diese Cisticöla ist Gebirgsvogel ebenso wie C. terrestris, 
aber während letztere Felder und das kahle Plateau vorzieht, 
traf ich jene nur im Waldgürtel, meist in Höhen zwischen 1600 
und 2000 m an. Die dunkle Färbung der Oberseite deutet schon 
darauf hin, dafs wir es mit einem Waldvogel zu tun haben. Schon 
Anfang März hielten sich die Pärchen gern zusammen, die cT 
sangen auch. Da der Waldgürtel zum grofsen Teil in der Region 
der Winterregen liegt, glaube ich, dafs wir hier auf Brüten im 
zeitigen Frühjahr rechnen können. 

305. Cisticöla ruficeps Cretzsch. 

Rchw. V. A. III p. 556. 

0^9 No. 1019, 1020 Adi Abun bei Adua 4. 6. 08 (Müller 
leg.). Geb. III. 

In Abessinien lebt diese Cisticöla anscheiend nur in den 
hohen Lagen, z. B. am Abfall der Semischen Alpen. Es wurde 
nur dies eine Pärchen von uns beobachtet und gesammelt. 

306. Cisticöla tcrrestris A. Sm. 

Rchw. V. A. III p. 558, v. Erl. J. 0. 05 p. 720. 

0*9 No. 1021, 1022 Asmara 18. und 24. 5. 08. 

9 No. 1178 Asmara 3. 3. 09. Geb. III. 

Ich traf die C. terrestris nur auf dem Plateau von Asmara 
an und zwar auf dem am meisten angebauten Teile, wo sie sich 
gern an der Erde oder in niederen Hecken aufhielt. Ein Stück 
erlegte ich in einem Hausgarten innerhalb der Hauptstadt selbst. 
Dort war der Vogel natürlich an Menschen gewöhnt und gar 
nicht scheu, dagegen bemerkt v. Erlanger ausdrücklich, dafs er 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika, 65 

im Süden keineswegs leicht und nur im Fluge zu schiefsen gewesen 
sei. Derselbe Forscher beobachtete auch, dafs dieser Cistensänger 
agressiv gegen eine rotköpfige Kaiandrelle vorging, ich fand 
ebenfalls beide an den gleichen Örtlichkeiten und halte es da 
für durchaus naheliegend, dafs der kleine lebhafte Schlüpfer 
gelegentlich der phlegmatischeren Lerche zu Leibe geht. 

307. Cisticola &edZit&i Rchw. 

Rchw. 0. M. 1909 p. 46. 

9 No. 506 (Typus) Marebquellen 15. 3. 08. Geb. IIL 

Zur Systematik verweise ich auf Reichenows Beschreibung 
der ich nichts zuzufügen habe. 

Der Vogel wurde nur an diesem einen Fundort auf dem 
Plateau südlich vom Asmara beobachtet. 

308. Acrocephalus schoenobaenus L. 

Rchw. V. A. III p. 588, v. Erl. J. 0. 05 p. 723. 
? No. 76 Chech Said bei Massaua 29. 1. 08. Geb. L 
Der Schilfrohrsänger ist Wintergast an den Küsten des 
Roten Meeres. In dem dichten Buschwerk der kleinen Insel Chech 
Said, das bei hoher Flut zum Teil unter Wasser steht, hörte ich 
im Januar 08 mehrere dieser Vögel ihren bekannten schwatzenden 
Gesang vortragen und zwar mit viel Eifer und Ausdauer. Da 
man in dem Dickicht kaum weiter als 3 bis 5 m sehen konnte, 
was es garnicht so einfach, die Sänger zu erbeuten ohne sie total 
zu zerschiefsen. v. Erlanger sammelte am 16. und 17. Mai noch 
eine gröfsere Suite im Somaliland. Es liegen bisher keine 
Nachrichten über Brüten im tropischen Afrika vor. 

309. I^inia mystacea mystacea Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 590, 0. Neum. J. 0. 06 p. 277, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 724. 

cf No. 1026 Cheren 12. 5. 08. 

cfcf No. 1032, 1035 Oberer Mareb bei Adi \ 
Ugri 3. 6. 08. 

cT No. 1034 Adua 6. 6. 08. i (Müller leg.). 

5cr, 2 9 No. 1027—1031, 1033,1 036 Salomona 
23.-25. 6. 08. 

cT No. 1037 Ghinda 18. 6. 08. Geb. I, II, IIL 

Die hier angeführten 12 Exemplare fasse ich als typische 
mystacea auf, sie gehören im allgemeinen der dunkleren Phase 
an, doch variieren sie untereinander noch erheblich, wie es ja in 
ganz Afrika der Fall ist. Dafs der Formenkreis mystacea ganz 
besondere Schwierigkeiten bietet, erwähnt schon N euman in 
seiner oben angeführten Bearbeitung. Ich möchte mir ebenso 

Johtd. f. Otn. LIX. Jahrg. Junaar 1911. 5 



66 0. Graf Zedlitz: 

wenig hier ein definitives Urteil erlauben, führe jedoch meine 
Exemplare getrennt auf in der Weise, dafs ich hier unter mystacea 
die Stücke mit den gröfseren Mafsen aus dem Osten und 
Norden, unter der nächsten Nummer die mit den kleineren 
Mafsen aus dem Südwesten zusammenfasse. Eine Frage, 
welche ich hier nicht entscheiden kann, ist die, ob wir es mit 
zwei nebeneinander vorkommenden weit verbreiteten Formen- 
kreisen, einem dunkleren, grofsen und helleren, kleinen, 
oder mit verschiedenen Formen von mystacea zu tun haben. 
Zufällige Aberrationen möchte ich nicht annehmen, da genau 
übereinstimmend bei Neumann und mir die blassen Stücke 
aus den westabessinischen Steppen kleinere Mafse zeigen, 
obwohl es cTcT sind. Neumann war sich nicht ganz sicher, ob die 
Geschlcchtsbestimmung zuverlässig sei, ich möchte es aber von 
der meinigen behaupten. Mit murina hat diese helle Form 
nichts zu tun, da ja gerade der dunkle Ton für jene als 
charakteristisch angegeben wird. Der rauchgraue Fleck an den 
Brustseiten, welcher sie aufserdem auszeichnen soll, tritt bei 
einigen meiner Stücke deutlich bei anderen weniger hervor, bei 
einzelnen fehlt er ganz, so auch bei der hellen Form. Ich lasse 
ein kurze Beschreibung meiner Suite nach Flügelmafs und Kolorit 
folgen : 

cf Nö. 1026 Cheren V: Fl. 49 mm, Oberseite dunkel, etwas 
grauer Brustfleck, 

cT No. 1032 Oberer Mareb VI: Fl. defekt, Oberseite recht 
dunkel, wenig grauer Brustfleck. 

cT No. 1035 Oberer Mareb VI: Fl. 49 mm, Oberseite dunkel, 
grauer Brustfleck. 

cT No. 1034 Adua VI: Fl. 55 mm, Oberseite viel blasser, 
deutlicher Brustfleck. 

(cf?) No. 1027 Salomona VI: Fl. 45 mm, etwas dunkler als 
vorige, fast kein Brustfleck. 

9 No. Salomona VI: Fl. 47 mm, Oberseite mehr bräunlich, 
fast kein Brustfleck. 

cf No. 1029 Salomona VI: Fl. 49 mm, Oberseite recht dunkel, 
deutlicher Brustfleck. 

cf No. 1030 Salomona VI: Fl. 50 mm, Oberseite dunkel, 
deutlicher Brustfleck. 

cf No. 1031 Salomona VI: Fl. 48 mm, Oberseite dunkel, 
deutlicher Brustfleck. 

9 No. 1033 Salomona VI: Fl. 51 mm, Oberseite mäfsig dunkel, 
kein Brustfleck. 

cf No. 1036 Salomona VI: FI. 48 mm, Oberseite am blassesten 
von allen, kein Brustfleck. 

cf No. 1037 GhindaVI: Fl. 48 mm, Oberseite blafs bräunlich, 
fast kein Brustfleck. 

Die Schlüsse, welche ich hieraus ziehen kann, sind zunächst 
negativer Art: 1. cfcf und 99 unterscheiden sich nicht wesentlich 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 67 

in den Mafsen, 2. dunklere und hellere Stücke kommen bei 
beiden Geschlechtern vor, 3. der Brustfleck ist beim 9 anscheinend 
so gut wie gar nicht, beim cT nicht immer deutlich sicht- 
bar, also kein Unterscheidungsmerkmal, Weitere Untersuchungen 
überlasse ich späteren Forschungen. 

310. Prinia vnystacea var.? 

cf No. 631 Tacazze 5. 4. 08. 

„ No. 674 Tacazze 8. 4. 08. Geb. IV. 

Diese Stücke entsprechen anscheinend ziemlich genau den 
beiden d^cT No. 1234, 1256 von Neumann am Akobo 21. und 28. 5. 
gesammelt. Flügelraafse : 45, 46 mm, bei Neumann entsprechend. 
Beide Exemplare sind ganz bedeutend heller als die blassesten 
der vorhin aufgeführten, insbesondere hebt sich die Kopfplatte 
in keiner Weise vom Rücken ab, während die echte mystacea 
auch in den blassesten Exemplaren stets dunklere Kopfplatte 
zeigt. Meine Vögel in ihrem matten gelblichen Kolorit erinnern 
am meisten an ein aufgestelltes Stück des B. M. von der Gold- 
küste No. 23229 (Rchw. leg.), doch zeigt bei diesem die Kopfplatte 
noch einen etwas dunkleren Schein. Ohne weiteres Material 
möchte ich mich auf Hypothesen systematischer Natur vorläufig 
nicht weiter einlassen. Die Jahreszeit kann bei der Verschiedenheit 
der Färbung wohl keine Rolle spielen, denn die Stücke beider 
Varietäten von Neuraann und mir sind in den Monaten April 
bis Ende Juni erbeutet. 

Diese Prinie ist nicht selten, wird aber bei ihrer versteckten 
Lebensweise leicht übersehen. Sie bevorzugt die dichteren Baura- 
bestände, welche Übergänge von der Buschsteppe zum Walde 
bilden, die vertikale Verbreitung ist eine sehr ausgedehnte. 

311. Prinia grazUis deltae Rchw. 

Rchw. V. A. III p. 596. 

cT No. 21 Suez 17. 1. 08. 

„ No. 77 Chech Said bei Massaua 29. 1. 08. Geb. I. 

Zwei weitere Exemplare erlegte ich am 18. 2. 09 gelegentlich 
einer Bootfahrt an der Küste nördlich von Massaua, doch waren 
sie leider bei der Rückkehr nicht mehr vorhanden, irgend eines 
meiner grofsen schwarzen Kinder hatte sie mal wieder unter der 
Masse anderer Beute verbummelt, natürlich wollte es keiner 
gewesen sein. 

Diese zierliche Prinie bewohnt die ganze Westküste des 
Roten Meeres von Suez bis Massaua. Ich traf sie stets in den 
niederen mit einer Salzkruste bedeckten Sträuchern unmittelbar 
an der Wasserkante, niemals in höheren Büschen oder auf Bäumen. 
Das Benehmen gleicht dem von Scotocerca saharae in den salzigen 
Niederungen des südtunesischen Chott-Gebiets. Das Vögelchen 



68 0. Graf Zedlitz: 

ist nicht leicht zu erbeuten, da es sich meist im Innern der 
Büsche verborgen hält und äufserst gewandt dicht über den Boden 
hin von einem zum andern huscht. 

312. Apalis pvZchella Cretzsch. 

Rchw. V. A. III p. 610, V. Erl. J. 0. 05 p. 728. 

d* No. 208 Anseba unterhalb Ela Bered 11. 2. 08. Geb. 
III— II. 

Nur dies Exemplar wurde gesehen und erlegt. Ich habe 
auf alles, was in Busch und Strauch versteckt herumschlüpfte, 
besonders geachtet, wie wohl auch meine Ausbeute an Sylvien 
und Nektarinien beweist, glaube also, diese Apalis als recht 
selten in den von mir besuchten Gebieten bezeichnen zu müssen. 

313. Camaroptera griseoviridis griseoviridis v. Müll. 

Rchw. V. A. III p. 616, 0. Neum. J. 0. 06 p. 278, 
V. Erl. J. 0. 05 p. 730. 

QcT No. 207, 284 bei Oberen 11. und 16. 2. 08. 

999cf9 No. 636, 666, 691, 718, 739 Tacazze 5.— 16. 4. 08. 

9 No. 789 Barentu 26. 4. 08. 

9 No. 1042 Oberen 12. 5. 08. 

9cr No. 1043, 1044 Salomona 24., 25. 6. 08. \ .^..,. „ , „ ^ 

(fd No. 1045, 1046 Ghinda 27. 6. 08. | (Muiier leg.;. 

9 No. 1190 Oberen 5. 3. 09. 

V No. 1222, Mai Arosso 7. 3. 09. Geb. I, II, IV. 

Die drei Exemplare No. 1044 bis 1046 haben Kehle, Kropf 
und Brust tief grau, bei den meisten anderen Stücken ist die 
Unterseite ziemlich gleichmäfsig graulich-rahmfarben, bei einzelnen 
Kehle und Bauchmitte fast weifs. Die dunkelgrauen Stücke sind 
auch auf der Oberseite erheblich düsterer, sie sind bereits im 
frischen Gefieder, die blasseren Stücke meist noch im abgetragenen. 
Ich glaube, das die dunklen Exemplare junge Vögel aus dem- 
selben Frühjahr sind. 

Dies Vögelchen bewohnt dichtes Buschwerk am Rande von 
Bächen, Flüssen und Schluchten, aber nur in mittleren und 
tieferen Lagen nicht über 1500 m. Wohl am häufigsten traf ich 
es an den Ufern des Tacazze. Meist bewegt sich der graugrün- 
liche Gnom mit gestelztem Schwänzchen am Boden oder wenige 
Zoll darüber, mit wichtiger Miene hüpft er bald hier bald dort 
hin, wandert aber dabei nicht am Flusse entlang, wie mancher 
andere versteckt lebende Vogel, sondern bleibt seinem kleinem 
Reiche treu. v. Erlanger beobachtete die interessante Balz am 
5. Mai 1900. 

314. Sylvietta hrachyiira nilotica Neum. 

Rchw. V. A. III p. 627: S. micrura, 0. Neum. J. 0. 06 
p. 279. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 69 

cf No. 297 Cheren 17. 2. 08. 

9 No. 471 Marebquellen 12. 3. 08. 

9 No. 782 Barentu 26. 4. 08. Geb. II, III. 

0. Neumaiins AusführuDgen im J. 0. 06 p. 279 bei Be- 
schreibung der nilotica und ihres Verhältnisses zu den anderen 
Formen müssen sehr sorgfältig studiert werden, ehe man sich 
über das Resultat klar wird. Ich halte es deshalb nicht für über- 
flüssig, meine Auffassung hier kurz zu präzisieren, ich stelle mich 
übrigens damit keineswegs zu Neumann in einen Gegensatz: 

1. S. b. hrachyura Lafr. 

Vorderer Augenbrauenstreif, Kinn und Kehle weifs. Ober- 
Guinea. 

2. S. h. carnapi Rchw. 0. M. 1900 p. 22. 
Augenbrauenstrich und Unterseite gelbbraun, Oberseite 
grau. Östliches Kamerun. 

3. S. b. epipolia Rchw. 0. M. 1910 p. 7. Kleiner als carnapi. 
Nord-Adamaua. 

4. S. b. micrura Rüpp. Augenbrauenstrich blafs-weifsgelb, 
Unterseite sehr blafs. Wüste Kordofans. 

5. S. b. nilotica Neum. J. 0. 06 p. 279 (zum Teil Synonym zu 
micrura Rüpp. bei Reichenow). 

Augenbrauenstrich, Kinn und Kehle dunkelgelblicb, Ober- 
seite bräunlich. West-Eritrea und West-Abessinien. 

6. S. b. leucopsis Rchw. 0. C. 1879 p. 114 (Synonym zu micrura 
Grant). Augenbrauenstrich, Kinn und Kehle rein weifs, 
Mafse kleiner. Ost-Eritrea und Ost-Abessinien, Somaliland. 

Ich habe nur in meinem Gebiet II und III die Form nilotica 
sammeln können, dagegen in Gebiet I leucopsis nicht zu Gesicht 
bekommen. Das Vögelchen lebt sehr versteckt im niederen 
dichten Busch und ist keineswegs leicht zu erlegen. 

315. JEremomela flaviventris griseoßava Heugl. 

Rchw. V. A. III p. 635, v. Erl. J. 0. 05 p. 733. 

9 No. 286 Cheren 16. 2. 08. 

9 No. 464 Gaala-Flufs (Plateau) 11. 3. 08. 

cf No. 1228 Cheren 8. 3. 09. 

cf No. 1341 Mansura 31. 3. 09. Geb. II, III. 

Das Gelb auf dem Bauche ist beim 9 etwas weniger aus- 
gedehnt. 

Dies Vögelchen lebt still und heimlich im Gebüsch. Seine 
vertikale Verbreitung ist eine recht grofse von Barca bis zum 
Hochplateau, von 700—2400 m. Das Benehmen erinnert an 
Camaroptera, doch scheint letztere dichten zusammenhängenden 
Busch, unsere Eremomela dagegen mehr vereinzelt stehende 
Sträucher in relativ vegetationsarmen Strichen zu bevorzugen. 
Die Verbreitung speziell auch in lokaler Beziehung scheint sich 
mit der von Sylvietta hrachyura nilotica annähernd zu decken. 



70 0. Graf Zedlitz: 

316. Phylloscoiius collyhita collyhita Vieill. 

Rchw. V. A. III p. 643: P. rufus, v. Erl. J. 0. 05 p. 735 dito. 

?99 No. 12, 22, 23 Suez 16., 17. 1. 08. 

cf No. 105 Ghinda 31. 1. 08. 

9 No. 420 Asmara 4. 3. 08. 

„ No. 1129 Massaua 18. 2. 09. 

d* No. 1165 Asmara 28. 2. 09. Geb. I, III. 

Der Weidenlaubsänger ist an den Küsten des Roten Meeres 
zahlreich als Wintergast anzutreffen, ebenso in den fruchtbaren 
Teilen des Gebietes I weiter landeinwärts. Die Winterregen mit 
der üppigen Vegetation in ihem Gefolge sagen ihm dort offenbar 
besonders zu. Die auf dem Hochplateau gesammelten Stücke 
folgten vielleicht schon dem Drange heimwärts in die Brutgebiete 
und kamen aus südlicheren Gegenden. Jedenfalls ist auf der 
Höhe das Vögelchen viel seltener. 

317. JPhyUoscopus trochilus trochilus L. 

Rchw. V. A. III p. 644, 0. Neum. J. 0. 06 p. 284, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 735. 

9cr No. 613, 614 Melissai (Adiabo) 1. 4. 08. 

(5* No. 712 Sittona am Tacazze 14. 4. 08. 

9 1177 Asmara 3. 3. 09. 

(f No. 1338 Mansura 30. 3. 09. Geb. II, III, IV. 

Bei dem Fitislaubsänger haben wir es weniger mit einem 
Wintergast und mehr mit einem Durchzügler zutun. Die angeführten 
Exemplare dürften sich sämtlich auf dem Frühjahrszuge befunden 
haben. Dabei werden natürlich häufiger die Gebiete weit im 
Innern passiert, während der Weidenlaubsänger sich mehr an die 
Küste hält, wo sich ihm als Wintergast günstigere Bedingungen 
bieten, v. Erlanger traf den P. trochilus besonders massenhaft 
in der zweiten Hälfte März bei Ginir, es war wohl auch der 
Rückzug gen Norden, der eben in Gang kam. 

318. Hippolais ölivetorum Strickl. 

Rchw. V. A. III p. 646. 

? No. 78 Chech Said bei Massaua 29. 1. 08. 

9 No. 1049 Asmara 18. 5. 08. Geb. I, III. 

Der Olivenspötter ist eine in Eritea und Abessinien ziemlich 
seltene Erscheinung, Reichenow erwähnt nur den Fundort „Amba" 
von Jesse. Ich glaube mit No. 78 einen Wintergast erbeutet zu 
haben, No. 1049 befand sich hingegen wohl auf dem Zuge, 
denn das Plateau von Asmara ist entschieden keine Gegend, 
welche ihn dauernd fesseln dürfte. Es liegen mehrfach Beob- 
achtungen darüber vor, dafs die Rückkehr zu den Brutplätzen 
im Frühjahr sehr spät erfolgt. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afriiia. 71 

31 D. Mippölais pallida pallida Hempr. und Ehrenb. 

Rchw. V. A. III p. 646, 0. Neum. J. 0. 06 p. 284, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 736. 

d'? No. 668, 687 Tacazze 9. und 12, 4. 08. Geb. IV. 

Wir haben es bei diesen Exemplaren nach meiner Ansicht 
mit typischen pallida zu tun, die Flügelmafse sind 67, 66 mm, die 
der Schnäbel 12 und 13 mm. Die Oberseite ist so dunkel und 
auch schwach bräunlich überflogen wie bei den Stücken von 
Ilemprich und Ehrenberg. 

Die erbeuteten Vögel befanden sich wohl auf dem Zuge, 
gröfsere Gesellschaften habe ich nicht beobachtet. 

320. Hippölais rama Sykes. 

Hartert V. d. p. F. p. 575. 

? No. 75 Chech Said bei Massaua 29. 1. 08. 

?? No. 104, 131 Ghinda 31. 1. und 1. 2. 08. 

Cf No. 790 ßareutu 26. 4. 08. 

9 No. 1313 Mansura 26. 3. 09. Geb. I, II. 

Es ist ein etwas kühnes Unterfangen, hier einen Vogel, der 
bisher noch überhaupt nicht für Afrika nachgewiesen war, gleich 
in 5 Exemplaren anzuführen, aber ich habe nach allen Richtungen 
Vergleiche angestellt, und komme bei der Bestimmung dieser 
Stücke immer wieder auf „rama''^ zurück. Schliefslich ist es gar 
nicht so absonderlich, wenn Vögel aus Transkaspien und Turkestan 
ihre Winterherberge in NO.-Afrika suchen, man könnte dafür 
eine Menge Beispiele anführen. Vielleicht ist auch schon wieder- 
holt eine H. rama im Winterquartier erbeutet aber als pallida 
angesprochen worden, ein Irrtum, der verzeihlich erscheint. Dafs 
es sich bei meinen Exemplaren nicht um pallida handelt, nehme 
ich als sicher au, denn, wenn man sie nebeneinander legt, fällt 
der ganz konstante Unterschied — kleiner und blasser — sofort 
in die Augen. In der Jahreszeit kann für die Färbung nicht der 
Grund gefunden werden, sind doch beide Arten abwechselnd im 
Frühjahr erlegt. Abgesehen von den kleineren Mafsen kommt 
aber noch hinzu, dafs bei den von mir als „rama'' bezeichneten 
Stücken die erste verkümmerte Handschwinge sichtlich länger 
ist als bei echten pallida, die dritte, vierte und fünfte sind dann 
ziemlich genau gleich laug. Ich messe die erste Handschwinge 
so weit sichtbar (Innenseite) mit 16 — 19 mm, bei pallida mit 
12 — 13 mm, die längsten Handdecken messen durchweg 8 - 10 mm. 
Flügelmafs bei rama: 63, 64, 65, 65, 64 mm, bei pallida 67, 
66 mm, aufserdem ist hier die dritte Schwinge länger als die 
vierte nnd viel länger als die fünfte. Der Gesamtton des 
Gefieders ist, wie schon erwähnt, bei rama blasser, bei pallida 
dunkler. 



72 0. Graf Zedlitz: 

Ich halte es nicht für einen Zufall, dafs pallida nur im 
Gebiet IV, rania nur im Gebiet I und II erbeutet wurde, beide 
Arten dürften eben verschiedene Winterquartiere beziehen und 
daher auch verschiedene Zugstrafsen wählen. Im Gebiet I halte 
ich rama für Wintergast, hingegen dürfte pallida im allgemeinen 
nur auf dem Zuge Eritrea berühren. 

Das Benehmen erinnerte an das unserer Dorngrasmücke, 
meist sah ich die Vögelchen in niederen Hecken am Rande von 
Gärten und Feldern. 

321. Sylvia borin borin Bodd. 

Rchw. V. A. III p. 649: S. simplex, Hartert V. d. p. F. p. 582. 

9 No. 1047 Fil-Fil nördlich Ghinda 27. 5. 08. Geb. I. 

Die Gartengrasmücke zieht zwar regelmäfsig im Winter 
nach Afrika, doch erscheint sie gerade in NO. -Afrika recht 
selten. Bei Reichenow ist überhaupt kein Fundort aus Eritrea 
und Abessinien aufgeführt, auch v. Erlanger und Neuraann er- 
wähnen sie nicht. 

Der Flügel raifst knapp 81 mm, ist also relativ lang. 
Wegen event. Abtrennung einer gröfseren Form bitte ich bei 
Hartert an der oben angeführten Stelle in der Anmerkung 
nachzulesen. Es kann sich hier vielleicht um S. h. pallida 
Johansen aus Livland handeln, mir liegen jedoch keine Stücke 
dieser Form zum Vergleiche vor, das Flügelmafs 79—82 mm 
würde für mein Stück stimmen, die mehr oder minder blasse 
Farbe kann man aber natürlich nur bei Vergleichsmaterial 
beurteilen. 

322. Sylvia communis communis Lath. 

Rchw. V. A. III p. 650: S. sylvia, v. Erl. J. 0. 05 p. 736 
dito, Hartert V. d. p. F. p. 586. 

? No. 130 Ghinda 1. 2. 08. 

9 „ 419 Asmara 4. 3. 08. Geb. I, III. 

Die Dorngrasmücke ist in NO.-Afrika keine seltene Er- 
scheinung. Ich halte sie im Gebiet I für Wintergast, in den 
anderen Gebieten, welche um diese Jahreszeit in voller Dürre 
liegen, nur für einen Durchzügler. 

323. Sylvia atricapilla atricapUla L. 

Rchw. V. A. III p. 650, 0. Neum. J. 0. 06 p. 284, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 736, Hartert V. d. p. F. p. 583. 
9 No. 432 Asmara 7. 3. 08. 
Cf „ 791 Barentu 26. 4. 08. 
9 „ 841 Darotai 1. 5. 08. 
d^ „ 1048 bei Asmara 25. 5. 08. Geb. II, III. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 73 

Die Mönchsgrasmücke erscheint in NO.-Afrika zumeist auf 
dem Frühjahrszuge, der sich bis Ende Mai hinzieht. Einige 
Exemplare mögen dort auch überwintern, doch konnte ich 
darüber keine bestimmten Beobachtungen anstellen. Die auf- 
geführten Stücke dürften sämtlich Zugvögel sein, höchstens bei 
No. 432 ist dies mit Rücksicht auf den frühen Termin einiger- 
mafsen fraglich. 

324. Sylvia curruca curruca L. 

Rchw. V. A. III p. 654, v. Erl. J. 0. 05 p. 737, Hartert 
V. d. p. F. p. 588. 

9 No, 735 Sittona am Tacazze 15. 4. 08. 

„ „ 780 Barentu 26. 4. 08. Geb. II— IV. 

Beide gesammelten Exemplare dürften sich auf dem Zuge 
befunden haben, doch liegen von anderer Seite mehrfach Nach- 
richten darüber vor, dafs die Zaungrasmücke in NO.-Afrika 
vielfach überwintert. 

325. Sylvia nisoria nisoria Bechst. 

Rchw. V. A. III p. 654, v. Erl. J. 0. 05 p. 737, Hartert 
V. d. p. F. p. 578. 

(f No. 850 Darotai 1. 5. 08. 

„ „ 1325 Mansura 28. 3. 09. Geb. II. 

Meine Stücke werden durch die kurzen Flügel von knapp 
85 mm Länge als echte nisoria gekennzeichnet, sind also nicht 
etwa asiatische Gäste {merzhacheri Schalow). Mir ist die Sperber- 
grasmücke, welche doch vermöge ihrer bedeutenden Gröfse leicht 
ins Auge fällt, nur ganz vereinzelt in NO.-Afrika vorgekommen. 

326. Agrobates galactodes minor Gab. 

Rchw. V. A. III p. 655, v. Erl. J. 0. 05 p. 737, Hartert 
V. d. p. F. p. 606. 

9 No. 285 Oberen 16. 2. 08. 

1 9, 3 cT No. 1038—1041 Ghinda 17., 18., 27. 6. 08 (Müller 
leg.). Geb. I, II. 

Die Flügelmafse gibt Reichenow mit 75 — 80, Hartert mit 
77 — 82 mm an, meine Stücke zeigen folgende Mafse: 2 9 77 
und 78 mm, 3 cf 75, 80, 80 mm. 

B. Turdiaae. 

327. Crateropus leucopygius leucopygius Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 664, 0. Neum. J. 0. 04 p. 548 „Über 
Crateropus'^ J. 0. 06 p. 262. 



74 0. Graf Zedlitz: 

(f9?ad. d*juv. No. 165—168 bei Asmara 5. 2. 08. 
9 No. 179 oberster Anseba ca. 1700 m hoch 10. 2. 08. 
39 No. 1002-1004 nordöstlich Asmara 25. und 28. 5. 08. 
Geb. III. 

Nachdem 0. Neumann in seiner umfassenden Übersicht der 
Crateropiis - Arten (J. 0. 04) auch die Formen von C. l. leuco- 
pygius eingehend behandelt und ihre Verbreitung besprochen 
hat, bleibt mir nichts Neues zu sagen übrig, umsomehr als im 
J. 0. 06 p. 262 derselbe Autor noch einige Ergänzungen hinzu- 
gefügt hat. Meine Stücke sind sämtlich typische leucopygius. 
Ich möchte bemerken, dafs bei ihnen die weifse Umrandung der 
Schuppenfedern auf der Unterseite sehr variiert. Betrachten wir 
die Verbreitung der einzelnen Formen, so finden sich auch hier 
wieder Fingerzeige dafür, dafs einige der Erlanger'scheu Gebiete 
etwas anders und zwar mehr nach den hydrographischen Gesichts- 
punkten zu begrenzen sein dürften: 

1. C. l. leucopygius Rüpp. Nord- und Central-Abessinien, mein 
Geb. III. 

2. G. l. limbatus Rüpp. Schoa (Gebiet des oberen Blauen Nils) 
sowie Hauasch-Gebiet. 

3. C. l. smithi Sharpe. Von Harar bis Arussi-Galla-Land, v. Er- 
langers Gebiet V, 

4. G. l. lacuum Neum. Seen-Gebiet vom Zuai bis Gandjule- 
See, v. Erlangers Gebiet IV, dessen Grenze gegen II ich 
aber nördlich des Zuai- Sees zwischen diesem und dem 
Hauasch gezogen sehen möchte. Das Hauasch-Gebiet fasse 
ich dann in seiner Ausdehnung nach Nordwesten wieder 
weiter, indem ich alle Teile Schoas, welche dorthin ab- 
wassern, hinzuziehe, hingegen alles, was nordwärts abwässert, 
zum oberen Blauen Nil rechnen möchte. Im Westen ziehe 
ich bei Erlangers Gebiet IV wieder eine Grenze gegen den 
Omo, der mit dem Gelo zum Gebiet des Spbat (Zuflufs des 
Weifsen Nils) zu rechnen sein dürfte. Übrigens ist die 
ganze Region nördlich des Rudolfsees noch ganz ungenügend 
erforscht, wir sind dort über zoogeographische Fragen noch 
ganz im unklaren. 

5. G. l. omoensis Neum. Omo und Sobat-Gebiet. 

6. G. l. hartlaubi Boc. W. -Afrika bis tief ins Innere. 

Der G. leucopygius ist stets ein Gebirgsvogel, ich fand ihn 
nur auf dem Plateau oder an dessen Abfällen in Höhen von 
1700 m an aufwärts. Auch Neumann erwähnt ihn ausdrücklich 
als Bewohner der Berge. Man trifft meist gröfsere Gesellschaften 
von 10—20 Stück beisammen, die einen erheblichen Skandal 
vollführen können. Das Benehmen ist ganz das der anderen 
Verwandten, meist treibt sich die Bande im niederen Buschwerk, 
vielfach auch an der Erde herum. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 75 

328. Crateropus leucocephalus leucocephalus Cretzscb. 

Rchw. V. A. III p. 666, 0. Neum. J. 0. 04 p. 549/550. 
?9? No. 726—728 Sittona am Tacazze 15. 4. 08. 
cT No. 672 Tacazze 9. 4. 08. Geb. IV. 

Von C. leucocephalus kennen wir bisher aufser der typischen 
Form noch abyssinicus Neum. Im J. 0. 04 p. 550 wird in der 
Urbeschreibung der Unterschied wie folgt angegeben: „Der echte 
leucocephalus ist blasser, oberseits heller grau. Der 
unterseits viel blassere (?) graulich-weifse abyssinicus ist 
oberseits brauner und etwas dunkler graugelb oder gelblich 
verwaschen. Unterschwanzdecken bei abyssinicus hellgelbbraun 
(englisch : buffj." Bei dieser Diagnose, welche zwei Vögel, einen 
blasseren, oberseits heller grauen, den anderen unter- 
seits viel blasseren, oberseits brauneren gegenüber stellt, 
ist es nicht ganz leicht, sich ein klares Bild zu machen. Der 
Angabe über die Unterschwanzdecken des einen ist keine Notiz 
über die des anderen gegenübergesetzt, auf frühere Beschrei- 
bungen kann man aber nicht wohl zurückgreifen, da sie ja beide 
Formen noch nicht trennen. Auf der Abbildung Cretzsch. Atlas 
p. 6 Tafel IV sind die Unterschwanzdecken nicht sichtbar, also 
ist wohl kein Gewicht damals auf ihre Färbung gelegt worden. 
In der begleitenden Beschreibung wird nur die ganze Unterseite 
als weifs mit gelblichem Anfluge bezeichnet, ohne die Unter- 
schwanzdecken besonders zu erwähnen. Leider ist kein Typus 
des abyssinicus Neum. angegeben. Nehme ich nun Vögel aus 
Nord-Eritrea, welche zweifellos echte abyssinicus sein dürften, so 
ergibt sich beim Vergleich mit Stücken aus Geb. IV, dessen 
Fauna der des Sennars sehr nahe steht, sowie mit Stücken des B. M. 
(darunter den Typen Cretzschmers No. 3715, 3716) Folgendes: 
leucocephalus hat im ganzen Gefieder einen grauen, abyssinicus 
dagegen einen gelblichen Ton, infolgedessen wird die Färbung 
von Kropf und Brust bei ersterem düsterer, bei letzterem 
heller. Am deutlichsten ist der Unterschied an den Kopfplatten 
von Vögeln ad. sichtbar : bei leucocephalus ist der weifse Ober- 
kopf mehr oder weniger mit blafsgrauen Federchen durchsetzt 
und erscheint daher graulich verwaschen, hei abyssinicus ist 
er rein elfenbein weifs also mit schwachem gelblichem An- 
fluge. Die Unterschwanzdecken sind bei einzelnen leucocephalus 
um einen geringen Ton grauer und dunkler, ich möchte das aber 
nicht als konstantes Merkmal aufführen. Meine Stücke vom 
Tacazze zeigen den grauen Färbungscharakter des echten leuco- 
cephalus noch deutlicher als die Typen, bei welchen durch das 
Alter die Färbung „schmutzfarbig überflogen" ist. Letztere 
unterscheiden sich von abyssinicus deutlich nur noch durch die 
Kopfplatte. 

Dieser Crateropus ist ausgesprochener Bewohner des Tief- 
landes. Am Tacazze traf ich ihn mehrfach, er scheint die Nähe 



76 0. Graf Zedlitz: 

des Wassers der trockenen Steppe vorzuziehen. Auch er war 
stets in Gesellschaften, lebhaft, laut und zänkisch. Die Brutzeit 
dürfte erst im Sommer einsetzen, sonst hätte ich wohl entgegen- 
gesetzte Beobachtungen machen müssen. 

329. Crateropus leucocepJialus abyssinicus Neum. 

0. Neum. J. 0. 04 p. 550. 

9cf ? No. 1161, 1317, 1318 Mansura 27., 28. 3. 09. Geb. II. 

Nach dem vorhin Gesagten habe ich zur Systematik nichts 
mehr hinzuzufügen. 

In den Dickichten an den Flufsufern der heifsen Barca- 
Niederung traf ich diesen Crateropus häufig, aber stets nur im 
flachen Gelände. Auch er lebt gesellig und treibt sich viel an 
der Erde herum. 

330. Turdus simensis simensis Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 680 und v. Erl. J. 0. 05 p. 470: Geocichla 
litsipsiriipsa simensis, 0. Neum. J. 0. 06 p. 286. 
9 No. 162 bei Asmara 5. 2. 08. 
„ No. 1005 Asmara 24. 5. 08. Geb. III. 

Wegen des Genus-Namens „Geocichla^' vergleiche Hartert V 
d. p. F. p. 640 ,,Turdus'\ 

In Eritrea ist diese Drossel eine ausgesprochene Bewohnerin 
des Hochgebirges von 2200 m an aufwärts und zwar mehr der 
mit Steingeröll bedeckten Halden als der bebauten Flächen. Ich 
fand sie mehrfach in unmittelbarer Nähe von Ansiedlungen der 
Eingeborenen auf dem Plateau. In den ersten Tagen meines 
Aufenthaltes wäre es leicht gewesen , mehrere Exemplare zu 
sammeln, doch drängte so viel Interessantes auf den Forscher ein, 
dafs man sich nicht allen Formen gleichmäfsig widmen konnte. 
Ich wandte damals ein Hauptinteresse den als Wintergästen auf 
dem Plateau sich aufhaltenden Raubvögeln zu, weil die Tage 
ihrer Anwesenheit gezählt waren, und erbeutete ja auch so wert- 
volle Stücke wie den Buteo eximius Brehm und zwei Falco gyr- 
falco cherrug Gr. Solch seltene Gäste auf den fast kahlen 
Flächen zu überlisten, erfordert aber Zeit, darunter litt natur- 
gemäfs das Sammeln einzelner Arten von Standvögeln, so auch 
dieser Drossel. 0. Neumann stimmt ganz mit mir überein, wenn 
er sagt, dafs er den Vogel in den „höchsten Regionen" antraf 
und das er offenes Terrain, steinige Wiesen, Viehtriften, abgeerntete 
Felder liebt, v. Erlanger sammelte verschiedene Exemplare auch 
in mittleren Höhen und in ziemlich stark bebauten Gegenden, so 
besonders bei Harar, wo er auch am 26. März ein Gelege fand, 
das er eingehend beschreibt. Die Brut im Südosten beginnt 
also im Frühjahr, im Norden dürfte sie in den Sommer fallen. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 77 

331. Turdus olivaceus abyssinicus Gm, 

Rchw. V. A. III p. 688, v. Erl. J. 0. 05 p. 741, 0. Neum. 
J. 0. 06 p. 285. 

cf No. 169 nördlich Asmara 5. 2. 08. 

„ No. 1006 nordöstlich Asmara 26. 5. 08. Geb. III. 

Die abessinische Drossel bewohnt das Hochland ebenso wie 
die vorige, ist jedoch "Wald- und Buschvogel, während jene kahle 
Flächen unbedingt vorzieht. Demgemäfs sah ich abyssinicus vor- 
wiegend im Gezweig und nur vorübergehend am Boden herum- 
hüpfen, simensis dagegen nie anders als am Boden oder auf Steinen. 
Das Graubraun auf Kopf und Rücken ist bei Vögeln aus derselben 
Gegend bald dunkler bald matter, v. Erlanger fand auf der Route 
Harrar — Adis-Abeba drei Gelege am 23., 26. April und 12. Mai. 
Das volle Gelege beträgt nur zwei Eier, diese sowie das Nest 
erinnern an unsere Schwarzdrossel. 



0. Saxicolinae. 

332. Monticola rufocinerea Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 697, v. Erl. J. 0. 05 p. 743, 0. Neum. 
J. 0. 06 p. 287. 

cf No. 263 Anseba oberhalb Oberen 13. 2. 08. 

9 No. 364 Ela-Bered 26. 2. 08. 

„ No. 413 Asmara 4. 3. 08. 

99 No. 1007, 1008 nordöstlich Asmara 25. 5. 08. 

(f No. 1009 oberer Mareb 31. 5. 08 (Müller leg.). Geb. III, 
Grenze von IL 

Die Flügelmafse sind bei den cfd* 82—83 mm, bei den 
99 79—80 mm. Meine cTcf stimmen mit Rüppells d* vom B. M. 
gut überein, nur das Blau des Kropfes hat bei dem alten Stück 
etwas gelitten. Was das Gelbrot der Unterseite betrifft, so ist 
meine No. 263 sogar noch etwas blasser als Rüppells Stück, 
besonders die Unterschwanzdecken sind merklich heller. Das d* 
vom Naivascha-See des B. M. ist im ganzen besonders aber in 
Blau dunkler, die Mafse sind gröfser als bei meinen Exemplaren 
und dem von Rüppell. Es scheint danach Neumanns Vermutung 
an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, dafs wir es im Norden 
Abessiniens und in Eritrea mit einer blasseren Form, der 
typischen, dagegen in Süd-Aethiopien sowie 0. -Afrika mit einer 
neuen dunkleren Form zutun haben. Ich hoffe, noch weiteres 
Material zu bekommen, um die Frage eingehender zu studieren. 

Diese kleine Steindrossel ist ebenfalls ein Gebirgsvogel, 
der nur bis in die Grenzregionen von Gebiet II etwa zu 1300 m 
hinabsteigt. In ein und derselben Gegend fand ich Turdus 
s. simensis, T. o. abyssinicus und M. rufocinerea als keineswegs 
seltene Standvögel, sah jedoch niemals Vertreter zwei verschiedener 



78 0. Graf Zedlitz: 

Arten an demselben Fleck, obgleich man bei einem Marsch 
von 5- 6 km leicht alle drei zu Gesicht bekommen konnte. 
Dabei fand man T. simensis auf kahlem steinigem ebenem Gelände, 
T. ahyssinicus an dicht mit Busch und Unterholz bewachsenen 
Hügeln oder Hängen, M. rufocinerea in steinigen Schluchten, 
welche meist mit einzelnen Hochbäumen, Baobab und Euphorbien, 
bestanden waren. Dort trieb sich der Vogel teils am Boden, 
teils auf den oft kahlen Seitenästen der ältesten Bäume herum 
und zwar meist paarweise. Heuglins Notizen stimmen in Bezug 
auf den Aufenthalt im lichten nicht dichten Buschwerk sowie 
auf die Vorliebe für dürre Seilenäste durchaus mit meinen Be- 
obachtungen überein, jedoch meidet der Vogel keineswegs Hoch- 
bäume, wie der Forscher meint, nur scheint er sich nicht gern 
in ihren Kronen aufzuhalten. 

333. Monticola saxatilis L. 

Rchw. V. A. HI p. 699, v. Erl. J. 0. 05 p. 743, 0. Neum. 
J. 0. 06 p. 287. 

(f No. 428 Asmara 5. 3. 08. Geb. HI. 

Die Steindrossel ist in NO. -Afrika Durchzügler und hie und 
da wohl auch Wintergast, scheint aber nirgends gerade häufig 
vorzukommen. Sie liebt offenes steiniges Terrain, mein Exemplar 
erlegte ich unmittelbar vor der Hauptstadt am Fufse des 
Hügels, welcher das Fort trägt. Ich habe kein anderes Stück 
zu Gesicht bekommen. 

334. Monticola cyanus tenuirostris Johansen. 

lichw. V. A. HI p. 700, V. Erl. J. 0. 05 p. 743, Johansen 
Orn. Jhrbch. 07 p. 200. 

cT No. 129 Route Ghinda — Asmara ca. 1600 m hoch 
1. 2. 08. 

9 No. 228 Oberen 13. 2. 08. 

9 No. 441 westlich Asmara 8. 3. 08. Geb. III, Grenze von 
I und II. 

Die Schnäbel messen sehr gleichmäfsig 22 mm, am Beginn 
der Stirnbefiederung sind sie 7 mm hoch nnd knapp 6 mm breit, 
das entspricht durchaus der Beschreibung von tenuirostris bei 
Johansen. Hingegen steht das Verhältnis der Schwingen bei 
meinen Stücken im direkten Gegensatz zur Beschreibung. Die 
fünfte Schwinge ist gleich der zweiten, sogar beim cf eher etwas 
kürzer, keineswegs aber beträchtlich länger. Da ich es mit 
Zugvögeln im abgetragenen Gefieder zu tun habe, halte ich es 
nicht für ganz ausgeschlossen, dafs durch die Abnützung der 
Schwingen sich die Längenverhältnisse etwas verschoben haben 
könnten, den Schnabel hingegen halte ich für das konstantere 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 79 

Merkmal. Deshalb betrachte ich meine Exemplare als Central- 
asiatische Gäste und führe sie als tenuirostris Joh. auf, Irrtum 
vorbehalten. Sämtliche drei Stücke traf ich einzeln, andere 
wurdeu nicht beobachtet. 



335. Thamnolaea alhiscapulata Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 703, 0. Neura. J. 0. 06 p. 288, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 744. (Dort 3 Ex, versehentlich unter semirufa auf- 
geführt, die am 4. 3. 1900 bei Belauer gesammelt wurden.) 

Ö*cf9 No. 363, ^65, 367 Ela-Bered 26. 2. 08. 

cf9 No. 1213, 1214 Mai Arosso 7. 3. 09. Geb. II, III. 

Aufserdem beobachtete ich ein Pärchen ständig auf einem 
Hausdache von Arresa am 22. 3. 08 ganz nach Art unserer Haus- 
rotschvvänze bald auf dem First, bald im Sparrenwerk unter 
dem Dache sitzend und sich gegenseitig eifrig lockend. Ein Nest 
war noch nicht vorhanden, soweit ich feststellen konnte. 

Diese rotbürzliche Thanmolaea bewohnt mittlere Lagen in 
Eritrea von 1000—1800 m Höhe. Auch Neumann fand sie unter 
ähnlichen Verhältnissen, hingegen T. semirufa Rüpp. als eigent- 
lichen Hochgebirgsvogel. Ich habe letztere Art leider nicht an- 
getroffen. Die Verbreitung der alhiscapulata ist sehr lokal, nur 
im Bette des oberen Anseba bei Ela-Bered in ca. 1600 m Höhe 
war sie direkt häufig, sonst sah ich nur vereinzelte Pärchen. Sehr 
viel treiben sich die Vögel am Erdboden herum und scheinen 
besonders gern auf Felsblöcken Platz zu nehmen, sie sind lebhaft, 
der Schwanz ist meist in Bewegung, das Benehmen erinnert 
etwas an Steinschmätzer. Die Nähe des frischen Wassers scheint 
ihnen Bedürfnis zu sein. 



336. Pentholaea albifrons albifrons Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 708, 0. Neum. J. 0. 06 p. 289, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 744. 

d*9 No. 237, 238 (Pärchen) oberhalb Oberen 15. 2. 08. 

cfcf „ 289, 290 oberhalb Oberen 16. 2. 08. 

cTQ „ 283, 284 (Pärchen) Ela-Bered 27. 2. 08. Geb. II, III 

0. Neumann hat für das Omo -Gebiet eine neue Form 
pachyrhyncha J. 0. 06 p. 289 beschrieben, deren Flügelmafse mit 
82 (d^), 78 (9) nim angegeben werden, aufserdem ist der Schnabel 
sehr kräftig. Für albifrons gibt der Forscher an derselben 
Stelle folgende Flügelmafse an: cfcT 76-78 mm, 99 72—74 mm, 
Reichenow nennt 75—80 mm. Meine Stücke messen: 4 cT Fl. 
76, 74, 77, 79 mm, 2 9 73, 72 mm, das stimmt ziemlich genau 
mit Neumanns Angaben überein. Die 99 haben übrigens voll- 
kommen schwarze Stirn. Ich stehe Neumanns Vermutungen, 



80 0. Graf Zedlitz: 

dafs sein Stück No. 679 mit weifsmelierter Stirn ein 9 sei, etwas 
skeptisch gegenüber. 

Dieses Vögelcheu fand ich nur an ganz bestimmten Örtlich- 
keiten und zwar in felsigen Schluchten mit wenig oder gar 
keinem Baumwuchs, niemals sah ich ein Exemplar anderswo als 
auf Steinen sitzen. Das Benehmen erinnerte an das der Stein- 
schmätzer, meist hielten sie sich paarweise, doch sah ich auch 
einmal 4 Stück bei einander. In den abgelegenen Felsentälern 
oberhalb Cherens von 1300 m aufwärts war die Fentholaea 
nicht selten bis nach Ela-Bered hin, doch habe ich sie in 
keiner anderen Gegend mehr angetroffen; Auch aufserhalb der 
Brutzeit scheinen die Pärchen zusammen zu halten und ihrem 
Standort treu zu bleiben, ich traf sie stets wieder ungefähr an 
derselben Stelle. 

337. Cercomela melanura Temm. 

Rehw. V. A. III p. 711, V. Erl. J. 0. 05 p. 744. 
9 No. 1096 Dahlak 13. 2. 09. 
C? No. 1150 Ghedem 20. 2. 09. 

„ No. 1366 Mai Attal westlich Massaua 6. 7. 08 (Müller 
leg.). Geb. I. 

Die Mafse meiner Stücke sind auffallend klein, Reichenow 
gibt an: Fl. 80 — 85, Sehn. 14—15 mm, ein Balg von Hemprich 
und Ehrenberg No. 4876 aus Arabien mifst Fl. 81, Sehn. 14 mm, 
bei meinen Exemplaren mifst 9 Fl. 71, Sehn. 12 mm, cTcT Fl. 
77, 78, Sehn. 12V21 H «im. also die höchsten Zahlen sind Fl. 78, 
Sehn. 12,5, das ist doch eine bemerkenswerte Differenz gegen- 
über der Reichenow'schen Angabe. Vielleicht sind die Vögel aus 
Arabien ständig gröfhier als die von den Dahlak-Inseln und der 
Küste Eritreas. Junge Stücke haben nicht rein grauen sondern 
bräunlich verwaschenen Ton der Oberseite, im abgetragenen Kleide 
verliert der Schwanz seine tiefschwarze Färbung, die B'edern 
werden nach den Säumen zu blafsbraun. 

Im Innern der grofsen Dahlak-Insel, wo der kahle felsige 
Boden grofse Risse zeigt, traf ich diese Cercomela paarweise an, 
sie versteckte sich mit Vorliebe in diesen Erd- bezw. Fels-Spalten 
und dürfte dort auch nisten. Das cf schwang sich öfters auf 
einen niederen Dornbusch und lockte von dort zwitschernd. 
Unweit Ghedem südlich von Massaua beobachtete ich ein Pärchen 
beim Bau des Nestes zwischen Steinen in einer Vertiefung am 
Fufse eines felsigen Abhanges; beide Alten beteiligten sich an 
der Arbeit, ich schofs schliefslich das cf, als es Nistmaterial im 
Schnabel herbeitrug. Da ich an demselben Tage die Gegend 
verlassen mufste, konnte ich die Brut leider nicht abwarten, sie 
fällt also in Geb. I in die Monate Februar und März. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 81 

338. Cercomela lypura Hempr. Ehrenb. 

Rchw. V. A. m p. 712. 

9 No. 206 Cheren 11. 2. 08. 

„ No. 1226 Cheren 8. 3. 09. Geb. II. 

An dem gleichen Tage erlegte ich noch ein Stück, dafs sich 
geflügelt unter einen Felsblock flüchtete, wo ich es nicht hervor- 
holen konnte. In ganz ähnlicher Weise verkroch sich einmal 
eine krank geschossene Saxicola moesta vor mir in Süd-Tunesien. 

Auch Cercomela lypura weist so erhebliche Differenzen in 
den Mafsen auf, dafs ich das Vorkommen mehrerer Formen in 
NO.-Afrika für wahrscheinlich halte. Der Typus von Hemprich 
und Ehrenberg No. 4198 B. M. mifst Fl. 73, Sehn. 13 mm; 
drei Ex. aus Abassuen, NW.-Somali-Land (Henze leg.) messen 
cf Fl. 75, Sehn. 14, 99 Fl. 76, 78, Sehn. 14, I4V2 mm; meine 
Stücke 99 Fl. 68, 70 — Sehn. 11, 12 mm. Leider steht als 
Fundort beim Typus nur „Abessinien" angegeben, das sagt so 
gut wie nichts. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dafs der 
Typus in einer Gegend gesammelt wurde, welche meinem Fund- 
ort Cheren näher liegt als dem Somali-Lande, andererseits stimmen 
jedoch jene Stücke in den Mafsen mit dem Typus überein, die 
meinigen hingegen sind merklich kleiner. 

Der Vogel lebt oberhalb Cherens im kahlen Gebirge auf 
möglichst vegetationsarmen Schutthalden und zwischen Felsen, 
ein Nachbar der Klippschliefer. Das Benehmen ist ganz das 
eines Steinschmätzers. 

339. Saxicola isäbellina Cretzsch. 

Rchw. V. A. III p. 721, 0. Neum. J. 0. 06 p. 293, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 746, Hartert V. d. p. F. p. 691. 

d<?cf No. 74, 82, 83 nördlich Massaua 30. 1. 08. 

Cf No. 180 Asmara 10. 2. 08. 

„ „ 283 Cheren 16. 2. 08. 

„ „ 405 Asmara 3. 3. 08. 

„ „ 1058 Insel Nocra 10. 2. 09. 

9 „ 1095 Dahlak 13. 2. 09. 

„ „ 1126 Massaua 15. 2. 09. Geb. I, III, Grenze von IL 

Unter den Wintergästen befinden sich Stücke mit dunklerer 
und solche mit hellerer Oberseite, letzteres ist die Regel, jenes 
die Ausnahme. Die Säume der Armschwingen variieren in allen 
Tönen von rahmfarben bis zu blafsrostrot, sind auch bald schmal, 
bald breit. Die Unterflügeldecken sind bisweilen rein weifs, meist 
sind einige Federchen in der Mitte grau, seltener ist das Grau 
erheblich ausgedehnt, niemals aber sind die Unterflügeldecken 
vorwiegend schwarzgrau wie bei S. oenanthe 9- Mein dunkel- 
stes Stück mit den rötlichsten Säumen an den Armschwingen 
ist No. 405. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dafs man 

Jonm. £. Orn. TJX. Jahrf(. Januar 1911. 6 



82 0. Graf Zedlitz: 

bei Vergleich von Brut vögeln noch zu interessanten systema- 
tischen Resultaten kommen könnte. 

Im Winter belebt dieser Schmätzer ganz besonders zahlreich 
das Plateau von Asmara, man hann oft keine hundert Schritt 
weit gehen, ohne immer wieder einen neuen Vertreter auf einer 
Ackerscholle, einem Stein, Bosch oder Kaktusblatt sitzen zu sehen. 
Auch bei Cheren ist der Vogel noch nicht selten, an der Küste 
und auf den Inseln geradezu gemein, aber in den Steppen des 
Barca-Gebietes und im ganzen Gebiet IV habe ich ihn nicht 
gesehen. Heuglins Behauptung betreffend ein in den Semischen 
Alpen gefundenes Nest stehe auch ich sehr skeptisch gegenüber, 
weit eher glaube ich, dafs gelegentlich Brüten auf Dahlak und 
an der Küste vorkommen mögen. Jedenfalls konstatierte ich 
dort im Geb. I, dafs die cf eifrig lockten, die Genitalien waren 
auch bereits angeschwollen, doch trug noch kein 9i das ich 
erbeutete, ein legereifes Ei bei sich. Im Inneren habe ich den 
Schmätzer nicht mehr später als Mitte März gesehen, an der 
Küste hatte ich leider bei meiner Rükkehr keine Gelegenheit 
mehr zu Beobachtungen. 

340. Saxicola oenantJie oenantlie L. 

Rchw. V. A. III p. 723, v. Erl. J. 0. 05 p. 747, Hartert 
V. d. p. F. p. 681. 

cfcf No. 403, 430 Asmara 2. und 6. 3. 08. 

9 No. 1010 Asmara 15. 5. 08. Geb. III. 

Meine Stücke haben sehr lange Flügel: cfd* 107 — 109 mm, 
9 94 mm. Die Schnäbel dagegen sind kurz: 12 — 14 mm. Es 
kann sich somit nicht um S. o. rostrata Hempr. Ehrbg. aus Klein- 
Asien handeln. Eher deuten die grofsen Flügelmafse auf S. o. leu- 
corhoa Gm., doch bemerkt Hartert in V. d. p. F. p. 382 Anm. 
ausdrücklich, dafs diese Form aus Grönland nicht als Wintergast 
in NO.-Afrika, sondern nur in NW.- Afrika erscheine, was 
durchaus einleuchtend ist. Die Frage der Subspecies von 
S. oenanihe bedarf hiernach noch dringend der Klärung. Bei 
den Eritrea-Stücken ist das Rostgelb auf der Unterseite etwas 
dunkler als bei meinen Vögeln aus Tunesien. 

Soweit meine Beobachtungen reichen, ist dieser Steinschmätzer 
nicht Wintergast in Eritrea sondern nur Durchzügler. Trotz 
besonderer Aufmerksamkeit habe ich kein Exemplar vor dem 
2. März konstatieren können, dann waren sie einige Tage hindurch 
recht häufig. Bei der Rückwanderung erscheint also der Vogel hier 
ca 3 Wochen früher als am nördlichen Rande der Sahara. Dort 
im Chott-Gebiet beobachtete ich den ersten im Jahre 1904 am 
24. 3., i. J. 05 am 21. 3., i. J. 06 am 30. 3. (Vergleiche meine 
Arbeit über Tunesien J. 0. 09 p. 125). Das am 15. Mai erlegte 
9 beweist, dafs noch recht spät im Jahre Nachzügler durchkommen 
Ich sah diesen Schmätzer nur auf dem Plateau. 



Meine ornitbologische Ausbeute in Nordost- Afrika. 83 

341. Saxicola hispanica xanfhomelaena Hempr. Ehrbg. 

Rchw. V. A. III p. 725, Hartert V. d. p. F. p. 687. 

cfcf No. 279, 280 Cheren. 15. 2. 08. 

cf No. 477 Marebquellen 12. 3. 08. Geb. II— III. 

Wegen der Nomenklatur verweise ich auf Hartert V. d. p. 
F. p, 685—687. Auch ich bin jetzt zu der Ansicht bekehrt, 
dafs mau cfcf mit schwarzer und solche mit rahmfarbener Kehle 
nicht artlich trennen darf. No. 477 hat schwarze, No. 279, 280 
haben helle Kehle. Alle gehören der östlichen Form an, wie es 
ja ganz natürlich ist. 

Am 15. 2. 08 habe ich noch einige weitere cf gesehen, sie 
aber nicht erlegt, weil ich nach einem 9 Ausschau hielt, leider 
erfolglos. Dieser Schmätzer scheint in der ganzen Region nicht 
häufig vorzuommen, in Eritrea bevorzugt er ersichtlich die Gegend 
von Cheren, denn unter den sehr spärlichen Fundortsangaben 
aus NO.-Afrika findet sich aufser der meinigen noch eine von 
Antinori Cheren betreffend. 

342 Saxicola deserti atrogularis Blyth. 

Rchw. V. A. III p. 726, V. Erl. J. 0. 05 p. 747, Hartert 
V. d. p. F. p. 684. 

3 cf No. 79—81 bei Massaua 31. 1. 08. 

cf No. 1094 Dahlak 13. 2. 09. Geb. I. 

Von diesen Vögeln messen die Flügel meist 90—94 mm, nur 
einer weist nicht mehr als 89 mm auf. Die Oberseite zeigt 
einen graulichen Ton, bei meinen Tunesen ist sie etwas gelb- 
licher. Ich bezeichne die Stücke vorläufig als atrogularis, vielleicht 
aber handelt es sich nicht um asiatische Wintergäste sondern 
um eine noch unbenannte am Roten Meere heimische Form, 
denn die cf balzten im Februar eifrig, besonders auf Dahlak. 

343. Saxicola monacha (Rüpp.) Temm. 

Rchw. V. A. III p. 727, Hartert V. d. p. F. p. 701. 

cf No. 37 Suez 19. 1. 08. Paläarktisch. 

Mein Exemplar ist ein schön ausgefärbtes altes cf, dessen 
Identität nicht zweifelhaft sein kann, da der Schwanz mit Ausnahme 
der mittelsten Federn fast ganz weifs ist und die Mafse recht 
grofssind: Lg. 172, Fl. 113, Sehn. 16 mm. Ich sammelte diesen 
Scbmätzer unweit Suez an einem Sandhügel mitten in ganz kahler 
Wüste. 

344. Saxicola pleschanka plcschanka Lepech. 

Rchw. V. A. III p. 728, 0. Neum. J. 0. 06 p. 293, v. Erl. 
J. 0. 05 p. 748, Hartert V. d, p. F. p. 688. 
cfcf No. 224, 275 Cheren 13., 14. 2. 08. 

6* 



84 0. Graf Zedlitz: 

cf No. 404 Asmara 2. 3. 08. 

cT No. 492 Marebquellen 13. 3. 08. 

4 d* No. 1157, 1162, 1163, 1170 Asmara 27. 2. bis 1. 3. 09. 

cTd* No. 1180, 1181 Asmara 3. 3. 09. 

cf No. 1305 Mansura 26. 3. 09. Geb. II, III. 

Die Stücke tragen fast alle Winterkleid mit bräunlichem 
Rücken oder befinden sich im Übergange. No. 1170 ist schon 
weit vorgeschritten und No. 1181 trägt als einziger bereits Hoch- 
zeitskleid mit schwarzem Rücken, doch ist der Oberkopf noch 
nicht rein weifs. Letzteres Stück lockte von der Spitze einer 
Distelstaude herab, doch sah ich eben so wenig in seiner Nähe 
wie sonst irgendwo ein einziges 9» <ias deutet mir darauf hin, 
dafs es sich um Zugvögel, nicht um W'intergäste handelte. Neumann 
erlegte unter 7 Exemplaren nur ein 9) v. Erianger gegenüber 22 cf 
nur 5 9 (excl. der fraglichen Stücke). Es scheint, als wenn die 
cfcf gemeinsam reisten, dabei haben dann die Sammler Gelegen- 
heit, gröfsere Suiten zu erbeuten, in denen sich aber kein einziges 
9 befindet, wie es auch mir ergangen ist. 

Dieser Steinschmätzer ist Anfang März auf dem Plateau sehr 
häufig, doch sieht man ihn auch in sehr viel tieferen Lagen 
dort allerdings nur vereinzelt, wie meine Fundorte im Gebiet II 
beweisen. Die Barcaufer bei Mansura sind sonst gar keine 
Gegend für Steinschmätzer, und doch schofs ich auch dort ein cf 
No. 1305. Mitte Mai ist das Vögelcheu im allgemeinen verschwunden. 

345. Saxicola lugens halophila Tristr. 

Rchw. V. A. III p. 729. Hartert V. d. p. F. p. 695. 

cT No, 36 Dj. Athaba bei Suez 19. 1. 08. Paläarktisch. 

Die Mafse meines Stückes sind: Fl. 89, Sehn. 14 mm, 2 cfcT 
des B. M. aus Tunesien (Spatz leg.) messen Fl. 90, 91, Sehn. 15, 
14 mm. Ein d* von mir 1904 bei Gafsa gesammelt hat 91 mm 
Fllg. und reichlich 14 mm Sehnig. In der Färbung, besonders dem 
sehr blassen Isabellgelb der Unterschwanzdecken, stimmen alle diese 
Exemplare annähernd überein. Ich mufs meinen Vogel demnach 
für einen Vertreter der westlichen Form halophila ansehen, deren 
Verbreitung damit sehr weit nach Osten gerückt wird. Erklärlicher 
wird der Fall, wenn man bedenkt, dafs dieses Stück Mitte Januar 
gesammelt wurde und erfahrungsraäfsig die nordafrikanischen Stein- 
schmätzer im Winter weit herumbummeln. Auch Hartert erwähnt 
ein von Nicoll bei Aburoasch (Giza) in Egypten erlegtes 9 der west- 
lichen Form. Auf seine Frage an derselben Stelle: „Wie weit diese 
Form nach Osten geht, wissen wir nicht" gibt mein Exemplar 
immerhin eine vorläufige Antwort. 

346. Saxicola lugens lugens Licht. 
Rchw. V. A. III p. 729, Hartert V. d. p. F. p. 694. 
cf No. 119 El Tor am Sinai 21. 1. 08. Paläarktisch. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 85 

Dies Stück unterscheidet sich deutlich vom vorigen, die 
Mafse sind: Fl. 96, Sehn. 15 mm reichlich; die Unterschwanzdecken 
(ebenfalls im abgetragenen Kleide) sind dunkel isabellgelb, auch 
das Schwarz auf dem Rücken ausgedehnter,! der^: Vogel, also 
gröfser und dunkler. 

Ich glaube bestimmt, es hier mit des typischen Form „lugens" 
zu tun zu haben, also mit der östlichen. Lichtenstein gibt s. Z. 
als Fundort nur „Nubia" an, das kann nach den damals üblichen 
ungenauen Bezeichnungen sehr wohl die westliche iKüste des 
Roten Meeres bedeuten, dessen Ufer die Heimat dieses Schmätzers 
im wesentlichen bilden. 

347. Saxicola lugubris Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 729, v. Erl. J. 0. 05 p. 748. 

9 No. 526 Asmara 20. 3. 08. 

cfd* No. 1011, 1012 Asmara 17. 5. 08. Geb. III. 

No. 1012 hat einen grofsen weifsen Fleck auf der Bauch- 
mitte, No. 1011 an derselben Stelle auch nicht ein weifses Federchen. 

Dieser durch seine düstere Farbe auffallende Schmätzer 
scheint in Eritrea nicht häufig zu sein. Er bewohnt das Plateau, 
doch glaube ich, dafs er den Winter im Süden verbringt und 
erst in der zweiten Hälfte März im Brutreviere erscheint, sonst 
hätte ich doch wohl einmal vor dem 20. März ein Stück zu Gesicht 
bekommen müssen. 

348. Fratincola torquata rubicola L. 

Rchw. V. A. III p. 732, Hartert J. 0. 1910. I. p. 172, V. 
d. p. F. p. 706. 

1 cf 3 9 No. 8, 19, 20, 32 Suez 16.— 18. 1. 08. Paläarktisch. 

"Wegen der Nomenklatur, besonders warum „torquata'^ an 
Stelle von „ruhicola'' zu setzen ist, bitte ich bei Hartert unter 
„Altes und Neues über die Gattung FratincoW- nachzulesen. 

In der Oase Suez fand ich,.den schwarzkehligen Wiesen- 
schmätzer als ziemlich häufigen Wintergast. Die gefleckten 
Oberschwanzdecken beweisen, dafs es sich um keine andere Form 
als diese mitteleuropäische handelt. Die Vögelchen lebten recht 
versteckt im dichten Gebüsch. 

349. Pratincolaltorquata maura Fall, 

Rchw. V. A. III p. 734, v. Erl. J. 0. 05 p. 748, 0. Neum. 
J. 0. 03 p. 385, J. 0. 06 p. 295, Hartert J. 0. 1910 p. 171—173, 
V. d. p. F. p. 707. 

cf No. 103 Ghinda 31.11. 08. 

Cf9 No. 261, 262 (Pärchen), cT No. 292 Oberen 14. und 
17. 2. 08. 

Cf No. 1143 Ghedem 20. 2. 09. 



86 0. Graf Zedlitz; 

d< No. 1179 Asmara 3. 3. 08. 

9 „ 1191 Cheren 5. 3. 09. Geb. I, II, III. 

In den grofsen Streit um die Nomenklatur der asiatischen 
Arten brauche ich hier nicht einzugreifen, da Hartert in seiner 
zusammenfassenden Arbeit „Altes und neues über die Gattung 
TratincoW' die Frage an der Hand seines reichen Materials 
wohl definitiv klargestellt hat. Ich nehme aus diesem Grunde 
keinen Anstand, mich ihm vollkommen anzuschliefsen und meine 
schwarzkehligen Wiesenschmätzer mit ca. zur Hälfte weifsem 
Schwanz als P. t. maura zu bezeichnen. Wer sich über die 
Meinungsdifferenzen früherer Jahre informieren will, findet alle 
Angaben bei Hartert im allgemeinen Teil p. 171—172. 

Dieser Wiesenschmätzer, durch sein allgmein helleres Kleid 
und den Steinschmätzer-Schwanz leicht kenntlich, ist in Eritrea 
weit verbreitet von der Küste bis zum westlichen Abfall des 
Gebirges. Wiederholt sah und sammelte ich Pärchen, welche 
fest zusammen hielten, so am 14. 2. 08 bei Cheren und am 20. 2. 
09 bei Ghedem, von letzterem Pärchen verdarb mir leider das 
9- Es handelt sich wohl trotzdem um Wintergäste. Die 
Form mit der ausgedehnt schwarzen Kehle P. t. albofasciata 
Rüpp. habe ich nie zu Gesicht bekommen, ihre Heimat liegt 
weiter südlich. 

D. Erithacinae. 

350. Cossypha semirufa semirufa Rüpp. 

Rchw. V. A. III p. 760, v. Erl. J. 0. 05 p. 753, 0. Neum. 
J. 0. 06 p. 283. 

d'd' No. 1013, 1014 nordöstlich Asmara 25., 26. 5. 08. 

9 No. 1015 Adua 6. 6. 08 (Müller leg.). Geb. III. 

Meine Stücke haben Oberkopfplatte und mittelste Schwanz- 
federn mattschwarz nicht glänzend, sind also typische semirufa 
wie nach ihrem Fundort auch zu erwarten ist. 0. Neumann 
trennte C. s. saturaiior für Südwest-Abessinien, das Seen- sowie 
das Omogebiet, ab. In den Galla-Ländern des Erlanger'schen 
Geb. V haben wir C. s. donaldsoni Sharpe. 

Diesen Vogel fanden wir nur in beträchtlichen Höhen, 
etwas Wald scheint ihm angenehm zu sein. Übereinstimmend 
bezeichnet ihn auch Neumann als einen reinen Gebirgsvogel im 
Gegensatz zu anderen Verwandten wie heuglini^ omoensis, verticalis 

351. Cercotrichas podobe podobe St. Müller. 

Rchw. V. A. III p. 763, v. Erl. J. 0. 05 p. 753. 

2 cf No. 298, 299 Cheren 17. 2. 08. 

3 „ „ 329, 341, 342 Scetel 22., 23. 2. 08. 
1 „ „ 827 Agordat 29. 4. 08. Geb. II. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 87 

Bei Cheren nicht gerade häufig, dagegen im Tieflande des 
Gebietes II von Scetel an westwärts ganz gemein. Im Februar 
und März hörte ich bisweilen den Gesang, der entfernt an den 
unserer Drossel erinnert, aber nicht so laut ist. Der Vogel be- 
wegte sich gern au der Erde, wo er mit hochgestelltem Schwänze 
unter Gebüsch und überhängenden Ranken herumhüpft, ein leb- 
hafter, sehr zutraulicher und graziöser Bursche. Die Brutzeit 
in Dongola fällt nach Heuglin in den Juli bis August, dasselbe 
dürfte in meinem Gebiet II der Fall sein. Es war auffallend, 
wie sehr die cfcf hier an Zahl überwogen, wo es sich doch um 
einen Standvogel handelt. 

352. Phoenicurus phoenicurus phoenicurus L. 

Rchw. V. A. III p. 780, v. Erl. J. 0. 05 p. 756, Hartert 
V. d. p. F. p. 718. 

9 No. 339 Scetel 23. 2. 08. Geb. IL 

Aulser dem einen Stück wurden keine weiteren beobachtet, 
dieser europäische Gast scheint in NO.-Afrika nicht gerade 
häufig zu sein. 

353. JPhoenicurus phoenicurus mesoleuca Hempr. Ehrbg. 

Rchw. V. A. III p. 781, 0. Neum. J. 0. 06 p. 294, Hartert 
V. d. p. F. p. 720. 

cf No. 294 Cheren 17. 2. 08. Geb. II. 

0. Neumann hat J. 0. 02 p. 133 auseinandergesetzt, warum 
er bonapartii und mesoleuca Hempr. und Ehrbg. getrennt halten 
möchte. Auch Reichenow führt sie besonders auf. Ich kann 
hier nur auf die betreffenden Begründungen verweisen, da immer 
noch ausgiebiges Material aus Arabien fehlt. Mein cf hat 
schmale Stirnbinde und hellgrauen rostgelblich verwaschenen 
Rücken, dürfte also dem Schoanischen Stücke Neumanns ziemlich 
gleichen. Es ist dafs einzige Exemplar der Art, welches mir 
zu Gesicht kam. 

354. Luscinia suecica suecica L. 

Rchw. V. A. III p. 785, 0. Neum. J. 0. 06 p. 295. Hartert 
V. d. p. F. p. 745. 

cfcf 9 No. 9, 17, 18 Suez 16. und 17. 1. 08. Paläarktisch. 

Da meine Exemplare das Winterkleid tragen, ist der rote 
Stern auf der Kehle nur angedeutet. 

Bei Suez im niederen Buschwerk und Schilf nahe den La- 
gunen längs des Kanales war das nordische Blaukehlchen als 
Wintergast ziemlich häufig vertreten. 0. Neumann konnte noch 
ein cf bei Gofa sammeln, das ist wohl der südlichste bisher fest- 
gestellte Fundort. 



88 0. Graf Zedlitz: 

SoMufswort. 

Diese Arbeit ist mir unter den Händen zu recht respektabler 
Gröfse angewachsen. Während ich bei der Niederschrift die 
schöne vergangene Zeit wieder durchlebte, kam mir erst recht 
zum Bewufstsein, wie vielfachen Dank ich allen den Herren 
schulde, deren Unterstützung mir eine so reiche Ausbeute er- 
möglichte, das Leben im schwarzen Erdteil so angenehm als nur 
denkbar gestaltete und nachher meine wissenschaftliche Arbeit 
in jeder Weise förderte. Um mit dem Auslande zu beginnen, 
möchte ich an erster Stelle dem Herrn Gouverneur von Eritrea 
Se. Exzellenz Marchese di Salvago-Raggi meinen gehorsamsten 
Dank abstatten. Der bestempfohlene italienische Sammler hätte 
nicht mit gröfserer Kourtoisie und weitgehenderem Entgegen- 
kommen empfangen und behandelt werden können als ich. Diesem 
Beispiel folgten fast einmütig die Herren von der Verwaltung, 
unter denen ich mir nicht versagen kann des Cav. Dante Oddorizzi, 
Kommissars von Massaua, in besonderer Dankbarkeit zu gedenken. 
Von den Offizieren der Kolonial -Armee wurde ich stets als 
Kamerad mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit aufgenommen, be- 
sondere Verdienste um die Rettung meiner halb verhungerten 
Expedition erwarb sich Tenente Fontane von der Comp, confinaria 
mit seinem Grenzschutz - Detachement. Ich beschränke mich 
darauf, dann nur noch in besonderer Freundschaft des italie- 
nischen Bevollmächtigten für Handelsfragen in Nord-Abessinien 
zu gedenken, des Cav. L. Talamonti, der mir im Reiche des 
Negus Negesti alle Wege geebnet hat, soweit dies noch nötig 
war nach den von unserem Auswärtigen Amt direkt nach Adis 
Abeba gesandten Empfehlungen. Verdanke ich diesen liebens- 
würdigen Herren in Afrika, deren Aufzählung zu weit führen 
würde, das äufsere Gelingen meiner Expedition, so kann ich das 
wissenschaftliche Resultat derselben nicht veröffentlichen, ohne 
der vielfachen Unterstützung bei meiner nachträglichen Bearbei- 
tung durch einheimische Männer der Wissenschaft zu gedenken. 
Die Besitzer und Leiter der prächtigen Sammlungen in Tring, 
Baron W. v. Rotschild und Dr. E. Hartert, sowie der Kollektion 
V. Erlanger in Ingelheim, Freifrau v. Erlanger und Konservator 
C. Hilgert, auch Herr Dr. Roediger, der neue Leiter des Sencken- 
bergischen Museums in Frankfurt a. Main, sie alle haben meinen 
unzähligen Bitten um Übersendung von Typen und Vergleichs- 
Material in grofsen Serien stets in weitgehendster Weise ent- 
sprochen, sodafs mir im ganzen hier in Berlin ein wunderbar 
reichhaltiges Material zur Verfügung gestanden hat. Die Herren 
vom Berliner Museum ihrerseits sind mir schon bei den Vor- 
bereitungen stets mit Rat und Tat bereitwilligst zur Hand ge- 
gangen, und später während meiner Bearbeitung der Resultate 
sind sie nie müde geworden, mir durch Hinweise auf die Lite- 
ratur und eingehende Aussprache die Aufgabe zu erleichtern. 



Meine ornithologische Ausbeute in Nord est- Afrika. 



89 



Wenn es mir als berufsmäfsigem Landwirt und krassem Outsider 
in ornithologischer Beziehung überhaupt gelungen ist, diese um- 
fangreiche wissenschaftliche Arbeit selbständig in einer, wie ich 
hoffe, achtbaren Weise zu bewältigen, so verdanke ich dies vor 
allen meinen beiden ebenso vielseitigen wie liebenswürdigen 
Lehrmeistern Herren Prof. A. Reichenow und Prof, 0. Neumann. 
Um die vorzügliche Wiedergabe interessanter Vogeltypen auf den 
beigefügten Tafeln sowie Kartenskizze hat sich Herr G. Krause 
vom Berliner Museum besonders verdient gemacht. Ihnen allen, 
den freundlichen Helfern und Beratern meinen aufrichtigen herz- 
lichen Dank, das sei mein letztes Wort! 




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0. Graf Zedlitz: 



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Meine ornitbologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 91 



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92 0. Graf Zedlitz: Meine ornithologische Ausbeute in Nordost-Afrika. 







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93 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 

Von Erhard Eylmann, Dr. phil. et med. 

Die Kolonie Südaustralien ist überaus reich an mannig- 
faltigen Vogelformen. Der Hauptsache nach beruht dies wohl 
darauf, dafs die Lebensbedingungen, welche sie der Tier- und 
der Pflanzenwelt bietet, recht ungleichmäfsig sind. 

Da bedeutungsvolle Beziehungen zwischen den Tieren und 
ihrem Wohnort bestehen, so halte ich es für angezeigt, ein paar 
Worte über das Klima, die Geländeformen und die Vegetation 
der Kolonie vorauszuschicken. Das was über das Südküsten- 
gebiet gesagt wird, bezieht sich aber nur auf den Landstrich, 
der sich von Spencers Golf bis nach Victoria erstreckt. Das 
zwischen diesem Golfe und Westaustralien gelegene Küstenland 
habe ich nicht aus eigener Anschauung kennen gelernt. 

Unsere Kolonie hat wegen ihrer Lage ein sehr verschieden- 
artiges Klima. Wie bekannt, erstreckt sie sich vom 11. bis 
zum 38. Breitengrade von Norden nach Süden und wird im 
Osten und Westen von Landmassen begrenzt, die stellenweise 
eine Breite von mehr als 1400 km haben. Ihre nördliche Hälfte 
liegt also in der heifsen und ihre südliche in der gemäfsigten 
Zone; und während der Nord- und der Südrand vom Ozeane 
bespült werden, bildet das Innere ungefähr den Mittelpunkt des 
ganzen Kontinentes. 

Auf dem grofsen nördlichen halbinselförmigen Landvor- 
sprunge, zerfällt das Jahr in eine trockene und eine nasse 
Hälfte. Während der Monate Mai, Juni, Juli und August ist 
das Wetter in der Regel heiter, und es weht ein frischer Ost- 
Süd-Ostwind. Das Thermometer steigt im Schatten selten auf 
30<> C. In der Nacht ist es kühl und die Taubildung so reich- 
lich, dafs die Pflanzen am Morgen vor Nässe triefen. Im Sep- 
tember, zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche, machen sich die 
ersten Anzeichen der nahenden nassen Jahreszeit bemerkbar. 
Die eigentliche Regenzeit nimmt Ende Oktober ihren Anfang. 
Der Nordwestmonsun ist allmählich zum vorherrschenden Wind 
geworden, und fast täglich kommen sehr heftige, von Sturm und 
Platzregen begleitete Gewitter zum Ausbruch. Die Hitze ist 
während dieser Zeit nicht übermäfsig stark — das Thermometer 
erreicht im Schatten selten 40° C. — wegen der grofsen Luft- 
feuchtigkeit wird sie aber vom Europäer schlecht ertragen. 
Die mittlere jährliche Regenhöhe beträgt etwa 160 cm. Gegen 
Ende der Regenzeit, im Februar und März, sind viele der Flüsse 
über ihre Ufer getreten und alle niedrig gelegenen Geländeteile 
in einen Sumpf verwandelt. 



94 Erbard EylmaDD: 

Im Südküstengebiet kann man das Jahr nicht in eine 
trockene und eine nasse Hälfte einteilen. Die Regenmenge des 
Winters ist jedoch etwa doppelt so grofs als die des Sommers, 
und zwar pflegen Mai, Juni, Juli und August am regenreichsten 
und Januar, Februar, März und Dezember am regenärmsten zu 
sein. Die mittlere jährliche Regenmenge beträgt gegen 60 cm. 
In klaren Winternächten sinkt die Temperatur manchmal ein 
wenig unter den Gefrierpunkt, so dafs es zur Bildung von Eis 
kommt. Schnee ist eine recht seltene Erscheinung im Lande. 
Die mittlere Jahrestemperatur beläuft sich auf etwa 17® C. Im 
Sommer erreicht das Thermometer im Schatten zuweilen eine 
Höhe von 40 — 45® C; meistens weht dann der gefürchtete Nord- 
wind. Im allgemeinen hat das Wetter einen unbeständigen Charakter, 
und bedeutende Temperaturunterschiede treten oft ganz unver- 
mittelt auf. 

Im Binneulande herrscht jahraus, jahrein der Südostpassat 
vor. Da dieser ein ganz trockener Wind ist, so treten anhaltende 
Dürren ungemein häufig auf. In der nördlichen Hälfte des Binnen- 
landes kann man den Sommer wohl als die regenreichste Zeit 
bezeichnen. Zwischen dem 25. Breitengrade und Flinder's Range 
dagegen unterscheiden sich in dieser Hinsicht der Sommer und 
der Winter, die beiden einzigen Jahreszeiten, nicht wesentlich 
voneinander. Das regenärmste Gebiet ist in der Gegend des 
Lake Eyre gelegen. Hier beträgt die mittlere jährliche Regen- 
menge gegen 15 cm, also nicht einmal den dritten Teil derjenigen 
Niederdeutschlands. Die Temperatur erreicht häufig eine recht 
bedeutende Höhe; die Nächte sind aber bei unbewölktem Himmel 
infolge starker Wärmeausstrahlung stets kühl. Die höchste Tem- 
peratur, die ich im Schatten gemessen habe — es war ein wenig 
südlich vom Wendekreise — betrug 54® C. In klaren Winter- 
nächten sinkt das Thermometer im Innern durchaus nicht selten 
unter den Gefrierpunkt, aber nie tiefer als 2 bis 272®- Am 
häufigsten treten die Nachtfröste im Gebiete der Höhenzüge auf, 
die zwischen dem 22. und 25. Breitengrade gelegen sind. 

Die grofse nördliche Halbinsel besitzt eine reiche Küsten- 
gliederung. Ihre Oberfläche weist eine mannigfaltige Gestaltung auf. 
In der Nähe des Meeres herrschen weite Ebenen und in den 
mittleren und südlichen Gebietsteilen felsige Bodenerhebungen 
von geringer Höhe vor. Die Zahl der Wasserläufe ist recht 
grofs. Da, wie schon gesagt, die Niederschläge hauptsächlich 
in den Wintermonaten erfolgen, so führen viele der Flüfschen 
zu den übrigen Jahreszeiten kein fliefsendes Wasser; gewöhnlich 
enthalten sie dann aber eine gröfsere oder geringere Zahl von 
Lachen (water-holes). An Quellen, Sümpfen und teichartigen Ge- 
wässern (lagoon, billabong) ist ebenfalls kein Mangel. 

Das südöstliche Dritteil des Südküstengebietes weist erheb- 
liche Verschiedenheiten in der Gestaltung auf. Das zwischen 
Spencer's Golf und dem Unterlaufe des River Murray gelegene 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 95 

Küstenland nehmen zumeist hohe Hügelketten (Mount Lofty 
Range) ein. Auf ihnen entspringt eine kleine Anzahl von Flüssen; 
diese führen aber viele Monate im Jahre nur sehr wenig Wasser. 
Die Südostecke Südaustraliens (South-east), das von dem River 
Murray, der Kolonie Victoria und dem Meere umschlossene Ge- 
biet, bildet eine wellige, allmählich nach Norden zu ansteigende 
Ebene. Ihre Küste ist flach und ungegliedert und besteht zum 
Teil aus einem höchst unwirtlichen Küstenwall (Nehrung). Wasser- 
läufe gehen ihr so gut wie vollständig ab. Hart an der Küste 
entlang zieht sich eine Kette von Seen und Sümpfen hin, die der 
überwiegenden Mehrzahl nach salzig oder brackig sind. In 
regenreichen Wintern ist dieser Strich Landes gröfstenteils über- 
schwemmt, da Dünen das Rieselwasser am Abfliefsen nach dem 
Meere hindern. Der übrige Teil des Gebietes ist ungemein 
wasserarm; in ihm könnte ein Wanderer während regenloser 
Zeiten sehr leicht verdursten, wenn er kein Wasser mit sich 
führte. 

Die Mitte der Kolonie nehmen ausgedehnte felsige Höhen- 
züge (Mac Donneil Ranges, Strangways Range, Hart R., James 
R., Waterhouse R. u. s. w.) ein. Südöstlich von ihnen befindet 
sich eine weite Senke, deren tiefste Stelle der Lake Eyre bildet. 
Sie stellt eine leicht gewellte Ebene dar, auf der sich an zahl- 
reichen Punkten hohe und niedrige Felsenhügel von eigentümlicher 
Gestalt (Inselberge) oder Gruppen gleichgerichteter, regelmäfsig 
geformter Dünen erheben. Den westlichen Teil der südlichen 
Binnenlandshälfte habe ich nicht aus eigener Anschauung kennen 
gelernt. Im Norden und Westen sind ihm viele kleinere und 
gröfsere felsige Hügelketten aufgesetzt; im Südwesten ist er flach 
und kann als eine Fortsetzung der Great Victoria Desert West- 
australiens betrachtet werden. 

Die nördliche Binnenlandshälfte ist nur unvollständig er- 
forscht: weite Gebiete zwischen dem 18. und 22. Breitengrade, 
sowie dem Überlandwege und Westaustralien sind nie von eines 
Weifsen Fufs betreten worden. So viel ist aber bekannt, dafs 
sie zum allergröfsten Teil aus sehr ausgedehnten flachen san- 
digen Ebenen und nackten felsigen Hügelzügen zusammen- 
gesetzt ist. 

An Wasser ist das ganze Binnenland gewöhnlich äufserst 
arm. Auf meiner zweiten Überlandreise hörte ich auf der Tele- 
graphenstation an Barrow's Creek, wenige Monate zuvor habe es 
auf einem 80000 qkm grofsen Gebiete zwischen den Mac Donnell 
Ranges und Tennant's Creek aufser den Brunnen der Weifsen 
nur gegen ein halbes Dutzend Plätze gegeben, wo der Eingeborene 
seinen Durst hätte löschen können. Seen finden sich nur in ganz 
geringer Zahl vor, und die meisten von ihnen enthalten Wasser, 
das wegen seines hohen Salzgehaltes völlig ungeniefsbar ist. An 
Wasserläufen (Creeks) ist kein grofser Mangel, durchschnittlich 
fliefsen sie aber nur alle fünf Jahre, und zwar höchstens einige 



96 Erhard Eylmann: 

Wochen lang. Hört das Fliefsen auf, so bleiben viele Lachen 
(waterholes) im Bett zurück; die allermeisten von ihnen ver- 
schwinden aber innerhalb weniger Monate. Einige der tiefsten, 
die einen tonigen Grund haben und von hochragenden Gummi- 
bäumen beschattet sind, trocknen jedoch oft erst nach Jahr und 
Tag aus. Becken, die lange Zeit Wasser enthalten, finden sich 
aber nicht nur in einem sandigen Bett vor. Dort, wo das Creek- 
wasser seinen Lauf über nackte Felsen nimmt, also namentlich 
im Gebiete der Höhen, hat es am Fufse mancher Stufen, von 
denen es herabstürzt, mit Hülfe von Schotter tiefe kesseiförmige 
Löcher (Riesentöpfe), von den Buschleuten rockholes genannt, 
ausgewirbelt. Das in diesen zurückgebliebene Wasser zeichriet 
sich meist durch grofse Reinheit aus. An Stellen, wo das Creek- 
wasser kein Gefäll bildet, finden sich hier und dort ebenfalls 
felsige Becken vor; sie haben aber eine unregelmäfsige Form. 
Nach dem Versiegen der Creeks an der Oberfläche sickert noch 
wochenlang Wasser durch den Sand des Bettes und selbst nach 
vielen Monaten kann mau Wasser durch Graben an den Stellen 
erhalten, wo der Untergrund undurchlässig ist und eine Art 
Mulde bildet. Solche Stellen sind dem Eingeborenen von alters 
her bekannt, und an ihnen pflegt er, sobald das Überflächen- 
wasser auf seinen Jagdgründen rar geworden ist, ein bis andert- 
halb Meter tiefe trichterförmige Brunnen, von den Buschleuten 
soakages genannt, anzulegen. Ich führe dies deshalb an, weil 
dadurch die Zahl der Trinkplätze für die höhereu Tiere nicht 
unbedeutend vermehrt wird. Unter diesen Tieren gibt es übrigens 
mehrere, wie den Dingo, die Kängeruhs und den Emu, die sich 
ebenfalls durch Graben von Löchern in den Creeksand Wasser 
zum Trinken zu verschaffen wissen. Aufser den water- und rock- 
holes kommt noch eine andere Form eines kleinen süfsen Stand- 
gewässers vor, die recht charakteristisch für das Binnenland ist. 
Von den Weifsen hat sie den Namen Tonpfanne, claypan, erhalten. 
Sie entsteht durch Ansammlung von Rieselwasser auf Lehmboden 
und ist in der Regel kreisrund. Das Wasser ist ausnahmslos 
durch suspendierte bräunliche oder rötliche Schlammteilchen in 
hohem Grade getrübt. Für die menschlichen und die tierischen 
Bewohner haben diese claypans keinen hohen Wert, da sie über- 
raschend schnell austrocknen. 

Ich will jetzt in flüchtigen Zügen die Pflanzenwelt der 
Kolonie zu schildern versuchen. Den Anfang mache ich mit der 
grofsen nördlichen Halbinsel. 

Diese umfangreiche Halbinsel ist gröfstenteils mit einem 
offenen immergrünen Walde bedeckt, der im wesenlichen 
aus einer kleinen Zahl von Eucalyptusarten besteht. Echter 
Scrub findet sich selten vor. Die zweite Hauptpflanzenformation 
bilden savannenartige Grasfluren, die mehr oder weniger spärlich 
mit Holzgewächsen bestanden sind. Für die Ebenen an der 
Küste sind sie recht charakteristisch. Der Pflanzenbestand der 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 97 

Flufsniederungen ist ganz anders, als der des höher gelegenen 
Geländes. Bäume und Sträucher mancherlei Art haben sich mit 
Schlinggewächsen und meterhohem Rohr an vielen Stellen zu 
einem schmalen geschlossenen, fast undurchdringlichen üfersaume 
vereinigt, den die weifse Bevölkerung mit Recht als jungle 
bezeichnet. 

Die South -east genannte Südostecke der Kolonie ist zum 
gröfsten Teil mit Scrub bedeckt, in dem strauchige Akazien und 
Eucalypten vorherrschen. In regenreichen Gebietsteilen mit gutem 
Boden, z. B. in der Gegend der beiden erloschenen Vulkane 
Mt. Gambier und Mt. Schank, befinden sich auch prächtige 
Gummiwälder. Die Zeit ist aber wohl nicht mehr fern, wo der 
weifse Ansiedler sie fast vollständig ausgerottet haben wird. Der 
niedrig gelegene Küstenstrich, der im Winter streckenweise durch 
das starke Regenniederschläge unter Wasser gesetzt ist, hat das 
düstere Aussehen unserer Moore. An sumpfigen Stellen trägt er 
eine dichte Decke aus Gestrüpp, Schilf, hohen Gräsern und 
Salzpflanzen. Eine ähnliche Vegetation weisen dielnudationsflächen 
des Murray, sowie grofse Strecken am Lake Alexandrina und L. 
Albert auf. 

Das zwischen dem Spencer Golf und dem Unterlaufe des 
River Murray gelegene Gebiet ist bis zu Flinder's- Range der 
Hauptsache nach in Kultur genommen. Auf den höchsten Höhen 
der Mt. Lofty Range finden sich aber noch ausgedehnte Wald- 
teile in ihrer ganzen Ursprünglichkeit vor. 

In der südlichen Binnenlandshälfte ist die Steppe die vor- 
herrschende Vegetationsformation. An manchen Orten geht sie 
in eine Wüstensteppe oder in Scrub über. Die Gewächse 
haben keinen Anschlufs und lassen durchschnittlich mehr als die 
Hälfte des Bodens völlig unbedeckt. Zur Zeit der Trockenheit 
gewährt das dürftige Pflanzenkleid einen ungemein trostlosen 
Anblick. Alle Kräuter und weichen Gräser sind abgestorben, 
und die Holzgewächse mit dem stumpfen Graugrün ihrer Blätter 
sehen der Mehrzahl nach nicht danach aus, dafs ein befruchtender 
Regen sie zu neuem frischen Leben erwecken könnte. 

Günstigere Lebensbedingungen für die Pflanzenwelt bieten 
die Wasserläufe. Das gut abgegrenzte Bett aller gröfseren Creeks, 
sowie seine Ufer sind mit schönen hohen, hellstämmigen redgums 
(Eucalyptus rostrata) bestanden. Auf den Weitungen dieser 
Creeks, sowie in und an kleineren Creeks tritt an Stelle dieses 
gröfsten Baumes des Landes das boxwood (Eucalyptus microtheca), 
ein mittelhoher Gummibaum mit duukelgrauem Stamm. Dieser 
Baumbestand, der sich wie ein dunkelgrünes, vielfach geschlängeltes 
Band durch die öde Landschaft zieht, zeigt dem Reisenden das 
Vorhandensein eines Creeks oft schon aus weiter Ferne an. ' 

In der nördlichen Hälfte des Binnenlandes ist die Pflanzen- 
formation von etwas anderer Beschaffenheit, als in der südlichen. 
Betrachten wir von irgend einer isolierten Bodenerhebung aus 

Jootn. f. Om. LIX. Jahrg. Jannar 1911. 7 



98 Erhard Eylmann: 

das umliegende Gebiet, so trifft der Blick fast überall auf Laub- 
werk, das wie ein graugrüner Teppich über die Landschaft ge- 
breitet ist. Ein geschlossener Busch- und Baumbestand findet 
sich in Wirklichkeit aber durchaus nicht überall vor. Auf weiten 
Gebieten fehlen Bäume fast vollständig, und Sträucher, Kräuter 
und Gräser lassen mehr als die Hälfte des Bodens völlig unbe- 
deckt. Es handelt sich hier um einen Scrub, der vielerorten in 
eine Strauchsteppe übergeht. 

Einen unverkennbaren Wechsel im Vegetationsbilde bringen 
die Creeks hervor. Wie in der südlichen Binnenlandshälfte, so 
sind auch hier das Bett und die Ufer vieler dieser selten fliefsenden 
Wasserläufe mit weithin sichtbaren prächtigen Gummibäumen 
(E. rostrata) bestanden. 

Die meisten Felsenhöhen scheinen, aus der Ferne gesehen, 
fast vegetationslos zu sein. Wo sich auf ihnen ein wenig Erdreich 
angesammelt hat, finden sich jedoch genügsame Gräser (Triodia sp.) 
in gröfserer Menge vor, auch pflegen Bäumchen und Sträucher 
auf ihren Hängen und in ihren Tälern nicht ganz zu fehlen. 

Erwähnt sei, dafs sich der Übergang von der Flora des 
Binnenlandes zu der der grofsen nördlichen Halbinsel zwischen 
dem 15. und 18. Breitengrade vollzieht. 

Die Zeit des Wachstumes der Pflanzen ist im ganzen 
Binnenland von viel kürzerer Dauer als die der Ruhe. Da sie 
völlig von den Regenniederschlägen abhängt, so stellt sie sich, 
wie schon aus dem hervorgeht, was ich über das Klima gesagt 
habe, mehr oder weniger unregelmäfsig ein. Zwischen dem 18. 
und 30. Breitengrade kommt es durchaus nicht selten vor, dafs 
die ausdauernden Gewächse einer Gegend jahrelang nicht ein 
einziges Mal vollständig aus ihrem Schlafe erweckt werden. In 
einem solchen Falle geht natürlich eine Unzahl von ihnen zu Grunde. 

Haben regenschwangere Wolken dem ausgedörrten Lande 
das belebende Nafs in reichlicher Menge gebracht, so feiert die 
ganze Natur ihre Auferstehung. Überall regt sich das erwachende 
Leben. In überraschend kurzer Zeit bedeckt sich der Boden 
mit einem grünen Teppich. Ehe ein paar Wochen ins Land 
gegangen sind, haben sich alle Blüten entfaltet. Das Landschafts- 
bild ist jetzt völlig verändert: nichts erinnert mehr an die Öde 
und Verlassenheit der Wüste. Die Zeit des Keimeus, Grünens, 
Blühens und Reifens ist aber leider nur kurz. Nach wenigen 
Monaten sind alle kurzlebigen Gräser und Kräuter verwelkt und 
ausgedörrt und versinken die ausdauernden Gewächse wieder in 
einen langen Schlaf. 

In aller Kürze seien auch einige Angaben über das Vor- 
kommen von Tierformen gemacht, auf die ein Teil der Vogelwelt 
in der Ernährung angewiesen ist. 

Im Binnenlande, dem Hauptteil der Kolonie, ist das Tier- 
leben beinahe ebenso abhängig von den Niederschlagsverhält- 
nissen, wie die Vegetation. Was zunächst die Trockenzeit betrifft, 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 99 

so übt sie auf die Welt der Tiere einen ähnlichen Einflufs aus, 
wie der Winter höherer Breiten. Während ihrer Herrschaft ist 
die Armut an Tieren fast überall im Lande auffallend grofs. 

Kängeruhs zeigen sich selten. Kleinere warmblütige Vier- 
füfsler, namentlich ratten- und mäuseartige, sind in geringer 
Anzahl vorhanden; der Reisende bekommt sie aber nur ausnahms- 
weise zu Gesicht, da sie sich am Tage in ihren Schlupfwinkeln 
verborgen zu halten pflegen. 

An Reptilien, Eidechsen und Schlangen ist stellenweise kein 
Mangel. Nebst den Vögeln bilden sie die Klassen der höheren 
Tiere, welche die zahlreichsten Vertreter aufweisen. Die gröfsten 
Eidechsen sind Varanidae. Von den Buschleuten und den zivili- 
sierten Eingeborenen werden sie Gooanas genannt. Varanus 
giganteus, der Riese unter ihnen, erreicht eine Länge von mehr 
als 1,5 m. Die Schlangen selbst sieht man höchst selten, da sie 
ihre unterirdischen Zufluchtsorte nur in der Nacht zu verlassen 
pflegen. Ihr Vorhandensein kann man aber leicht an den Spuren 
erkennen, die sie auf den nackten Bodenteilen hinterlassen. Die 
Gattung Python ist weit verbreitet. Zu ihr gehören die gröfsten 
Arten. 

Die Amphibien sind durch Frösche vertreten. Zur Trocken- 
zeit liegen diese aber in einem totähnlichen Schlafe tief unter 
der Bodenoberfläche. 

Fische finden sich auffallender Weise in recht vielen Süfs- 
wasseransammlungen vor. Die waterholes genannten Lachen der 
Creekbetten beherbergen nicht selten kaulbarschgrofse Stachel- 
flosser (Therapon percoides und Th. truttaceus) in recht grofser 
Anzahl. Die höher gelegenen rockholes mit felsigem Grunde, 
sowie die claypans dagegen sind nie von Fischen bewohnt. 

Die Welt der Insekten bietet nur eine ganz geringe Ab- 
wechselung. Einige ihrer Formen treten aber überall in geradezu 
staunenerregender Menge auf, wie Fliegen und Ameisen. Die 
Fliegen spielen natürlich nur für kleine insektenfressende Vögel 
eine Rolle, die sich durch eine bedeutende Flugfertigkeit aus- 
zeichnen. Die Ameisen nebst ihren Puppen hingegen bleiben so 
gut wie vollständig von allen Vogelarten verschont. Heuschrecken 
kommen stellenweise ziemlich häufig vor. Obwohl sie an Indivi- 
duenzahl beträchtlich hinter den beiden eben genannten Familien 
zurückstehen, so haben sie zu der Zeit, wenn die Trockenheit 
nicht allzu grofs ist, doch unter allen Insekten für die Vogel- 
welt den gröfsten Wert. Ich schliefse dies aus der Beschaffen- 
heit des Mageninhaltes vieler von mir geöffneter Vögel. Be- 
merkenswert ist, dafs diese Geradflügler in der Färbung fast 
durchgehends ganz vortrefflich an ihre gewöhnliche Umgebung 
angepafst sind. Käfer finden sich in geringer Anzahl vor; sie 
führen aber ein sehr verstecktes Leben. Tagschmetterlinge, die 
durch ihre Gröfse die Aufmerksamkeit auf sich lenken, fehlen 
vollständig. 

7* 



100 Erhard Eylmann: 

Die Klasse der Spinnentiere ist durch einige wenige in 
recht beschränkter Individuenzahl vorkommende Formen ver- 
treten. 

Dafs Land- und Süfswassermollusken zu der Fauna des 
Landes gehören, verraten einem leere gebleichte Schnecken- 
gehäuse, die man zuweilen auffindet. 

Was die Klasse der Crustaceen betrifft, so sei erwähnt, 
dafs eine gegen 5 cm lange Krabbe (Telephusa transversa) zu 
der Bewohnerschaft der meisten Wasserlöcher mit schlammigem 
Grunde gehört. Wie ihrer Weichteile beraubte Exemplare er- 
kennen lassen, die man oftmals an dem Rande der Becken 
findet, dient sie Vögeln (Weifsäugige Krähe und andere) zur 
Nahrung. 

Unendlich viel reicher als während der Dürren ist das 
tierische Leben des Binnenlandes, wenn Floras Kinder ihr buntes 
Festtagskleid angetan haben. Vielgestaltig zeigt es sich zwar 
auch jetzt nicht; manche Arten, die vorher selten oder gar 
nicht bemerkt wurden, treten aber in überraschend grofser Zahl 
von Einzelwesen auf. Sind einige Wochen oder Monate dahin- 
gegangen, und beginnt in der Welt der Pflanzen das Welken 
und Sterben, so erleidet auch die Fauna einschneidende Ver- 
änderungen: viele Tiere wandern aus, viele versinken in einen 
totähnlichen Schlaf, und viele verderben und sterben. 

Das gesegnete Küstenland des Nordens besitzt ein viel 
reicher entwickeltes Tierleben, als das ungastliche Binnenland. 
Sein regenarmer Winter beeinflufst die Welt der Lebewesen 
verhältnismäfsig stark. Wenn er zu herrschen beginnt, tritt in 
der Zusammensetzung der sich betätigenden, volles Leben 
äufsernden Fauna eine augenfällige Änderung ein, indem viele 
Formen unsichtbar werden oder ganz verschwinden. Wie im 
Binnenlande während der Dürre, so gibt es auch hier im nörd- 
lichen Randgebiet zur Winterszeit manche Arten, die durch eine 
Unzahl von Einzelwesen in hohem Grade die Aufmerksamkeit 
auf sich lenken, und zwar in manchen Fällen auf eine sehr 
unangenehme Weise. Zu ihnen gehören namentlich Fliegen, 
Moskitos und Ameisen. Haben die ersten stärkeren Regengüsse 
die lechzende Erde erquickt, so regt sich überall das erwachende 
Leben. Frösche, Eidechsen u. s. w. verlassen ihren Schlafplatz 
und zahllose Gliedertiere beginnen, Luft, Land und Wasser in 
buntem Wechsel belebend, voll Freude die Tätigkeit, zu der All- 
mutter Natur sie ins Dasein gerufen hat. Gesagt sei noch, dafs 
die Alfuren-See, die den Nordrand des Landes bespült, von 
zahlreichen Fischen und Weichtieren bewohnt ist. 

Das wechselvolle Südküstengebiet ist weit besser als das 
Binnenland, aber nicht ganz so gut wie der nördliche Landesteil 
mit Tieren besetzt. Insekteuarten, die sich jahraus, jahrein durch 
ihre Allgegenwart bemerkbar machen, gibt es auch hier. Fische 
sollen zahlreich im Murray vorkommen. Die beiden gröfsten 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 101 

Seen des Gebietes, der Lake Alexandrina und der L. Albert 
beherbergen nur wenige Vertreter dieser Klasse, da ihr brackiges 
Wasser weder den See-, noch den Flufsfischen zusagt. Erwähnung 
verdient noch, dafs das Land arm, das Meer hiogegen überaus 
reich an Mollusken ist. 

Unter allen Tieren sind es einzig und allein die Vögel, 
welche wesentlich zu der Gestaltung von Landschaftsbildern bei- 
tragen. Obwohl gröfsere Ansammlungen von ihnen durchaus 
nicht zu den Seltenheiten gehören, so läfst die Vegetation sie 
doch nicht oft zur Geltung kommen. Die Hauptsammelplätze 
vieler ihrer Arten sind gröfsere und kleinere Gewässer, sowie hin 
und wieder auch Geländeteile, die sich durch grofsen Reichtum 
an Insekten oder samentragende Gewächse auszeichnen. 

In ihrer Zusammensetzung ist die Vogelwelt Südaustraliens 
noch nicht genau bekannt. Die parallelogrammförmige nördliche 
Halbinsel nimmt annähernd einen Fälchenraum von 227 500qkm 
ein und besitzt roher Schätzung nach gegen 300 Vogelarten. Das 
Binnenland ist ungefähr siebenmal so grofs und wird wohl gegen 
400 Vogelarten aufweisen. Manche von diesen gehören ihm aber 
nur zeitweilig an, wie später ausführlich erörtert werden soll. 
Der am Meere zwischen dem Spencer-Golf und der Kolonie 
Victoria gelegene Landstrich hat eine Vogelfauna, die, soweit ich 
es zu beurteilen vermag, ebenso artenreich ist, wie die der nörd- 
lichen Halbinsel. 

Was die Wohndichte der Vogelwelt betrifft, d. h. das Ver- 
hältnis der Individuenzahl zu dem Flächeninhalte des Wohnraumes, 
so ist sie dem Anschein nach in den Küstengebieten wesentlich 
gröfser; als bei uns an der Nord- und Ostseeküste, im Binnen- 
land hingegen während der Trockenzeit nicht einmal so grofs, wie 
zur Winterszeit in den küstenfernen Teilen unseres Vaterlandes. 

Wie sich schon aus dem ergibt, was ich eingangs über das 
Klima und die Beschaffenheit der Bodenobertiäche mitgeteilt habe, 
scheinen manche binnenländischen Gebietsteile, wie die wüsten- 
ähnlichen Flugsandebenen, völlig ungeeignet zu einer Ansiedlung 
hochstehender Geschöpfe zu sein. So weit meine Erfahrungen 
reichen, werden selbst die allerunwirtlichsten Örtlichkeiten 
nur zeitweilig so gut wie vollständig von jedweden Vertretern 
der beiden höchsten Tierklassen gemieden, und zwar dann, wenn 
viele, viele Monate kein Tropfen Regen gefallen ist. Verhältnis- 
mäfsig reich ist dagegen das Vogelleben jederzeit in der Nach- 
barschaft der Gewässer, und zwar nicht nur im Binnenlande, 
sondern auch in den am Meeresgestade gelegenen Landstrichen: 
wo Land und Wasser miteinander vereinigt sind, pflegen die 
Nahrungsmittel für die Tierwelt ja mannigfaltiger und reich- 
haltiger zu sein, als dort, wo diese Vereinigung nicht vorhanden 
ist. Besonders betonen möchte ich, dafs die Trinkplätze 
des Binnenlandes leicht zu einer weitgehenden Überschätzung 
der Dichtigkeit des Wohnens Veranlassung geben können. An 



102 Erhard Eylmann: 

ihnen, mögen sie liegen, wo sie wollen, pflegt nämlich tagsüber, 
namentlich in den Morgen- und den Abendstunden, ein leb- 
haftes Kommen und Gehen zahlreicher Vögel stattzufinden. 

Bekanntlich unterscheidet sich die Vogelwelt des austra- 
lischen Tiergebietes recht wesentlich von der anderer Länder. 
Mehrere Familen, die anderswo weit verbreitet sind, fehlen ihr 
vollständig, wie Geier, Spechte, echte Finken und Fasanen; da- 
gegen weist sie eine erkleckliche Anzahl von Formen auf, die 
nur ihr eigentümlich sind, wie die Laubenvögel, den Erdpapagei 
und die Leierschwänze. 

Was unsere Kolonie betrifft, so finden sich in ihr verhält- 
nismäfsig viele Vogelordnungen vor, die aufserordentlich gestalten- 
reich sind, z. B. die Papageien, die Tauben, die Entenvögel. 
Auffallend ist auch, dafs manche Familien zahlreiche Arten ent- 
halten, die sich in der Gestalt, der Gröfse, der Färbung und der 
Lebensweise nur sehr unwesentlich voneinander unterscheiden. 
Unter anderen gilt dies namentlich von den Honigsaugern (Melipha- 
gidae), den Schwalben Würgern (Artamidae). Erwähnt sei noch, 
dafs das Vorhandensein einer verhältnismäfsig recht bedeutenden 
Menge prächtig gefärbter Vögel bezeichnend für die südaustra- 
lische Vogelwelt ist. 

Mehrere Arten haben in der Kolonie eine sehr beschränkte 
Verbreitung. Es liegt dies wohl meistenteils an der Beschaffen- 
heit des Bodens und seiner Pflanzendecke oder an der grofsen 
Zahl ihrer tierischen Feinde. In einigen wenigen Fällen müssen 
wir aber auch den Eingeborenen zu den Verbreitungshindernissen 
rechnen, wenn ich mich so ausdrücken darf. 

Da die Kolonie Südaustralien, die sich sozusagen als ein 
breiter Streifen von der Nord- bis zur Südküste durch die Mitte 
des Kontinentes erstreckt, im Osten und Westen an weite Gebiets- 
teile anderer Kolonien stöfst, die der Welt der Organismen 
die gleichen Lebensbedingungen bieten, wie viele ihrer eigenen 
Gebietsteile, und da nirgends hohe Gebirge und weite Gewässer 
vorhanden sind, die einen Austausch der leicht beweglichen Tier- 
welt hindern könnten, so wird sie wohl nur wenige Vogelarten 
beherbergen, die ihr allein angehören. Manche auffällige Formen 
der australischen Vogelfauna fehlen unserer Kolonie jedoch, wie 
z. B. die prächtigen Leierschwänze. 

Wie ich von Herrn Museumsdirektor A. Zietz in Adelaide, 
dem besten Kenner der südaustralischen Fauna, hörte, unter- 
scheide sich die gleichartige befiederte Bewohnerschaft der drei 
Hauptteile der Kolonie, des Binnenlandes, des Nord- und Süd- 
küstengebietes, in manchen Fällen hinsichtlich der Gröfse recht 
wesentlich voneinander. 

Manche Arten kommen in überraschend grofser Individuen- 
zahl vor. Sie bewohnen entweder das trockengelegene Land 
und leben ganz von pflanzlichen Stofi'en (Papageien, Tauben und 
sperlingsartige Vögel), oder sie sind an die Gewässer gebunden 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 10 3 

und nehmen eine rein tierische oder eine gemischte Kost zu 
sich (Sumpf- und Schwimmvögel). In dem letzteren Falle sind 
es namentlich Entenvögel, die durch die Massenhaftigkeit ihres 
Vorkommens den Reisenden in Erstaunen setzen. Ein bekannter 
australischer Forscher berichtet, dafs er einst im Winter auf 
einer längeren Reise an dem Coorong und dem River Murray 
tagtäglich überall Entenscharen antraf, die so grofs waren, dafs 
sie das Wasser verbargen, wenn sie schwammen, und die Sonne, 
wenn sie aufflogen. *) Bei zeitweiligem massenhaften Auftreten 
einer Art entstammt natürlich oft ein grofser oder gar der 
gröfste Teil der Einzelwesen nicht der Kolonie, sondern anderen 
Landgebieten des Kontinentes. Erwähnt sei noch, dafs im Binnen- 
land die befiederten Bewohner des trocken gelegenen Landes, die 
nur von Tieren leben, hinsichlich der Individuenzahl in den 
meisten Fällen auffallend weit hinter den sämereienfressenden 
zurückstehen. Es beruht dies darauf, dafs das Land zur Trocken- 
zeit arm an gröfseren Insekten ist, die unschwer erbeutet werden 
können und eine gute Nahrung bilden, dafs es aber allzeit vieler- 
orten eine Fülle von Sämereien darbietet. 

Wie anderswo, so wählen natiirlich auch in Südaustralien 
viele Arten zu ihrem Aufenthalte Örtlichkeiten von bestimmter 
Beschaffenheit: die befiederte Bewohnerschaft ist auf der Ebene 
eine andere als im Höhengebiete, auf grasreicher aber husch- und 
baumarmer Steppe eine andere als im Scrub oder hochstämmigen 
Walde, auf Ödem Flugsandgelände eine andere als an und auf 
den Gewässern. 

Bei sehr lange andauernder Trockenheit ändert sich im 
Bicnenlande die Verteilung und Sonderung der Vögel nicht 
unbeträchtlich, indem viele Arten in die Ferne wandern, und 
viele sich in der Umgegend der wenigen übriggebliebenen Wasser- 
stellen ansiedeln, und zwar nicht selten an einem beliebigen Orte, 
wo sie sich schlecht und recht durchzuschlagen vermögen. An 
diesen Wasserstellen herrscht natürlich ein wechselvolles Leben 
und Treiben. Tagsüber findet ein ständiges Kommen und Gehen 
statt. Die Insektenfresser stellen sich einzeln, paar- oder familien- 
weise ein. Die meisten Körnerfresser hingegen pflegen die 
Tränke in gröfseren Flügen aufzusuchen, und zwar namentlich 
in den Morgen- und den Abendstunden. Die wenigen Sumpf- und 
Schwimmvögel, welche im Lande zurückgeblieben sind, haben 
sich nach den Seen und den gröfsten Wasserlöchern geflüchtet; 
an oder auf den kleinen oder den mittelgrofsen Wasseransamm- 
lungen finden sich nur einige wenige von ihnen zu einem kurzen 
Besuche ein. Auf die meisten Raubvögel üben die besuchtesten 
Trinkplätze zu der Zeit der Dürren eine besonders grofse 



1) Tenison "Wood, Essay on tbe Natural History of New South Wales. 
Sydney 1882. 



104 Erhard Eylmann: 

Anziehungskraft aus; können sie an ihnen doch auf Kosten vieler 
ihrer notleidenden Mitbewohner ein wahres Wohlleben führen. 

Im Nordküstengebiet finden sich ebenfalls zu der trockenen 
Zeit, im Winter, an und auf den Gewässern unzählige Vögel 
zu einem grofsartigen Stelldichein zusammen. Das Gros bilden 
hier aber nicht Bewohner des trocken gelegenen Landes, sondern 
Sumpf- nnd Schwimmvögel. Nur sehr wenige Arten siedeln 
sich fest an, die allermeisten, wie die in mehr oder minder 
grofsen Flügen auftretenden Enten, Gänse, Ibisse, Pelikane, 
führen ein wahres Nomadenleben. Damit der Leser eine Vor- 
stellung von dem Naturbilde gewinne, das die Gewässer des 
Nordens dann darbieten, wenn die Vogelwelt am meisten zu 
ihrer Belebung beiträgt, gebe ich hier aus einem meiner Tage- 
bücher eine Schilderung von Knuckey's Lagoon, dem kleinen 
stehenden Gewässer unweit des Port Darwin, und seines Vogel- 
lebens vor dem Beginn der Regenzeit wieder. 

„Knuckey's Lagoon, 24. Sept. — Es befinden sich in der 
Nähe meines Lagers, inmitten einer gegen 2 qkm grofsen Wald- 
blöfse, drei Billabongs genannte Wasserbecken. Das eine hat 
eine ganz unregelmäfsige Form und ist am Rande morastig und 
dicht mit Schilf bewachsen. Die beiden anderen sehen wie Dorf- 
teiche aus. Während der Regenzeit sollen die drei ein einziges 
Gewässer bilden. Zur Zeit beleben hundert und aber hundert 
Vögel den freien Platz und die ihn einschliefsenden Waldränder 
in ungemein fesselnder Weise. Fast alle geben sich ohne grofse 
Ängstlichkeit dem beobachtenden Blicke preis. Am lebhaftesten 
geht es an und auf den Becken zu, wo die im Lande heimischen 
Sumpf- und Schwimmvögel der Mehrzahl nach vertreten sind und, 
gröfstenteils nach Arten gesondert, emsig ihr Futter suchen. Eine 
feste Wohnstätte hat hier so gut wie keine Art: alle Einzelwesen 
haben sich nur zu einem stunden- oder höchstens tagewährenden 
Aufenthalte eingefunden. Das Kommen und Gehen wird immer 
in den Abendstunden am autfälligsten. Dies ist die Zeit, wo viele 
Vögel anlangen, um ihren Durst zu stillen, wie Papageien, Tauben, 
oder nächtlicher Weile der Nahrung nachzugehen, wie Entenvögel, 
Nachtschwalben, und viele fortziehen, um ihre im Walde gelegene 
Schlafstätte aufzusuchen. Verschieden wie die Vögel selbst, sind 
ihre Lebensweise und ihr Gebaren. Unablässig wechselt am 
Tage das Bild, welches sie darstellen, so dafs man nicht müde 
wird, ihnen zuzuschauen. Landseeschwalben fliegen ruhelos über 
dem Wasserspiegel, Reiher stehen auf Beute lauernd im Binsen- 
dickichte, Jabirus, Ibisse und Löffler waten geschäftig im Wasser 
und Schlamme, Pelikane fischen gemeinsam an seichten Stellen, 
Scharben rudern, von Zeit zu Zeit untertauchend,^^ langsam 
umher und sitzend verdauend und sich sonnend auf Ästen, die 
aus dem Wasser ragen, Enten und Gänse suchen am Rande der 
Schilfdickichte voll regen Eifers nach Nahrung und überlassen 
sich dicht gedrängt, auf dem flachen Ufer der Ruhe, Strandreiter 



Die Vogelweli der Kolonie Südaustralien. 105 

stelzen einzeln oder paarweise bald auf dem festen Lande, bald 
im Schlamme und Wasser bedächtig dahin, Regenpfeifer rennen 
auf den nackten Uferstellen hin und her, hier und dort einen 
Augenblick anhaltend, um ein Insekt aufzunehmen, Kiebitze lassen 
von einem nahen sumpfigen Platze aus ihren Warnungsruf er- 
schallen, und eine Drosselstelzenfamilie treibt auf dem Anger ihr 
Wesen. Weit weniger als diese an das Wasser gebundenen Vögel 
greifen die Vögel bestimmend in das Landschaftsbild ein, welche 
ihrer Nahrung auf Büschen und Bäumen oder auf dem trocken 
gelegenen Erdboden nachgehen und die Gewässer nur aufzusuchen 
pflegen, um ihren Durst zu stillen. Hoch oben im Äther ziehen 
ein paar Raubvögel ihre Kreise, zierliche Schwalben schiefsen 
blitzschnell bald in der Höhe des Waldes, bald dicht über dem 
Boden oder dem Wasserspiegel dahin, in einem blühenden Baume 
ist eine bunte Gesellschaft von Pinselzünglern, Sittichen u. s. w. 
mit dem Aufsuchen von Futter beschäftigt, auf meinem Lagerplatze 
balgen sich ein halbes Dutzend Milane um ein Stück verdorbenen 
Fleisches, und wenige Schritte von mir betreibt ein zutraulicher 
Fächerschwanz nach Art der Fliegenfänger die Insektenjagd." 

Ansammlungen von Vögeln werden auch durch Grasbrände 
veranlafst. Sie dauern aber nur kurze Zeit und sind durchschnitt- 
lich weit weniger bedeutend, als die an und auf den Gewässern. 
Das, was die Vögel zusammenführt, ist das plötzliche Auftun 
einer reichen Nahrungsquelle. Durch das gefräfsige Feuer werden 
nämlich viele Insekten, welche sich im Grase oder auf dem Boden 
aufhalten, emporgescheucht und viele kleinere Wirbeltiere, wie 
Beutler, Schlangen, Eidechsen, aus ihren unterirdischen Ver- 
stecken getrieben. Den Raubvögeln und den Insektenfressern 
kostet es daher wenig Mühe, reiche Ernte zu halten. Sobald 
irgendwo eine gröfsere Grasfläche in Brand geraten ist, und 
mächtige tiefschwarze Rauchwolken emporwirbeln, kommen diese 
Vögel aus allen Richtungen herbeigeflogen und beginnen sogleich 
die Jagd auf die Flüchtlinge, sowie das Auflesen der toten und 
sterbenden Opfer des Feuers, wobei sie dem Beobachter ein 
höchst eigenartiges Schauspiel gewähren, das trotz ihrer nicht 
sehr grofsen Zahl unterhaltender zu sein pflegt, als das wechsel- 
volle Getriebe im Bereiche der Gewässer. Kleine und grofse 
Räuber umkreisen unbesorgt die Flammen oder sitzen lauernd 
auf dürren Ästen. Haben sie ein Beutetier erspäht, so stürzen 
sie sich blitzschnell auf dasselbe, oft hart am Feuer vorbei und 
durch dichte Rauchwolken. Fliegenschnäpperartige Vögel, wie 
Fächerschwänze, betreiben die Insektenjagd eifrigst in vielfach 
wechselndem Fluge dicht vor den prasselnden Flammenlinien. 
Minder fluggewandte Vögel, wie die lebhafte, zierliche schwarz 
und weifse Drosselstelze, ziehen es vor, sich auf bequemere Weise 
eine gute Mahlzeit zu verschaffen : sie lesen, hin und her rennend, 
die Kerbtiere auf, welche sterbend oder tot auf dem rauchenden 
und mit feinen Kohleteilchen bedeckten Plätzen liegen. Diese 



106 Erhard Eylmann: 

Vogelansammlung währt nur solange, als das Gras brennt. Gleich 
nach dem Brande, wenn noch hier und dort ein glimmendes 
Stück Fallholz blaue Rauchwolken emporsendet, haben alle be- 
fiederten Kinder der Luft die Brandstätte verlassen, da sie ihnen 
nunmehr kein Auskommen mehr gewährt. 

Im ganzen Binnenlande ist die Wohndichte der Vogelwelt 
weitgehenden Schwankungen unterworfen. Die Veränderungen ent- 
stehen dadurch, das viele Arten von Zeit zu Zeit ihren Wohn- 
ort wechseln. Soweit ich es zu beurteilen vermag, sind die 
Wanderungen dem eigentlichen Zuge nur in sehr wenigen Fällen 
ähnlich. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Arten finden sie 
ohne jede Regelmäfsigkeit in bezug auf Zeit, Richtung und Ent- 
fernung statt. Es handelt sich hier also meist nur um ein 
wahres Streichen. 

Was ist nun die treibende Ursache dieser Ortsveränderungen? 
Ohne Zweifel suchen in den allermeisten Fällen die betreffenden 
Vögel durch die Wanderungen eingetretenem oder drohendem 
Nahrungsmangel auszuweichen. Wenn der Geschlechtstrieb sich 
einzustellen beginnt, werden manche Arten jedenfalls auch durch 
die Fürsorge für die zu erwartende Nachkommenschaft dazu 
veranlafst, ihren Wohnsitz aufzugeben und nach einer Gegend 
zu ziehen, wo nicht allein der Nahrungserwerb weniger Mühe 
macht, sondern wo auch die Gelegenheit zum Nisten besser, die 
Zahl der Feinde geringer ist u. s. w,, oder, kurz gesagt, wo die 
Lebensverhältnisse zu der Aufzucht einer Brut in jeder Hinsicht 
möglichst günstig sind. Was z. B. die Gelegenheit zum Nisten 
betrifft, so läfst sie jedenfalls für die Höhlenbrüter, wie die 
Papageien, überall dort viel zu wünschen übrig, wo sich dieselben 
in beträchtlicher Menge aufhalten. Die baumförmigen Eucalypten, 
die einzigen binnenländischen Holzgewächse, die Höhlungen auf- 
zuweisen pflegen, kommen nämlich durchgehends nur in und an 
den Creeks in gröfserer Anzahl vor. Ungünstige Winterungs- 
verhältnisse zwingen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht direkt 
Vogelarten zum Ortswechsel, da das Klima des ganzen Binnen- 
landes recht gleichmäfsig ist. 

Was die Nahrungsnot betrifft, so bin ich überzeugt, dafs 
im Binnenlande zu der Zeit der Dürre durch sie ebenso viele 
Vögel ums Leben kommen, wie bei uns in einem recht strengen 
Winter. Enten weisen unter anderen Arten bei lange andauernder 
Trockenheit einen so schlechten Ernährungezustand auf, dafs sie 
sehr leicht eine Beute ihrer vielen Feinde werden, und der 
Weifse ihr Fleisch nicht essen mag. Namentlich hat oft das 
Austrocknen aller Gewässer einer Gegend verhängnisvolle Folgen 
für manche der Vogelarten, die sich wegen ihrer geringen Flug- 
fertigkeit nur unschwer zum Wandern entschliefsen. Es kommt 
durchaus nicht selten vor, dafs sich ein ganzer Flug, von Durst 
gequält, in Brunnen oder enge wasserhaltige Felslöcher stürzt, 
aus denen er nicht herauszugelangen vermag. Auf meiner ersten 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 107 

Überlandreise kam ich einst zu einem Brunnen, auf dessen tief- 
liegendem Wasserspiegel neun halbverweste ringnecks (Barnardius 
zonarius) schwammen. Auffallender Weise haben auch in den 
Küstengebieten manche Vogelarten wahre Hungerzeiten durch- 
zumachen. Als ich mich an der Nordküste aufhielt, verrieten 
mir viele Sumpf- und Schwimmvögel kurz vor dem Beginn der 
sommerlichen Regenniederschläge durch ihr Verhalten, dafs 
ihnen der Nahrungserwerb grofse Mühe machte. Die Enten und 
Gänse waren um diese Zeit so stark abgemagert, dafs die Chinesen 
Palmerstons, die die Jagd auf sie gewerbsmäfsig betrieben, für 
ihre Beute nicht einmal die Hälfte des gewöhnlichen Preises 
erzielten. 

Ich gehe jetzt etwas näher auf die Wanderungen der binuen- 
ländischen Vogelwelt und ihre Ursachen ein. 

Es liegt auf der Hand, dafs die Nahrungsnot gewöhnlich 
unter den Vögeln früher eintritt, die von Sämereien, fleischigen 
Früchten leben, oder ihr Futter auf blühenden Holzgewächsen 
finden, als unter denen, die eine recht gemischte Kost zu sich 
nehmen, oder sich ihren Lebensunterhalt durch die Jagd auf 
Wirbeltiere verschaffen. Was die reinen Insektenfresser betrifft, 
so wird für viele Arten der Nahrungserwerb schon gleich nach dem 
Beginn der Trockenheit, so schwierig, dafs sie grofse Not leiden 
oder gar zu Grunde gehen würden, wenn sie ihr Wohngebiet 
nicht verliefsen. 

Dafs die Gebietsteile, welche vorübergehend gleichzeitig 
ihre ganze Vogelwelt ausreichend zu ernähren vermögen, in 
ihrer Gesamtheit gewöhnlich nur einen recht kleinen Bruchteil 
des ganzen Binnenlandes ausmachen, geht zur Genüge aus dem 
hervor, was ich früher über die Niederschlagsverhältnisse mit- 
geteilt habe. 

Die Wanderer können wir mit einigem Recht in zwei 
Gruppen einteilen. Beide lassen sich aber nicht scharf von- 
einander trennen. 

Ein nicht ganz unbedeutender Prozentsatz dieser Vögel 
sucht nur die Gegenden auf, wo es anhaltend und stark geregnet 
hat, und bleibt in ihnen solange, als sie ihm Nahrung in Fülle 
zu bieten vermögen. Solche günstige Ernährungsverhältnisse für 
die Vogelwelt finden sich keineswegs zu allen Zeiten in einem 
oder mehreren Teilen des Binnenlandes vor. Wir sind also zu 
der Annahme gezwungen, dafs die hier in Betracht kommenden 
Vogelarten zeitweilig vollständig im ganzen Binnenlande fehlen. 
Diese Arten stammen, so viel ich in Erfahrung zu bringen 
vermocht habe, mindestens der Mehrzahl nach aus mehr oder 
weniger regenreichen Ländern, wie den beiden Küstengebieten 
Südaustraliens und den Kolonien Queensland und Neu-Süd- 
Wales. 

Weit besser als diese sind die übrigen Formen, die ein 
Nomadenleben führen, den Verhältnissen des Biunenlandteiles 



108 Erbard Ejlmann: 

der Kolonie angepafst. Zu ihnen gehören vornehmlich gesellig 
lebende und in grofser Individuenzahl auftretende muskelkräftige 
Tauben und Papageien. In gröfserer oder geringerer Menge 
finden sie sich immer irgendwo im Lande vor. 

Die Sumpf- und Schwimmvögel bilden sozusagen das Binde- 
glied zwischen den beiden Gruppen. Ein paar Individuen mehrerer 
ihrer Arten finden sich an und auf den gröfseren Wasseransamm- 
lungen selbst dann vor, wenn lang anhaltende Dürren das Land 
einer Wüste ähnlich gemacht haben. Beginnen die gröfseren 
Creeks mit vielen oder allen ihren Nebencreeks infolge aus- 
giebiger Regenniederschläge zu fliefsen, so wandern die fraglichen 
Arten zum Teil in grofser Menge zu ihnen. Das Gros aller 
Individuen entstammt aber jedenfalls Nachbarländern, denn nur 
wenige an das Wasser gebundene Arten brüten im Binnenlande 
selbst, und zwar nur an den gröfsten Wasserbecken in besonders 
regenreichen Jahren. 

Was die Fleischfresser betrifft, so werden sie wohl nur in 
engem Kreise umherschweifen, solange die Ernährungsverhältnisse 
für sie günstig sind. Zu den Wanderern gehören aber auch sie, 
wenigstens die meisten von ihnen. Wiederholt ist es mir auf- 
gefallen, dafs die Mehrzahl der von warmblütigen Tieren lebenden 
Tagraubvögel aus einer Gegend zugleich mit den Vögeln und 
den kleineren Beuteltieren i), die den Hauptgegenstand ihrer Jagd 
bildeten, verschwanden. 

Wie die Vögel in Erfahrung bringen, wo der Tisch reich- 
lich für sie gedeckt ist, vermag natürlich niemand zu sagen. 
Da der Regen meist nur strichweise fällt, so sind die be- 
treffenden Gebiete in vielen Fällen nicht nur klein, sondern 
haben auch eine Umgebung, die einer reinen Wüstenei gleicht. 

Echte Standvögel, Vögel, die ihrer Geburtsstätte treu 
bleiben, finden sich nur in geringer Zahl vor. Zu ihnen ge- 
hören vornehmlich Arten, die die Nahrung zugleich dem Tier- 
und dem Pflanzenreich entnehmen, oder die der Hauptsache 
nach von den Insekten, wie Fliegen und Geradflüglern, leben, 
die zu allen Zeiten in mehr oder minder grofser Menge vor- 
handen sind. Geht das Wasser auf ihrem Ernährungsgebiet aus, 
was vielerorten stets bei sehr langer Dauer der Trockenheit ge- 
schieht, so sind sie natürlich gezwungen, sich eine andere Heim- 
stätte zu suchen. 

Hin und wieder tauchen im ßinnenlande ganz seltene der 
Vogelwelt augehörende Gäste auf, die gewöhnlich selbst dann 
nicht gesehen werden, wenn die Natur zu vollem Leben erwacht 
ist und für alle Tiere Nahrung in überreicher Menge erzeugt 



1) Viele der kleinen Beuteltiere, die zeitweilig in ungeheurer Menge 
auftreten, z. B. die Beuteldacbe, scheinen, wie der europäische Lemming, 
durch Nahrungssorgen gezwungen, ausgedehnte Wanderzüge zu unter- 
nehmen. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 109 

hat. Es handelt sich hier jedenfalls um Vögel, die sich verirrt 
hahen oder durch ungewöhnlich grofse Nahrungsnot aus ihrer 
Heimat vertrieben worden sind. 

Wie wir gesehen haben, gibt im Binnenland fast ausschliefs- 
lich Nahrungsmangel die Veranlassung zu der Entstehung der 
Vogelwanderungen. Auf vorhergehenden Seiten ist bereits darauf 
hingewiesen, dafs die Pflanzenwelt und zum Teil auch die niedere 
Tierwelt infolge des geringen Mafses von Regen, welches der 
Boden zu erhalten pflegt, gezwungen ist, lange Zeit in dem Zu- 
stand der Ruhe zu verharren. Da der Regen meist strichweise 
fällt, so kommt es recht oft vor, dafs engbegrenzte Gebiete ein 
oder mehrere Jahre unter beständiger Dürre zu leiden haben. 
Es liegt nun auf der Hand, dafs viele Vogelformen auf ihnen 
ihre Nahrungsquellen durch fortgesetzte Ausbeutung über kurz 
oder lang vollständig erschöpfen werden. In solchen Fällen 
stellt sich die Nahrungsnot natürlich ganz allmählich ein. Dafs 
die körnerfresssenden Vögel immer dann auswandern oder ihre 
Ernährungsweise mehr oder weniger ändern müssen, wenn aus- 
giebige Regenfälle die Natur aus ihrem Schlummer erweckt haben, 
bedarf keiner Erörterung. Meist ist ihr Tisch aber schon nach 
Verlauf weniger Wochen reichlich gedeckt, da ja der Same der 
allermeisten Gräser und niedrigen Bodenkräuter überraschend 
schnell gezeitigt wird. Nicht gar selten ist die Regenmenge 
aber so unbedeutend, dafs die kurzlebigen Gräser und Kräuter 
schon vor ihrer vollständigen Entwicklung absterben. Auf diese 
Weise geschieht es, dafs viele Gebietsteile lange Zeit nicht in 
der Lage sind, grofsen Flügen von Körnerfressern genügend 
Nahrung zu bieten. 

Erwähuunfi verdient noch, dafs zuweilen nach weit ausge- 
dehnten Grasbränden ganz plötzlich Massenauswanderungen von 
Vögeln, und zwar sowohl von samen-, als auch insektenfressenden, 
erfolgen. Dafs diese Wanderungen nicht durch Furcht veranlafst 
werden, geht zur Genüge aus meinen früheren Angaben über 
das Verhalten der südaustralischen Vogelwelt bei den Bränden 
hervor. 

In den Küstengebieten ist die Zahl der Vögel, die ihrer 
heimatlichen Scholle stets treu bleiben, dem Anschein nach gröfser 
als im Binnenlande. Die allermeisten Arten streichen aber auch 
dort weit umher, wenn sich zu bestimmten Jahreszeiten die 
Ernährungsverhältnisse an ihrem Wohnort verschlechtert haben. 
An der Südküste gibt es, wie schon seit langem bekannt ist, 
einige echte Zugvögel (Schwalben, Schwalbenwürger u. s. w.). Das 
gleiche gilt wohl von dem nördlichen Randgebiet der Kolonie. 
Vielleicht stammen viele der Sumpf- und Schwimmvögel, die sich 
dort zur Winterszeit an und auf den süfsen Gewässern umhertreiben, 
aus Ländern, die nicht dem australischen Kontinente angehören. 

Die allermeisten kleineren und einige gröfsere Vögel, die 
ihre Nahrung vorwiegend oder ausschliefslich unter freiem Himmel 



110 Erbard Ejlmann: 

auf einem Gelände suchen, welches nur zur Hälfte oder zum 
dritten Teil mit niedrigen Gewächsen bestanden ist, und die ihren 
Feinden keinen nennenswerten Widerstand zu leisten vermögen, 
sind in der Färbung vortrefflich dem Boden oder diesem und 
seinem Pflanzenwuchse angepafst. In vielen Fällen weist aber 
nur das Rückengefieder die sympathische Färbung auf. Es be- 
ruht dies natürlich darauf, dafs die betreffenden Arten in ihrer 
Existenz weit mehr von Raubvögeln als von flugunfähigen Tieren 
bedroht sind. Häufig wird die chromatische Anpassung nicht 
durch eine einzige eintönige Farbe, sondern durch mehrere Tupfen, 
Striche u. s. w. bildende Farben bewirkt. Dafs in solchen Fällen 
der Vogel, und zwar sowohl der ruhende, als auch der in Be- 
wegung befindliche, ganz vortrefflich vor dem Gesehenwerden 
geschützt ist, habe ich oft gefunden. Der Boden und sein 
Pflanzenkleid weisen ja überall sowohl in der Farbe, als auch 
in der Beleuchtung eine Fülle von Verschiedenheit auf. Manche 
der Arten, die sich aus der Vogelperspektive sehr wenig, von 
der Seite gesehen jedoch nicht unbeträchtlich von dem bräunlich- 
gelben oder rotbraunen Boden abheben, sind so gefärbt, dafs sie 
in dem Blaugrüu oder Graugrün des Laubwerkes, das mit dem 
gelblichen Grau oder Braun des Gezweiges vereinigt ist, schwer 
aufgefunden werden können. Das Gefieder des allbekannten 
Wellensittiches zeigt eine solche doppelte chromatische Anpassung 
recht gut. Befindet er sich auf seinen Schlaf-, Rast- und Nist- 
bäumen, den prachtvollen red^ums der Creeks, so hält es aufser- 
ordentlich schwer, seiner ansichtig zu werden, trotzdem er ein 
ungemein unruhiger, geschwätziger Vogel ist, und das bläulich- 
grüne Laubwerk nur eine geringe Dichtigkeit besitzt und kein 
einheitliches Dach bildet. 

Viele der kleinen gefiederten Insektenfresser, die ihre Beute 
auf einem mehr oder weniger offenen Gelände nach Art der 
Fliegenschnäpper zu erhaschen pflegen, wie Ärtamus, Rhipidura, 
tragen matte graue, schwärzliche und weifsliche Farben, die so 
über das Gefieder verteilt sind, dafs sie bei greller Sonnenbeleuch- 
tung sehr wenig hervortreten. 

Auch die allermeisten Pinselzüngler (Meliphagidae) zeigen 
in der Färbung eine überraschend grofse Übereinstimmung mit 
ihrer gewöhnlichen Umgebung, dem Laub- und Zweigwerk der 
Bäume und Büsche, die ihnen die Nahrung spenden. 

Unter den kleinen Vögeln, die den hochstämmigen Wald 
und den Scrub bewohnen, gibt es eine erkleckliche Anzahl von 
Arten, die mit leuchtenden Farben geschmückt sind und dadurch 
grell von ihrer Umgebung abstechen. Recht auffallend ist z. B. 
die Färbung bei den Staffelschwänzen (Malurus). Eine Farben- 
anpassung an die belebte und die unbelebte Umwelt würde 
diesen winzigen Vögeln keinen grofsen Nutzen gewähren, da sie 
nahe dem Erdboden in dem dichtesten Strauchwerk ihr Wesen 
treiben, also meist den Blicken der Räuber der Luft völlig entzogen 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 111 

sind. Übrigens trägt allein der männliche Vogel ein farbenpräch- 
tiges Kleid, und zwar nur zur Fortpflanzungszeit. Wäre dies 
nicht der Fall, zeichne Männchen und Weibchen, Junge und Alte 
eine recht augenfällige Färbung aus, so könnte man auf den 
Gedanken kommen, dafs diese den Zweck habe, den einzelnen 
Individuen das Zusammenhalten zu erleichtern. Die Staffel- 
schwänze durchwandern nämlich, wenn das Fortpflanzuugsgeschäft 
sie nicht an einen bestimmten Ort gebunden hält, tagtäglich 
mit einer aufserordentlich grofsen Geschwindigkeit ihr Ernährungs- 
gebiet. Dafs es ihnen dabei in dem Dämmerlicht der Büsche 
einige Mühe kostet, vereinigt zu bleiben, scheint ihr beständiges 
Locken anzuzeigen. 

Eine weitgehende chromatische Schutzanpassung besitzen 
aber nicht allein viele wehrlose Vögel, die durch die Art und 
Weise des Nahrungserwerbes gezwungen sind, sich häufig auf 
ganz offenem Gelände oder dem Laubdache von Bäumen und 
Büschen aufzuhalten, sondern auch die allermeisten gefiederten 
Räuber der Luft, die aufser dem Menschen keinen Gegner zu 
fürchten haben. In diesem Falle hat das Verbergungsmittel 
natürlich den Zweck, dafs seine Besitzer sich unbemerkt den 
Tieren nähern können, die sie zum Frafse auserlesen haben. Da 
die Landraubvögel an den verschiedensten Orten zu jagen pflegen, 
so kann man billig fragen: welchen Gegenständen sind sie an- 
gepasst? Die überwiegende Mehrzahl aller Arten trägt die Haupt- 
farbe der Ordnung, wenn ich so sagen darf, ein stumpfes, in 
Ton und Schattierung äufserst wechselvolles Braun. Die Zeichnung 
ist diejenige sehr vieler Vögel, die Ursache haben, so wenig wie 
möglich aufzufallen: sie besteht in geraden, wellen- und halb- 
mondförmigen Strichen, Tupfen u. s. w. Die Tagraubvögel des 
Landes, die Falken (Falconidae), wählen sich als Lauerposten 
mit Vorliebe einen dürren Ast, der ihnen eine gute Umschau 
gewährt. Auf ihm entgehen sie sehr leicht der Beobachtung, da 
ihr Kleid in der Färbung der abgestorbenen Rinde täuschend 
ähnlich sieht. Aber auch anderswo, sowohl im Schatten, als auch 
im grellen Sonnenlichte, heben sie sich meist sehr wenig von 
ihrer Umgebung ab. Braun tritt nämlich in den Landschafts- 
bildern der Kolonie recht oft auf, im allgemeinen viel öfter als in 
denen unseres Vaterlandes. Vielerorten bildet es in unendlicher 
Mannigfaltigkeit die vorherrschende Farbe des felsigen, erdigen 
und sandigen Bodens, der aus verdorrten Gräsern und Kräutern 
bestehenden Pflanzendecke, sowie des Inneren der laubarmen 
Scrubs. — Die Eulen des Landes haben, wie die unserigen, ein 
bräunliches, geflecktes und gestricheltes Kleid. Die Färbung 
desselben hindert sie also in mondhellen Nächten so wenig wie 
möglich bei der Ausübung der Jagd. 

Die gröfseren Papageien haben nicht die in Rede stehende 
Eigenschaft des Gefieders. Ihnen würde dieselbe jedenfalls keine 
Vorteile bieten, denn aus ihrem Verhalten geht klar und deutlich 



112 Erhard Eylmann: 

hervor, dafs sie von den beschwingten Fleischfressern wenig oder 
nichts zu befürchten haben. Viele unter ihnen erregen selbst 
dann durch die Lebhaftigkeit ihrer Bewegungen und ihr ohr- 
zerreifsendes Kreischen die Aufmerksamkeit in hohem Grade, 
wenn sie sich, eine Pause im Futtersuchen machend, auf die 
Spitzen der höchsten Bäume niedergelassen haben. Dafs die 
Kakadus, die gröfsten Vertreter der Familie, sich in der Not 
tüchtig mit ihrem Schnabel zu verteidigen wissen, ist jedem be- 
kannt, der es versucht hat, ein angeschossenes Exemplar mit den 
Händen zu ergreifen. Von den gröfseren Raubvögeln würden sie 
leicht überwältigt werden ; für gewöhnlich sind sie aber wohl vor 
den Nachstellungen derselben sicher, weil sie, wenn sie zu Scharen 
vereinigt sind, mit wütendem Geschrei nach jedem Tiere zu stofsen 
pflegen, das sie für einen Feind halten. Einige Arten machen sogar 
Miene, den Menschen anzugreifen, der einen ihrer Angehörigen 
erlegt hat. Bekanntlich bietet die Schutzfärbung vielen Vögeln 
bei dem Aufenthalte im Neste weitgehende Vorteile. Für unsere 
Papageien würde sie in diesem besonderen Falle nicht den ge- 
ringsten Wert haben, da dieselben ja Höhlenbrüter sind. 

Über das Brutgeschäft habe ich leider nur wenige Beob- 
achtungen machen können. An der Südküste fällt die Brutzeit 
in den Frühling und den Sommer der südlichen Hemisphäre. 
Im Binnenlande, namentlich in dessen wasserärmsten Gebietsteilen, 
ist sie mehr oder weniger von den Regenniederschlägen abhängig 
und infolgedessen ziemlich unregelmäfsig. Ich fand hier Eier 
und Nestjunge in fast allen Monaten auf. Während meines Auf- 
enthaltes im Innern brüteten die meisten Vögel im März, April, 
Mai und Juni. Zwischen der Nordküste und dem 18. Breiten- 
grade schreiten sehr viele Vogelarten meinen Beobachtungen 
nach gegen Ende der Regenzeit, im Februar und März, zum 
Nestbau. 

Die Beeinflussung, welche die Vogelwelt der Kolonie von 
dem Menschen erfährt, ist so bedeutend, dafs ich es für angezeigt 
halte, ein paar Worte über sie zu sagen. 

Der Eingeborene ist in seiner Ernährung vorzugsweise auf 
das Tierreich angewiesen, da die Mehrzahl der efsbaren vege- 
tabilischen Stoff'e, die ihm zu Gebote stehen, winzig sind und 
spärlich vorkommen, oder der Gesundheit schaden, wenn sie in 
gröfserer Menge genossen werden. Einen recht bedeutenden 
Teil der animalischen Nahrung entnimmt er der gefiederten 
Welt. Er ifst alle Vögel, auch die Nestjungen; das Fleisch der 
Raubvögel, Raben, Scharben, Möwen aber nur dann, wenn ihm 
kein besser schmeckendes Wildpret zur Verfügung steht. Eier, 
sowohl frische, als auch bebrütete, hält er für einen Leckerbissen, 
Von den Küstenstämmen können wir ohne Übertreibung behaupten, 
dafs sie ebensoviel Vögel als Säugetiere erlegen. Dasselbe gilt 
zu der Zeit, anhaltender Dürren von den Bewohnern des Binnen- 
landes, deren Heimat an einen der gröfseren Seen grenzt, oder 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 113 

reich an sogenannten permanent rockholes oder waterholes ist. 
Während der Lege- und Brutzeit leben die Eingeborenen mancher 
Küstendistrikte fast ausschliefslich von Eiern. Hieraus ergibt 
sich ohne weiteres, dafs der Urbewohner dem Bestände zahl- 
reicher Arten grofsen Abbruch tut. Zu diesen Arten gehören 
Papageien, Tauben, Gänse, Enten, der Trappe und der Emu. 

Noch auf eine andere Weise, als durch die Jagd und das 
Plündern der Nester wirkt der Urbewohner auf die Dichte des 
Vogelbestandes ein. Eine seiner Hauptjagdmethoden besteht 
darin, durch Anzünden des dürren Grases Kängeruh nach Plätzen 
zu scheuchen, wo er sie leicht von einem Verstecke aus durch 
Speerwürfe töten kann, und kleinere Tiere, die unterirdische 
Schlupfwinkel haben, wie ratten- und mäuseartige Vierfüfsler, 
Eidechsen, Schlangen, an die Oberfläche zu treiben. Vor- 
kehrungen gegen das Umsichgreifen des Feuers treffen die sorg- 
losen Jäger nicht; es geschieht daher nicht gar selten, dafs 
Brände tagelang fortwüten und viele Quadratkilometer Landes 
mit tiefschwarzen Kohleteilchen überstreuen. 

Im ganzen Binnenlande kommen Grasbrände zu der Zeit 
der Tockenheit ungemein häufig vor. Auf meinen Reisen sah 
ich dort oft wochenlang tagaus, tagein an ein oder mehreren 
Stellen des Horizontes Rauchwolken aufsteigen. 

Im Norden wird das Gras recht hoch: auf gutem Boden 
erreichen ein oder mehrere Arten die erstaunliche Höhe von 2 — 3 m. 
Der Eingeborene pflegt es anzuzünden, gleich nachdem es welk 
geworden ist. Bei dem Brande züngeln die Flammen bis zu 5 m 
empor und bringen das Laubwerk aller Sträucher und mittel- 
hohen Bäume, die mit ihnen denselben Standort haben, zum Ab- 
sterben. Betritt man ein Waldgebiet, in dem ein paar Wochen 
vorher ein solches Flug- oder Bodenfeuer gewütet hat, so hängt 
fast alles Laub vertrocknet an den Zweigen, und es hat den An- 
schein, als ob die überwiegende Mehrzahl aller Holzgewächse 
unrettbar verloren sei. Einige Monate später prangt jedoch der 
betreffende Waldteil im frischesten Grün, und nur die geschwärzten 
Stämme geben Kunde, dafs eine Feuerwoge über seinen Boden 
dahingeeilt ist. 

In dem südöstlichen Teile des Südküstengebietes kommen 
heutzutage Grasbrände und Buschfeuer, die von Eingeborenen 
herrühren, jedenfalls äufserst selten vor, da hier die allermeisten 
Stämme völlig ausgestorben sind. 

Wie schon erwähnt, liegt es auf der Hand, dafs die Papageien, 
Tauben, Halbweber und andere Vögel, die fast ausschliefslich 
von Gras- und Kräutersamen leben, in ihrem Wohngebiete nicht 
mehr die nötigen Lebensbedingungen finden, wenn ein Bodenfeuer 
über dasselbe hinweggegangen ist. Sie sind also aus Mangel an 
Nahrung gezwungen wegzuziehen. Da nun der Eingeborene fast 
überall in der Kolonie einen sehr grofsen Teil des Grases durch 
Feuer vernichtet, bald nachdem es Samen gezeitigt hat, so 

Jonrn. f. Ora. LIX. Jahr?. Januar 1911. 8 



114 Erhard Ejlmann^ 

beeinflufst er die hier in Frage kommenden Arten in ihrer 
Wohndichte mittelbar noch weit mehr als unmittelbar durch die 
Jagd auf sie und das Plündern ihrer Nester. 

Wie ebenfalls schon erwähnt, gereicht auch den Vögeln, 
die von kleinem Getier leben, das sie auf dem Boden finden, die 
in Rede stehenden Jagdmethode der Urbewohner zum Nachteil, 
denn die rasch dahinfahrenden Flammenlinien töten eine grofse 
Zahl von Eidechsen, Schlangen, Geradflüglern, Spinnen u. s. w. 
Den Vögeln hingegen, die ihre Beute im Fluge zu erhaschen 
pflegen, wie Artamus, Mhipidura, oder von Insekten und pflanz- 
lichen Stofi'en leben, welche ihnen die Holzgewächse darbieten, 
wie Ptüotis, Climacteris^ erschweren Flugfeuer wohl nur im Norden, 
wo das Gras eine bedeutende Höhe erreicht, den Nahrungserwerb 
in nennenswertem Grade. 

Noch auf eine andere Weise als durch die Verringerung 
der Nahrung fügen die Brände der Vogelwelt der Kolonie 
Schaden zu. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dafs alljährlich 
eine unschätzbare Menge von Nestern mit Inhalt durch sie vernichtet 
wird. Die gröfsten Verluste erleiden natürlich die Erdnister. 
Dafs aufserdem Nester zerstört werden, die nahe dem Erdboden, 
in Büschen und Bäumen, stehen, ergibt sich ohne weiteres aus 
dem, was ich früher über den nnfreiwilligen Laubwechsel im 
nördlichen Küstengebiet mitgeteilt habe. 

Im südöstlichen Teile des Südküstengebietes und an einigen 
Stellen auch im Binnenlande und an der Nordküste wirkt der 
Weifse gegenwärtig in hohem Grade mittelbar und unmittelbar 
auf den Vogelbestand ein. 

Wie wir oben gesehen haben, hat die vegetative Decke in 
dem südöstlichen Teile des Südküstengebietes innerhalb der 
letzten siebzig Jahre eine weitgehende Umgestaltung erfahren. 
Es leuchtet ein, dafs bei den engen Beziehungen, die hier, wie 
in den allermeisten anderen Teilen der Erde zwischen der 
Pflanzen- und der Tierwelt herrschen, durch die Schaifung einer 
sogenannten Kultursteppe die Wohndichte vieler Vogelarten eine 
Veränderung erlitten hat, und zwar in den meisten Fällen durch 
Verminderung der Individuenzahl. Scrub und Wald sind ja 
einst die vorherrschenden Pflanzenformationen gewesen, und 
daher finden sich nur wenige Vogelarten vor, die in ihren Lebens- 
gewohnheiten dem offenen Lande angepafst sind. Wie die Wald- 
vögel, so haben auch ohne Zweifel die befiederten Bewohner 
der schilfreichen Sümpfen und Niederungen in ihrer ludividuenzahl 
eine Einbufse erlitten, denn auch Geländeteile dieser Art sind 
vielfach urbar gemacht. Neuerdings hat man leider auch begonnen 
die langgestreckten Inudationsflächen des River Murray, die dicht 
mit hohem Schilf und zum Teil auch mit Holzgewächsen bestanden 
sind, trocken zu legen, um sie in Weiden und Ackerland zu verwan- 
deln. Als ich den Südosten des Landes durchwanderte, befanden 
sich dieselben noch in ihrer ganzen Ursprünglichkeit und bildeten 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 115 

den Aufenthaltsort einer Unzahl grofser und kleiner Vögel vielerlei 
Art. Da hier an der Südküste nur sehr wenig Land vorhanden ist, 
das sich zum Anbau von Kulturgewächsen eignet, und die Bevöl- 
kerung sich vergröfsern wird, so liegt die Zeit wohl nicht mehr 
fern, wo die umfangreichen sumpfigen Geländeteile ganz ver- 
schwunden oder stark eingeengt sein werden. 

Einschneidende Veränderungen des Vogelbestandes im Süd- 
küstengebiet sind aber nicht allein durch die Bodenkultur bewirkt 
worden. Ein ganz unwaidmännischer Jagdbetrieb hat dazu 
geführt, dafs die Individuenzahl mancher wirtschaftlich nutzbaren 
Vogelarten recht bedeutend verringert worden ist. Zu diesen 
Arten gehören vornehmlich Schv/immvögel, wie die ICnten, die 
Hühnergans, der Schwarze Schwan, und einige gröfsere Landvögel, 
wie der Trappe, der Emu. In weJch ausgedehnter Weise z. B. die 
Entenjagd betrieben wird, geht aus der nachstehenden Notiz 
hervor, die ich dem Adelaider „Observer" vom 15. Mai dieses 
Jahres (1909) entnommen habe „Murray Bridge, 3. Mai — . . . 
Wild findet sich jetzt ebenfalls in reichlicher Menge auf dem 
Murray vor. Tag und Nacht hört man die Schüsse des Sportmannes 
(sportsman). Die Vögel sind von ihren Heimstätten in dem Mypo- 
longa und anderen flufsaufwärts gelegenen Sümpfen, die sich noch 
in ihrem ursprünglichen Zustande befinden, nach der Brücke u. s. w. 
gekommen. Der Sportsmann, welcher die Kälte nicht fürchtet, 
kann sich in mondhellen Nächten einen Sack voll Enten zu- 
sammenschiefsen. Zuweilen wird so häufig gefeuert, dafs man 
glauben könnte eine „Company of artillery" sei in Aktion getreten. 
Gesellschaften fahren in einem Motorboot flufsaufwärts und ver- 
bringen die Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag in den Sümpfen, 
wo die Vögel zu Tausenden aufgescheucht werden können. Eine 
Gesellschaft von Entenjägern, die regeimäfsig die Fahrt unternimmt, 
erbeutet Säcke voll Wild. Kürzlich erlegte sie 470 Enten in 
einigen Tagen und später 360 Enten in kurzer Zeit, Die Jagd- 
beute wird nach Melbourne geschickt, wo man sie gut bezahlt. 
Wilde Enten aller Art, wie black duck, widgeon, teal, kommen in 
grofser Zahl vor. Hier in der Nachbarschaft der Brücke zeigen 
sie sich wegen der Veränderungen, die die Sümpfe erlitten haben, 
weniger häufig als an flufsaufwärts gelegenen Orten". 

In dem regenreichen Nordküstengebiet hat die Pflanzen- 
decke nur an sehr wenigen Orten, wie in der Umgebung von 
Palmerston und auf den Goldfeldern, eine augenfällige Umge- 
staltung erfahren. An ihrer Eigenart wird sie in absehbarer 
Zeit wohl nur wenig Einbufse erleiden, da das Klima für den 
Europäer ungesund ist, und ein ausgedehnter Anbau von Kultur- 
gewächsen sich wenig zu lohnen scheint. Die Fauna wird also 
mindestens vorläufig nicht durch Eingriffe des Weifen in die 
Pflanzenwelt verändert werden. 

Wie der Eingeborene, so kennt auch der dortige Engländer 
kein weidgerechtes Jagen. Die jagdlustigen Krämer und Be- 

8* 



116 Erhard Eylmann: 

amten von Palmerston, dem Hauptstädtchen der Nordküste, 
pflegen zur Winterszeit am Sonnabend, reichlich mit geistigen 
Getränken und Efswaren versehen, die Örtlichkeiten aufzusuchen, 
wo ein Gewässer den Sammelpunkt zahlreicherSumpf- und Schwimm- 
vögel bildet, um sich ganz ihrer Jagdleidenschaft hinzugeben. Viele 
von ihnen sind wahre Aasjäger: sie schiefsen alles nieder, was 
ihnen vor die Flinte kommt und halten es oft nicht für die Mühe 
wert, die Beute mitzunehmen, selbst wenn diese in Gänsen oder 
Enten besteht. Als ich mich an Knuckey's Lagoon aufhielt, fand 
sich eines Sonnabends nach Anbruch der Dunkelheit eine kleine 
Gesellschaft jüngerer Männer ein, die bis nach Mitternacht der 
Jagd oblag, trotzdem der Mond nicht am Himmel stand. Am 
nächsten Morgen fand ich am Rande des Gewässers 38 Patronen- 
hülsen. Wie ich später hörte, habe die Jagdbeute nur in einer 
Gans und einem Pelikane bestanden. 

Aufser von Eingeborenen und Weifsen wird die Jagd an der 
Nordküste von Chinesen ausgeübt. Die Söhne des Reiches der 
Mitte leben mit Ausnahme sehr weniger in Palmerston und den 
Bergwerkdistrikten. Die allermeisten sind arme Teufel. Um 
sich zu dem in Wasser gekochten Reis ein Stück Fleisch zu ver- 
schaffen, gehen manche fleifsig mit ihren alten rostigen Percussions- 
flinten auf die Jagd. Als Wild betrachtet der chinesische Jäger 
eine weit gröfsere Zahl von Vögeln als der englische. Von den 
Sumpf- und Schwimmvögeln ist wohl keine Art vor ihm sicher. 
Während meines mehrmonatigen Aufenthaltes an Knuckey's Lagoon 
bot sich mir recht oft eine gute Gelegenheit, Vertreter der schwarzen, 
der weifsen und der gelben Rasse bei der Ausübung ihrer Jagd 
auf Wassergeflügel zu beobachten. Ein halbes Dutzend Chinesen, 
die ein paar elende Hütten unfern meines Lagerplatzes bewohnten 
und von dem Ertrage der Jagd ihren Unterhalt bestritten, er- 
legten täglich aufser Reihern, Ibissen, Pelikanen, zehn bis zwanzig 
Enten und vier bis acht Gänse. Befand sich das Wild auf dem 
Wasser aufser Flintenschufsweite vom Lande, so krochen sie auf 
allen vieren bis zum Beckeurande, entledigten sich dann in ganz 
unauffälligen Weise ihrer wenigen Kleidungsstücke und suchten 
sich schliefslich durch Waten im Schutze des Schilfes dem Vogel 
so weit wie möglich zu nähern. Flügellahm geschossene Schwimm- 
vögel verfolgten sie nicht selten eine Stunde und länger mit 
einer langen Stange, wobei sie sich oft bis zum Halse im Wasser 
befanden. Da sie mit der Munition knauserten, so schössen sie 
ungefähr doppelt so viel Wild krank, als sie erbeuteten, und 
zwar namentlich nachts, wenn sie von Schiefshütten aus, die sie 
in der Mitte der Wasserbecken errichtet hatten, der Jagd ob- 
lagen. 

Im Binnenland hat der Weifse nirgends durch Änderung 
von Vegetationsformationen dauernd auf die Dichtigkeit der 
Wohngebietbesetzung der verschiedenen Vogelarten eingewirkt. 
Eine solche Einwirkung wird jedenfalls auch nicht in Zukunft 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 117 

stattfinden, da das Klima eine Bodenkultur in gröfserem Mafs- 
stabe nicht gestattet. Verschweigen will ich aber nicht, dafs die 
Buschleute oft aus reinem Mutwillen oder um Weidegründe zu 
verbessern, wie die Eingeborenen, durch Anzünden des dürren 
Grases viele Körnerfresser zeitweilig aus einer Gegend ganz oder 
fast ganz vertreiben. 

Durch direkte Vernichtung gewisser Arten beeinflufst der 
Weifse aber hier und dort im Binnenlande mehr oder weniger 
stark die Zusammensetzung des Vogelbestandes. 

Die Jagd übt er im allgemeinen nicht häufig aus. Es liegt 
dies wohl hauptsächlich daran, dafs er mit Wild keinen Handel 
treiben kann, dafs er, dessen Nahrung gröfstenteils in gutem, 
leicht erlangbarem Rindfleische besteht, kein grofses Verlangen 
nach magerem Wildpret hat, und dafs bei ihm das Töten wehr- 
loser Tiere nicht zu einer wahren Leidenschaft wird, wie bei 
manchem Stadtbewohner. Durch Auslegen von vergiftetem Fleisch 
dagegen bringt er alljährlich, namentlich in der südlichen Binnen- 
landshälfte, eine Unzahl befiederter Aasfresser ums Leben. Das 
Fleisch ist zwar nur für den schafemordenden Dingo bestimmt, 
in der Mehrzahl der Fälle wird es aber, wie ich mich überzeugt 
habe, von Vögeln gefressen. Nicht gar selten habe ich neben 
dem Kadaver eines Rindes oder eines anderen Herdentieres, 
dessen Fleisch und Eingeweide mit Strychnin vergiftet waren, ein 
halbes Dutzend und mehr tote Vögel, wie Keilschwanzadler, 
Milane und Krähen, liegen sehen. 

Bei dieser Gelegenheit will ich gleich erwähnen, dafs man 
zwischen dem Spencer- Golf und der Kolonie Victoria sich des 
Giftes auch als Mittel gegen Pilzkrankheiten von Kultur- 
gewächsen, sowie zum Vertilgen von Unkräutern und vielen 
Tieren (Fuchs, Kaninchen, Raubvögel, Krähe, Sperling, Star, 
Ameisen, Termiten, Heuschrecken u. s. w.) bedient, die, wie der 
Dingo, eine Landplage bilden. Die Gifte, welche am häufigsten 
zur Verwendung kommen, sind das Strychnin, das Cyankalium, 
der Phosphor und der Arsenik. 

Wie viel Gift alljährlich in der ganzen Kolonie einzig und 
allein als Vertilgungsmittel für Tiere verbraucht wird, habe ich 
leider nicht in Erfahrung zu bringen vermocht. Sicher beläuft 
seine Menge sich auf Tausende von Pfunden. Es leuchtet ein, 
dafs durch diesen mafslosen Gebrauch des Giftes viel Unheil in 
der Tierwelt angerichtet wird. Einschneidende Veränderungen 
erleidet insbesondere der Vogelbestand, indem zahllose Aasfresser 
durch vergiftete Fleischbrocken oder ganze Tierkadaver und 
vielleicht auch manche Körnerfresser durch vergiftete pflanzliche 
Stoffe, wie Weizen, ihr Ende finden, und dafs ferner eine er- 
kleckliche Anzahl von Arten infolge der Abnahme von Raub- 
vögeln und nesterplündernden Krähen an Individuenzahl ge- 
winnt. Übrigens wird in anderen Kolonien Australiens Gift 
ebenso oft oder noch öfter zu dem gleichen Zwecke ausgelegt. 



118 Erhard Eylmann: 

Bekanntlich kommt manch ein Vogel dadurch ums Leben, 
dafs er in der Dunkelheit oder bei Nebel gegen einen Telegraphen- 
draht fliegt. Auf meinen Reisen quer durch den Kontinent habe 
ich ganz auffallend oft tote oder flügellahme Vögel, wie Tauben, 
kleine und grofse Papageien, unter der Überlandtelegraphen- 
leitung aufgefunden. Damals bestand diese nur aus einem ein- 
zigen Drahte. 

Wir haben also gefunden, dafs der Mensch in der Kolonie 
Südaustralien mittelbar oder unmittelbar einen weitgehenden 
Einflufs auf die Dichtigkeit der Vogelbevölkerung ausübt. Durch 
denselben ist jedenfalls seit der Ansiedlung der Weifsen im Lande 
mehr als eine Art um die Vorherrschaft gekommen. Dafs das 
Verbreitungsgebiet einiger Arten eine geringfügige Einengung 
erfahren hat oder lückenhafter geworden ist, wenn ich mich so 
ausdrücken darf, mufs wohl angenommen werden. Die Einwirkung 
des Menschen besteht aber, wie schon angedeutet, nicht in allen 
Fällen in einer dauernden oder zeitweiligen Herabsetzung der 
Individuenzahl, Durch die Einführung des Kaninchens^) z. B. 
ist ohne Zweifel in Gegenden, wo selten oder nie Gift ausgelegt 
wird, die Zahl der befiederten Fleischfresser nicht unwesentlich 
erhöht worden. Erwähnung verdient in dieser Hinsicht auch, 
dafs dann, wenn Hunderte, ja Tausende von Rindern und Schafen 
aus Mangel an Nahrung zu Grunde gehen, für die Aasfresser 
der Tisch überreich gedeckt ist, während zahllose andere Vögel 
grofse Not leiden. 

Es mögen hier auch ein paar Worte über die tierischen 
Feinde Platz finden. 

Unter den Säugetieren hat die südaustralische Vogelwelt 
nicht viele Feinde. Ziemlich schwerwiegende Verluste fügt ihr 
wohl der Dingo zu. Wie ich von glaubwürdigen Eingeborenen 
hörte, gelinge es ihm nicht gar selten, sorglos ihrer Nahrung 
nachgehende oder brütende Vögel zu erbeuten. Dafs er Nester 
plündert und junge, flugunfähige Nestflüchter mit Leichtigkeit 
fängt, habe ich selbst beobachtet. Höchst wahrscheinlich fällt 
auch eine erkleckliche Anzahl von Vögeln nebst ihren Eiern und 
Jungen Raubbeutlern zum Opfer. Schlimme Feinde der Vögel 



1) Das KanincheD hatte sich vor zehn Jahren von der Südküste 
aus bis zum 26. Breitengrade landeinwärts ausgebreitet; jetzt findet es 
sich schon im Herzen des Landes vor. Selbst in ganz unwirtlichen 
Gegenden tritt es oft in erstaunlich grofser Zahl auf. Kurz vor meiner 
Ankunft auf Kilalpanina, der an Cooper's Creek gelegenen Missionsstation, 
waren in deren Umgebung von ein paar Weifsen und Missionszöglingen 
innerhalb weniger Monate gegen 50000 Stück der Nager, die sich dort 
zusammengerottet hatten, erschlagen worden. Zu den Zeiten anhaltender 
Trockenheit soll das Kaninchen im Binnenlande hauptsächlich von saftigen 
Wurzeln leben. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 119 

sind jedenfalls die Beutelmarder; binnenländische Arten stahlen 
mir Enten und grofse Kakadus. 

Die ärgsten der tierischen Feinde sind für viele kleinere 
und manche gröfsere Vogelarten unstreitig die Raubvögel. Sie 
pflegen überall recht häufig vorzukommen, wo der Mensch ihrer 
Zahl so gut wie keinen Abbruch tut. Zum Teil rührt dies wohl 
daher, dafs die Lebensbedingungen für sie in jeder Hinsicht 
aufserordentlich günstig sind, wenn nach ausgiebigen Regen- 
niederschlägen viele kleine Beutler und andere Tiere in erstaun- 
lich grofser Menge auftreten, und dafs ferner die Jagd ihnen 
selbst dann oft wenig Mühe macht, wenn die Hand des Todes 
auf dem Lande zu ruhen scheint, und Tausende von Vögeln ge- 
zwungen sind, sich an den wenigen übriggebliebenen Trinkplätzen 
ein Stelldichein zu geben. 

Eine kleine interessante Beobachtung möge hier erwähnt 
werden. Auf der nördlichen Halbinsel sah ich unweit des Roper 
River einen rotkehlchengrofsen Vogel in einem Spinnenetze hängen. 
Als ich ihn auffand, war er schon ganz ermattet infolge der ver- 
geblichen Bemühungen, sich zu befreien, und kaum noch imstande, 
die von Zeit zu Zeit erfolgenden heftigen Angriffe der Ver- 
fertigerin des Netzes zurückzuweisen. Leider gelang es mir nicht, 
ihn zu bestimmen. Der Scheitel, die Seiten des Kopfes, der 
Nacken und die Oberseite des Rumpfes waren aschgrau, die 
Kehle und die Vorderbrust rostbraun, die Hinterbrust und der 
Bauch weifs, mit rostfarbigem Anfluge, die oberen Flügeldecken, 
die Schwung- und die Steuerfedern hell bräunlichschwarz. Die 
Gesamtlänge betrug 16 cm, die Schwanzlänge 6,7 cm und die Flug- 
weite 23 cm. 

Wie ich von naturkundigen Adelaidern hörte, schädigten 
im Südküstengebiet unter den eingeführten Tieren der Fuchs und 
der Sperling den Vogelbestand ziemlich bedeutend. Über den 
Sperling werde ich zum Schlufs einige Angaben machen. Er- 
wähnt sei hier nur, dafs er überall dort, wo er in gröfserer Zahl 
auftritt, vielen kleinen Vögeln den Aufenthalt mehr oder minder 
verleiden soll. Der Fuchs hat sich zwischen dem Spencer- Golf 
und der Kolonie Victoria stark vermehrt: in der südöstlichen 
Ecke dieses Landstriches sind mir auf meiner Wanderung oft 
mehrere Exemplare an einem Tage zu Gesicht gekommen. Da er 
ein arger Nestplünderer ist, und es ihm ziemlich häufig gelingt, 
erwachsene Vögel zu überlisten, so liegt es auf der Hand, dafs 
er, wie bei uns, manchen auf dem Boden brütenden Arten 
nennenswerten Abbruch tut. 

In der vorliegenden Arbeit sind die biologischen Beobach- 
tungen enthalten, welche ich vor mehreren Jahren auf Reisen in 
der Kolonie Südaustralien über deren Vogelwelt gemacht habe. 
Diese Reisen führten mich zweimal in der Nord-Südrichtung quer 
durch den Kontinent. Ihr Hauptzweck war die Erforschung des 



120 Erbard Ejlmann: 

Lebens und Treibens der eingeborenen Stämme*). Manche Er- 
scheinungen und Vorgänge im Leben der Vögel vermochte ich 
wegen Mangel an Zeit, ungünstiger klimatischer Verhältnisse u.s.w. 
überhaupt nicht oder nur höchst unvollkommen in den Kreis 
meiner Untersuchungen zu ziehen. Von den besprochenen Arten 
des Binnenlandes und des Nordküstengebietes ist mindestens 
ein totes Exemplar in meinem Besitze gewesen. Unter den an- 
geführten Arten des Südküstengebietes hingegen befinden sich 
manche, deren Vorkommen ich nur durch Beobachtung lebender 
Exemplare festgestellt habe. Die Jagd vermochte ich in diesem 
Landesteile nicht in dem Mafse auszuüben, wie mir lieb gewesen 
wäre, da manche Tiere zeitweilig oder immer durch Gesetze vor 
der Nachstellung geschützt sind. Besonders bemerkt sei, dafs 
ich die Vögel, deren Bestimmung mir nicht völlig gelungen ist, 
ganz unberücksichtigt gelassen habe. Bei der Benennung und 
Aneinanderreihung der Gattungen und Spezies hat mir die mit 
Recht geschätzte kleine Arbeit von Robert Hall „A Key to the 
Birds of Australia and Tasmania" als Richtschnur gedient. In 
dem Vorworte zu derselben sagt der Verfasser: ,,The opportunity 
to publish a ,Key to the Birds of Australia' is practically given 
in the catalogues of the British Museum dealing with the birds 
of the World, commenced in 1872 and concluded in the present 
year. The Key, comprising in each case a concise digest of the 
770 species of birds found in Australia and Tasmania is built 
principally upon these catalogues. Many descriptions are exactly 
reproduced, others are added to, and a portion is described from 
the author's coUection. The Classification is almost wholly that 
of the British Museum, while the nomenclature is entirely so . . ." 



Familie: Falconidae. 

üroaetus audax Lath. {Äquila audax Gray, A. fucosa Cuv.) 
— Der Keilschwanzadler ist auf dem ganzen australischen Fest- 
lande heimisch. Das Binnenland der Kolonie Südaustralien be- 
herbergt ihn in gröfserer Zahl. Am häufigsten findet er sich hier 
in den Landesteilen vor, wo das Tierleben verhältnismäfsig reich 
ist, wie in dem Entwässerungsgebiet der gröfsten Creeks und der 
Umgebung mancher Seen. An der Südküste ist er mir hin und 
wieder, an der Nordküste jedoch nie zu Gesicht gekommen. 
Gewöhnlich zeigt er sich einzeln oder paarweise. Gould berichtet, 
er habe auf einer seiner Reisen im Innern Australiens, nördlich 
von den Liverpool-Ebenen, 30 bis 40 Stück auf dem Kadaver 



1) E. Ejlmann, Die Eingeborenen der Kolonie Südaustralien. 522 S. 
Lex.-8<>. Mit 86 Lichtdrucktafeln, 12 Fig. im Text, einer Tabelle und 
einer tlbersichtskarte. Berlin 1908. Dietrich Eeimer (Ernst Vohsen). 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 121 

eines Ochsen versammelt gesehen. In Südaustralien wird er an 
einem Orte nie in pröfserer Anzahl beobachtet. In der Jugend 
ist er lichtbraun und im Alter fast schwarz. Die Farbenänderung 
des Gefieders scheint recht langsam vor sich zu gehen: gar oft 
sah ich Pärchen, die noch das Übergangskleid trugen. Es hält 
schwer, den Adler in seinem Leben und Treiben zu beobachten, 
denn er ist unter allen Umständen scheu, mifstrauisch und wach- 
sam. Aufser dem Menschen hat er keinen eigentlichen Feind. 
Der Buschmann macht nur ausnahmsweise Jagd auf ihn. Der 
Eingeborene hingegen verfolgt ihn bei jeder Gelegenheit mit 
grofser Ausdauer. Es ist aber nicht das Fleisch, sondern das 
Gefieder, nach dem ihn gelüstet. Die vom Schafte abgezogenen 
Fahnen der Schwung- und Steuerfedern verwendet er zu der Her- 
stellung von Zierbüschen und mit den weifsen Dunen schmückt 
er unter Benutzung von Menschenblut als Klebemittel das 
Gesicht, die Brust und andere Körperteile, sowie manche 
Kulturgeräte für geheime Zeremonien und dergleichen. Unser 
Keilschwanzadler ist ein kühner und gewandter Räuber. Soweit 
meine Erfahrungen reichen, jagt er hauptsächlich mittelgrofse 
Säugetiere und gröfsere Vögel. Ansiedlern soll er gesunde 
Lämmchen und Zickchen rauben. Frisches Aas verschmäht 
er durchaus nicht. Sein Tisch ist jedenfalls dann am besten 
gedeckt, wenn Tausende von Rindern und Schafen infolge 
anhaltender Dürre zu Grunde gehen. Wie ich mehr als einmal 
sah, fällt er über zusammengebrochene Kälber und Schafe schon 
dann her, wenn noch nicht alles Leben aus ihnen entflohen ist. 
Erwähnt sei noch, dafs manches Stück den Tod durch Fressen 
vergifteter Fleischbrocken findet, die für Dingos bestimmt sind. 
Der Horst steht auf den höchsten Bäumen des Landes, an Orten, 
die nur selten von dem Fufse eines Menschen betreten werden. 
Er ist aus dünnen, die Unterlage bildenden Ästen und Reisig 
zusammengesetzt. Ein Ei, das ich von Cooper's Creek mitbrachte, 
besitzt einen Längsdurchmesser von 7,7 cm und einen Querdurch- 
messer von 5,5 cm. Es ist rein eigestaltig und hat eine rauhe, 
schmutzig weifse Schale, die mit zahlreichen verwaschenen rötlich- 
braunen bis gelblichbrauuen kleinen Punkten und gröfseren 
Flecken versehen ist. An dem spitzen Ende sind diese Punkte 
und Flecke kranzartig zusammengedrängt. 

cf (Inneres) Federkleid schwarzbraun bis braunschwarz, 
Schnabel bläulichgrau, an der Spitze schwärzlich; Wachshaut 
gelblich weifs; Zehen schmutzig grauweifs; Krallen schwarz; Iris 
braun. Gesamtlänge: 82 cm, Länge des Schwanzes: 38,5 cm; 
Flugweite: 185 cm. Mageninhalt: Fleischfetzen. 

Haliaetus leucogaster Gmelin (Ichthyaetus leucogaster Gld.), 
— Der Weifsbäuchige Seeadler bewohnt das nördliche und süd- 
liche Randgebiet der Kolonie. An der Nordküste ist er ziemlich 
zahlreich verteten. An der Südküste hingegen scheint er zu den 



122 Erhard Ejlmann: 

selten vorkommenden Vögeln zu gehören: auf meiner mehr- 
monatigen Fufswanderung, am Meer entlang, zwischen dem St. 
Vincent Golf und dem Cape Otway in Victoria sah ich nur ein 
Exemplar, Im Binnenland ist er natürlich als echter Wüsten- 
vogel nicht heimisch. Über seine Fähigkeiten, sein Leben und 
Treiben weifs ich aus eigener Erfahrung wenig mitzuteilen. 
Während meines längeren Aufenthaltes an Knuckey's Lagoon, 
eines gegen 18 km vom Meere, inmitten einer Waldblöfse gele- 
genen kleinen Gewässers, konnte ich vor den Eintritt der Regen- 
zeit, um die Mitte stiller Sonnentage oft vier bis acht Exemplare 
beobachten, die hoch über mir im Ätherblau, selten mit den 
Flügeln schlagend, ihre Kreise zogen. Im Walde zeigte sich dort 
der Adler nur ausnahmsweise. Das unten kurz beschriebene 
Exemplar erlegte ich von dem Lagerplatze aus. Als ich eines 
Tages eine Gans ausweidete, sah ich es in wenig mehr als 15 m 
Entfernung auf dem nächsten Baume sitzen. Es schien keine 
Furcht vor mir zu haben und lugte gierig mit vorgestrecktem 
Halse nach dem Vogel in meinen Händen. Ein anderes, völlig 
ausgefärbtes Exemplar zeigte sich ebenso dreist. Innerhalb einer 
Woche stahl es mir drei Enten und einen Taucher, gleich nach- 
dem sie den Schufs erhalten hatten, und ich mich anschickte, 
sie zu holen. In bezug auf einen dieser Diebstähle habe ich 
folgendes in mein Tagebuch eingetragen: „Am Nachmittag schofs 
ich auf eine grofse Zahl von Augenbrauen-Enten, die, dicht 
geschart, am Rande des Billabongs safsen. Zwei Enten blieben 
leblos auf dem Platze, und zwei flatterten totwund davon. Während 
ich der einen verwundeten nachlief, kam ein grofser ausgefärbter 
Seeadler aus dem Walde, ergriff sie keine 60 m von mir mit den 
Fängen und trug sie davon. Die andere verwundete, die sterbend 
in ein nahes Gebüsch gefallen war, brachte mir ein umherlungernder 
Eingeborener. Als ich zum Billabong zurückkam, fand ich die 
beiden Enten, die augenblicklich durch den Schufs getötet worden 
waren, nicht mehr vor, an der betreffenden Stelle bemerkte ich 
aber Spuren nackter Menschenfüfse im Schlamme. Da mir kurz 
zuvor drei Eingeborene, zwei Männer und ein Weib, begegnet 
waren, so gewann ich sogleich die Überzeugung, das diese drei 
Leute die Vögel gestohlen hatten. Ohne Säumen lief ich ihnen 
nun mit der Flinte in der Hand nach. Als sie mich ankommen 
sahen, blieb einer der Männer zurück, und während er mir eine 
Ente auslieferte, suchte er mich durch einen grofsen Wortschwall 
von der Verfolgung seiner Mitschuldigen abzuhalten, damit die 
andere Ente in Sicherheit gebracht werden könnte. Durch 
Drohungen gelang es mir aber alsbald, seinen Plan zu vereiteln." 
9 juv. Kopf schmutzig weifs, Scheitel bräunlich gefleckt; 
Hals, Vorderbrust und Schenkel braun und weifs; Ilinterbrust 
und Bauch weifs, mit kleinen verschwommenen bräunlichen 
Flecken; Seiten rein weifs; untere Flügeldecke dunkelbraun, 
mit weifsen Flecken, und weifs mit braunen und grauen Flecken; 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 128 

Rücken, Scbulterfittiche und obere Flügeldecken dunkelbraun 
bis schwarzgrau, teilweise weifslich gefleckt; Schwungfedern 
weifs und braunschwarz bis grauschwarz, mit bräunlichen Flecken; 
Steuerfedern weifs, schwärzlich gefleckt. Schnabel schwärzlichgrau; 
Wachshaut bläulichgrau; Füfse schmutzig grauweifs; Iris braun. 
Gesamtlänge: 78 cm, Länge des Schwanzes: 24 cm, Flügellänge: 
57 cm, Schnabellänge: 5 cm, Lauflänge: 9,9 cm, Länge der 
Mittelzehe: 6,9 cm, Krallenlänge: 3 cm, Flugweite 1 m 95 cm. 

Haliastur sphenurus Vig. Der whistling eagle kommt in 
der ganzen Kolonie recht zahlreich vor, und zwar autfallend 
gleichmäfsig verteilt. Am häufigsten zeigt er sich dem Reisenden 
hoch oben in der Luft. Hier zieht er oft stundenlang, von blen- 
dendem Sonnenlichte Übergossen und selten ein paar Flügelschläge 
machend, seine Kreise. Trotz der bedeutenden Höhe kann man 
ihn leicht an dem grofsen kaffeebraunen Fleck, den die mittleren 
Schwungfedern bilden, und an dem häufig ausgestofsenen, lang- 
gezogenen, gellenden Schrei erkennen. Wenn ihn der Hunger 
quält, wagt er sich nicht seifen auf die Lagerplätze und Stationen 
seines Jagdgebietes; in der Nähe des Menschen vergifst er aber 
nie, auf seine Sicherheit bedacht zu sein. An Kühnheit, Mordlust 
und Gewandtheit wird er von vielen seiner Ordnungsgenossen 
übertroffen, die mit ihn die Kolonie bewohnen. Auf meiner 
letzten Reise in Australien fand ich Anfang August zwei Horste 
des Vogels am Lake Kilalpanina (östl. v. Lake Eyre) auf. Sie 
bestanden aus Reisern, waren gegen 5 m vom Erdboden entfernt 
und hatten eine Höhe von 60 bis 70 cm und oben einen Durch- 
messer von 40 cm. Die Mulde besafs eine ganz geringe Tiefe 
und war mit frischen Blättern des Nistbaumes (Eucalyptus micro- 
theca) belegt. In jedem Neste befanden sich zwei unbebrütete 
Eier. Sie waren kurz-oval, hatten eine grünlich- bis bläu- 
lichweifse Grundfärbung und wiesen viele dunkelbraune und 
verwaschene graubraune Flecke auf, die an dem stumpfen Ende 
am gröfsten und zahlreichsten, am spitzen Ende am spärlichsten 
und kleinsten waren. Die Innenseite der Schale hatte eine eintönige 
hellblaugrüne Farbe. Unter dem einen Nistbaume lagen ein 
paar kleine Knochen und unter dem anderen Hautstücke von 
Kaninchen, Reste einer Krähe und einer Ente, sowie kleine 
Knochen. 

Haliastur girrenera Vi eil. {H. leucosternus Gld.). Dieser 
schöne braun und weifse Vertreter des H. indus bewohnt das 
Nord- und Ostküstengebiet Australiens. Er ist mir hin und wieder 
am Port-Darwin zu Gesicht gekommen. Erbeutet habe ich kein 
Exemplar. 

Milvus affinis Gld. Der australische Milan ist über die 
ganze Kolonie verbreitet. An der Nordküste und im Binnenlande 
übertrifft er vielerorten alle anderen Raubvögel ganz bedeutend 



124 Erhard EylmaoD: 

an Zahl. Dem Schmarotzermilan gleicht er nicht nur in der Gröfse 
und der Färbung des Federkleides, sondern auch in der Lebens- 
weise und dem Verhalten zum Menschen. Am liebsten treibt er 
sich in der Nähe der Stationen, auf Lagerplätzen von Ein- 
geborenen und an Wasserlöchern umher, wo oft reisende Busch- 
leute übernachten. Er fliegt langsam aber gewandt und sicher. 
Beim Fluge in der Höhe schwebt er oft lange Zeit ohne Flügel- 
schlag, nur mit dem grofsen gabelförmigen Schwänze in augen- 
fälliger Weise steuernd, dahin. Sein Gang ist schwerfällig und 
ungeschickt. Meist begibt er sich nur auf den Boden, um 
Nahrung von demselben aufzunehmen. Die Nahrung besteht der 
Hauptsache nach in gröfseren Kerbtieren, Eidechsen, kleinen 
mause- und rattenartigen Säugetieren, Nestjungen, Eiern und Aas. 
Auf erwachsene Vögel macht er wohl selten oder nie Jagd. Be- 
sonders gut scheinen ihm die Heuschrecken zu munden: in dem 
Magen der meisten von mir erlegten Exemplare fand ich diese 
Insekten in grofser Zahl vor. Auf einem Ritt am Roper River 
umflogen mich eines Tages stundenlang acht bis zehn Milane, 
die mit bewunderungswerter Gewandtheit, die von meinen Pferden 
aufgescheuchten Heuschrecken erhaschten. Auf den Stationen und 
den Lagerplätzen wird der Milan durch seine Stehlsucht und Zu- 
dringlichkeit oft recht lästig. Mehr als einmal ist mir der mit 
Fleisch am Feuer stehende Kochtopf von einem recht frechen 
Exemplare umgerissen worden, wenn ich mich auf ein paar Minuten 
von dem Lagerplatze entfernt hatte. Als ich mich an Knuckey's 
Lagoon aufhielt, waren die mir Gesellschaft leistenden Milane 
schliefslich so zutraulich geworden, dafs sie jeden Knochen oder 
Fleischbrocken, den ich ihnen zuwarf, sogleich in der Luft er- 
haschten. Bei meinen Mahlzeiten safsen sie, keine 20 m von mir 
entfernt, auf den untersten Zweigen der nächsten Bäume und warteten, 
beständig nach mir äugend, auf eine Gabe. Zeigte ich mich nicht 
sehr freigebig, so gaben sie mir ihre Ungeduld durch Schreien 
zu erkennen. Es scheint, dafs der Milan sich nur dann fortpflanzt, 
wenn die Natur durch reichliche Regenniederschläge Nahrung in 
Fülle für ihn erzeugt hat, denn im ganzen Binnenlande sind mir 
Nester mit Eiern oder Jungen nie und jugendliche Exemplare 
im weifsgefleckten Kleide nur sehr selten zu Gesiebt gekommen. 
9 (Elsey Creek). Schnabel schwärzlich; Füfse und Wachs- 
haut gelb; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 52 cm, Länge des 
Schwanzes: 27cm, Flügellänge: 41,5cm, Schnabellänge: 3,1 cm, 
Länge der Schnabelöffnung: 3,8 cm, Lauflänge: 5 cm, Länge der 
Mittelzehe: 3,5 cm, Krallenlänge: 1,3 cm, Flugweite: 116 cm. 
Mageninhalt: sehr viele Heuschrecken. 

Eieracidea berigora Vig. u. Horsf. (Jeracidea berigora Gld.) 
— Dieser Raubvogel, von den Weifsen des Landes western brown 
hawk genannt, kommt im ganzen Binnenlande der Kolonie ziem- 
lich häufig vor. Er ist ein wilder, fluggewandter, dreister Räuber. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien, 126 

Es scheint, dafs er, wie der Wanderfalke, nur fliegende oder frei 
auf Bäumen sitzende Vögel fängt: einigemal sah ich, dafs er Enten 
zum Aufsteigen zu bringen suchte. Auf der Missionsstation 
Kilalpanina soll er oft tlaustauben rauben. Äufser warmblütigen 
Tieren bilden Eidechsen einen Hauptbestandteil seiner Nahrung. 
9 (Cooper's Creek). Oberschnabel bleifarbig, an der Spitze 
schwärzlich; Unterschnabel bläulichweifs; Wachshaut, nackte 
Umgebung der Augen, sowie Füfse gelblich- bis bläulichhellgrau; 
Krallen schwärzlich; Iris braun. Gesamtlänge: 46,5 cm, Flügel- 
länge: 35 cm, Schwanzlänge: 21 cm, Schnabellänge: 2,2 cm, 
Lauflänge: 7,9 cm, Länge der Mittelzehe: 4,7 cm, Krallenlänge: 
1,9 cm, Flugweite!: 1 m 2 cm. Mageninhalt: Haut einer kleinen 
Eidechse, Raupeuköpfe und Kaninchenhaare. 

Cerchneis cenchroidesYig.u. Horsf. (Tinnunculus cenchroides). 
— Der Rötelfalk soll überall auf dem australischen Festlande 
zu Hause sein. Ich habe ihn oft im Binnenlande der Kolonie 
und einmal in der Nähe von Adelaide beobachtet. Er ist ein 
lebhafter behender Vogel Die Beute pflegt er mit Ungestüm zu 
ergreifen. Von den an Cooper's Creek wohnenden Diäri hat er 
deshalb den Namen tirri-tirri, d. h. sehr heftig, erhalten. Es 
scheint, dafs er auf kleinere Vögel häufiger Jagd mache, als 
der ihm sehr nahe stehende Turmfalke. 

(f (Oberlauf des Finke River). Schnabel vorn schwärzlich, 
hinten gelblich; Wachshaut und Augenring zitronengelb; Füfse 
orangenfarbig; Kralleu gelblichweifs; Iris dunkelbraun. Gesamt- 
länge: 31,5 cm, Schwanzlänge: 16 cm, Flugweite: 69 cm. 

Falco lunulatus Lath. — Dieser kleine, dem Baumfalken 
sehr nahestehende Raubvogel ist im Binnenlande keine seltene 
Erscheinung. Er zeichnet sich durch Fluggewandtheit und Keck- 
heit aus. Die Jagd betreibt er vorzugsweise an den Trinkplätzen, 
wo sich die kleinen gesellig lebenden Vögel, wie Zebrafinken und 
Wellensittiche, in grofsen Scharen einzufinden pflegen, 

cf (Oberlauf des Finke River). Schnabel vorn schwarz, 
hinten bläulichgrau; Füfse und Wachshaut zitronengelb, Iris 
braun. Gesamtlänge: 32 cm, Schwanzlänge: 14, Flugweite: 70 cm. 
Mageninhalt: Teile eines kleinen Vogels. Parasiten: frei in der 
Leibeshöhle sehr viele fadenförmige Würmer. 

Fandion leucocephalus Gld. — Von P. haliaetus unter- 
scheidet sich der australische Fischadler bekanntlich nur sehr 
wenig. Er soll in Tasmanien und an der ganzen Festlandküste 
zu Hause sein. Während meines jahrelangen Aufenthaltes in der 
Kolonie Südaustralien ist mir nur ein Exemplar zu Gesicht ge- 
kommen, und zwar unter dem 26. Breitengrade in einer der 
ödesten, wasserärmsten Gegenden des Innern. Als ich eines 
Tages auf meiner ersten Überlandreise an einem Wasserloche in 



126 Erhard EjlmanD: 

Blood's Creek (26® südl. Br.) mein Mittagessen kochte, sah ich 
den Vogel auf einem der nächsten niedrigen Gummibäume, in einer 
Entfernung von wenig mehr als 15 m sitzen. Schnell war er durch 
einen wohlgezielten Revolverschufs erlegt. Leider wurde er mir, 
ehe ich ihn gezeichnet, beschrieben und gemessen hatte, von 
einem gezähmten Dingo zerrissen. Wie ich von Mr. Byrne, dem 
hochgebildeten Stationmaster der nahegelegenen Überlandtele- 
graphen-Station Lady Charlotte Waters hörte, zeige sich der Adler 
nur ganz ausnahmsweise in der betreffenden Gegend. 

Familie Strigidae. 

Ninox hoobooJc Lath. (Athene boobooJc Gld.). — Die Boo- 
book-Eule bewohnt den allergröfsten Teil der Kolonie. Den 
melodischen schwermütig klingenden Ruf ubuuk oder hubuuk 
habe ich auf meinen beiden Überlandreisen bei nächtlicher Weile 
überall in der Nähe gröfserer Wasserläufe gehört. Auf der nörd- 
lichen Halbinsel wird er aber wohl von N. ocellata hergerührt 
haben, die sich von der in Rede stehenden Art nur durch geringere 
Körpergröfse unterscheidet und im Nordwesten des Festlandes 
dieselbe vertreten soll. Stellenweise mufs unsere Boobook-Eule 
in recht beträchtlicher Zahl vorhanden sein. Auf meinen Wan- 
derungen an den grofsen Creeks, die das Finke River-System der 
Hauptsache nach zusammensetzen, schallten allabendlich von nah 
und fern aus den mächtigen Creekgummibäumen (Eucalyptus 
rostrata) ihre Rufe zu mir herüber. Am Tage sah ich nur ein 
paar Exemplare, die von jagenden Eingeborenen aus ihren in 
Baumhöhlen befindlichen Verstecken gescheucht worden waren. 

Ninox rufa Gld. — Diese grofse, rostbraune Eule bewohnt 
das nördliche Küstengebiet der Kolonie. Die kleineren Vögel 
umfliegen sie mit lautem Gezanke, wenn sie sich am Tage zeigt. 
In dem Magen eines Exemplares, das ich am Port Darwin, in- 
mitten eines Gummibaumdickichtes, erlegte, befand sich ein halb- 
verdautes Beuteltier von der Gröfse einer Ratte. 

Familie: Corvidae. 

Corvus coronoides Vig. u. Horsf. — Die Weifsäugige Krähe 
ist ohne Zweifel einer der klügsten australischen Vögel. Wie 
viele ihrer nächsten Verwandten, trägt auch sie die Farbe der 
Trauer und der Nacht. Die Federn sind aber nur scheinbar 
ganz schwarz: rupft man sie aus, so findet man zu seiner Über- 
raschung, dafs der flaumige Grund der allermeisten schneeweifs 
ist. Unserer Rabenkrähe (C. corone) sieht sie zum Verwechseln 
ähnlich. Die grofse Ähnlichkeit bezieht sich aber nicht nur auf das 
Äufsere, sondern auch auf das innere Sein. Am besten lassen 
sich die beiden Krähen durch die Färbung der Regenbogenhaut von- 
einander unterscheiden: bei der australischen Art ist dieselbe perl- 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 127 

weifs, bei der europäischen bräunlichschwarz. Dieser Unterschied 
fehlt aber in vielen Fällen, denn unser australischer Vogel hat 
in der Jugend dunkelbraune Augen. 

Die Weifsäugige Krähe ist über die ganze Kolonie verbreitet. 
Auf der grofsen nördlichen Halbinsel kommt sie nicht häufig vor. 
In den übrigen Teilen des Landes dagegen ist sie überall dort einer 
der gemeinsten Vögel, wo sie reichlich Nahrung findet. Sie kann mit 
vollem Rechte als ein Standvogel bezeichnet werden. Ihren Wohnort 
verläfst sie nur dann, wenn ihr das Trinkwasser ausgegangen ist. 
Im Binnenlande trifft man sie in der Regel nur in der Umgebung 
der spärlich vorhandenen Wasserstellen an. Aus diesem Grunde 
rechnet der Buschmann, wie auch der Eingeborene, sie zu den 
Vögeln, die auf das Vorhandensein von Wasser aufmerksam 
machen : scheucht der Wanderer ein Krähenpaar auf, und benimmt 
es sich wenig furchtsam und zeigt es keine Neigung in die Ferne 
zu fliegen, so weifs er, dafs Wasser in der Nähe ist. 

Die Gatten halten dem Anschein nach zeitlebens zusammen. 
Nie entfernen sie sich weit voneinander, und jede Nahrungsquelle 
beuten sie gemeinschaftlich aus. In vielen Gegenden des Bmnen- 
landes zwingt sie die grofse Dürftigkeit der Tier- und Pflanzen- 
welt, allein zu leben ; wo reichlich Nahrung vorhenden ist, pflegen 
sich aber zahlreiche Paare zu Flügen zusammenzutun. 

Unser Vogel fliegt langsam, aber ohne grofse Anstrengung. 
Fühlt er sich recht behaglich, und ist sein Sinnen und Trachten 
nicht ganz auf den Erwerb von Nahrung gerichtet, so läfst er 
sich zuweilen im Fluge spielend eine kurze Strecke aus der Höhe 
herabfallen, wie es die Saatkrähe und die Dohle manchmal auf 
dem Zuge tun. Auf dem Boden weifs er sich weniger gewandt 
zu bewegen als in der Luft. Beim Gehen schwingt er den Leib in 
horizontaler Richtung hin und her und nickt ein wenig mit dem 
Kopfe. Hat er es eilig, so pflegt er schwerfällig in grofsen Sätzen 
zu hüpfen. 

Seine Stimme läfst er oft hören. Die Töne, welche man 
gewöhnlich von ihm vernimmt, klingen wie ark ark arrrk. In 
behaglicher Ruhe auf einem Baume sitzend, gibt er zuweilen eine 
Art leisen Gesanges zum besten. 

Welch hohe geistige Begabung und erstaunliche Sinnesschärfe 
die Krähe besitzt, zeigt sie besonders beim Nahrungserwerb. 
Aus Erfahrungen weifs sie vortrefflich Schlüsse zu ziehen. Leicht 
errät sie in ungewohnter Lage, was ihr nützt, und was ihr schadet, 
und schnell eignet sie sich eine bedeutende Kenntnis der Gewohn- 
heiten des Menschen an. Dem Weifsen gegenüber benimmt sie 
sich keck, ja selbst tollkühn, in der Nähe des Eingeborenen hin- 
gegen ist sie mifstrauisch und vorsichtig. Ihre Klugheit läfst 
sie aber völlig im Stiche, wenn der Hunger sie arg quält: nicht 
selten begibt sie sich dann blindlings in die gröfste Lebensgefahr. 
Auf einem meiner Lagerplätze in einer der ödesten und abgelegensten 
Gegenden des Innern fing ich einst in einer Schlinge mit Schnellstock 



128 Erhard Eylmann: 

innerhalb einer halben Stunde sieben Stück, die von starkem 
Fleiscbgeruch aus der Ferne herbeigelockt waren und begonnen 
hatten, mit einer Dreistigkeit sondergleichen meine auf dem Boden 
liegenden Habseligkeiten zu durchsuchen. 

An Stehlsucht, Mordlust und Gefräfsigkeit steht die Krähe 
nur hinter den allerschlimmsten der gefiederten Räuber des Landes 
zurück. Kein Säugetier bis zu der Gröfse einer Ratte, keine 
Eidechse ist vor ihr sicher, und zur Brutzeit plündert sie die 
Nester aller Vögel. 

Man kann sie mit einem gewissen Rechte als Allesfresser 
bezeichnen. In den unwirtlichen Binnenlandsdistrikten scheinen 
während der Trockenzeit Eidechsen, Insekten, Früchte und Säme- 
reien den Hauptbestandteil ihrer Nahrung zu bilden. Aas frifst 
sie leidenschaftlich gern und weifs es mit grofser Sicherheit auf- 
zufinden. Zu Zeiten lange anhaltender Dürren, wenn der Tod reiche 
Ernte unter den Herdentieren der Ansiedler hält, schwelgt sie daher 
oft im Überflusse. In der nördlichen Binnenlandshälfte ist sie 
nicht gar selten in der Lage, ihre Frefsgier auch mit dem Fleische 
toter Menschen zu befriedigen. Die Mehrzahl der Stämme pflegt 
hier verstorbene Angehörige auf Bäumen beizusetzen. Den Leich- 
nam sucht man zwar stets auf seiner vogelhorstähnlichen Ruhestätte 
durch eine Decke aus Reisig (Binnenland) oder eine Hülle aus 
weicher Rinde (nördliche Halbinsel) vor den Fleischfressern der Lüfte 
zu schützen, unser tätiger und schlauer Vogel weifs sich aber trotz- 
dem oft Zugang zu demselben zu verschafl'en. Unweit Tennant's 
Creek gelangte ich einst im Scrub auf einen Platz, wo eine 
gröfsere Zahl von Menschen und mehrere Hunde auf Bäumen 
beigesetzt waren. Zu einer Ruhestätte, von der ich eine Schar 
Krähen hatte auffliegen sehen, kletterte ich hinauf. Sie bot einen 
gar seltsamen Anblick. Auf einer dichten Schicht von Knüppeln 
und Zweigen lag ausgestreckt auf dem Rücken der eingetrocknete 
Körper eines jungen Weibes. Der Unterkiefer fehlte, an Stelle 
der linken Mamma befand sich ein tiefes Loch im Brustkasten, 
und die Vorderseite der Glieder war überall angefressen. 

Trotz ihrer gefälligen leiblichen und geistigen Begabung 
mag der Weifse des Binnenlandes die Krähe nicht, da sie für ihn 
ein wahrer Unheilstifter ist. Neugeborenen sowie kranken Schafen 
und Ziegen hackt sie die Augen aus. Wie ich von glaubwürdigen Vieh- 
züchtern hörte, fände sie sich bei trächtigen Schafen und Ziegen kurz 
vor dem Geburtsakte ein, um sogleich über die Jungen und die 
Nachgeburt herfallen zu können. Ob diese schier unglaublich 
klingenden Angaben auf Wahrheit beruhen, mufs ich dahingestellt 
sein lassen. Dafs aber seine Sinneschärfe und seine Befähigung, 
aus Erfahrungen Schlüsse zu ziehen, völlig ausreichen, solche 
Handlungen zu vollführen, hat mir unser Vogel oft genug gezeigt. 
In besonders unangenehmer Weise macht er sich den reisenden 
Buschleuten auf den Lagerplätzen bemerkbar. In die Fleisch- 
säcke reifst er Löcher, alles, was er für geniefsbar hält, selbst 



Die Yogelwelt der Kolonie Südaustralien. 129 

Seife, frifst er an oder trägt er davon, den Inhalt der Satteltaschen 
beschmutzt und beschädigt er, Töpfe, die mit Fleisch am Feuer 
stehen, reifst er um und dergleichen mehr. Seine grenzenlose 
Frefsgier gereicht ihm nicht selten zum Unglück und Verderben. 
Einmal sah ich einen der frechen Gesellen, der hinter meinem 
Rücken einen Pfannkuchen halb aus einer auf brennenden Knüppeln 
stehenden Pfanne gezogen hatte, mit weit aufgesperrtem Schnabel 
davonfliegen. Jedenfalls hatte er sich bei seinem Diebstahlsversuche 
arg verbrannt. Auf der Telegraphenstation an Barrow's Creek 
wurde mir ein geschossenes Exemplar gezeigt, dem alle Zehen 
fehlten. Der Beschaffenheit der Fufsstümpfe nach, mufste es die- 
selben schon lange vor seinem Tode verloren haben. Wahrschein- 
lich hatte es sich die Verstümmlung dadurch zugezogen, dafs es 
in seinem Heifshunger auf ein unter der Asche glimmendes Lager- 
feuer geflogen war. Verläfst der Weifse oder der Eingeborene 
den Lagerplatz, so stürzen sich nämlich die in der Nähe befind- 
lichen Krähen sofort auf alles Zurückgebliebene, das sie für geniefs- 
bar halten. Der Buschmann schiefst selten oder nie auf Vögel, 
die ihn belästigen oder schädigen, da die Patronen teuer sind, und 
er meist nicht einmal über die Geldmittel verfügt, die zu den 
notwendigen Bedürfnissen des Lebens gehören. Für die Dingos 
legt er aber oft mit Strychnin vergiftete Fleischbrocken aus. In 
manchen Gegenden der südlichen Hälfte der Kolonie wird hier- 
durch in auffallend starker Weise unter den Krähen aufgeräumt. 
Erwähnt sei noch, dafs unser Vogel sich in dem eigentlichen 
Kulturgebiete Südaustraliens, dem zwischen Victoria und dem 
Spencer Golf gelegenen Landstriche, besonders durch seine 
Diebereien in den Obst- und Weingärten verhafst gemacht hat. 

Das Nest besteht der Hauptsache nach aus Reisig und hat 
eine ziemlich tiefe tassenförmige Mulde, die mit Bast ausgepolstert 
ist. Im Binnenlande sieht man es fast nur in nächster Nähe 
von Wasser auf Eucalyptus rostrata und E, microtheca, den beiden 
Charakterbäumen der Creeks. Die Eier haben eine grünliche 
Grundfarbe und weisen zahlreiche bräunliche Flecke auf. 

Das Fleisch schmeckt so schlecht wie das der echten Raub- 
vögel. Der Eingeborene ifst es, meist aber nur dann, wenn die 
Nahrungsmittel recht knapp sind. 

Die Weilsäugige Krähe hat mir auf meinen mehrjährigen 
Wanderungen gar manche Verdriefslichkeit bereitet; kein Vogel 
ist mir aber lieber gewesen als sie. Gelangte ich gegen Abend 
nach langem Ritt im Sonnenbrande aus der schweigenden Ein- 
samkeit des Scrubs durstig, bestaubt und ermattet zu einer 
Wasserstelle mit hohen schattenspendenden Gummibäumen, so 
pflegte mich das Krähenpaar, das dort seineu Wohnsitz hatte, 
mit lauten Rufen zu begrüfsen. In diesem Falle unterliefs ich 
es nie, ihm bei meiner Mahlzeit ein paar Fleischbrocken zuzu- 
werfen. Lag ich dann schreibend am Lagerfeuer, so blieb es, 
recht zutraulich gemacht, so lange in meiner Nähe, bis die 

Joom. f. Um. LIX. Jahrg. Janaar 1911. 9 



130 Erhard Eylmann: 

Schatten der Dämmeriing sich herabgesenkt hatten, und die Tiere 
der Nacht ihre Stimmen vernehmen liefsen. Am nächsten Morgen, 
wenn die ersten Sonnenstrahlen die Baumkronen vergoldeten, und 
ich das Frühstück zu mir nahm, war es schon zur Stelle, und wenn 
ich meinen Ritt fortsetzte, begleitete es mich in langsamem Fluge, 
von Zeit zu Zeit auf einem Baume Rast machend, mehrere Kilo- 
meter weit. 

9 (Nordküste). Schnabel und Füfse schwarz. Iris milchweifs, 
mit schmalem himmelblauen Saume. Gesamtlänge: 48 cm, Flügel- 
länge: 33 cm, Schwanzlänge: 19,5 cm, Schnabellänge: 6 cm, 
Länge der Schnabelöffnung: 6,4 cm, Lauflänge: 7,1 cm, Länge der 
Mittelzehe: 4,6 cm, Krallenlänge: 1,7 cm, Flugweite: Im. Magen- 
inhalt: Insektenreste und Pflanzenstoife. 

Corcorax melanorhamphus Vieill. — Dieser schöne lebhafte 
Vogel ist mir hin und wieder in den Gummibaumwäldern der 
Südostecke der Kolonie zu Gesicht gekommen. Seine Nahrung 
pflegt er auf dem Boden zu suchen. 

Familie: Oriolidae. 

Sphecotheres flaviventris Gld. — Ich habe diesen Vogel nur 
in den Flufsdickichten (jungle) der grofsen nördlichen Halbinsel 
angetroffen. 

cf. Schnabel schwarz; Füfse fleischfarbig; nackter Augen- 
fleck gelblich, mit gelben und fleischfarbigen Wärzchen besetzt. 
Gesamtlänge: 28 cm, Schwanzlänge: 11 cm, Länge der Schnabel- 
öffnung: 3,1 cm, Flugweite: 45 cm. 

Familie: Dicruridae. 

Chibia bradeafa Gld. (Dicrurus bracieatus). — Dem austra- 
lischen Würgerschnäpper (Drongo) bin ich nur auf der nördlichen 
Halbinsel begegnet. Zahlreich scheint er hier nicht vertreten zu 
sein. Er ist ein recht lebhafter Vogel. Seine Nahrung besteht 
in allerlei Insekten. 

cf . Schnabel und Füfse schwarz ; Iris rot. Gesamtlänge : 29 cm, 
Schwanzlänge: 14 cm, Flügellänge: 17 cm, Schnabellänge: 3,1 cm, 
Länge der Schnabelöfi'nung: 3,4 cm, Lauflänge: 2,6 cm, Länge 
der Mittelzehe: 1,6 cm, Krallenlänge: 0,9 cm. 

Familie: Prionopidae. 

GralUna picdta Lath. (G. australis Gray). — Die Drossel- 
stelze ist über die ganze Kolonie ziemlich gleichmäfsig verbreitet. 
In dem unwirtlichen Binnenlande hält sie sich immer an den 
Wasserlöchern der Creeks, den Claypans und den wenigen anderen 
Gewässerformen auf. In ihrer Lebensweise und ihrem Gebaren 
gleicht sie den Bachstelzen und in ihrem Fluge den Kiebitzen. 
Die Nahrung, die wohl so gut wie ausschliefslich in Insekten 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 131 

aller Art besteht, sucht sie sich auf dem Boden. Sie lebt paar- 
oder familienweise. Ein echter Standvogel scheint sie nicht zu 
sein. Die Mitglieder der Horn-Expedition trafen in der Lake 
Eyre-Senke einen aus mehreren hundert Stück bestehenden Trupp 
an, von dem Prof. Spencer, der Zoologe der Expedition, annimmt, 
dafs er sich auf der Wanderung befand. Durch die Anmut und 
die Zierlichkeit der Bewegungen, sowie durch die grofse Emsigkeit 
in der Suche nach Nahrung fesselt unser Vogel den Beobachter 
in hohem Grade. Er ist recht zutraulich. Den Menschen läfst 
er meist bis auf fünfzehn, zwanzig Schritt an sich herankommen. 
Wird er aufgescheucht, so fliegt er gewöhnlich nur eine ganz 
kurze Strecke weit. Er hat eine flötende Stimme. Das Fleisch 
schmeckt schlecht, wie ich aus eigener Erfahrung weifs. Das 
Nest ist napfförmig und hat ungefähr eine lichte Weite von 12 cm 
und eine Tiefe von 7 cm. Es pflegt auf dicken, mehr oder minder 
wagerechten Zweigen aufgebaut zu sein. Die Wandung besteht 
aus Lehm, dem einige Hälmchen, Baststückchen u. s. w. beigemengt 
sind, und die Polsterung aus Federn und allerlei weichen pflanz- 
lichen Stoffen. Die Weifsen des Landes nennen die Drosselstelze 
Elsterlerche (magpie lark). 

cT (Inneres). Schnabel gelblichweifs, First schwärzlich; Füfse 
grauschwarz; Iris hellgelb. Gesamtlänge: 31 cm, Schwanzlänge: 
13,5 cm, Flügellänge: 21cm, Flugweite: 49 cm, Schnabellänge: 2,1cm, 
Länge der Scbnabelöffnung: 3,1 cm, Lauflänge: 5 cm, Länge der 
Mittelzehe: 2,6 cm, Krallenlänge: 0,6 cm. Mageninhalt: Beine, 
Flügeldecken u. s. w. von Käfern. 

Collyriocincla rufiventris Gld. — Diesen unscheinbar rost- 
farbiggrau gefärbten Vogel habe ich nur einige Male in zentralen 
Gebietsteilen der Kolonie angetroffen. In der Lebensweise und 
dem Benehmen hat er viel Ähnlichkeit mit unsern Drosseln. 
Die Stimme klingt recht angenehm. 

9. Über den Augen ein blasser rostfarbiger Strich; Schnabel 
schwärzlich; Füfse grauschwarz; Iris braun. Gesamtlänge: 28 cm, 
Schwanzlänge: 11 cm, FlügeUänge: 13,5 cm, Flugweite: 36 cm, 
Schnabellänge: 2,5 cm, Länge der Schnabelöffnung: 3,2 cm, 
Lauf länge: 3,5 cm, Länge der Mittelzehe: 2 cm, Krallenlänge 
0,7 cm. Mageninhalt: Heuschreken. 

Familie: Campephagidae. 

Graucalus melanops Lath. — Dieser Vogel ist in der ganzen 
Kolonie zu Hause. Am häufigsten habe ich ihn in dem höhen- 
reichen Innern bemerkt. Als Aufenthalt wählt er sich Gelände- 
teile, die mit hohen Bäumen bestanden sind, z. B. Weitungen 
gröfserer Creeks. Es hält meist schwer, ihn in der Nähe zu 
beobachten, denn er ist unter allen Umständen sehr vorsichtig 
und mifstrauisch. 

9* 



132 Erhard Ejlmann: 

I cT (Krichaufif Range). Schnabel schwarz; Füfse grauschwarz ; 
Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 32,5 cm, Länge des Schwanzes: 
15,5 cm, Flügellänge: 20,2 cm, Flugweite: 56 cm, Schnabellänge: 
2,7 cm, Länge der Schuabelöfifnung: 3,7 cm, Laufläuge: 3,2 cm, 
Länge der Mittelzehe: 2,1 cm, Krallenlänge: 0,9 cm, Mageninhalt: 
Heuschrecken. 

II 9 (nördliche Halbinsel). Gesamtlänge: 29 cm, Schwanz- 
länge: 14 cm, Flugweite: 49 cm. Mageninhalt; Insektenreste. 

III cT juv. (Reynold's Range). Vorderkopf und Kehle asch- 
grau; Zügel, Umgebung der Augen und Ohrgegend schwarz. 
Gesamtlänge: 31 cm, Schwanzlänge: 15 cm, Flugweite: 50 cm. 
Mageninhalt: Heuschrecken und Käfer. 

Graucalus hypoleucus Gld. — Dieser Raupenfresser kommt 
in der Kolonie nur auf der nördlichen Halbinsel vor. 

cf. Schnabel und Füfse schwarz; Iris dunkelbraun. Gesamt- 
länge: 27 cm, Schwanzlänge: 11,5, cm, Flugweite: 44 cm. Magen- 
inhalt: Käfer. 

Familie: Muscicapidae. 

Petroeca Leggii Sharpe (P. muUicolor Swains.). — In seiner 
Lebensweise erinnerte mich dieser Vogel an das Rotkehlchen. Am 
liebsten hält er sich auf einem Gelände auf, das licht mit Sträuchern 
bestanden ist. In dem östlichen Teil des Südküstengebietes traf 
ich ihn stellenweise ziemlich oft an. Ein Nest von ihm, das ich 
auffand, war napfförmig und bestand gröfstenteils aus Bast. 

Fetroeca Goodenovii Vig. u. Horsf. — Dieser Vogel ist mir 
zwischen dem 22^ südl. Breite und der Südküste zu Gesicht 
gekommen. Im Binnenlande führt er ein verstecktes Leben im 
Scrub. Er zeigt sich hier nicht selten, gewöhnlich aber nur 
einzeln oder paarweise. Im South-east gehört er vielerorten zu 
den gemeinsten Vögeln. 

Diese und die zuvor besprochene Art scheinen der Haupt- 
sache nach von Insekten zu leben. Der gemeine Mann nennt 
beide „robin-red-breast". 

Smicrornis flavescens Gld. — Dieser „tree-tit" ist kaum so 
grofs als ein Goldhähnchen. Wir dürfen ihn wohl als den 
kleinsten Vogel der Kolonie betrachten. Trotz seiner Kleinheit 
entgeht er nicht leicht der Wahrnehmung, da er äufserst lebens- 
lustig und rührig ist. In unserer Kolonie kommt er auf der nörd- 
lichen Halbinsel und im Innern vor. Er zeigt sich gewöhnlich einzeln, 
paar- oder familienweise. Gould sagt von ihm, dafs er sich in der 
Gegend von Port Essington mit Vorliebe in dem Wipfel hoher Bäume 
aufhalte. Die Exemplare, welche mir im nördlichen Küstengebiet 
zu Gesicht gekommen sind, gingen der überwiegenden Mehrzahl 
nach in niedrigem Gebüsch lichter Waldstellen der Nahrung nach. 

cf (nördliche Halbinsel). Schnabel und Füfse bräunlichgrau; 
Iris schmutzig weifs. Gesamtlänge: 9 cm, Schwanzlänge: 3,1 cm, 
Flugweite: 13 cm, Schnabellänge: 0,7 cm, Länge der Schnabel- 
öffnung: 1 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 188 

Smicrornis hrevirosiris Gld. — Dieses Vögelchen habe ich 
nur in der Umgegend von Adelaide gesehen. 

Malurus dorsalis Lew. (M. cruentaius). — Der Rotrückige 
Staffelschwanz, eines der zierlichsten und farbenprächtigsten 
Vögelchen Australiens, findet sich in der Kolonie nur auf der nörd- 
lichen Halbinsel vor. In der Lebensweise und dem Gebaren hat er 
vieles mit unserem Zaunkönige gemein. Meist zeigt er sich paarweise. 
Er ist ein lebenslustiger, auffallend unruhiger Geselle. In der 
Nähe des Menschen scheint er sich nicht behaglich zu fühlen. 
Völlig offenes Gelände meidet er ganz. Die Nahrung sucht er 
sich, rastlos wandernd, unten in dichtem Gebüsch und auf dem 
Boden. Gelangt er hierbei auf eine nackte Bodenstelle, so hüpft 
er in höchster Eile mit hoch erhobenem Schwänze über sie hinweg 
dem nächsten Busche oder Grasdickichte zu; zum Fliegen ent- 
schliefst er sich nur ausnahmsweise. 

I cf. In Mauser (Oktober). Schnabel schwarz; Füfse grau 
bis fleischfarbig. Gesamtlänge: 10,5 cm, Schwanzlänge: 4,2 cm, 
Flugweite: 11,5 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

II 9- Gesamtlänge: 10 cm, Schwanzlänge: 4,3 cm, Flugweite: 
12,5 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

Malurus leuconotus Gld. — Dem Weifsrückigen Staffelschwanz 
bin ich nur östlich vom Lake Eyre begegnet. 

d*. Schnabel tiefschwarz; Füfse bräunlichschwarz; Iris dunkel- 
braun. Gesamtlänge: 13 cm, Schwanzlänge: 6,3 cm, Flügel- 
länge: 5,2 cm, Schnabellänge: 1 cm, Länge der Schnabelöffnung: 
1,2 cm, Lauflänge: 2 cm, Länge der Mittelzehe: 1,1 cm, Krallenlänge : 
0,3 cm, Flugweite: 15 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

Malurus melanotus Gld. — Der Schwarzrückige Staffel- 
schwanz ist mir häufig in der südlichen Hälfte der Kolonie zu 
Gesicht gekommen. 

Malurus leucopterus Quoy u. Gaim. — Der Weifsflügelige 
Staffelschwanz ist in der Südhälfte der Kolonie zu Hause. 

Malurus Lamberti Vig. u. Horsf. — Dieser Staffelschwanz 
ist im Innern der Kolonie ziemlich zahlreich vertreten. 

Das, was ich über die Lebensweise und das Benehmen von 
M. dorsalis gesagt habe, gilt auch von den vier anderen an- 
geführten Arten. Im Binnenlande halten sich die Staffelschwänze 
mit Vorliebe in dichtem Akaziengestrüpp, Atriplexbüschen, Canegras- 
dickichten u. s. w. auf. Meist zeigen sie sich dort in kleinen Trupps. 

Bhipidura tricolor Vieill. (Sauloprocta motacilloides Vig. u. 
Horsf.) — Der „black and white fan-tail" ist wohl über das 
ganze Festland verbreitet. In unserer Kolonie gehört er zu den 
gemeinsten Vögeln und kommt beinahe gleich häufig auf den 
wüstenähnlichen Steppen, in den einförmigen Scrubs und den 
hochstämmigen Wäldern der Küstengebiete vor. Er zeigt sich 
meist einzeln oder paarweise. Seine Nahrung bilden fast aus- 
schliefslich Fliegen. Da diese Insekten überall in erstaunlicher 



134 Erhard Eylmann: 

Menge vorhanden sind, so ist es ihm selbst in den ödesten und 
unwirtlichsten Distrikten des Binnenlandes ein leichtes, sich den 
Bedarf an Futter zu verschaffen. Wasser kann er lange entbehren. 
Ich schliefse dies daraus, dafs man ihn, der keine Lust zeigt, weit 
zu fliegen, nicht selten in völlig wasserlosen Gegenden antrifft, 
und dafs ich nur ein einziges Mal ein Exemplar trinken sah. 
Bemerkt sei hierzu, dafs die Fliegen selbst dort, wo die Trockenheit 
der Luft grofs ist, und die Pflanzen fast saftlos erscheinen, ver- 
hältnismäfsig viel Flüssigkeit enthalten. Durch sein lebhaftes 
Wesen, seine auffallend grofse Zutraulichkeit und seine zierlichen, 
anmutigen Bewegungen hat er sich überall zum Freunde des 
Menschen gemacht. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend ist 
er rastlos tätig. Den Nahrungserwerb betreibt er sozusagen 
spielend, und zwar bald am Boden, bald im unteren, kahlen 
Gezweig von Sträuchern und Bäumen. Hat er ein Insekt erspäht, 
so sucht er es in eiligem Laufe, wie eine Bachstelze, oder im 
Fluge, wie ein Fliegenschnäpper, zu erhaschen. Der lange Fächer- 
schwanz wird dabei beständig hin und her geschwungen und 
abwechselnd ausgebreitet und zusammengelegt. An Zutraulichkeit 
übertrifft er alle anderen Vögel des Landes. Im Binnenlande 
betreibt er die Jagd oft in greifbarer Nähe des Menschen. Auf 
meinen Reisen hat mich ein einzelnes Exemplar oder ein Pärchen, 
von den zahllosen Fliegen, welche mich und meine Pferde um- 
schwärmten, herbeigelockt, manchmal längere Zeit begleitet, 
wobei als Rastplatz zuweilen das Gepäck auf dem Rücken meines 
Packpferdes benutzt wurde. Bei den Herden des Weifsen pflegt 
er nicht zu fehlen, und setzt sich oft auf ein ruhendes oder 
grasendes Tier, um der Fliegenjagd bequem obliegen zu können. Von 
den Buschleuten hat er deshalb den Namen shepherd's compagnion 
erhalten. Das Nest wird mit grofser Kunstfertigkeit hergestellt. 
Es hat die Gröfse und die Form einer kleinen tiefen Tasse, ist 
aus Gespinsten von Raupen und Spinnen, Bastfäserchen, Hälm- 
chen, Pflanzenwolle zusammengefilzt und steht meist mehr oder 
weniger frei auf einem wagerechten Aste oder Zweige. In vielen 
Fällen weist es eine grofse Ähnlichkeit mit der Rinde der nächsten 
Umgebung auf. Die Eier — ihre Zahl pflegt gering zu sein — 
haben eine schmutzig grünlichweifse Grundfarbe und sind mit 
kleinen dunkelbraunen Flecken versehen. 

9 (Inneres). Schnabel und Füfse schwarz; Iris braunschwarz. 
Gesamtlänge: 20 cm, Schwanzlänge: 11 cm, Flügellänge: 10,4 cm, 
Schnabellänge: 1,6 cm, Länge der Schnabelöffnung: 2,1 cm, Lauf- 
länge: 3 cm, Länge der Mittelzehe: 1,5 cm, Krallenlänge: 0,4 cm. 
Mageninhalt: Fliegen. 

Bhipidura setosa Quoy u. Gaim. — • Dieser Fächerschwanz, 
von den englischen Ornithologen „northern fan-tail" genannt, be- 
wohnt den nördlichen halbinselförmigen Teil der Kolonie. Wie 
in der Gestalt, so hat er auch in den Lebensgewohnheiten die 
gröfste Ähnlichkeit mit der zuvor besprochenen Art. 



Die Vogel weit der Kolonie Südaustralien. 135 

d*. Schnabel und Füfse schwarz; Iris braun. Gesamtlänge: 
18 cm, Schwanzlänge: 8,6 cm, Flügellänge: 9 cm, Schnabellänge: 
1,3 cm, Länge der Schnabelöifnung: 1,7 cm, Lauflänge: 1,7 cm, 
Länge der Mittelzehe: 1 cm, Krallenlänge: 0,5 cm, Flugweite: 
23 cm. Mageninhalt : Insektenreste. 

Sisura inquieta Lath. — Der „restless fly-catcher" soll eine 
weite Verbreitung auf dem australischen Festlande haben. Mir 
ist er nur an der Südküste zu Gesicht gekommen. Meist zeigt 
er sich paarweise. Durch rauhe, schrille Stimmlaute und über- 
aus lebhafte Bewegungen bei der Insektenjagd, die er nach Art 
der Fliegenschnäpper betreibt, lenkt er sehr leicht die Auf- 
merksamkeit auf sich. 

Sisura nana Gld. — Der „little fly-catcher" ist auf der nörd- 
lichen Halbinsel zu Hause. 

Piezorhynchus nitidus Gld. — Diesen zierlichen Vogel habe 
ich nur einigemal in den Flufsdickichten (jungle) des Nordens 
angetroffen. Er führt ein verstecktes Leben und ist recht scheu. 
Die beiden Geschlechter unterscheiden sich bekanntlich sehr 
wesentlich voneinander: das Männchen hat ein glänzend schwarzes 
und das Weibchen ein schwarz, rotbraun und weifses Gefieder. 

cT. Schnabel graublau, an der Spitze schwarz; hintere 
Hälfte der Innenseite des Schnabels braunrot, vordere schwarz; 
Füfse grauschwarz; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 18,6 cm, 
Schwanzlänge: 8,3 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

Familie: Turdidae. 

Acrocephalus australis Gld. (Calamoherpe australis). — Der 
Australische Rohrsänger bewohnt in erklecklicher Anzahl die an 
stillen Gewässern gelegenen Schilfdickichte der Südküste. In seinem 
Sein und Wesen gleicht er sehr unserer Rohrdrossel. Er 
ist ein überaus fleifsiger und ziemlich guter Sänger und zeichnet 
sich durch bedeutende Fertigkeit im Klettern aus. Vor dem 
Menschen hat er keine grofse Scheu: gar oft habe ich ihn an 
dem kleinen zwischen den beiden Hauptteilen Adelaide's gelegeneu 
Wasserbecken des River Torrens beobachtet. Mit der Zeit wird 
er im Süden der Kolonie sicher beträchtlich an Zahl abnehmen, 
da durch die Trockenlegung der Inudationsgebiete des River 
Murray und anderer schilfreicher Geländeteile ihm viele Wohn- 
stätten ganz genommen oder bedeutend eingeengt werden. 

Familie: Timeliidae. 

Chlamydodera guttata Gld. — Dieser Laubenvogel und 
Ch. maculata haben in der Gröfse und der Befiederung sehr 
viel Übereinstimmendes. Im männlichen Geschlechte bestehen 
die Unterschiede hauptsächlich darin, dafs Ch. guttata auf der 



186 Erhard Eylmann: 

Oberseite des Körpers eine dunklere Grundfarbe hat, als Ch. 
maculata. Infolgedessen treten bei ihr die lichten Flecken am 
schärfsten hervor. Ferner zeigen ihre unteren Nackenfedern 
Flecke, während die der anderen Art auf einerlei Weise bräun- 
lichgrau gefärbt sind. Der Vogel lebt im Innern der Kolonie. 
Zu seinem Aufenthalte wählt er gern Orte, die mit hohem dichten 
Scrub bestanden sind, in der Nähe von Höhen liegen und Wasser 
aufweisen. In gröfserer Zahl tritt er, so weit meine Erfahrung 
reicht, nur dort auf, wo sein Tisch sehr reichlich gedeckt ist. 
Seine Nahrung besteht in Insekten, Sämereien und fleischigen 
Früchten. In Gärten der Ansiedler richtet er zuweilen grofsen 
Schaden an. Auf der Polizeistation lUamurta (George Gill's Range) 
sah ich, wie sich eine Gesellschaft von sechs Stück mit grofser 
Gier über Melonen und Tomaten hermachte. Seine Lieblings- 
nahrung scheinen die kleinen orangenfarbigen, haselnufsgrofsen 
Früchte von Ficus platypoda zu sein, einem Bäumchen, das nur 
auf Felsenhöhen wäschst. Es hält schwer, ihn zu beobachten: 
er ist einer der scheuesten und vorsichtigsten Vögel des Landes 
und weifs sich mit grofser Geschicklichkeit den Blicken des 
Menschen zu entziehen. Überdies hebt sich sein Kleid sehr wenig 
von dem Boden und dem Gezweige ab. Dort, wo er keinerlei 
Verfolgungen ausgesetzt ist, zeigt er eine gewisse Dreistigkeit, 
wenn es gilt, den Durst zu stillen. So z. B. kamen auf einer 
Viehstation des Innern, wo ich mich mehrere Monate aufhielt, 
alltäglich mehrere Stück zu dem nur wenige Schritte von den 
Gebäuden gelegenen Brunnen, um zu trinken. Wachsam bleibt 
der Vogel aber unter allen Umständen, und wirklich zutraulich 
wird er niemals. Nach dem Wenigen, was ich über sein Tun 
und Treiben in Erfahrung zu bringen vermochte, halte ich ihn für 
recht klug: sein Gedächtnis und sein Unterscheidungsvermögen 
sind ausgezeichnet, und er scheint in hohem Grade die 
Befähigung zu besitzen, aus Erfahrungen Schlüsse zu ziehen. 
Wenn er in seineu Beschäftigungen gestört wird, läfst er von 
dem Wipfel eines höheren Baumes aus nicht selten ein wider- 
liches Krächzen hören. Wie mir ein glaubwürdiger Buschmann 
mitteilte, der ein vortrefflicher Naturbeobachter ist, und den 
gröfsten Teil seines Lebens in den Wildnissen Inneraustraliens 
verbracht hat, pflege der Laubenvogel Stimmen anderer Tiere 
und von Menschen verursachte Geräusche nachzuahmen. In 
gröfseren Flügen schart er sich nie zusammen. Gute Nahrungs- 
quellen werden aber nicht selten von mehr als einem halben 
Dutzend Exemplaren ausgebeutet. Ich habe vier Spielplätze des 
Vogels aufgefunden. Sie befanden sich an versteckten Plätzen 
inmitten von Mallee- und Mulgascrubs auf ebenem Boden __und 
und zeigten mehr oder weniger weitgehende Unterschiede. Über 
zwei von ihnen machte ich nachstehende Aufzeichnungen. 

„George Gill's Range. — Am Nachmittage stiefs ich in einem 
kleinen Mallee-Dickicht, das sich unweit einer Quelle befindet, auf 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 137 

den Spielplatz eines Laubenvogels. Zwei Wege, die gegen 1,5 m 
lang und 35 bis 40 cm breit sind, durchschneiden sich, ein 
griechisches Kreuz bildend, in rechtem Winkel. Sie bestehen aus 
feineren Pflanzenstengeln, die, wie das Zweigwerk eines Vogelnestes, 
ein dichtes Geflecht darstellen. An der Kreuzungsstelle sind 
über dem einen Weg zwei Laubengänge so errichtet, dafs der 
andere Weg zwischen ihnen durchläuft. Oben bilden sie ein 
offenes Gewölbe. Zu ihrem Aufbau haben ebenfalls Pflanzen- 
stengel gedient. Beide Wände sind dicht, gleichmäfsig dick und 
wölben sich ein wenig nach aufsen. Ihren Halt haben sie in 
den Wegrändern. Ihre Länge beträgt 28 bis 34 cm und ihre 
Höhe ungefähr ebensoviel. An dem einen Ende des Weges, der 
die Laubengänge voneinander scheidet, befindet sich ein Haufen 
grofser gebleichter Helixgehäuse und an dem anderen liegen 
zahlreiche kleinere verwitterte Knochen. Das eine Ende des 
zweiten Weges ist ebenfalis mit Knochen belegt." 

„Lager am Hanson Creek. — Unweit des Central Mount 
Stuart fand ich unter einem Baume den Spielplatz eines Lauben- 
vogels. Die Laube oder, besser gesagt, der Laubengang ist aus 
Zweigen aufgebaut und hat eine Länge von 50 bis 55 cm, eine 
Höhe von 30—35 cm und eine Breite von 40 bis 45 cm. Oben 
bildet er ein offenes Gewölbe. Die Wandung ist aufsen buschig; 
innen hat sie in der Mitte einen Grasbelag und ist frei von vor- 
stehenden Zweigspitzen. Als Unterlage dient dem Gange eine 
dicke Schicht von Zweigen (bis zu der Dicke eines Fingers) und 
Mulgablätter (nadeiförmig). Die Ausschmückung ist gar mannig- 
faltig, In^der Mitte des Ganges liegen zwei gebleichte Helix- 
gehäuse und sechs grüne Beeren, vor dem einen Ende zwei 
grüne Beeren, ein wenig weiter, fünfzehn stark vom Wetter mit- 
genommene Kängeruhwirbelknochen, sowie eine Porzellanscherbe 
von einem Isolator der Telegraphenleitung, und vor dem anderen 
Ende, einen Haufen bildend, acht Knochen, drei grüne Beeren, 
acht Helixgehäuse und viele Scherben von Isolatoren." 

d* (Mac Donnel langes). Schnabel schwarz; Füfse dunkel- 
gelblichgrau; A-förmiges Nackenband lila bis rosa. Gesamtlänge: 
27,5 cm, Schwanzlänge: 10 cm, Flugweite: 46 cm. Mageninhalt: 
Sämereien. 

Chlamydodera nuchalis Jardine u. Selby. — Dieser Lauben- 
vogel unterscheidet sich in der Färbung des Kopfes und Halses, 
sowie in der Gröfse des Körpers wesentlich von Ch. maculata 
und Ch. guttata. Ich habe ihn nur auf der nördlichen Halbinsel an- 
getroffen. Hier findet er sich in manchen kleinen Flufsdickichten 
recht zahlreich vor. Er ist nicht viel scheuer als unser Star und 
wagt sich bei der Suche nach Nahrung furchtlos auf Lichtungen. 
Seine Nahrung besteht in Insekten, Früchten und Sämereien. 
Wie Ch. guttata, so scheint auch er ein grofser Freund der kleinen 
orangefarbigen Ficusfrüchte zu sein. Unweit eines schmalen 



138 Erhard Ejlmann: 

Dschungels beobachtete ich einst an einem sonnigen Tage, wie 
gegen zehn Stück in Gesellschaft von vielen anderen Vögeln mit 
grofser Gier die geflügelten Termiten wegschnappten, die aus 
ihren Bauten ausschwärmten. Das Fleisch des Vogels ist recht 
wohlschmeckend. Einmal habe ich länger als eine Woche von 
ihm gelebt. Trotzdem der Vogel auf der nördlichen Halbinsel 
stellenweise recht zahlreich auftritt, und ich dieselbe zweimal 
in der Nord-Südrichtung durchquert habe, ist mir nur einmal 
ein Laubengang von ihm zu Gesicht gekommen. Dieses Gebilde 
befand sich am Oberlaufe des Adelaide River auf ebenem, mit 
Bäumen und Büschen bestandenem Gelände und war in Gestalt 
eines Torbogens aus feinen Zweigen errichtet. Seine Länge be- 
trug 60 cm, seine gröfste Breite 42 cm, seine Höhe 32 cm und 
seine Weite (am Boden) 11 cm. Zur Ausschmückung dienten 
Quarz- und Schieferstücke, grüne Früchte und gebleichte Helix- 
gehäuse. Die Steinchen und die Früchte waren dicht vor jeder 
Öffnung zu einem kleinen Haufen vereinigt. Die Gehäuse bildeten 
zwei besondere Haufen, die sich in einer Reihe mit den beiden 
anderen Haufen und dem Laubengange befanden und etwa 1 m 
von einander entfernt waren. Durch die Sommerregen, die so 
bedeutend sind, dafs sie die ganze Halbinsel fast in einen Sumpf 
verwandeln, werden jedenfalls die allermeisten Lauben sehr stark 
mitgenommen. 

cf. Schnabel schwarz; Füfse grauschwarz bis gelblichgrau; 
Iris dunkelbraun; A-förmiges Nackenband bläulichrot, aufsen 
von grauen Federn mit weifser Spitze umrandet. Gesamtlänge: 
38,5 cm, Länge des Schwanzes: 15 cm, Flugweite: 58 cm. Magen- 
inhalt: Insektenreste, Ficusfrüchte und Kerne. 

Fomaiorhinus rebeculus Gld. (Pomatostomus ruheculus). — 
Dieser stargrofse Vogel kommt ziemlich häufig im Binnenland 
und an der Nordküste vor. Mit Vorliebe hält er sich im Mulga- 
scrub und anderen niedrigen Waldformen auf; steppenartige 
Gebiete meidet er, und zwar meist auch dann, wenn sie einen 
Bestand an kleinem, blattreichem Gesträuch aufweisen. Er hat 
einen stark ausgeprägten Geselligkeitstrieb. Durch sein selt- 
sames Gebaren fällt er mehr auf, als irgend eine zu einer anderen 
Gattung gehörende Vogelart des Landes. In Trupps von fünf 
bis fünfzehn Stück durchwandert er tagtäglich in geradezu komisch 
wirkenderUnruhe lärmend von Baum zu Baum sein Ernährungsgebiet. 
Alle Individuen zeigen hierbei das gleiche Verhalten. Die Bäume 
pflegen sie hüpfend und fliegend, bald sich fliehend, bald sich ver- 
einigend, mit aufgeplustertem Gefieder und ausgebreitetem und 
erhobenem Schwänze zu besteigen. Den Zuschauer lassen sie 
meist im unklaren, ob sie nur ein neckisches Spiel treiben, oder 
sich ernstlich zanken. Auf dem Boden werden sie nicht oft ge- 
sehen, da sie ungemein argwöhnisch sind, und bei ungewohntem 
Geräusch sofort aufbäumen. Ebenso wie durch sein fahriges 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 139 

Wesen lenkt der Vogel die Aufmerksamkeit sofort durch seine 
Stimme auf sich. Aufser schrillen, pfeifenden Tönen läfst er oft 
laut und deutlich ein Miauh hören. Dieses hat ihm bei den 
Buschleuten den Namen Katzenvogel, catbird, eingetragen. Nicht 
viel weniger als durch seine Unrast und seine Stimme fällt der 
Vogel durch seine Nistweise auf. Oft nisten mehrere Paare dicht 
nebeneinander. Das Nest hat die Gröfse eines Menschenkopfes; 
es ist also im Verhältnis zu der Körpergröfse des Vogels ziem- 
lich umfangreich. In der Form gleicht es dem der Elster, das 
Flugloch ist aber mit einem kleinen Dache versehen. Im 
Binnenlande steht es meist in dem Gipfel mittelhoher Creek- 
gummibäume. Die Polsterung ist aus Fäserchen und dergleichen 
und das Übrige, der Hauptteil, aus feineren Reisern hergestellt. 
Erwähnt sei, dafs Mr. Keartland, ein Mitglied der Horn-Expedition, 
glaubt, mehrere Pärchen benutzten zuweilen gleichzeitig dasselbe 
Nest. In dem Berichte der Expedition sagt er: ,, . . . but there 
is streng evidence that two pairs of birds sometimes share the 
same nest. At Henbury^) three birds were seen carrying wool 
from an old sheepsldn to a nest, whilst a fourth bird was inside 
arranging the material brought." 2) Ich sah einmal gegen Abend 
vier Exemplare nacheinander in ein und dasselbe Nest schlüpfen, 
doch vermag ich nicht anzugeben, ob es sich um zwei Pärchen 
oder nur um Glieder einer Familie handelte. 

cf (nördliche Halbinsel). Oberkopf heller gefärbt, als es durch- 
schnittlich der Fall ist. Schnabel vorn schwarz, hinten zum Teil 
weifsgrau; Füfse grauschwarz; Iris hellgelb. Gesamtlänge: 25 cm, 
Schwanzlänge: 11 cm, Flügellänge: 11,5 cm, Schnabellänge: 2,8 cm, 
Länge der Schnabelöffnung: 3,5 cm, Lauflänge: 3,8 cm, Länge 
der Mittelzehe: 2,1 cm, Krallenlänge: 0,7 cm, Flugweite: 34,5 cm. 
Mageninhalt: Käfer. 

Pomatorhinus ruficeps Vig. u. Horsf. (Pomaiostomus rufi- 
ceps). — Der „chestnutcrowned babbler" stimmt in seiner Lebens- 
weise und seinem Benehmen ganz mit P. rubeculus überein. Ich 
habe ihn nur in dem östlich vom Lake Eyre gelegenen Gebiet 
angetroffen. 

Ephthianura aurifrons Gld. — Einigemal in der südlichen 
Hälfte der Kolonie beobachtet. 

Ephthianura albifrons Jardine u. Selby. — Im Südküsten- 
gebiet ziemlich zahlreich vertreten. 

Ephthianura tricolor Gld. — Dieser farbenschöne Vogel ist 
mir hin und wieder in der Lake Eyre-Senke zu Gesicht gekommen. 



1) "Viehstation am Finke River. 

2) Eeport on the Work of the Hörn Scientific Expedition to Cen- 
tral Australia. Part II, S. 92. 



140 Erhard Eylinann: 

Familie: Laniidae. 

Gymnorhina iihicen Lath. — Der Schwarzrückige Flötenvogel 
kommt vielerorten im südöstlichen Drittel des Kontinentes vor. Im 
Innern Südaustraliens habe ich ihn nur dreimal angetroffen: östlich 
von Reynold's Range, in den Mac Donneil Ranges und am Hugh River. 
Den Menschen läfst er hier nicht gern in seine Nähe kommen. 

(f (Inneres). Der schwarze Rückenstreifen bat eine kleine 
Zahl weifser Flecke. Schnabel bläulich weifs, Spitze schwarz; 
Füfse schwarz; Iris braun. Gesamtlänge: 37 cm, Schwanzlänge: 
13,5 cm, Flügellänge: 25,8 cm, Schnabellänge: 5,9 cm, Länge der 
Schnabelöffnung: 6,3 cm, Lauf länge: 6,5 cm, Länge der Mittel- 
zehe: 3,4 cm, Krallenlänge: 0,9 cm, Flugweite: 65 cm. Magen- 
inhalt: Heuschrecken und ein Käfer. 

Gymnorhina leuconota Gld. — Der Weifsrückige Flötenvogel 
ist in dem östlichen Teile des Südküstengebietes in recht grofser 
Anzahl vertreten. In der Lebensweise und dem Benehmen er- 
innert er lebhaft an unsere Krähen. Er geht paarweise oder in 
kleinen Trupps auf Wiesen und Waldlichtungen der Nahrung 
nach. Durch die ansprechende Färbung des Gefieders, die Anmut 
der Bewegungen und den kurzen weittönenden flötenden Gesang 
trägt er wesentlich zur Verschönerung und Belebung der von 
Menschenhand ihrer hochragenden Gummibäume beraubten Land- 
schaft bei. Dort, wo man ihn unbehelligt läfst, ist er sehr zu- 
traulich. Sein Tagewerk beginnt und beschliefst er mit Gesang. 
Als ich mich auf der Wanderung in der Südostecke der Kolonie 
befand, habe ich gar oft von meinen Lagerplätzen aus mit grofsem 
Vergnügen dem Morgenkonzerte von zehn, zwanzig und mehr 
Exemplaren gelauscht, die nah und fern auf Erderhöhungen, 
Zaunpfählen und niedrigen Ästen safsen. Er ist ein lebenslustiger, 
regsamer Vogel. Ein paarmal sah ich die Gatten eines Paares 
wie junge Hunde ein lustiges Spiel miteinander treiben, wobei 
bald der eine Vogel, bald der andere auf dem Rücken lag. Die 
geistige Begabung des Vogels ist recht bedeutend. Als ich in 
Adelaide wohnte, befand sich in dem Garten einer meiner Nach- 
baren ein zahmes Exemplar, das sprechen gelernt hatte. Den 
Vorübergehenden pflegte es auffallend deutlich und klar die 
Worte „Who are you"? zuzurufen, und raehreremal sah ich, dafs 
ein Angerufener erstaunt stehen blieb und sich ingrimmig nach 
dem vermeintlichen menschlichen Spötter umsah. Der Vogel lebt 
hauptsächlich von kleinen Tieren, wie Eidechsen, Käfern, Heu- 
schrecken, Würmern. Findet er ein Nest mit Eiern oder Jungen, 
so plündert er es. Aufser der tierischen Nahrung nimmt er aber 
auch pflanzliche zu sich. Grofse Vorliebe hegt er für die Früchte 
vieler Kulturpflanzen. Von dem Vorsteher der Missionsstation 
Point Macleay am Lake Alexandrina hörte ich, dafs manche An- 
siedler ihm wegen seiner weitgehenden Diebereien in Obst- und 
Weingärten keine Schonung angedeihen liefsen. Das Nest baut 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 141 

er in die Gabel einer Eucalypte oder eines anderen Baumes. Es 
ist einem Krähenneste in jeder Hinsicht sehr ähnlich. Erwähnt 
sei, dafs sich in dem naturhistorischen Museum zu Adelaide 
zwei mehr als kopfgrofse Nester des Vogels befinden, die fast 
vollständig aus Drahtstückchen (von der Dicke des Telegraphen- 
drahtes) bestehen und mit Hälmchen, Bast und dergleichen 
ausgepolstert sind. Von der Oberpostdirektion Victorias werden ein 
paar solcher Nester (aus Eisen- und Kupferdraht) aufbewahrt, die 
auf Telegrapheustangen gestanden und Leitungsstörungen verur- 
sacht haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieses seltsame 
Nestmaterial bei der Herstellung von Drahtzäunen abgefallen. 

cT. Schnabel bläulichweifs, Spitze schwarz; Füfse grau- 
schwarz; Iris braun. Gesamtlänge: circa 38 cm, Schwanzlänge: 
16 cm, Flügellänge: 28,5 cm, Schnabellänge: 5,5 cm, Länge der 
Schnabelöflnung: 5,8 cm, Lauflänge: 7 cm, Länge der Mittelzehe: 
3,4 cm, Krallenlänge: 1 cm. 

Cracticus nigrigularis Gld. (C. robusfus Lath.) — Der 
„blackthroated butcher-bird" soll in fast allen Gebietsteilen der 
Kolonie zu Hause sein. Im Binnenlande kommt er stellenweise 
ziemlich häufig vor. Er zeigt sich meist paarweise. Zum Aufent- 
halt wählt er mit Vorliebe Plätze, die nicht dicht mit Büschen 
und Bäumen bestanden sind. Durch seine lebhaften Bewegungen 
und sein schwarz und weifses Kleid lenkt er leicht die Aufmerk- 
samkeit auf sich. Seine geistige Begabung scheint bedeutender, 
als die der meisten Vögel des Landes zu sein. Auf einem Baum- 
stumpfe, einem niedrigen dürren Aste oder einem anderen er- 
habenen Gegenstande sitzend, der ihm eine freie Umschau gewährt, 
gibt er oft und lange eine Art Gesang zum besten. Seine Nahrung 
besteht der Hauptsache nach in Eidechsen, sowie in Käfern, 
Heuschrecken und anderen Insekten, die sich auf dem Boden 
aufzuhalten pflegen. Findet er ein Nest mit Eiern oder Jungen, 
so plündert er es. Wie mir glaubwürdige Buschleute versicherten, 
mache er nicht selten Jagd auf kleine erwachsene Vögel und 
mäuseartige Vierfüfsler. Auf ein paar Stationen sah ich jung 
aufgezogene Exemplare, die sehr zahm waren und sich durch ihr 
drollich-komisches Wesen vorteilhaft von den gewöhnlichen Käfig- 
vögeln des Landes unterschieden. Von den Buschieuten wird 
der Vogel jackeroo genannt. Wahrscheinlich ist dieser Name 
aus einer Lautnachahmung hervorgegangen. 

Cracticus picatus Gld. — Der „pied butcher bird" ist, genau 
genommen, eine kleinere Abart von C. nigrigularis. In unserer 
Kolonie findet er sich nur auf der nördlichen Halbinsel vor. 

Die nachstehenden Angaben beziehen sich auf einen an der 
Nordküste geschossenen Cracticus, der mir eine Art Bindeglied 
zwischen C. nigrigularis und C. picatus zu sein schien. 

d*. Schnabel graublau, Spitze schwarz; Iris dunkelbraun; 
Füfse schmutzig bläulichgrau. Gesamtlänge: 30,5 cm, Schwanz- 
länge: 11,5 cm, Flugweite: 47 cm. Mageninhalt: Insekten. 



142 Erhard Eylmann: 

Craeticus argenteus Gld. — Die nördliche Halbinsel ist seine 
Heimat. Er findet sich hier in ziemlich bedeutender Anzahl vor. 
Meist hält es nicht schwer, ihn in der Nähe zu beobachten. 

9- Schnabel hellgraublau, Spitze schwarz; Füfse schmutzig 
graublau. Gesamtlänge: 27 cm, Schwanzlänge: 10 cm, Flugweite: 
43 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

Craeticus destrucior Temm. {C. iorquatus). — Dieser Vogel 
bewohnt den Süden der Kolonie. In seiner Lebensweise er- 
innert er sehr an Lanius excubitor, den gröfsten Würger Deutsch- 
lands. Der Hauptsache nach lebt er von Insekten und Eidechsen. 
Nester plündert er gern, wie alle seine Verwandten. Gelegentlich 
soll er kleine Schlangen, mäuseartige Vierfüfsler und schwache 
Kleinvögel fangen. Ist reichlich Nahrung für ihn vorhanden, so 
pflegt er Beutetiere auf Dornen, Stacheln von Drahtzäunen zu 
spiefsen. Nach der Meinung des gemeinen Mannes tue er dies 
nicht, um genügend Futter bei nafskalter Witterung zu haben, 
oder um seine Mordgier zu befriedigen, sondern lediglich, um 
sich Bissen mit Haut-goüt zu verschaffen._^ Als Lauerposten 
wählt er erhabene Gegenstände, wie dürre Äste, die ihm einen 
Blick auf den Boden verstatten. 

Falcunculus frontatus Lath. — Der gelbbäuchige finkengrofse 
Falkenwürger kommt hier und dort im Süden der Kolonie vor. 
Die Nahrung sucht er sich nach Art unserer Meisen auf Bäumen. 

Oreoica cristaia Lew. — Der „bell-bird" ist in dem Binnen- 
lande der Kolonie zu Hause. Er soll auch auf der nördlichen 
Halbinsel und am Unterlaufe des River Murray vorkommen; von 
seiner Anwesenheit habe ich hier aber nichts wahrgenommen. Mit 
Vorliebe hält er sich in dichtem, aus Bäumchen gebildeten Scrub 
auf. Im Innern hörte ich seinen melodischen, glockentonähnlichen 
Ruf ungemein oft; er selbst ist mir aber nur ganz selten zu Gesicht 
gekommen. Nähert man sich ihm, so bleibt er unbeweglich auf 
seinem Sitzplatze oder fliegt geräuschlos nach einem anderen 
Baume, der ihm völlige Deckung bietet. Selbst dann, wenn man 
seiner Stimme nachgeht, gelingt es nicht leicht, ihn aufzufinden, 
da dieselbe wie die eines Bauchredners in betreff der Richtung und 
Entfernung sehr leicht zu groben Täuschungen Veranlassung gibt. 

cf (Krichauff Range). Schnabel schwarz; Füfse grauschwarz ; 
Iris goldgelb bis orangefarbig. Gesamtlänge: 20,5 cm, Schwanz- 
länge 8,5 cm. 

Familie: Certhiidae. 

Climacteris melanura Gld. — Ich habe diesen Vogel zwischen 
der Nordküste und dem 18. Breitengrade angetroffen, und zwar 
zeimlich oft. Seine Nahrung sucht er sich auf die gleiche Weise, 
wie unser Baumläufer. So weit meine Beobachtungen reichen, 
klettert er nur aufwärts. Mir hat er sich meist in einer Gesell- 
schaft von vier bis fünf Stück gezeigt. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 143 

cT. Schnabel schwärzlich; Füfse grauschwarz. Gesamtlänge: 
19 cm, Schwanzlänge: 8,5 cm, Flugweite: 28 cm. Mageninhalt: 
Insekten. 

Climacteris superciliosa North. — Der „white -eyebrowed 
treecreeper" habe ich nur zwischen dem 21. und 24. Breitengrade 
angetroffen. In seinem Verhalten zeigt er die gröfste Überein- 
stimmung mit der zuvor genannten Art. 

9 (Oberlauf des Finke River). Obere Hälfte des über den 
Augen befindlichen Striches rostbraun; Schnabel und Füfse schwarz; 
Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 14,5 cm, Schwanzlänge: 5,6 cm, 
Flügellänge: 9 cm, Schnabellänge: 1,3 cm, Länge der Schnabel- 
öffnung: 1,6 cm, Flugweite: circa 24 cm, Lauflänge: 1,9 cm, 
Länge der Mittelzehe: 1,9 cm, Krallenlänge: 0,7 cm. Magen- 
inhalt: Insekten und Sand. 

Familie: Meliphagidae. 

Meliphaga phrygia Lath. (Xanthomyea phrygia Swains.) — 
Der Warzenpinselvogel bewohnt das Südküstengebiet. An manchen 
Orten, wo sich blühende Bäume oder Sträucher befanden, ist er 
mir hier recht oft zu Gesicht gekommen. 

Ftilotis penicillata Gld. — Der „white-plumed honey-eater" 
ist einer der gemeinsten Vögel in dem Teil des Südküstengebietes, 
der zwischen dem Spencer Golf und Victoria liegt. 

Ftilotis sonora Gld. — Diesen mit schönem Gesänge begabten 
Pinselzüngler habe ich im Süden der Kolonie, sowie zwischen der 
Nordküste und dem 19. Breitengrade angetroffen. 

Manorhina flavigula Gld. (Myzantha flavigula). — Diesem 
grofsen, von den Buschleuten miner genannten Pinselzüngler bin 
ich im ganzen Binnenlande begegnet, und zwar besonders oft in 
der Nachbarschaft der gröfseren, baumreichen Creeks. Dort, wo 
er zahlreich ist, pflegt er in kleinen Trupps der Nahrung nach- 
zugehen. Vor dem Menschen zeigt er auffallend wenig Furcht. 
Auf einer Viehstation des Innern sah ich mehrere Male, dafs 
Vögel dieser Art in die Küche kamen. Unser Vogel fällt durch 
sein unruhiges, lautes Wesen und seine grofse Neugierde auf. 
Seine geistige Begabung scheint nicht gering zu sein. Als ich 
einst auf einem Ritt von der Missionsstation Hermannsburg nach 
Alice Springs an einem abgelegenen Brunnen mein Lager aufge- 
schlagen hatte, sah ich am Abend zu meiner grofsen Verwunderung, 
dafs ein Miner-Pärchen, unbekümmert um meine Gegenwart gegen 
5 m tief am Brunnenseile zum Wasser hinabkletterte, um seinen 
Durst zu löschen, und auf die gleiche Weise wieder an die Ober- 
fläche kam. 

cf (Cooper's Creek). Hautfleck am Auge gelb; Zunge, sowie 
Schnabel (aufsen und innen) zitronen- bis orangenfarbig; Füfse 



144 Erbard Ejlmann: 

bräunlichgelb; Iris bräunlich. Gesamtlänge: circa 23 cm, Schwanz- 
länge: 10,5 cm, Länge des Laufes: 3,2 cm, Länge der Mittelzehe 
(mit Kralle): 2,5 cm. 

Manorhina garrula Lath. {Myzantha garrula). — Der 
„Geschwätzige Pinselzüngler" ist im Süden der Kolonie zu Hause. 
Soweit ich es zu beurteilen vermag, unterscheidet er sich in der 
Lebensweise und dem Benehmen fast gar nicht von der zuvor 
besprochenen Art. 

Äcanthochaera melUvora Lath. — Den „brush wattle-bird" 
habe ich ziemlich oft in der Gegend von Adelaide angetroffen. 
Die Nahrung sucht er sich mit Vorliebe auf blühenden Banksien. 

Äcanthochaera rufigularis Gld. — Der „spiny-cheeked honey- 
eater" ist in der südlichen Binnenlandshälfte der Kolonie zu Hause. 
Zu Zeiten anhaltender Dürren scheint er hier aber nur in ganz 
geringer Anzahl vertreten zu sein. 

Entomyza albipennis Gld. — Dieser drosselgrofse Honig- 
fresser kommt in der Kolonie nur auf der grofsen nördlichen 
Halbinsel vor. In kleinen Flufsdickichten und an teichartigen 
Gewässern habe ich ihn unweit der Küste ziemlich oft angetroffen. 
Er ist in hohem Grade wachsam und vorsichtig. Die Nahrung 
sucht er mit Vorliebe auf Schraubenbäuraen (Pandanus). 

9. Nackte Stelle um die Augen gelbgrün; Schnabel vorn 
tiefschwarz, hinten schmutzig gelb; Iris bräunlichgelb; Füfse 
grauschwarz (Innenseite der Zehen gelblichgrau). Mageninhalt: 
Käfer. 

Phüemon argenticeps Gld. {Tropidorhynchus argenticeps). — 
Er bewohnt die Wälder des nördlichen Teiles der Kolonie. Die 
südliche Grenze seines Verbreitungsgebietes scheint unter dem 
16. oder 17. Breitengrade zu liegen. Der Nahrung geht er 
meist in dem Wipfel der Eucalypten nach. Er hat ein munteres 
Wesen und läfst häufig seine Stimme (hyppoquark u. s. w.) hören. 

d*. Kopfhaut schwarz, an den Seiten nur spärlich mit 
schwarzen Borsten besetzt; Schnabel schwarz; Iris rötlich; Füfse 
grünlichgrau. Gesamtlänge: 29cm, Schwanzlänge: 12 cm, Flug- 
weite: 42 cm, Schnabelhöcker: 2 mm breit und 7 mm hoch. 
Mageninhalt: Insekten. 

Familie: Dicaeidae. 

Fardalofus ornatus Teram. (P. striatus). — Der „Gestrichelte 
Panthervogel" ist wohl über den allergröfsten Teil der Kolonie 
verbreitet. Im Binnenlande bewohnt er den Scrub. Ich bin 
ihm nur selten begegnet. In seinem Wesen und Gebaren hat 
er vieles mit den Meisen gemein. 

cf (Inneres). Schnabel schwarz; Iris olivenfarbig bis braun; 
Füfse bläulichgrau. Gesamtlänge: 10,5 cm, Schwanzlänge: 3,9 cm, 
Flügellänge: 6,7 cm, Schnabellänge: 0,7 cm, Länge der Schnabel- 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 145 

öifnung: 0,9 cm, Lauflänge: 2,2 cm, Länge der Mittelzehe: 1,0 cm, 
Krallenlänge: 0,4 cm. Mageninhalt: Insekten. 

Familie: Hirnndinidae. 

Hirundo neoxena Gld. — Die „welcome swallow" gleicht in 
ihrem Sein und Wesen auffallend unserer Rauchschwalbe (H. ru- 
stica). An der Südküste ist sie sehr gemein. Durch ihre grofse 
Zutraulichkeit hat sie sich dort die Zuneigung des Menschen in 
hohem Grade erworben. Das Nest baut sie jetzt meist in und 
an Häuser, sowie unter Brücken. Es bildet den vierten Teil einer 
Hohlkugel und ist oben offen. Die Wandung besteht aus Lehm- 
klümpchen, in denen Hälmchen stecken, und die Polsterung aus 
vielerlei weichen Stoffen. 

Cheramoeca leucosternum Gld. (Atticora leucosternon). — 
Diese hübsche Schwalbe habe ich im ganzen Innern angetroffen. 
Im Eutwässerungsgebiet des Finke River, des gröfsten binnen- 
ländischen Creeks, ist sie in ziemlich bedeutender Anzahl vertreten. 
Sie zeigt sich viel scheuer als die „welcome swallow". Die Insekten- 
jagd pflegt sie ziemlich hoch über dem Boden zu betreiben. 
Das Brutgeschäft verrichtet sie in Röhren, die sie sich in steil 
abfallende Erdwände (Ufer von Creeks) gegraben hat. 

Feirochelidon ariel Gld. (Collocalia ariel, Lagenoplastis ariel). 
— Die -4neZ-Schwalbe, von den Australiern „fairy martin" genannt, 
ist mir nur einigemal in der südlichen Hälfte der Kolonie zu 
Gesicht gekommen. Wahrscheinlich tritt sie aber nach ausgiebigen 
Regenniederschlägen in dem ganzen Innern der Kolonie als Brut- 
vogel auf. Ich fand nämlich zwischen dem 18. und 25. Breiten- 
grade an der Decke von Felsgrotten und unter überhängenden 
Felsen flaschenförmige, aus Erdklümpchen hergestellte Nester, 
die, soweit ich es zu beurteilen vermochte, sich in nichts von 
denen dieser Schwalbenart unterschieden. Erwähnt sei, dafs un- 
weit aller dieser Brutstätten eine gröfsere Wasseransammlung 
vorhanden war oder gewesen war. 

Familie: Motacillidae. 

Änthus australis Vig. u. Horsf. — Der Australische Pieper 
unterscheidet sich bekanntlich von dem Wiesenpieper nur ganz 
unwesentlich. Er ist in der südlichen Hälfte der Kolonie zu 
Hause. Auf sandigen, unfruchtbaren Plätzen habe ich ihn hier 
stellenweise recht oft angetroffen. 

I cT (Oberlauf des Finke River). Schnabel bräunlich, 
First und Spitze schwärzlich; Füfse bräunlich bis bräunlichgrau; 
Iris braun. Gesamtlänge: 16,5 cm, Schwanzlänge: 6,5 cm, Flügel- 
länge: 8,8 cm, Schnabellänge: 1,4 cm, Länge der Schnabel- 
öffnung: 2 cm, Lauflänge: 2,8 cm, Länge der Mittelzehe: 1,7 cm, 
Krallenlänge der Mittelzehe: 0,6 cm, Flugweite: 24 cm. Magen- 
inhalt: Insektenreste. 

Jonm. t. Om. LIX. Jahrg. Jauaur 1911. 10 



146 Erbard Eylmann: 

II 9 (Unterlauf von Cooper's Creek). Gesamtlänge: 
16,3 cm, Schwanzlänge : 6,1 cm, Flügellänge: 8,5 cm, Schnabel- 
länge: 1,2 cm, Länge der Schnabelöffnung: 1,8 cm, Lauflänge: 
2,7 cm, Länge der Mittelzehe: 1,7 cm, Länge der Kralle der 
Mittelzehe: 0,5 cm, Länge der Kralle der Hinterzehe: 1,1 cm. 
Mageninhalt: Insektenreste und Sämereien. 

Familie: Artamidae. 

Ärtamus sordidus Lath. — Der Schmutzfarbige Schwalben- 
würger ist über einen grofsen Teil des Festlandes verbreitet. 
Den zwischen dem St. Vincent Golf und dem Unterlaufe des 
River Murray gelegenen Landstrich bewohnt er nur im Winter. 
Er erscheint hier im September, brütet und zieht dann nach 
einem Aufenthalte von fünf bis sechs Monaten fort. Das Nest hat 
Napfform. Es ist aus feinen Zweigen ziemlich lose auf einem 
Aststumpfe oder in einer Astgabel erbaut und mit Würzelchen, 
Fasern und Haaren ausgepolstert. Das vollzählige Gelege be- 
steht aus fünf bis sechs mattgelben, dunkelbraungefleckten Eiern, die 
eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des Haussperlings haben. Der 
Vogel ist recht zutraulich und zeigt sich oft in nächster Nähe 
der menschlichen Wohnungen. Wie es heilst, fresse er gern 
Bienen. Am liebsten jagt er auf hügeligem Gelände, das mit 
Bäumen bestanden ist. Gould berichtet, dafs sich eine gröfsere 
Gesellschaft von Schwalbenwürgern dieser Art gleich einem 
Bienenschwärme aufhänge. Wie ich von einem naturkundigen 
Adelaider Herrn hörte, ist diese höchst auffällige Eigenheit des 
Vogels früher nicht selten in der Gegend der Mount Lofty Range 
beobachtet worden. 

Artamus superciliosus Gld. — Der Augenbrauen-Schwalben- 
würger findet sich ebenfalls an der Südküste vor. Ob er im 
Binnenland heimisch ist, vermag ich nicht zu sagen. Östlich 
vom Lake Eyre traf ich einmal eine Gesellschaft von zwölf Stück 
an ; dem Anschein nach befand sich dieselbe aber auf derWanderung. 

Ärtamus personatus Gld. — Dieser Schwalbenwürger ist mir 
nur zwischen dem St. Vincent Golf und dem Unterlaufe des 
River Murray zu Gesicht gekommen. Er, sowie A. superciliosus 
sind scheuer als A. sordidus und ziehen zu ihrem Aufenthalte 
das ebene dem hügeligen Gelände vor. Auch sie werden an 
der Südküste nur zur Sommerszeit angetroffen. 

Artamus melanops Gld. — Er findet sich auf der nördlichen 
Halbinsel und im Binnenlande vor. An der Südküste habe ich 
ihn nicht angetroffen. 

cf (Cooper's Creek). Schnabel hellblau, Spitze schwarz; 
Füfse grauschwarz ; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 18 cm, Schwanz- 
länge: 7,5 cm, Flugweite: 34,5 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 147 

In der Lebensweise zeigen die ÄrtamusdiVteü, welche ich 
beobachtete, die gröfste Übereinstimmung. Die Kerbtierjagd be- 
treiben sie ungefähr auf die gleiche Weise, wie Merops ornatus 
und die verschiedenen Alcedioiden des Landes. Sie halten sich 
an einem bestimmten Orte auf, wo sie, auf einem vorragenden 
Zweige oder Aste sitzend, auf Beute lauern. Kommt ein Insekt 
geflogen, so schiefsen sie sofort auf dasselbe zu, ergreifen und 
verschlingen es und kehren sodann zu ihrem Lauerposten zurück. 
Erwähnt sei noch, dafs sie sich, wie unsere Schwalben, gern auf 
Telegraphendrähte setzen. 

Familie: Floceidae. 

Emhlema picta Gld. — Dieses farbenprächtige Vögelchen 
habe ich einigemal in dem Gebiete der zentralen Höhen angetroffen. 

Stictoptera annulosa Gld. (Astrilda annulosa). — Der „black- 
ringed finch" kommt in der Kolonie nur auf der nördlichen Halb- 
insel vor. Hier ist er in gröfserer Anzahl vertreten. 

Stictoptera Bichenovii Vig. u. Horsf. {Astrilda Bichenovii). 
— Bichenov's finch ist mir auf meinen Reisen in dem südöstlichen 
Teile des Südküstengebietes recht oft zu Gesicht gekommen. 
Er soll auch an der Nordküste heimisch sein. 

Taeniopygia castanotis Gld. (Amadina castanotis. — Den 
Zebrafinken habe ich nur im Binnenlande angetroffen. Er ist 
hier ebenso gemein, wie bei uns der Sperling, und übertrifft 
jede andere Vogelart des Landes an Individuenzahl. Seine Zutrau- 
lichkeit ist auffallend grofs: man kann sich ihm bis auf wenige 
Schritte nähern. Die Nahrung — sie besteht so gut wie ausschliefs- 
lich in Sämereien von Gräsern und Kräutern — sucht er sich mit 
Vorliebe auf einem grasreichen Gelände, das spärlich mit Holz- 
gewächsen bestanden ist. Zu den Trinkplätzen kommt er zu 
allen Tageszeiten, und zwar meist in grofsen Flügen. Nicht gar 
selten zählen diese nach Hunderten von Individuen. Am Ooraminna 
Rockhole, dem in der Nordwest-Ecke der Lake Eyre-Senke gelegenen 
Haupttrinkplatze für Vögel, sah ich oft, dafs alle Bäume buch- 
stäblich mit seinen Scharen bedeckt waren. Die eine Genossen- 
schaft bildenden Vögel lassen sich an der Wasserstelle dicht 
gedrängt auf Bäumen und Sträuchern nieder — die Individuen, 
für welche kein Platz auf den Ästen und Zweigen übrig bleibt, 
setzen sich einfach auf den Rücken ihrer Gefährten — und stillen 
dann abteilungsweise in rascher Folge ihren Durst, und zwar, 
wenn möglich im Schutze eines dichten Busches. Von der Tränke 
entfernt sich der Zebrafink nie weit; aus seiner Anwesenheit 
vermag man also zu schliefsen, dafs man sich in der Nähe von 
Wasser befinde. Viele der kleinen und mittelgrofsen Fleischfresser 
der Lüfte tuen seinen Scharen grofsen Abbruch. Die Jagd auf 
ihn betreiben sie gewöhnlich an den Trinkplätzen. Unser Vogel 

10* 



148 Erhard Eylmann: Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 

brütet recht oft in regenreichen Jahren, und zwar häufig kolonie- 
weise. Das Nest baut er unweit der Tränke in dichte Sträucher 
mit Dornen oder harten nadeiförmigen Blättern (Hakea, Acacia), 
in hohe Grasbüschel, sowie in die an den Gummibäumen der 
Creeks hängenden zusammengeschwemmten Pflanzenmassen. Es 
hat die Form einer Retorte und ist kunstvoll aus fadenartigen 
Grasteilchen geflochten. Nicht selten wird es nach einer gering- 
fügigen Ausbesserung zum zweiten Male benutzt. In solchen 
Fällen kann man an der Färbung des Materiales erkennen, wie 
viel von diesem nach dem ersten Brutgeschäft hinzugefügt worden 
ist. An vielen Nestern, die Junge enthalten hatten, fiel mir auf, 
dafs der kurze röhrenförmige Teil mit einer grofsen Menge Kot 
bedeckt war. Das Gelege besteht gewöhnlich aus fünf weifsen, 
schwach bläulich getönten Eiern. 

Neochmia pha'eton Hombr. u. Jacq. {Astrilda phaeton). — 
Dieser bunte Halbweber ist an der ganzen Nordküste zu Hause. 
Auf der nördlichen Halbinsel ist er mir hin und wieder paarweise 
oder in kleinen Trupps zu Gesicht gekommen. Die Nahrung sucht 
er sich auf den weiten Grasflächen. Den hochstämmigen Wald 
scheint er zu meiden. 

cT. Schnabel blutrot; Füfse graugelb; Iris braun. Gesamt- 
länge: 12,5 cm, Schwanzlänge: 6 cm, Flugweite: 14,5 cm. Magen- 
inhalt: eine breiartige vegetabilische Masse und Sand. 

Familie: Podargidae. 

Aegotheles Novae Hollandiae Lath. — Der NeuboUändische 
Zwergschwalm soll über den ganzen Kontinent und Tasmanien 
verbreitet sein. Über die Häufigkeit seines Vorkommens in der 
Kolonie Südaustralien vermag ich keine Angaben zu machen. 

d* (Krichauff Range). Schnabel schwarz; Iris braun; Füfse 
hell fleischfarbig. Gesamtlänge: 24 cm, Schwanzlänge: 13,3 cm, 
Länge der Schnabelöfi"nung: 2,5 cm, Flugweite: 40,5 cm. Magen- 
inhalt: eine formlose Masse. (Schlufs folgt) 



U9 



Über die Straufsenzucht. 
Von W. Bassermann. 

Glatz, Donjon im August 1910. 

In die Reihe unserer Haustiere kann als jüngstes der Straufs, 
Struihio australis eingegliedert werden. Sein Produkt, dieStraufsen- 
feder war schon zu allen Zeiten hochgeschätzt. Seit Menschen- 
gedenken sehen wir diese selten schönen Federn bald als Kriegs-, bald 
als Festschmuck; die Könige der Ägypter, die vornehmen Römer- 
innen, die Ritter, Sänger und Frauen des Mittelalters, die Höflinge 
Englands und Frankreichs und heute die Vertreterinnen aller 
Kulturländer — von allen wird die Straufsenfeder als eine vornehm- 
liche Zier der Vornehmen betrachtet und wegen ihrer Seltenheit 
und Schönheit hoch bewertet. Die Nachfrage des Weltmarktes 
nach Straufsenfedern wuchs mit der zunehmenden Wohlhabenheit 
der Völker. Die verhältnismäfsig einfache Art, durch Jagd auf die 
Straufsen die Federn zu erwerben genügte zunächst, den Federn- 
konsum zufriedenzustellen. Genügte durch Jahrhunderte hindurch, 
bis in neueren Zeiten durch die vermehrte Nachfrage Konsum 
und Produktion in ein Mifsverhältnis gerieten. Die technischen 
Verbesserungen der Jagdutensilien hielten zwar dem Zurückziehen 
der Straufsen in unwegsame Wüstenstriche einigermafsen das 
Gleichgewicht. Die unverhältnismäfsig sich mehrende Nachfrage 
resultierte in exorbitanten Preisen, die wiederum grofse und kost- 
spielige Jagdexpeditionen rentabel machten. Ruhelos und gehetzt, 
im Brutgeschält gestört, verbannt in futterlose Gegenden mufste 
der Straufs in Riesenschritten seiner vollkommenen Vernichtung 
entgegengehen. Menschliches Empfinden und Geschäftsklugheit 
verboten, dieser Ausrottung müfsig zuzusehen. Ein französischer 
Privatmann, A. Chagot, regte um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
als erster eine systematische Zucht dieses Vogels an, welche an 
Stelle der vernichtenden Jagd dasselbe Ziel in Aussicht stellte. 
Die Hauptschwierigkeit sah man in der scheinbaren Unmöglich- 
keit einer Reproduktion in der Gefangenschaft. Chagot schrieb 
Preise aus und machte selbst umfangreiche Versuche, mit geringem 
Erfolg. 1859 nahm sich die Societe d'Acclimatisation der Frage 
an und setzte einen erheblichen Geldpreis aus „für die erfolg- 
reiche Domesticierung des Straufsen in Algier, am Senegal oder 
in Europa". Den ersten Beweis, eine gesunde Nachzucht von 
Straufsen in der Gefangenschaft erzielt zu haben brachte Hardy, 
der Direktor des Acclimatisationsgartens in Hanna in Algier. 
Seine Nachfolger und andere Interessenten stellten die Tatsache 
fest,| dafs eine Zucht dieses wertvollen Federproduzenten, auf 
wirtschaftlicher Basis aufgebaut, gute Resultate liefern könne. 
Doch beschränkte man sich in Algier auf Versuche, eine Betätigung 
der Landwirte auf diesem Gebiete blieb aus. Den Engländern 



150 W. Bassermann: 

war es überlassen, diese praktisch erprobte Theorie in einer 
gesunden, grofszügig durchgeführten und vor allem äufserst 
gewinnbringenden Praxis in Südafrika auszubauen. Die Haltung 
von Straufsen war den südafrikanischen Farmern nicht vollkommen 
fremd gewesen, in kleinem Mafsstabe wurden wildgefangene 
Straufsen auf den Farmen gehalten, doch Zuchtversuche hatte noch 
niemand angestellt. Nach authentischen Mitteilungen wurden 1866 
die ersten Straufsenzuchten in Beaufort West und Oudtshorn in der 
Kapkolonie eingerichtet. 1870 fanden die erfolgreichen Anfänge 
Nachahmer im Georgedistrikt, und von diesem Zeitpunkt an nahm 
der neue Zweig afrikanischen Landwirtschaftsbetriebes seinen 
Siegeszug durch das ganze Land. Die Straufseuzucht erfuhr 
einen derartigen Aufschwung, wie er noch in keinem landwirt- 
schaftlichen Betrieb beobachtet werden konnte und nur einiger- 
mafsen durch die Umwälzungen in der Wollschafzucht durch Merino- 
züchtung erreicht wird. So erwähnt der Census über Viehzucht 
in Südafrika im Jahre 1865 nur 80 zahme Straufse. 1875 er- 
schienen unter dieser Rubrik schon 32247, und bis 1880 war der 
Bestand auf 150000 angewachsen. Diese rapide Steigerung wurde 
mit mäfsigen, teils durch zeitweise Überproduktion, teils durch 
den verheerenden Krieg verursachten Schwankungen bis heute 
beibehalten, sodafs Prof. Duerden, wohl unser berufenster Straufsen- 
forscher, mir seine heutige Schätzung auf 1000000 zahmer 
Straufsen angibt. 

Dieser ungewöhnliche Aufschwung der Straufsenzucht weist 
derartige Dimensionen auf, dafs die Vermutung nahe liegt, als 
ob dieser Betrieb ohne irgend welche Schwierigkeiten und Rück- 
schläge zu hewerkstelligen wäre. Doch ist dies keineswegs der 
Fall, nähere Beschäftigung mit diesem Thema wird sogar das 
Gegenteil ergeben. Der Grund dieser Blüte wird daher darin 
zu suchen sein, dafs die relativ hohen Preise, welche die Federn 
auf dem europäischen Markte erzielten, den Straufsenfarmern die 
Möglichkeit boten, auch bei unrationeller Wirtschaft, hei grofser 
Sterblichkeit unter den Zuchttieren und bei nur geringer Aus- 
nutzung der gegebenen Produktionsbedingungen das im Straufsen- 
betrieb investierte Kapital günstig zu verzinsen. Das stetig sich 
mehrende Angebot eilte der immerhin steigenden Nachfrage im 
Laufe der Jahre voraus, so dafs eine Wertverminderung der 
Federn um ca. 407o erfolgte. Als natürliche Schlufsfolgerung 
ergab sich daraus für die Farmleiter die Notwendigkeit, die vor- 
handenen und durch Kapitalanlage geschaffenen Möglichkeiten 
eindringlicher auszunutzen, d. h. rationeller zu wirtschaften. Dieses 
Bestreben, unterstützt durch die Erfahrungen in der Zucht, macht 
sich auch in der, die Straufsenzucht während der ersten Dekaden 
ihres Bestehens stark vernachlässigenden wissenschaftlichen For- 
schung bemerkbar. Während die wenigen Bücher, welche dieser 
Frage gewidmet waren, sich meist darauf beschränkten, referierend, 
tatsächlich bestehende Betriebe zu schildern, im übrigen sehr 



über die Straufsenzucht. 151 

wertvolle, jedoch meist laienhafte Beobachtungen über die Natur 
des Straufsen vorzubringen, haben erst die letzten Jahre einen 
merklichen Fortschritt in der Kenntnis der eine rationelle 
Straufsenzucht bedingenden Faktoren an der Hand wissenschaft- 
licher Versuche gezeitigt. Diese Forschungen, in Verbindung mit 
den sich häufenden praktischen Erfahrungen der Züchter haben 
diejenigen Forderungen, welche die Erzielung eines fehlerfreien, 
hochwertigen Endproduktes an die Betriebsmethode stellt, mehr 
und mehr präzisiert, und es soll die Aufgabe dieser Arbeit sein, 
den Stand der Straufsenzucht, wie er sich auf Grund der heutigen 
Forschungsergebnisse herausgebildet hat, näher zu beleuchten. 

Der Straufsenfarmbetrieb verfolgt zwei Ziele: 

1. Die Vermehrung des Herdenbestandes durch natürliche Fort- 
pflanzung, 

2. Die Erzielung der höchsten Marktfähigkeit der Produkte der 
ausgewachsenen Straufse, die Federngewinnung. 

Naturgemäfs hatte sich dementsprechend die Wissenschaft 
hauptsächlich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Es war zu 
eruieren, welche Haltungs- und Ernährungsbedingungen für den 
Straufsen geschaffen werden mufsten, um die Tiere selbst in 
vollstem Gesundheitszustand zu erhalten und dadurch hochbewertete 
Produkte: eine gesunde Nachzucht und fehlerfreie Federn zu 
erzielen. 

Grofse Schwierigkeiten bereitet hierbei die aufserordentliche 
Empfindlichkeit des Straufsen gegen äufsere Einflüsse, deren Ein- 
wirkung auf die Qualität der Produkte durch den komplizierten 
Bau der Feder in hohem Mafse verstärkt wird. Die Feder stellt 
ein Gebilde der Hautzellen dar, welches durch vermehrten Blut- 
andrang zu den Zellen der Epidermis und der Malpighischen 
Schicht hervorgerufen wird. Aus einer, Federkeim genannten 
Papille bildet sich durch Vermehrung der Blutgefäfse in Ver- 
bindung mit reichen Lymphgeweben die sogenannte Pulpa, der 
eigentliche Nährboden der Feder. Sie ordnet die, ihr zunächst 
liegenden Zellen zu radiär gelagerten, keilförmigen Gruppen an, 
die sternartig in die Pulpa eindringen und deren jede beim 
Aufbau der Feder ihre bestimmte Funktion übernimmt. Prof. 
Duerdeu in Grahamstown war der erste, der einiges Licht in 
den inneren Zusammenhang zwischen Blutzirkulation und Federn- 
bildung brachte. Er wies nach, dafs nur ein Individuum, das in 
bester Kondition, sich im Vollbesitz seiner Kraft befindet, eine 
erstklassige Feder zu produzieren imstande ist, sodafs jede, 
noch so geringe Schwankung im Gesundheitszustand des Produ- 
zenten, Defekte an der Feder zeitigen mufs. Jede Krankheit 
resultiert in einer gewissen Unregelmäfsigkeit der Blutzirkulation, 
der Blutdruck in den äufsersten, die Feder ernährenden Kapil- 
laren wird dementsprechend schwanken — der Bau der Feder 
infolgedessen ungleichmäfsig sein. Der Farmbetrieb mufs daher 



152 W. BassermanD: 

sein Schwergewicht auf die Schaffung derjenigen Bedingungen 
legen, die es ermöglichen, Krankheiten und Verschlechterung der 
Kondition nach Kräften zu vermeiden. 

Einen weiteren Faktor bildet der Umstand, dafs schon in 
den ersten Entwickelungsstadien der Charakter der Feder fixiert 
wird. Befindet sich der Vogel zu der Zeit, in welcher die Pulpa 
zu neuem Wachstum angeregt wird, in mangelhafter Kondition, 
sei es durch Krankheit oder schlechte Ernährungsverhältnisse, 
so wird die sich entwickelnde Feder schlecht und fehlerhaft 
bleiben, auch wenn für die Verbesserung der Kondition des 
Tieres Sorge getragen wird. Es mufs daher Wert darauf gelegt 
werden, das in den Tagen, in welchen der Kiel der alten Feder 
entfernt und hierdurch die Pulpa veranlafst wird mit der Bildung 
der neuen Feder zu beginnen, der Straufs sich in einwandsfreiem 
Gesundheits- und Ernährungszustand befindet. 

Der Jahresumtrieb auf einer Straufsenfarm wird des Weiteren 
durch die Zeitdauer beeinflufst, welche eine Feder zur völligen 
Reife benötigt. Unter relativ günstigen Bedingungen kann an- 
genommen werden, dafs von dem Augenblick, in welchem die 
Pulpa mit der Neubildung beginnt, bis zu dem Zeitpunkte, in 
welchem sie ihre volle Entwicklung und gröfste Schönheit er- 
reicht hat, ein Zeitraum von 6 Monaten verstreicht. Obgleich 
in diesem Stadium die Feder noch nicht abgestorben ist, die 
Pulpa vielmehr mit blutführenden Kapillaren noch ein erhebliches 
Stück in den Kiel hineinreicht, ist es angemessen, dann schon 
die Feder zu ernten, da sie, am Vogel belassen, durch äufsere, 
mechanische Einwirkungen zu leicht gefährdet wird. Sie wird 
im oberen Drittel der Spule, an einer Stelle kurz unter den 
untersten rami, wo also die Pulpa nicht mehr verletzt werden 
kann, abgeschnitten. Das in der Follikel zurückbleibende Spulen- 
ende benötigt wiederum 2 Monate, um vollends auszutrocknen, 
wo es ohne Gefahr ausgezogen werden kann, um die Pulpa zu 
neuem Wachstum anzuregen. Von Entspulen zu Entspulen mufs 
daher ein Zeitraum von mindestens 8 Monaten verstreichen, was 
drei Ernten in zwei Jahren bedeutet. Ursachen der verschieden- 
sten Art können jedoch das Wachstum einzelner Federn hemmen, 
so dafs Schwankungen von 2 — 3 Wochen beobachtet werden. 
Prof. Duerden stellte vielfache Experimente an, um die, das 
Federnwachstum beeinflussenden physiologischen Faktoren zu 
fixieren und kam zu dem Resultate, dafs schon schwaches 
Kränkeln des Tieres das Tageswachstum der Feder von 5 mm 
auf 3,5 mm zu reduzieren vermag; bei schwerer Krankheit das 
Wachstum eine Woche und länger völlig unterbleibt. Während 
die Pulpa unter gewöhnlichen Bedingungen durch Belassen des 
Spulenendes in der Federfollikel in Ruhezustand gehalten werden 
kann, ist dies bei besonders günstigen Ernährungsverhältnissen 
nicht möglich. Ist bei vorteilhaftem Klima eine Trockenheits- 
ruhepause der Vegetation nur gering ausgeprägt, so wird die 



über die Straufseazucht. 158 

Pulpa ein derart reges Wachstum zeigen, dafs sie, nachdem 
sie sich völlig aus der alten Spule zurückgezogen hat, also nach 
acht Monaten mit der Bildung der neuen Feder beginnt, deren 
Spitze durch die in der Follikel steckende Spule am Austreten 
gehindert und dadurch verletzt werden kann. Doch trifft dieser 
Umstand nur in wenigen Gegenden zu, vielmehr wird meist 
durch Belassen der Spule am Vogel, resp. Entspulen der Zeit- 
punkt der Neubildung einer Feder willkürlich bestimmt werden 
können. Es bestehen dementsprechend zwei Umtriebe auf den 
Straufsenfarmen, je nach den klimatischen und vegetativen Vor- 
bedingungen, deren einer eine Ernte alle acht, der andere alle 
zwölf Monate ermöglicht. 

Der Achtmonate-Umtrieb ist nur unter günstigen Verhält- 
nissen rentabel und verlangt eine weitgehende Emanzipierung 
von den klimatischen Einflüssen. In rationellen Durchschnitts- 
betrieben wird daher der Jahresturnus vorzuziehen sein. Hierbei 
ist Gelegenheit gegeben, folgende natürlichen Faktoren nutz- 
bringend zu verwerten. Da die Federn, verkümmert durch 
Nichtgebrauch, lediglich als sekundäre Geschlechtscharaktere 
anzusprechen sind, stehen sie in ihrer Entwicklung in engen 
Beziehungen zu den sexuellen Funktionen. Es ist ein wissen- 
schaftlich bewiesener Erfahrungssatz, dafs die Feder zu Beginn 
der Brunst- und Paarungsperiode ihre gröfste Schönheit erreicht 
hat. Es ist. daher empfehlenswert, zu diesem Zeitpunkte die 
Ernte zu bewerkstelligen. Der vermehrte Stoffverbrauch einer 
ergiebigen sexuellen Tätigkeit würde jedoch der Pulpa eine 
grofse Anzahl zum Aufbau der Feder notwendigen Stoffe ent- 
ziehen, so dafs es wichtig ist, mit dem Entspulen so lange zu 
warten, bis eine Periode gröfserer Ruhe die Tiere in verbesserte 
Kondition gebracht hat. Da die Paarungszeit im Mai beginnt 
und im November zu Ende geht, kann man gleichzeitig das 
Entspulen und hierdurch die Neubildung der Feder in eine Zeit 
verlegen, zu welcher, nach den ersten Regenschauern die Weide 
mit frischem Grün überzogen ist und durch Güte und Nährstoff- 
gehalt des Futters eine gute Kondition des Vogels ermöglicht 
wird. Es ist also ein gewisser Spielraum gelassen, innerhalb 
dessen der Zeitpunkt, zu welchem die Ernte zu erfolgen hat, 
gewählt werden kann. Eine Ausnahme hiervon bildet das Schneiden 
der Erstlingsfeder, welches unter allen Umständen nach dem 
sechsten Monat zu erfolgen hat. Die auf die Erstlingsfeder 
folgende Jugendfeder zeigt ein derart reges Wachstum, dafs sie 
sich mit ihrer Spitze in die Spule der Erstlingsfeder hinein- 
drängt, falls diese nicht zur rechten Zeit, nach acht Monaten, 
entfernt wird. Da jedoch nicht alle Keime der Jugendfeder 
gleichmäfsig die Erstlingsfeder zu verdrängen suchen, wird durch 
allzulanges Belassen der Erstlingsfederspule in der Follikel ein 
ungleichmäfsiges Wachstum der Federn eines Vogels eingeleitet, 
das später nur mit gröfsten Schwierigkeiten reguliert werden 



154 W. Bassermann: 

kann. Das Entspulen hat mit grofser Vorsicht zu geschehen. 
Wird die Spule zu früh entfernt, so kann eine Verletzung der 
Pulpa verursacht werden, die ein Verkümmern oder völliges 
Fehlen der aus diesem Keime zu bildenden späteren Feder 
bewirkt. 

Durch kluge Zuchtwahl kann auf die Erzielung vollendet 
guter Federn günstig eingewirkt werden. Während bei anderen 
landwirtschaftlichen Betrieben die lange Erfahrung gewisse Gesichts- 
punkte gezeitigt hat, wobei aus äufseren Merkmalen auf die, einem 
Tiere innewohnende Tendenz, ein bestimmtes Produkt in hervor- 
ragender Qualität oder Quantität zu erzeugen, geschlossen werden 
kann, ist die systematische Straufsenzucht noch zu jung, als dafs 
ein Idealtypus sich hätte bilden lassen. Der Züchter mufs daher 
die Tiere individuell beobachten und nur solches Material zur 
Zucht verwenden, welches bei robuster Gesundheit gute, einwands- 
freie Federn liefert. Kreuzungen zwischen dem in Britisch- 
Südafrika gezüchteten Sir. australis und dem nordafrikanischen 
Str. camelus haben zeitweise gute Erfolge gebracht. Ein Vogel, 
der nicht in jeder Beziehung den Ansprüchen an ein vollkommenes 
Zuchttier genügt, sollte an der Paarung verhindert werden. Das 
in Südafrika angelegte „Ostrich-Studbook" ist vorzüglich geeignet, 
solche Bestrebungen zu unterstützen. Mit Pedigree versehene 
Exemplare werden häufig zum zehnfachen Preise eines gewöhn- 
lichen Zuchtstraufsen verkauft. Tiere, die aus irgend einem 
Grunde zur Zucht nicht zugelassen werden sollten, müssen ent- 
weder in eigenen Triften gehalten oder kastriert werden. Das 
Kastrieren männlicher und weiblicher Tiere verursacht nach der 
EUey'schen Methode auch bei der Ausübung durch Laien nur 
geringe Schwierigkeiten und der Prozentsatz an tödlichem Aus- 
gang dieser Operation ist nicht gröfser als bei anderen Haus- 
tieren. Die Entfernung der Reproduktionsorgane wirkt auch in 
anderer Hinsicht günstig auf die Federnproduktion ein, indem 
sich bei der nunmehr sehr bedächtigen Lebenweise auch nervöse 
und in ihrer Erregbarkeit schwer in guten Ernährungszustand 
zu bringende Tiere aufserordentlich rasch und vollständig er- 
holen. 

Der Einflufs der Ernährung auf die Federnbildung ist noch 
nicht in vollem Umfang aufgeklärt. Nachgewiesen ist, dafs bei 
einseitiger Ernährung durch Luzerne schwerere und weniger 
elastische Federn erzielt werden. Inwiefern jedoch ein Produk- 
tionsfutter eine Einwirkung auf die Federnbildung ausüben kann 
und welche Zusammensetzung ein solcher Nährstofiüberschufs 
aufweisen mufs um ein günstiges Resultat zu erzielen, ist eine 
vorläufig noch offene Frage. Bei dem grofsen Ausschlag, den 
Ernährungsschwankungen aut die Art und die Menge des Pro- 
duktes ausübt, müfste die empirisch erzielte Ernährungsweise 
durch eine wissenschaftlich exakte Fütterungsmethode ergänzt 
werden. In der Mehrzahl der Betriebe wird man zwar noch auf 



über die Straufseozucbt. 155 

Jahre hinaus von einer derart rationellen Fütterung absehen 
müssen, da meist die Art der Straufsenhaltung eine solch intensive 
"Wirtschaftsweise noch nicht zuläfst. Die anspruchsvoller werdende 
Nachfrage des Federmarktes wird Zugeständnisse von Seiten der 
Züchter verlangen, die infolgedessen mehr und mehr Wert auf 
gutes Zuchtmaterial legen müssen, wodurch in gröfserem Umfange 
als bisher specifische Qualitätszuchten hervorgerufen werden, 
deren Nachzucht zur Blutauffrischung in extensiven Betrieben 
dienen mufs. Eine solche rationelle Qualitätszucht ist aber ohne 
genaue Kenntnis der Ernährungsphysiologie schwer durchzuführen. 
Vorläufig wird in arbeitsextensiven Betrieben zur Ernährung der 
Straufse die heimische Vegetation genügen. Hierbei sind Caroo, 
Süfs-, Sauergrasfarmen zu unterscheiden. Caroo stellt eine Mi- 
schung von Stauden- und krautartigen Pflanzen mit den alkali- 
reichen Chenopodeenformen und vielen Arten Gramineen dar, 
während bei Süfs- und Sauergrasgegenden das nährstoffreiche 
Element niederer Büsche stark zurückgedrängt wird. Bei inten- 
siveren Betrieben tritt mit wachsender Intensität eine vermehrte 
künstliche Ernährung an Stelle der natürlichen Weide. Luzerne 
wird den Straufsen sowohl als Häcksel wie als Grünfutter und 
Weide zugängig gemacht. Zur Zeit der Brunst und des Eier- 
legens mufs eine Körnerration verabfolgt werden, wodurch in 
gewissem Mafse die Anzahl befruchteter Eier vermehrt werden 
kann. Bei mangelndem Salzgehalt der natürlichen Vegetation 
mufs das fehlende Pg O5 dessen der Straufs eine grofse Menge 
bedarf) durch Knochenmehl oder gehackte Knochen ersetzt werden. 
Die Nahrungszufuhr mufs reichlich sein um dem Tiere die nötigen 
Baustoffe zuzuführen, doch mufs ein allzustark reizendes Futter 
vermieden werden, da es die Nervosität der Tiere vermehrt und 
einem guten Gesundheitszustand hinderlich ist. 

Bei der starken Empfindlichkeit der Straufsen gegen jegliche 
Schwankungen in ihrer Haltung sind sie vielerlei Krankheiten 
sowohl konstitutioneller als infektiöser Natur ausgesetzt. Die 
Federnproduktion wird nur mittelbar durch solche Erkrankungen 
des Vogelorganismus beeinträchtigt und resultiert fast stets in 
einem als Schnabelhiebigkeit (Bar) bekannten Defekte der rami 
und radii. Auch hier war Duerden der erste, der die Art der 
Bar-Bildung einwandsfrei nachwies. Seine Theorie, die zweifellos 
dem tatsächlichen Vorgang entspricht, baut sich auf folgenden 
Beobachtungen auf. Auch unter günstigsten Bedingungen geht 
das Wachstum der Feder nicht in vollkommener Gleichmäfsigkeit 
vor sich sondern wechselt in der Ausbildung der einzelnen Teile 
je nach der Stärke des zu der Pulpa strömenden Blutzuflusses. 
Regelmäfsige Schwankungen im Blutandrang resultieren aus der 
wechselnden Intensität der physiologischen Umsetzung bei Tag 
und bei Nacht. Die kühle Nachttemperatur zusammen mit ver- 
minderter Stofifwechseltätigkeit setzt den Blutdruck in den Capil- 
laren herab, so dafs ein schwächeres Nachtwachstum im Gegen- 



156 W. Bassermann: 

Satz zu dem stärkeren Tageswachstum zu konstatieren ist. 
Tritt gleichzeitig mit der schwächeren Ausbildung der einzelnen 
Federnteile während des Nachtwachstunis eine anormale Vermin- 
derung des Blutdruckes in der Pulpa auf, wie es durch krank- 
hafte Störungen der Stoffwechseltätigkeit hervorgerufen werden 
kann, so wird infolge des vermehrten Druckes, mit welchem die 
umgebenden Hautzellen auf die noch weiche, nur wenig verhornte 
Feder einwirken, an den von Anfang an schwächer ausgebildeten 
Stellen der Feder eine Schrumpfung hervorgerufen. Diese 
Schrumfung wird die Bildung der rami und radii völlig hemmen, 
so dafs beim Austreten der Feder aus der überhautschicht und 
ihrem Entfalten der Defekt sich in Form eines Striches über 
sämtliche Strahlen quer über die Fahne hinziehen wird. Schnabel- 
hiebigkeit entwertet die P'eder in hohem Mafse, besonders da 
die Strahlen an der Stelle des Bars leicht knicken und der 
Feder ein unschönes Aussehen geben. Neben der Schnabelhiebig- 
keit treten noch andere Federdefekte auf, die sich bald in un- 
gleichmäfsiger Entwicklung der Fahne, bald in völligem Fehlen 
oder unregelmäfsigem Stand der Äste äufsern. Wenn diese 
Fehler auch zum Teil auf mechanische Einwirkungen zurückge- 
führt werden können, liegt doch meist die Ursache in physiolo- 
gischen Einwirkungen, welche durch Krankheitserscheinungen 
irgend welcher Art hervorgerufen werden. Ähnlich den anderen, die 
Straufsen betreffenden Fragen beschäftigte sich die Wissenschaft 
in letzter Zeit auch eingehend mit der Pathologie dieser Vögel. 
Doch sind auch auf diesem Gebiete noch manche Aufgaben zu 
lösen. Von grofsem Einflüsse auf die Blutzirkulation und infolge- 
dessen indirekt auf die Federnbildung sind die beim Straufsen 
äufserst häufig auftretenden Verdauungsstörungen. Eine ratio- 
nelle Haltung und Fütterung wird in dieser Hinsicht in vielen 
Fällen Abhilfe schaffen, es sei denn, dafs die mangelhafte Aus- 
nutzung der Nährstoffe eine Folgeerscheinung der, nur allzuoft 
auftretenden Infektion der Verdauungswege durch Würmer dar- 
stellt. Hierbei kommen hautsächlich zwei Arten in Betracht: 
Taenia struthionis, der Straufsenbandwurm und Strongylus Dou- 
glassii der sogenannte Drahtwurm. 

T. struthionis gehört zur Gattung der Cestoden und hält 
sich, als geschlechtsreife Form der Plattwürmer, als Bandwurm 
im Darm des Straufsen auf. Welches Tier die T. struthionis 
als Zwischenwirt aufsucht konnte bisher noch nicht festgestellt 
werden. Prophylaktische Mafsregeln sind daher äufsert schwierig 
und von ungewissem Erfolg. Bei der Häufigkeit des Vorkommens 
der Taenia ist es ratsam, sämtliche Vögel der Herde alle sechs 
Monate, ob sie Symptome zeigen oder nicht, mit abtreibenden 
Mitteln zu behandeln. Als Medizin wird Petroleum angewandt, 
und zwar je nach dem Alter des Patienten Vi ^^^ V» ^- P^o 
Kopf auf nüchternen Magen. Gute Erfolge zeitigte auch die 
Verwendung des Kamalapulvers, welches aus den Drüsen und 



über die Straufsenzucht. 157 

Körnchen von Mallotus philippinensis besteht und ein spezifisches 
Abfiihrmittell darstellt. 

Weitaus gefährlicher, well häufig von tödlichem Ausgange 
gefolgt, ist das Auftreten des Strongylus Douglassii. Über die 
Art, die Ernährung, Fortpflanzung und Infektionsraethode dieses 
Parasiten existieren noch keine exakten Forschungen. Str. dou- 
glassii, ein Pallisadenwurm, ist 8 — 10 mm lang, von durchsichtigem 
Weifs, erscheint jedoch rötlich auf der entzündeten Magenschleim- 
haut. Er hält sich allein im Drüsenmagen auf, wo er sich auf 
die obere, reich mit Drüsen und Drüsenausgängen versehene 
Magenwandung aufheftet. Da seine Oberfläche der verdauenden 
Wirkung der Magensäfte nicht widerstehen kann, schützt er sich 
durch einen dicken schleimigen Überzug, der sich über eine 
grofse Anzahl von Drüsenausgängen hinweglegt und so die Aus- 
scheidung der Magensäfte und eine Verdauung der aufgenommenen 
Nahrung in hohem Mafse hemmt. Die medizinische Behandlung 
ist durch die Lebensgewohnheiten des Wurmes aufserord entlich 
erschwert, da infolge der Schwerkraft nur voluminöse Medikamente 
auf die, an der oberen Magenseite festsitzenden Parasiten ein- 
wirken können. Ein weiteres Hemmnis stellt die Schleimschicht 
dar, die zunächst gelöst werden mufs, bevor ein Gift, auf den 
Wurm selbst einwirken kann. Von günstigem Erfolg ist die von 
Hutcheon empfohlene Methode, zunächst eine Dosis Paraftinöl 
einzugeben, die zur Vergröfserung des Volumens zu gleichen 
Teilen mit Milch gemisch wird. 1:11. pro erwachsenen Vogel 
bedeutet ein ausreichendes Quantum. Das spezifisch leichtere 
Öl wird im Magen auf der Milch schwimmen und lösend auf die 
Schleimschicht einwirken können. Ist auf diese Weise der Weg 
zu den Würmern freigemacht, so wird nach zwei bis dreitägiger 
Ruhepause eine Mischung von Terpentin, Karbolsäure und 
warmem Wasser im Verhältnis von 1 : 1 : 25 eingegeben, wodurch 
die Würmer sofort abgetötet werden. Da die Terpentin-Karbol- 
säuregabe, ebenso wie das Paraffin, auf nüchternen Magen ver- 
abreicht werden mufs, dieserZustand jedoch jeweils ein 18 stündiges 
Fasten verlangt, aufserdem der Magen durch die scharfen Gifte 
sehr schwächt zu werden pflegt, kommen die Tiere bei einer 
solchen Radikalkur stets in ihrer Kondition derart herunter, dafs 
sie nur sehr minderwertige Federn zu produzieren vermögen 
und sich erst nach mehreren Monaten völlig erholen. 

Jeder Straufsenfarmbetrieb mufs neben der Erzielung einer 
fehlerfreien Feder auf die Vermehrung seiner Herde aus dem 
eigenen Bestände bedacht sein und wird bei der Handhabung 
seines Wirtschaftsbetriebes auch denjenigen Faktoren, welche die 
Qualität seiner Nachzucht beeinflussen, eindringlich Rechnung 
tragen. 

Vor allen Dingen sind hierbei die Prinzipien der Zuchtwahl, 
deren schon weiter oben Erwähnung getan wurde, zu berück- 
sichtigen, wobei ein peinliches Einhalten dieser Grundsätze eine 



158 W. Bassermann: 

gewisse Garantie dafür bietet, das die Zuchtergebnisse befrie- 
digende sind. Um den Gesundheitszustand der Herde und die 
Qualität der Zucht- und Federvögel stets anf der wünschenswerten 
Höhe zu erhalten, ist allzu ausgeprägte Inzucht zu vermeiden. 
Während Herdeninzucht in den ersten Generationen zuchtver- 
bessernde Wirkung ausüben kann, zeigen sich in den späteren 
Generationen Degenerationsmerkmale, die sich in extremen Federn- 
bildungen oder starker Veranlagung zu Krankheiten äufsern. 
Eine Blutauifrischung durch angekaufte Zuchthähne ist daher 
unbedingt erforderlich. 

Besonderer Nachdruck mufs ferner darauf gelegt werden, 
dafs die Elterntiere zur Zeit der Paarungsperiode sich in guter, 
kräftiger Konstitution befinden, da es wissenschaftlich nachge- 
wiesen ist, dafs der Gesundheitszustand der Eltern im Augenblicke 
der Keimbefruchtung ausschlaggebend für die Konstitution der 
jungen Tiere ist. Da die Brunstperiode zu einer Zeit einsetzt, 
in welcher nach monatelanger Trockenheit die natürlichen Futter- 
mittel knapp geworden sind, das verdorrte Weidefeld nur noch 
geringen Nährwert besitzt, mufs auch in extensiven Betrieben 
eine Kraftfuttergabe erfolgen. In solchen Wirtschaften, die 
grofses Gewicht auf die Erzeugung einer grofsen Menge von 
jungen Straufsen legen, die also neben dem Ersatz und der 
Vermehrung des eigenen Herdenbestandes den Verkauf von 
Zuchttieren betreiben, kann durch Verabreichung anregenden 
Körnerfutters die Paarungs- und Legetätigkeit der Straufsen 
erhöht werden. Diese vermehrte Eierproduktion kann jedoch 
nur durch^die Methode der Inkubatorenbrütung ausgenutzt werden. 

Durch praktische Verbesserungen wurden die Brutapparate 
zu einer derartigen Vervollkommnung gebracht, dafs vom tech- 
nischen Standpunkte aus betrachtet die Brut durch den Inkubator 
derjenigen durch die Eltern völlig gleichwertig ist. Welche 
Methode daher zur Anwendung kommen wird, mufs von den 
wirtschaftlichen Verhältnissen, welche die Betriebsrichtung beein- 
flussen, abhängig gemacht werden. Bei der natürlichen Brut- 
methode sind folgende Momentein Betracht zu ziehen: Als die 
naturgemäfsere hat sie mit geringerem Risiko zu rechnen. Da 
der gröfste Teil der Sorge um die Eier den Elternvögeln über- 
lassen wird, bedeutet sie eine erhebhche Entlastung des Betriebs- 
leiters verbunden mit einer nicht zu unterschätzenden Verein- 
fachung und infolgedessen Verbilligung des gesamten Betriebes. 
Auf der anderen Seite werden jedoch die Straufse durch die 
stetige Inanspruchnahme durch das Brutgeschäft in hohem Mafse 
am Eierlegen gehindert, durch die Beschränkung auf 3—4 Gelege 
zu je 12—16 Eiern wird die Gesamtproduktionsfähigkeit an jungen 
Straufsen erheblich reduziert. Schliefslich werden die Federn 
durch die sitzende Beschäftigung der brütenden Vögel erheblich 
gefährdet, so dafs stets eine gewisse Entwertung des Federn- 
materials in Kauf genommen werden mufs. Der Brutapparat 



über die Straufsenzucht. 159 

dagegen versetzt uns in die Lage, diese zum Teil schwerwiegen 
den Nachteile zu vermeiden. Die Eierproduktion und somit di^ 
Anzahl der Kücken kann in ganz vorzüglicher Weise vermehr^ 
werden, da von einer Henne im Durchschnitt 120 — 140 Eier pro 
Paarungsperiode erwartet und zum Ausschlüpfen gebracht werden 
können. Aufserdem ist die Kontrolle über die Zuchtwahl in weit- 
aus höherem Mafse möglich, als dies die natürliche Bebrütung 
gestattet. Sämtliche, von einem Hahn befruchteten Eier werden 
in gesonderten Apparaten ausgebrütet, wodurch eine Identifizierung 
der Jungen ermöglicht wird, und daher bei genauer Beobachtung 
ein zutreffendes Urteil über die Art und Stärke der väterlichen 
Individualpotenz gebildet werden kann. Die Verwendung der 
Brutmaschine verlangt jedoch anderseits eine absolut genaue 
Kontrolle, unablässige Aufsicht und vorsichtigste Sorgfalt, wenn 
sie dauernden Erfolg versprechen soll. Das Risiko dieser Methode 
liegt darin, dafs der geringste Verstofs gegen die auf eingehenden 
Forschungen basierenden Vorschriften den Verlust sämtlicher im 
Apparate befindlicher Eier zur Folge haben kann. 

In extensiven Betrieben, welche auf eine möglichste Be- 
schränkung der zur Erzielung eines relativ guten Produktes auf- 
gewandten Mittel an Geld und Arbeitskraft Wert legen müssen, 
wird daher die natürliche Bebrütungsmethode angebracht sein. 
Intensive Wirtschaften dagegen, in welchen die wirtschaftlichen 
Faktoren eine rationelle Ausnutzung sämtlicher Produktions- 
möglichkeiten verlangen und daher hohe Qualitätszucht sowohl 
in Federn als auch in Verkaufstieren betrieben werden mufs, 
können ohne Verwendung des Brutapparates eine Rente nicht 
abwerfen. 

Die übergrofse Empfindlichkeit der Jungen in den drei 
ersten Monaten ihres Daseins bedingt eine grofse Sorgfalt in 
der Kückenaufzucht. Mangelnde Pflege in diesem jugendlichen 
Stadium wird an sich günstig veranlagte Tierchen schädigen und 
solche, in deren Organismus konstitutionelle Neigung zu Krank- 
heiten vorhanden ist, die bei guter Pflege überwunden werden 
könnte, völlig entwerten. Vorzüglich ist darauf zu achten, dafs 
die Tierchen genügend Bewegungsfreiheit haben, vor Kälte und 
Nässe ausgiebig geschützt werden und nur bekömmliche und die 
Verdauung befördernde, laxierende Nahrung erhalten. Um die 
rasch wachsenden Knochen zu festigen, mufs ihnen regelmäfsig 
ein gröfseres Quantum Knochenmehl oder gehackter Knochen 
verabreicht werden, dem eine kleine Menge Schwefelblüten bei- 
gefügt werden kann. Trotz bester Haltung wird jedoch stets mit 
einer recht beträchtlichen Sterblichkeit gerechnet werden müssen. 
Neben allen erdenklichen äufseren Unfällen, wie Verlusten durch 
Raubtiere oder sonstigen, nicht vorauszusehenden Zufälligkeiten, 
welche zum Tode dieser kleinen Tierchen führen können, sind 
die Kücken bei ihrer zarten Konstitution den Straufsenkrank- 
heiten in ganz besonderem Grade ausgesetzt. Das Auftreten der 



160 W. Bassermano: 

Taenia und. des Strongylus ist in den ersten Monaten besonders 
gefährlich und führt in den meisten Fällen zum Tode des 
Patienten. Mangelnder Schutz vor nasser Kälte erzeugt vielfach 
Lungenerkrankungen, die in ihrem akuten Verlaufe ein ärztliches 
Eingreifen vereiteln und diphteritisähnliche Halsaffektionen, die 
stellenweise endemisch aufgetreten sind, stellen eine erhebliche 
Gefahr dar. Besonders schwer sind jedoch die Folgen einer fast 
ausschliefslich Straufsenkiicken in den ersten Lebensmonaten 
befallenden Krankheit, der sogenannten Gelbleber (yellow liver). 
Gelbleber stellt nach Hutcheon eine Art Atrophie der Leber dar, 
mit gleichzeitiger krankhafter Verfettung der Zellen. Die Leber 
zeigt eine gelbliche Färbung, die Schnittfläche ist glatt, nicht 
körnig wie in gesundem Zustande; die Muskelfasern sind blafs 
und weich, Herz und Blutgefäfse enthalten helles, wässeriges 
Blut, so dafs alle äufseren Anzeichen auf hochgradige Blutarmut 
schliefsen lassen. Die Anomalie scheint hervorgerufen durch 
mangelhafte Verdauung der in grofsen Mengen im Magen ange- 
häuften Futterstoffe. Die Ursache der Krankheit ist mit Bestimmt- 
heit noch nicht nachgewiesen, doch gebührt von den mancherlei 
Vermutungen der Theorie D. Hutcheons die vornehmlichste Be- 
achtung. Er hält die Gelbleber nicht für eine Infektionskrank- 
heit, sondern sucht ihren Ursprung in der mangelhaften Aus- 
bildung der durch angeborene Schwäche empfindlichen, durch 
ungenügende Pflege in der Entwickelun« gehemmten Verdauungs- 
organe. Die eigentliche Ursache wäre daher nicht in den 
betroffenen Tieren selbst, sondern in den eine solche Schwäche 
vererbenden Elterntieren zu suchen. Hierin scheint ein durch 
die Domestizierung hervorgerufenes Degenerationsmerkmal zum 
Ausdruck zu kommen. Wenn auch diese Theorie noch nicht 
einwandsfrei nachgewiesen ist, scheint mir doch hier der Punkt 
zu sein, an welchem anfassend die wissenschaftliche Forschung 
diese überaus wichtige Frage lösen könnte. 

Neben diesen die Endprodukte der Straufsen-Zuchten be- 
einflussenden Faktoren tragen zur Präzisierung der verschiedenen 
Betriebsmethoden die wirtschaftlichen Bedingungen, unter 
deren Einwirkung die betreffende Farm steht, in erheblichem 
Mafse bei. Je nach der Beschaffenheit des Bodens, des Klimas 
und der wirtschaftsgeographischen Verhältnisse wird eine Ab- 
stufung von intensivster zu extensivster Arbeitsweise nötig werden, 
wie sie sich auch tatsächlich in den in Südafrika existierenden 
Farmbetrieben herausgebildet hat. Trotz mancher verwischender 
Übergänge und vielerlei Ineinandergreifens lassen sich drei 
ziemlich scharf getrennte Systeme unterscheiden, deren jeweilige 
Anwendung und Prägnanz fast ausschliefslich durch die Lage 
und Eigenart des betreffenden Farmgrundstückes und nur in 
geringem Mafse durch die Liebhaberei des Züchters bedingt ist. 

1. Freiweidebetrieb. Der Freiweidebetrieb stellt die 
Wirtschaft extensivster Arbeitsweise dar. Sein Zweck besteht 



über die Straufsenzucht. 161 

darin, auf billigem Boden, bei möglichster Beschränkung des 
toten Inventares eine möglichst grofse Anzahl von Straufsen 
unter annähernd natürlichen, und daher nur geringe Pflege und 
geringen materiellen Aufwand beanspruchenden Lebensbedingungen, 
nutzbringend in Gefangenschaft zu halten. Grundlegend für eine 
solche extensive Wirtschaftsweise ist billiger, leicht zu verzinsender 
Boden. Der Freiweidebetrieb beschränkt sich daher auf solche 
Gegenden, welche in wirtschaftlicher und klimatisch-geologischer 
Hinsicht weniger günstig veranlagt sind. Solche, die Produktions- 
kraft der betreffenden Ländereien hemmende Bedingungen ver- 
ursachen eine relativ geringe Bevölkerungsdichte, erlauben daher 
für europäische Begriffe ungewohnte Ausdehnung der einzelnen 
Besitzungen; wozu allerdings andererseits die mangelhafte Frucht- 
barkeit des Bodens den Grundbesitzer nötigt. Die Ernährung 
der auf solchen Betrieben gehaltenen Straufse basiert auf den 
durch die natürliche Vegetation dargebotenen Nährstoffen. Im 
speziellen Falle kommt hauptsächlich die ursprüngliche, engere 
Heimat der Straufse, die Caroo, sowie die Süfs- und Sauerveldt- 
gegend in Betracht. So zusagend diese Ernährungsweise auch 
für die Straufse ist, müssen doch bei der geringen Produktions- 
kraft dieser Gegenden zum ausreichenden Unterhalt relativ kleiner 
Herden grofse Areale zur Verfügung stehen. Durchschnittlich 
rechnet man 6—8 ha (15 — 20 acres) mittelguter Steppenweide 
auf einen Straufsen. Die Gesamtausdehnung der Farmen beträgt 
3000 bis 5000 ha, so dafs man eine Bestockungsfähigkeit von 
300 — 500 Vögeln annehmen kann, ohne befürchten zu müssen, 
dafs in schlechten Jahren, bei übermäfsiger Trockenheit das 
Weidefutter nicht mehr genügen könnte. Um den Betrieb jedoch 
einigermafsen von den Launen der Witterung unabhängig zu 
machen, ist es auch in extensivsten Betrieben ratsam, wo es 
irgend die Wasserverhältnisse gestatten, Luzerne als Futtermittel 
anzubauen. Jedenfalls mufs für das Vorhandensein des auch 
unter ungünstigen Verhältnissen gedeihenden Feigenkaktus, sowie 
der gleich anspruchslosen Agave gesorgt werden. 

Die Haltung der Straufse wird in der Art geregelt, dafs 
annähernd gleichaltrige Tiere in Herden zusammengestellt werden, 
die in getrennten Triften unterzubringen sind. Junge Tiere, 
kränkelnde, sowie besonders wertvolle Exemplare sind auf frisch- 
wachsende Triften zu schicken, während die anderen, weniger an- 
spruchsvollen Herden zur Nachweide aufgetrieben werden können. 
Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, das vorhandene Areal 
durch Einzäunungen in verschiedene Schläge aufzuteilen, deren 
Ausdehnung je nach Güte des Weidefeldes und der Kopfzahl 
der Herden auf verschiedenen Betrieben wechseln kann. Neben 
solch gröfseren Abteilungen im durchschnittlichen Umfange von 
200—300 ha, werden kleinere Weideplätze für einzelne Paare 
eingerichtet, wobei ca. 30 ha auf das Paar gerechnet werden 
mufs. Da das Wasserbefürfnis der Straufse nicht übermäfsig 

Joam. t Om. LIX. Jahrf;. Januar 1911. 11 



162 W. Bassermann : 

grofs ist, gehört eine Tränkstelle in jede Trift nicht zu den ab- 
soluten Erfordernissen, obgleich es natürlich im Interesse der 
Vereinfachung des Betriebes wünschenswert wäre. Da die 
Straufsen in Bezug auf die Art von Futterpflanzen, welche sie 
zur Nahrung aufnehmen, etwas wählerisch sind, manche Pflanzen 
gänzlich verschmähen, bei anderen nur die Blätter abstreifen, 
müssen zur völligen Ausnutzung der Weide gelegentlich Rinder 
oder Schafe aufgetrieben werden. Hierbei ist noch als günstige 
Nebenerscheinung aufzuweisen, dafs während dieser Zeit die Mög- 
lichkeit besteht, dafs die Eier oder Larven der Parasiten, deren 
Lebensdauer aufserhalb des Wirttieres wir zwar nicht kennen, 
aber doch als beschränkt annehmen dürfen, zum Absterben 
kommen. Die Nachzucht, welche in solchen Betrieben haupt- 
sächlich zur Mehrung des eigenen Herdenbestandes und nur in 
geringen Fällen zum Verkaufe als Zuchtmaterial verwandt werden 
wird, ist zweckmäfsiger Weise durch natürliche Brut zu erzielen. 
Der Freiweidebetrieb kann unter passenden Verhältnissen in seiner 
Extensität sehr günstige Resultate aufweisen. Allerdings ist 
streng darauf zu halten, dafs das Princip dieser Extensität in der 
Anlage und Durchführung des gesamten Betriebes auf jede Weise 
gewahrt bleibt, damit das Anlagekapital, welches durch den Erlös 
an Straufsenfedern zu verzinsen ist, durch keinerlei irgendwie 
vermeidliche Ausgaben erhöht werde. Totes Inventar, sowie die 
auf den einzelnen Straufsen aufgewandte Arbeit ist auf ein 
Minimum zu beschränken. Die Sorge für das einzelne Tier mufs 
auf die ersten drei Monaten konzentriert werden, da sich jegliche, 
für die Kückenaufzucht aufgewandte Arbeit rentieren wird, 
während nach dieser Zeit die Herden mehr und mehr sich selbst 
überlassen bleiben müssen. Diese Art der Haltung verlangt 
zwar nur geringe Pflege, verursacht daher wenige Kosten, mufs 
jedoch infolgedessen mehr auf die Quantität als auf die Qualität 
der zu liefernden Produkte sehen. 

2. Bruthofwirtschaft. Anders liegen die Verhältnisse 
bei der Bruthofwirtschaft, deren Existenzbedingung in der rentabeln 
Verzinsung hohen Bodenkapitals beruht. Die hierdurch bedingte, 
äufserst intensive Wirtschaftsmethode ist jedoch nur unter 
besonders günstigen klimatischen und wirtschaftsgeographischen 
Verhältnissen möglich, ein Grund, aus welchem sich das seltene 
Vorkommen reiner Bruthofwirtschaften erklären läfst. Die hohen 
Bodenpreise sowie die Besiedelungsdichte solch günstig veranlagter 
Ländereien erlauben keine allzugrofse Ausdehnung der einzelnen 
Betriebe. Der Weideauslauf ist daher so beschränkt, dafs die 
natürliche Vegetation bei weitem nicht zum Unterhalt der Straufsen 
genügt und durch den Anbau von Futterpflanzen ergänzt resp. 
ersetzt werden mufs. Bruthofwirtschaft setzt demnacht ein gut 
funktionierendes Bewässerungssystem voraus, das zum Anbau 
von Luzerne und anderen Futtermitteln unbedingt erforderlich 
ist. Je nach der Güte des Bodens und der Wasserverhältnisse wird 



über die Straufsenzucht. 163 

die Kapazität eines bestimmten Areals zur Aufnahme von 
Straufsen schwanken, doch kann man ungefähr 10 — 15 ausge- 
wachsene Straufse auf 1 ha Luzernenfeldes rechnen. Die ver- 
schiedenen Einfriedungen, auf welchen die Straufse geweidet 
werden, sind daher in ihrer Ausdehnung durch die Fruchtbarkeit 
des Bodens, die Gröfse der Farm und die Höhe der Bestockung 
bedingt. Neben solchen Luzernentriften, auf welchen das Gros 
der Herde, die Kücken, die ein-, zwei- und dreijährigen sowie 
die reinen Federvögel gehalten werden, sind in derartigen Be- 
trieben noch besondere Bruthöfe eingerichtet. Da in Bruthof- 
wirtschaften aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel das 
Inkubatorensystem angewandt wird, besteht die Möglichkeit, 
jedem Zuchthahne zwei Zuchthennen zuzuteilen, welche dann in 
kleinen, ca. 1 preufsischen Morgen grofsen Einzäunungen während 
der Paarungszeit gehalten werden. Diese Höfe weisen einen 
Schuppen auf, in dessen Nähe der Nistplatz angelegt wird und 
sind auf einer Seite mit schattenspendenden Bäumen zu bepflanzen, 
um den häufig aufserordentlich wertvollen Zuchttieren in jeder 
Hinsicht Schutz vor den Unbilden der Witterung zu bieten. 

Die Ernährung der Tiere erfolgt teils durch Weidegang 
auf Luzerne, teils durch Verabreichung von Grünfutter oder 
Luzernenhäcksel. Den Brutvögeln wird eine regelmäfsige Ration 
von Körnerfutter verabreicht, durch deren Menge es der Züchter 
in der Hand hat Anfang, Dauer und Ende der Brunstperiode 
in hohem Mafse zu beeinflussen. Körnerfutter und Luzernenheu 
auf Vorrat aufgestapelt, machen den Betrieb fast vollkommen 
unabhängig von den Einflüssen der Witterung. Die Bruthofwirt- 
schaft stellt daher eine absolut intensive Betriebsmetbode dar, 
welche die Straufsen in einen hohen, der europäischen Haustier- 
haltung ähnlichen Zustand der Domestikation versetzt. Die 
aufserordentlich sorgfältige Pflege, welche in einer solchen Wirt- 
schaft dem einzelnen Tiere zugewandt werden kann, ermöglicht 
und verlangt bei rationellem Betriebe eine ausgesprochene, reine 
Qualitätszucht. 

3. Kombinierter Betrieb. Bei weitem am häufigsten 
wird jedoch ein kombinierter Luzernen- und Freiweide-Betrieb 
am Platze sein. Manche Gegenden werden in ihren Wasser- und 
Bodenverhältnissen den Anbau von Futtermitteln nur in beschränk- 
tem Mafse zulassen, sodafs es angebracht sein wird, neben einigen 
Luzernenschlägen für ausgiebigen Auslauf auf das freie Feld zu 
sorgen. Hierdurch wird häufig die Möglichkeit gegeben, die 
vorhandenen natürlichen Bedingungen vollständig auszunützen, 
ohne durch allzusehr verteuerte Wirtschaftsweise die Rentabilität 
einer solchen Anlage in Frage zu stellen. Für derartige Betriebe 
lassen sich natürlich keine allgemein gültigen Zahlen darüber 
angeben, wie viele Straufse auf einer bestimmten Fläche gehalten 
werden können, da je nach den vorliegenden Verhältnissen bald 
gröfsere, bald kleinere Are«le für den Anbau von Futterpflanzen 

11* 



164 W. Bassermann: Über die Straufsenzacht. 

zur Verfügung stehen. Doch wird 100 Straufse auf 250 ha un- 
gefähr zutreffend genannt werden können. Für das Paar ausge- 
wachsener Straufse sollten also annähernd 5 ha guter natür- 
licher Weide zur Verfügung stehen, auf welcher, bei normalen 
Regenverhältnissen, einen grofsen Teil des Jahres hindurch aus- 
reichend Nährstoffe vorhanden sein werden. Während der Trocken- 
zeit, zu der alle nicht bewässerten Pflanzen einen grofsen Teil 
ihres Nährwertes einbüfsen, werden die Vögel zweckmäfsig morgens 
und abends gefüttert und den Tag über auf der natürlichen 
Weide belassen, während besonders wertvolle Tiere und solche, 
deren Gesundheitszustand kräftige Nährstoffzufuhr verlangt, am 
besten ganz auf Luzerne gehalten werden. Welche Art der 
Bebrütungsmethode der Züchter in diesem Betriebe anzuwenden 
gedenkt, mufs von dem speziellen Zweck seiner Anlage abhängig 
gemacht werden. Will er hauptsächlich auf Erzeugung einer 
guten Feder hinarbeiten, seinen Herdenbestand jedoch durch 
Zukauf guter Zuchthähne von Zeit zu Zeit aufbessern, so wird 
im Interesse der Billigkeit und Bequemlichkeit des Betriebes 
die natürliche Methode angebracht sein. Andererseits aber wird 
eine gute Nachzucht und der Verkauf rassereiner Zuchtvögel 
die Mehraufwendungen an Geld und Arbeit, die durch den Inku- 
batorenbetrieb verursacht werden, vollständig bezahlt machen. Der 
kombinierte Luzerne- und Freiweidebetrieb wird bei ratio- 
neller Wirtschaft stets einen guten Reinertrag abgeben, wenn in 
ihm das, auch für viele andere Landwirtschaftsbetriebe zutreffende, 
grundlegende Prinzip der extensiven Organisation und intensiven 
Arbeit befolgt wird. Auf diese Weise ist es möglich, unter 
relativ ungünstigen Verhältnissen grofse Quantitäten ziemlich 
hochwertiger Produkte zu erzielen. 



Deutsche Ornithologiscbe Gesellsehaft. 
Bericht über die September-Sitzung 1910. 

Verhandelt Berlin, Montag den 4. September abends 8 Uhr 
im Architekten-Vereinshause, Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren: v. Versen, K. Neunzig, Haase, 
Jung, Kracht, Schiller, Krause, Graf v. Zedlitz, 0. 
Neumann, Schale w, Reich enow, Deditius und Heinroth. 

Als Gäste: Herr Brehm und Frau Heinroth, 

Vorsitzender: Herr Sc ha low, Schriftführer Herr Heinroth. 

Die Herren Reichenow und Schalow legen die eingegan- 
genen Schriften und Bücher vor. 

Herr Graf v. Zedlitz, der ganz kürzlich von einer Spitz- 
bergenreise zurückgekehrt ist, sodafs also eine genaue Bearbeitung 



Bericht über die September-Sitzung 1910. 165 

seiner Sammlungen noch aussteht, hat einige Seeschwalbenbälge 
mitgebracht, die er ausführlich bespricht. Unter einer grofsen 
Menge von Sterna macrura, die sämtlich den charakteristischen 
roten Schnabel, die roten Füfse und die rein schwarze Kopf- 
platte, sowie die hellgraue Unterseite besitzen, gelang es ihm, auf 
der Lowen-Insel auch einige Stücke zu erlegen, die schwarze 
Füfse, einen schwarzen Schnabel, eine reichlich mit weifs durch- 
setzte Kopfplatte und eine weifse Unterseite aufweisen. Aufser- 
dem sind diese letzteren Vögel kleiner als die typische macrura: 
während diese eine Flügellänge von 270 — 285 mm haben, 
ist der Flügel der schwarzschnäbligen Form nur 250 — 253 mm 
lang. Der Vortragende hat alle Entwickelungsstadien von 
Sterna macrura genau untersucht, und es zeigt sich, dafs bereits 
ganz kleine Dunenjunge rote Füfse und einen rötlichen Schnabel 
besitzen. Er neigt der Ansicht zu, dafs die schwarzschnäblige 
Seeschwalbenform ein noch unbekanntes Verbreitungszentrum 
habe, das nur mit wenigen Individuen in das Gebiet von Sterna 
macrura hineinreicht: er schofs die vereinzelten schwarzschnäbligen 
Vögel mitten unter den typischen macrura. Bereits vor vielen 
Jahren hatte er ein solches schwarzschnäbliges Stück erhalten, 
und durch dies war er auf die ganze in Rede stehende Frage auf- 
merksam geworden, sodafs er bei der ganzen Reise sein Augen- 
merk auf diese Vögel gerichtet hatte. Aufser den rot- und 
schwarzschnäbligen Seeschwalben legt er noch 2 intermediäre 
Stücke vor. 

Es entspinnt sich ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen 
den Herren Reichenow, Schalow, Neumaiin und dem Vor- 
tragenden, wobei besonders darauf hingewiesen wird, dafs man 
noch zu wenig Vergleichsmaterial aus dem Winteraufenthalt dieser 
Seeschwalben besitze, und namentlich flerr Neu mann weist 
darauf hin, dafs im Sommer in Afrika erlegte Stücke von Sterna 
hirundo merkwürdiger Weise schwarze Schnäbel und Beine haben. 
Dies wäre ein Parallelfall zu der erwähnten schwarzschnäb- 
ligen macrura. 

Herr Reichenow legt hierauf einige neue afrikanische 
Vögel vor: einen Indicator mit sehr abweichender Schwanzbildung 
und eine Pyromelana, die der bekannten approximans nahe steht, 
aber sich durch dunkleres Gelb des Rückens auszeichnet. Herr 
Reichenow zeigt ferner einen seit 80 Jahren im Berliner Zoolo- 
gischen Museum unter dem Namen Emheriea panayensis Gm. 
befindlichen eigentümlichen Vogel und gibt dazu nähere Er- 
läuterungen. Diese, sowie eine Abbildung des Präparats erscheinen 
im Bericht des V. Internationalen Ornithologen-Kongresses. 

Die Herren Neumann, Reichenow, Neunzig und 
Schalow kommen, einer Anregung der beteiligten Händler- 
kreise folgend, auf den Schmuckfederhandel zu sprechen, und 
man wird dahin einig, dafs es wohl das Beste wäre, auf Schon- 
gesetze für die dabei in Betracht kommenden Vogelarten 



166 Bericht über die September-Sitzung 1910. 

hinzuwirken; derart, dafs der Abschufs nur zu gewissen Jahres- 
zeiten gestattet und so der Fortbestand dieser Arten gesichert 
wird. Mit solchen Bestimmungen wäre auch zugleich dem Feder- 
handel selbst gedient, da der Schmuckfederertrag auf diese 
Weise geregelt und dauernd gewährleistet wird. 

Herr Schalow gibt einige Mitteilungen aus der Umgegend 
des Bades Kissingen. 

,, Angeregt durch die interessanten älteren Arbeiten Ludwig 
Brehms und Schmiedeknechts wie der jüngeren von Freiherrn 
V. Berlepsch, Lindner-Wettaburg, Salzmann und Fenk über das 
Vorkommen von Peironia pefronia petronia im Gebiet der thürin- 
gischen Saale, beschlofs ich während eines längeren Aufenthalts 
in Bad Kissingen im Juli und August den Spuren des Steinsperlings 
auch im Gebiet der fränkischen Saale nachzugehen. Es schien 
mir kein Grund für die Annahme vorhanden, dafs der genannte 
Sperling, dessen Aufenthaltsorte und Gewohnheiten man jetzt, 
dank der genannten Beobachter, genau kennt, nur in dem eng 
umgrenzten thüringischen Gebiet vorkommen solle. Es darf an- 
genommen werden, dafs Petronia p. petronia auch an anderen 
Stellen des mittleren Deutschland gefunden werden wird, an 
denen er bisher, mangels fehlender Beobachter, noch nicht fest- 
gestellt wurde. Dafs die Art übersehen wird, ist um so sonder- 
barer, als nach den ausgezeichneten Beobachtungen Prof. Salz- 
mann's in Gotha Petronia in Thüringen zweifellos als echter 
Standvogel anzusehen ist. 

Ich beschlofs nun, die für die Lebensgewohnheiten des 
Steinsperlings mir passend erscheinenden Örtlichkeiten der frän- 
kischen Saale in der engeren und weiteren Umgebung von Bad 
Kissingen systematisch abzusuchen. Ich möchte vorweg be- 
merken: es geschah mit negativem Erfolg. Da nach einigen Beob- 
achtungen in Thüringen angenommen werden mufs, dafs der 
Steinsperling mehr und mehr Baumhöhlennister zu werden scheint, 
so habe ich im Gebiet der fränkischen Saale, in dem ich nur 
die alten Burgen untersuchte, vielleicht an falschen Örtlichkeiten 
beobachtet. Ich möchte noch bemerken, dafs ich mich nach 
den ausgezeichneten Arbeiten Carl Lindners und Salzmanns ein- 
gehend über das Leben des Steinsperlings unterrichtet hatte, 
sodafs ich nicht glaube, ihn an Stellen, an denen er vorkommt, 
übersehen zu haben. Ferner sei noch erwähnt, dafs ich alle Ört- 
lichkeiten wiederholt besuchte. 

Ich will nun die einzelnen Orte anführen. Es sind die 
folgenden: 

Die Ruine Bodenlaube, 2Y2 km von Kissingen. Die ge- 
ringen im Walde gelegenen Umfassungsmauern der Eiringsburg 
bei dem Dorfe Arnshausen scheiden aus. 

Die Kloster- und Kirchenruinen bei dem Dorfe Aura; 

die umfangreichen Ruinen der Trimburg oberhalb des 
Saaledorfes Trimberg; 



Bericht über die September-Sitzung 1910. 167 

die Klosterruine am Fufse der Burg Saaleck; 

die Ruine Salzburg bei Neustadt a. d. Saale. 

Die beiden Rhön-Ruinen Reufsenberg und Sodenberg bei 
Hammelburg a. d. S. habe ich nicht besucht. 

Trotz mehrfacher Besuche und oft längeren Aufenthalts 
gelang es mir an den vorgenannten Örtlichkeiten nicht, Stein- 
sperlinge zu finden. Von der Salzburg ist dies um so auf- 
fallender, als Fetronia petronia dort nachgewiesen ist. Der Lehrer 
Brückner fand die Art daselbst von 1891 — 1901 in sehr grofser 
Zahl. Niederreuther, Parrot und Spiefs bestätigten 1901 die 
Art als Brutvogel in den Ruinen der Salzburg und konnten „ein 
Junges beobachten" (Verhandl. der Ornith. Ges. in Bayern 
1901/2, 243). Gengier sah daselbst Mitte Juni 1909 eine An- 
zahl Steinsperlinge (ib. 1908 Bd. IX, 223). Ich bin mehrere 
Tage in Neustadt gewesen, habe von dort wiederholt die Salz- 
burg besucht, aber leider keine einzige Petronia p. petronia zu 
Gesicht bekommen. Aus den obigen Beobachtungen Brückner's, 
Parrot's und Gengler's scheint mir mit Sicherheit hervorzugehen, 
dafs die Individuenmenge des Steinsperlings auf der Salzburg 
zurückgegangen ist, eine Erscheinung, die auch an anderen Orten 
des Vorkommens in Mitteldeutschland nachgewiesen worden ist. 
Salzmann hat auf die betrübende Tatsache des auffallenden Rück- 
ganges in Bestände der thüringischen Steinsperlinge hingewiesen. 
Er glaubt dieselbe auf Temperaturverhältnisse, vielleicht auch 
auf ein Zurückdrängen der Art durch Sturnus vulgaris vulgaris, 
der die Baumlöcher massenhaft annektiert, zurückführen zu dürfen. 
Möglicher Weise spricht auch die Inzucht mit, auf welche Fenk 
vielleicht mit Recht hingewiesen hat. 

Auf zwei Richtigstellungen möchte ich noch zurückkommen. 
Dr. Gausse in Tittingen bei Ingolstadt hatte Fetronia p. petronia 
daselbst „erlegt und bestimmen lassen" (Ornith. Monatsschr. 1906 
120). Diese Angaben beziehen sich, wie Parrot festgestellt hat 
auf Emheriza citrinella citrinella. 

Wiederholt bin ich von Oberhof aus in Tambach gewesen. 
Die Lokalitäten daselbst schienen mir durchaus für das Vor- 
kommen des Steinsperlings ungeeignet. Ich sehe nun, dafs die 
Angaben Lerps (J. f. 0. 1886, 321), der die Art für das ge- 
nannte Gebiet Thüringens als Brutvogel bezeichnet hatte, durch- 
aus irrige sind (Salzmann, Ornith. Monatsschr. 1906, 184). 

Wenn sich die Angabe von Rudolf Blafius (in: Jäckel, Syst. 
Übersicht der Vögel Bayerns, 113), dafs der Steinsperling von 
ihm auf der Ruine Altenstein 1890 als Brutvogel beobachtet sei, 
auf die Ruine gleichen Namens bei Bad Liebenstein in Meiningen 
bezieht, so möchte ich sie stark bezweifeln. Von 1891 — 1894 
bin ich in Liebenstein gewesen, habe Altenstein beinahe täglich 
besucht, sehr aufmerksam auf alle ornithologischen Vorkommnisse 
geachtet und möchte mit Bestimmtheit behaupten, dafs in den 



168 Beriebt über die September-Sitzung 1910. 

genannten Jahren Vetronia p. petronia nicht auf der Ruine 
Altenstein genistet hat, überhaupt dort nicht vorgekommen ist. 

Bezüglich des von Gengier konstatierten Fehlens von Serinus 
s. serinus in Kissingen (Verh. Ornith. Ges. in Bayern, 1908, 225) 
möchte ich darauf hinweisen, dafs ich den genannten Finken 
regelmäfsig in einem Garten der Schönbornstrafse in Kissingen 
singen hörte, desgleichen im Dorfe Hausen und ihn ferner wieder- 
holt in den Obstgärten des Dorfes Winkels hörte und sah. Von 
Fhylloscopus bonelli bonelli, welcher 1897 bei Klaushof in der 
Nähe von Kissingen gefunden worden ist, konnte ich in den 
Waldungen der betreffenden Örtlichkeit nichts entdecken. Lozia 
curvirosfa curvirostra war in den Wäldern längs der Strafse 
vom Altenburger Haus nach Bocklet sehr häufig." 

Herr Reichenow berichtet über eine Mitteilung des 
Herrn Hagen aus Lübeck, dafs dort die Störche bald nach ihrer 
Ankunft der dauernden Kälte wegen wieder abgezogen, erst im 
Mai zurückgekehrt und dann nicht mehr zur Brut geschritten 
seien. Er bittet um Nachricht, ob Ähnliches auch in anderen 
Gegenden beobachtet ist. 

Zum Schlüsse berichtet Herr Neunzig, dafs in Hinter- 
pommern angeblich eine Terekia cinerea erlegt worden sei. Der 
betreffende Gewährsmann sei bereit, dies Stück an das Museum 
einzuliefern. Dr. O. Heinrotli. 



Bericht über die OIctober-Sitzung 1910. 

Verhandelt: Berlin, Montag, den 3. Oktober abends 8 Uhr 
im Architekten-Vereinshause Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren: v. Lucanus, Schnöckel, Haase, 
Jung, Kothe, v. Treskow, Schalow, Reichenow, Dedi- 
tius, 0. Neumann und Heinroth. 

Als Gäste die Herren: Brehm, Miethke und Frau Hein- 
roth. 

Vorsitzender: Herr Schalow, Schriftführer: Herr Hein roth. 

Nach Vorlage der eingegangenen Literatur teilt Herr Reiche- 
now aus einem Briefe, den der Vater des Herrn Hantzsch an 
die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin gerichtet 
hat, mit, dafs Herr H an tz seh, wie auch vor einiger Zeit schon 
durch Tageszeitungen gemeldet ist, an der Küste von Baffins- 
Land Schiffbruch gelitten hat. Er und seine wenigen Gefährten 
hatten schreckliche Zeiten zu überstehen und haben den gröfsten 
Teil ihres Gepäcks verloren. Trotz alledem aber beabsichtigt 
Herr Hantzsch, die Reise ins Baffins-Land fortzusetzen. 

Herr Reichenow ist inzwischen in den Besitz der in der 
letzten Sitzung von Herrn Neunzig erwähnten Terehia cinerea 
gelangt, die am Niedersee, Kr. Schlawe in Hinterpommern am 
30. April erlegt worden ist. Der Vogel, der der Versammlung 



Bericht über die Oktober-Sitzung 1910. 169 

vorgelegt wird, ist ein Männchen im Winterkleide und für das 
Berliner Zoologische Museum erworben worden. Ferner sind 
Herrn Reichenow Äpfel zugegangen, die durch Kreuzschnäbel 
der Kerne beraubt worden sind. Die Vögel haben in einem 
Obstgarten sehr erheblichen Schaden angerichtet. Wahrscheinlich 
handelt es sich dabei um Stücke, welche bei den grofsen Kreuz- 
schnabelzügen des vorigen Jahres in Gegenden zurückgeblieben 
sind, wo sie ihre natürliche Nahrung nicht finden honnten. 

Herr 0. Neumann hat eine Anzahl afrikanischer Vögel 
mitgebracht, die den Gattungen Apalis und Mirafra angehören. 
Bei der letzteren kommen durch eine zweimalige Mauser recht 
verschiedene Kleider zustande, so dafs diese Vögel in der Regen- 
zeit mehr rot, in der Trockenzeit dagegen grau gefärbt sind, 
was leicht zu irrtümlichen Aufstellungen neuer Arten führen 
kann. Herr Heinroth, der während des Juli die Zoologischen 
Gartens Belgiens und Hollands sowie den Zoologischen Garten 
in London besucht hat, gibt einen kurzen Bericht über seine 
ornithologischen Erlebnisse. Besonders interessant ist die grofse 
Reiherkolonie im Rotterdamer Zoologischen Garten und in dem 
Park des Herrn Blaauw in Goilust b. Amsterdam, hier brüten 
hunderte von Fischreihern unmittelbar am Wohnhause. Vor 
2 Jahren sind in diese Siedelung einige Kormorane eingewandert. 
Im vorigen Jahre wurden etwa 12 Scharbenpaare beobachtet, 
und jetzt hat sich eine stattliche Kormorankolonie, die wohl 
über 100 Ne&ter umfafst, mitten unter den Fischreihern aufgetan. 
Es gewährt einen geradezu grofsartigen Anblick, die fortwährend 
ab- und zustreichenden Reiher und Kormorane aus nächster 
Nähe zu beobachten. In London sowohl wie in Rotterdam ist 
nicht nur die Ringeltaube von geradezu verblüffender Zahmheit 
und Häufigkeit, sondern auch die Turteltaube läuft und fliegt 
ungescheut zwischen den Besuchern des Zoologischen Gartens 
umher. Ferner bespricht Herr Heinroth noch die in London 
geglückte Zucht von Scopus umbretta sowie das häufige Vor- 
kommen ungemein zahmer Blefs- und Teichhühner in den Park- 
anlagen der englischen Hauptstadt. 

Herr Schale w stellt im Anschlufs an diese Ausführungen 
die Frage, wie die nach den Jahreszeiten so sehr wechselnde 
Häufigkeit der Ringeltaube in Berlin zu erklären sei. Herr 
Heinroth, der diesen Vogel durch Jahre zu allen Tagesstunden 
im Berliner Zoologischen Garten beobachtet hat, teilt mit, dafs 
dort oft mitten im Winter Schwärme von Ringeltauben sich ein- 
finden, die in den Eicheln, welche in den Rindenspalten festge- 
klemmt und auf Ästen liegen, reichliche Nahrung finden, sodafs 
ihr Kropf bisweilen mit 20 Eicheln und mehr gefüllt ist. Im 
Frühjahr sieht man dann nur einzelne Brutpaare, und zur Eichel- 
reife kommen grofse} Schwärme, deren Stückzahl mehrere 
100 beträgt, die namentlich in den ersten Morgenstunden Eicheln 
pflücken, um dann der Ruhe zu pflegen, so dafs man von den 



170 Bericht über die Oktober-Sitzung 1910, 

vielen Vögeln dann nichts mehr bemerkt. Unter diesen befinden 
sich meist junge Tiere ohne Halsband, und es ist geradezu uner- 
klärlich, wo mit einem Schlage alle die vielen zahmen Ringel- 
tauben, die sich von dem unter den Bäumen einherwandernden 
Menschenstrome garnicht stören lassen, herkommen. Sollten 
das wirklich alles Vögel sein, die auch in menscbenbelebten 
Parkanlagen erbrütet sind? Zu der grofsen Vertrautheit von 
C. palumbus gibt Herr Heinroth ein Beispiel: zwecks Fest- 
stellung der Brutdauer liefs er sich mehrmals die Eier aus einem 
Ringeltaubenneste herabholen. Der brütende Vogel flog bei der 
Störung nur auf den nächsten Ast, ja er hatte manchmal nicht 
übel Lust, den nahenden Menschen anzugreifen, und sobald die Eier 
wieder in das Nest zurückgebracht waren, setzte er die Brut fort. 
Die frisch ausgekommenen Jungen wurden heruntergeholt und photo- 
graphiert, und auch dadurch liefsen sich die Eltern, nachdem 
die Kleinen ins Nest zurückgesetzt waren, nicht stören. Späterhin 
vertauschte er die jungen Ringeltauben gegen junge Haustauben 
und auch diese zog das Taubenpaar auf. Dr. O. Heinroth.. 



Bericht über die November-Sitzung 1910. 

Verhandelt: Berlin, Montag, den 7. November abends 8 Uhr 
im Architektenvereinshause Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren: Deditius, Reichenow, Schalow, 
0. Neumann, Schiller, Krause, Jung, Haase, K. Kothe, 
Kracht, Freiherr GeyrvonSchweppenburg und Heinroth. 

Als Gäste die Herren: Schwarz, W. Miethke,B. Miethke, 
von Roy, Brehm und Frau Heinroth. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 

Zu den Angaben über C. palumbus in der letzten Sitzung 
bemerkt Herr Schwarz, dafs diese Taube ebenso wie die Sing- 
drossel auch in Paris sehr häufig und sehr zahm sei. 

Im Anschlufs an das von Herrn Prof. Reichenow in der 
Oktobersitzung vorgelegte, in Pommern geschossene Exemplar 
von Terekia cinerea weist Herr Schalow darauf hin, dafs diese 
sibirische Art in Europa am häufigsten in Italien erlegt worden 
ist. Aus der Schweiz und Frankreich liegt nur je ein Fund vor. 
Für England ist sie noch nicht nachgewiesen. Die erste Mit- 
teilung über das Vorkommen in Deutschland findet sich bei J. 
H. Blasius (Naumannia 1853, 123), nach welcher ein Exemplar 
von Limosa terek 1843 von dem genannten bei Braunschweig 
erlegt worden ist. Die Angabe wird von ihm in dem 13. Nach- 
trag-Band des Naumann'schen Werkes 1860 (S. 249) sowie 
von seinem Sohn Rudolf (Ornis 1896, 678) wiederholt. Letzterer 
fügt noch hinzu, dafs das Stück bei Vechelde geschossen sei 
und dafs nach den Angaben des Pastors Ritmeier in Lauingen 
ein weiteres Exemplar bei Thedinghausen in Braunschweig vor- 



Bericht über die November-Sitzung 1910. 171 

gekommen sei. Nach L. Fischer (Katalog der Vögel Badens, 
Karlsruhe 1897, 51) wurde ein Exemplar, das sich im Museum 
in Karlsruhe befindet, am Oberrhein erlegt. Hier, a. a, 0. findet 
sich auch die Notiz, dafs die Art am Bodensee beobachtet worden 
sei. Herr Seh a low bemerkt hierzu, dafs sich in den Arbeiten 
von Walchner (1835), Landbeck (1846), Bruhin (1868) und 
Alexander Bau (1907) über das vorgenannte Gebiet für diese 
Mitteilung kein Anhalt findet. Schliefslich sei noch erwähnt, dafs 
TereMacinerea nach einer Mitteilung des Konservators am Mainzer 
städtischen Museum W. Nicolaus bei genannter Stadt beobachtet 
worden sein soll. (Jahrb. d. Nassauischen Vereins f. Naturk. 
Wiesbaden, 1908, 103). 

DieHerren Reichenow, Schalow und Heinroth berichten 
über die eingegangene Literatur. Herr Freiherr Geyr von 
Schweppenburg stellt den Antrag, dafs von der Vogelwarte 
Rossitten ein Duplikat der Beringungsliste verfafst werden und 
dies in Berlin aufbewahrt, bezüglich weiter geführt werden solle: 
nur so könne einer Vernichtung dieser wertvollen Liste durch 
Feuer u. s. w. vorgebeugt werden. Der Antrag wird mit Freuden 
angenommen und der Vorsitzende dankt für diese glückliche 
Anregung. Herr Freiherr Geyr von Schweppenburg legt 
einen jungen Totanus ochropus vor, der in der Nähe von Danzig 
gefangen wurde, aufserdem teilt er mit, dafs ein Paar Pratincola 
rubicola in der Neumark an einem Steinbruch bei Wollenberg 
gefangen und das Gelege gesammelt sei. Auch der Sprosser 
kommt dort vor, wie er durch Abhören des Gesanges festgestellt 
hat. Favus atricapillus ist häufiger Brutvogel bei Rheinsberg 
und hält sich dort in den Kiefernbeständen auf. Die Tiere brauchen 
zur Anlage ihres Nestes weiches Holz, weshalb sie gewöhnlich 
in alte Weidenstämme gehen, in Ermangelung von solchen hatten 
sie es versucht, einen mürben Eichenpfahl zu bearbeiten. Auch 
die beiden Certhia-krten trifft man dort durcheinander an, sie sind 
aber stets gut zu unterscheiden. Vor kurzem war auch Ä. linaria 
in grofsen Flügen vorhanden. 

Im Anschlufs an diese Ausführungen äufserst sich Herr 
Schalow dahin, dafs der Schwarzkehlige Wiesenschmätzer wohl 
noch kaum in der Mark beobachtet sei. Herr Heinroth teilt 
noch mit, dafs vor etwa 10 Tagen zahlreiche Birkenzeisige und 
auch einige Eichelheher als Durchzugsvögel im Berliner Zoo- 
logischen Garten zu beobachten waren, was immhin auffallend 
ist, da der Zoologische Garten jetzt mitten in dem Berliner 
Häusermeere liegt. 

Herr Reichenow hat ein Dunenjunges von Somateria mol- 
lissima mitgebracht, Herr Schwarz legt Photographien von 
Fithecophaga jefferyi vor, der einige Monate im Londoner Zoo- 
logischen Garten gelebt hat. Er berichtet ferner, dafs im Frank- 
furter Zoologischen Garten ein Paar Cayennerallen einige 
Meter über der Erde zweimal mit Erfolg gebrütet hat, eine dritte 



172 Bericht über die November-Sitzung 1910. 

von den Tieren beabsichtigte Brut wurde durch die eintretende 
Herbstkälte vereitelt. Die Brutzeit betrug 28 Tage, die Jungen der 
zweiten Brut wurden von ihren älteren Geschwistern mit aufgefüttert, 
und es wurde beobachtet, dafs die Dunenjungen beim Verlassen 
des Nestes so wie es Entenküken auch tun, aus der Höhe herab- 
sprangen, also nicht etwa von den Eltern heruntergetragen wurden. 

Herr H e i n ro t h hat von Herrn Dr. Bieder mann-Imhoof 
aus Eutin ein Schreiben erhalten, worin dieser berichtet, dafs 
auch er häufig den Versuch gemacht habe, Sultanshühner voll- 
kommen frei zu halten, die Tiere haben sich aber nach einiger 
Zeit regelmäfsig auf Nimmerwiedersehen entfernt, sodafs also 
auch von ihm recht gut Stücke stammen können, die fälschlich 
als Irrgäste bezeichnet werden. 

Ferner macht Herr H ein roth darauf aufmerksam, dafs im 
Berliner Zoologischen Garten in diesen Tagen ein Paar bisher 
noch nie lebend eingeführte Chalcopsittacus sciniillatus, sowie ein 
Paar Faradisea apoda eingetroffen ist, der männliche Paradies- 
vogel ist noch im Jugendkleid, wird also wohl im nächsten 
Sommer sein Prachtkleid anlegen. Unter Bezugnahme auf eine 
kleine Veröffentlichung in einer Jagdzeitung, wonach sich eine 
zahme Elster mit Gier aller ihr erreichbaren Zigarrenstummel 
bemächtigte und sich damit das Gefieder einrieb, bemerkt Herr 
Heinroth, dafs Stare und Stärlinge etwas Ähnliches mit leben- 
den Ameisen tun, und an jung aufgezogeneu Cinclus beobachtete 
seine Frau und er, dafs die Tiere bei ihrem ersten Zusammen- 
treffen mit lebenden Ameisen diese Kerbtiere mit der Schnabel- 
spitze ergriffen und mit ihnen durch das Flügelgefieder fuhren. 
Das betreffende Insekt wurde dann fallen gelassen und der Vogel 
ergriff ein neues, um mit ihm gerade so zu verfahren. Auch 
das Gefieder des Bauches und der Schenkel wurde in ähnlicher 
"Weise behandelt. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dafs die 
Vögel die Ameisensäure zur Vertreibung von Ungeziefer benutzen 
wollten. Interessant ist dabei aber die Tatsache, dafs ganz jung 
dem Neste entnommene Tiere, die nach dieser Beziehung hin 
bisher keinerlei Erfahrungen sammeln konnten und an denen 
auch nicht die Spur irgend eines Parasiten aufzufinden war, gleich 
beim ersten Anblick einer Ameise in der geschilderten Weise 
verfuhren : es handelt sich hier also um eine reine Instinktbandlung. 

Zum Schlüsse verliest Herr Seh a low einen sehr ausführ- 
lichen Brief des Herrn Hantzsch, der eine Schilderung des Vogel- 
lebens am Cumberland-Golf gibt. Vor allen Dingen gibt der ent- 
sagungsvolle Forscher seinen Hoffnungen, die er auf den nächsten 
Sommer setzt, den er an den grofsen Seen des Baffins-Landes 
zu verleben gedenkt, darin Ausdruck, er glaubt dort auch die 
Nester von Somateria speciahilis zu finden. 

Herr Freiherr Geyrv. Schweppenburg bemerkt hier- 
zu noch, dafs die Nester von Somateria speciahilis und mollissima 
leicht zu unterscheiden seien. Die Eier der Prachteiderente 



Bericht über die November-Sitzung 1910. 173 

sind viel kleiner und ihre Daunen dunkler als die der gewöhn- 
licheren Verwandten. Tatsächlich brütet sie, wie Herr Hantzsch 
ganz richtig vermutet, nicht am Meere, sondern an Binnen- 
gewässern, wie er auf Spitzbergen selbst beobachtet hat. 

Dr. O. Heinpoth. 



Mitgliederverzeichnis 

der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. 

1911. 

Vorstand: 
H. Schalow, Präsident. 
P. Kollibay, Vizepräsident. 
A. Reichenow, Generalsekretär. 
0. Heinroth, Stell vertr. Sekretär. 
K. Deditius, Kassenführer. 



Ausschuss: 



A. Nehrkorn. 
Graf V. Berlepsch. 
A. Koenig. 
W. Blasius. 



F. Heine. 
L. Heck. 
K, Parrot. 
0. Reiser. 



Ehr enmitg^lieder : 

1908. Herr Allen, J. A., Dr., American Museum of Natural 
History, New York, City. 

1870. - Collett, Robert, Professor, Christiania, Oscarsgade 19. 

1900. - Herman, 0., Direktor der Kgl. Ungarischen Ornitho- 
logischen Zentrale, Budapest VHI. Jozsef-Körüt 65 L 

1862, - Krüper, Theobald, Dr., Konservator am Universitäts- 
museum in Athen. 

1908. - Ridgway, R., Professor, 3413 13th St. N. E. Wa- 
shington, D. C. 

1900. - Graf Salvadori, T., Professor, Vizedirektor des 
zoologischen Museums in Turin. 

1900. - Sclater, P. L., Dr., Odiham Priory. Winchfield 
(England). 



174 Mitglieder-Verzeichnis. 

Mitglieder: 
1874. Seine Majestät Ferdinand König der Bulgaren in Sofia. 
1887. Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Therese von Bayern 

in München. 
1879. Direktion des Zoologischen National-Museums in Agrara 

in Kroatien (vertreten durch den Direktor Hrn. Prof. 

Dr. Langhoffer, Agram, Demetergasse 1). 

1909. Herr Angele, Th., Ingenieur, Linz a. D. 

1898. - Graf Arrigoni Degli Oddi, Ettore, Professor, 

Dozent der Zoologie an der Universität Padua, 

(Italien). 
1897. Ornithologische Gesellschaft in Bayern (vertr. durch den 

Vorsitzenden Herrn Dr. Parrot, München, K. Zool. 

Sammlung, Neuhauserstr. 51). 
1884. Herr von Bardelehen, Friedrich, Generalmajor z. D., 

Frankfurt a. M., Beethoven-Strafse 49. 
1903. - Bartels, Max, Pasir Datär, Halte Tjisaat, Preanger. 

Java. 

1908. - Berger, Dr. med., Kassel, Regina-Str. 14. 

1870. - Graf von Berlepsch, Hans, Erbkämmerer in Kur- 
hessen, Schlofs Berlepsch bei Gertenbach. 

1893. - Freiherr von Berlepsch, Hans, Mühlhausen i. Th., 

Lutteroth-Stra£se. 
1897. - Biedermann-Imhoof,Rich.,Dr.,Eutin,Wald-Strafse. 
1872. - Blasius, Wilhelm, Dr. med., Prof., Geh. Hofrat, 

Direktor des Herzogl. Naturhist. Museums u. Botan. 

Gartens, Braunschweig, Gaufs-Strafse 17. 

1910. - Blohm, Wilh., Lehrer, Lübeck, Hansa-Str. 78. 
1902. - Braun, F., Gymnasial-Oberlehrer, Graudenz, Tuscher- 
damm 20 III. 

1895. - Brehm, Horst, Dr. med., Arzt, Berlin W. 62, 

Luther-Str. 33. 
1886. - Bünger, H., Bankvorsteher, Potsdam, Victoria-St. 72. 

1909. - V. Burg, G., Ölten (Schweiz). 

1907. - Buturlin, S., Friedensrichter, Wesenberg (Ehstland). 

1894. - Chernel von Chernelhaza, Stef., Köszeg (Com. 

Güns), Ungarn. 
1907. Ornithologischer Verein Joh. Friedr. Naumann in Cöthen 
(vertreten durch Herrn Otto Börner, Cöthen, 
Anhalt). 



Mitglieder-Verzeichnis. 175 

1884. Herr von Daliwitz, Wolfgang, Dr. jur., Rittergutsbesitzer, 
Tornow bei Wusterhausen a. d. Dosse. 

1902. Danziger Naturforschende Gesellschaft (vertreten durch Hrn. 
Prof. Dr. Lakowitz, Danzig, Frauen-Gasse 26. 

1884. Herr Deditius, Karl, Rechnungsrat, Grofs-Lichterfelde, 
W., Stubenrauch-Strafse 17. 

1910. - Dobbrick, L., Lehrer, Treul bei Neuenburg W. Pr. 

1908. - Domeier, H., Fortassessor, Ückermünde, Altes 

Böhlwerk 8. 
1868. - Dohrn, H., Dr., Stettin, Linden-Strafse 22. 
1910. - Drescher, E., Rittergutsbesitzer, Ellguthb.Ottmachau, 
1898. Aktien- Verein „Zoologischer Garten" in Dresden. 
1868. Herr Dresser, H. E., 110 Cannon Street, London E. C. 
1900. Gräfl. Dzieduszyckisches Museum (vertreten durch 

Herrn Dr. P. J. Mazurek), Lemberg (Galizien), 

Theatergasse 18. 
1882. Herr Ehmcke, H., Landgerichtsrat, Rittergut Rehfelde 

(Ostbahn). 
1905. Freifrau von Erlanger, C, Niedef -Ingelheim. 
1863. Herr Evans, A. H.^ Cambridge in England, 9 Harvey 

Road. 
1910. - Fenk, Reinhold, Erfurt, Krämpfe r-Strafse 62 a (am 

Anger). 
1868. - F ritsch, Anton, Dr., Professor, Kustos d. National- 

Museums in Prag, Grube 7. 
1888. - F ü r b r i n g e r , M., Dr., Geh. Hofrat, ordentl. Professor 

der Anatomie a. d. Universität Heidelberg. 
1892. - Gengier, J., Dr. med., Oberstabsarzt, Erlangen, 

Friedrich-Str. 1. 
1890. Bibliothek des Herzoglichen Hauses in Gotha. 

1909. Herr Grafsh off, K., Oberpfarrer und Superintendent, 

Strasburg i. U. 
1908. - Grote, H., z. Z. Mikindani, Deutsch-Ostafrika. 
1898. - H aase, 0., Adr. F. Sala & Co., Berlin NW. 7, Mittel- 

Strafse 51. 

1910. - Hagen, W., Lübeck, Luisenstr. 27. 

1871. - Hagenbeck, Carl, Handelsmenageriebesitzer, Stel- 
lingen (Bez. Hamburg). 

1890. Zoologische Gesellschaft in Hamburg (vertreten durch 
Herrn Prof. Dr. J. V o s s e 1 e r). Hamburg, Tiergartenstr. 



176 Mitglieder-Verzeichnis. 

1902. Hamburger Ornithologisch-Oologischer Verein (vertreten 
durch Hrn. Landmesser H. Cordes, Hamburg, 
Wandsbecker Chausse 15). 

1904. Herr Hanke, G., Rentmeister, Kentschkau b. Grofsmochbern. 

1888. Direktion des Zoologischen Gartens in Hannover. 

1885. Herr Hartert, Ernst, Dr., Direktor des Zoologischen Mu- 
seums in Tring in England. 

1889. - Heck, L., Dr., Prof., Direktor des Zoolog. Gartens in 

Berlin W. 62, Kurfürsten-Damm 9. (Für den zool. 
Garten). 

1862. - Heine, F., Amtsrat auf Koster Hadmersleben bei 
Hadmersleben. 

1895. - Heine,F., Dr., Referendar, Domäne Zillyb. Halberstadt. 

1898. - Heinroth, 0., Dr. med,, Wissenschaftl. Assistent 
am Zoologischen Garten, Berlin W. 62, Kurfürsten- 
Damm 9. 

1889. - Helm, F., Dr., Oberlehrer an der Landwirtsch. Schule 

in Chemnitz, Salzstr. 65. 
1898. - Hennicke, C. R., Dr. med., Spezialarzt für Augen- 

und Ohrenleiden, Gera (Reufs) Johannisplatz 7. 
1909. - Hesse, E., Dr. phil., wissensch. Hilfsarbeiter an der biol. 

Anstalt f. Land- und Forstwirtschaft, Dahlem, Königin- 

Luisestr. 17. 

1905. - Heufs, Dr., Stabsveterinär, Dozent für Veterinär- 

wissenschaft an der Offizier-Reitschule in Paderborn, 
Fürstenberg-Str. 11. 

1891. - von Heyden, Lucas, Major z. D., Dr. phil. h. c, 

Professor, Frankfurt a. M.-Bockenheim. 

1908. - Heyder, R., Rochlitz, Sa. 

1897. - Hilgert, C, Präparator, Nieder-Ingelheim. 

1890. - Hülsmann, H., Fabrikbesitz., Altenbach b. Würzen. 
1901. - Hundrich, R., Kaufmann, Breslau, Köuigsplatz 5 a. 

1892. - Jacobi, A., Dr., Prof., Direktor des zool. anthrop. 

Museums in Dresden, 

1909. - Johansen,H., Konservator am zoolog. Museum der 

Universität Tomsk, West-Sibirien. 
1 908. - J u r d a i n , Francis C. R., Reverend, Clifton Vicarage, 

Ashburne, Derbyshire (England). 

1906. - Jung, Rud. H., Apotheker, Friedenau-Berlin, Wagner- 

platz 6. 



Mitglieder-Verzeichnis. 177 

1901. Herr K lein, Eduard, Dr. med., prakt. Arzt inSofia, Bulgarien. 

1897. - Kleinschmidt, 0., Pfarrer, Volkmaritz bei Deder- 

stedt, Prov. Sachsen. 

1887. - Koenig, A., Dr., Professor, Bonn, Koblenzer Str. 164. 

1888. - KoUibay, P., Justizrat, Neifse, Ring 12 I. 

1907. - Koske, F., Eisenbahn- Verkehrs-Inspektor, Breslau, 

Herdain-Str. 43. 

1908. - Kothe, K., Dr. phil, Assistent am Kgl. zoologischen 

Museum, Berlin, Essenerstr. 10. 
1910. - Kracht, Ingenieur, Berlin W., Blumes-Hof 7. 

1899. - Kraepelin, K., Dr. Prof., Direktor des naturhisto- 

rischen Museums, Hamburg, Steintor-Wall. 
1907. - Krause, G., Konservator am Kgl. zoologischen 
Museum, Pankow-Berlin, Wollank-Str. 114. 

1 907. - Kullmann,K., Frankfurt a. M., Grofse Eschenheimer 

Strafse 72. 

1910. - Kutter, F., Hauptmann, Litschin b. Tost 0. Schi. 
1904. - L am pe, Ed., Kustos d.Naturhist. Museums, Wiesbaden. 

1898. - Lampert, Dr., Professor, Ober-Studienrat, Vorstand 

des Königl. Naturalien-Kabinets, Stuttgart. 

1902. - Laraprecht, H., Fabrikbesitzer, Jauer. 

1911. - L au b man n, A., cand. zool., München, Gabelsberger- 

Strafse 37 IL 
1898. - Lauterbach, Dr., Stabelwitz b. Deutsch-Lissa. 
1896. Leipziger Ornithologischer Verein (vertreten durch Herrn 

Dr. R. Schulze, Leipzig, Sidonien-Str. 21). 

1908. Herr Lindner, C, Pfarrer, Wetteburg b. Mertendorf. 
1907. - Harald Baron London, Lisdenb.WolmarinLivland. 

1900. - von Lucanus, F., Rittmeister im 2. Garde-Ulanen- 

Regiment, Berlin NW. 23, Lessing-Str. 32. 

1881. - V. Ma dar äs z, J., Kustos am National-Museum, Buda- 
pest. 

1906. - Man n,R., Rittergutsbesitz., Konradswaldaub.Stroppen 
(Kr. Trebnitz). 

1891. - M an nkop f, Oskar, Königl.Hof-und Garnisonapotheker, 
Göslin. 

1895. - Martin, Dr., Direktor des Grofsherzoglichen Natur- 
histor. Museums in Oldenburg (Grhzt). 

1894. - V. Middendorff, E., Majoratsherr auf Hellenorm b. 
Elwa in Livland. 

Joan. t Om. UX. Jahrg. Janur 1911. 12 



178 Mitglieder-Verzeichnis. 

1892. Herr Graf von Mirbach Geldern-Egmont, Älphons, 

Kgl. Bayr. Kammerherr u. erbl. Reichsrat, Kaiserl. 
Legationsrat, München, Friedrichstr. 18. 

1905. - Moyat, J., Mainz, Bauhof-Strafse 4. 

1880. - Müller, August, Dr. phil, Inhaber des naturhistor. 
Instituts „Linnaea", Charlottenburg, Leibniz-Str. 85. 
1888. Königl. Forst-Akademie in Hann. -Münden. 

1908. Herr Nagel, F., Apotheker, Pritzwalk. 

1907. - Natorp, Knappschafts-Arzt, Myslowitz. 

1868. - Nehrkorn, A., Amtsrat, Braunschweig, Adolfstr. 1. 

1893. - Nehrkorn, Alex., Dr. med., Chefarzt am städt. 

Krankenhause in Elberfeld. 
1901. - de Neufville, Robert, Sektionär der ornith. Samml. 
d. Senckenbergischen Naturh. Mus. in Frankfurt a. M., 
Taunus-Platz 11. 

1896. - Neumann, O.,Professor,BerlinW.30,Nollendorfplatz 2. 

1906. - Neunzig, K., Hermsdorf b. Berlin. 

1895. Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes, (vertreten 
durch Herrn Forstregistrator H. Hildebrandt, 
Altenburg S. A.). 

1909. Herr Oehmen, Dr. phil., Kevelaer. 

1897. - Paeske, Ernst, Berlin, SW. 48, Bessel-Str. 12 I. 
1875. - Palmen, J. A., Dr., Professor, Helsingfors, Finland. 

1908. - Paefsler,R., Kapitän des Kosmos-Dampfers„Assuan", 

Hamburg, Matten wiete 10. 
1886. - Parrot, Karl, Dr. med., prakt. Arzt, München, 

Bavariaring 43. 
1885. - Pasch, Max, Kommerzienrat, Kgl. Hof-Lithograph 

und Verlagsbuchhändler, Berlin SW. 68, Ritter-Str. 50. 
1911 - Pohl, Dr. med., prakt. Arzt, Berlin W. 62, Kalck- 

reuthstr. 11. 

1903. - Ponebsek, J., Dr., K. K. Finanzsekretär, Laibach, 

(Krain), K. K. Gebühren-Bemessungs-Amt. 

1904. - Proft, E., Dr. phil., Oberlehrer, Leipzig-Lindenau, 

Demmeringstr. 78. 
1892. - von Rabenau, EL, Dr., Direktor des Museums der 
Naturforschenden Gesellschaft in Görlitz. (Für die 
Naturforschende Gesellschaft). 

1910. - Radler, F., Forstreferendar, Leutnant im Reitenden 

Feldjägerkorps, z. Z. Berlin, Marburgerstr. 6. 



Mitglieder-Verzeichnis. 179 

1868. Flerr Reich enow, Anton, Dr., Professor, zweiter Direktor 
des Kgl. Zoologischen Museums in Berlin, N. 4, 
Invaliden-Str. 43. 

1885. - Reiser, Othmar, Kustos d. Naturwissenschaftlichen 
Abteilung des Bosnisch-Herzegowinischen Landes- 
museums in Sarajewo, Bosnien. 

1906. - Rimpau, W., Rittergutsbesitzer, Schlanstedt, Kr. 
Oschersleben. 

1894. - Rörig, G., Dr., Prof., Geh. Regierungsrat, Grofs- 
Lichterfelde W., Gossler-Str. 17. 

1906. - le Roi, Otto, Dr., phil., Bonn, Goeben-Str. 17. 
1893. - Baron von Rothschild, W.,Dr.phil,,Tringi. England. 

1907. - Friedrich Graf Schaffgotsch,WarmbrunninSchl. 
1872. - Schalow, Herm., Rentner, Berlin W. 30, Traun- 

steiner-Str. 2. 

1903. - Schiebel, G., Dr. phil., Klagenfurt, Enzenberg-Str. 2. 

1907. - Schiller, Major z. D., Schlachten-See a. Wannseebahn, 

Heimstätten-Str. 2. 
1898. - Schillings, C. G., Professor, Berlin, Friedrich-Str. 100. 
1870. - Schlüter, Wilhelm, Naturalienhändler, Halle, a. S. 

1904. - Schneider, C, Rittmeister, Braunschweig, Petritor- 

Wall 19. 

1908. - Schnöckel, J., Assistent an d. Landwirtschaftlichen 

Hochschule, Berlin N. 4., Invaliden-Str. 42. 
1906. - Schottländer, P., Dr. phil, Rittergutsbesitzer, 
Wessig b. Breslau, Post Hartlieb. 

1905. - Schuler, F. W., Bayreuth, Park-Str. 12. 

1910. - Schuster, L., Forstassessor, Mohoro (Deutsch-Ost- 

afrika). 
1905. - Freiherr Geyr von Schweppenburg, Hans, 

Müddersheim bei Düren. 
1908. - Josef Graf Seilern, Grofs-Lukov (Mähren). 

1905. - Selmons, Berlin-Friedenau, Wieland-Str. 12 IL 
1879. Stettiner Ornithologischer Verein (vertreten durch Herrn 

A. Rawengel, Stettin, Friedrich-Karl-Str. 23. 

1906. Frl. Snethlage, E., Dr. phil., Assistentin am Museum 

Goeldi in Para, Brasilien. 

1911. Herr Stresemann, E., stud. phil, Dresden. 

1904. - Szielasko, Dr. med., prakt. Arzt, Nordenburg. 
1893. Kgl Forstakademie Tharandt. 

12* 



180 Mitglieder- Verzeichnis: 

1908. Herr Teichmüller, B., Dr. Regierungsrat, Dessau, 
Beaumontstr. 4. 

1901. - Thieme, Alfred, Lehrer, Leipzig-R. Johannis-Allee 5. 

1899. - Thienemann, J., Dr. phil., Kustos an der zool. 
Sammlung der Univ. Königsberg, Leiter der Vogel- 
warte Rossitten a. d. Kurischen Nehrung. 

1 908. - T i s c h l e r, F., Gerichtsassessor, Heilsberg, Ostpreufsen. 

1911. - Tratz, E. P., Hall (Tirol). 

1890. - von Treskow, Major a. D., Charlottenburg, Span- 
dauer-Str. 29. 

1868. - Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen, Victor, 
Villa Tännenhof bei Hallein. 

1908. - Ulmer, Ernst, Rittergutsbesitzer, Quanditten b. 
Drugehnen. 

1886. - ürban, L., Architekt U.Maurermeister, Berlin SW. 61. 
Blücher-Str. 19. 

1908. - V. Versen. F., Rittmeister im Leib-Garde-Husaren- 

Regiment, Potsdam, Am Kanal 7. 
1901. - Voigt, Alwin, Dr. phil, Prof., Leipzig. Färber-Str. 15. 

1909. - Weigold, H., Dr. phil., Assistent an der Kgl. Bio- 

logischen Anstalt, Helgoland. 
1890, - Wendlandt, P., Kgl. Forstmeister, St. Goarshausen, 
1911. - Wiese, V., Charlottenlund bei Kopenhagen. 

1910. - Graf V. Wilamowitz-Möllendorff, Schlofs Gadow 

bei Lanz. 
1907. - Otto Graf v.Zedlitz und Trützschler,Schwent- 

nig bei Zobten. 
1909. - Zimmer, C, Dr. phil., Privatdozent, Kustos am 

Zoolog. Institut, Breslau IX., Sternstr. 21. 



181 



Malacoptila torquata minor nov. subsp. 

Von Dr. Moriz Sassi (Wien). 

Unter einer von Herrn Hofrat Steindachner dem K. K. Hof- 
Museum zum Geschenk gemachten Serie von Bälgen aus Miritiba 
(Maranhäo, Brasilien) fanden sich drei Stücke (2 cf, 1 9) ^^n 
^^Malacoptila torquata'\ die sich jedoch auf den ersten Blick von 
den 7 Stücken, die bereits im Besitz des Museums waren, unter- 
schieden und denen ich den Namen Malacoptila torquata minor 
geben möchte; auch Herr Kustos Hellmayer in München, dem ich 
die Bälge sandte, ist der Ansicht, dafs es sich hier um eine 
gute Subspecies handelt. 

Malacoptila torquata minor zeigt unterhalb des schwarzen 
Brustbandes eine circa 2 cm breite, licht zimtrote Binde, der 
Rest der Unterseite ist fast rein weifs, besonders seitlich mit 
licht bräunlichgrau verwaschen; bei den beiden jüngeren Exem- 
plaren (1 <f und 1 9) ist das Weifs stärker verwaschen, so dafs 
es mehr schmutzig grauweifs aussieht. 

Bei Malacoptila torquata Hahn dagegen ist die zimtrote 
Brustbinde höchstens halb so breit, der übrige Unterkörper grau- 
bräunlich mit liebten, an der Unterbrust zimtrötlichen, weiter 
unten in Licht-Ocker übergehenden Endsäumen, an der Brust 
auch mit zimtrötlichen Schaftstrichen; nur die Bauchmitte ist 
weifs. Es macht also hier die Unterseite unterhalb des zimt- 
roten Brustbandes einen gewellten, an der Brust auch gestrichel- 
ten Eindruck, was bei Malacoptila torquata minor nicht der Fall ist. 
Der zweite Hauptunterschied liegt in der Gröfse. 
Malacoptila torquata minor: 

(Typ) 
Fl. 84.5. 83. 83. 

Schw. 91. 88. 90. 

L. 18.5. 18.5. 19. 

Sehn. 26. 25. 27.5. 

Malacoptila torquata Hahn: 
Fl. 93. 94. 91. 98. 93. 99.5. 94. 

Schw. 93. 94. 98. 101. 93. 93. 95. 
L. 20.5. 21. 20. 20.5. 20.5. 20.5. 20.5. 

Sehn. 27. 28. 27. 28. 26. 26.5. 27.5. 
Vor allem sind also die Flügel von Malacoptila torquata minor 
bedeutend kürzer, ebenso, aber nicht in demselben Grade, der 
Schwanz, der Lauf und der Schnabel. 

Die Strichelung des Kopfes ist im grofsen und ganzen breiter 

und auch etwas lebhafter gefärbt, als bei M. torquata. Der Fundort von 

Malacoptila torquata minor liegt nördlicher als der von M. torquata. 

Typ im k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien No. 30940 

(f ad. Miritiba, Maranhäo, Bras. 8. VHL 07. Schwanda coli. 



182 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 



The Auk. A Quarteiiy Journal of Oruithology. Vol. XXVII. 
No. 4. 1910. 

Bulletin of the British Ornithologist's Club. No. CLXIII u. CLXIV. 
1910. 

The Ibis. AQuarterly Journal ofOrnithology. (9.) IV. 1910. No. 16. 

Ornithologische Monatsschrift 35. No. 10—12. 1910. 

J. A. Allen, Collation of Brissou's Genera of Birds with those 
of Linneus. (Abdruck aus: Bull, of the American Mus. of 
Nat. Hist. Vol. 28. 1910). 

B. Beetham, The Home-Life of the Spoonbill, the Stork and 
some Herons. Photographed and described. With thirty-two 
mounted plates. London 1910. 

W. Cooke, Distribution and Migration of North American Shore- 
birds. (U. S. Dep. of Agriculture Biol. Surv. Bulletin 35 
Washington 1910). 

A. Dubois, Les especes et las varietes du genre Loxia. (Ab- 
druck aus: ßevue franc;. d'Orn. No. 19 1910.). 

J. W. B. Gunning and A. Haagner, A Check-List of the 
Birds of South Africa. Pretoria 1910. 

Henrici, Der gegenwärtige Stand des praktischen Vogelschutzes. 
Vortrag, gehalten auf dem I. Deutschen Vogelschutztag in 
Charlottenburg am 27. Mai 1910. Cassel. 

G. Krause, Oologia universalis palaearctica. Stuttgart (F. Leh- 
mann). Lief. 52 und 53. 

E. D. van Oort, On Arachnothera longirostra (Latham). (Ab- 
druck aus: Notes Leyden Mus. Vol. 32). 

— Report on Birds from the Netherlands received from 1 Sep- 

tember 1909 tili 1 September 1910. (Abdruck aus: Notes 
Leyden Mus. Vol. 32). 

— Description of eight new Birds coUected by Mr. H. A. Lorentz 

in Southwestern New Guinea. (Abdruck aus: Notes Leyden 
Mus. Vol. 32). 

— An overlooked Heron of the Javan Ornis. (Abdruck aus: 

Notes Leyden Mus. Vol. 32). 

J. Reiser, Liste der Vogelarten, welche auf der von der Kaiserl. 
Akademie der Wissenschaften 1903 nach Nordost-Brasilien 
entsendeten Expedition unter Leitung des Hofrates Dr. F. 
Steindachner gesammelt wurden. (Abdruck aus: Denk- 
schr. Math. Naturw. Klasse der Kais. Akad. d. Wissensch. 
76. Bd. Wien 1910). 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 18S 

E. Rö ssler, Hrvatska Ornitoloska Centrala. IX. Godisnji 
Izvjestaj. Zagreb 1910. 

0. le Roi, Die zoologische Literatur des Rheinischen Schiefer- 
gebirgesundderangrenzenden Gebiete 1907— 1900. (Abdruck?) 

C. Rubow, Dansk P'ugleliv. Stormmaagen {Larus canus). The 
SeaguU. Die Sturmmöwe. La Mouette ceudree. Dens Liv 
i Billeder. Fotograferet efter naturen. Gyldendalske Bog- 
handel. Nordisk Forlag. 1910 

E. Schaff, Unser Flugwild. (Naturwissensch. Wegweiser. Samm- 
lung gemeinverst. Darstellungen von K. Lampert). Serie A 
Bd. 19. Stuttgart. 

G. Schieb el, Neue Vogelformen aus Corsica. (Abdruck aus: 
Orn. Jahrb. 21. Jahrg. Hft. 3). 

E. Snethlage, Sobre a distribuigao da avifauna campestre na 

Amazonia. (Boletim do Museu Goeldi, 6. 1909, Para 1910). 

F. Tischler, Das Vorkommen von Trappen-, Reiher- und Gänse- 

arten in Ostpreufsen. (Abdruck aus: Schrift. Physik.-ökonom. 
Ges. Königsberg i. Fr. 51. Jahrg. 1910). 

V. V. Tschusi zu Schmidhoffen, Zoologische Literatur der 
Steiermark. Ornithologische Literatur. (Abdruck aus: Mitt. 
Naturw. Ver. Steiermark 1909 Bd. 46). 

— Ankunfts- und Abzugsdaten bei Hallein (1909). VL (Abdruck 
aus: Orn. Mntsschr. 35 No. 7), 

C. Zimmer, Anleitung zur Beobachtung der Vogelwelt. Leipzig 
(Quelle & Meyer.) 1910. — 1 M. (geb. 1,25 M.). 



184 

Ältere Jahrgänge des Journals für Ornithologie von 1894 an 
können zum ermäfsigten Preise bezogen werden vom General- 
sekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, Dr. Reichenow, 
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43. 

Im Verlage von 

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erscheinen uud sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen 

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Prof. Dr. Ant. Reichenow. 
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Die Ornithologischen Monatsberichte bilden ein ergänzendes 
Beiblatt zum Jonrnal für Ornithologie. In monatlichen 
Nummern bringen sie Aufsätze systematischen, faunistischen und 
biologischen Inhalts, Referate über die neu erscheinende 
Literatur, Nachrichten über Reisen, Museen, zoologische Gärten 
und Privatsammlungen. Ein sachlich geordneter Index am Schlüsse 
des Jahrganges gibt eine bequeme Übersicht über die Jahres- 
literatur. 
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Druck TOD Otto Dornbliitb in Bernburg. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE. 



Neunundfünfzigster Jahrgang. 



No. 3. April 1911. 

Verzeichnis der Vögel Persiens. 
Von N. Sarudny. 

Das Origioalmanuskript des vorliegenden Verzeichnisses der 
Vögel Persiens ist in der russischen Sprache geschrieben und von 
mir in das Deutsche übersetzt. Dieses Verzeichnis enthält eine 
Aufzählung der Vogelformen, die der Verfasser auf seinen lang- 
jährigen Reisen in diesem Lande auch meist selbst beobachtet 
und gesammelt hat, nur in wenigen Fällen stützt sich der Autor 
auf die Angaben anderer Forscher. Diese Arbeit enthält keine 
biologischen Mitteilungen über die Vögel genannten Landes, doch 
verfügt der Autor über ein immenses Material über die Lebens- 
weise und geographische Verbreitung der Vögel des durchforschten 
Gebiets. Dieses Material ist gegenwärtig vollständig bearbeitet 
und harrt nur des Drucks. Hoffen wir, dafs die wissenschaftlichen 
Institutionen Rufslands nicht versäumen werden, dieses Opus mög- 
lichst schnell zu edieren, damit dasselbe auch weiteren Kreisen zu- 
gänglich gemacht wird, enthält es doch die Lebensarbeit eines 
Forschers, der wie kein Zweiter, keine Beschwerden und Mühen 
verschiedenster Art scheuend, die Fauna (nicht nur allein die 
ornithologische, sondern im weitesten Sinn) eines bis dahin sehr 
wenig und teilweise vollkommen unerforschten Landes, eingehend 
und gründlich exploriert hat. Die geographischen und zoolo- 
gischen Erforschungen Persiens bedeuten einen Zeitabschnitt in 
seiner Lebenstätigkeit, und dürfen als abgeschlossen angesehen 
werden. Jetzt widmet Herr Sarudny seine Kräfte der Erfor- 
schung Turkestans, welches Land, nach seinen Mitteilungen, in 
zoologischer Hinsicht noch lange nicht so gründlich erforscht 
ist, wie allgemein angenommen wird, sondern noch viel des 
Neuen und Interessanten bieten soll. 

W. T. Blanford gibt in seiner Arbeit „Eastern Persia" Auf- 
klärung über 384 Vogelarten Persiens, in dem vorliegenden Ver- 
zeichnis werden ganze 716 Vogelformen, von welchen etliche zwar 
zweifelhaft sind und zu reduzieren sein werden, aufgezählt. 

Joum. f. Gm. LIX. Jahrg. April 1911. I3 



186 N. Sarudny: 

Die Nomenklatur ist unverändert, wie sie der Verfasser 
gebraucht, wiedergegeben. M. Härms. 



Im Jahre 1876 erschien die klassische Arbeit W. T. Blan- 
fords — Eastern Persia, vol. II. — über die Fauna der Wirbel- 
tiere Persiens.^) In ihr werden 384 Vogelarten abgehandelt, wo- 
bei sich deren Beschreibungen nicht nur auf die persönlichen 
Wahrnehmungen des Autors, sondern auch auf die Resultate aller 
Forscher, die bis dahin die Avifauna Persiens studiert haben, 
stützen. Leider geizen sowohl diese Letzteren, als auch Blanford 
selbst, in vielen Fällen mit der genauen Zeitangabe des Erbeutens 
einer oder der anderen Art, aber auch mit der exacten Orts- 
angabe, wo die Funde gemacht wurden. Ihre im allgemeinen 
gehaltenen Angaben, für ein so grofses Land wie Persien es ist, 
erschweren zuweilen sehr das Verständnis der Verbreitung der 
einzelnen Arten. 

In der Periode der Jahre 1884 — 1904 unternahm ich mehrere 
Reisen in Persien, wobei ich, beinahe ein jedesmal, aus diesem 
Lande ein mehr oder weniger umfangreiches ornithologisches 
Material heimbrachte. Die ersten von diesen Reisen umfafsten 
einen recht kleinen, an das Transkaspigebiet angrenzenden Strich 
und erstreckten sich über das Land, das im Westen von dem 
südwestlichen Winkel des Kaspischen Meers und im Osten von 
der Stadt Serachs (im Tal des Heri-rud) begrenzt wird; südlicher 
der Parallele der Stadt Meschhed drang ich damals nicht vor. 
Die Resultate, welche ich auf diesen kleineu Ausflügen erlangte 
und die Ornis Persiens betreffen, finden sich in folgenden meinen 
Abhandlungen. 

1. Oiseaux de la Contree Trans-Caspienne (Bull. Soc. Imp. Nat. 
Mose. 1885). 

2. Recherches zoologiques dans la Contree Trans-Caspienne 
(ib. 1890). 

3. Materialien zur ornithologischen Fauna des nördlichen Per- 
siens (in „Materialien zur Kennt, der Fauna u. Flora d. 
Russischen Reichs". Zool. Teil. I, 1892). — russisch. 

4. Note sur une nouvelle espece de mesange (Parus transcas- 
pius sp. n.). (Bull. Soc. Imp. Nat. Mose. 1893). 

5. Bemerkung über eine wenig bekannte Art des Stieglitzes 
(Carduelis minor, Zar.), (ib. 1894). — russ. 

6. Die ornithologische Fauna des Transkaspi-Gebiets (in „Mater, 
z. Kennt, der Fauna u. Flora des Russ. Reichs". Zool. Teil. 
II. 1896). — russ. 

Im Jahre 1896 vollführte ich meine erste grofse Reise in 
Persien, wobei ich aus dem Transkaspi-Gebiet (Stadt Askhabad) 



1) Ohne die Fische. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 187 

nach Seistan vordrang, von wo ich in das genannte Gebiet, 
(Kaachka) gröfstenteils auf anderen Wegen zurückkehrte. Das 
Ergebnis bilden meine folgenden Arbeiten. 

1. Bemerkung über eine neue Art des Podoces {Fodoces plesJcei 
sp, n.). CAnnuaire Mus. zool. Acad. Imp. Sc. St. -Petersb. 
I, 1896, p. XII). — russ. 

2. Marschroute der Reise in Ost-Persien im Jahre 1896 (ib.). 
— russ. 

3. Exkursion im nordwestlichen Persien und die Vögel dieser 
Gegend (Mem. Acad Imp. Sc. St.-Petersb., 1900). — russ. 

Im Jahre 1898 gelangte ich im östlichen Persien noch weiter 
nach Süden, indem ich aus Askhabad über Seistan zum Becken 
des Bampur, im Centrum des persischen Beludschistans, vordrang. 
Nach Askhabad kehrte meistenteils auf neuen Wegen zurück. 
Die Resultate finden sich in meinen folgenden Arbeiten. 

1. Marschroute der Reise in Ost-Persien im Jahre 1898 (Annu- 
aire Mus. zool. Acad. Imp. Sc. St.-Petersb., 1899). — russ. 

2. Bianchi and Zarudny. On a new species of Stoue-Chat 
{Saxicola semenowi) from Eastern Persia (ib. 1900, p. 187.). i) 

3. Exkursion im östlichen Persien. (Mem. d. Kaiser). Russ. 
Geogr. Gesellsch., 1901). — russ. 

4. Die Vögel Ost-Persiens (ib. 1903). — russ. 

Während der Jahre 1900 — 1901 konnte ich das ganze öst- 
liche Persien, von Grenzposten Gaudan an der Grenze Transkas- 
piensbis zum PortTschachbar am Makranschen Ufer dös Indischen 
Ozeans, meridional durchqueren. Die Rückkehr zum Grenzposten 
Gaudan wurde teils auf vollkommen neuen Pfaden gemacht. Die 
ornithologischen Resultate sind in meinen folgenden Abband 
lungen untergebracht. 

1. Marschroute der Expedition der Kaiserl. Russ. Geograph. 
Gesellsch. in Ost-Persien während der Jahre 1900 und 1901 
(Annuaire Mus. zool. Acad. Imp. Sc. St.-Petersb., 1902). — 
russ. 

2. Verläufiger kurzer Bericht über die Reise in Persien in den 
Jahren 1900 u. 1901 (Mitteil. d. Kaiserl. Russ. Geograph. 
Gesellsch., 1902). — russ. 

3. Zarudny & Härms, Neue Vogelarten {Scops semenowi sp. nov., 
Neophron percnopterus ruhripersonaius subsp. nov.. Fasser 
ammodendri korejewi subsp. nov., Otocorys peniciUata iranica 
subsp. nov.). Ornithol. Monatsber. 1902. p. 49. 



^) Auf meine Anfrage, warum Saxicola semenowi aus dem Ver- 
zeichnis der Vögel Persiens fortgelassen ist, teilte mir Herr Sarudny mit, 
dafs S. semenowi sich nach eingehender Untersuchung als das Weibchen 
von S. monacha entpuppt hati M. Härms. 

13* 



188 N. Sarudny: 

4. Lullula arborea pallida subsp. nov. Ib. p, 54. 

5. Einige neue Species und Snhs^ecies, (Passer enigmaticus sp. 
nov,). Ib. p. 130, 1903. 

*6. Über Einteilung des Genus Podoces in Subgenera. Ib., 1902 

p. 185.1) 
*7. Beschreibung einer neuen Podiceps-Subspecies. (P. auritus 

horejewi subsp. nov.). Ib. p. 186. 
* 8. Zwei neue Vogelarten Turtur communis grigorjewi subsp. nov., 
Sterna minuta innominata subsp. nov.). Ib. p. 149. 
In den Jahren 1903 und 1904 konnte ich mich recht ein- 
gehend mit der Ornis der westlichen Teile Persiens, welche in 
den Linien: a) der Städte Asterabad, Damgan, Wüste Descht-i- 
Kewir, Oase Dshandak, Dorf Enarek, Stadt Nain, Dorf Kupä, 
Stadt Isphahan, Dorf Achwas, der Spitze des Persischen Golfs 
(an der Mündung des Karun), b) Stadt Achwas, Stadt Schuster, 
Stadt Disful und c) Städte Schuster, Isphahan, Kaschan, Kum, 
Kaswin, Rescht und der Enseli-Bucht gelegen sind, bekannt machen. 
Meine folgenden Abhandlungen basieren auf den Materialien, 
welche während dieser, aber auch auf den früheren, Reisen ge- 
macht wurden. 

1. Marschroute der Reise in West-Persien in den Jahren 1903 
— 1904. (Annuaire Mus. zool. Acad. Imp. Sc. St.-Petersb. 
1904). — russ. 

2. Passer mesopotamicus sp. nov. — Ornithol. Jahrb., 1904, 
p. 108. 

3. Eine neue Grasmücke aus Persien {Sylvia semenowi spec. 
nov.) Ib. p. 220. 

*4. Über eine neue Saxicola aus Persien (Saxicola gaddi spec. 
nov.) Ib. 219. 
5. Über neue Arten und Formen {Huticilla semenowi sp. n., 
Montifringilla alpicola gaddi subsp. n., Emberiza semenowi 
sp. n., Sitia tschitscherini sp. n.) Ib. p. 213. 

*6. Einige neue Subspecies aus Persien und dem Transkaspischen 
Gebiet {Melanocorypha calandra raddei subsp. n., Calan- 
drella minor seistanica subsp. nov., C. minor minuta subsp. n., 
Ammomanes deserti Orientalis subsp. n., Cyanecula wolß magna 
subsp. n., Caccabis chukar werae subsp. n., Ammoperdix 
bonhami ter-meuleni subsp. n., Dendrocopus minor morgani 
subsp. n.) Ib. p. 221. 
7. Beschreibung zweier neuen Formen aus Süd-West Persien 
(Acredula tephronota passeJci subsp. nov., Accentor modularis 
blanfordi subsp. n.) Ornithol. Monatsb. 1904.p. 164. 



1) Die mit einem Stern versehen Artikel sind zusammen mit Herrn 
H. Baron London verfafst. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 189 

8. Zwei ornithülogische Neuheiten aus West-Persien (Ketupa 
semenowi sp. nov., Buho hubo niholskii subsp. nov.) Ornithol. 
Jahrb. 1905. 

*9. Rallus aquaticus korejewi subsp. nov. — Ornithol. Monatsb. 
1905. 

10. Gecinus viridis innominatus subsp. n. — Ib. 1905. 

11. Syrnium sandi-nicolai sp. nov. — 1905. 

*12. Vorläufige Bemerkungen über drei ornithologische Neuheiten 
aus Persien {Certhia familiaris persica subsp. nov., Troglo- 
dytes parvulus subpallidus subsp. nov., T. parvulus hyrcanus 
subsp. nov.) Ib. 1905 p. 106. 

*13. Vorläufige Beschreibung zweier ornithologischen Neuheiten 
aus West-Persien (Foecile lugubris hyrcanus subsp. nov., 
Sitta syriaca ohscura subsp. nov.) Ib. 1905, p. 76. 

*14. Beschreibung dreier neuen paläarktichen Meisen (von diesen 
zwei aus Persien : Parus major zagrossiensis subsp. nov., 
P. major caspius subsp. nov.) Ib. 1905, p., 108. 
15. Sitta dresseri. — Ib. 1906, p. 132. i) 

*16. Zum Material über die Asiatischen Fterocles und Columba 
(Pterocles alchata bogdanowi subsp. nov., Columba livia gaddi 
subsp. nov.) Ib. 1906. 
17. Über zwei neue Arten des Stieglitzes (Carduelis) aus Persien 
(C. carduelis loudoni subsp. nov., C. carduelis minor Zar.) 
Ib. 1906, p. 48. 

*18. Äsio accipitrinus pallidus subsp. n. — Ib. 1906. 

19. FrancoUnus orientalis bogdanowi subsp. n. — Ib. 1906. 

20. Eine Bemerkung über 2 Formen aus dem paläarktischen 
Gebiet (aus Persien: Cynchramus pyrrhuloides horejewi 
subsp. n.) Ib. 1907, p. 83. 

21. Beitrag zur Kenntnis der Turkestanischen Caprimulgus-kn^n 
{C. europaeus sewerzowi subsp. n ? aus Beludschistan) Ib. 
1907. 

22. Beitrag zur Kenntnis der Lasurmeisen (Cyanistes coeruleus 
raddei subsp. n., C. coeruleus saiunini subsp. n.). Ib. 1908. 

23. Teiraogallus caspius semenow-tianschanskii subsp. nov. — 
Ib. 1908. 

*24. Noch eine neue Form des Zaunkönigs (Troglodytes parvulus 
zagrossiensis subsp. nov.). Ib. 1908. 

25. Eine kurze vorläufige Bemerkung über einen neuen Specht 
(Dendrocopus major transcaspius subsp. nov.). Ib. 1908. 

26. Bemerkungen über die Rohrmeise (Änthoscopus rutilans, 
Sewerz.). Beschrieben: A. rutilans nigricans subsp. nov., 
A. rutilans neglectus subsp. nov. — Ib. 1908. 



1) Gemeinsam mit Herrn S. Buturlin. 



190 N. Sarudny: 

*27. Montifringilla alpicola groum-greimaili (Zar. & Loud.) und 
M. alpicola gaddi (Zar. & Loud.) Ib. 1908. 

28. Budytes cüreoloides iranica subsp. nov. — Ib. 1909, p. 20. 

29, Mitteilung über eine neue Form des syrischen Spechts 
{Dendrocopus syriacus milleri subsp. nov.). Ib. 1909, p. 81. 
Aufserdem beschrieb Herr V. von Tschusi gemeinsam mit 

mir, nach meinen Exemplaren, Sitta europaea ruhiginosa aus 
Ghilan und Mazanderan (Ornithol. Jahrbuch 1905, p. 140). 

Die ornithologischen Resultate, welche ich während der 
beiden letzten Reisen, die ein sehr grofses Material ergaben, machte, 
werden in den eben genannten Abhandlungen nur leicht berührt. 
Die Hauptmasse derselben, obgleich schon längst druckfertig, 
ist noch nirgends publiziert. Von Zeit zu Zeit vom Jahre 1904 
an wurde sie durch einige, aber wertvolle, Mitteilungen meiner 
persischen Korrespondenten ergänzt. Im ganzen habe ich in den 
Grenzen Persiens ungefähr 14000 Werst zurückgelegt, und ich 
halte mich für recht gut über die Verbreitung der Vögel in den 
von mir erforschten Gebieten orientiert zu sein, aber in den 
meisten Fällen auch über deren Lebensweise. 

Seit dem Jahre 1876, d. h, nach dem Erscheinen des 
zweiten Bandes „Eastern Persia", wurden aufser meinen, noch 
folgende, die Avifauna Persiens betreffende, Arbeiten veröffentlicht. 

1. A. M. Nikolsky. Ausflug nach Nordost-Persieu und das 
Transkaspi-Gebiet (1886. Mem. Kaiserl. Russ. Geogr. 
Gesellsch.). — russ. 

2. A. M. Nikolsky. Material zur Kenntnis der Fauna der 
Wirbeltiere des nordöstlichen Persiens und Transkaspiens 
(1886. Arb. St. Petersb. Naturf. Gesellsch.). — russ. 

3. Dr. S. E. Aitchison. On the Zoology of the Afghan 
delimitation Commission. 1887. 

4. Dr. Sharp e. Beschrieb im „The Ibis" 1886—1891 die 
Sammlungen, welche W. D. Cumming in Fao an der Spitze 
des Persischen Golfs machte. 

5. Dr. Sharpe. In „The Ibis" 1886 bearbeite die Kollektion, 
die A. J. V. Palmer in Buschir machte. 

6. M. Jitnikow. Ornithologische Beobachtungen am Flusse 
Atrek. 1900. — russ. 

7. H. F. Witherby. An Ornithological Journey in Fars, 
South- West Persia (Ibis, 1903). 

8. H. F. Witherby. On a Collection of Birds from Western 
Persia and Armenia. With Field-Notes by R. B. Woosnam 
(Ibis 1907). 

9. Dr. Erich Zugmayer. Beobachtungen über die vorderasia- 
tische Vogelfauna (Ornithol. Jahrb. 1908). 

Dr. Zugmayer arbeitete in Aserbeidshan d. h. in einem, 
oruithologisch am wenigsten erforschten Gebiet Persiens. Leider 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 191 

scheint er ein nichtiges, sehr allgemein und oft sogar falsch be- 
stimmtes Material gesammelt zu haben; zum Überflufs werden 
noch die Funddaten in ganzen Monaten gegeben. 

Hinweise auf einige Vögel Persiens finden sich bei Dr. G. 
Radde (Ürnis Caucasica, 1884^) und Mitteil. Kauk. Mus. 1899), 
K. A. Satunin (Mater, z. Kennt, d. Kauk. Gebiets, 1907.), Th. 
D. Pleske (Ornithographia Rossica), aber auch in verschiedenen 
Arbeiten Dr. V. Bianchi's. Einige neue Vogelarten aus Persien 
beschrieb (teils nach meinen Exemplaren) Dr. E. Hartert in 
seinem Werk „Die Vögel d,er paläarktischen Fauna" und im „Bulle- 
tin of the British Ornithologist's Club". In demselben Bulletin 
veröffentlichte auch H. F. Witherby die Beschreibungen einiger 
neuer persischen Vögel. 

Alle obengenannten Arbeiten über die Avifauna Persiens, 
zusammen mit meinem sehr umfangreichen unpublizierten Material, 
erlauben mir gegenwärtig ein Verzeichnis der Vögel Persiens 
vorzulegen, welches offenbar dem endgültigen nahe ist (Neues 
kann man besonders aus dem Litorale des Persischen Golfs und 
Arabischen Meers erwarten, aber auch aus Aserbeidshan) und 
auch zugleich dieses Land in ornithologische Gebiete zu zerlegen. 

W. T. Blanford teilte Persien in 5 zoologische Provinzen: 

I. The Persianprovince proper. Umfafst den gröfsten 
Teil des Reichs. Besteht aus den erhöhten Ebenen des Hoch- 
landes nebst den Gebirgskämmen, welche diese Ebenen teilen, und 
den inneren Abhängen der Gebirgsketten, die dieses Hochland 
umkreisen. 

II. The Caspian provinces, Ghilan and Mazan- 
darän. Umfafst das Land, welches sich längs dem südlichen 
Ufer des Kaspischen Meers, von Lenkoran bis Asterabad, hinzieht 
und vertikal von dem Meeresspiegel bis zur Waldgrenze des 
Elburs-Gebirges (6000—7000 Fufs) reicht. 

in. The wooded slopes of the Zagros. 

IV. Persian Mesopotamia, being the eastern portion 
of the Tigris piain. 

V. Thelowlands on the shores of the Persian Gulf 
and Balüchistan vertikal bis zu einer Höhe von 3000 Fufs 
über dem Meeresspiegel. 

W. T. Blanford glaubt aufserdera in Aserbeidshan, im Nord- 
westen Persiens, eine gesonderte Provinz erblicken zu dürfen. 

Nachdem ich den Nordosten und Osten Persiens, die bis 
zu meinen Reisen in ornithologischer Hinsicht eine terra incog- 
nita darstellten, eingehend erforscht, aber auch mich recht aus- 
führlich mit den westlichen Teilen dieses Landes bekannt gemacht 
habe, teile ich die Besitzungen des Königs der Könige in folgende 
Gebiete ein: 



1) Noch früher bei Bogdan ow, Vögel des Kaukasus. 



192 N. Sarudny: 

I. Nordwestliches Gebiet. Umfafst die Nordwest Ecke 
Persiens, wobei es in seine Grenzen das Ganze Aserbeidshan, den 
nördlichen Teil Ardilans und den Norden Irak-Adshemi's, mit 
den Gebieten der Städte Teheran, Kum und Kaschan einschliefst. 

II. Südkaspisches Gebiet. Umfafst die ganze Provinz 
II Blanfords. Zu ihm rechne ich das ganze Gebiet des Bassins 
des Flusses Gurgen, aber für die südliche Grenze nehme ich die 
Wasserscheidungslinie zwischen beinahe allen Flufsbassins des 
Kaspischen Meers einerseits und der Iranischen Hochebene ander- 
seits an. Nach Osten führe ich diese Linie bis zu den westlichen 
Ausläufern der Ala-dagh Kette (im Süden der Städte Budshnurt 
und Schirwan), welche eine Wasserscheide zwischen den Quellen 
des Gurgen und Atrek-Bassin bilden. Indem diese Linie in ihrem 
mittleren Teil längs der Elburs-Kette geht, erreicht sie aber noch 
lange nicht deren westliches Ende und, ungefähr vom Kende-wan 
Pafs, geht sie längs den Bergen, welche südlich vom Tal des 
Flusses Schach-rud^) liegen ; darauf durchschneidet sie den Sefid- 
rud bei der Vereinigungsstelle des Schach-rud mit dem Kysil- 
uzen und, das Bassin dieses letzteren aufserhalb des beschriebenen 
Gebiets lassend, folgt sie den Bergen, die Ghilan und Talysch 
von Aserbeidshan trennen. 

III. Das Chorassanische Gebiet. Seine Nordgrenze 
liegt aufserhalb der Grenzen Persiens, da dieselbe von den Ebe- 
nen Achal und Tekes^) gebildet wird. Im Osten lehnt es sich 
an das parapamisische Gebiet an, indem es als ungefähre Grenze 
die, die linke Seite des Heri-rud Tales umsäumenden Höhen hat. 
Die Südgrenze bilden die Ebenen der Gegend Bala-chaf und nur 
ausnahmsweise die Nordausläufer der Wüsten Badshistan- 
kewir und D esch t-i-Ke wir. Die Westgrenze, im Anfange 
den nördlichen Ausläufern der Wüste Descht-i-Kewir folgend, 
endet annähernd unter dem Meridian der Stadt Seman. 

Von dem chorassanischen Gebiet sondere ich die atreksche 
Subregion ab, diese umfafst das Bassin des Atrek — aber ohne 
den Oberlauf des Hauptflusses, — annähernd, von Budshnurt an. 
Die übrige Fläche dieses Gebiets teile ich in einen nördlichen 
und südlichen, durch die Ebenen, welche sich vom oberen Lauf 
des Atrek über die Städte Kutschan, Meschhed und Ferimun 
zur Stadt Turbet-Dsheich-i-Dsham ausdehnen, gebildeten Teil. 
Der nördliche Teil hat in seinem Centrum die Ketten Musderan, 
Ala-ak-ber und Gülistan, der südliche umfasst die Gebirgssysteme 
Kale-Minar, Sary-Dsham, Kudar-i-Pedar, Sia-Kuh und Dshagitai. 

IV. Parapamisisches Gebiet. Wird von der Gebirgs- 
kette des Parapamis mit dem Bassin der Flüsse Heri-rud (Tedshent) 



1) Dieses Tal ist im Norden von der Stadt Kaswin gelegen. 

2) In der vorliegenden Abhandlung sind nur solche Arten für dieses 
Gebiet angeführt, deren Vorkommen im persischen Territorium factisch 
erwiesen ist. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 198 

und Murgh-ab gebildet. In den Grenzen des persischen Territo- 
riums ist es nur mit dem Tal des Heri-rud vertreten. 

V. Seistanisches Gebiet. Umfafst das seistanische 
Becken und die Gebiete der unteren Läufe der Flüsse: Hilmend, 
Rud-i-Chasch, Car-rud, Ferrach-rud und anderer, in die grofsen 
Seen der Gegend Chokat und in den Sumpf Neizar sieb ergiefsender 
Flüsse. 

VI. Kuh istan-K ermanisches Gebiet. Schliefst mit 
ein die ganze Gegend Kuhistan und beinahe die ganze nordwest- 
liche Hälfte des administrativen Teils der Provinz Kerman 
(= Kirnian). Die Nordgrenze wird von den südlichen Ausläufern 
des chorassanischen und parapamisischen Gebiets gebildet. Im 
Osten schliefst dieses Gebiet die Wüste Descht-i-Naumed und 
die Ebenen Nemek-sar's mit ein, geht bis zum seistanischen 
Becken und verbindet sich durch das Gebirgssystem, welches 
dieses letztere von der westlichen Seite begrenzt, mit dem belud- 
schistanischen Gebiet. Im Westen wird seine westliche Grenze 
von dem Westabschkifs der Wüste Dcscht-i-Rewir*) gebildet. Seine 
übrige, an dem zagrossischen und beludschistanischen Gebiet 
gelegene Grenze kann nur mutmafslich geführt werden. Diese 
Grenze zieht in jedem Fall zum beschriebenem Gebiet die Berge 
Kuh-i-Gugird und Kuh-i-Tulcha, das Gebirgsmassiv Enarek und 
die ganze Gegend, welche sich nach Südosten von der Stadt Nain, 
diese mit eingeschlossen, über die Städte Ardigan, Jezd und 
Bachramabad bis zur Stadt Kerman, aber möglich noch weiter 
bis zur Stadt Barn ausdehnt. Auf diese Weise schliefst dieses 
Gebiet in seinen centralen Teilen die zwei gröfsten Wüsten Persiens 
— Descht-i-Kewir und Descht-i-Lut — in sich ein. 

VII. Beludschistanisches Gebiet. Umfafst das per- 
sische Beludschistan, d. b. das, zwischen dem seistanischen Becken 
und den Ufern des Arabischen Meers gelegene Land der Berge 
und Ebenen. Seine Westgrenze ist noch nicht aufgeklärt, aber 
man kann mutmafsen, dafs sie mit diesem Gebiet das ganze 
Land Laristan, dessen Fauna gegenwärtig absolut unbekannt ist, 
vereinigen wird. Ich teile dieses Gebiet in zwei Teile: einen 
nördlichen und südlichen. Die Grenze zwischen beiden Teilen 
wird von der Wasserscheidungslinie der Bassins der Maschkil, 
Tschaaschei und Samysur Niederungen einerseits, der Bassins 
des Flusses Rud-i-Bampur und aller Flüsse, die dem Arabischen 
Meer angehören anderseits, gebildet. 

Vin. Litorale des Persischen Golfs und Ara- 
bischen Meers. Schliefst auch alle anliegenden Inseln ein. 
Ich bin überzeugt, dafs ornithologisch dieses Gebiet in zwei Teile 
zerfällt: a) Litorale des Persischen Golfs und b) Litorale des 
Arabischen Meers. 



^) Berührt hier und etwas weiter nach Süden das nordwestliehe Gebiet. 



194 N. Sarudny: 

IX. Zagrossisches Gebiet, ümfafst die ganze Provinz 
III Blanfords, aber ich nehme dieselbe mit weit ausgedehntere 
Grenzen an. Ich nehme in seine Grenzen das ganze Zagross- 
System, welches, ungefähr zwischen den Parallelen der Stadt 
Kermanschach im Norden und dem Flecken Niris im Süden, durch 
die Stadt Schiras sich hinzieht, auf. Seine Westgrenze wird von 
den Bergen Puscht-i-Kuh, diese mit eingeschlossen, aber weiter im 
Süden von den östlichen Ausläufern der Gegend Arabistan (Ohusi- 
stan) gebildet. Noch weiter südlich schliefst es sich an das Gebiet 
VIII an und geht darauf unmerklich in das beludschistanische 
Gebiet über. Im Norden fliefst es mit dem nordwestlichen Gebiet, 
wobei es die ganze Gegend Kupä nebst ihren Bergen mit ein- 
schliefst, zusammen. Im Osten geht es kaum wahrnehmbar in 
das Kuhistan-Kermanische Gebiet über. Die Städte Isphahan, 
Disful, Schuster und Schiras liegen in dem beschrieben Gebiet. 
Es wird durch die Wasserscheide der inneren und äufseren Flufs- 
Bassins in zwei Untergebiete geteilt. 

X. Mesopotamisches Gebiet. Umfafst die ganze Pro- 
vinz IV Blanfords, aber, ebenso wie das Gebiet IX, wird von mir 
mit ausgedehnteren Grenzen gedacht. Ich rechne zu ihm die 
an den Unterläufen der Flüsse Kercha, Dis (unterhalb Disful), 
Karun (unterhalb Schuster), Dorak und Dsheraki liegenden Ebenen 
des Landes Arabistan (Chusistan), aber auch die hier und dort 
zerstreuten Berge dieser Ebenen. 

Ich bemerke, dafs die obenbeschriebenen Gebiete nicht nur 
allein einen ornithologischen Wert haben: unbedingt mufs diese 
Einteilung auch für die Reptilien und wahrscheinlich ebenso für 
die Säugetiere angenommen werden. Wieweit ich mich mit der 
Welt der persischen Insecta, Arachnoidea und Myriopoda bekannt 
machte (die Bekanntschaft ist nur nach dem Aussehen, ohne die 
wissenschaftliche Benennung zu kennen, gemacht), scheinen recht 
viele von ihnen als sehr charakteristich für ein oder das andere 
Gebiet zu sein. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 195 



Die Verbreitung der Vögel 
nach den ornithologischen Gebieten. 

Erklärung der Zeichen. 
s = Standvogel, 
n = Brutvogel, 
h = Wintergast, 
tr = Durchzügler. 
a = Zugvogel, aber nicht nistend, oder dessen 

Brüten nicht sicher nachgewiesen ist. 
r = selten, 
rr =: sehr selten, 
e = Irrgast. 
-\- = mit Sicherheit nachgewiesen, aber vom 
Charakter des Verweilens nichts bekannt. 
Falls die Bezeichnung mit einer Initiale gemacht ist, so 
gehört die Art vorzugsweise oder ausschliefslich dem Gebiet an, 
für welches dieser Buchstabe gesetzt ist. 

Die Verbindung der Buchstaben „s" und „h" bezeichnet, 
dafs die Anzahl der Standvögel in diesem oder jenem Gebiet im 
Winter durch zugeflogene Individuen vermehrt wird. 

Die Nrn. in der Rubrik „Anmerkungen" bezeichen die ent- 
sprechenden Erörterungen am Schlufs der Abhandlung. 

Die Nomenklatur der Arten und Formen ist in der Mehr- 
zahl der Fälle mit derjenigen, die Dr. E. Hartert in seinem 
klassischen Werk „Die Vögel der paläarktischen Fauna" anwendet, 
in Einklang gebracht. Zum Bedauern sind von diesem Werk nur 
5 Lieferungen erschienen. 



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2. „ auritus 

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4. „ nigricollis 

5. ,, griseigena 

6. „ albipennis 

7. Mergus alhellus 

8. „ merganser 

9. „ serrator 

10. Erismatura leucocephala 

11. Clangula glaucion 

12. Nyroca fuligula 

13. „ marila 

14. ,, nyroca 

15. „ ferina 

,, homeyeri {N. ny- 
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1 6. .Ne^to rufina 

1 7. Harelda glacialis 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 



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Gallinago major 

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„ solitaria 
,, stemira 
,, gallinago 
„ gallinago raddei 
Lymnocryptes gallinula 
Fhalaropus fulicarius 

,. hyperhoreus 
Limicola ^platyrhyncha 
Tringa suharquata 
,, alpina 
„ canutus 


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Verzeichnis der Vögel Persiens. 



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143. Aegialophilus mongolicus 

144. Eudromias morinellus 

145. Squatarola helvetica 

146. Charadrius pluvialis 

147. „ /m?üms 

148. Chettusia leucura 

149. „ gregaria 

150. Hoplopterus spinosus 

151. Sarcogrammus indicus 

152. Vanellus cristatus 

153. Glareola tnelanoptera 

154. „ protincola 

155. Cursorius gallicus 

156. Dromas ardeola 

157. Oedicnemus oedicnemus 

158. Sypheotis aurita 

159. Houhara macqueeni 

160. 0<is i^e^rax 

161. „ ^arda 

162. Anthropoides virgo 



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183. Coturnix coturnix 

184. Ferdix perdix^) 

185. ., perdix fulvescens 

186. Ortygornis pondicerianus 

187. Francolinus vulgaris 

188. ,, vulgaris sa- 

rudnyi 

189. „ vulgaris cau- 

casicus 

190. „ vulgaris bog- 

danowi 

191. Phasianus principalis 

192. „ persicus 

193. „ talyschensis 

194. „ colchicus lo- 

renei 

195. Syrrhaptes paradoxus 

196. Pterocles arenarius 

197. „ coronatus atratus 

198. „ fasciatus 



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265. Falco peregrinator 

266. „ peregrinus 

267. „ leucogenys 

268. „ barbarus 

269. „ hypotriorchis sub- 

buteo 

270. Äesalon chicquera 

271. „ regidus 

272. „ regulus pallidus 

273. Tinnunculus alaudarius 

274. „ alaudarius 

saturatus 
IIb. Cerchneis cenehris 

276. Erythropus vespertinus 

277. Cicrus aeruyinosus 

278. „ spilonotus 

279. Strigiceps cyaneus 

280. „ macrurus 

281. „ cineraceus 

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Verzeichnis der Vögel Persiens. 209 



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310. Xylocopus minor morgani 

311. Dendrocopus major poel- 

zami 

312. „ syriacus 

313. „ syriacus 

milleri 

314. „ sindianus 

315. „ transcaspius 

316. Vendrocoptes medius cau- 

casicus 

317. „ medius sancti- 

johannis 

318. «/«/wa; iorquilla 

319. Coccystes jacoUnus 

320. „ glandarius 

321. Cuculus canorus 

322. „ saturatus 

323. Coracias indica 

324. „ garrula 

325. „ „ semenowi 






Verzeichnis der Vögel Persiens. 211 



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397. „ schoeniclus 

canneii 

398. „ pyrrhuloides 

399. ,, pyrrhuloides 

korejewi 

400. Coccothraustes cocco- 
thraustes nigricans 

401. Mycerohas carnipes 

402. Chloris chloris 

403. Carduelis carduelis 

404. „ carduelis volgensis 

405. „ carduelis major 

406. „ carduelis minor 

407. „ carduelis loudoni 
„ minor X C". oncw- 



Verzeichnis der Vöffel Persiens. 215 









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434. Fasser domestica 

435. „ domestica indicus 

436. „ pliyrrhonotus 

437. „ hispaniolensis 

transcaspicus 

438. „ montanus dilutus 

439. „ montanus trans- 

caucasicus 

440. „ moahiticus meso- 

potamicus 

441. „ moahiticus yatii 
442.? Ploceus hengalensis 

443. Anthus richardi 

444. „ lencophrys captus 

445. ,, trivialis 

446. „ cervina 

447. „ pratensis 

448. „ pratensis enigma- 

ticus 

449. „ spinoletta 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 



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563. „ phoenicuroides 

564. „ „ caniceps 

565. „ „ varia 

566. „ bogdanowi 

567. „ eleagni 

568. „ raddei 

569. Enneodonus collurio 

570. „ collurio fuscatus 

571. Caudolanius erythronotus 

572. Collurio vittatus 

„ spec? 

573. Leucometopon nubicus 

574. Phoneus Senator 

575. „ Senator niloticus 

576. Lanius minor 

577. „ lathora 

578. „ aucheri 

579. „ pallidirostris 

580. „ preewalsTcii 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 



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605. „ caligata 

606. Sylvia nisoria 

607. „ nisoria mersbacheri 

608. „ hortensis 

609. „ hortensis crassirostris 

610. „ borin 

611. „ atricapilla 

612. „ communis 

613. ,, communis icterops 

614. „ curruca 

615. „ curruca halimodendri 

616. ,, curruca minula 

617. „ curruca mar gelanica 

618. „ curruca affinis 

619. „ althea 

620. „ nana 

621. „ momus semenowi 

622. „ mystacea 

623. „ spec? 



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691. Fratincola rubicola 

692. „ maura 

693. „ hetnprichi 

694. Saxicola oenanthe 

695. „ isabellina 

696. „ chrysopygia 

697. „ deserti 

698. „ montana 

699. „ finschi 

700. „ finschi turanica 

701. „ barnesi 

702. „ lugens 

703. „ persica 

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704. „ leucopygia 

705. „ opistoleuca 

706. „ xanthoprymna 
101. „ xanthoprymna 

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Verzeichnis der Vögel Persiens. 



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230 N. Saradny: 

Ergänzung I. 

Anmerkung. 

716. Podiceps minor Briss. No. 100. 

717. Colymhus arcUcus L. „ 101. 

718. ,, septentrionalis L, „ 102. 

719. Sterna tihetana Saund. „ 103. 

720. Grus sp.? (an leucauchen Temm.?) „ 104. 

721. Monticola cyanus transcaspicus Hart. „ 105. 

Anmerkungen. 

No. 1—2. Podiceps auritus L. Ist persönlich von mir in dem 
zagrossischen Gebiet nicht gefunden. Wird für letzteres 
auf Grund der Mitteilung von Blanford, nach dessen Aus- 
sage St. John diesen Taucher im Winter sehr häufig auf 
dem See Kasrun beobachtete, angeführt. Möglich, dafs 
diese Beobachtung sich, wenn auch nur teilweise, auf Podi- 
ceps auritus korejewi Zar. & Loud. bezieht; diese Form 
erlegte ich an einem anderen Ort desselben Gebiets. 

No. 3. Nyroca spec"? Konnte von mir nicht erbeutet werden. 

No. 4. Oidemia fusca L. Angeführt für das nordwestliche Gebiet 
nach den Worten Blanfords, welcher auf De Filippi, der 
diese Ente bei Täbris gefunden haben soll, hinweist. 

No. 5. Oidemia nigra, L. In meinem Besitz befinden sich die 
Bruchstücke des Balges eines im Winter am Kaspischen 
Meer, zwischen der Mündung des Gurgen und Gijas, er- 
legten Exemplars. 

No. 6. Melanonyx arvensis sibiricus Alpher. Halte meine Be- 
stimmung für vollkommen richtig. 

No. 7. Rußbrenta ruficollis Fall. Führe mit grofsem Zweifel 
diese Gans für das zagrossische Gebiet an. H. F. Witherby 
(Ibis, 1903 p. 563) schreibt über diese Gans: „A bright- 
ly coloured Goose is fairly common at Dasht-i-arjan.*) 
They are excessively wild, and everyone with a rifle shoot 
at them, but they are very rarely hit, I beliwe. I was 
told, however, that tey had greatly decreased in numbers 
at this place. — I could not obtain a specimen, nor could 
Major St. John; but Dr. Blanford puts the bird down as 
of this species, and I think that he is correct. It as a 
loud trumpeting note." — Ich meine, dafs sowohl Witherby 
als auch St. John in diesem Falle nicht die Rothalsgans, 
aber ganz einfach die Brandgans (Vulpanser tadorna) 
beobachteten. . . . 

No. 8. Botaurus stellaris L. Herr S. Buturlin unterscheidet 
unter dem Namen Botauris stellaris orientalis Buturl. die 
Rohrdommel aus dem östlichen Sibirien, wobei er als ein 
ständiges Unterscheidungsmerkmal die rosa-isabellfarbene 



1) In Farsistan. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 231 

Tönuug der Grundfärbung der Axillar- und der unteren 
Flügeldeckfedern hält (bei dem typischen europäischen 
Vogel haben die genannten Federn eine blafs ockergelbe 
Grundfärbung). So gefärbte Rohrdommeln wurden, ge- 
meinsam mit den gewöhnlichen, von mir im Winter im 
Seistan (und Turkestan), wenn auch selten, gesammelt 
No. 9. Ärdea goliath Cretsch. Ich kann die Angabe Blanfords, 
dafs dieser Reiher im südlichen Beludschistan im Tal 
des Flusses Rud-i-Bampur vorkommt, nur bestätigen. 

No. 10. Dissura episcopus Bodd. Ich beobachtete eine aus drei 
Stück bestehende Gesellschaft am 6. III. 1901 in der 
Gegend Kutsche (Beludschistan). 

No. 11 — 12 Ciconia alba Bechst. Wurde von mir, als seltener 
Wintervogel, noch bei dem Dorf Tis am Makranschen 
Ufer wahrgenommen. Ciconia alba azreth Sev. ist, mit 
einigem Zweifel, als seltener Brutvogel für das seistanische 
Gebiet angeführt: möglich, dafs hier die typische Form 
nistet. 

No. 13. Ibis religiosa Cuv. Wird auf Grundlage der Mitteilung 
K. A. Satunins [Mater, z. Kennt, d. Vögel d. Kauk. Ge- 
biets. (Russisch)] aufgezählt. 

No. 14. Velecanus crispus Bruch. Für das zagrossische Gebiet 
mir nur als Wintervogel bekannt. W. T. Blanford (East. 
Persia) beobachtete auch im Sommer hier (in Farsistan) 
irgendwelche Pelikane. 

No. 15. Pelecanus minor Rüpp. Wird in die Fauna Persiens 
nach Dr. G. Raddes (Ornis Caucasica) Angaben aufge- 
nommen. 

No. 16. Oceanites ocenaicus Kühl Von mir am 12. — 14. III. 1901 
bei dem Port Tschachbar gefunden. 

No. 17. Bhynchops albicollis Swains. Erbeutet von mir am 1. III. 
1901 im Tal des Flusses Rud-i-Sarbas (Süd-Beludschistan). 

No. 18. Chroicocephalus ridibundus L. Als Sommervogel für das 
nordwestliche Gebiet wird auf Grund der Angabe Dr. 
Zugmayer's (Ornithol. Jahrb., 1906, p. 18) angeführt. 

No. 19. Larus canus niveus Pall. Nach ihren Mafsen fallen die 
von mir erbeuteten Exemplare mit den grofsen Vertre- 
tern dieser Form zusammen. 

No. 20. Larus cachinans Pall. In dem nordwestlichen Gebiet 
von Dr. Zugmayer (l. c.) gefunden, der ohne Zweifel 
gerade diesen Vogel unter der Bezeichnung L. argentatus 
Brunn, angeführt. 

No. 21. Sterna albigena Licht. Von mir am 16. III. 1901 am 
Makranschen Ufer (Tis) erlegt. 

No. 22. Siehe die Anmerkung No. 103. 

No. 23. Sterna minuta innominata Zar. & Loud. Fragliche Form, 
welche ich aber mit keiner anderen Form der Zwergsee- 
schwalbe vereinigen kann. 



232 N. Sarudny: 

No. 24. Sterna sinensis Gm. Von mir in einem Stück am 26. 
V. 1901 in Seistan erbeutet. 

No. 25. Sterna anaestheta Scop. Persönlich nicht beobachtet. 
Nach Blanford (Fauna Brit. India, V. IV, p. 323) nistet 
am Persischen Golf. Die Bälge zweier, im Sommer in 
der Nähe der Mündung des Karun, erlegter Exemplare 
sah ich in der Stadt Mohammera. 

No. 26. Gallinago major orientalis Zar. Beschrieben von mir in 
der Zeitschrieft „Semja Ochotnikow", 1901, No. 1. 

No. 27. Gallinago solitaria Hodgs. Nistet, beinahe ohnejZweifel, 
in dem Elburs-Gebirge. 

No. 28. Gallinago gallinago raddei Buturl. Überall seltener als 
die typische Form. 

No. 29. Oedicnemus oedicnemus L. In den östlichen und südlichen 
Teilen Persiens kamen häufig Exemplare, die einen Über- 
gang zu 0. indicus Salvad. vermittelten, vor. 

No. 30. Otis tarda L. Möglich, dafs die Beobachtungen aus dem 
östlichen Persien in vielen Fällen nicht der typischen Form 
angehören, sondern sich auf 0. tarda korejewi Zar. be- 
ziehen. 

No. 31. Grus grus L. Die seistanischen und parapamisischen 
Kraniche, sowohl diejenigen, welche ich in den Händen, 
als auch die, welche ich die Möglichkeit aus der Nähe zu 
betrachten hatte, schienen mir oftmals viel blasser, als die 
typischen zu sein und hatten nicht so dunkle Sekundär- 
schwingen wie diese letzteren. Möglich, dafs sie die Form 
Grus grus lilfordi Sharpe repräsentierten. 

No. 32. ? Frophyrio caeruleus Vand. Oft hörte ich von den karun- 
schen Arabern, dafs in den Sümpfen der Oase Chauwiseh, 
in dem Überschwemmungsgebiet des Flusses Kercha, Sul- 
tanshühner vorkommen sollen. Sie wurden mir so ein- 
gehend beschrieben, dafs kein Zweifel obwalten konnte, 
dafs die Rede von Sultanshühnern war. Wahrscheinlich 
werden diese Vögel der genannten Form angehören. 

No. 33. Fterocles alchata sewersowi Bogd. Zur Zeit kann ich 
nicht entscheiden, nistet in Beludschistan diese Form, oder 
P. alchata hogdanowi Zar. 

No. 34. Columba livia Briss. Möglich, dafs man für die Tauben 
aus den Städten Schuster und Disful, aber auch aus den 
benachbarten Teilen des zagrossischen Gebiets den Namen 
C. plumipes Gray wird anwenden müssen. 

No. 35. Streptopelia douraca Schleg. Blanford (East. Persia) er- 
wähnt für Persien Turtur senegalensis, wobei er diese Art 
nach der Angabe von Eichwald aufnimmt, aber zugleich 
seinem Zweifel Ausdruck verleiht. Ohne Rede mufs 
Turtur senegalensis aus dem Verzeichnis der Vögel Per- 
siens, sowie aller Gegenden, die das Kaspische Meer 
umgeben, gestrichen werden. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 233 

No. 36. Turtur iurtur grigorjewi Zar. & Loud. Fragliche Form, 
welche ich aber noch nicht mit Turtur arenicola Hart, 
zu vereinigen mich entschliefsen kann. 

No. 37. Aquila amurensis Swinh. Zwei von mir erbeutete Exem- 
plare kann ich ich nur zu dieser Form ziehen. 

No. 38. Aquila orientalis Gab. Für das nordwestliche Gebiet 
nach Dr. Zugmayers Angaben angeführt. 

No. 39. Aquila naevia Meyer. Persönlich habe ich diesen Vogel 
nicht beobachtet. W^ird in die Avifauna Persiens auf Grund 
der Mitteilung Menetris (Cat. raison.), der ihn in den 
Bergen bei Talysch, folglich an der persischen Grenze, 
gefunden hat, eingeführt. 

No. 40. Milvus ater Gm. Sowohl zur Brut-, als auch zur Zug- 
zeit begegnete ich Milanen mit schwacher Entwicklung 
der rostfarbenen Tönung auf dem Bauch, aber auch solchen, 
bei denen diese Tönung sehr stark hervortrat. Die Mi- 
lane mit lezterer Eigenheit werden von S. A. Buturliu 
unter der Benennung M. ater rufiventris Burturl. abge- 
sondert. Die Selbständigkeit dieser Form kann ich noch 
nicht anerkennen. 

No. 41. Milvus melanotis Temm. & Schleg. Möglich, dafs ein 
Teil meiner Beobachtungen sich auf Milvus ferghanensis 
Burtl. beziehen wird. Ich möchte nur bemerken, dafs 
alle Exemplare, die ich in den Händen hatte, sich in Nichts 
von örenburger Stücken unterschieden. 

No. 42. Buteo vulpinus Licht. Zwei Exemplare, die ich in dem 
südkaspischen Gebiet erbeutete, besitzen alle Merkmale, 
die der Form B. menetriesi Bogd. eigentümlich sind. 

No. 43. Gennaia hendersoni Hume. Für das zagrossische Gebiet 
auf Grund der Angabe Witherbys (Ibis, 197, p. 76) an- 
geführt; derselbe berichtet über ein bei der Stadt Ker- 
manschach am 27. V. erlegtes Exemplar. 

No. 44. Gennaia lanarius L. Wird von Blanford mit einem Zweifel 
angeführt. Aus dem Verzeichnis der Vögel Persiens von 
mir gestrichen. 

No. 45. ? Falco barbarus L. Nirgends in Persien von mir be- 
obachtet. Von Blanford für das nordwestliche Gebiet an- 
geführt, er fügt aber ein Fragezeichen bei. 

No. 46. Strigiceps cineraceus Mont. In dem parapamisischen, sei- 
stanischen und beludschistanischen, aber auch in den 
östlichen Teilen des chorassanischen und kuhistan-ker- 
manischen Gebiets begegnete ich oft der Form St. cine- 
raceus abduUae Floericke. Bemerken möchte ich, dafs 
in den östlichen Teilen Persiens ich viel öfter, als in den 
westlichen Teilen, Weihen erbeutete. Möglich, dafs in 
diesen letzteren die genannte Form auch keine Seltenheit ist. 

No. 47. Bubo hubo L. In dem zagrossischen Gebiet kommt aufser 
Bubo bubo nikolskii Zar. noch eine grofse Form des Uhus 

Jooin. £. Om. LIX. Jahr«. April 1911. 16 



234 N. Sarudny: 

vor. Den Uhu aus dem beludschistanischen Gebiet, welchen 
ich früher für B. hubo furcomanus Eversm. hielt, bin ich 
geneigt, heute für B. hubo nikolshiü) zu erklären. 

No. 48. Nydea scandiaca L. Anfang III. 1903 erbeutete der 
Beamte des Fischereigewerbes am Kaspischen Meer Herr 
Paul ein Exemplar, dieses für Persien seltenen Vogels, 
in Hadshi-Nefes an der Mündung des Flusses Gurgen. 

No. 49. Pisorhina scops L. Ich behalte diese Benennung nur 
deshalb bei, um anzudeuten, dafs in den mit ihr ver- 
merkten Teilen Persiens Zwergohreulen vorkommen, welche 
man nicht als Fisorhina semenowi Zar. & Härms, P. scops 
pulchella Pall. und P. scops zarudnyi Tschusi ansprechen 
kann. 

No. 50. Alcedo ispida L. Unter diesem Namen bergen sich bei 
mir mehrere Formen des Eisvogels; ich werde dieselben 
in einer ausführlichen Arbeit abhandeln. 

No. 51. Upupa indica Reichb.? Nach meiner Meinung besitzen 
die erbeuteten Exemplare alle charakteristischen Merk- 
male des indischen Wiedehopfs. In keinem Fall können 
sie als zu ü. epops L. oder ü. epops loudoni Tschusi 
gehörig bezeichnet werden. 

No. 52. Cypselus melha L. Möglich, dafs die von mir erlegten 
Exemplare der Form C. melha tuneti Tschusi angehören. 

No. 53. Caprimulgnus unwini Hume. Die seistanischen, aber ins- 
besondere die beludschistanischen Exemplare mufs man, 
wie es mir scheint, zu der von mir in Vorschlag gebrachten 
Form C. europaeus sewereowi Zar. ziehen. 

No. 54. Ammomanes deserii orientalis Zar. & Loud. Das Ver- 
breitungszentrum dieser Form befindet sich, soviel mir 
bis jetzt bekannt ist, im östlichen Buchara. 

No. 55. Pseudalaudula minor Gab. Die von mir gesammelten 
Exemplare stimmen in aller Beziehung mit Stücken aus 
Palästina, die bei Jericho gesammelt sind, überein. Die 
Palästina Vögel habe ich von K. N. Dawydow erhalten. 

No. 56. Melanocorypha calandra psammochroa Hart. Wahrschein- 
lich mit dieser Form wird M. calandra raddei Zar. & 
Loud. zusammenfallen. 

No. 57. Eylaespiaa cia par Hart. Die Stücke aus den westlichen 
und südwestlichen Teilen Persiens bilden in mancher Hin- 
sicht oft einen Übergang zur typischen H. da L. 

No. 58. Cynchramus schoeniclus tschusii Reis. & Almäsy. Auf 
Grund der von mir gemachten Funde vereinige mit dieser 
Form Blanfords „Emberiza intermedia Michahelles" und 
Witherbys (Ibis, 1903, p. 520) „Emberiea palustris Sav." 



^) Zwei Exemplare aus BeludschistaD, und zwar aus dem südlichen 
Teil, wurden von mir nach Tring gesandt; ihr Schicksal ist mir unbekannt. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 235 

No. 59. Carduelis carduelis volgensis Buturl. In das mesopota- 
mische und ihr angrenzende Teile des zagrossischen 
Gebiets auf Grund der Angaben des Herrn Witherby (1. 
c.) eingeführt. 

No. 60. Serinus spec? Irgend eine Art dieser Gattung wurde von 
mir in dem zagrossischen Gebiet (Dorf Sarchun, 8. IV. 
1904) erbeutet. 

No. 61. Fasser modbUicus mesopotamicus Zar. In die erste Be- 
schreibung dieser Form (Ornithol. Jahrb., 1904, p. 108) 
schlich sich, infolge schlechter Übersetzung aus dem 
Russischen ins Deutsche, eine so grofse Ungenauigkeit, 
wie der Hinweis auf das Fehlen der olivenfarben-grün- 
lichen Färbung bei ihr, welche Färbung einigen Teilen 
der Oberseite der Männchen des P. moabiticus yatii Sharpe 
eigen ist, ein. In Wirklichkeit ist diese Färbung vor- 
handen, wenn auch in geringerem Grade als bei P. moab. 
yatii. Der mesopotamische Sperling steht sehr nahe dem 
typischen i*. moabiticus und unterscheidet sich von diesem 
auch durch bedeutendere Gröfse. Nach Hartert ^) ist die 
Flügellänge der Männchen der typischen Form = 61 — 62 
mm. Bei meinen Vögeln ist diese Länge = 62—66,3 mm. 

No. 62. 1 Floceus bengalensis L. „In der Örtlichkeit Lekuball 
(Süd-Beludschistan) fand ich mehrere alte zerzauste Nester 
eines Webervogels. Dieselben waren an die Äste der 
Akazienbäume, die um einen Teich standen, befestigt und 
hingen über dem Wasser. Sie hatten eine kegelförmige 
FaQon und waren mit langen Eingangsröhren versehen. 
In zwei Nestern fand ich einige Federchen von schwarzer, 
brauner und gelber Farbe. Da F. bengalensis von allen 
indischen Webervögeln am weitesten nach Westen geht, 
so meine ich, dafs ich die Nestergerade dieses Vogels fand." 
(Auszug aus dem Manuskript des ornithologischen Teils 
der Reise 1900—1901. 

No. 63. Anthus pratensis L. Als Sommervogel für das zagrossische 
Gebiet nach der Angabe Blanfords (Fast. Persia), welcher 
ein von St. John im Juni bei Schiras erbeutetes Exem- 
plar anführt, angenommen. Ich denke, dafs dieser Fund 
sich auf einen zufällig zum Sommer verbliebenen Vogel 
beziehen wird. 

No. 64. Motacilla alba orientalis Zar. & Loud. Die Beschreibung 
von M. dukhunensis Sykes ist im Original so unbestimmt 
gehalten, dafs es noch nicht bekannt ist, welche Bach- 
stelze man unter diesem Namen zu verstehen hat. Des- 
enthalte ich mich, M. alba orientalis mit M. dukhunensis 
zu vereinigen. 



^) Vögel d. paläarkt. Fauna, I, p. 155. 

16* 



236 N. Sarudny: 

No. 65. Budytes melanocephalus Licht. Die seistanischen und 
parapamisischen Vögel sind nicht vollkommen typisch, aber 
stehen den typischen näher als B. melanogriseus. 

No. 66. Budytes raddei Härms. Zu dieser Art ziehe ich das von 
Karelin am 8. IV. 1854 bei Gurjew erlegte, und von Th. 
U. Pleske (Mem. Acad. Imp. Sc. de St.-Petersb. T. XXXV, 
No. 5, Artikel : „Beschreibung einiger Vogelbastarde") als 
Bastard zwischen B. flava und B. melanocephalus be- 
schriebene Exemplar. 

No. G7. Troylodytes parvulus Koch. Die Bestimmung der Form 
halte ich für vollkommen richtig. 

No. 68. Periparus phaeonotus Blanf. Blauford kannte diese Meise 
aus den kaspischen Provinzen Persiens nicht. Die Exem- 
plare, die diesem Forscher als Originale zur Beschreibung 
dienten, waren von St. John in den Eichenwäldern west- 
lich von der Stadt Schiras im Juni in einer Höhe von 
7000 Fufs erlegt. Das von mir in den Eichenwäldern 
des Ortes Gamdalkal (in demselben zagrossischen Gebiet) 
erlegte Exemplar mufs folgerichtig die typische phae- 
onotus darstellen. Die Stücke aus dem südkaspischen 
Gebiet sind im Vergleich mit ihm durchaus nicht typisch : 
sie unterscheiden sich durch bedeutend geringeres Quan- 
tum der bräunlichen Färbung auf dem Bauch und den 
Brustseiten, aber auch durch merklich blassere Rücken- 
färbung. Deshalb denke ich, dafs eine Vereinigung der 
kaspischen Tannenmeisen mit den zagrossischen nicht 
richtig ist und man sie als gesonderte Form abtrennen 
mufs; ich schlage ihr den Namen P. phaeonotus gaddi 
subsp. nov. 1) vor. 

No. 69. Farus major karelini Zar. Ersetze durch diese Benennung 
den früher von uns gegebenen Namen Parus major cas- 
pius Zar. & Loud. 

No. 70— 71. Farus major Man fordi Prazak. und F. major zagros- 
siensis Zar. & Loud. E. Hartert schreibt in „Miscell. 
Ornith.n" (Novit. Zool. XII,1905, p. 498): P. major zagros- 
siensis Zar. & Loud. ist ein reines Synonym von blanfordi^^ . 
In dieser Veranlassung schreibt Herr V. Ritter von Tschusi 
(Ornithol. Jahrb , 1906, p. 27): „Dies trifft nicht zu: 
zagrossiensis ist nach meinem von Sarudny herrührenden 
Exemplar eine sehr gut unterscheidbare Form, die mit 
blanfordi nie zu verwechseln sein kann." 

No. 72. Farus major jitnikowi Zar. Wird in einer der ersten 
Nummern des Journals „Nascha Ochota" pro 1910 be- 
schrieben. 



1) Benannt nach meinem Reisegefährten während der Reise 1903 — 
1904 Herrn G. Gadd. 



Verzeichnis der Vögel Persiens: 237 

No. 73. Anthoscopus pendulinus stoUcekae Hume. Überall seltener 
als A. pendulinus jaxartensis Suschk. anzutreffen. 

No. 74. Corvus cornix L. Die Standvögel des südkaspischen Gebiets 
kann ich von solchen aus Pskow, Poltawa und Moskau 
nicht unterscheiden. 

No. 75. Tympanocorax frugüegus L. Von mir für das zagros- 
sische Gebiet auf Grund der Angaben von H. F. Witherby 
(Ibis, 1907, p. 105) als Brutvogel angeführt. Derselbe 
berichtet von einem Exemplar, das bei Feridan am 10. 
Mai (neuen Stils) erlegt wurde. 

No. 76. Sturnus vulgaris L. Blanford (East. Persia) erwähnt eines 
Stücks, welches bei Gwader, also in meinem Gebiet VIII, 
erlegt wurde. Ich führe den genannten Vogel für dieses 
Gebiet nicht an, da Blanford viele Formen des schwarzen 
Stars nicht unterschied. 

No. 77. Eedyniela atricapilla L. Hinweise über das Vorkommen 
dieser Art in den Gebieten VIII und IX findet sich bei 
Dr. Sharpe (Ibis, 1886, p. 494 u. 1891, p. 110) und H. 
F. Witherby (Ibis, 1907, p. 81). 

No. 78. Muscicapa striata Pall. Das Nisten dieser Form in dem 
nordwestlichen und südkaspischen Gebiet halte ich für 
wahrscheinlicher, als das Nisten von M. striata sibirica 
Neum. 

No. 79. OtomelaphoenicuroidesvariaZdiV. S. A.Buturlin („Nascha 
Ochota", 1908, X) ändert diesen Namen in Lantus zarud- 
nyi Buturl. um, dieses damit motivierend, dafs Lanius 
varius schon längst in der zoologischen Nomenklatur 
existiert. Aber Gmelin (Syst. Nat. I, 1788, p. 301) ge- 
braucht den Namen L. varius, aber nicht „varia^'' und 
zudem für einen Würger, den ich einer anderen Gattung 
zuzähle. 

No. 80. Enneoctonus collurio fuscatus Zar. S. A. Buturlin („Psow 
i. Rush. Ochota" 1906, V) tauscht diesen Namen gegen 
Lanius kobylini Buturl. um, mitteilend, dafs dieser Name 
schon früher für einen Würger vergeben wurde. Aber 
dieser letztere {Lanius fuscatus Less.), zusammen mit 
anderen Verwandten, gehört zu der ganz anderen Gattung 
Caudolanius (Bianchi). 

No. 81. Collurio spec? Mir nach einem jungen Exemplar bekannt; 
dieses kann ich zu keiner mir bekannten Art ziehen. 

No. 82.? Lanius assimilis Brehm. Die W^ürger, welche ich mit 
diesem Namen bezeichne, sind nicht identisch mit L. 
pallidirostris Cass.^), weshalb ich ihnen zeitweilig und 
mit Zweifel die erwähnte Bezeichnung belasse. 

No. 83. Cettia cetii semenowi Zar. & Loud. Dr. Hartert (l. c.) 
vereinigt diese Form mit C. cetti cettioides Hume. Jedoch, 



1) E. Hartert (1. c.) vereinigt L. assimilis mit L. pallidirostris. 



2S8 N. Sarudny: 

bei bedeutend blasserer Färbung als bei der letzteren, 
weisen auch die Mafse keine so bedeutende Gröfse auf, 
sondern sind noch geringer als bei der typischen Cettia 
cetti Marm. 

No. 84. Acrocephalus strepera macronyx Sev. Mit Bedenken ziehe 
ich hierher die Vögel aus ßeludschistan und einige aus 
dem zagrossischen Gebiet. Im Vergleich mit Exemplaren 
aus den westlichen Teilen Persiens, aber auch aus Tur- 
kestan, unterscheiden sie sich durch stumpferen Flügel 
(5 > 2 > 6> und merklich gröfseren Schnabel. Möglich, 
dafs die beludschistanischen und die aus dem östlichen 
Zagrofs stammenden Stücke eine besondere Form darstellen. 
Ihr kann man den Namen Acrocephalus strepera hlan- 
/or<?isubsp. nov. geben, zu Ehren Blanfords, der zuerst auf 
die Eigentümlichkeiten der Rohrsänger der genannten 
Gegenden aufmerksam machte. (Nach Blanford ist bei 
den schiraser und beludschistanischen Exemplaren die 
2. Schwinge entschieden kürzer als die 4., aber bei 
einem bampurschen kürzer als die 5.). 

No. 85. Acrocephalus palustris Bechst. Für das zagrossische Ge- 
biet führe ich ihn als zweifelhaften Brutvogel, mich auf 
die, für den Frühlingszug sehr späten, von Witherby 
(Ibis, 1903) gemachten Funde stützend, an. 

No. 86. Acrocephalus dumetorum affinis Zar. Exemplare mit 
besonders stumpfen Flügeln fand ich nur in dem parapa- 
misischen Gebiet. Es sind meine A. dumetorum turanica 
Zar. 

No. 87. Eippolais opaca Gab. Die von mit erbeuteten Stücke 
unterscheiden sich in keiner Hinsicht von „opaca*^ aus Tunis. 

No. 88. Sylvia hortensis Gm. Das von mir am 15. V. 1904 in 
Ghilan erlegte Exemplar unterscheidet sich in Nichts von 
westeuropäischen Stücken. 

No. 89. Sylvia momus semenowi Zar. Bestehe auf der Selbst- 
ständigkeit dieser Form. 

No. 90. Sylvia spec? Diese Grasmücke kann ich mit keiner mir 
bekannten Art deuten. 

No. 91. Agrobatesfamiliaris Meuetr. Ich kann die von S. A.Buturlin 
aufgestellte -4. familiaris transcaspica Buturl. (= A. famili- 
aris deserticola Buturl.) nicht unterscheiden: zur Brutzeit 
trifft man in Transkaspien, Buchara und Turkestan die 
helle Form gemeinsam mit der dunklen an. Durch starken 
rötlichen Ton des kleinen Gefieders der Oberseite, viel 
röteren, als man bei den rötlichen Individuen von A. 
familiaris aus den vorher genannten Gegenden antreffen 
kann, unterscheiden sich die ansässigen Vögel aus dem 
mesopotamischen, zagrossischen und beludschistanischen 
Gebiet. Ich benenne diese Vögel gemeinsam mit M. Härms: 
Agrobates familiaris persica susbp. nov. 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 289 

No. 92. Begulus regulus hyrcanus Zar. Soll in einem der Hefte 
des Journals „Nascha Ochota" beschrieben werden. 

No. 93. Turdus torquata L. In einem Square der Stadt Krass- 
nowodsk, am östlichen Ufer des Kaspischen Meers, be- 
obachteten ich und Herr M. Härms am 27. IX. 1900 ein 
Exemplar der Ringdrossel, welches sofort durch die geringe 
Ausdehnung der weifsen Farbe auf den Flügeln die Auf- 
merksamkeit auf sich lenkte. Es ruhte sich offenbar nach 
einem langen Fluge aus und war so ermattet, dafs es uns 
auf fünf Schritte ankommen liefs; hierbei konnte es in 
allen Details mit einer starken Lorgnette studiert werden. 
Wir bestimmten dasselbe als Turdus torquata L. Ein 
Balg dieser Art wurde mir aus der Fischereistatiou an 
der Mündung des Gurgen zugestellt, erlegt war der Vogel 
im Dezember 1907. Diese Funde bestätigen das Vor- 
kommen der Ringdrossel irgendwo im Ural-Gebirge. Prof. 
Menzbier (Vögel Rufslands, p. 1059) zweifelt am Vor- 
kommen der Ringdrossel im Ural und sagt, dafs die von 
mir bei Orenburg erbeuteten Exemplare nicht richtig 
bestimmt waren, eine Annahme, welcher ich nicht zu- 
stimmen kann. 

No. 94. Oreocincla varia Fall. Von mir nicht beobachtet. Blan- 
ford (Fast Persia) führt mit Zweifel diesen Vogel in die 
Avifauna Persiens, sich auf die Angaben St. Johns stützend, 
der diesen Vogel bei Teheran beobachtet haben will, ein. 

No. 95. Cyanecula leucocyana Ch. L. Brehm. Bin der Meinung, 
dafs dieser Vogel im zagrossischen Gebiet nicht nistet, 
sondern die Form C. leucocyana magna Zar. & Loud. 
seine Stelle vertritt. 

No. 96. Saxicola finschii turanica Zar. Kommt im nordöstlichen 
Persien viel häufiger, als im südwestlichen vor, hier ist 
diese Form zur Nistzeit noch nicht gefunden. 

No. 97. Saxicola lugens Licht. Seltener Zugvogel. Von mir 
gefunden im Jahr 1904: 8. III. beim Dorf Sia-Manssur 
und 12. III. bei der Stadt Disful. 

No. 98. Saxicola leucopyga Brehm. Bekannt mir nach einem, 
am 26. IL 1904 bei der Stadt Achwas in den Hügeln 
des Dschebel-Tnüe erbeuteten Exemplar. 

No. 99. Saxicola xanthoprymna cummingi Whitaker. Dieser, bis 
jetzt beinahe nur in einem Stück bekannte Steinschmätzer 
ist auf dem Frühjahrszuge in den Hügeln des Dschebel- 
Tnüe gemein. Nach Aussage der arabischen Jäger und 
Hirten nistet er ebendaselbst wo auch S. xanthoprymna 
Ehrbg.; d. h. in den öden Bergen, welche von der Ost- 
seite die Ebene, die sich an den unteren Lauf des Karun 
anschliefst, umsäumen. Nach Aussage derselben Leute 
kommt er zuweilen mit S. xanthoprymna in einem Paar vor. 



240 N. Sarudny: 

No. 100. Podiceps minor Briss. Nistet in dem südkaspischen 
Gebiet. 

No. 101. Colymhus ar oticus L. 

No. 102. Colymbus septentrionalis L. Einige Häute dieser Vögel 
sah ich im Jahr 1903 in den Handlungen des Dorfs 
Bender-i-Gijas. Nach Aussage der Händler waren die- 
selben von Turkmenen auf dem Kaspischen Meer, in der 
Nähe der Mündung des Gurgen, erbeutet. 

No. 103. Sterna tibetana Saund. In dem seistanischen Gebiet 
brütet nicht die typische St. fluviatilis, sondern diese 
Form (wenigstens nach den von mir aufbewahrten 
Exemplaren zu urteilen). St. tibetana wird man auf dem 
Zuge an vielen Orten des östlichen Persiens antreffen, 
aber seiner Zeit unterschied ich sie von der typischen 
Form nicht. 

No. 104. Grus spec? (an leucauchen T^mml). Nach den Worten 
K. A. Satunins (Muter. z. Kennt, d. Vögel des Kaukasus- 
Gebiets) zu urteilen mufs man diesen Kranich auf dem 
Zuge in dem nordwestlichen Gebiet antreffen. 

No. 105. Monticola cyanus transcaspicus Hart. Offenbar dem 
chorassanischen Gebiet eigen. Werde von ihr in einer 
ausführlichen Abhandlung über die Vögel Persiens 
sprechen. 

No. 106. Forphyrio poliocephalus veterum S. Gml. Die Sultans- 
hühner aus Seistan unterscheiden sich von den kaspischen 
durch die blasse Färbung aller Körperteile und müssen 
als abgesonderte Form betrachtet werden. Ich benenne 
zusammen mit M. Härms diese Form: 
Porjyhyrio poliocephalus seistanicus subsp nov. 



Ergänzung IL 
Gecinus viridis bampurensis Zar. 

Die Beschreibung dieser originellen Form des Grünspechts 
ist von mir in eine Abhandlung über die Vögel Persiens, die ich 
schon vor mehreren Jahren zum Abdruck übergab, untergebracht. 
Aber bis jetzt ist diese Abhandlung noch nicht erschienen. Deshalb 
benutze ich nun die Gelegenheit, um eine vorläufige Beschreibung 
des genannten Spechts zu geben. 

Im allgemeinen ähnelt er dem Gecinus viridis innominatus 
Zar. & Loud., aber unterscheidet sich momentan, sowohl von 
ihm, als auch der typischen Form, durch die sehr scharfe und 
ausgeprägte helle Querstreifung der Steuer-, aber auch der 
Schwungfedern dritter Ordnung und aller Sekundärschwingen. 
Diese Streifung ist beinahe eine ebensolche wie bei Gecinus 
flavirostris Zar. — Die bräunlichen Querflecke auf dem Bauch 
sind viel deutlicher als bei G. viridis und G. viridis innominatus 



Verzeichnis der Vögel Persiens. 241 

und erstrecken sich deutlich auf den ganzen unteren 
TeilderBrust. Diese Fleckung gibt den genannten Teilen des 
Körpers ein schuppenförmiges Aussehen, wenn auch nicht ein so 
scharf ausgeprägtes wie bei Gecinus flavirostris, weil eine jede 
dunkele Fleckung (Streifchen) nicht so weit, wie bei dem letzteren, 
zur Federbasis hinaufgeht. 

Der Schnabel ist schmäler als bei G. innominaius (bei ein 
und derselben Länge), besonders an der Spitze. Sein Endviertel 
ist deutlich gelblich. Eine ausführlichere Beschreibung später; 
hier möchte ich noch bemerken, dafs die Rede von zwei alten 
Männchen ist. 

Bewohnt die Pappelhaine des Beckens des Flusses Bampur 
in Beludschistan. 



Drei Beiträge zu der Frage nach der Entwickelnng 

biologischer Phänomene unseres Vogellehens. 

Von Franz Gröbbels, Sigmaringen. 

1. 

Eine Theorie über die Entwiokelung der 

instrumentalen Aeusserungen unserer Spechte. 

Unter den Vertretern unserer einheimischen Vogelwelt haben 
wir nur wenige Instrumentalisten. Scheint bei Ciconia alba, 
unserem weifsen Storch, das Klappern überhaupt jede eigentlich 
vokale Äufserung zu ersetzen, sodafs nach A. Brehm dieser 
Vogel durch Klappern die verschiedensten seelischen Zustände 
ausdrücken kann, so gibt uns die bekannte vielerörterte 
Schnepfenart Gallinago gallinago biologisch ein anderes Bild. 
Hier finden wir vokale und instrumentale Elemente nebeneinander; 
wenn auch noch keineswegs das Problem gelöst ist, wie sich 
speziell die vokalen Äufserungen dieser Art auf die Geschlechter 
verteilen, wie ferner diese Verteilung genetisch gerechtfertigt 
scheint. Eine andere grofse und bekannte Gruppe, die eigentlichen 
Spechte, bieten ähnliche Verhältnisse. Sie liegen als längstbe- 
kannte Tatsachen vor, aber nicht, wie ich glaube, als biologisch 
begründete Phänomene. Wie aber die instrumentalen Laute unserer 
Spechte auch psychobiologisch erklärbar sind, dies zu untersuchen, 
soll unsere Aufgabe sein. 

Wenn wir das Leben unserer Spechte betrachten, so wird 
uns auffallen, dafs nicht bei allen Arten das instrumentale Element 
regelmäfsig auftritt, dafs nicht alle Arten eigentlich „trommeln", 
„schnurren", „hämmern". Ist bei Bryocopus martius, Dendrocopus 
maior, medius, minor das „Trommeln" Regel, so dafs auch alle 
Beobachtungen hierin übereinstimmen, so begegnen wir bei den 
nahe verwandten Arten Picus viridis und canus etwas anderen 
Verhältnissen. Von unserem Grauspecht sagt Friedrich Naumann: 



242 Franz Gröbbels: 

„Auch das Männchen schnurrt, aber kürzer als andere Spechte. 
Dies Schnurren läfst er ebenfalls nur in der Fortpflanzungszeit, 
und solange das Weibchen brütet, hören." i) Noch weiter von 
der Norm entfernt sich die für unsere Beobachtung wichtigste 
Art Picus viridis. Von ihr sagt Naumann: ,,Der Grünspecht kann 
zwar auch schnell und geschickt Löcher in die Rinde und in 
das morsche Holz der Bäume meifseln, tut es aber weit weniger 
als andere Spechte, weshalb man ihn viel seltener pochen hört. 
Dies ist wahrscheinlich auch Ursache, warum er nicht auf das 
nachgeahmte Pochen hört und sich damit nicht anlocken läfst. 
Sein Paarungsruf scheint bei ihm das Schnurren zu vertreten'*, ^j 
Es sind nun aber in der ornithologischen Literatur Fälle bekannt, 
wo der Grünspecht doch „trommelte", wenn auch viel schlechter als 
die ihm verwandten Arten. Ich erwähne nur die Beobachtungen von 
Bechstein^) und Helm.*) Solche Ausnahmen von der Regel sind 
nicht blofs biologisch interessant, sie sind für das psychologische 
Verständnis der instrumentalen Äufserung auch von höchster 
Bedeutung. Ehe wir aber an diese unsere eigentliche Untersuchung 
herantreten, müssen wir noch einige andere, nicht minder wichtige 
Tatsachen in Betracht ziehen. Es ist bekannt, dafs nur die männ- 
liche Bekassine meckert. Und so verteilt sich das instrumentale 
Element bei den Spechten nur auf die Männchen. Darin stimmen 
alle Beobachtungen überein. 

Es wird sich nun unsere Fragestellung nach dem bisher- 
gesagten, wie folgt, formulieren lassen. 

L Warum trommeln bei unseren Spechten nur 
die Männchen? 

2. Warum ist das Trommeln, soweit wir es nach 
dem heutigen Stande der Tatsachen beobachten, 
nicht bei allen Arten die Regel? 

Wir müssen alle Tatsachen des Vogellebens entwicklungs- 
geschichtlich erklären, wir können und dürfen nicht anders. 
Haben wir also, so fragen wir uns, eine Entwicklungstendenz, 
die uns eine Beschränkung des Instrumentalen auf das männliche 
Geschlecht erklärbar machte, haben wir ferner irgendwelche 
Anhaltspunkte, welche uns die Genese des Trommeins bei einigen 
Spechtarten irgendwie zum Verständnis brächte? Ich glaube, ja. 
In einer seiner letzten Arbeiten hat Fritz Braun diesbezüglich 
einen Gedanken ausgesprochen, den auch ich, unabhängig von 



1) Siehe Naturgeschichte der Vögel Deutschlands von Johann 
Friedrich Naumann. Fünfter Teil. Leipzig 1826. p. 294 ff. 

2) Siehe Ebenda p. 277 ff. 

3) Siehe seine Gemeinnützige Naturgeschichte der Vögel Deutschlands 
Leipzig 1795. I. 

*) Helm, Trommelt der Grünspecht wirklich nicht? Journal für 
Ornithologie XLI. Jahrgang 1893 Heft IL Weitere Angaben finden sich 
im neuen Naumann. 



Entwickelung biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 243 

ihm, fafste, ja fassen mufste, als ich mir das Leben unserer 
Spechte einmal wieder vergegenwärtigte. Braun sagt nämlich: 
„Der trommelnde Specht stellt eine für den Nahrungserwerb ent- 
wickelte Fähigkeit in den Dienst des Geschlechtslebens." i) Diese 
kurze Andeutung scheint mir das richtige zu treffen. Greifen 
wir noch einmal zurück in das Reich der reinen Tatsachen und 
untersuchen wir kurz die Nahrungsverhältnisse unserer Spechte. 
Und da lassen sich natürlich zwei Gruppen unterscheiden. Während 
die Schwarz- und Buntspechte eigentliche Baumvögel sind, die 
ihre Nahrung, z. B. Borken- und Fichtenkäfer, unter der Baum- 
rinde hervorholen, möchte man die Grün- und Grauspechte viel 
mehr für Erdvögel halten. Dies hängt natürlich mit der Nahrung 
zusammen. Ameisen, Larven, "Würmer u. a. m. Was können 
wir aus diesen Tatsachen für unsere Untersuchungen für Schlüsse 
ziehen? In biologisch-psychologischer Beziehung wird ein solch 
eigenartiger Gebrauch des Schnabels, eine solch eigenartige Be- 
wegung, wie sie das Aufhämmern der Rinde, das Aufhacken von 
Haselnüssen mit sich bringt, einen Einflufs auf das Instinktive 
der betreffenden Vogelart ausgeübt haben. Ist es nicht sehr 
wahrscheinlich, dafs das Trommeln, wenn es nun einmal vor- 
handen ist, mit der bei Nahrungssuche ausgeführten „hackenden" 
Bewegung genetisch in Beziehung zu bringen ist? Es scheint 
mir nichts diese Tatsache natürlicher zu erklären, eine Ursache 
mufs immer vorhanden sein, diese Ursache liegt immer in der 
Entwicklung. Im Laufe einer Zeit, dessen genauere Abgrenzung 
wohl unmöglich, aber auch unnötig ist, wird sich aus den ein- 
fachen Hackbewegungen dieser nahrungsuchenden Spechtart durch 
Summation solcher schnelleren Bewegungen das „Trommeln" ent- 
wickelt haben. Und wenn wir nun die Frage aufwerfen, warum 
und ob nur bei den Männchen, so müssen wir zugleich das ganze 
Problem der sexuellen Auslese und der natürlichen Zuchtwahl 
anschneiden. Ein höchst wichtiges Problem, das uns auch die 
scheinbar rätselhafte Verteilung des instrumentalen Elementes 
erklären kann. Wir wissen, dafs Darwin neben der natürlichen 
Auslese die sexuelle annahm und gerade inbezug auf das in- 
stinktivere Geschehen im Tierleben in weitestem Sinne gelten liefs. 
Romanes hielt an seinen Anschauungen fest, selbst Weismann 
läfst eine sexuelle Auslese zu Recht bestehen. Aber schon der 
grofse englische Forscher Wallace, Darwins Zeitgenosse, äufserte 
seinen Zweifel über die geschlechtliche Zuchtwahl als entwick- 
lungsgeschichtlichen Faktor. Und heute ist diese Anschauung 
nicht nur von den meisten verlassen worden, ja, sie hat sich 
direkt als falsch erwiesen. Wie werden wir in bezug auf unsere 
Frage dieser Anschauung gegenüberstehen? Es liefse sich im 
Sinne Darwins und seiner Schule wohl mit Recht folgendes an- 



1) Siehe Braun, Bemerkungen über den Gesang der Vögel. Ge- 
fiederte Welt. Sieben unddreilsigster Jahrgang 1908 p. 21. 



244 Franz Gröbbels: 

nehmen : Eine Spechtart, sowohl Männchen wie Weibchen, kommt 
im Laufe der Entwicklung dazu, ihren Schnabel genau wie heut- 
zutage in den Dienst des Nahrungstriebes zu stellen d. h. den 
Schnabel gewissermafsen als Meifsel zu gebrauchen. Bei dem 
Pochen und Hacken entsteht aber ein Geräusch, welches nicht 
regelmäfsig, auch nicht oft wiederholt werden braucht. Es bildet 
sich mit der Zeit in dem Weibchen der Trieb, auf dieses Ge- 
räusch herbeizukommen, — wie es A. Brehm als Tatsache bei 
unserem Schwarzspecht erwähnt — , damit gewinnt aber das 
„Pochen" sexuelle Bedeutung. Es ist wohl anzunehmen, dafs 
die verschiedenen Männchen je nach der Nahrungssuche verschieden 
stark, verschieden schnell pochen. Die herbeikommenden Weib- 
chen werden die am „besten pochenden" Männchen bei der Aus- 
lese bevorzugen oder besser gesagt, das am stärksten und an- 
haltendsten pochende Männchen zieht am leichtesten ein Weib- 
chen herbei. In dem Augenblick aber, wo das Weibchen auf 
das Geräusch des Männchens herbeikommt, ist das instrumentale 
Geräusch als biologischer Faktor fixiert, es wird sich 
unabhängig vom Nahrungstrieb, also aus ganz anderen, aus 
sexuellen Ursachen äufsern, und so der geschlechtlichen Zucht- 
wahl anheimgegeben. Seine Nahrung sucht der Vogel aber 
nach wie vor, er pocht und hämmert dabei, wo es zur Erreichung 
eines Käfers u. s. w. nötig ist, nebenher „trommelt" er, d. h. 
hackt vielmal hintereinander auf das blofse Holz, wenn natürliche 
Umstände ihn dazu veranlassen. Aus diesem Entwicklungsgang, 
wie man ihn sich nach Darwin vorstellen müfste, wird es uns 
auch leicht klar werden, warum nur die Männchen trommeln. 
Wohl sucht das Weibchen seine Nahrung genau wie das Männ- 
chen, es pocht und hackt dabei unter Umständen genau wie dieses. 
Aber, wollen wir die sexuelle Auslese als Erklärung für dieses 
Phänomen wählen, so können wir nicht eine Ursache finden, welche 
etwa das „Trommeln" bei den Weibchen erklärlich machte. Das 
Weibchen kommt auf das Geräusch des Männchens herbei, nicht 
umgekehrt; das Weibchen wiederum ist es, das sich dem best- 
trommelnden Männchen zugesellt und damit für die Weiter- 
vererbung der bereits vorhandenen „Trommel"anlagen sorgt. Kurz, 
das Weibchen ist bei solcher Auffassung der aktive Teil, das 
Männchen wählt sich in diesem Sinne nicht das Weibchen, es 
sind somit keine Bedingungen für die Entstehung _ und Ausge- 
staltung des Trommeins bei letzterem vorhanden. Übrigens kann 
uns auch diese Tatsache keineswegs wunder nehmen; denn bei 
den Singvögeln, deren Gesang sich der Darwinismus in ähnlicher 
Weise entstanden denkt, singen in der Regel doch nur die 
Männchen. Wir haben eine Erklärung unseres Problems zu geben 
versucht, wie sie sich uns darbietet, wenn wir an der Tatsache 
der geschlechtlichen Zuchtwahl festhalten. 

Es ist ja bekannt, dafs Darwin die vokalen Äufserungen des 
Vogels genetisch aus der sexuellen Auslese abzuleiten suchte, 



EntwicteluDg biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 245 

sagt er doch: Die süfsen Töne, die manche männlichen Vögel zur 
Zeit des Paarungstriebs erschallen lassen, werden sicherlich von 
den Weibchen bewundert. i) Und der Neodarwinianer Weismann 
zieht daraus die volle Konsequenz, wenn er sich folgendermafsen 
äufsert: ,,Beim Vogelgesang sind es wieder nur die Männchen, welche 
eigentlich singen, und da auch hier der Gesang für die Existenz 
der Art nicht vorteilhaft ist, vielmehr eher nachteilig, da er die 
Tierchen ihren Feinden auf weithin verrät, so kann seine Entstehung 
nicht durch Naturzüchtung erklärt werden. Sehr wohl dagegen 
durch den Vorgang der sexuellen Selektion. Wenn stets diejenigen 
Männchen von den Weibchen bevorzugt wurden, welche am 
schönsten sangen, so können wir gut begreifen, wie sich aus dem 
ursprünglichen einfachen Gepiepse im Laufe der Generationen 
ein Gesangmotiv herausbildete, und wie dieses in einzelnen Arten 
sich allmählig verwickelter gestaltete, sich steigerte und schliefs- 
lich sich zu dem auch uns schön erscheinenden Gesang des 
Hänflings, der Amsel und Nachtigallen entwickelte." ^^ Wenn wir 
uns die Entstehung der instrumentalen oder vokalen Äufserungen 
so denken dürften, wären tatsächlich keinerlei Schwierigkeiten 
zu überwinden. Nun ist die Unrichtigkeit eine solcher Theorie, 
überhaupt der sexuellen Selektion gerade neuerdings wieder 
betont worden, so z. B. von Groos. Und auf Grund unserer 
Beobachtungen müssen wir als Tatsache betonen, dafs nicht der 
geringste Anhaltspunkt für ihre Richtigkeit vorhanden ist, dafs 
abgesehen davon das Tier, also auch der Vogel, keinen Schönheits- 
sinn besitzt; denn was ein solcher zu sein scheint, läfst sich bei 
kritischer Analyse immer als ein niederes psychisches Element 
ansprechen. Darwin scheint auch dieses Zweifelhafte seiner 
Theorie erkannt zu haben, wenn er sagt: „Oft ist es schwierig 
zu unterscheiden, ob die vielen seltsamen Schreie und Töne, 
welche die Vogelmännchen während der Brutzeit ausstofsen, als 
Anziehungsmittel oder nur als blofser Ruf nach dem Weibchen 
gelten sollen." 3) Wir werden uns also wohl nach einer anderen 
Erklärungsweise umsehen müssen. Und da scheint mir folgendes 
das wahrscheinlichste zu sein. Braun sagt einmal: „Es liegt nahe, 
dafs der Gesang weniger dem Weibchen, als den artgleichen 
Männchen gilt, dafs sein Zweck nicht so sehr die geschlechtliche 
als die natürliche Auslese sein dürfte."*) Wenn ich auch nun 
keineswegs den Gesang mit Braun allgemein als „Kampfruf an- 
sprechen möchte, so stimme ich ihm doch im letzten Punkte 
vollständig bei, ja, ich möchte noch weiter gehen und behaupten 



^) Siehe „Die Abstammung des Menschen" I. p. 138, bei Reklam. 

2) Siehe Weismann, Gedanken über Musik bei Tieren und beim 
Menschen. Deutsche Rundschau Band LXI. Berlin 1889. p. 50 ff. 

3) Siehe Ebd. II. p. 64. 

*) Siehe Braun, Der Gesang der Vögel, Gefiederte Welt, Zweiund- 
dreifsigster Jahrgang 1903 p. 18. 



246 Franz Gröbbels: 

„Eine geschlechtliche Auslese im Sinne Darwins gibt es im Vogel- 
leben überhaupt nicht. 

Gehen wir nun bei unserer Erklärung wiederum vom Klopfen 
des nahrungsuchenden Spechtes aus. Die dabei ausgeführte 
Körperbewegung, das je nach den Umständen durch das Auf- 
schlagen hervorgebrachte Geräusch sei da, natürlich bei beiden 
Geschlechtern. Es handelt sich also hier nicht mehr um die 
Erklärung der Vererbung und Ausgestaltung von Eigenschaften, 
welche ein Individuum im Laufe seines Lebens erst erworben hätte, 
und die nach unserer neuesten Anschauung nicht vererbt werden.*) 
Wir haben es hier vielmehr mit einem als bereits vorhanden an- 
genommenem Bewegungsgeräusch zu tun, das bei Entfaltung des 
Selbsterhaltungstriebes in Erscheinung tritt. Wir dürfen wohl 
mit Recht annehmen, dafs die hervorgebrachten Geräusche je 
nach der Anlage variieren, dafs sie im Laufe der Generationen 
wechseln. Aber sie würden nie zum „Trommeln" geworden sein, 
hätten sie nicht eine bestimmte Bedeutung erlaugt, eine Bedeutung, 
derentwegen sie sich erst entwickeln konnten. Es mögen hier 
mehrere Ursachen gleichzeitig mitgewirkt haben. Einmal werden 
die Vögel, welche, vielleicht manchmal spielerisch, selbst kleinere 
Geräuschvariationen hervorbrachten, die Weibchen schneller her- 
beigezogen haben als andere, also auch schneller zur Paarung 
gekommen sein; d, h. ihr Geräusch war lauter, anhaltender, wurde 
also auch leichter gehört. Vielleicht kamen die Weibchen, die 
sich übrigens sonst wohl passiv verhielten, auf das Geräusch hin 
zuerst aus Neugierde herbei, kamen aber dabei zugleich zur 
Paarung, sodafs ihnen gegenüber die instrumentalen Äufserungen 
des Männchens allmählich einen sexuellen Charakter annahmen. 
Die Ursache allein hätte aber nie zur Herausbildung des Trommeins 
geführt. Wir müssen vielmehr noch folgendes annehmen. Wir 
können heute oft beobachten, dafs auf das Trommeln eines 



*) Wir haben damit die ganze Streitfrage des Lamarekismus nicht 
zu berühren. Dafs auch die Entstehung der bestimmten Form der Nah- 
rungssuche, des Nahrungstriebes und seine Betätigung und zumal die 
so wunderbare Form des Spechtschnabels, der Spechtzunge und der damit 
zusammenhängenden Muskulatur eine Erklärung verlangt, ist selbstver- 
ständlich. Ebenso naheliegend ist es, dafs wir hierbei leicht die Fragen 
der Teleolögie und des Neolamarckismus anschneiden. Ich verweise hier 
auf die interessante Arbeit Leibers „Bau und Funktion der Spechtzunge" 
(Zeitschrift für Entwicklungslehre 1907 Band I). Selber teilt die An- 
schauungen Pauly's, gegen welche sich viel sagen Heise. Immerhin inter- 
essant ist es, dafs er einen Unterschied zwischen Grau- und Grünspecht 
einerseits, Bunt- und Schwarzspecht andererseits auch inbezug auf den 
anatomischen Bau der Spechtzunge konstatierte. Dafs dies irgendwie 
mit der Art der Nahrungssuche in Beziehung steht, scheint mir kaum 
zweifelhaft. Die Erklärung Leibers wird wohl nur von wenigen geteilt 
werden. 



Entwickelung biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 247 

Schwarzspechts nicht nur manchmal das Weibchen herankommt, 
in weit zahlreicheren Fällen wird ein anderes Männchen durch 
Trommeln erwidern und nach einiger Zeit herbeifliegen. Dies deutet 
bereits auf den Entwicklungsgang hin. Derjenige Specht, welcher 
durch gröfsere oder _ kleinere Geräuschvariationen die lautesten 
und bemerkbarsten Äufserungen hervorbrachte, wurde auch am 
schnellsten von den anderen Männchen gehört. Diese kamen 
herbei, es entspann sich ein Herumjagen, ein Kampf um ein be- 
stimmtes Nistgebiet. Und erlagen auch viele der „bessertrommeln- 
den", das Schlufsresultat war doch, dafs von allen Männchen, 
welche sich fortpflanzen wollten, die am „besten trommelnden" 
im Vorteil waren, dafs mehr gut als schlecht trommelnde Spechte 
zur Fortpflanzung kamen, dafs die Männchen, welche aus Mangel 
an Weibchen übrig blieben, fast ausnahmslos zu den leise und 
schlecht trommelnden Individuen gehörten. Dadurch aber, dafs 
also der besser „trommelnde" Specht vor seinesgleichen inbezug 
auf Geschlechtsleben ein prae hatte, ist es wieder erklärlich, dafs 
nur beim Männchen das Pochen bei der Nahrungssuche zum 
„Trommeln" werden konnte. Vielleicht mag auch hier die Nach- 
ahmung des Trommeins der alten Männchen von selten der jungen 
ein in Betracht kommender Faktor gewesen sein. Freilich, dies 
läfst sich schwer bestätigen, leicht behaupten. 

Zum Schlufs meiner Betrachtungen möchte ich noch kurz die 
Tatsache beleuchten, dafs einige Spechtarten wie Ficus canus und 
viridis schlechter oder in der Norm überhaupt nicht trommeln. 
Wenn wir dies factum ebenso wie die anderen vom Standpunkt 
der Deszendenztheorie aus erklären wollen, so bleiben uns nur 
zwei Möglichkeiten. Entweder haben wir es hier mit einer pro- 
gressiven Entwickelung zu tun, dann befinden sich diese Arten 
inbezug auf ihr instrumentales Element erst in einem Über- 
gangsstadium; oder aber, es spricht diese Beobachtung für eine 
regressive Entwickelung, sie bietet einen neuen Belag für das 
grofse Kapitel über den Rückschritt in der Natur. Letzteres 
nun scheint mir in Anbetracht der vorliegenden Verhältnisse 
viel wahrscheinlicher. Der ganze anatomische Bau der Grün- 
und Grauspechte läfst uns keinen Zweifel, dafs wir typische 
Spechte vor uns haben. Hätten wir hier eine Übergangsstufe, 
so wäre nicht einzusehen, warum sich der Fufs und vor allem 
der Schnabel eines Grünspechts so gar nicht von dem eines 
Schwarzspechts unterscheidet. Er ist vielleicht etwas schmäler, 
aber sonst dieselbe Derbheit, dieselbe Form. Kurz, die Grün- 
und Grauspechte müssen ursprünglich ebenfalls typische Baum- 
vögel gewesen sein. Und als sie zu einer Nahrung übergingen, 
die sie sich meist auf der Erde d. h. nicht unter der Baumrinde 
zu suchen haben, blieb ihr anatomischer Bau bestehen; ihre 
instrumentalen Äufserungen aber konnten als anpassungsfähiger 
eine Veränderung erfahren. Je weniger der Vogel das Pochen 
nötig hatte, je mehr er sich der neuen Nahrung anbequemen 



248 Franz Gröbbels: 

mufste, desto mehr verschwand der Trommellaut; es fehlte die 
eigenartige Betätigung des Schnabels bei der Nahrungssuche, 
es fehlte der Anlafs zur Übung und damit die Übung selbst. 
Hie und da freilich mochte der Vogel seinen Schnabel gebrauchen 
wie früher. Es reichte aber nicht hin, um den Trommellaut 
nicht einer Reduktion oder gar einem Verschwinden anheimfallen 
zu lassen. Das erstere ist beim Grauspecht der Fall, das letzere 
sehen wir bei unserem Grünspecht. Wenn nun aber Fälle 
bekannt sind, dafs mancher Grünspecht doch einmal wieder 
„trommelt", so kann uns dies nicht wundernehmen. Ist es doch 
eine ganz bekannte und im Lichte der Entwickelungslehre wohl 
verständliche Tatsache, dafs manches, was ursprünglich eine 
Bedeutung hatte, wieder hervorbrechen kann, plötzlich, ohne 
Regel, zeugend von dem Gang, den der Organismus nehmen 
mufste, untertänig den ewigen ehernen Gesetzen der Natur. Damit 
schliefse ich meine theoretischen Betrachtungen. Mögen sie zum 
weiteren Denken und zu neuen Beobachtungen anregen. 

II. 

Einige Bemerkungen über den Schlag des Edelfinken 

(Fringilla coelebs li.) vom Standpunkt der 

Entwickelungstheorie aus. 

Es ist eine nicht unbegründete Anschauung, dafs sich die 
hohen gesanglichen Äufserungen, wie sie die Biologie unserer 
Singvögel in so vielseitiger Form zeigen, psychobiologisch aus 
dem Lockruf d. h. aus einfachen gesanglichen Elementen entwickelt 
haben. Wir dürfen uns au der Hand ähnlicher Verhältnisse, die 
uns ja bei zahlreichen gesanglich nicht hochentwickelten Ordnungen 
entgegentreten, vorstellen, die lautliche Äufserung in ihrer 
gesteigertsten Form d. h. der Gesang des Singvogels, der Gesang 
im eigentlichen engeren Sinne habe eine lange Zeit gebraucht, 
die verschiedensten, biologisch wechselndsten Verhältnisse durch- 
gemacht, bis er die Höhe erreichte, auf die ihn das Lied der 
Amsel, der Nachtigall führt. Denn jedes biologische Phänomen 
im Vogelleben, und sei es das einfachste, verlangt eineEntwickelung, 
eine Erklärung durch Entwickelung. Inwiefern kann nun aber 
gerade der Lockruf als Ausgangspunkt eines solchen Erkärungs- 
versuches gewählt werden? Der Lockruf enthält alle die Elemente, 
wie sie sich auf einer höheren Stufe der Entwickelung biologisch 
im Gesänge entfalten. Das cT lockt das 9 und umgekehrt und 
hierin ist einmal der sexuelle Charakter der gesanglichen Äufse- 
rungen jeder Art gegeben. Und finden wir nun tatsächlich 
Vogelarten, bei denen der Lockruf noch ganz den eigentlichen 
Gesang vertritt, so möchte man fast den Satz aufstellen: Der 
Lockruf ist von einer seiner biologischen Seiten aus betrachtet 
der Gesang en miniature, der erste psychische Keim späterer 



EntwickeluDg biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 249 

Gesangeselemente. Es wird aber das lockende cT auch d* herbei- 
ziehen. Und damit ist die andere Seite des Gesanges gegeben, 
ich meine die Seite, welche ihn biologisch als „Kampfruf" 
charakterisiert. Und wenn sich heute manche Ornithologen wie 
Fritz Braun u. a. m. nicht darüber einigen können, ob dem 
Gesang nun eigentlich mehr die Rolle eines „Kampfrufs" oder 
mehr die eines „Paarungsrufs" zufalle, so glaube ich, phylogenetisch 
und auch tatsächlich stellt die gesaugliche Äufserung beides zugleich 
dar. Freilich, wenn immer und immer wieder aus Rücksichten 
auf den Darwinismus betont wird, der Gesang der Vögel hänge 
mit dem Gedanken an eine geschlechtliche Zuchtwahl aufs engste 
zusammen, so ist dies als direkt unwahr, als unbegründet zu 
bezeichnen. Wird damit aber der sexuelle Charakter des Vogel- 
gesanges geläugnet oder gar beseitigt? Keineswegs. Er bleibt in 
gewissem Sinn als Tatsache bestehen. 

Betrachten wir den Gesang vom Standpunkt der Tier- 
psychologie aus, so wird uns das eine klar werden, der Lockruf 
stellt die eigentliche instinktive Basis des Vogelgesanges dar. 
Aber wie alles im Laufe der Entwickelung komplizierter, diffe- 
renzierter wird, so auch die lautlichen Elemente unserer Vögel. 
Die Zeiten eines Altum sind vorüber und leben auch wohl nicht 
mehr auf. Der Gesang, wie er sich heute äufsert, darf und kann 
nicht mehr als rein instinktiv betrachtet werden. Es ist vielmehr 
eine Verknüpfung mehrere psychischer Elemente auf instinktiver 
Basis, auf der Basis, wie sie phylogenetisch der Lockruf darstellt. 
So werden uns viele Phänomene im Leben unserer Singvögel 
klarer werden, die Gesangesindividualität, die spielerische Betä- 
tigung im Gesänge, die Vogeldialekte. Alle diese Phänomene 
sprechen dafür, dafs wir es im Gesänge der Vögel d. h. der 
Singvögel nicht mehr mit einem primären oder auch sekundären 
Instinkt zu tun haben. Wasmann hat sicher nicht scharf beob- 
achtet, wenn er zu folgender oberflächlichen Beobachtung kommt: 
„In die nämliche Kategorie wie die Paarungslaute der Tiere, 
der mannigfaltige Gesang der Vögel, gehören auch die Angst- 
oder Warnlaute der Tiere." ^) Zwischen dem einfachen Warnlaut, 
zwischen dem einfachen Paarungslaut, die, wie er sagt, als reine 
Instinkte einen teleologischen Charakter an sich tragen, und dem 
ohne „Zweck" geäufserten spielerischen Gesang, der ohne allen 
„Zweck" vorhandenen Variabilität im Gesauge mehrerer artgleicher 
Individuen besteht doch sicher psychologisch ein gewisser Unter- 
schied. Reine Instinkte sind letztere Phänomene wohl nicht, 
sie stehen ja auch genetisch auf einer viel höheren Stufe. Einem 
solchen Phänomen nun, dem individuell so ausgeprägten Schlag 
des Edelflinken, sollen meine kurzen Bemerkungen gelten. Und 
zwar will ich lediglich meine Ansichten äufsern, wie ich mir die 



*) Siehe „Instinkt und Intelligenz im Tierreich". Dritte Aufl. 
Freiburg 1905 p. 108. 

Joum. f. Om. LIX. Jahrg. April 1911. 17 



250 Franz Gröbbels: 

Entwickelung der verschiedenen Finkenschläge biologisch und 
psychologisch entstanden denke. Man kann hier wie bei allen 
ähnlichen Fragen an sexuelle und an natürliche Selektion denken. 
Wir haben es hier mit einem Gesänge zu tun, welcher in ganz 
markanter Form das Phänomen der Vogeldialektik zeigt, aber 
auch in ausgeprägter Form die Bedeutung des Nachahmens uns 
vor Augen führt. Es ist bekannt, dafs in verschiedenen Gegenden 
unsere Endelfinken mehr oder weniger verschieden schlagen.*) 

So sagt schon Johann Friedrich Naumann: .,Es ist zu 
bemerken, dafs jeder Edelfink seine eigentümliche Melodie, aber 
deren meistens zwei hat, mit welchen er wechselt, dafs diese 
zwar immer denen anderer Finkeumännchen ähneln, dessen unge- 
achtet aber oft so verschieden sind, dafs die Liebhaber eine 
grofse Menge Benennungen dafür haben. Es ist auch erwiesen, 
dafs jede Gegend ihre eigentümlichen Gesänge hat, dafs es 
Gegenden gibt, welche sehr vorzügliche Sänger bewohnen, und 
wieder andere, welche so schlechte haben, dafs man ihre Melodien 
kaum für Finkenschlag halten möchte". ^) Diese Tatsache ist 
neuerdings wieder vielfach betont und beleuchtet worden. Uns 
interessiert hauptsächlich ihre Erklärung. Und da möchte ich 
vor allem auf die trefflichen Ansichten aufmerksam machen, wie 
sie von Lukanus schon 1907 ausgesprochen hat. 3) Von Lukanus 
fand nämlich auf Grund seiner Untersuchung, dafs zur Hervor- 
bringung von Gesangesindividualität, von Vogeldialekten ein Wett- 
eifer im Gesänge, damit also eine grofse Zahl an cf nötig sei. 
Die Gesangesleistung ist in diesem Sinne ein Ergebnis des 
numerischen Verhältnisses der Geschlechter zu einander, sie ist 
durch die Häufigkeit der Vogelart bedingt. Damit aber diese Varia- 
tionen im Gesänge der einzelnen Individuen vererbungsfähig werden, 
mufs ein anderer Faktor mitwirken, ich meine die Nachahmung. 
Gerade hierfür bietet FringiUa coelebs ein gutes Beispiel. Die 
Bedeutung der Nachahmung für den Vogelgesang ist lange bekannt. 
Sagt doch schon Wallace, der grofse englische Ornithologe und 
Forscher: „Es ist sicher gestellt, dafs der eigentümliche Gesang 
der Vögel durch Nachahmung erworben ist", *) und an anderer 
Stelle: „Hinsichtlich des Gesanges der Vögel hat man gefunden, 



1) Ähnliche Verhältnisse finden wir übrigens bei FringiUa cardu- 
elis. Gengier erwähnt ferner auf Grund seiner Beobachtungen Emberiza 
citrinella und Chloris chloris (Gefiederte Welt. "Vierunddreifsigster 
Jahrgang 1905 p. 381). 

2) Siehe „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands". Fünfter Teil 
Leipzig 1826 p. 26. 

3) Siehe von Lukanus „Lokale Gesangserscheinnngen und Vogeldia- 
ekte; ihre Ursachen und Entstehung". Ornith. Monatsberichte XV. Jahrg. 
1907. 

*) Wallace „Beiträge zur Theorie der natürlichen Zuchtwahl". Deutsch 
von Meyer. Erlanger 1870 p. 252. 



EntwickeluDg biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 251 

dafs junge Vögel nie den ihrer Art eigentümlichen Gesang besitzen, 
wenn sie ihn nie gehört haben, während sie sehr leicht den 
Gesang jedes anderen Vogels, mit dem sie zusammen sind, an- 
nehmen", i) Über den Wert der Nachahmung bezüglich unserer 
speziell vorliegenden Vogelart, äufsert sich Naumann: „Jetzt 
werden die sonderbaren Gesänge dadurch fortgepflanzt, dafs man 
junge Finken aus dem Neste nimmt, und sie neben so sonderbar 
singenden aufzieht, von welchen sie diese monströse Melodie 
erlernen, sie auch wohl noch durch eigene Zusätze verlängern, 
und bald verschönern, bald verschlechtern". 2) Die Bedeutung 
der Nachahmung in unserem Falle scheint somit also unverkennbar, 
es fragt sich nur, wieweit diese Nachahmung geht, wieweit wir 
diese Tatsache bei einer Erklärung der Entwickelung der Finken- 
schläge berücksichtigen müssen, herbeiziehen dürfen. Nach der 
Theorie der sexuellen Auslese würde sich die Genese der Finken- 
schläge ungefähr folgendermafsen vollzogen haben. Die am „besten" 
am „schönsten" singenden cT, d. h. also die cf, welche die gröfsten 
Eigentümlichkeiten in ihrem Schlag zeigen, werden von den 
aktiven 9 bevorzugt, der Gesang wird dadurch auf eine immer 
höhere Stufe gebracht. Aber zur Entwickelung von Vogeldialekten, 
von individuellen Gesangesvariationen führt dies nicht. Und so 
mufs auch der Anhänger dieser Theorie der Tatsache der Nach- 
ahmung Rechnung tragen. Beide Faktoren laufen ineinander, 
beide zusammen erzeugen die individuellen Unterschiede. Weis- 
mann, ein Hauptvertreter der Theorie der sexuellen Auslese, die 
er gerade inbezug auf die Vogelwelt in weitestem Sinne an- 
wendet, sagt einmal: „Ein junger Edelfink, der einsam aufwächst, 
singt auch ungelehrt den Schlag seine Art, aber niemals so schön 
und vollkommen, wie wenn ihm ein alter vorzüglicher Sänger 
als Lehrer beigegeben wird. Es herrscht also bei ihm auch eine 
Tradition; aber die Grundformen des Finkenschlags sind doch 
schon in seinen Organismus übergegangen, sie sind ihm angeboren ; 
er spricht die Sprache seiner Art auch wenn sie ihm nicht gelehrt wird. 
Sexuelle Selektion, so nehmen wir an, haben sie zu einem Bestand- 
teil seines Wesens gemacht." ') In diesen Worten des Freiburger 
Zoologen sind eigentlich alle Fragen angeschnitten, welche wir 
zu untersuchen haben, deren nähere Beleuchtung uns einer Er- 
klärung der Finkenschläge näher bringt. 

1. Sexuelle Selektion sollen den Schlag als solchen hervor- 
gebracht haben. Aber, so fragen wir, wie kann diese Theorie 
richtig sein, wenn sie der biologischen Begründung entbehrt? 
Wie ich schon mehrere Male betonte, ist eine sexuelle Auslese, 
in das Reich der Fabel zu verweisen, eine Auslese der am 



1) Ebd. p. 250. 

2) Siehe Ebd. 

3) Siehe Weismann, Gedanken über Musik bei Tieren und beim 
Menschen. Deutsche Rundschau. Band LXI. Berlin 1889 p. 50 ff. 

17* 



252 Franz Gröbbels: 

schönsten singenden cf von Seiten der 9 existiert nirgends im Vogel- 
leben, auch hier nicht. Freilich, aufgrund dieser Theorie würde sich 
der Finkenschlag als solcher leicht erklären lassen, seine Ent- 
wickelung aber bis in die Dialektik, bis in die Gesangesindividu- 
alität würde gröfsere Schwierigkeiten machen. Wir werden uns 
also wohl gezwungen sehen, uns bei der Erklärung lediglich auf 
die Zuhilfenahme der natürlichen Auslese zu beschränken. Wenn 
wir annehmen, dafs die Finkenschläge im Laufe der Entwickelung 
individuelle Variationen zeigten, welche ihnen vor anderen einen 
Vorteil verschafften, sei es dafs ein länger oder lauter schallender 
Schlag schneller cf oder 9 herbeizog, so müssen wir zu dem 
Schlüsse kommen, von den cf seien hauptsächlich die schlecht- 
singenden nicht zur Fortpflanzung gekommen, die gutsingenden 
dagegen wohl. Das Resultat wäre also hier dasselbe wie bei der 
geschlechtlichen Zuchtwahl, der Erklärungsversuch ein anderer. 
Die Theorie der natürlichen Zuchtwahl hat aber das für sich, 
dafs sie den Tatsachen keineswegs widerspricht, vielmehr durch 
vielfache Beobachtungen bestätigt wird. Nun werden wir 
aber fragen müssen: Ist diese Erklärung im Stande, uns dem 
Verständnis der Entstehung der Gesangesindividualität näher zu 
bringen? 

2. Damit kommen wir zum zweiten und letzten Punkt. 
Wenn wir eine Eutwickelungstendenz des Schlages im Sinne der 
natürlichen Auslese zu geben im Stande sind, so haben wir damit 
nur erklärt, wie sich das gesangliche Element als solches weiter 
differenzierte, eine Stufe der Vervollkommnung erreichte. Um 
aber zu verstehen, wie sich bei unserem Edelfinken eine Variabilität 
im Gesänge herausbilden konnte, haben wir zwei weitere Faktoren 
zu berücksichtigen: Die Nachahmung und die Weiterbildung des 
einzelnen Individuums im Gesänge. Weismann hat wohl recht, 
wenn er glaubt, der einsam aufwachsende Edelfink lasse auch 
seinen Schlag hören. Das wird jeder Singvogel tun, aber keiner 
wird es über ein Gestümper hinausbringen. Damit ein Vogel 
den Gesang seiner Art vollständig und gut lerne, d. h. so lerne, 
dafs er darauf weiter bauen kann, dazu braucht er einen Vor- 
sänger und das ist in der Natur der Vater. Die jungen Edel- 
finken lernen den Gesang vom Vater. Wir dürfen hier freilich 
nicht zu grob denken. Es genügt wohl für das aufnahmefähige 
junge Männchen, wenn es tagtäglich noch als Nestling oder als 
eben ausgeflogener Vogel den Gesang des Vaters hört. Kann 
man doch zuverlässig beobachten, dafs gerade dann wieder eine 
neue Gesangesperiode auftritt, wenn die Jungen ausgeschlüpft sind. 
Dies hat seine Bedeutung. Wir dürfen nun weiter annehmen, dafs 
der junge Fink auf den in seiner Kindheit erhaltenen ersten Ge- 
sangeseindrücken weiter aufbaut, studiert er doch schon im Herbst 
desselben Jahres d. h. er übt sich spielerisch im Schlagen. Und 
im kommenden Frühjahr, wenn er geschlechtsreif ist, studiert er 
wieder. Sein Schlag wird aber mit der Zeit besser werden, er 



Entwickelung biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 253 

wird sich vervollkommnen. Wie können sich nun aber unter solchen 
Umständen mehrere Dialekte entwickeln? Die Erklärung ist 
ziemlich naheliegend. Schon vor Naumann hat Bechstein auf 
die wichtige Beobachtung hingewiesen, dafs jeder Edelfink mehr 
oder weniger eigene Variationen in seinem Schlage zeitigt. 
Bechstein sagt nämlich: „Auch unter den Edelfinken bemerkt man, 
dafs einer mehr, der andere weniger Gedächtnis hat; denn einer 
hat zuweilen ein ganzes halbes Jahr nötig, um einen einzigen 
Gesang zu studieren, da hingegen ein anderer denselben gleich 
beim erstenmal Hören gefafst hat, und nachsingen kann, einer 
lernt mit Mühe einen, ein anderer, wenn man will, drei, ja 
vier Finkenschläge, einer fafst ihn unvollkommen, der andere 
vollkommen, setzt auch wohl noch einige Silben 
hinzu, und verschönert ihn."^) Wir finden also eine 
ganz individuelle Beanlagung. Und wenn wir diese in Betracht 
ziehen, wenn wir uns vorstellen, dafs nicht jeder studierende, 
sich übende Edelfink denselben Weg einschlägt, dafs vielmehr 
manch einer besondere Gesangesvariationen neu hinzudichtet, 
wenn wir uns ferner vorstellen, dafs sich mittelst der Nach- 
ahmung diese Variationen weiter auf die Nachkommen über- 
tragen, so fällt es nicht schwer, der Tatsache der Dialekte eine 
verständlichere Form zu geben. Es bleibt freilich auch hier der 
Faktor zu berücksichtigen, den von Lukanus so scharf betonte. 
Da sich der Vogel im Gesänge gegenseitig anregt, so müssen finken- 
reichen Gegenden eine gröfsere Weite der Variationen hervor- 
bringen. Damit stimmen die Tatsachen überein. Und wenn 
Gloger hoch oben im Riesengebirge 3000 m über dem Meere 
einen Edelfinken hörte, dessen Gesang aus kreischenden, stümper- 
haften Lauten bestand,^) so mag man aus dem Gesagten die Er- 
klärung dieser Tatsache selber ziehen. 

IIL 

Machetes pugnax Ouv. — ein biologisolies Problem. 

Unter den Vertretern unserer einheimischen Vogelwelt, die 
uns ein Problem des Darwinismus, die ganze Tragweite und 
Kritik der Theorie der sexuellen Selektion klar vor Augen führen, 
ist Machetes pugnax, der bekannte und vielgenannte Kampfläufer 
einer der interessantesten. Bietet doch gerade die nähere Be- 
trachtung einiger Phasen seines Lebens einen Einblick, eine ge- 
wisse Entscheidung in deszendenztheoretisch-biologischen Streit- 
fragen. Es wird gerade im Vogelleben noch so viel von 
geschlechtlicher Zuchtwahl geredet, diese Theorie als etwas selbst- 



1) Siehe Bechstein, Gemeinnützige Naturgeschichte der Vögel Deutsch- 
lands. Leipzig 1795. Vierter Band p. 360. 

2) Siehe Gloger, Ausarten des Gesanges. Journal für Ornithologie 
I Jahrg. 1853 p. 218. 



254 Franz Gröbbels: 

verständliches für manche biologische Phänomene auch unserer 
Fauna geltend gemacht. Dies rührt daher, dafs wir meistens, ja 
zum weitgröfsten Teil Nachbeter sind, sobald es sich um ent- 
wickelungstheoretische Grundprobleme handelt. Ein so welten- 
schaffendes Genie wie Charles Darwin wirkt bis in die speziellsten 
Teile der zoologischen Wissenschaft und PseudoWissenschaft, und 
die Vorzüge, welche seine Anschauungen jeder wirklich wissen- 
schaftlichen Betrachtung bieten, rechtfertigen die grofse Berück- 
sichtigung seiner Lehre. Ja so sehr, dafs man eigentlich nicht 
mehr streng wissenschaftlich bleiben kann, sobald man seine 
Lehre a radice verwirft. Es ist erklärlich, dafs die ganz neuen 
Ideen, welche Darwin geschaffen hat, im Gehirn bedeutender 
Naturforscher der Folgezeit Wurzel trieben — wenn ich mich 
vielleicht so ausdrücken darf — , dafs seine Ideen fortwirkten, 
weiter ausgestaltet wurden, in fast allen Zweigen der Natur- 
forschung Einfiufs erlangten. Und so gehen seine Fundamental- 
anschauungen, seine Theorien der natürlichen und sexuellen Aus- 
lese über auf Männer wie Romanes, Weismann u. a. m. Und 
die tausend Gelehrten, welche auf den verschiedenen Zweigen 
der Naturtorschung sich betätigen, nehmen wiederum die An- 
schauungen dieser ihrer hervorragenden Zeitgenossen zum Dog- 
ma, zum Leitstern ihrer Untersuchungen. Nur so ist es erklär- 
bar, dafs sich die Theorie der sexuellen Selektion — denn um 
diese handelt es sich hier — solange unbeschadet halten konnte, 
trotzdem sie nach neueren Untersuchungen, wenigstens im Vogel- 
leben, nicht die Bedeutung besitzt, die ihr Darwin als erster zu- 
schrieb. Der Ideengang Darwins ist ja bekannt. Die Vogel- 
weibchen sollen als aktive Teile des Fortptianzungsgeschäftes aus 
der Zahl der sie umwerbenden Männchen nur immer die ausge- 
sucht haben, welche am „schönsten" sangen, das „schönste" 
Federkleid entfalteten. Und so soll dann im Laufe der Zeit 
Gesang und Federfärbung die Höhe erreicht haben, auf der wir 
sie heute finden. Es klingt wirklich bestechend, wenn Darwin 
sagt: „Bemerken wir, wie ein Vogelmännchen sein reizendes 
Gefieder oder seine Farbenpracht eifrig vor dem Weibchen ent- 
faltet, während andere Vögel, die nicht so verziert sind, keine 
derartige Schaustellung vornehmen, so ist es unmöglich, zu be- 
zweifeln, dafs die Weibchen die Schönheit iHrer männlichen 
Genossen bewundern, i) 

Glaubt man nicht unwillkürlich, in dieser Theorie eine 
einfache, eine naheliegende Erklärung vieler Phänomene des 
Vogellebens gefunden zu haben? Um so bemerkenswerter scheint 
es, dafs bereits Darwins Zeitgenosse Wallace die Theorie der 
geschlechtlichen Zuchtwahl bestritt. Dieser Streit hat sich in 
neuerer Zeit noch verstärkt, und so neigen wir denn heute mehr 
und mehr zu der Anschauung, welche die Wahl des „schöneren" 



1) Siehe , ,AbstammuDg des Menschen" I. p. 137. Reclam. 



Entwickelung biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 255 

des „besseren" cT von selten des 9 auch im Vogelleben als un- 
richtig aus der Reihe der erklärenden Faktoren streicht. Dafs 
wir diese Anschauung teilen müssen, dafs wir somit die Theorie 
der natürlichen Zuchtwahl als einzige Entwicklungsidee zu be- 
trachten haben, darin soll uns die Biologie von Machetes pug- 
nax bestärken. 

Vergegenwärtigen wir uns vorerst die Tatsachen. Ich lasse 
Naumann sprechen. Er sagt von unserer Vogelart: „Die erkämpfen 
in der Begattungszeit um die Q, aber dies auf eine so eigene 
Weise, und mit so widersprechenden Umständen begleitet, dafs 
man die Wut, mit welcher dies geschieht, abgerechnet, glauben 
möchte, es geschähe nur zur Belustigung und zum blofsen Zeit- 
vertreib. Man sagt, sie kämpften um den Besitz der Weibchen. 
Davon sieht aber auch der sorgfältigste Beobachter nichts. Ge- 
wöhnlich erscheinen blofs cT und immer wieder dieselben auf dem 
Kampfplatze; sehr selten mischt sich da auch einmal ein 9 unter 
sie, das dann mit ähnlichen Posituren, wie kämpfend, zwischen 
ihnen herumläuft. Dann sagt man, der Sieger suche sich nach 
dem Kampfe ein Weibchen auf. Dies tun aber wohl alle, ohne 
Ausnahme, Sieger und Besiegte; so wie auf dem Kampfplatze 
demnach keiner eigentlich besiegt wird, so wird auch aufser dem- 
selben kein cT, das sich einem 9 vertraulich genähert hat, 
von einem anderen in diesem Besitze gestört oder davon 
vertrieben. Mit Herannahen der Mauser verliert sich dieser 
sonderbare Hang zu streiten gänzlich.*'^) Wir dürfen der Schilderung 
Naumanns restlos Glauben schenken; hat sich doch vor ihm Bech- 
stein in ähnlicher Weise geäufsert. 

Es ist selbstverständlich, dafs ein biologisches Phänomen wie 
dieses, das so gar nicht dem Ideengang des Darwinismus — und wäre 
es lediglich die Theorie der natürlichen Auslese — zu entsprechen 
scheint, von Seiten der Forscher eine besondere Beachtung gefunden 
hat. Aus den Erklärungsversuchen will ich nur zwei herausgreifen 
und kurz beleuchten, bevor ich raeiue eigenen Ansichten über 
diesen Gegenstand äufsere. 

Groos, der bekannte Philosoph und Tierpsychologe, hält es 
in Anbetracht der Tatsachen für wahrscheinlich, dafs die heftigen 
Kämpfe der Kampfläufer einen gewissen Spielcharakter besitzen, 
also nicht lediglich mit natürlicher, instinktiver Notwendigkeit 
zu Gunsten einer Theorie der natürlichen Auslese sich äufsern. 
Ferner spricht er den, wie wir sehen werden, sehr beachtenswerten 
Gedanken aus, dafs die Bewerbungskünste bei Totanus pugnax 
wohl zum Teil dazu dienen, den ganzen Organismus in eine tief- 
gehende Erregung zu versetzen. 2) Ich glaube nun, dafs wir ge- 
mäls solcher Anschauungen wohl im Stande wären, den hier vor- 



1) Siehe Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Siebenter Teil 
Leipzig 1834. p. 508 ff. 

3) Siehe Groos, die Spiele der Tiere" p. 158 ff. 



256 Franz Gröbbels: 

liegenden Tatsachen gerecht zu werden, d. h. zu erklären, wie sich 
der Kampf der cf auch dann äufsern kann, wenn 9 nicht zugegen 
sind, ein Phänomen, welches ja aufs entschiedenste gegen die 
Theorie der sexuellen Auslese spricht. Eines bleibt aber unbe- 
rücksichtigt, nämlich die weite und offene Frage, wie denn eigent- 
lich diese Kämpfe entstanden sind, welche Beziehungen zwischen 
ihnen und dem eigenartigen Federschmuck der Kämpfer bestehen. 
Konrad Guenther, den ich als zweiten in dieser Frage nennen 
will, glaubt annehmen zu müssen, dafs sich vor den mit den 
gröfsten Kragen bewehrten Männchen die anderen immer am 
ehesten zurückziehen, weil jene durch die Federn gröfser und 
breiter und dadurch wieder stärker zu sein scheinen. i) Damit 
hätten die „scheinbar" stärkeren einen Vorteil im Fortpflanzungs- 
geschäft, so könne wohl die Theorie der natürlichen Zuchtwahl 
hier zu Recht bestehen. Dafs letzteres der Fall sein mufs, scheint 
mir selbstverständlich, da eine sexuelle Auslese ja gerade hier 
ganz ausgeschlossen scheint. Dafs aber der Federkragen die 
Bedeutung haben soll, die ihm Guenther zuschreibt, halte ich in 
Anbetracht der Tatsachen für sehr unwahrscheinlich. 

Ich möchte inbezug auf dieses Problem etwas andere Wege 
einschlagen und meine Gedanken in folgenden Punkten kurz zu- 
sammenfassen. 

1. Betrachten wir vorerst einmal das Phänomen des Kämpfens 
und seine Analyse als Gegenstand der Tierpsychologie und 
Physiologie. Es handelt sich hier um die Frage, ob wir in den 
so unterhaltenden Kämpfen oder „Kampfspielen" von Machetes 
pugnax eine Art „Spiel" zu erblicken haben oder nicht. Groos 
neigt zur ersteren Ansicht. Ich glaube, mit Unrecht. Das Kämpfen 
kann ja doch restlos als ein eigentlich instinktiver, 
notwendiger, physiologisch durchaus begründeter Vor- 
gang erklärt werden, dem das spielerische Element, das 
sozusagen „unnütze" der Betätigung ganz abgeht. Es mufs uns 
auffallen, dafs eine innige Beziehung besteht zwischen „Kampftrieb" 
und „Hochzeitskleid". Das ganz junge cT, das noch dem 9 
ähnelt und sich von diesem fast nur durch seine Gröfse unter- 
scheidet, kämpft noch nicht, nach Verlust des Hochzeitsschmuckes 
geht der Kampftrieb verloren. Wir müssen also wohl annehmen, 
dafs ein näherer Zusammenhang besteht zwischen „Kampfinstinkt", 
„Geschlechtstrieb", Federschmuck und physiologischem Gesamt- 
zustand, kurz eine physiologisch-psychologische Wechselwirkung. 
Wir wissen natürlich nicht genau, welcher Art diese sei, wir können 
sie uns aber nach den heute vertretenen Anschauungen vorstellen. 

2. Ich denke mir diese Beziehungen wie folgt. Wir wissen, 
dafs die männlichen Geschlechtsdrüsen, die Hoden bestimmte 



1) Siehe Guenther „Geschlechtliche Zuchtwahl" in „Himmel und 
Erde" XXII. 1. p. 1 ff. 



Entwickelung biologischer Phänomene unseres Vogellebens. 257 

chemische Stoffe bilden — wir nennen sie Hormone — , dafs 
diese wiederum einen Einflufs auf den Stoffwechsel und auf den 
physiologischen Gesamtzustand des Körpers ausüben. Dieser 
Einflufs wird sich einerseits auf die Federn erstrecken, diese 
werden ihre Farbe und ihre Gröfse, vielleicht auch ihre Form 
ändern, im {lanzen aber lediglich in dem Wachstum gefördert 
werden, das ihnen von der Entwickelungstendenz des Individuums 
her vorgeschrieben ist. Wir kommen also auch hier im Grunde 
genommen auf die Frage der Genese zurück. 

Ferner wird sich, psychologisch gesprochen, mit der physio- 
logischen Veränderung der Geschlechtsdrüsen der Geschlechtstrieb 
steigern und in den Instinkten äufsern, die ihm die Entwickelung 
der betr. Vogelart vorschreibt. Geht nun aber der physiologisch- 
gesteigerte Zustand der Geschlechtsorgane zurück, so wird sich 
dies im Abnehmen des Instinktes sowohl, wie in der Veränderung 
des Gefieders äufsern. 

3. Wir kommen nun endlich zur letzten Frage, zu der 
überaus wichtigen Frage, wie sich diese Phämonene entwickelungs- 
geschichtlich erklären lassen. Die sexuelle Selektion scheidet 
aus. Besteht aber damit die natürliche zu Recht? Wenn, wie 
Naumann beobachtet hat, die cf immer wieder kämpfen, sodafs 
es eigentlich Besiegte nicht gibt, wenn ferner alle cT, gleichwohl 
ob Sieger oder nicht, 9 finden, so ist nicht recht einzusehen, 
wie hier die natürliche Auslese in Betracht kommen könnte. 
Vielleicht können wir uns Instinkt und Federung auf folgende 
Weise erklären. Ursprünglich mögen cT und 9 nw wenige 
Differenzen in der Färbung gezeigt haben. Dadurch aber, dafs 
die cf schon damals fortwährend kämpften — wohl im Sinne 
der natürlichen Zuchtwahl — läfst es sich allein erklären, warum 
auch heute noch das junge neutral gefärbte cf gröfser und 
stärker ist als das 9-^) ^it der Zeit mochten nun an den cf 
physiologisch bedingte Veränderungen der Federung auftreten, 
physiologisch bedingt insofern, als sie nur immer in der Periode 
sich zeigten, in welcher der Geschlechtstrieb die cf zum Kampfe 
trieb. Diese Variationen wären aber nie geblieben, hätten sie 
nicht eine bestimmte Bedeutung erlangt. Derjenige Hahn, der 
die auffallendere Federung zeigte, reizte seinen Nebenbuhler mehr, 
er zog ihn schneller herbei, er kam, da sich die 9 j^' passiv ver- 
halten hatten, schneller zur Fortpflanzung als viele Andere. Ich 
betrachte also damit den eigenartigen Federschmuck lediglich als 
Anreizungs-Erregungsmittel, ebenso als wie die warzigen Anhänge, 
die sich ja mitden Jahren vermehren. Und so erkläre ichrair 
auch die Kämpfe unserer Vogelart lediglich so, dafs die 
cf durch den Anblick des Federschmuckes in Erregung 
versetzt werden und in Erregung kämpfen, dafs diese 



^) Diesen Gedanken bat bereits Darwin ausgesprochen. 



258 Franz Gröbbels: Entwickelung biologischer Phänomene etc. 

aber dem Fortpflanzungsakte zu Gute kommt.*) Wenn 
hier und da ein 9 unter den Kämpfern wie kämpfend herumläuft, 
so mag auch dies auf Erregung zurückzuführen sein. Wir dürfen 
annehmen, dafs die jungen cf die Kämpfe der alten d* mit an- 
sehen, dafs sie dieselben ursprünglich nachahmten und so für 
die Fortpflanzung dieses Instinktes sorgten. Heute ist er zum 
festen Bestand der Art geworden, begründet durch die oben ge- 
schilderte Bedeutung. 

Über einen Punkt werden wir freilich nicht ohne Schwierig- 
keiten hinauskommen. Ich meine die Genese des Federschmucks. 
Wenn nach Naumann alle cf zur Fortpflanzung kommen, so ist 
nicht einzusehen, wie in der Fortpflanzung die Variationen des 
Gefieders einen Vorteil erlangten, der ihnen zur Weitergestaltung 
verbalf. Ich will es nicht entscheiden, glaube aber, dafs auch 
hier die Zahl der cf gröfser ist als die Zahl der 9> dafs doch 
nicht alle cf ein 9 bekommen. Damit wäre ja dann die natür- 
liche Zuchtwahl auch hier eine mögliche Annahme. 



*) Es ist natürlich, dafs dieser Eampfinstinkt sich immer dann 
äufsern muls, wenn eine Veranlassung dazu vorhanden. Er wird sich 
also auch dann zeigen, wenn zwei mit dem „Reizmittel" versehene cf 
zusammengebracht werden, d. h. ohne dafs ein 9 ^^ ^^^ ^^^^ ^^^^ ^^ 
sich um eigentliche Fortpflanzung handelt, „scheinbar" spielerisch Aufsern. 



259 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralieii. 

Von Erhard Eylmaiin, Dr. phil. et med. 

(Schlufs von S. 148.) 

Familie: Coraciidae. 

Eurystomus australis Swains. — Den doUar-bird habe ich 
nur auf der nördlichen Halbinsel gesehen. Nach R. Hall kommt 
er auch im Südosten der Kolonie vor. Durch sein Gebaren und 
seine Stimme lenkt er sehr leicht die Aufmerksamkeit auf sich. Er 
gehört zu den lebhaftesten Vögeln der Halbinsel. Die Insekten- 
jagd betreibt er ungefähr auf die gleiche Weise, wie die Schwalben- 
würger. Den Menschen läfst er nicht gern in seine Nähe 
kommen. Während meines Aufenthaltes an Knuckey's Lagoon 
fanden sich vor dem Eintritt der Regenzeit allabendlich mehrere 
Exemplare an diesem kleinen Gewässer ein. Meist gabeu sie, 
auf den Spitzen hoher dürrer Äste sitzend, einen krächzenden 
Gesang zum besten. 

cf. Schnabel zinnoberrot, Oberschnabel an derSpitze schwarz; 
Zunge und Innenseite des Schnabels hellgelb; Iris schwarzbraun; 
Füfse blutrot. Gesamtlänge: 28 cm, Schwanzlänge: 9 cm, Flug- 
weite: 59 cm. Mageninhalt: Insekten. 

Familie: Meropidae. 

Merops ornatushdXh. — Der farbenschöne, zierliche australische 
Bienenfresser bewohnt das ganze Innere der Kolonie. Er gehört hier 
zu den oft vorkommenden Vögeln. Stets zeigt er sich einzeln, 
paar- oder familienweise. In seinem Benehmen unterscheidet er 
sich sehr wenig von M. apiaster. Wie dieser, jagt er von einem 
niedrigen Zweige oder dürren Aste aus nach Insekten und berührt 
dabei den Erdboden nur im Fluge, wenn er ein Insekt von 
demselben aufnimmt. Seine Beute tötet er durch Schlagen an 
seinen Sitzplatz. Ich erinnere mich nicht, gesehen zu haben, 
dafs er hoch in der Luft oder dicht über dem Wasserspiegel, wie 
Schwalben, umherstrich. Es fällt nie schwer, ihn aus geringer 
Entfernung in seinem Tun und Treiben zu beobachten. 

cf juv. (?). Die schwarze Binde in der Gurgelgegend fehlt; 
der blaue Strich unter den Augen ist aber vorhanden. Schnabel 
schwarz; Füfse schmutzig dunkelgrau; Iris hellbraunrot. Gesamt- 
länge: 20 cm, Schwanzläuge: 8 cm. 

Familie : Alcedinidae. 

Dacelo cervina Gld. — Dieser Eisvogel und B. lenchii 
sind sich in jeder Hinsicht so ähnlich, dafs man sie nicht als 
zwei gut getrennte Arten betrachten darf. Beide Vögel sollen 
im Nordküstengebiet der Kolonie zu Hause sein. Ich habe hier 



260 Erhard Eylmann: 

nur eine Form angetroffen. Ich halte sie für D. cervina. Möge 
hier eine kurze Beschreibung eines männlichen Exemplares der- 
selben Platz finden. 

Die obere Hälfte des unförmlich grofsen Kopfes ist mit 
langen weifslichen, in eine fadenförmige bräunlichschwarze Spitze 
auslaufenden Federn bedeckt. Die untere Hälfte des Kopfes und 
der Nacken sind schmutzig weifs. Die Kehle, die Brust, sowie 
der Bauch zeigen ein rostfarbig überlaufenes Weifs und sind 
mit schmalen, verschwommenen dunkelbraunen Wellenlinien ver- 
sehen. Der obere Teil der Halswurzel, der Vorderrücken und 
die Schulterfittiche haben eine schwarzbraune bis braunschwarze 
Färbung. Der Hinterrücken, der Bürzel und die obere Schwanz- 
decke prangen in einem hellen, schillernden Lasurblau. Die 
oberen Flügeldecken sind zum gröfsten Teil ebenfalls schön lasur- 
blau und zum geringsten Teil braunschwarz bis blauschwarz. 
Die Schwungfedern haben einen weifseu Grund und eine dunkel- 
blaue Aufsenfahne. Bei den gröfsten ist die Innenfahne weifs 
und die Spitze in der Länge von 6 cm schwarz; bei den übrigen 
hat die Innenfahne mit Ausnahme des Grundes am Schafte eine 
schwarze und am freien Rande eine weifse Färbung. Die unteren 
Flügeldecken sind weifs und zeigen feine dunkelbraune Wellen- 
linien. Der Schwanz ist glänzend dunkelblau. Seine seitlichen 
Federn weisen runde weifse Flecke auf; seine übrigen Federn, 
ausgenommen die beiden mittleren, sind weifsgespitzt. Der Ober- 
schnabel ist braunschwarz, der Unterschnabel weifsgrau bis gelblich- 
weifs. Die Füfse sind schmutzig gelbgrau. Die Iris zeigt ein 
trübes Weifs. Gesamtlänge: 41 cm, Schwanzlänge: 11,5 cm, 
Flugweite: 65 cm. Mageninhalt: Heuschrecken und Reste von 
Libellen. 

Unser Liest bewohnt den nördlichen Teil der Kolonie bis 
zum 15. Breitengrade. Ich habe ihn stellenweise in lichten Wald- 
gebieten ziemlich oft angetroffen. Er ist ein ungeselliger Vogel. 
Gilbert, der ihn auf der Koburg-Halbinsel beobachtete, behauptet, 
dafs er eine grofse Scheu an den Tag lege, und im schwer bei- 
zukommen sei. Meinen Beobachtungen nach zeigt er keine grofse 
Furcht vor dem Menschen; vorsichtig und wachsam ist er aber in 
hohem Grade. Er läfst häufig ein weitschallendes anhaltendes Ge- 
schrei hören, das ganz dem seines weniger prächtig gekleideten 
Vetters im Südosten des Kontinentes, des laughing jackass {D.gigas) 
gleicht. Seine Hauptnahrung scheinen Heuschrecken zu bilden. 
Ich untersuchte den Mageninhalt von sieben Stück und fand aufser 
anderen Insekten stets diese Geradflügler vor. Wirbeltiere oder 
Reste von solchen fehlten. Es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, 
dafs der Vogel auch von Eidechsen, kleinen Schlangen, mäuse- 
artigen Vierfüfslern und dergleichen lebt. Beiläufig gesagt ist 
der Magen klein im Verhältnis zu der Grofse des Körpers. Bei 
dem Erwerb der Nahrung pflegt der Liest auf eigentümliche 
Weise zu verfahren. In scheinbar beschaulicher Ruhe, das Gefieder 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 261 

ein wenig aufgeplustert und den Kopf zwischen die Schultern 
gezogen, beobachtet er mit scharfem Auge von einem ein paar 
Meter hohen kahlen Aste aus den Erdboden unter sich. Bemerkt 
er auf diesem ein Beutetier, so stürzt er sich gleich einem Raub- 
vogel auf dasselbe und verschlingt es sofort oder nimmt es mit 
sich zu seinem Lauerposten oder einem der nächsten Bäume. 

Dacelo gigas Bodd. — Der laughing jackass bewohnt das 
ganze südöstliche Dritteil des Kontinentes. Ich habe ihn recht 
oft in der fruchtbaren, gut bewässerten südöstlichen Ecke der 
Kolonie, zwischen dem 140. Längengrade und der Landesgrenze, 
angetroffen. Aufserdem sind mir bei Adelaide, am Lake Alexan- 
drina und am Unterlaufe des River Murray ein paar Exemplare 
zu Gesicht gekommen. Dafs er eine einsiedlerische Lebensweise 
führt, eine grofse Neugierde besitzt und den Menschen nicht 
scheut, ist bekannt. Dort, wo er sich häufig vorfindet, sieht man 
oft gezähmte Exemplare. Gewöhnlich lassen ihre Besitzer sie 
frei auf dem Hühnerhofe umherlaufen. Wie ich hörte, seien sie 
sehr genügsam und anhänglich und lebten mit den anderen Haus- 
tieren stets in dem besten Einvernehmen. 

Ualcyon pyrrhopygius Gld. — Den rotrückigen Liest (red- 
backed kingfisher) habe ich zwischen der Nordküste und dem 
25. Breitengrade angetroffen. Wahrscheinlich erstreckt sich sein 
Verbreitungsgebiet weiter nach Süden. Er gehört zu den spär- 
lich vorkommenden Vögeln. In seinem Gebaren hat er, wie auch 
die beiden zuvor genannten Alcediniden, grofse Ähnlichkeit mit 
den Bienenfressern und den Fliegenfängern. Als Standort wählt 
er einen lichten Scrub, dem Bäume nicht mangeln. Die Jagd 
betreibt er von einem Aste aus, der ihm eine gute Umschau 
gewährt. Den Boden berührt er bei dieser Gelegenheit höchstens 
dann, wenn es gilt, ein Kerbtier von demselben aufzunehmen. 

I cf (Nordküste). Oberschnabel schwarz, Unterschnabel vorn 
schwarz, hinten bläulichgrauweifs; Füfse schmutzig dunkelgrau; 
Iris braun. Gesamtlänge: 23,5 cm, Schwanzlänge; 7 cm, Flügel- 
länge: 10 cm, Schnabellänge: 3,9 cm, Länge der Schnabelöffnung: 
5 cm, Lauflänge: 1,7 cm, Länge der Mittelzehe: 1,6 cm, Krallen- 
länge: 0,7 cm. Flugweite: 35 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

II 9 (Mac Donnell Ranges). Schnabel schwarz, an der Wurzel 
des Unterschnabels ein schmutzig grauweifser Fleck; Füfse grau- 
schwarz ; Iris braun. Gesamtlänge: 23 cm, Schwanzlänge: 7,3 cm, 
Flügellänge: 10,1 cm, Schnabellänge: 4,1 cm, Länge der Schnabel- 
öffnung: 5,2 cm, Lauflänge: 1,6 cm, Länge der Mittelzehe: 1,4 cm, 
Krallenlänge: 0,5 cm. Flugweite: 34 cm. Mageninhalt: Heu- 
schrecken. 

Halcyon macleayi Jardine u. Selby. — Macleay's Liest ist 
auf der nördlichen Halbinsel heimisch. Er zeigt sich einzeln oder 
paarweise. Häufig findet er sich nirgends vor. 



262 Erhard Eylmann: 

I cT. Schnabel schwarz, Wurzelhälfte des Unterschnabels 
grauweifs; Füfse grauschwarz; Iris dunkelbraun. Gesaratlänge: 
21 cm, Schwanzlänge: 5,6 cni, Flügellänge: 9,5 cm, Schnabellänge: 
3,7 cm, Länge der Schnabelöffnung: 4,5 cm, Lauflänge: 1,8 cm, 
Länge der Mittelzehe: 1,3 cm, Krallenlänge: 0,7 cm, Flugweite: 
31,5 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

II 9- Oberschnabel schwarz, Unterschnabel an der Spitze 
und den Rändern schwarz, übriger Teil schmutzig rötlich- bis 
bläulichweifs; Füfse schwärzlichgrau; Iris dunkelbraun. Gesamt- 
länge: 20,5 cm, Schwanzlänge: 6,2 cm, Flügellänge: 9,5 cm, 
Schnabellänge: 3,8 cm, Länge der Schnabelöffnung: 4,6 cm, Lauf- 
länge: 1,7 cm, Länge der Mittelzehe: 1,1 cm, Krallenlänge: 0,6 cm, 
Flugweite: 33 cm. Mageninhalt: Heuschrecken. 

Älcyone azurea Lath. — Dieser schöne, oben lasurblaue und 
unten rotbraune Eisvogel ist auf der nördlichen Halbinsel heimisch. 
Mir sind hier nur zwei Pärchen zu Gesicht gekommen. Beide hielten 
sich an einem von Bäumen und Sträuchern überschatteten Bache auf. 

gT. Schnabel tiefschwarz; Iris dunkelbraun; Füfse schön 
zinnoberrot. Gesamtlänge: 18 cm, Schwanzlänge: 3,5 cm. 

Familie: Caculidae. 

Scythrops novae hollandiae Lath. — Den Riesen- oder 
Fratzenkuckuck habe ich nirgends angetroffen. Nach R. Hall soll 
er auf der nördlichen Halbinsel vorkommen. Den Urbewohnern 
des östlich vom Lake Eyre gelegenen Kolonieteiles ist der Vogel 
wohlbekannt; ein Stamm (Diäri) hat nach ihm eine Heiratsklasse 
(tabajuru maddu) benannt. Er läfst sich in dieser Gegend aber 
nur nach ausgiebigen Regenniederschlägen blicken, wenn ein oder 
mehrere der gröfsten Creeks Hochwasser führen, also durchschnitt- 
lich alle vier bis sechs Jahre. Die dortigen Weifsen heifsen ihn 
deshalb flood-bird. Wie ich von zuverlässigen Männern ver- 
schiedener Stämme hörte, lege er seine Eier in Nestern der Weifs- 
äugigen Krähe {Corvus coronoides) ab. 

Eudynamis cyanocephala Lath. (E. flindersü Vig. u. Horsf.). 
— Die beiden Geschlechter unterscheiden sich sehr wesentlich in 
der Färbung: das Federkleid des Männchens ist tiefschwarz und 
schillert grünlich, das des Weibchens hat oben eine dunkel- 
braune und unten eine fahlweifsliche Grundfarbe. Ich habe 
Flinder's Kuckuck nur auf der nördlichen Halbinsel gesehen. 
Meiner Erfahrung nach gehört er hier zu den selten vorkommen- 
den Vögeln. Es gelang mir nicht, ihn in der Nähe zu beobachten. 

9 juv. Kopf schwarz, blaugrün schillernd, mit hellrostfar- 
bigem Gesichtsstreifen und bräunlichgrauen Flecken am Kinn; 
Unterseite des Halses, Brust, Bauch, Seiten des Rumpfes und 
untere Schwanzdecke hellrostbraun, mit braunschwarzen, ziemlich 
weit gestellten Wellenlinien; Oberseite des Halses schwarz; Rücken 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 263 

und obere Flügeldecken bräunlichschwarz, bräunlich und bräunlich- 
weifs gefleckt; Schwung- und Steuerfedern, sowie obere Schwanz- 
decke ebenfalls bräunlichschwarz, bräunlich und bräunlichweifs 
gebändert; Schnabel bläulichgrau, auf der First des Wurzelteiles 
ein schwarzer Fleck; Iris karminrot; Füfse bläulich- bis schwärzlich - 
grau. Gesamtlänge: 41,5 cm, Schwanzlänge: 19,5 cm, Flugweite: 
60,5 cm. Im Eierstock einige Eier von der Gröfse einer kleinen Erbse. 

Centropns phasianusLa.th. — Der Fasankuckuck bewohnt den 
Norden und den Nordosten Australiens. Im Northern Territory 
habe ich ihn zwischen der Nordküste und dem 18. Breitengrade 
angetroffen, und zwar auf der nördlichen Halbinsel stellenweise 
recht oft. Am liebsten hält er sich auf niedrig gelegenem wasser- 
reichen Gelände auf, das mit Bäumen, Büschen und hohem Grase 
bestanden ist. Die Nahrung sucht er sich auf dem Boden. Sein 
gewöhnlicher Stimmlaut ist ein dumpfes, ziemlich weit vernehmbares 
Ugk. Das Fleisch liefert einen recht wohlschmeckenden Braten ; die 
Fasankuckucke, welche ich erlegte, waren aber auffallend fettarm. 
Erwähnt sei noch, dafs ich Anfang März in einem Exemplare ein 
völlig ausgebildetes, weifses Ei vorfand. 

cT. Schnabel schwarz; Füfse bläulichgrau; Iris rot. Gesamt- 
länge: 61 cm, Schwanzlänge: 34 cm, Flugweite: 62 cm. 

Familie: Cacatuidae. 

Cacatua leudheateri Vig. (FUssolophus leadbeateri). — Der 
Inkakakadu ist mir nur in einigen wenigen Exemplaren in der 
südlichen Binnenlandshälfte der Kolonie zu Gesicht gekommen. 
Wie ich von Buschleuten hörte, triebe er sich hier aber dann in 
grofsen Flügen umher, wenn nach ausgiebigen Regenniederschlägen 
Grassame in Hülle und Fülle zur Reife gelangt sei. Die Ein- 
geborenen im Gebiete der zentralen Bodenerhebungen schmücken 
gern das eine Ende ihrer aus Vogelarmknochen angefertigten 
Nasenstäbe mit seinem farbenprächtigen Federbusche. 

Cacatua roseicapilla Vieill. {FUssolophus roseicapillus). — 
Der Rosakakadu ist in der nördlichen Hälfte der Kolonie noch 
gemeiner, als bei uns die Rabenkrähe. Hinzufügen mufs ich aber, 
dafs ich ihn in der Nähe der Küste nirgends angetroffen habe. 
Im Westen der Lake Eyre-Senke zeigt er sich nicht ganz selten. 
In dem zentralen Höhengebiet, das westlich von dem 133. Längen- 
grade liegt, habe ich sein Vorkommen nicht festzustellen vermocht. 
Es scheint, dafs dieser Landesteil nicht mehr zu seiner eigentlichen 
Heimat gehöre: wie mir Missionare versicherten, seien in der 
Gegend der Missionsstation Hermannsburg (am Oberlaufe des 
Finke River) innerhalb eines Jahrzehntes nur ein paarmal einige 
Exemplare gesehen worden. Dafs der Vogel die Felsenhöhen 
nicht meidet, fand ich auf meinen Reisen in Hart's Range. Als 
mir dort eines Tages auf dem Ruby Field das Fleisch ausgegangen 



264 Erhard Eylmann: 

war, gelang es mir ohne grofse Mühe, sechs Stück innerhalb 
einer Viertelstunde zu erlegen. Im Südküstengebiet ist er mir 
nicht zu Gesicht gekommen. Mit vollem Recht kann man den 
Rosakakadu als eine der anmutigsten und schönsten Erscheinungen 
unter allen Vögeln der Kolonie bezeichnen. Durch massenhaftes 
Auftreten wirkt er oft in hohem Grade verschönernd auf die 
Landschaft ein. Aufser der Brutzeit lebt er in Gesellschaft von 
seinesgleichen. Zu sehr grofsen Scharen vereinigt er sich aber 
nur ganz ausnahmsweise. Meist bestehen die Flüge aus zehn 
bis fünfzig Stück. Seine Nahrung bildet der Same von Gräsern 
und Kräutern. Dafs diese Ernährungsweise ihn zum Streichen 
zwingt, liegt auf der Hand. Gröfsere Wanderungen, wie die 
Mehrzahl der binnenländischen Papageien, scheint er aber nur 
selten zu unternehmen. Morgens und abends kommt er zur 
Tränke. An gröfseren Wasserlöchern und Brunnen des Binnen- 
landes sah ich zu dieser Tageszeit oft Hunderte von Exemplaren, 
die truppweise ihren Durst stillten oder dichtgedrängt auf den 
benachbarten Bäumen safsen und laut schreiend auf das Frei- 
werden eines Platzes am Wasserrande warteten. Dem Reisenden 
bietet sich hier die beste Gelegenheit, den Vogel aus nächster Nähe 
zu beobachten und sich an dessen wundervollen Schwenkungen 
zu erfreuen, bei denen, vom goldigen Sonnenlichte übergössen, 
bald das lichte Schiefergrau der Oberseite, bald das leuchtende 
Rosa der Unterseite gezeigt wird. Vor dem Menschen legt unser 
Kakadu keine grofse Scheu an den Tag. Dies gereicht ihm gar 
oft zum Verderben, da der immer beutegierige Eingeborene es 
nie unterläfst, einen Stein, einen Knüppel, einen Bumerang oder 
irgend ein anderes Wurfgeschofs in jeden dichten Schwärm zu 
schleudern, der sich in Wurfweite von ihm befindet. Schiefst 
man auf eine Schar, so umkreisen einen die unverletzt Gebliebenen 
in sausendem Fluge mit wütendem Geschrei, und es hat ganz den 
Anschein, als wollten sie auf einen stofsen. Schliefslich setzen 
sie sich auf die nächsten Bäume. Ihre Erregung ist aber auch 
dann noch grofs, wie das fortgesetzte Schreien, das Schlagen mit 
den Flügeln, das Sträuben des Gefieders und das heftige Nicken 
mit dem Kopfe deutlich erkennen lassen. Nach einem zweiten 
oder dritten Schusse gewinnt der Selbsterhaltungstrieb wieder die 
Oberhand, und alle suchen sich durch eilige Flucht in Sicherheit 
zu bringen. Das Ergreifen der angeschossenen Exemplare kostet 
immer einige Mühe, da sie wütend um sich beifsen. Das Fleisch 
dieses Kakadus, wie das aller übrigen des Landes, ist trocken 
und zähe. Selbst dann läfst es sich nicht leicht von den Knochen 
lösen, wenn es gegen drei Stunden gekocht worden ist. Auf 
vielen binnenländischen Stationen trifft man ein oder mehrere 
gezähmte Exemplare an, die entweder in einen engen Käfig gesperrt 
sind, oder frei mit gestutzten Flügeln umherspazieren. Als Nahrung 
erhalten sie nur Damper. Von den Buschleuten wird der Vogel 
Galar genannt. 



Die Yogelwelt der Kolonie Südaustralien. 265 

Cacatua galerita Lath. (FUssolophus galeritus). — Der 
Gelbhauben-Kakadu soll in allen Kolonien zu Hause sein. Im 
Binnenlande bin ich ihm nirgends begegnet; auf der nördlichen 
Halbinsel und in der südöstlichen Ecke der Kolonie hingegen habe 
ich ihn stellenweise recht oft angetrofifen. Als Wohnplatz scheint 
er mit Vorliebe ein gut bewässertes, mit hohen Bäumen bestandenes 
Gelände zu wählen. Auf seinen Schlafbäumen pflegt er morgens 
und abends einen wahren Höllenlärm zu machen. 

Cacatua gymnopis Sclater (FUssolophus gymnopis). — Der 
Nacktaugenkakadu ist auf der nördlichen Halbinsel einer der 
gemeinsten Vögel. Auf bäum- und buscharmem aber grasreichem 
Gelände sah ich dort Trupps, die nahezu einen halben Quadrat- 
kilometer dicht bedeckten. Im Binnenlande kommt er ebenfalls 
vor, aber nur an einigen Orten, z. B. im Südwesten der Lake 
Eyre-Senke und in der Gegend der Murchison Range (20® südl. 
Br.). An der Nordküste Südaustraliens soll auch der Rotzügelka 
kadu (C. sanguinea) heimisch sein. Beide Arten gleichen sich so 
gut wie vollständig in der Gröfse und der Befiederung. Ein gutes 
Unterscheidungsmerkmal bietet nur der nackte Augenfleck. Bei 
dem Rotzügelkakadu ist er weifslich, und das Auge nimmt genau 
seine Mitte ein; beim Nacktaugenkakadu hingegen ist er lichtblau, 
und der Mittelpunkt des Auges liegt weit höher als sein eigener. 
Unser Kakadu gehört zu den scheuesten und wachsamsten Papa- 
geien des Landes. Durch sein ohrzerreifsendes Geschrei macht 
er sich sogleich bemerkbar. Zum Schlafplatz wäblt er mit Vor- 
liebe die Wipfel hochragender Bäume in der Nähe von Wasser. 
Wie ich von Ansiedlern hörte, ertrage er die Gefangenschaft recht 
gut und lerne leicht sprechen. Auf der Telegraphenstation an 
Tenuant's Creek sah ich ein paar gezähmte Exemplare, die eine 
unbeschränkte Freiheit genossen und sich oft mit ihren wilden 
Genossen umhertrieben. Die Buschleute nennen den Vogel 
Corella. 

cf (Nordküste). Schnabel und Füfse bläulichgrau bis 
bläulichweifs. Gesamtlänge: 40,5 cm, Schwanzlänge: 15 cm, 
Flügellänge: 27,5 cm. 

Calyptorhynchus stellatus Wagl. (C. naso). — Dieser schöne 
Rabenkakadu ist in dem höhenreichen Innern der Kolonie zu 
Hause. Die südliche Grenze seines Verbreitungsgebietes bildet 
ungefähr der 26. Breitengrad. Unter dem Wendekreise findet er 
sich noch vor. Zwischen dem 18. und 23. Breitengrad ist er mir 
nicht zu Gesicht gekommen. Weiter nordwärts bis zur Küste 
habe ich viele Rabenkakadus angetroffen; ich vermag aber nicht 
zu sagen, ob sie zum Teil zu dieser Art, oder ausnahmslos zu 
der gehörten, die das ganze nördliche Küstengebiet des Konti- 
enntes bewohnt und als C. macrorhynehus bezeichnet wird. Unser 
Rabenkakadu liebt sehr die Geselligkeit. Die Flüge bestehen 
meist aus zehn bis vierzig Stück. Die ein Paar bildenden Vögel 

Jonm. £. Om. Lli. Juhrg. April 1911. 18 



266 Erhard Eylmann: 

halten zeitweilig, wenn nicht immer, selbst dann innig zusammen, 
wenn sie sich in einer gröfseren Gesellschaft von ihresgleichen 
befinden. Gar oft, besonders um die Mitte des Tages, bemerkte 
ich in den Wipfeln hochragender Creekgummibäume zahlreiche 
Rabenkakadus, die paarweise auf den Ästen safsen — die zusammen- 
gehörenden Gatten gleichgerichtet und aneinander geschmiegt — 
und in possierlicher Weise mit gesträubtem Gefieder, laut schreiend, 
nach mir äugten. Die einzelnen Gesellschaften pflegen mit lang- 
samem Flügelschlage kreischend so hoch dahinzuziehen, dafs 
höchstens eine Büchsenkugel sie erreichen könnte. So weit ich 
es zu beurteilen vermag, liegen die Plätze, wo sie tagsüber Futter 
suchen, nicht selten viele Kilometer von den hohen redgums der 
Creeks entfernt, in deren Wipfel sie nächtigen. Trotzdem der 
Vogel steif und unbeholfen geht, hält er sich doch oft auf dem 
Boden auf. Nächst der Corella (C. gymnopis) ist er wohl der 
scheueste Papagei des Binnenlandes. Am besten kann man ihn 
spätnachmittags an den Trinkplätzen, meist abgelegenen rockholes, 
beobachten. Wenn er sich am Boden auf der Suche nach 
Nahrung befindet, ist es nicht leicht, ihm nahe zu kommen, da 
jede Gesellschaft Wachen aufstellt. Er nistet, wie alle seine 
binnenländischen Ordnungsgenossen, in Höhlungen der hohen 
Creekgummibäume. In Gefangenschaft gehaltene erwachsene 
Exemplare sind mir auf keiner Station zu Gesicht gekommen. 
Der Buschmann ist der Ansicht, dafs sich dieser Kakadu über- 
haupt nicht aufziehen lasse. Zwei Nestjunge dagegen sah ich in 
dem Besitze der Hermannsburger Missionare. Sie wurden mit 
erwärmtem in Milch aufgeweichtem Brot gefüttert und schienen 
gut zu gedeihen. Dem Eingeborenen fallen Eier und Junge oft 
in die Hände; erwachsene Exemplare erbeutet er aber nur selten, 

cf. Schnabel bläulich weifs bis hornfarbig; Füfse schwärzlich 
bis bräunlich; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 52 cm, Schwanz- 
länge: 26,7 cm. Mageninhalt: Sämereien. 

Calyptorhynchus macrorhynchus Gld. — üben ist gesagt, 
dafs dieser Papagei an der ganzen Nordküste Australiens hei- 
misch sei, und dafs ich zwischen dem zum Northern Territory 
gehörenden Teil dieser Küste und dem 18. Breitengrade vieler- 
orten Rabenkakadus angetroffen habe. Leider ist es mir nicht 
gelungen, eines Exemplares habhaft zu werden. Da C. macro- 
rhynchus sich von C. stellatus nur durch sehr geringfügige Ver- 
schiedenheiten in der Gröfse des ganzen Körpers, einzelner 
Körperteile, wie Schnabel und Haube, sowie der Färbung der 
Schwanzbiode (nur im weiblichen Geschlecht) unterscheidet, so 
vermochte ich selbst in den Fällen, wo ein oder mehrere der 
betreffenden Vögel mir sehr nahe waren, nicht festzustellen, um 
welche der beiden Arten es sich handelte. Alle mir zu Gesicht 
gekommenen Rabenkakadus zeigten eine grofse Scheu vor dem 
Menschen. Als ich mich am Pine Creek aufhielt, beobachtete 
ich oft eine grofse Anzahl dieser kohlschwarzen Vögel und der 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 267 

schneeweifsen Nacktaugenkakadus (C. gymnopis), die dicht geschart 
und in buntem Durcheinander auf dem Waldboden ihre Nahrung 
suchten. 

Calyptorhynchus funereus Shaw, var. C. xanthonotus Gld. — 
Den mit einem gelben Ohrfleck und einer gelben Schwanzbinde 
geschmückten Gelbohrkakadu habe ich nur in dem Gummibaum- 
walde der südöstlichen Ecke der Kolonie angetroffen. 

Calopsittaeus novae hollandiae Gmelin (Nymphicus novae 
hollandiae). — Der Nymphensittich ist auf der nördlichen 
Halbinsel und im ganzen Binnenlaude zu gewissen Zeiten einer 
der gemeinsten Vögel. Im Südküstengebiet ist er mir nicht zu 
Gesicht gekommen. Gewöhnlich lebt er gesellig. Er ist wach- 
samer und vorsichtiger als mancher andere Papagei der Kolonie. 
Bei seiner Ankunft an der Tränke pflegt er sich zuerst auf die 
benachbarten Bäume zu setzen und sorgfältig Umschau nach 
einem Feinde zu halten. Eintretender Mangel an Grassämereien, 
seiner Hauptnahrung, veranlafst auch ihn, wie den Wellensittich 
und viele andere Vögel, zu sehr ausgedehnten Wanderungen. 
Auf meiner Überlandreise von Adelaide nach Palmerston sah ich 
die ersten Nymphensittiche im Innern, unter dem 22. Breiten- 
grade. Auf der Rückreise dagegen zeigte sich der Vogel an allen 
Wasserstellen, die ich auf meinem Wege durch die südliche 
Binnenlandshälfte antraf, und zwar an manchen in auffallend zahl- 
reichen Flügen. Sein Flug ist schön und gewandt, rasch und aus- 
dauernd. Als Käfigvogel wird er von den Buschleuten weniger 
geschätzt, denn der Ringsittich und der Galar. Aufser einem 
unangenehmen Krächzen läfst er ein wohlklingendes Lied hören. 

9. Schnabel bläulichgrau; Iris dunkelbraun; Füfse grau- 
schwarz. Gesamtlänge: 31,5 cm, Schwanzlänge: 18 cm. Länge 
der Haube: 5,5 cm, Flugweite: 49 cm. Inhalt des Kropfes und 
des Magens: Sämereien. 

Familie: Loriidae. 

Trichoglossus rubritorques Vig. u. Horsf. — Dieser farben- 
schöne Keilschwanzlori ist mir nur auf der nördlichen Halbinsel zu 
Gesicht gekommen, [und zwar stellenweise ziemlich oft. Er ist 
ein schneller und gewandter Flieger. 

d*. Schnabel und Iris gelbrot; Füfse grau. Gesamtlänge: 
33 cm, Schwanzlänge: 15 cm, Flugweite: 44 cm. Mageninhalt: 
Sämereien und Sand. 

Glossopsittacus concinnus Shaw (Trichoglossus concinnus). — 
Den Moschuslori habe ich hier und dort im Südküstengebiet, 
zwischen dem St. Vicent Golf und der Kolonie Victoria, beobachtet. 

Glossopsittacus porphyrocephalus Dietr. (Trichoglossus por- 
phyrocephalus), Blauscheitellori. Ich habe ein Exemplar im Süden 
der Mt. Lofty Range gesehen. 

18* 



268 Erhard Eylmann: 

Piilosclera versicolor Vig. (Trichoglossus versicolor). — 
Dieser überaus bunte Keilschwanzlori bewohnt die nördliche Halb- 
insel in ziemlich bedeutender Anzahl. Sein Flug ist reifsend schnell. 

9. Nackter Augenfleck und Wachshaut bläulichweifs; Schnabel 
lachsfarbig; Iris schmutzig gelb; Füfse graublau. Gesamtlänge: 
20 cm, Schwanzlänge: 7,5 cm, Flugweite: 33 cm. 

Familie: Psittacidae. 

Spaihopterus alexandrae Gld. (Folytelis alexandrae). — Die 
Blaukappe zeichnet sich vor den anderen Sittichen des Landes 
durch grofse Schlankheit des Körpers und zarte Färbung des Ge- 
fieders aus. Ihr eigentliches Wohngebiet in der Kolonie sind 
höchst wahrscheinlich die öden, wasserarmen Steppen-, Dünen- 
und Scrublandschaften des Innern, die westlich vom 132. Längen- 
grade liegen. Ganz ausnahmsweise zeigt sie sich auf dem 
zwischen dem 20. Breitengrade und dem Wendekreise befindlichen 
Landstrich, durch den der Überlandweg und die Überlandtele- 
graphenlinie führen. Anfang der neunziger Jahre z. B. ist sie 
hier in überraschend grofser Zahl aufgetreten und hat in den 
Höhlungen der in und an den Creeks stehenden redgums (Euca- 
lyptus rostrata) genistet. Wie ich auf der Viehstation am Sterling 
Creek hörte, hätten Eingeborene in manchen Bäumen fünf und 
mehr Nester gefunden, und seien die Vögel bald nach der Auf- 
zucht der Jungen vollständig verschwunden. Als ich einige Jahre 
darauf zum ersten Male in die betreffende Gegend gelangte, sah 
ich in dem Besitze von Ansiedlern noch einige Exemplare von 
den vielen, die damals jung aus dem Neste genommen und mit 
Damper aufgefüttert waren. Freilebende Blaukappen sind mir 
nur ein einziges Mal zu Gesicht gekommen, und zwar auf dem 
wüstenähnlichen, mit Casuarina und Porcupinegrass (Triodea sp.) 
bestandenem Dünengebiet, weiches das westliche Ende der süd- 
lich von den Mac Donneil Ranges gelegenen Missionary's Piain 
bildet. Die Nahrung des Vogels besteht, soviel ich in Erfahrung 
zu bringen vermocht habe, in dem Samen von Gräsern, Kräutern, 
Eucalypten und den grünen, die Blätter vertretenden Stengelteilen 
der Kasuarinen. Die Blaukappen, welche, wie vorhin gesagt, vor 
einigen Jahrzehnten in grofser Anzahl im Ansiedelungsgebiete 
brüteten, sollen eine auffallend geringe Scheu vor den Menseben an 
den Tag gelegt haben. Keartland gibt in dem Berichte der Horn- 
Expedition an, beim Nahen des Menschen lege sich der Sittich der 
Länge nach auf dickere Äste, um sich unsichtbar zu machen, i) 
Meiner Beobachtung ist dies Versteckenspielen entgangen. Die 
Gefangenschaft erträgt er bei guter Pflege ausgezeichnet und 
gewöhnt sich in ihr sehr rasch in dem Grade an den Menschen, 



1) Report on the Work of the Hörn Scientific Expedition. 
Part II. Pag. 61 u. 62. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 269 

dafs er sich angreifen und streicheln läfst. Im Besitze des Herrn 
Museurasdirektor A. Zietz in Adelaide sah ich vor zehn Jahren 
ein Pärchen und ein von diesem im Käfige aufgezogenes Junges. 
Als das Weihchen brütete — es hatte fünf weifse Eier gelegt — 
duldete es nicht, dafs sich das Männchen dem Nest nahte. Herr 
Zietz fütterte die Vögel mit Kanariensamen, dem er manchmal ein 
wenig Eucalyptussamen beimischte. Aufserdem reichte er ihnen 
von Zeit zu Zeit grüne Zweigspitzen von Kasuarinen. Dieselben 
wurden stets mit grofser Gier gefressen. 

cT. Gesamtlänge: 40,6 cm, Flügellänge: 18,5 cm, Schwanz- 
länge: 27 cm. 

Ftistes erythropterus Gmelin (Plafycercus s. Äpromidus ery- 
thropterus). — Der Scharlachflügel bewohnt nur den Norden der 
Kolonie, dem Anschein nach aber nicht in grofser Zahl. Auf 
meiner Reise von Adelaide nach Palmerston sah ich ihn zum 
erstenmal zwischen dem 16. und 17, Breitengrade. 

I cT. Schnabel gelbrot; Iris rot; Füfse schwärzlich. Ge- 
samtlänge: 31 cm, Schwanzlänge: 15 cm, Flügellänge: 19 cm, 
Schnabellänge: 2,1 cm. Länge der Schnabelöffnung: 1,9 cm, 
Lauflänge: 2,3 cm, Länge der Mittelzehe: 2,2 cm, Krallenlänge: 
1,1 cm, Flugweite: 49 cm. Mageninhalt: Beeren. Parasiten: 
lange fadenförmige Würmer (frei in der Leibeshöhle). 

II cf juv. Von dem ausgefärbten Männchen unterschied es 
sich hauptsächlich dadurch, dafs der Vorderrücken gelblich- bis 
bräunlichgrün war, der leuchtend rote Fleck auf den Flügeln 
nur einen ganz geringen Umfang besafs, und die Iris eine bräun- 
lichrote Färbung hatte. Gesamtlänge: 28,5 cm, Schwanzlänge: 
13 cm, Flugweite: 52 cm. Mageninhalt: Sämereien. 

Vlatycercus adelaidae Gld. (adelaidensis). — Der Fasan- 
sittich besitzt bekanntlich eine weitgehende Ähnlichkeit mit dem 
Buschwaldsittich (P. elegans). Mir ist nur ein Exemplar zu Ge- 
sicht gekommen, und zwar in der Nähe von Adelaide, wo Gould 
den Vogel vor einer Reihe von Jahrzehnten in grofser Zahl an- 
getroffen hat. 

Flatycercus elegans Gmelin (P. pennantii). — Den Busch- 
waldsittich habe ich nur in der südöstlichen Ecke der Kolonie 
angetroffen, und zwar recht oft. Aufser alten Vögeln fanden sich 
auffallend viel junge vor, deren Gefieder gröfstenteils grün war. 

Flatycercus eximius Shaw. — Die Roseüa bewohnt in gröfserer 
Zahl den zwischen dem Unterlaufe des River Murray und der 
Kolonie Victoria gelegenen Küstenstrich. Im Binnenlande und 
Nordküstengebiet fehlt sie. 

Flatycercus hrowni Temm. — Der Schwarzkopfsittich ist 
auf der nördlichen Halbinsel zu Hause. In den anderen Teilen 
der Kolonie fehlt er. 



270 Erhard Eylmann: 

(f Schnabel hellbläulichgrau ; Iris schwarzbraun; Füfse 
dunkelgrau. Gesamtlänge: 30 cm, Schwanzlänge: 14,5 cm, Flug- 
weite: 37 cm. Mageninhalt: Sämereien und Kies. 

Barnardius harnardi Vig. u. Horsf. (Platycercus barnardi). 
— Den Gelbnackensittich habe ich nur am Unterlaufe des River 
Murray gesehen. 

Barnardius zonarius Shaw {Platycercus eonarius). — Der 
Ringsittich, von den Weifsen des Landes ringneck genannt, ist 
ein Bewohner des Binnenlandes. Ich habe ihn nur zwischen 
dem 20. und 30. Breitengrade angetroffen. Hier zeigt er sich 
häufig paarweise oder in kleinen Flügen, und zwar sowohl im 
Gebiete der Höhen, als auch auf den Ebenen, Sein Flug ist 
wellenförmig und ziemlich schnell. Die Nahrung sucht er meist 
auf dem Boden. Der Hauptsache nach besteht sie in allerlei 
Sämereien. Wie er durch Räubereien in den Gärten der An- 
siedler verrät, ist er ein grofser Freund von Datteln und anderen 
Früchten; auch die Blüten mancher Holzgewächse scheinen ihm 
recht zu munden. Vor dem Menschen zeigt er keine grofse 
Scheu. Wie alle Papageien des Binnenlandes, nistet er in Höh- 
lungen der Gummibäume, die an und in den Creeks stehen. In 
diesen Bäumen verbringt er auch die Nächte. Auf den Stationen 
werden häufig jung aus dem Nest genommene Exemplare in engem 
Käfig gehalten. Sie ertragen die Gefangenschaft meist jahrelang 
ohne grofse Beschwerde, obwohl sie nur eine höchst mangelhafte 
Pflege erhalten und ausschliefslich mit Damper ernährt werden. 

cf. (Krichauff Range.) Schnabel bläulichgrau, Mitte des 
Unterschnabels grauschwarz; Iris dunkelbraun; Füfse grauschwarz. 
Gesamtlänge: 37,5 cm, Schwanzlänge: 22,5 cm, Flügellänge: 18 cm, 
Schnabellänge: 2,3 cm, Länge der Schnabelöffnung: 1,6 cm, Lauf- 
länge: 2,4 cm, Länge der Mittelzehe: 2,3 cm, Krallenlänge: 1 cm, 
Flugweite: 46 cm. Kropfinhalt: Sämereien. 

Melopsittacus undulatus Shaw. — Den Wellensittich, von 
den Buschleuten grass-parrakeet genannt, habe ich zwischen dem 
16. und 31. Breitengrade überall angetroffen. Ob er auf der 
grofsen nördlichen Halbinsel vorkomme, vermag ich nicht anzu- 
geben. An der Südküste habe ich ihn ebenfalls nicht bemerkt. 
Er hält sich hier aber auf, vielleicht nur vorübergehend: wie 
ich von zuverlässigen Leuten hörte, zeige er sich zwischen 
Spencer's Golf und dem Unterlaufe des River Murray in manchen 
Jahren recht oft, namentlich zurzeit der Grassamenreife, in 
anderen dagegen selten oder garnicht. Im Fliegen besitzt er 
bekanntlich eine ungewöhnliche Geschicklichkeit und eine nicht 
geringe Ausdauer. Von den Trinkplätzen entfernt er sich unter 
Umständen recht weit, weiter als die meisten übrigen Papageien 
des Landes. Auf meinen einsamen Wanderungen im Busch be- 
obachtete ich oft wochenlang jeden Tag viele Scharen von 



Die Vogel weit der Kolonie Südaustralien. 271 

zwanzig bis hundert Stück, die laut schreiend mit blitzschnellem 
Flügelschlage in schnurgerader Richtung und in einer Höhe von 
5 bis 10 m dahinstürmten. In seinem reifsenden Fluge vermag 
der Sittich nicht immer wenig augenfälligen Hindernissen auszu- 
weichen: unter den vielen toten und schwer verletzten Vögeln, 
die ich, wie eingangs erwähnt, unter der Überlandtelegraphen- 
leitung fand, war er am zahlreichsten vertreten. Einmal sah ich 
einen frisch abgetrennten Wellensittichflügel an dem Drahte der 
Leitung hängen. In diesem Falle mufs die Fluggeschwindigkeit 
aufserordentlich grofs gewesen sein. Raubvögeln fällt der Wellen- 
sittich nicht gar selten zum Opfer, und zwar meist an den Trink- 
plätzen. In dem Laubwerk der hohen Eucalypten der Creeks, 
wo er die Nächte verbringt und oft um die Mitte des Tages 
Schutz vor den glühenden Sonnenstrahlen sucht, ist er selbst 
dann ziemlich sicher vor seinen Feinden, wenn der Schlaf nicht 
seiner auffallend grofsen Unruhe und Geschwätzigkeit ein Ende 
gemacht hat, denn sein Kleid hebt sich fast garnicht von den 
bläulichgrünen Blättern ab. Meinen Erfahrungen nach unter- 
nimmt er sehr ausgedehnte Wanderungen. Veranlafst werden 
diese stets durch eingetreteneu Mangel an Grassamen, Manche 
Gegenden, wo er in fruchtbaren Jahren so häufig vorkommt, 
wie bei uns die Sperlinge, verläfst er bei lange anhaltenden 
Dürren vollständig und oft auf lange Zeit. Auf meiner ersten 
Überlandreise sah ich im westlichen Randgebiet der grofsen 
Lake Eyre- Senke nicht einen einzigen Wellensittich. Als ich 
nach ein paar Jahren wieder in diese Gegend kam, zeigte sich 
hier der Vogel an allen Wasserlöchern in auffallend zahlreichen 
Flügen. 

cT (Norden des Binnenlandes). Schnabel gelblichgrau; Füfse 
hellgrau; Iris grau. Gesamtlänge: 19 cm, Schwanzlänge: 9,5 cm, 
Flugweite: 26 cm. Kropfinhalt: Sämereien. 

Psephotus haematogaster Gld. {Tlatycercus haematogaster)}) — 
Den Gelbsteissittich habe ich nur in dem östlich vom Lake Eyre 
gelegenen Landesteil beobachtet. Er zeigte sich meist paarweise, 
selten in kleineren Flügen. 

cf. Flügelbug lasurblau; grofser Flügelfleck bräunlichgelb; 
untere Schwanzdecke blafsgelb; Schnabel bläulichgrau; Füfse 
grauschwarz; Iris hellbraun. Gesamtlänge: 29,5 cm, Schwanz- 
länge: 16 cm, Flügellänge: 12,2 cm, Schnabellänge: 1,8 cm, Länge 
der Schnabelöffnung: 1,3 cm, Lauflänge: 2 cm, Länge der Mittel- 
zehe: 2,5 cm, Krallenlänge: 0,7 cm, Flugweite: 38 cm. Kropf- 
inhalt: Sämereien. 

Psephotus muUicolor Temm. {Flatycercus multicolor). — Der 
Bunt- oder Vielfarbensittich ist mir nur zwischen dem 23. und 
28. Breitengrade zu Gesicht gekommen, und zwar stets paar- 



1) A. Keichenow, Vogelbilder aus fernen Zonen. Taf. XXIII, Fig. 3. 



272 Erhard Eylmann: 

weise. Auf alle Exemplare, die in meinen Besitz gelangt sind, 
pafste die Beschreibung, welche Gould von der Art gibt, nicht 
genau. 

d* . Stirn zitronengelb ; Hinterkopf grüngrau, rostfarbig 
gefleckt; Scheitel, Hals und Brust graugrün; Rücken dunkelgrau- 
grün; Bürzel vorn grauschwarz, hinten bläulichgelb; obere Deck- 
federn des Schwanzes schwärzlich und olivengrün, rostrot gefleckt; 
Bauch gelbgrün; Seiten, Steifs und untere Schwanzdecke hellgrün- 
gelb; obere Flügeldecke grünlich, in der Nähe des Handgelenkes 
eine Anzahl kleiner rostroter Flecke; Schwungfedern grauschwarz, 
äufsere Fahne oben dunkelblau bis olivengrün, Innenfahne mit 
einem grofsen weifsen Fleck; Spitzenhälfte des Schwanzes schwärz- 
lich, bräunlich und lila; Wurzelhälfte desselben grünlich, mit 
einer durchbrochenen, schwarzen Querbinde; Schnabel bläulich- 
grau, Spitze schwärzlich; Füfse grauschwarz; Iris braun. Gesamt- 
länge: 29,5 cm, Schwanzlänge: 16,5 cm, Flügellänge: 13,5 cm, 
Schnabellänge: 1,3 cm, Länge der Schnabelöffnung: 1,1 cm, Lauf- 
länge: 1,9 cm, Länge der Mittelzehe: 1,5 cm, Krallenlänge: 0,6 cm, 
Spannweite: 34 cm. Mageninhalt: Sämereien. 

Geopsitiacus occidentalis Gld. — Mir ist nur ein Pärchen 
auf der nördlich von den Mac Donnell Ranges gelegenen Burt 
Piain zu Gesicht gekommen. 

Familie: Treronidae. 

Myristicivora spüorrhoa Gray. — Das Weifs des sichtbaren 
Gefiederteiles ist mattgelb (creme) überflogen. Die Kiele und das 
flaumige untere Ende vieler Fahnen sind deutlich mattgelb gefärbt. 
Am schärfsten ist diese Färbung an dem Schwänze und seiner 
unteren Decke ausgeprägt. Inbezug auf sie sei bemerkt, dafs 
das Fett der von mir geschossenen Exemplare eine auffallend 
goldgelbe Farbe hatte, und dafs sich im Magen und Kropf nur 
Palmfrüchte mit gelbrötlichem Fruchtfleische vorfanden. Der 
gelbliche Farbstoff ist übrigens flüchtig, wie die alten Bälge 
deutlich erkennen lassen. Ich traf die Taube nur in den Flufs- 
dickichten (Dschungel) der grofsen nördlichen Halbinsel an, wo 
sie sich die genannten Früchte verschaffen konnte. 

9- Schnabel zitronengelb ; Füfse graublau ; Iris braun. Gesamt- 
länge: 40 cm, Schwanzlänge: 14 cm, Flügellänge: 24 cm, Schnabel- 
länge: 2,2 cm, Länge der Schnabelötfnung: 3,3 cm, Lauflänge: 
3,2 cm, Länge der Mittelzehe: 3,3 cm, Krallenlänge 1 cm, Flug- 
weite: 73 cm. Mageninhalt: Palmfrüchte. 

Familie: Peristeridae. 

GeopeliatranquillaGld. — Dieses stargroIseTäubchen bewohnt 
das nördlich vom 18. Breitengrade gelegene Gebiet der Kolonie. 
Am häufigsten ist sie mir dort in kleinen Flügen in der Nähe 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 273 

von Wassei löchern und am Rande von V\aldlichtungeu zu Gesicht 
gekommen. Nach R. Hall ist sie auch im Süden, am Mittellaufe 
des River Murray, heimisch. Sie zeigt wenig Furcht vor dem 
Menschen. Wird sie vom Boden aufgescheucht, so fliegt sie dem 
nächsten Baume oder Strauche zu und macht eine Verbeugung und 
schnellt den Schwanz in die Höhe, sobald sie Fufs gefafst hat. 

9. Schnabel schmutzig grau, an der Spitze schwärzlich und 
oben an der Wurzel grünlich blau; Iris weifslich; nackter Gesichts- 
fleck grünlichblau, wie die Wurzel des Oberschnabels; Füfse 
schmutzig grau, vorn rötlich gefleckt. Gesamtlänge: 20 cm, 
Schwanzlänge 9,5 cm, Flugweite: 27—28 cm. Inhalt des Magens 
und des Kropfes: Grassamen. 

Geopelia cuneata Lath. — Mit Ausnahme der beiden Küsten- 
gebiete habe ich sie überall in der Kolonie beobachtet. Vieler- 
orten gehört sie zu den gemeinsten Vögeln. In Gestalt und 
Gröfse, Wesen und Gebaren, Bewegung und Haltung gleicht sie der 
vorigen Art. Von dieser kann sie aber leicht durch die weifsen 
stecknadelkopfgrofsen, schwarz umzogenen Flecken auf der Ober- 
seite der Flügel und dem Fehlen der braunschwarzen Strichelung 
des Halsgefieders unterschieden werden. Ihre Nahrung sucht 
sie sich auf dem Boden. Gewöhnlich wird sie paarweise oder 
in kleinen Trupps angetrofl"en. Sie ist ein ungemein zutrauliches 
Tierchen: erst dann pflegt sie vom Boden aufzufliegen, wenn 
mann sich ihr bis auf ein paar Schritte genähert hat. In diesem 
Falle läfst sie sich meist auf einem der unteren Zweige des 
nächsten Baumes oder Strauches nieder und bleibt hier solange 
unbeweglich sitzen, als man sich in ihrer Nähe aufhält. Die 
Gefangenschaft erträgt sie ausgezeichnet, 

cT. (Pine Creek). Schnabel grauschwarz; Füfse schmutzig 
rötlichgelb; Iris und nackter Augenring rot. Gesamtlänge: 
20 cm, Schwanzlänge: 12 cm, Flugweite: 24 cm. 

Geophaps smithi Jard. u. Sei, — Diese schöne, aber etwas 
plumpe Taube ist eine Bewohnerin der nördlichen Halbinsel. 
Nach R, Hall kommt sie aufserdem noch im Norden Westaustra- 
liens vor. Sie geht allein oder in Gesellschaft von wenigen ihres- 
gleichen in ganz unauffälliger Weise auf dem Boden der Nahrung 
nach. Vor dem Menschen hat sie anscheinend wenig Furcht: 
man kann sich ihr bis auf zwei Meter nähern. Beim Auffliegen 
klatscht sie laut mit den Flügeln, wie unsere Ringeltaube. Als 
ich mich auf der Halbinsel aufhielt, zeigte sie sich recht häufig. 

An der Nordküste schofs ich ein Weibchen, auf das die 
Beschreibung, welche Gould von der Art gibt, nicht genau pafste. 
Die Oberseite des Kopfes, der Nacken und die oberen Flügel- 
decken waren dunkelbraun und schimmerten grünlich. Der 
grofse nackte halbmondförmige Augenfleck hatte eine zinnober- 
rote Färbung (nicht orangenfarbige) und besafs eine weifse, innen 
schwarz umzogene Federeinfassung. Unter dem Kopfe befand 



274 Erhard Ejlmann: 

sich eine ankerähnliche weifse Zeichnung. Die Unterseite des 
Halses zeigte ein etwas helleres Rotbraun als der Nacken. Die 
Brust und der Bauch waren rötlich- bis gelblichbraun und die 
Rumpfseiten vorn weifs und hinten dunkelbraun (nicht weifs). 
Auf der Rrustmitte safs ein grauer, mit schwarzen Querlinien 
versehener Fleck. Die Schwungfedern waren schwärzlichbraun, 
und einige der kleineren bildeten mit ein paar grofsen Deckfedern 
einen blaugrün und rötlichviolet schillernden Spiegel. Die Steuer- 
federn hatten ebenfalls eine schwärzlichbraune Färbung; mit 
Ausnahme der beiden mittleren war ihre Spitze schwarz. Die 
unteren Flügeldecken glichen in der Färbung den vorderen 
Seitenhälften. Die Füfse waren bläulichrot, und der Schnabel 
war grauschwarz. Gesamtlänge: 26,5 cm, Schwanzlänge: 9 cm, 
Flugweite 40 cm. 

Auf ein paar andere Exemplare, über deren Aussehen ich 
eine genaue Aufzeichnung gemacht habe, pafste die Beschreibung 
von Gould besser: die Rumpfseiten waren ihrer ganzen Erstreckung 
nach weifs; der halbmondförmige Augenfleck hatte jedoch keine 
orangenfarbige, sondern eine zinnoberrote Färbung, wie das 
Exemplar, welches ieh eben beschrieben habe. 

Phaps chalcoptera Lath. — Meinen Beobachtungen nach be- 
wohnt' sie den ganzen nördlich vom 26. Breitengrade gelegenen 
Gebietsteil der Kolonie. Sie gehört zu den echten Erdtauben. 
Trotz ihres gedrungenen, plumpen Baues ist sie ein ausgezeich- 
neter Flieger. In dem unwirtlichen, wasserarmen Binnenlande 
entfernt sie sich weiter von den Trinkplätzen als die übrigen 
Tauben. Vor dem Menschen zeigt sie eine grofse Scheu. Wird 
sie vom Boden aufgescheucht, so fliegt sie stets so weit, dafs 
man sie aus den Augen verliert. Zweimal am Tage, frühmorgens 
und spät abends, löscht sie ihren Durst. In der Abenddämmerung 
sieht man sie in pfeilschnellem, schnurgeradem Fluge zu ihrem 
Trinkplatze eilen. Hier läfst sie sich zunächst auf einem Baume 
oder dem Boden in einer Entfernung von zehn bis zwanzig Schritt 
vom Wasser nieder, und begibt sich erst dann zu diesem, und 
zwar ganz verstohlen, wenn sie sich Gewifsheit verschafft zu 
haben glaubt, dafs ihr keine Gefahr drohe. Ihrer Nahrung geht 
sie meist einzeln oder paarweise nach. Am Tage ist sie mir im 
Binnenlande nicht häufig zu Gesicht gekommen, nach Sonnen- 
untergang dagegen habe ich dort an kleinen Wasserlöchern oft 
gegen ein halbes Dutzend Exemplare in wenig mehr als einer 
Stunde erlegt. Das Fleisch ist zart und sehr wohlschmeckend. 

9- Schnabel grauschwarz ; Füfse karminrot; Iris dunkelrot- 
braun. Gesamtlänge: 35,5 cm, Schwänzlange: 13 cm, Flugweite: 
48 cm. Mageninhalt: Sämereien. 

Lophophaps leucogasier Gld. — Es kommen in Australien 
drei „Arten" der Gattung Lophophaps vor, nämlich L. leucogasier^ 
L. plumifera und L. ferruginea. Sie unterscheiden sich nur ganz 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 275 

uuweseutlicli voneinander. Die von mir geschossenen Exemplare 
— ihre Zahl ist nicht gering — stimmten in ihrem Aussehen 
mit der L. leucogaster genannten „Art" überein. Ich gebe hier 
aus einem meiner Tagebücher die Beschreibung eines weiblichen 
Exemplares aus der Krichauff Range wieder. 

„Diese Taube ist plump gebaut und steht an Gröfse ein 
wenig hinter der Haustaube zurück. Die Stirn ist aschgrau und 
der Scheitel kaffeebraun. Den Hinterkopf schmückt eine will- 
kürlich aufrichtbare Haube mit zwei langen sehr schmalen Federn 
von hellgrauer Färbung. Die Augen umschliefst ein spindel- 
förmiger, zinnoberroter, von winzigen schwarzen Federn um- 
randeter Hautfleck. Die Ohrgegend ist aschgrau, wie die Stirn. 
Auf den Wangen und der Unterseite des Kopfes befinden sich 
zwei dreieckige weifse Flecke, die vor der Kehle durch einen 
schwarzen Längsstrich voneinander getrennt sind. Unterhalb 
dieser Flecke steht ein schwarzes bogenförmiges Band, das jeder- 
seits bis zur Ohrdecke reicht. Der übrige Teil der Unterseite 
des Halses ist kaffeebraun. Die Federn des Nackens und des 
Vorderrückens sind dunkelgraubraun und haben an der Spitze 
einen hellbraunen Saum. Der Hinterrücken, der Bürzel, sowie 
die obere Schwanzdecke sind dunkelrostbraun bis graubraun. Die 
Brust und der Bauch zeigen ein Weifs, dem ein wenig Braun bei- 
gemengt ist. Nach Hall sind diese Körperteile bei den anderen 
„Arten" zimmtfarben. Die Vorderbrust umspannt ein schmales 
Band von grauer, brauner und schwarzer Färbung (die Federn 
sind aschgrau und haben eine braune Spitze und einen schwarzen 
Querstrich). Die Seiten und die unteren Flügeldecken sind licht- 
kalfeebraun. Die Deckfedern der Armschwingen gleichen in der 
Färbung den Federn, die das Brustband zusammensetzen. Die 
der Handschwingen sind rostbraun und zeigen verschwommene 
schwärzliche Flecke. Die Schwungfedern haben ebenfalls eine 
rostbraune Grundfärbung; an der Spitze geht dieselbe in ein 
bräunliches Schwarz über (bei den kleineren ist mehr als die 
Endhälfte bräunlichschwarz gefärbt). Die Steuerfedern sind grau- 
braun und haben eine schwarze Spitze. Die Federn der unteren 
Schwanzdecke und die des Steifses sind bräunlichgrau und haben 
einen bräunlichweifsen Saum. Die Iris zeigt ein schönes Gold- 
gelb. Die Schnabelscheide und die Fufshaut sind schwärzlich. 
Gesamtlänge: 21 cm, Schwanzlänge: 7,5 cm, Flugweite: 32 cm." 

Zwischen dem 18. und 26. Breitengrade ist mir die Taube 
im Gebiete felsiger Höhen recht oft zu Gesicht gekommen. Ob 
ihr Verbreitungsgebiet weiter nach Norden und Süden reicht, 
vermag ich nicht zu sagen. Sie ist ein vertrauensvoller Vogel: 
man kann sich ihr bis auf wenige Schritte nähern, und wenn 
man sie aufscheucht, so pflegt sie nicht weit zu fliegen. Auf dem 
Boden sucht sie ihre Nahrung, nistet sie und ruht sie aus. Meist 
wird sie paarweise oder in kleinen Trupps angetroffen. Am 
liebsten hält sie sich in felsigen Tälern unweit eines Wasserloches 



276 Erhard Eylmann: 

(rockhole) auf; die weiten Scrubebenen meidet sie so gut wie 
vollständig. Von den Buschleuten hat sie deswegen den Namen 
rockpigeon erhalten. Ein eigentliches Nest baut sie nicht. Die 
Eier legt sie in einer kleinen von Grasbüscheln umstandenen 
Bodenvertiefung ab, die sie notdürftig mit ein paar Halmen aus- 
gekleidet hat. Dieselben sind gelblich weifs und glanzlos. Be- 
sonders hervorheben möchte ich, dafs die Taube in der Färbung 
ganz vortrefflich dem Boden ihres Wohnortes angepafst ist. In 
der Regel besteht dieser aus stark eisenschüssigem rotbraunen 
Sandstein, der ganz oder zum gröfsten Teil mit gröberem und 
feinem Schutt bedeckt ist und nur kümmerlichen Pflanzenwuchs 
aufweist. Gelangt man in die Nähe der Taube, so drückt sie sich 
sogleich zu Boden. Hierdurch entgeht sie meist der Wahrnehmung, 
da sie sich fast gar nicht von ihrer Umgebung abhebt. Verhält 
man sich dann einige Minuten mäuschenstill, so trippelt sie in 
höchster Eile davon, um hinter einem Felsblocke, Busche oder 
Grasbüschel Deckung zu suchen. Ihr Fleisch zeichnet sich durch 
Zartheit und Wohlgeschmack aus, infolgedessen ist sie sehr den 
Nachstellungen des Menschen ausgesetzt. Der Eingeborene er- 
legt sie durch Würfe mit Knüppeln oder Steinen. Ein glaub- 
würdiger trooper erzählte mir, er sei einst Zeuge gewesen, wie 
ein Knabe der Lurritji (Stamm im Innern der Kolonie) rockpigeons 
mit den Händen gefangen habe. Der junge Jäger hätte sich in 
einer kleinen Höhle versteckt gehalten, die neben einem winzigen 
Wasserloche in den Sand gegraben, und deren enger Eingang 
lose mit Porcupinegras (Triodia sp.) verstopft gewesen wäre. 
Hätte sich eine Taube dem Eingang bis auf Handbreite genähert, 
so wäre sie blitzschnell ergriffen worden. 

Ocyphaps lophotes Temm., topknot-pigeon. — Ihr Wohngebiet 
bildet das ganze Binnenland. Nördlich vom 16. und südlich vom 
32. Breitengrade habe ich sie nicht beobachtet. Auf den mit 
lichtem Scrub bestandenen Ebenen treibt sie sich überall dort in 
gröfseren und kleineren Flügen umher, wo es nicht an Gras- 
samen fehlt, und Wasser nicht allzuweit entfernt ist. Manche 
ihrer Trinkplätze sucht sie zeitweilig gleich nach Sonnen- 
aufgang und spät am Nachmittage in. überraschend grofser Zahl 
auf. An freiliegenden Brunnen des Überlandweges sah ich oft 
frühmorgens mehr als eine Stunde lang Schwärme in rascher 
Folge ankommen, hastig ihren Durst stillen und davonfliegen. 
Zuerst setzten sich die Tauben dicht gedrängt auf die Umzäunung 
und das Balkenwerk und flogen dann gleichzeitig zum Wasser 
hinab, sobald genügend Platz an demselben frei geworden war. 
Unter allen Tauben der Kolonie ist Ocyphaps lophotes wohl die 
anmutigste Erscheinung. Von ihrer das felsige Gelände be- 
wohnenden Schwester, dem rock-pigeon, unterscheidet sie sich im 
Naturell ebenso sehr, wie in der Kleidung. Sie ist ein kecker, 
beweglicher, munterer Vogel. Ihr Flug zeichnet sich durch 



Die Vogel weit der Kolonie Südaustralien. 277 

Schnelligkeit und Gewandtheit aus. Beim Auffliegen verursacht sie 
ein pfeifendes Geräusch und beim Niedersetzen schnellt sie den 
langen Schwanz einmal in die Höhe, Dort, wo nicht Jagd auf 
sie gemacht wird, zeigt sie sich so wenig scheu, dafs man sie in 
der Nähe beobachten kann. Auf dem Boden ist sie gewöhnlich 
schwer erkennbar, da sie in der Färbung dem absterbenden und 
welken Grase ähnelt, das ihr unter allen Gewächsen die meiste 
Nahrung liefert. Sie nistet auf Bäumen und legt zwei weifse Eier. 
Es scheint, dafs die einzelnen Paare während der Legezeit nicht, 
oder wenigstens nicht immer abgesondert leben. Am 12. Juni 
1898 schofs ich am Taylor Creek (21° 31') zehn Stück eines 
gröfseren Fluges. Zwei hatten ein ausgebildetes Ei im Eileiter. 
Auffallenderweise befanden sich diese beiden, sowie die anderen 
acht in der Mauser. 

cf. (Taylor Creek.) Schnabel schwärzlich; Füfse und nackter, 
faltiger Augeuring blutrot; Iris orangengelb. Gesamtlänge: 34 cm, 
Schwanzlänge: 14,5 cm, Flugweite: 45 cm. Kropf und Speiseröhre 
strotzend mit Sämerein gefüllt. 

Familie: Phasianidae. 

Synoecus australis Temm. {S. sordidus Gld., S. diemenensis 
Gld., S. australis Gld., S. cervinus Gld.). — Diese Wachtel soll 
auf Tasmanien und dem ganzen Festlande heimisch sein. Mir 
ist sie recht oft im Binnenlande und an der Nordküste zu Gesicht 
gekommen. Sie geht in Trupps von zehn bis fünfzehn Stück 
der Nahrung nach. Nähert man sich ihr, wenn sie sich auf einer 
nackten Stelle des Bodens befindet, so eilt sie sofort in gröfster 
Hast dem nächsten Grasdickichte zu. Ist nichts vorhanden, was 
ihr Deckung zu bieten vermag, oder wird sie hart bedrängt, so 
fliegt sie davon, aber stets nur eine kurze Strecke weit. 

Familie: Megapodidae. 

Lipoa ocellata Gld. (Leipoa ocellatd). — Der „native pheasant" 
soll in einem grofsen Teil des Innern von Australien heimisch sein. 
Ich habe ihn nur auf der Missionary-Plain, zwischen dem 23. und 
24. Breitengrade und dem 132. und 133. Längengrade angetroffen, 
und zwar auf einem flachen, sandigen Gelände mit lichtem Scrub. 
Über zwei seiner Nester, die ich dort sah, machte ich an Ort und 
Stelle nachstehende Aufzeichnung: „26. Sept. — Unweit Gosse's 
Range, inmitten eines niedrigen Scrubs, fand ich zwei Nester 
des Leipoahuhnes. Sie bilden einen winzigen, aus reinem Sand 
zusammengescharrten Hügel, der die Gestalt eines abgestutzten 
Kegels besitzt, 45 bis 50 cm hoch ist und am Grunde einen 
Durchmesser von 2 m hat. Oben sind die beiden Nester ein wenig 
grubig vertieft. Unter dieser Vertiefung steckten 15 bis 20 cm 
tief im Sande vier beziehungsweise fünf frische Eier. Ihre 
Schale ist rosaweifs und völlig glanzlos. Der Sand wies — es 



278 Erhard Eylmann: 

war um die Mittagszeit — eine Temperatur von 35 bis 40® C. 
auf. Mein eingeborener Begleiter erzählte mir, dafs die Arünta, 
welchen wir in Gosse's Range begegnet waren, viele Eier dieser 
Art gefunden hätten, und dafs das Leipoahuhn in dem westwärts 
von hier gelegenen Steppen- und Scrubgebieten ziemlich häufig 
vorkomme." 

Familie: Kallidae. 

Microtribonyx ventralis Gld. (Tribonyx ventralis). — Dieser 
zierliche, wie eine zwerghafte dunkle Henne aussehende Vogel 
ist mir an einigen Wasserlöchern zwischen dem 22. und 29. Breiten- 
grade zu Gesicht gekommen, und zwar einzeln, paarweise 
oder in kleinen Trupps. Er ist lebhaft, wachsam und scheu und 
führt ein ziemlich verstecktes Leben. Naht man sich ihm, so 
rennt er davon, um sich so schnell wie möglich in das nächste 
Gras-, Binsen- oder Gestrüppdickicht zu verbergen. Gewöhnlich 
fliegt er nur dann auf, wenn man ihn jagt, und nichts vorhanden 
ist, das ihm Deckung gewähren kann. Den dachförmigen Schwanz 
trägt er aufrecht, wie ein Haushuhn, und alle seine Bewegungen 
sind ungmein anmutig. Es scheint, dafs Nahrungsmangel den 
Vogel zuweilen zu ausgedehnten Wanderungen zwinge. Im 
November des Jahres 1840 ist er auf der Adelaide Piain plötz- 
lich in ungeheurer Menge erschienen und hat den Kornfeldern 
und den Gärten viel Schaden zugefügt. Selbst auf die Strafsen 
der Hauptstadt ist er in grofsen Trupps gekommen. 1833 hat 
nach dem Berichte von John Hüll eine unermefsliche Zahl dieser 
Hühnervögel die Umgebung von Perth, der westaustralischen 
Hauptstadt, auf die gleiche Weise heimgesucht. 

Fulica australis Gld. — Das Australische Wasserhuhn soll 
überall auf dem Kontinente vorkommen, wo Gewässer vorhanden 
sind, die ihm genügend Nahrung bieten. Ich habe es in der 
südlichen Hälfte unserer Kolonie angetroffen. 

Gallinula tenebrosa Gld. — Dieses Wasserhuhn bewohnt 
die Seen und Flüsse der Südküste in recht grofser Anzahl. Läfst 
man es unbehelligt, so wird es auffallend zutraulich: im botanischen 
Garten Adelaides beobachtete ich es oft in allernächster Nähe, 
wenn es mit dem zahmen Geflügel der dortigen Teiche aus einem 
Troge frafs. 

Forphyrio melanonotus Temm. (F. melanoios). — Dieses 
farbenprächtige Sultanshuhn gehört der östlichen Hälfte des Kon- 
tinentes an. Ich habe es im Südküstengebiet angetroffen, aber 
nur an wenigen Orten. Am liebsten hält es sich an Flüssen und 
stehenden Gewässern auf, deren Ränder reichlich mit Schilf 
bewachsen sind. Es führt ein verstecktes Leben und ist recht 
scheu und vorsichtig. Dort, wo es unbehelligt bleibt, wird es 
aber ziemlich zutraulich, wie z. B. auf dem Wasserbecken des 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 279 

River Torrens, das North- und South-Ädelaide voneinander scheidet. 
Beim Nahen des Menschen flüchtet es sofort in das Schilf, wobei 
es eine grofse Gewandtheit im Rennen über niedergedrükte Pflanzen 
bekundet. Zum Fliegen scheint es keine grofse Luft zu haben. 
Erwähnt sei, dafs ich es wiederholt in den Läden Adelaider 
Wildhändler hängen sah. 

Familie: Crruidae. 

Antigone australasiana Gld. {Grus australasianus). — Der 
Australische Kranich kommt im Süden und Norden der Kolonie 
vor. In dem wasserarmen Binnenlande habe ich ihn nirgends 
angetroffen; da er ein ausgezeichneter Flieger ist, halte ich es 
aber für wahrscheinlich, dafs er auf Streifereien nach ausgedehnten 
und starken Regenniederschlägen auch dorthin gelange. Die in 
kleinen Tieren und pflanzlichen Stoffen bestehende Nahrung sucht 
er mit Vorliebe in und an den Wasserläufen und Sümpfen. Er 
ist ebenso scheu und wachsam wie sein europäischer Verwandter. 
Nachstellungen hat er nicht oft zu erdulden. Einer seiner Haupt- 
feinde ist jedenfalls der Eingeborene; diesem gelingt es aber nur 
sehr selten ein Exemplar zu erlegen. Von zuverlässigen Leuten 
hörte ich, dafs er zuweilen drollige Tänze aufführe. Die Buschleute 
haben ihm den wenig bezeichnenden Namen native compagnion 
gegeben. 

Familie: Otididae. 

Eupodotis australis Grey (Otis australasianus). — Der 
gänsegrofse, schwerleibige Australische Trappe ist überall in der 
Kolonie zu Hause. Am häufigsten traf ich ihn in dem südlichen 
Teil der Lake Eyre-Senke an. Zum Aufenthalt wählt er mit 
Vorliebe weite grasreiche aber busch- und baumarme Ebenen. 
Die Felsenhöhen meidet er natürlich; die Täler dagegen, mögen 
sie weit oder eng sein, sucht er dann und wann auf. Er zeigt 
sich paarweise oder in kleinen Trupps. Obwohl sein Gang langsam 
und gemessen ist, ist er doch ein guter Läufer. Von flachem 
Boden vermag er sich nur zu erheben, wenn er einen starken 
Anlauf genommen hat. Im Fluge hält er den Kopf und Hals 
nach vorn und die Beine nach hinten gestreckt. Er ist ein 
langsamer und schwerfälliger Flieger; eine Gesellschaft fliegt 
daher nie gedrängt. Sein Gebaren ist ein beständiges Schwanken 
zwischen Furcht und Neugierde. Er lebt von kleinen Tieren und 
pflanzlichen Stoffen. Dem Mageninhalte der von mir erlegten 
Exemplare nach scheinen Heuschrecken seine Lieblingsnahrung 
zu sein. Sein Fleisch liefert einen recht wohlschmeckenden 
Braten; infolgedessen hat er sehr unter den Nachstellungen des 
Menschen zu leiden. Unter den Tieren sind wohl der Dingo und 
der Keilschwanzadler seine gröfsten Feinde. Erwähnung verdient 
noch, dafs sein Federkleid sich zu der Zeit auffallend wenig in 



280 Erhard Eylmann: 

der Färbung von der aus Gräsern und Kräutern zusammengesetzten 
Bodendecke abhebt, wenn diese ihm die meiste Nahrung zu spenden 
vermag. 

Familie: Oedicnemidae. 

Burhinus grallarius Lath. (Oedicnemus grallarius). — Wie 
bekannt, unterscheidet sich der australische Dickfufs von dem 
europäischen hauptsächlich nur dadurch, dafs er um die Hälfte 
gröfser ist. Er findet sich in der Kolonie überall ziemlich häufig 
vor. Nach Hall fehlt er auf der nördlichen Halbinsel. Ich habe 
ihn dort aber mehrere Male angetroffen. Am Tage hält er sich 
in hohem Grase oder unter Büschen und Bäumchen des Scrubs 
verborgen. Naht man sich seinem Versteckplatze, so stelzt er, 
sich häufig umsehend, eiligst davon, um sonstwo Deckung zu finden. 
Zum Davonfliegen entschliefst er sich nicht leicht. Gleich nach 
Anbruch der Dunkelheit kommt Leben und Bewegung in ihn. 
Wie es scheint, stillt er zuerst seinen Durst und begibt sich dann 
auf die Suche nach Nahrung. In hellen Nächten läfst er ein 
gellendes, weithin hörbares Körliu sehr oft hören. Von den Busch- 
leuten hat er deswegen den Namen curlew (spr. körlu) erhalten. 
Er baut kein Nest, sondern legt seine Eier, zwei au der Zahl, 
unter einem Bäumchen oder Strauche auf den nackten Erdboden. 
Steine, Zweige oder dergleichen duldet er aber nicht an der 
betreffenden Stelle. Überrascht man ihn beim Brüten, so geht 
er zögernd und sich oft umsehend davon. Die Eier sind länglich- 
rund und zeigen auf schmutzig grauweifsem Grunde hellbläuliche 
Unter- und dunkelgrünlichbraune Oberflecke. Der Längsdurch- 
messer beträgt gegen 5,5 cm und der Querdurchmesser gegen 
4,5 cm. Junge sind mir nicht zu Gesicht gekommen. Eier habe 
ich mehrere Male unweit des Oberlaufes vom Finke River auf- 
gefunden, und zwar in der ersten Hälfte des Oktobers ein und des- 
selben Jahres. Am Tage fällt unser Dickfufs seinen zahlreichen 
Feinden häufig zum Opfer, da er bei drohender Gefahr allzurasch 
sein Versteck verläfst und sich auf freie Plätze wagt. Am meisten 
wird ihm wohl von den gröfsten Raubvögeln nachgestellt. Gegen 90 km 
von der Nordküste war ich Zeuge von dem Überfall dreier whistling 
eagles {Haliastur sphenurus) auf einen Dickfufs. Innerhalb weniger 
Minuten wurde dieser durch Schnabelhiebe so schwer am Kopfe 
verletzt, dafs ich ihn mit Leichtigkeit zu ergreifen vermochte. 
Das Fleisch liefert einen guten Braten. In Adelaide sah ich den 
Vogel nicht selten vor den Läden von Wildhändlern hängen. 

(f. Nördliche Halbinsel: Schnabel schwarz; Füfse schmutzig- 
grau; Iris goldgelb. Gesamtlänge: 53 cm, Schwanzlänge: 19 cm, 
Flugweite 88 cm. Mageninhalt: breiige, von Tieren stammende 
Masse. 

Orthorhamphus magnirostris Vieill. (Esacus magnirostris) , 
einen den Strand der Nordküste bewohnenden nahen Verwandten 
von Burhinus grallarius habe ich nicht beobachtet. 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 281 

Familie: Charadriidae. 

Haematopus longirostris Vieill. — Dieser Austernfischer ist an 
den beiden Küsten der Kolonie zu Hause. Er zeigt sich einzeln 
oder in kleinen Gesellschaften. Stets hält es schwer, ihm auf 
Schufsweite nahe zu kommen. 

Lobivanellus loibatus Lath. — Zu seinem Verbreitungsgebiet 
gehört der Süden der Kolonie. In den sumpfigen Niederungen 
am River Murray, am Coorong und sonstwo ist er mir recht oft 
zu Gesicht gekommen. 

Lobivanellus personatus Gld. — Dieser Lappenkiebitz ist an 
der ganzen Nordküste zu Hause. Auf der nördlichen Halbinsel 
findet er sich in gröfserer Anzahl vor. Er sowie die zuvor genannte 
Art sind muntere, geweckte Vögel. In ihrer Lebensweise und in 
ihrem Gebaren haben sie sehr viel mit unserem Kiebitz gemein. 

cf. Schnabel, Gesichtslappen und Sporn an den Flügelbugen 
zitronengelb; Beine karminrot; Iris hellgelb. Gesamtlänge: 34 cm, 
Schwanzlänge: 11 cm, Flugweite: 75 cm. 

Zonifer tricolor Vieill. {Sarciophorus pecioralis). — Den 
Schwarbrüstigen Kiebitz (black-breasted plover) habe ich in dem 
sumpfigen Küstengebiet des South-east und in den Niederungen 
am Unterlaufe des River Murray recht oft angetroffen. Sein 
Geselligkeitstrieb scheint geringer zu sein, als der unseres Kiebitzes, 
Er ist wachsam, aber durchaus nicht scheu. 

Äegialiiis ruficapüla Temm. {Hiaticola ruficapilla). — 
Der Rotköpfige Regenpfeifer ist im Nord- und Südküstengebiet, 
sowie an gröfseren Wasserbecken des Binnenlandes (Lake Kilal- 
panina, L. Copperamana) zu Hause. Es zeigt sich meist paar- 
weise oder in kleineren Trupps. 

cf. (Cooper's Creek.) Schnabel schwarz; Beine grauschwarz; 
Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 14,5 cm, Schwanzlänge: 4 cm, 
Flügellänge: 10,6 cm, Schnabellänge: 1,2 cm, Länge der Schnabel- 
Öffnung: 1,6 cm, Lauflänge: 2,7 cm, Länge der Mittelzehe: 1,7 cm, 
Krallenlänge: 0,3 cm. Mageninhalt: Insektenreste. Parasiten: 
Bandwurm. 

Äegialitis melanops Vieill. {A. nigrifrons). — Den Schwarz- 
stirnigen Regenpfeifer trifft man in geringer Zahl an allen Süfs- 
wasserseen und gröfseren Wasserlöchern der südlichen Binnenlands- 
hälfte an. Es hält nicht schwer ihm nahezukommen. 

9- (Oberlauf des Finke River.) Schnabel fleischfarbig bis 
zinnoberrot, Spitze schwarz ; nackter Augenring zinnoberrot; Iris 
dunkelbraun; Füfse und unbefiederter Teil der Unterschenkel 
blafsfleischfarbig; Nägel schwarz. Gesamtlänge: 16,5 cm, Schwanz- 
länge: 6 cm, Flugweite: 36 cm. Mageninhalt: Insekten. 

Rimantopus leucocephalus Gld. — Den Weifsköpfigen Strand- 
reiter habe ich zwischen der Nordküste und dem 18. Breitengrade, 
an östlich vom Lake Eyre gelegenen Seen, am Unterlaufe des 
River Murray, sowie im Saumgebiet der Südküste beobachtet. 

JoQin. L Gm. LIX. Jahrfc. April Idll. 19 



282 Erbard Eylmann: 

Häufig scheint er nur in einigen wenigen Gegenden vorzukommen. 
Er zeigt sich paarweise und in kleinen Trupps. Gang und Flug 
sind leicht und sicher. Seine bevorzugten Aufenthaltsorte bilden 
Binnengewässer. In ihnen sucht er, mehr oder weniger tief im 
Wasser watend, seine Nahrung aus dem Schlamme des Grundes. 
Nur einmal sah ich einen Vogel dieser Art schwimmen. Es war 
flügellahm geschossen und suchte sich vor seinem Verfolger so 
schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Der Strandreiter 
ist nicht gerade sehr scheu. An Gewässern, deren Umgebung 
keine Deckung bietet, hält es aber oft schwer, ihm beizukommen. 
Hat man sich ihm fast auf Flintenschufsweite genähert, so fliegt 
er auf, gewöhnlich aber nur dann ganz davon, wenn er schon 
längere Zeit verfolgt worden ist. 

9- (Nordküste.) Schnabel schwarz; unbefiedeter Teil der 
Beine bläulichrot; Iris rot. Gesamtlänge: 34 cm, Schwanzlänge: 
7 cm, Flügellänge: 23 cm, Schnabellänge: 6,3 cm, Länge der 
Schnabelöffnung: 6,8 cm, Länge des Unterschenkels: 12,2 cm, 
Länge des Laufes: 14 cm, Länge der Mittelzehe: 3,5 cm, Krallen- 
länge: 0,5 cm. Flugweite: 70 cm. Mageninhalt: Insekten. 

Recurvirostra novae hollandiae Vieill. (JR. ruhricollis). — 
Den Rothalsigen Säbelschnabler habe ich an der Südküste, an 
Wasserlöchern im Oberlaufe des Finke River und an kleinen Süss- 
wasserseen längs des Unterlaufes von Cooper's Creek (gegen 
500 km und mehr von der Südküste) beobachtet. Aufserdem 
sah ich auf der nördlichen Halbinsel hoch über mir von Süden 
nach Norden eine kleine Schar dahinziehen, die sich augenschein- 
lich auf weiter Wanderung befand. Unser Vogel scheint ein 
wenig scheuer als der Strandreiter zu sein. Bei der Suche nach 
Nahrung, die er, den Kopf seitwärts hin und her schwingend, 
wie ein Löffelreiher oder eine Ente, dem Schlamme entnimmt, 
watet er sehr oft bis zum Leibe im Wasser. Schwimmen sah ich 
ihn nie. 

(f. (Cooper's Creek.) Schnabel schwarz; Beine graublau, 
Nägel schwärzlich; Iris rötlich. Gesamtlänge: 41 cm, Schwanz- 
länge: 8 cm, Flügellänge: 24 cm, Schnabellänge: 10 cm, Länge 
der Schnabelöffnung: 10,3 cm, Länge des unbefiederten Unter- 
schenkelteiles: 6,5 cm, Lauflänge: 10 cm, Länge der Mittelzehe: 
4,2 cm, Krallenlänge: 0,6 cm. Spannweite: 73 cm. 

Familie: Laridae. 

Hydrochelidon hybrida Fall. {H. fluviatilis). — Die Bartsee- 
schwalbe kommt an den beiden Küsten ziemlich häufig vor. Im 
Norden habe ich sie oft aus nächster Nähe beobachtet, wenn sie 
auf der Suche nach Nahrung über dem Spiegel kleiner stehender 
Gewässer hin und her strich. 

cf. (Nordküste.) Schnabel und Füfse blutrot; Iris dunkel- 
braun. Gesamtlänge: 26 cm, Schwauzlänge: 7,7 cm, Flugweite: 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 283 

64 cm. Magen und Speiseröhre strotzend mit kleinen Fröschen 
und Raupen gefüllt. 

Hydroprogne caspia Fall. (Sylochelidon strenuus). — Die 
Raubseeschwalbe habe ich mehrere Male an der Südküste gesehen. 
Sie soll auch an der Nordküste vorkommen. 

Gabianus pacißcus Latb. (Larus pacificus). — Die Fried- 
liche Möwe ist an der Südküste einer der gemeinsten Schwimm- 
vögel. Auf Farmen des South-east und in Adelaide sah ich 
gezähmte Exemplare, die frei umherliefen. 

Larus novae hollandiae Steph. {Xema jamesonii). — 
Jameson's Schwalben-Möwe ist mir recht oft an der Südküste 
und an den kleinen tief im Binnenlande liegenden Seen, die mit 
Cooper's Creek in Verbindung stehen, zu Gesicht gekommen. 
Sie soll das ganze Küstengebiet des Festlandes bewohnen. — 
Schnabel zinnoberrot, an der Spitze schwärzlich; Füfse und 
Augenlider ebenfalls zinnoberrot; Iris perlweifs. 

Familie: übididae. 

Ibis molucca Cuv. {Threskiornis striciipennis). — Der Steif- 
fedrige Ibis, von den Buschleuten wegen der fast weifsen Färbung 
seines Federkleides white ibis genannt, sieht bekanntlich dem 
Heiligen Ibis recht ähnlich. Unter den Ibisvögeln Australiens ist er 
der gröfste. Auf der nördlichen Halbinsel zeigt er sich in kleineren 
Flügen. Im Binnenland findet er sich zur Zeit der Trockenheit 
nur in einigen wenigen Exemplaren vor. An der Südküste scheint 
er zu den selten vorkommenden Vögeln zu gehören: ich habe 
ihn dort nur einmal am Lake Alexandrina beobachtet. 

cf. (Nordküste.) Schnabel schwarz; Beine rötlichgrau bis 
rötlichschwarz. Auf der nackten schwarzen Haut des Halses 
befinden sich gleich hinter dem Kopfe acht schwielenartige Streifen, 
die eine Breite von einigen Millimetern haben und hellfleisch- 
farbig sind. Die befiederte Haut der Unterseite des ganzen 
Flügels und die der Oberseite des Handteiles ist auf recht augen- 
fällige Weise zinnober- bis mennigrot gefärbt. Gesamtlänge: 
75 cm, Schwanzlänge: 13,5 cm, Flugweite: 1 m 20 cm. 

Carphibis spinicolUs Jameson {Geronticus spinicollis). — Was 
ich über die Verbreitung der vorigen Art gesagt habe, gilt auch 
von dieser. In ihrem Tun und Treiben scheinen sich die beiden 
nur ganz unwesentlich von dem Heiligen Ibis zu unterscheiden. 

cT. (Nordküste.) Gesamtlänge: 73 cm, Schwanzläng: 12,5 cm, 
Flugweite: 1 m 17 cm. 

Flegadis falcinellus L. {Falcinelltcs igneus). — Dem alle 
fünf Erdteile bewohnenden Sichler bin ich auf der nördlichen Halb- 
insel begegnet. Er gehört hier zu den häufig vorkommenden Vögeln. 
Wie die Ibisse, seine beiden nächsten Verwandten, sucht auch 

19* 



284 Erhard Eylmann: 

er die süfsen Gewässer meist iu gröfseren und kleineren Flügen 
auf. 

cf juv. Schnabel, nackter Augenkreis und Beine grünlich- 
grau; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 58 cm, Flugweite: 93 cm. 
Mageninhalt: Käfer. 

Familie: Flataleidae. 

Platalea regia Gld. — Diesen prächtigen Löffelreiher mit 
schneeweifsem Gefieder, schwarzem Schnabel und schwarzen 
Füfsen habeich nur zwischen der Nordküste und dem 18. Breiten- 
grade angetroffen. Auf der nördlichen Halbinsel kommt er häufig 
vor. An den dortigen teichähnlichen Wasseransammlungen ver- 
mochte ich ihn oft in seinem Leben und Treiben zu beobachten. 
Mit seinesgleichen und anderen Vögeln lebt er in Frieden. Vor 
dem Weifsen hat er keioe grofse Scheu. Auf seinen Weide- 
gründen, den schlammigen bäum- und buschfreien und schilf- 
armen Rändern der Gewässer zeigt er sich stets recht ge- 
schäftig. Während meines mehrmonatigen Aufenthaltes an Knukey's 
Lagoon erfreute er mich gar oft durch sein drolliges Gebaren auf 
der Suche nach Nahrung. Trupps von vier, fünf, sechs Stück 
und mehr pflegten, das Wasser und den Schlamm durchwatend, 
unermüdlich im Laufschritt das Becken zu umkreisen. Dabei 
bildeten die Vögel in dichtem Nebeneinander eine Querreihe und 
schwangen den Kopf beständig wie ein Uhrpendel seitlich hin 
und her. 

9- Der Hautfleck über den Augen orangengelb und der drei- 
eckige auf dem Vorderkopfe fleischfarbig (n. Reichenbach orangen- 
gelb) ; die übrigen nackten Hautteile des Kopfes und Unterhalses 
schwärzlich; Iris karminrot; Schnabel bläulichschwarz; Beine 
schwarz. Gesamtlänge: 75 cm, Schwanzlänge: 11 cm, Länge 
des Federbusches: 8 cm, Flugweite: 1 m 18 cm. 

Fiatibis flavipes Gld. {Platalea flavipes). — Diese Art unter- 
scheidet sich von der eben besprochenen bekanntlich der Haupt- 
sache nach durch die gelbe Färbung des Schnabels und der 
Füsse. Mir sind nur einige Exemplare zu Gesicht gekommen, 
und zwar im Südwesten der Lake Eyre-Senke. Alle waren auf- 
fallend scheu. 

Familie: Ardeidae. 

Notophoyx novae hollandiae Lath. {Ärdea novae hollandiae). 
— Von den Buschleuten hat der Vogel wegen der Hauptfarbe 
des Gefieders, ein zartes Graublau, den Namen blue crane er- 
halten. Im Binnenlande ist er unter den Reihern der gemeinste. 
Gewöhnlich wird er einzeln, paar- oder familienweise angetroffen. 
Der Ruhe und der Verdauung pflegt er sich am Tage auf einem 
hohen Baume hinzugeben, der ihm eine gute Umschau gewährt. 
Auf der Suche nach Nahrung watet er oft im Wasser umher, 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 285 

wie ein Ibis. Obwohl Furchtsamkeit und Mifstrauen, Vorsicht 
und Hang zur Einsamkeit den Grundzug seines Charakters aus- 
machen, sucht er doch oft die kleinen Standgewässer auf, die 
sich in nächster Nähe von Stationen befinden. 

cT. Nördliche Halbinsel: Oberschnabel und Spitzenhälfte des 
Unterschnabels schwarz, Wurzelhälfte des Unterschnabels grau- 
weifs; Beine zitronengelb; Iris grau. Gesamtlänge: 62 cm, 
Schwanzlänge: 9,3 cm, Flugweite: 94cm. Mageninhalt: Insekten- 
reste. 

Notophoyx pacifica Lath. (Ärdea pacificä). — An Schönheit 
des Gefieders, Zierlichkeit der Gestalt und Anmut der Bewegungen 
steht der Friedliche Reiher seinem blendendweifsem Vetter, dem 
Edelreiher, nicht nach. Er ist überall in Australien heimisch, wo die 
Gewässer ihm genügend Nahrung bieten. Ich habe ihn in allen 
Gebietsteilen der Kolonie angetroffen, aber nirgends häufig. Schon 
in weiter Entfernung kann man den fliegenden Vogel an den grofsen 
leuchtendweifsen Flecken am Vorderrande der Flügel erkennen. 
Gould sagt von dem Friedlichen Reiher: „Considerable Variation 
exists in the coulouring of tbis species some specimens having the 
neck wholly white, while others have the centre of that part spotted 
with black". Am Frew River (Inneres) schofs ich ein Exemplar, 
auf das die Beschreibung, welcher dieser Forscher von der Art 
gibt, recht unvollkommen pafste. 

Der Kopf war oben lichtgrau, unten und an den Seiten 
weifs. Der Hals hatte eine weifse Färbung und wies vorn zahl- 
reiche schwarze und braune Flecke auf. Die Federn der Brust 
und des Bauches waren weifs und hatten schwarze Ränder. An 
den Seiten des Rumpfes befand sich, zum Teil von den Flügeln 
verdeckt, ein grofser dunkelbraunroter Fleck. Die Oberseite des 
Rumpfes, sowie die oberen Flügeldecken waren dunkelbraunrot 
und blauschwarz gefärbt. Der Vorderrand der Flügel wies zwei 
grofse ineinander übergehende weifse Flecke auf. Die Schwung- 
und Steuerfedern besafsen eine blauschwarze bis blaugraue 
Färbung. Die beiden nackten lanzettlichen Gesichtsflecke zeigten 
ein gelbliches Grün. Der Schnabel hatte eine grauschwarze 
Färbung. Die Schienen waren dunkelgelblichgrau und die Füfse 
schwärzlich. Die Iris zeigte ein schönes Gelbbraun. Gesamt- 
länge: 79 cm, Flügellänge: 41 cm, Schwanzlänge: 15 cm, 
Schnabellänge: 7,7 cm. Schienen- und Lauflänge: 32 cm, Länge 
der Mittelzehe: 8,5 cm, Flugweite: 1,44 m. 

Notophoyx flavirostris Sharpe {Herodins picata, Demiegretta 
picatd). — Der Elsterreiher soll sich nach Hall nur auf der nörd- 
lichen Halbinsel vorfinden. Wir müssen aber wohl annehmen, 
dafs er noch andere Gebietsteile der Nordküste bewohne. Soweit 
meine Beobachtungen reichen, tritt er auf dieser Halbinsel unweit 
der Küste ziemlich häufig auf. 



286 Erhard Ejlmann: 

9. Schnabel orangen- bis zitronengelb; Beine und Iris 
zitronengelb. Gesamtlänge: 45 cm, Schwanzlänge: 8 cm, Flug- 
weite: 70 cm. Mageninhalt: Insektenreste. 

Herodias timoriensis Less. {Herodias alba, syrmatophora, 
Ardea alba). — Die australische Form des Edelreihers soll den 
ganzen Kontinent bewohnen. Die wüstenähnlichen, wasserarmen 
Binnenlandsgebiete wird er aber wohl so gut wie vollständig 
meiden. Ich habe ihn hin und wieder auf der nördlichen Halb- 
insel angetroffen. Aufserdem ist mir ja ein Exemplar am Frew 
River und am Elkidra Creek, zweier zwischen dem 135. und 136. 
Längengrade und dem 20. und 21. Breitengrade gelegener 
Steppenflüsse, zu Gesicht gekommen. Er ist ebenso scheu und 
wachsam, wie unser Grauer Fischreiher. 

Gareetta nigripes Temm. {Ardea gareeita, nigripes^ Herodias 
immaculata). — Der Seidenreiher soll das nördliche und nord- 
östliche Küstengebiet Australiens bewohnen. Ich habe ihn ziem- 
lich oft an den Gewässern der nördlichen Halbinsel beobachtet. 

cf . (Nordküste.) Basis des Oberschnabels, sowie Basishälfte 
des Unterschnabels lichtgelb, übrige Schnabelteile schwarz; Iris, 
nackte Stellen im Gesichte gelb; Beine vorn schwärzlich, hinten 
gelblichgrün. Gesamtlänge: 60 cm, Schwanzlänge: 10 cm. 

NycUcorax caledonicus Gmelin. — Zu seinem Wohngebiet 
gehört die ganze Kolonie. Meinen Beobachtungen nach kommt er 
auf der nördlichen Halbinsel ungleich häutiger vor als im Binnen- 
lande und Küstengebiet. Obwohl er ein Vogel der Nacht ist, zeigt er 
sich doch nicht ganz selten auch dann, wenn die Sonne am Himmel 
steht. So z. B. sah ich während einer längeren Bootfahrt auf 
dem Unterlaufe des Daly River in der ersten Vormittags- und 
der letzten Nachmittagshälfte oft einzelne Exemplare frei auf 
Ästen sitzen, die über das Wasser hingen. Tagsüber hält er sich 
meist in dichten Baumkronen verborgen. Er schmiegt sich gern 
an den Stamm oder einen dicken Ast, um möglichst vor dem 
Gesehenwerden geschützt zu sein. In seiner Ruhe läfst er sich 
nicht leicht stören. Nimmt er einen Menschen unter seinem 
Schlafbaume wahr, so pflegt er, wenn er nicht durch heftige 
Bewegungen oder lautes Geräusch erschreckt wird, nur schlaf- 
trunken nach demselben zu äugen. Zwingt man ihn zum Ab- 
streichen, z. B. durch Klopfen an den Stamm, so fliegt er nie 
weit. Es scheint, dafs er die Geselligkeit liebe, wie sein euro- 
päischer Vetter {N. europaeus). Im Binnenland sah ich nämlich 
wiederholt, dafs mehrere Exemplare ein und denselben Baum 
zum Schlafen gewählt hatten. 

d*. (Nordküste.) Schnabel schwarz; nackter Augenring grün- 
lichgelb; Iris orangenfarbig; Beine gelblich. Mageninhalt: Reste 
von Wasserinsekten. 



Die Vogelwelt der Kolonie Stidaastralien. 287 

Familie: Ciconlidae. 

Xenorhynchus asiaticus Lath. (Myderia ausiralis). — Der 
Australische Sattelstorch soll das ganze Nordküstengebiet des Fest- 
landes bewohnen. Mir ist er auf der nördlichen Halbinsel zu 
Gesicht gekommen, aber nur in 1 1 Exemplaren. An Knuckeys Lagoon 
beobachtete ich wochenlang ein Pärchen, das, wie viele andere 
Vögel, alltäglich auf der Suche nach Nahrung zu diesem kleinen 
teichartigen Wasserbecken kam. Es war so scheu, dafs ich mich 
ihm nicht auf Schufsweite zu nähern vermochte. Unser Sattel- 
storch ist unter den südaustralischen Stelzvögeln eine der schönsten 
Erscheinungen. In seinem Gebaren und seiner Ernährungsweise 
hat er eine weitgehende Ähnlichkeit mit dem Hausstorche. Wie 
dieser, pflegt er seine Gefühle durch ein lautschallendes Geklapper 
auszudrücken. Die Weifsen des Landes nennen ihn Jabiru. 

Familie: Phalacrocoracidae. 

Phalacrocorax melanoleucus Vieill. {Graculus melanoleucus). 
— Diese schwarz und weifse, mittelgrofse Scharbe gehört zu den 
Vögeln, die die ganze Kolonie bewohnen. An den beiden Küsten 
kommt sie am häufigsten vor. Im Binnenland hält sie sich 
natürlich nur an den wenigen Orten auf, wo sie ihre grofse 
Gefräfsigkeit nicht allzusehr zu mäfsigen braucht. Am häufigsten 
ist sie mir dort am Frew River, Elkidra Creek, Finke River und 
seinen grofsen Nebencreeks, sowie im Südwesten der Lake Eyre- 
Senke zu Gesicht gekommen. Ich habe sie oft aus ganz geringer 
Entfernung in ihrem vielseitigen Tun und Treiben beobachtet. 
Sie vereint sich gern zu kleinen Gesellschaften. Vormittags und 
nachmittags liegt sie mit kurzen Unterbrechungen eifrig dem 
Fischfang ob. Um die Mitte des Tages gibt sie sich, auf kahlen 
Ästen, Felsblöcken sitzend, die aus dem Wasser ragen oder sich 
auf dem Ufer befinden, längere Zeit der Ruhe und der Verdau- 
ung hin. Nach dem Verlassen des Wasser pflegt sie zunächst 
das Gefieder zu trocknen. Sie tut dies auf die allen Scharben 
eigentümliche Art und Weise, indem sie dem Winde entgegen 
die Flügel ausbreitet und von Zeit zu Zeit mit denselben fächelt 
In dieser Stellung sieht sie dem Wappenadler mancher Staaten 
überraschend ähnlich. Hat sie auch das Gefieder mit dem Schnabel 
geordnet, so steckt sie den Kopf unter einen Schulterfittich und 
hält ein kurzes Schläfchen, aber nur dann, wenn sie sich völlig 
sicher glaubt. Naht man sich ihrem Ruhesitze, so macht sie 
zuerst absonderliche Streckbewegungen mit dem Halse und springt 
dann plötzlich ins Wasser und sucht sich durch Tauchen den 
Blicken des Störenfriedes zu entziehen. Sie fliegt nur dann auf 
und davon, wenn sie bedrängt, durch lautes Geräusch, z. B. einen 
Schufs, stark erschreckt wird. Gewöhnlich entfernt sie sich nicht 
sogleich geraden Fluges, sondern umkreist zunächst mit schnellen 
Flügelschlägen hoch in der Luft den Platz. Dafs nicht allein 



288 Erhard Ejlmann: 

Fische ihre Nahrung ausmachen, hat mir der Mageninhalt mehrerer 
geschossener Exemplare gezeigt. In einem Falle bestand er aus 
Wasserinsekten und in einem anderen aus Krabben (mit Panzer). 
Obwohl Vorsicht und Mifstrauen zu ihren Hauptcharaktereigen- 
schaften gehören, zeigt sie sich doch dort, wo sie nie Verfolgungen 
ausgesetzt ist, auffallend zutraulich. Auf der zwischen North- 
und South-Adelaide befindlichen teichartigen Verbreiterung 
des kleinen River Torrens sieht man oft viele Exemplare dieser 
Art, wie auch der Furchenschnabelscharbe (Ph. sulcirostris) 
unbekümmert um die Menschen auf den nahen Strafsen und 
Brücken ihren Beschäftigungen nachgehen. 

cf. (Nordküste.) Schnabel schmutzig hellgelb, First schwarz; 
Iris bläulich weifs (n. Gld. „greyish white"); Füfse schwarz. Gesamt- 
länge: 58 cm, Schwanzlänge: 14 cm, Flugweite: 83 cm. Magen- 
inhalt: Krabben. 

Fhalacrocorax sulcirostris Brandt. — Diese Art unterscheidet 
sich in ihrem Äufsern von der eben besprochenen hauptsächlich nur 
dadurch, dafs ihr ganzes Kleid grünlich- bis bräunlichschwarz ist. 
In ihrer Lebensweise stimmt sie völlig mit derselben überein. 
Auch sie ist in der ganzen Kolonie heimisch. Auf der nördlichen 
Halbinsel gehört sie zu den gemeinsten Schwimmvögeln. Sie wie 
a,uch Ph. melanoleucus zeigen durch lautes, anhaltendes Schreien oft 
das Eintreten von Regenwetter an. Beide haben einen penetranten 
Geruch; ihr Fleisch wird aber trotzdem von den Eingeborenen 
gern gegessen. 

9. (Nordküste.) Schnabel bräunlich- bis bläulichgrau, 
First schwarz; Iris blaugrün; Füfse schwarz. Gesamtlänge: 60 cm, 
Schwanzlänge: 13 cm, Flugweite: 92 cm. Parasiten: im Magen 
ein langer fadenförmiger roter Wurm, dessen eines Ende in der 
Magenwandung steckte. 

Phalücrocorax carbo L. (Graculus carbo). — Den Cormoran 
habe ich hin und wieder an der Südküste angetroffen. 

Phalacrocorax hypoleucus Brandt. — Diese in der Färbung 
Ph. melanoleucus sehr ähnlich sehende Scharbe bewohnt das Süd- 
küstengebiet. Mir ist nur ein Exemplar zu Gesicht gekommen. 

Ploius novae hollandiae Gld. — Den Australischen Schlangen- 
halsvogel habe ich nur in der nördlichen Hälfte der Kolonie 
beobachtet. Soweit ich es zu beurteilen vermag, gehört er hier 
zu den selten vorkommenden Vögeln. Wie ich von glaubwürdigen 
Ansiedlern hörte, zeige er sich zuweilen nach sehr ausgiebigen 
Regenfällen im Südwesten der Lacke Eyre-Senke. Nach R. Hall 
ist er auch im Südküstengebiet zu Hause. Die meisterhafte 
Schilderung, welche Brehm von dem Leben und Treiben der 
Schlangenhalsvögel gibt, pafst vollkommen auf ihn. Es scheint, 
dafs er seine Nahrung nicht ausschliefslich dem Tierreiche ent- 
nehme. Der Magen des Exemplares. von dem unten die Mafse 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 289 

angegeben sind, enthielt nämlich einen grofsen Ballen grüner 
Pflanzenstoffe (Algen?). 

9. (Nordküste.) Schnabel hellgelb, First schwärzlich; Füfse 
bläulichgelb bis bläulichgrau; Iris bräunlichgelb mit goldfarbigem 
Saum; nackter Hautfleck um die Augen gelblich. Gesamtlänge: 
90 cm, Schwanzlänge: 25 cm, Flugweite 1 m 17 cm. Parasiten: 
Im Magen eine Unzahl kleiner heller Würmer; ein Teil von ihnen 
steckte in der Magenwandung. 

Familie: Pelecanidae. 

Felecanus conspicillatus Temm. — Der Brillen- oder Austra- 
lische Pelikan ist in den beiden Küstengebieten einer der gemeinsten 
Brutvögel. Im gesamten Binnenlande wird er an allen Orten 
angetroffen, wo sich eine gröfsere Wasseransammlung befindet. 
Ob er hier auch brüte, ist wohl noch nicht festgestellt. Die 
Wasserlöcher der zentralen Creeks sucht er nur der Nahrung 
wegen auf. Übrigens würden die überall umherstreifenden beute- 
gierigen Eingeborenen und Dingos es ihm unmöglich machen, in 
der pflanzenarmen Umgebung dieser Becken Junge aufzuziehen. 
Wie ich von zuverlässigen Zöglingen der Missionsstation Hermanns- 
burg hörte, brüte er zuweilen am Lake Amadeus. Dieses zwischen 
dem Wendekreise und dem 25. Breitengrade gelegene gröfste 
Standgewässer des ganzen Innern ist, genau genommen, weiter 
nichts als eine riesige Salzpfanne und enthält vielleicht auch dann 
nicht einen einzigen Fisch, wenn ihm die wenigen kleinen Creeks, 
die ihm tributpflichtig sind, verhältnismäfsig viel süfses Wasser 
zugeführt haben. Hätte ein Pelikanpaar an ihm Junge erbrütet, 
so sähe es sich wohl gezwungen, das Futter für sie aus sehr 
weiter Ferne zu holen. Die Angaben der Eingeborenen sind also 
wenig glaubhaft. In der Lebensweise unterscheidet sich der 
Australische Pelikan, so weit ich es zu beurteilen vermag, fast 
garnicht von dem Gemeinen Pelikan (V. onocrotalus) . Wie dieser, 
pflegt auch er beim Fischen methodisch zu Werke zu gehen. 
Sehr oft sah ich, dafs ein halbes Dutzend und mehr Individuen, 
mit Kopf und Hals im Wasser, zuerst einen Halbkreis und dann 
einen vollständigen Kreis bildeten und schliefslich, nachdem sie 
aufeinander zugeschwommen waren, dicht gedrängt kürzere Zeit 
an ein und derselben Stelle fischten. Ein paarmal machte ich 
auch die Beobachtung, dafs zwei Kolonnen einer gröfseren Zahl 
von Individuen fischend gegeneinander rückten. Von dem Gemeinen 
Pelikan ist es bekannt, dafs er sich zuweilen an unerwachsenen 
anderen Schwimmvögeln vergreift i). Wie mir Eingeborene der 
Missionsstation Kilalpanina (an Coopers Creek) versichert haben, 
stille der australische Pelikan zuweilen seinen Hunger mit er- 
wachsenen Enten, die infolge Nahrungsmangels sehr geschwächt 



1) Brehms Tierleben. II. Abteil. 3. Bd. S. 602 (2. Aufl.). 



290 Erbard Ejlmann: 

seien. Die Pelikane sind bekanntlich Tagvögel. Die Nachtruhe 
halten sie auf Bäumen oder auf dem Boden, in der Nähe von 
Wasser. Während meines mehrmonatigen Aufenthaltes an der 
Nordküste sah ich unseren Vogel zu meiner Verwunderung sehr 
oft in der Nacht auf den fischreichen teichähnlichen Gewässern. 
Einmal erlegte ich um Mitternacht — der Mond stand nicht am 
Himmel — zwei Stück durch einen einzigen Schufs aus einer 
Entfernung von 12 bis 15 m. Sie trieben auf einer sogenannten 
lagoon, und ich hatte mich ihnen ohne jede Deckung genähert. 
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dafs der Australische Pelikan, 
ebenso wie der südeuropäische ^) sehr leicht geringen Verletzungen 
erliegt. Im Binnenlande wird er meist nur in kleinen Gesell- 
schaften angetroffen. Die waterholes der Creeks besucht er selbst 
einzeln. Auf den Seen der Lake Eyre- Senke sollen sich aber 
zuweilen sehr zahlreiche Flüge ein Stelldichein geben. Ein durch- 
aus glaubwürdiger Herr der am Lake Kilalpanina gelegenen 
Missionsstation Bethesda (östl. v. Lake Eyre) teilte mir mit, er 
habe einst zwei Drittel der Oberfläche des Sees dicht mit Peli- 
kanen bedeckt gesehen. Der See stellt ein gleichmäfsiges Oval 
dar und kann in wenig mehr als einer Stunde von einem Fufs- 
gänger umschritten werden. Dr. R. L. Brehm sagt in seinem 
vortrefflich geschriebenen Buche „Bilder und Skizzen aus der 
Tierwelt im zoologischen Garten zu Hamburg": „Für einen 
deutschen Magen ist das Fleisch (des Gem. Pelikanes) un- 
geniefsbar, die Araber aber sehen in ihm einen Leckerbissen." 
Ich fand, dafs das BrustÜeisch des Australischen Pelikanes sich 
ganz gut essen läfst, obwohl es etwas tranig schmeckt. Die Ein- 
geborenen verschmähen das Fleisch natürlich nicht. Die des 
Innern verwerten aufser diesem noch den langen bleistiftdicken 
Radius: sie beifsen die Gelenkenden ab und tragen ihn als Nasen- 
stab. Von den Stämmen des östlich vom Lake Eyre gelegenen 
Gebietes soll der Vogel mit einem etwas in der Sonne getrock- 
netem gröfseren Fische gefangen werden, an den eine lange Schnur 
gebunden ist. Gewöhnlich machen die eingeborenen Jäger mit 
einem Wurfspeere auf ihn Jagd. 

9- (Inneres.) Schnabel rosaweifs, Nagel bläulich; Füfse 
schmutzig hellgrau; Augenring gelb; Iris bräunlich. Parasiten: 
Innenseite des Schnabels, sowie Schlund stellenweise dicht mit 
gröfseren, recht fest haftenden Läusen bedeckt. Gesamtlänge: 
1 m 78 cm, Flugweite : 2 m 54 cm. 

Familie : Podicipedidae. 

Podicepsnovae hollandiae Steph. {F. gularis). — Diesem Steifs- 
fufse bin ich nur einmal begegnet auf der nördlichen Halbinsel am 
Catherine River. Er soll auch im Süden der Kolonie zu Hause sein. 



») Brehms Tierleben. II. Abteil. 3. Bd. S. 604 (2. Aufl.). 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 291 

cf . Schnabel schwarz, Spitze schmutzigweifs, an den Seiten 
der Wurzel ein erbsengrofser ovaler zitronengelber Fleck ; Aufsen- 
seite der Läufe und Füfse schwärzlich; Innenseite der Läufe 
schmutzig grünlichgelb; Iris hellbraun. Mageninhalt: Ostracoden 
und Wasserinsekten. Gesamtlänge: circa 22 cm, Flügellänge: 
10,6 cm, Schnabellänge: 2 cm, Länge der Schnabelöffnung: 2,5 cm, 
Lauflänge: 4 cm, Länge der Mittelzehe: 4 cm, Nägellänge: 0,6 cm, 
Nägelbreite: 0,5 cm. 

Fodiceps poliocephalus Jardine u. Selby. — Dieser Taucher 
findet sich in dem regenreichen Norden und Süden der Kolonie 
vor, aber nirgends häufig. Im Schwimmen und Tauchen zeigt 
es sich als ein wahrer Meister. Er ist nicht gerade auffallend 
scheu, aber recht vorsichtig und mifstrauisch. Zum Auf- und 
Davonfliegen läfst er sich selbst durch langdauerndes Jagen nicht 
bringen. Stets sucht er sich nur durch anhaltendes und häufiges 
Tauchen vor seinen Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Wird 
er sehr geängstigt, so pflegt er aber in der Nacht ein anderes 
Gewässer aufzusuchen. Es hält oft recht schwer, ihm mit der Flinte 
beizukommen. Einmal habe ich auf der Jagd eines einzigen 
Exemplares, das sich auf einem kleinen schilflosen teichartigen 
Gewässer befand, mehr als ein halbes Dutzend Patronen ver- 
schossen. Schofs ich auf den Vogel, so tauchte er mit so grofser 
Geschwindigkeit unter, dafs die Schrote erst zu der Stelle gelangten, 
als er bereits den Blicken entschwunden war. 

9- (Nordküste.) Schnabel graugelb bis braungelb, First 
grauschwarz; Rand der Augenlider und Schnabelwinkel zitronen- 
gelb; Iris goldgelb; Füfse schwärzlich- bis gelblichgrün. Magen- 
inhalt: Käfer. Darmparasiten: langer goldgelber Bandwurm und 
1,5 cm langer fadenförmiger Wurm. Gesamtlänge: 23 cm, Flügel- 
länge: 11 cm, Schnabellänge: 2,2 cm, Länge der Schnabelöffnung: 
3 cm, Lauflänge: 3,8 cm, Länge der Mittelzehe: 4 cm, Nagel- 
länge: 0,7 cm, Nagelbreite: 0,6 cm, Flugweite: 40 cm. 

Familie: Spheniscidae. 

Eudyptula minor Forst. {Spheniscus minor). — Der kleine 
Pinguin soll nach Gould an manchen Stellen der Südküste recht 
zahlreich vorkommen. Ein lebendes Exemplar sah ich nicht in 
Südaustralien ; dagegen fand ich unfern der östlichen Landesgrenze 
gleich nach einem schweren Sturme acht frische tote Exemplare, 
die höchst wahrscheinlich ertrunken waren oder dadurch ihr Ende 
gefunden hatten, dafs sie von den Wogen gegen die felsigen Küsten- 
wände geschleudert worden waren. 

Familie: Anatidae. 

Chenopis atrataLaih. {Cygntis atratus). — Der Trauerschwan 
ist an der Südküste einer der gemeinsten Schwimmvögel. Im 



292 Erhard Eylmann: 

Binnenlande habe ich ihn nur an Cooper's Creek angetroffen. 
Ich glaube aber nicht, dafs er hier nistet. Am liebsten hält er 
sich auf gröfseren flachgründigen Gewässern auf, die einen schlam- 
migen Boden haben, nicht arm an Schwimmpflanzen sind und zahl- 
reiche kleine Tiere beherbergen. Ob das Wasser süfs oder stark 
salzig ist, scheint ihm gleichgültig zu sein. Kleinere, teichartige 
Becken meidet er. Den Coorong, den Lake Älexandrina und den 
L. Albert bevölkert er in gröfseren Trupps, in nahrungsreichen 
Buchten derselben treiben sich oft hundert und mehr Stück in 
Gesellschaft von Scharben, Pelikanen, Enten, Wasserhühnern und 
anderen Schwimmvögeln umher. Einen prächtigen Anblick gewährt 
das Flugbild des Vogels: in ihm kommt das schneeige Weifs der 
Fittiche voll zur Geltung. Unser Schwan ist wohl der scheueste 
aller Vögel des Landes. Auf meiner Wanderung längs des Coorong 
bemerkte ich oft, wenn ich aus dem Gebüsch an das kahle Ufer 
trat, dafs alle in Sehweite befindlichen Schwäne sofort auf- und 
davonflogen, und zwar selbst die, welche so weit entfernt waren, dafs 
sie meinem Auge wie dunkle Punkte erschienen. Nicht ganz so 
furchtsam zeigte sich der Vogel im Binnenlande. Beim Wittern 
von Gefahr und vielleicht auch sonst stöfst er einen melodischen, 
wenig weit vernehmbaren, dumpfem Glockenklang ähnlichen Ton 
aus. Den Hals bewegt er hierbei nicht augenfällig. Aufserdem 
schreit er laut mit vorgestrecktem Halse, wie andere Schwäne. 
Von Zöglingen der Missionsstation Point Macleay am Lake Alexan- 
drina hörte ich, in früherer Zeit sei er in Menge von den Ein- 
geborenen erschlagen worden, wenn die Mauser ihn flugunfähig 
gemacht hätte. An Cooper's Creek soll er beim Gründein 
zuweilen von eingeborenen Jägern, die sich im Schilfe verborgen 
hätten, mit den Händen gefangen werden. Brütende gezähmte 
Trauerschwäne sind äufserst boshaft: in blinder Wut greifen sie 
Menschen und Tiere an, die ihnen nahekommen. 

Änseranas semipalmaia Lath. (A. melanoleuca). — Diese 
schwarz und weifse, mit einem hohen Stirnhöcker versehene Gans 
soll fast das gesamte Küstengebiet Australiens bewohnen. Ich bin 
ihr auf der nördlichen Halbinsel begegnet; sie kommt aber auch an 
der Südküste unserer Kolonie vor, jedoch nicht häufig. Während 
der trockenen Jahreszeit treibt sie sich auf dieser Halbinsel nach 
Beendigung des Brutgeschäftes in zahleichen gröfseren und kleineren 
Flügen unweit des Meeres umher. Als ich mich an Knuckey's 
Lagoon (gegen 18 bis 20 km südöstlich von Palmerston) aufhielt, 
wurde dieses kleine teichartige Standgewässer im August und 
den drei folgenden Monaten alltäglich von 20 bis 60 Stück besucht. 
Sobald aber die Regenzeit voll eingesetzt hatte, und überall 
das niedrig gelegene Gelände mehr oder weniger mit Wasser 
bedeckt war, zeigte sich die Gans hier nicht mehr. Sie ist so 
wenig scheu, dafs es dem Jäger ohne Schwierigkeit gelingt, ihr mit 
der Flinte beizukommen: an der genannten lagoon erlegte ich oft 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 293 

in aller Frühe von meinem Nachtlager aus, das sich unter freiem 
Himmel befand, ein oder mehrere Exemplare, die in geringer 
Höhe über mir hinwegstrichen oder völlig sorglos auf dem gegen 
hundertfünfzig Schritt entfernten Wasserspiegel der Nahrung 
nachgingen. Die Gans gibt laute Trompetentöne von sich, die 
beim Männchen tiefer als beim Weibchen sind. Erinnert sei 
daran, dafs die Luftröhre grofse schlingenförmige Windungen 
aufweist. Das Brutgeschäft findet im Nordküstengebiet am Ende 
der Regenzeit, etwa Mitte März, statt. Die Eier sind schmutzig- 
weifs und weisen kleine, kaum sichtbare bräunliche Flecke auf. 
Sie, sowie das Fleisch zeichnen sich durch Wohlgeschmack aus. 
Die Jagd auf den Vogel wird von der eingeborenen und der einge- 
wanderten Bevölkerung auf das eifrigste betrieben. Erwähnt sei 
noch, dafs der Eingeborene die beiden schwarzen Flügelspitzen 
(Handteile) in Form eines Fächers zusammenbindet und zum An- 
fachen des Feuers benutzt. 

d*. Schnabelhaut fleischfarbig; Hornnagel des Schnabels 
bläulich; Füfse zitronengelb; Iris dunkelbraun. Gesamtlänge: 
81 cm, Flugweite: 1 m 28 cm. 

Nettopus pulchellus Gld. — Diese kleine hübsche gooseteal 
ist an der Nordküste zu Hause. Im Binnenland und an der 
Südküste fehlt sie. Ich habe nur ein Pärchen angetroffen. Es 
ging fern von anderen Schwimmvögeln auf einem teichartigen 
Gewässer mit schilfreicher, sumpfiger Umgebung seiner Nahrung 
nach. Als ich auf die beiden Vögel Jagd machte, suchten sie sich 
nicht durch Wegfliegen, sondern durch Tauchen meinen Nach- 
stellungen zu entziehen. Nach stundenlangem Waten im Wasser 
und Schlamme gelang es mir schliefslich, das Weibchen zu erlegen. 

9- Oberschnabel grauschwarz bis bräunlichschwarz, Spitze 
desselben grau, Unterschnabel bedeutend heller; Füfse grau- 
schwarz; Iris braun. Gesamtlänge: 35 cm, Schwanzlänge: 7,5 cm, 
Flugweite: 56 cm. 

Cereopsis novae hollandiae Lath. — Die Australische Wachs- 
schnabelgans soll stellenweise an der Südküste der Kolonie vor- 
kommen. Ich habe auf meinen mehrere Monate in Anspruch 
nehmenden Fufswanderungen zwischen dem St. Vincent Golf 
und der Kolonie Victoria, der Südküste entlang, nur ein paar 
gezähmte Exemplare gesehen, von denen der Besitzer behauptete, 
dafs sie als Dunenjunge am Coorong eingefangen worden seien. 

Chenonetta juhata Lath. (Brania jubata.) — Die Mähnen- 
Bernakelgans habe ich in der südlichen Hälfte des südaustra- 
lischen Teiles der Lake-Eyre-Senke überall dort ziemlich häufig 
angetroffen, wo gröfsere Wasseransammlungen vorhanden sind. 

Bendrocygna arcuata Cuv. — Diese schlanke, hochbeinige 
Baumente mit bräunlichem Gefieder hat auf dem australischen 
Festlande eine weite Verbreitung. Mir ist sie nur im Norden 
der Kolonie zu Gesicht gekommen. 



294 Erhard EylmanD: 

cf. Schnabel schwarz; Füfse bläulichschwarz; Iris dunkel- 
braun. Gesamtlänge: 44 cm, Schwanzlänge: 6,5 cm, Flugweite: 
76 cm. Mageninhalt: Sand und Algen. 

Tadorna radjah Garnot. — Sie soll an der ganzen Nord- 
und Nordostküste des Kontinents zu Hause sein. Ich habe nur 
ein paar Exemplare am Unterlaufe des Daly River und unweit 
des Port Darwin gesehen. 

9- Schnabel bläulich- bis fleischfarbigweifs ; Iris gelblich- 
weifs; Füfse fleischfarbig weifs. Gesamtlänge: 48 cm, Schwanz- 
länge: 12 cm. 

Casarca iadornoides Jardine. — Diese schöne Zimmtgans 
bewohnt die südliche Hälfte der Kolonie. Ich habe sie zwischen 
dem 25. Breitengrade und der Südküste angetroflfen, aber nur 
an einigen wenigen Stellen. Von den Buschleuten wird sie 
mountain duck genannt. 

cf. (Cooper's Creek.) Schnabel schwarz ; Iris dunkelbraun ; 
Füfse grauschwarz. Gesamtlänge: 71 cm, Scbwanzlänge: 13 cm, 
Flugweite: 1 m 25 cm. 

Anas superciliosa Gmelin. — Die Augenbrauenente ist in 
allen Teilen der Kolonie einer der gemeinsten Schwimmvögel. 
In besonders grofser Zahl ist sie in den beiden Küstengebieten 
vertreten. Wie ich aus eigener Erfahrung weifs, brütet sie über- 
all im Binnenlande, wo Seen oder gröfsere Wasserlöcher der 
Creeks ihr hinreichend Nahrung bieten. In ihrem Benehmen und 
in ihrer Lebensweise hat sie viel mit unserer Wildente (Anas 
hoschas) gemein. Verfolgt man sie nicht, so wird sie schliefslich 
recht zutraulich. Auf den Gewässern der näheren Umgebung 
Adelaides z. B. pflegen sich viele Exemplare umherzutreiben, die 
nicht viel scheuer als Hausenten sind. 

cT. (Nordküste.) Schnabel graugrün; Hornnagel schwarz; 
Füfse bläulichschwarz ; Iris braun. Gesamtlänge: 58 cm, Schwanz- 
länge: 10,5 cm, Flugweite: 83,5 cm. 

Anas punctata Cuv. — Dieser dunklen Ente bin ich an 
vielen der gröfseren Wasseransammlungen des Binnenlandes 
begegnet. 

cT. (Cooper's Creek.) Oberschnabel schwarzblau; Hornnagel 
schwarz; Unterschnabel vorn und hinten ebenfalls schwarzblau; 
in der Mitte schmutzig orangenfarbig, schwarzblau gefleckt; Iris 
rotbraun. Gesamtlänge: 46 cm, Schwanzlänge: 9,5 cm, Flugweite: 
68,6 cm. Mageninhalt: viel Sand und eine schlammige grünliche 
Masse. 

Spatula rhynchotis Lath. — Diese schöne Löffelente scheint 
den Südküstensaum der Kolonie in gröfserer Anzahl zu bewohnen. 
Nicht unerwähnt will ich lassen, dafs ich sie recht oft in den 
Läden Adelaider Wildhändler hängen sah. 



Die Vogel weit der Eolooie Südaustralien. 295 

Malacorhynchus memhranaceus Lath. — Die Rotaugenente, 
von den Buschleuten des Binnenlandes spoon-bill genannt, ist in 
der ganzen Kolonie zu Hause. Am häufigsten ist sie mir auf der 
nördlichen Halbinsel zu Gesicht gekommen. Im Binnenlande zeigt 
sie sich nur auf den Seen und den gröfsten Wasserlöchern der 
Creeks. Sie ist wohl die zutraulichste unter allen Enten der 
Kolonie. Ihr Geselligkeitstrieb scheint nicht grofs zu sein, Ihre 
Nahrung sucht sie mit Vorliebe an den seichten Stellen der Ge- 
wässer, wo der Untergrund recht schlammig ist. 

d*. (Nordküste.) Schnabelhaut blaugrau, dreieckiger Schnabel- 
lappen schwarz; Iris tief rotbraun ; Füfse blaugrau. Gesamtlänge: 
40 cm, Schwanzlänge: 5 cm, Flugweite: 62 cm. 

Nyroca australis Gld. — Die Australische Moorente habe 
ich im Binnenlande zwischen dem 20, und 30. Breitengrade an 
Seen und gröfseren Wasserlöchern der Creeks angetroffen. In 
den beiden Küstengebieten soll sie ebenfalls vorkommen. 

(f. Schnabel schwarz, mit bläulichweifsem Querband; Füfse 
grauschwarz; Iris weifs. Gesamtlänge: 47 cm, Schwanzlänge: 
6 cm, Flugweite: 77 cm. 

Bieiura lobaia Shaw. — Diese höchst aufi'allend gestaltete 
Ente hat in der Beschaffenheit des Gefieders und der Lebens- 
weise eine weitgehende Ähnlichkeit mit den Scharben und den 
Schlangenhalsvögeln. Ich habe nur ein Paar beobachtet. Es 
ging auf dem künstlichen teichartigen Wasserbecken des River 
Torrens, das die beiden Hauptteile Adelaides voneinander trennt, 
unbekümmert um die grofse Nähe vieler Menschen und den 
Strafsenlärm, seiner Nahrung nach. Bei dem anhaltenden und 
häufigen Tauchen hielt es den steiffedrigen Schwanz fächerförmig 
ausgebreitet. Wenn es auf der Oberfläche schwamm, liels es 
meist nur ein bischen von der Rückenmitte aus dem Wasser 
hervorragen. Als ich das Paar durch Steinwürfe zum Auffliegen 
zwingen wollte, verschwand es im Röhricht des Ufers. Wegen 
des starken Bisamgeruches, den diese Entenart zur Paarungs- 
und Brütezeit verbreitet, hat sie von den Weifsen des Landes 
den Namen musk duck erhalten. 

Familie: Dromaeidae. 

Dromaeus novae hollandiae Lath. — Der Emu, der Haupt- 
charaktervogel Australiens, bewohnt das ganze Binnenland und den 
allergröfsten Teil des Südküstengebietes. Auf der nördlichen Halb- 
insel sind mir nur drei Stück zu Gesicht gekommen; nach der Aus- 
sage von Eingeborenen findet er sich hier stellenweise aber nicht 
selten vor. Im Süden fehlt er, so viel ich weifs, nur in den dicht 
besiedelten Landstrichen am St. Vincent-Golf und Spencer-Golf. 
Zahlreich tritt er nirgends in der Kolonie auf. Gewöhnlich wird 
er paarweise angetroffen. Der gröfste Trupp erwachsener Emu, 



296 Erbard Eylmann: 

den ich sah, bestand aus acht Stück. Der Vogel legt immer dort 
eine grofse Scheu an den Tag, wo ihm von Weifsen oder Ein- 
geborenen häufig nachgestellt wird. In den unwirtlichen Gebieten 
des Innern, die von Menschen nur selten aufgesucht werden, ver- 
hält er sich in dieser Hinsicht wesentlich anders. Auf einem Ritt 
zwischen den Mac Donnell Ranges und Reynold's Range stiefs 
ich im Scrub auf fünf Stück, Als sie meiner ansichtig wurden, 
liefen sie zunächst davon, erwarteten dann stillestehend mit 
emporgerecktem Halse mein Näherkommen und umkreisten mich 
schliefslich, zwischen Neugierde und Furcht schwankend, mehrere 
Male in Steinwurfweite. Auf der Suche nach Nahrung durch- 
wandert der Vogel langsam und gemessen, hier und dort sich 
kürzere oder längere Zeit aufhaltend, weite Strecken seines Wohn- 
gebietes. Nach den Fährten zu urteilen, entfernt er sich be- 
deutend weiter von den Trinkplätzen, als manche mit Flugkraft 
begabte Vögel. Seine Lieblingsnahrung scheinen allerhand Früchte 
zu sein. Oft sah ich, dafs er mit grofser Emsigkeit die kleinen 
süfsen Beeren des „yellowwood" pflückte. Über seine Stimme 
sagt Brehm ^), dafs sie sich nur mit dem dumpfen Geräusche ver- 
gleichen lasse, das man hervorbringen könne, wenn man in tiefem 
Tone durch das Spundloch einer hohlen Tonne spräche. Plötz- 
lich stark erschreckt, stöfst er meiner Erfahrung nach ein ziem- 
lich lautes, dumpfes Uugh aus. Einen anderen Stimmlaut habe 
ich von freilebenden Individuen nicht gehört. Zu meinem Be- 
dauern ist mir kein Nest zu Gesicht gekommen. Während 
meines zweiten Aufenthaltes im Innern sind mir aber im Mai 
wiederholt einige seiner grofsen dunkelgrünen, gekörnten Eier 
von Eingeborenen gebracht worden. Dunenjunge von wenig mehr 
als Faustgröfse traf ich mehrere Male an. Auch hatte ich Ge- 
legenheit, mich zu überzeugen, dafs der Eingeborene sie in 
raschem Laufe mit den Händen zu fangen vermag. Dem An- 
schein nach bleiben die Jungen lange unter der Führerschaft des 
Vaters. In der südöstlichen Ecke der Kolonie stürmten eines 
Tages zwei durch Gras- und Buschfeuer erschreckte erwachsene 
Emu in kurzer Entfernung voneinander an mir vorüber. Der eine war 
von neun und der andere von fünf Jungen begleitet, die sich in der 
Gröfse nur wenig von ihrem Erzeuger unterschieden. Wahr- 
scheinlich bestehen die kleineren Trupps in der Mehrzahl der 
Fälle nur aus Mitgliedern einer einzigen Familie. Das Fleisch 
mundet dem Weifsen nicht recht; er macht deshalb meist nur des 
Vergnügens wegen Jagd anf den Vogel. Ich afs es oft, und fand, 
dafs es im Geschmacke dem des Rindes gleicht. An den Schenkeln 
ist es sehr grobfaserig. Das Fett wird zuweilen von Buschleuten 
als ein Heilmittel gegen Rheumatismus gebraucht. Wie es heifst, 
mache es die Knochen brüchig. Der Eingeborene verfolgt den 
Emu mit dem Blutdurste eines Raubtieres. Für ihn ist er nebst 



1) Brehm, Tierlebeo. Abt. II, Bd. 3, S. 216 (2. Auflage). 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 297 

den gröfsten Känguru-Arten das vornehmste Wild. Es geht dies 
schon daraus deutlich hervor, dafs der Vogel bei geheimen 
Zeremonien und Kulten den Gegenstand mimischer Darstel- 
lungen bildet, sein Fleisch in den Speiseverboten eine Rolle zu 
spielen pflegt, Abbildungen seiner Fährten, pfeilspitzenförmige 
Figuren, Kultgeräte (Corrobboreesticks) schmücken, seine Name 
von manchem totemistischen Verbände geführt wird u. s. w. 
Fast alle Teile werden von ihm benutzt. Das Fleisch, das Fett 
und die Eier gelten für grofse Leckerbissen, die Sehnen der 
Beinmuskeln finden als Bindematerial, besonders bei der Ver- 
einigung von Waffenteilen, Verwendung, aus den langen, schmalen, 
biegsamen Federn werden Schmuckstücke, Futterale für kleinere 
Kultgeräte, Schuhe und aus den Beinknochen Meifsel angefertigt. 
Da der Eingeborene eine unübertreffliche Ausdauer und Geschick- 
lichkeit im Aufspüren und Überlisten des W^ildes besitzt, so fällt 
es ihm meist nicht schwer, den Vogel, dessen Gegenwart die 
grofsen, in losem Boden scharf ausgeprägten Fufsspuren leicht 
verraten, zu erjagen. Im Südwesten der Lake Eyre-Senke und 
in einigen südlicher gelegenen Gegenden pflegt er ihn auf einer 
Art Treibjagd zu umzingeln und mit Bumerangs zu töten. Nörd- 
lich vom 25. Breitengrade bedient er sich hauptsächlich des 
Speeres zu seiner Erlegung. Bewohner der grofsen zentralen 
Höhengebiete erleichtern sich die Jagd oft mit Hülfe der Duboisia 
Hopwoodi, eines 1 — 1,5 m hohen Strauches, dessen Blätter in der 
Gegend des Lake Eyre als Berauschungsraittel Verwendung finden. 
Sie bedecken ein V\^asserloch, das von vielen Tieren der Umgebung 
aufgesucht wird, dicht mit Zweigen, graben eine soakage in 
seiner Nähe und legen ein Bündel beblätterter Zweige der Pflanze 
in sie. Stillt nun der Vogel seinen Durst mit dem Wasser dieses 
kleinen Beckens, so gerät er in einen Zustand halber Betäubung und 
kann dann sehr leicht erlegt werden. Wie ich hörte, werde er 
trotz seiner grofsen Fertigkeit im Laufen zuweilen von einem Rudel 
der elenden Köder des Eingeborenen gefangen. Es ist also wahr- 
scheinlich, dafs er sich vor jagenden Dingos nicht immer durch 
eilige Flucht in Sicherheit zu bringen vermag. Dafs er sich 
unter Umständen seiner Angreifer durch Schläge mit den Füfsen 
zu erwehren sucht, ist bekannt. Im Inneren sah ich einen Ran- 
geroodog (greyhound), der auf einer von Viehzüchtern veranstal- 
teten Hetzjagd so schwere Rifswunden von einem Emu erhalten 
hatte, dafs er erschossen werden mufste. Die dicken dunkelgrünen 
Eierschalen verwendet man an der Südküste zuweilen auf die 
Weise zu der Herstellung niedlicher Nippsachen, dafs man mit 
einer Nadel und einem Federmesser erhabene Figuren, wie mensch- 
liche Köpfe, Blumen, beblätterte Zweige, aus ihnen herausarbeitet. 
Derartig verzierte Eierschalen sehen zweifarbigen Cameen sehr 
ähnlich: während die Figuren dunkelgrün sind, ist der Grund 
bläulich- bis grünlichweifs. Von dem Emu behaupten manche 
Leute, die Australien und seine Fauna kennen, dafs er zu den 

Joom. £. Om. UX. Jahrg. April 191L 20 



298 Erhard Eylraann: 

aussterbenden Tieren gehöre. Aus den Küstengebieten Süd- 
australiens wird er bald völlig verschwunden sein. Das weite 
Binnenland hingegen bietet ihm, der unter allen australischen 
Vögeln der genügsamste ist, genug unwirtliche Landstriche, wo 
er sich dauernd zu halten vermag. Als seine schlimmsten Feinde 
haben wir den Menschen und den Dingo zu betrachten. Die 
Tage des binnenländischen Eingeborenen sind höchst wahr- 
scheinlich bereits gezählt. Der Dingo wird jedenfalls an Zahl 
zunehmen, wenn kein schwarzer Jäger ihm nachstellt, und die 
verwilderten Haustiere des Weifsen (Pferd, Rind, Katze und 
Kaninchen) sich noch weiter ausgebreitet haben, als es heute 
der Fall ist. Dafs seine Vermehrung aber keine allzugrofse 
Höhe erreicht, dafür wird schon das Gift des weifsen Vieh- 
züchters sorgen. 

Dromaeus irroratus Bartl. (spotted emu), der das Innere und 
den Westen Australiens bewohnen soll, habe ich nirgends ange- 
troffen. 

Den Schlufs dieser Arbeit mögen ein paar Worte über die 
freilebenden Vögel fremder Herkunft bilden. 

Fremde Vögel habe ich nur zwischen dem Unterlaufe des 
Finke River und der Südküste angetroffen. Die allermeisten 
stammen von Exemplaren ab, die vor Jahrzehnten aus Grofs- 
britannien und Irland nach Australien gebracht worden sind. In 
der östlichen Hälfte des Küstengebietes sah ich Sperlinge, Stare, 
Amseln und Diestelfinken. Sie haben sich hier völlig eingebürgert 
und nehmen beständig an Zahl zu. In Örtlichkeiten des südlichen 
Binnenlandteiles bin ich nur Sperlingen begegnet, und zwar aus- 
nahmslos innerhalb des Bannkreises der kleinen townships und 
stations. Wie ich hörte, seien vor einer längeren Reihe von 
Jahren unter anderen auch Rebhühner, Moorschneehühner, Dom- 
pfaffen, kalifornische Wachteln, Lerchen und Fasane ausgesetzt 
worden. 

Unter diesen Fremdlingen macht sich der Haussperling am 
meisten bemerkbar. Das warme, ziemlich gleichmäfsige Klima 
scheint ihm ausgezeichnet zu bekommen. Überall dort, wo er 
genügend Futter und Wasser zu seinem Unterhalte vorfindet, 
hat er so stark überhand genommen, dafs er, wie das Kaninchen, 
zu einer wahren Landplage geworden ist. Der Farmer, welcher, 
wie bei uns der Bauer, alles von Nützlichkeitsstandpunkte be- 
trachtet, sucht sich des Plünderers seiner Weinberge, Obsthöfe 
und Getreidefelder mit Flinte und Gift zu erwehren. Trotz dieses 
Vernichtungskrieges vergröfsert sich die Zahl der Haussperlinge 
überraschend schnell. Unser Vogel brütet hier in der Fremde, 
wo das Klima ihm die Aufzucht von Jungen zu allen Jahreszeiten 
gestattet, dem Anschein nach öfter als bei uns. Im übrigen ist 
er ganz der alte geblieben. Er nistet in allerlei Schlupfwinkeln 



Die Vogelwelt der Kolonie Südaustralien. 299 

und Löchern, die ihm Bäume und Häuser bieten. Aufserdem baut 
er das Nest verhältnismäfsig oft in das Gezweig von Bäumen. 
Im botanical park Adelaides sah ich einen schönen hohen Gummi- 
baum, in dessen Krone gegen ein Dutzend Pärchen sich aus 
Halmen, Fasern und dergleichen ihre massige, überdeckte Kinder- 
stube errichtet hatten. Wie bei uns, so gräbt sich der Hausspatz 
auch in Australien zuweilen eine Nisthöhle in steile Erdwände. 
Vor etwa acht Jahren nisteten mehr als fünfzig Paare in dem 
lehmigen, löfsartigen Torrensufer zwischen North- und South-Ade- 
laide, an einer Stelle, wo dasselbe gegen 8 m senkrecht abfällt. 
Die Höhlungen hatten sie sich selbst gegraben. Im Binnenlande 
ist der Haussperling ganz auf den weifsen Ansiedler angewiesen: 
ohne diesen würde er nicht nur zu Zeiten anhaltender Dürren 
an Nahrungsmangel zu Grunde gehen, sondern auch rasch den 
zahlreichen Raubvögeln zum Opfer fallen. Ich traf ihn hier, wie 
schon erwähnt, nur in den wenigen Ortschaften und auf einigen 
Stationen an. Vor etwa acht Jahren bildete Oodnadatta, die 
Endstation der von Adelaide ins Binnenland führenden Bahn, den 
nördlichsten Punkt seines Verbreitungsgebietes. Dem Anschein 
nach macht er recht oft den Versuch, sich weiter zu verbreiten. 
Wie ich von den Weifsen der am Unterlaufe von Cooper's Creek 
gelegenen Missionsstation hörte, zeige er sich ihnen nur alle paar 
Jahre, und zwar stets nur auf kurze Zeit. Als ich mich auf dieser 
Station aufhielt, kam eines Tages ein Hausspatzenmännchen in 
mein Zimmer geflogen. Es ist dies das einzige Exemplar, welches 
mir auf dem östlich vom Lake Eyre gelegenen Gebiet zu Gesicht 
gekommen ist. Da der Albinismus als ein Zeichen schwächlicher 
Konstitution betrachtet wird, so will ich nicht unerwähnt lassen, 
dals ich in Adelaide verhältnismäfsig oft Exemplare mit mehr 
oder weniger zahlreichen weifsen Federn angetroffen habe, und 
dafs sich in dem naturhistorischen Museum dieser Stadt zwei 
ganz weifse Exemplare befinden. 

Der Star hat sich in Südaustralien durch seine Diebereien 
in Obstgärten und Rebpflanzungen ganz die Gunst der Ansiedler 
verscherzt. Gröfsere Flüge von ihm sind mir nur in den frucht- 
baren Teilen der Südostecke der Kolonie zu Gesicht gekommen. 

Die Amsel hat sich dem Anschein nach noch nicht weit 
verbreitet. Ich beobachtete sie nur in der Umgebung Adelaides. 
Hier ist sie viel scheuer als jetzt bei uns. 

Der Stieglitz gehört in der südöstlichen Hälfte des Küsten- 
gebietes bereits zu den häufig vorkommenden Vögeln. Ich habe 
ihn sowohl fern von menschlichen Ansiedlungen, als auch in Ort- 
schaften angetroffen. 



20* 



300 



Ornithologische Notizen 
Ton der „Zeppelin-Studienfahrt" Spitzbergen Sommer 1910. 

Von O. Graf Zedlitz. 

In den Monaten Juli und August des Jahres 1910 hatte ich 
die Ehre, als Zoologe an der „Zeppelin-Studienfahrt" in die ark- 
tischen Gewässer Teil zu nehmen. Da die Hauptziele dieser Ex- 
pedition auf anderen Gebieten lagen, mufsten naturgemäfs die natur- 
wissenschaftlichen Interessen hinter jenen zurückstehen, sobald sie 
kollidierten. Es war somit unmöglich, ein so reiches Material 
zusammen zu bringen, wie es eine ausschliefslich zoologische 
Sammeltour in gleicher Zeit und Örtlichkeit liefern müfste. 
Immerhin halte ich die Resultate für interessant genug, um sie 
wenigstens kurz hier zu besprechen. Dafs die Ausbeute keine 
allzu spärliche war, verdanke ich ganz besonders dem Leiter 
der Expedition S. K. H. dem Prinzen Heinrich v. Preufsen, der 
nie irgend eine Anregung im zoologischen Interesse unberück- 
sichtigt liefs, wenn es nur irgend möglich war, derselben zu ent- 
sprechen. 

Zu meiner persönlichen Unterstützung hatte ich wieder 
meinen bewährten Präparator C. W. Müller mitnehmen dürfen, 
der mit Fleifs und Fachkenntnis gearbeitet hat, dem ich aber 
auch manche gute Beobachtung verdanke. Gesammelt wurde 
vom 9, Juli bis zum 18. August, davon entfallen wenige Tage 
der Hin- und Rückreise auf das nördliche Norwegen, ein Tag 
und einige Stunden auf die Bären-Insel, der Rest auf West-Spitz- 
bergen und die Eiskante (SO** lO')- Von diesen 40 Tagen fallen 
einige für meine Zwecke vollkommen aus, an denen wir uns auf 
hoher See befanden teils auf der Überfahrt begriffen, teils ge- 
stoppt und mit Meeresuntersuchungen beschäftigt. Aufser den 
Bälgen umfafst meine Ausbeute noch eine Anzahl Eier, welche 
bei der späten Jahreszeit natürlich nur gering ist, sowie eine 
Reihe gelungener phothographischer Aufnahmen von Polar-Vögeln 
und Nestern. Im folgenden will ich auf die beobachteten und ge- 
sammelten Arten nun etwas näher eingehen und bedaure dabei 
nur die zahlreich vorhandenen Lücken. 

Bei jeder Nummer werde ich nur auf „Schalow, Die Vögel 
der Arktis, 1904", wo die ganze übrige in Betracht kommende 
Literatur leicht nachzuschlagen ist, verweisen. 

1. Vrinator adamsii Gray. 

Schalow V. d. A. p. 117. 

Von diesem grofsen Taucher liegen bestimmte Beobachtungen 
sein Vorkommen in Spitzbergen betreffend noch nicht vor (vgl. 
Schalow p. 117 letzter Absatz). Mir ist es ähnlich ergangen 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 301 

wie anderen Forschern vor mir, erbeutet habe ich ihn nicht, doch 
halte ich es für höchst wahrscheinlich, dafs ein sehr vorsichtiger 
schwarzhalsiger Taucher, der sich am 5. 8. bei der Amsterdam- 
Insel auf See herumtrieb, zu dieser Art gehörte. Es war nicht 
möglich, auf näher als ca. 150 m heranzukommen, und ein 
Kugelschufs war bei dem sehr stürmischen Wetter aussichtslos. 

2. TJrinator iK/mme Gunn. 

Schalow V. d. A. p. 119. 

Der schöne rothalsige Seetaucher ist von mir recht häufig 
beobachtet und mehrfach erlegt worden. In Norwegen sah ich 
unweit Tromsoe auf See ein Pärchen am 12. 7. gelegentlich 
der Hinreise und fand fast an derselben Stelle bei der Rückkehr 
am 18. 8. wiederum zwei Exemplare, von denen ich ein cT erlegte. 
Auf der Bären-Insel konstatierte ich auf den kleinen Süfswasser- 
Seen am 12. 8. ein Pärchen und zweimal einzelne Stücke, erlegte 
auch dort ein cf. Bei Spitzbergen hielt sich ein Pärchen auf 
der Lagune Richard an der Ostseite des Prinz-Carl-Foreland auf 
(23. 7.), ein zweites in der Kingsbai (8. 8.), eins belebte die Süfs- 
wasser-Seen hart westlich des Signe-Hafens an der Crofs-Bai 
(21. u. 30. 7.), wo ich ein cf mir holte; schliefslich erbeutete 
ich noch auf einer kleinen Süfswasser-Ansammlung östlich der Red- 
Bai (Nord-Spitzbergen) cT und 9 am 6. 8. Meine Beobachtungen 
in diesem Sommer decken sich durchaus mit den in früheren 
Jahren von mir in Norwegen gemachten. Der eigentliche Stand- 
ort dieser Taucher ist das Süfswasser des Binnenlandes, mag 
es in Form eines grofsen Sees oder aus einer sumpfigen Lache 
sich präsentieren. Um Nahrung zu suchen, welche in den oft 
fischlosen Tümpeln knapp sein mag, streicht der Vogel besonders 
in den Vormittagsstunden gern aufs Meer hinaus, kehrt aber 
wieder auf seinen Bergsee zurück, wenn der Kropf gefüllt ist. 
Den einmal gewählten Stand hält er ziemlich fest. Dort fand 
ich auch Mitte Juli 1904 in Norwegen das Nest auf einer Kaupe 
im Wasser stehend, es enthielt 2 Eier. Trotz gröfster Aufmerk- 
samkeit habe ich dieses Jahr auf Spitzbergen bei keinem der 
Pärchen Junge wahrnehmen können, obgleich ich manche aus- 
giebig aus gedeckter Stellung beobachtet habe. Meiner Über- 
zeugung nach waren bis zum 8. 8. die Jungen der Paare, welche 
ich antraf, noch nicht ausgekrochen (die auf Bären-Insel am 12. 8. 
gefundenen Taucher schienen mir dort nicht eigentlich zu Hause 
zu sein, da sie sich viel scheuer zeigten als sonst üblich). Eine 
so späte Brutzeit erscheint nicht ganz unwahrscheinlich erstens 
mit Rücksicht auf die auch schon in Norwegen vorkommenden 
späten Gelege, sodann auch aus dem Grunde, weil fast alle Süfs- 
wasser-Seen Spitzbergens erst in der zweiten Juli-Hälfte an- 
fangen, eisfrei zu werden. Ich habe übrigens am 21. 9. 1899 



802 0. Graf Zedlitz: 

in Namdalen (Norwegen) noch einen kaum halbwüchsigen üri- 
nator selbst gesammelt, es scheint mir also eine ziemlich all- 
gemeine Regel zu sein, dafs der Vogel sich Zeit nimmt mit 
dem Freien. 

3. Fratercvla arctica drctica L. 

Schalow V. d. A. p. 121. 

Eine Zusammenfassung von F. a. arctica und F. a. glacialis 
halte ich für unstatthaft. Die Mafse bei der nördlicheren Form 
„glacialis^'' sind stets gröfser, auch ist die Form des Schnabels 
wesentlich anders, bei glacialis ist die Firste des Oberschnabels 
gebogener, bei arctica gestreckter, besonders nach der Spitze zu. 
Ich möchte sagen, glacialis ist relativ „rundschnäblig", arctica 
relativ „spitzschnäblig". 

Die kleinschnäblige Art ist im nördlichen Norwegen häufiger 
Brutvogel, aber ebenso auch ständiger Sommergast auf der Bären- 
Insel, wo sie in tiefen Löchern und Felsspalten an den unzugäng- 
lichsten Stellen der steilen Süd- und Südost-Küste brütet. Schon 
vor mir haben dies Swenander und Prof. König einwandsfrei fest- 
gestellt. Ich kann ihre Beobachtungen nur vollkommen bestätigen, 
am Nachmittage des 12. 8. haben wir einige 20 Exemplare dort 
erlegt. Die Jungen müssen noch sehr klein gewesen sein, da 
sich kein einziges auf dem Wasser blicken liefs, wo sich die anderen 
Alke schon lustig „in Familie" tummelten. Es bleibt eine inte- 
ressante Frage, wieso die kleinschnäblige Form in ihrer regel- 
mäfsigen Verbreitung bis zur Bären-Insel hinaufgeht, während 
auf dem viel südlicheren Jan Mayen nur die grofsschnäblige Form 
vorkommen soll. Ich erwähne noch der Vollständigkeit halber, 
dafs ich auf Spitzbergen keinen einzigen kleinschnäbligen Papagei- 
taucher unter einer grofsen Serie gefunden habe, er kommt dort 
nach übereinstimmender Aussage aller Forscher nicht vor. Über 
die Verbreitungsgrenzen auf Grönland herrscht noch nicht voll- 
kommene Klarheit. 

4. FraterciUa arctica glacialis Steph. 

Schalow V. d. A. p. 121. 

Diese hochnordische Form des Papageitauchers ist auf Spitz- 
bergen gewissermafsen ein Charaktervogel. Wie ich bei der vorigen 
Art erwähnte, gehören die Brutvögel der Bären -Insel nicht zu 
glacialis^ sondern zu arctica. Trotzdem erbeutete ich auch hier zwei 
Exemplare der grofsschnäbligen nordischen Form neben einer 
stattlichen Serie der kleinschnäbligen am 12. 8. Ich vermute, 
dafs es sich um Individuen handelte, welche aus irgend einem 
Grunde keine Jungen grofs gezogen hatten und daher etwas früh 
den Zug nach Süden antraten. Beide Stücke wurden nicht direkt 
am Brutplatz sondern eine Strecke entfernt davon im Wasser 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 303 

schwimmend erlegt. In den Buchten des westlichen und nörd- 
lichen Spitzbergens kommt dieser Lund überall vor, an einzelnen 
Stellen nur sehr vereinzelt, an anderen recht häufig. Von den 
Punkten, wo wir ihn zahlreich trafen, erwähne ich folgende: 
Sassen-Bai 18. 7., Prinz Carl Foreland-Sund 23. 7., Magdalena- 
Bai 2. 8. Brutplätze in Felswänden nahe dem Meere konstatierten 
wir im Eisfjord, Südseite, kurz vor dem Eingang zur Advent-Bai, 
sowie auf einer Insel etwas nördlich der Magdalena-Bai. Bei den 
zahlreichen Vogel-Kolonien der Cross-Bai und Umgebung fand 
ich niemals brütende Papageitaucher, obgleich solche mehrfach auf 
dem Wasser beobachtet und erbeutet wurden. Meine Vermutung 
dafs diese Vögel ihre Kinderstuben auf den Felskegeln des Inlandes 
anlegen dürften, fand Bestätigung. Zwar war es mir nicht möglich, 
selbst so weit ins Innere vorzudringen, doch erlegten wir hier 
mehrfach Lunde, die auf dem weifsen Grunde von Brust und 
Bauch eine Zeichnung in Form grofser unregelmäfsiger rötlich- 
gelber Flecke trugen. Die Farbe war so „echt", dafs sie auch 
der Behandlung mit Seife ziemlich lange Stand hielt. Trotzdem 
handelte es sich nicht etwa um eine neue Subspecies ^,rhodeogastra'-\ 
sondern um sehr intensive Abfärbung rötlicher- Stoffe auf die 
weifsen Federn. Dieser Stoff ist nach meiner Überzeugung der 
rote Sandstein (the old red Devonian sandstone), der zuerst in 
Schottland konstatiert wurde, daher der Name. In Spitzbergen 
steht er nun nicht an dier Küste, wohl aber weit entfernt davon 
in den vom Inland-Eis umgebenen Gebirgen an, deren Kegel und 
Massive aus dem Gletschermeer aufragen. Als Beispiel erwähne 
ich nur die bekannten „Drei Kronen" östlich der Kings-Bai. 
Dieser Sandstein vermag bei Abfärbungen seine rote Farbe sehr 
zur Geltung zu bringen. Die Gletscherwasser am King-Gletscher 
danken ihre intensiv rotbraune Farbe, welche im ganzen inneren 
Teile der Bai noch sichtbar ist, dem Zerfall und der Aufarbeitung 
dieses Gesteins. Ebenso ist der Gletscherstrom, welcher im 
Inneren des Lilljehook-Gletschers (Cross-Bai) sich Bahn bricht 
und an dessen Stirnseite durch ein mächtiges Tor seine Wellen 
in den Fjord ergiefst, intensiv braunrot gefärbt im Gegensatz 
zum umgebenden Wasser, ein Grufs von den landeinwärts liegenden 
roten Sandsteinkegeln. An beiden Orten — Kings-Bai und Lillje- 
hook-Bucht — erbeutete ich auch die Vögel mit rot gefärbter 
Unterseite, m. E, ein Fingerzeig dafür, dafs sie landeinwärts auf 
den Bergen aus rotem Gestein brüteten, zumal nahe der Küste 
absolut keine Niststellen zu finden waren. Vom Wasser kann 
die abnorme Färbung nicht wohl herrühren, denn dort ist das 
Rot zu verdünnt, der Vogel hält sich auch nicht so andauernd 
gerade im rötlichen Wasser auf, und insbesondere zeigt kein 
Vogel, der in Quarzit brütet (also an der Küste, wo die Beobachtung 
nicht schwer ist) irgendwelche roten Flecke, obgleich alle ohne 
Unterschied überall im Wasser sich herumtreiben, im roten wie 
im blauen. 



804 0. Graf Zedlitz: 

5. CeppTvus gryUe grylle L. 

Schalow V. d. A. p. 124. 

Diese nordeuropäische Teiste ist in Norwegen gemein und 
wurde von mir in diesem Jahre wie stets in früheren zahlreich 
beobachtet. Beleg - Exemplare sammelte ich am 9. 7. bei den 
Lofot -Inseln und am 12. 7. sowie 18. 8. bei Tromsoe. An 
letzterem Tage fand ich vollkommen ausgewachsene Junge, welche 
sich schon allein durchs Leben schlugen. 

6. Cepphus grylle mandtii Licht. 

Schalow V. d. A. p. 125. 

Die hochnordische Form der Teiste fand ich in mäfsiger 
Zahl an der Bären-Insel, dafür um so häufiger in allen Buchten 
Spitzbergens. In der Kings-Bai und Crofs-Bai ist ihre Zahl 
Legion. Trotzdem sah ich nicht grofse Scharen vereint brüten, 
sondern stets nur wenige Pärchen bei einander. Sie siedeln sich 
auch anscheinend am liebsten nicht mitten im ohrenbetäubenden 
Lärm einer grofsen gemischten Brut-Kolonie an, sondern halten 
sich etwas abseits, manchmal ganz unten dicht über dem Wasser- 
spiegel, häufiger aber ganz oben am Rande der Felswand. Am 
zahlreichsten fand ich Brutpaare auf einer der Loven-Inseln in 
der Kings-Bai, am Haakon-Vorgebirge und Süd-Kap des Signe- 
Hafens in der Crofs-Bai. Die ersten Jungen tummelten sich im 
Wasser der Kings-Bai am 27. 7., weitere Junge als Beleg-Exem- 
plare sammelte ich in der Magdalena-Bai am 7. 8. 

7. TJria troüe tröüe L. 

Schalow V. d. A. p. 126. 

Diese früher von mir schon im nördlichen Norwegen beob- 
achtete Lumme bekam ich dieses Jahr wieder häufig während meiner 
kurzen Anwesenheit dort zu Gesicht und erlegte Belegexemplare. 
Ein Stück im Winterkleid kaufte ich in Tromsoe. Auf der Bären- 
Insel, wo sie bestimmt noch vorkommt, hielten wir leider vergebens 
nach ihr Umschau, bis Spitzbergen hinauf geht sie nicht. 

8. Uria lomvia lomvia L. 

Schalow V. d. A. p. 127. 

Von der Familie der Alke ist nach meinen Beobachtungen 
keine Art in so ungeheurer Zahl als Brutvogel auf der Bären- 
Insel und West-Spitzbergen vertreten wie diese Lumme. Fährt 
man im Boot unter dem mächtigen jähen Fels-Absturz der Bären- 
Insel an ihrem südlichen Zipfel entlang, so wird man fortwährend 
von den zu- oder abstreichenden Dickschnabel - Lummen um- 
schwirrt wie von Maikäfern an einem schönen Frühlings-Abend 
bei uns. Die riesigen Zahlen taxweise angeben^zu wollen, halte 
ich für müfsiges Beginnen. Ebenso ist die Zahl der Brutpaare 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 305 

au den grofseu Vogel-Kolonien der Crofs-Bai (Haakou-Vorgebirge 
und Signe- Hafen) einfach erschütternd. Erheblich bescheidener 
ist der Besuch der Brutplätze in der Advent-Bai, auf den Loven- 
Inseln, in der Magdalena- und Red-Bai sowie auf der Amsterdam- 
Insel. Nach meinen Beobachtungen legt jedes 9 nur ein Ei 
(abgesehen von Nachgelegen) bezw. zieht jedes Pärchen nur ein 
Junges auf. Dafs dies Solo-Ei aber in seinen Mafsen auch ein 
wahrhaftes „Riesen- oder Abgotts- Ei" im Verhältnis zur Gröfse 
des Vogels ist, darf ich wohl als bekannt voraussetzen. Die 
Grundfarbe variiert vom ganz hellen, schmutzig-weifsen Ton bis 
zum satten Grün mit einem Stich ins Bläuliche. Die schwarze 
Arabesken-Zeichnung ist sehr unregelmäfsig. Als Brutstätten 
dienen Felsbänder, welche nach innen (hinten) etwas abfallen. 
In der von der senkrechten Wand und dem schrägen Felsbande 
gebildeten Ritze liegen die einzelnen Eier oft ganz dicht neben- 
einander, sodafs ein oberflächlicher Beobachter leicht irriger Weise 
auf Gelege von mehreren Stücken schliefsen könnte. Ebenso 
sitzen natürlich später die Jungen hart beieinander. Sie suchen 
keineswegs bald das Meer auf, sondern werden von den Alten 
gefüttert, bis sie etwa halbwüchsig sind. Während dieser Zeit 
verhalten sie sich so ruhig, dafs man oft lange eine Kolonie 
beobachten kann, ohne von den vielen Kleinen etwas zu sehen — 
hören kann man bei dem Spektakel doch keine Einzelheiten — 
und so dürfte bisweilen die Vermutung entstehen, dafs noch Eier 
in den Spalten liegen, wo schon längst Junge hocken. Den 
Ausdruck „Nest" habe ich hier absichtlich vermieden, denn die 
vorhandene Unterlage besteht im wesentlichen aus dem natürlichen 
Stein mit Garnierung von wenigen Hälmchen und sehr viel Kot. 
Die Dunenjungen sind einfarbig dunkelbraun und recht übel- 
riechend, wir sammelten mehrere Ende Juli sowie Anfang August, 
indem wir sie ausnahmen. Im Wasser sah ich selbst die ersten 
am 12. 8. bei der Bären-Insel sich tummeln. 

Diese Lumme geht weit aufs Meer hinaus, man trifft sie 
regelmäfsig schon viele Kilometer entfernt von der Bären-Insel, 
wo sonst nur der Eissturmvogel über den Wogen gaukelt. 
Ebenso ziehen grofse und kleine Schwärme sehr häufig an der 
Grenze des festen Polar-Eises entlang, auch wenn dieses weit 
nördlich von Spitzbergen steht. Der Vogel ist zweifellos trotz 
seiner plumpen Gestalt ein recht ausdauernder Flieger und ein 
flinker dazu, das wird mir jeder ehrliche Flugschütze bestätigen, 
der anfangs immer „hintenweg" geschossen hat, dafs das See- 
wasser spritzte, Lummen und Zuschauer aber laut lachten. 
Dafs diese raschen Flieger auch ganz vorzügliche Tauchkünstler 
sind, braucht man bei einem Angehörigen der Alk-Familie erst 
kaum zu erwähnen. Interessant ist es zu beobachten, wie sie 
auch unter Wasser, wo sie grofse Strecken mühelos zurücklegen, 
sich ihrer Flügel als Ruder bedienen. Das Problem der Bewegung 
einzelner Gliedmafsen beim tauchenden Vogel ist m. E. würdig. 



306 0. Graf Zedlitz: 

in einer Monographie behandelt zu werden, es würde zu weit 
führen, hier auf Details eiuzugehen. Ich erwähne nur als Grund- 
prinzip beim Alk unter Wasser: „Es wird gerade umgekehrt 
gemacht wie beim Fliegen", d. h. der tauchende Vogel arbeitet 
mit lebhaften Flügelbewegungen, um tiefer hinein zukommen, 
gleitet hingegen mit still gehaltenen Flügeln empor; der fliegende 
arbeitet sich bekanntlich mit Flügelschlägen empor und gleitet 
ohne Flügelschlag hinab. Der Hals wird unter Wasser nach 
vorn gerade ausgestreckt, und zwar wird diese Haltung sofort 
im Moment des Tauchens eingenommen. Die Füfse dienen ent- 
sprechend ihrer Lage ganz hinten am Körper als Seiten- und 
Höhen-Steuer, nicht nur im Wasser, sondern ganz besonders auch 
in der Luft. Sie funktionieren sehr exakt, wie mir jeder Natur- 
freund bezeugen wird, welcher die kurzen Wendungen der auf 
wenige Meter das Ruderboot umkreisenden Alke aller Art mit 
Vergnügen beobachten durfte. Beim Auffliegen vom Wasser bietet 
sich ein wenig elegantes Bild, da wird erst „Wasser getreten", 
bis der nötige Schwung da ist. Der Alk kann nur vom festen 
Boden auffliegen, wenn sich Gelegenheit bietet, wenigstens ein 
ganz klein wenig sich schräg bergab zu stürzen und dabei Luft 
unter die Flügel zu bekommen, hingegen ist er aufser Stande, 
von ganz ebener Bodenfläche abzustreichen, da er dann schräg 
aufwärts steigen müfste. In solchen Fällen watschelt er gemäch- 
lich bis zu einer abschüssigen Stelle oder, wenn Gefahr im Ver- 
zuge ist, rutscht er äufserst behende auf dem Bauche zum Wasser 
oder der nächsten Felskante. Ich möchte hier nur an die Ver- 
wandten im Südpolargebiet, die Pinguine, erinnern, welche eben- 
falls auf dem Bauch rutschen, wenn sie es eilig haben. 

9. Alca torda L. 

Schalow V. d. A. p. 129. 

Der Tordalk wurde nur im nördlichsten Norwegen bei 
Tromsoe beobachtet und erbeutet. Auf den Helgoe benachbarten 
Vogelbergen dort brütet er zahlreich. 

10. Alle alle L. 

Schalow V. d. A. p. 130. 

Der kleinste Vertreter seiner Familie wird von den Norwe- 
gern gerade „Alkekonge" der „Alkkönig" genannt, und die putzigen 
Kerlchen scheinen in der Tat von ihrer Wichtigkeit sehr durch- 
drungen zu sein, wenn sie stolz aufgerichtet in Reihen Mann an 
Mann auf den Felsbändern ihrer Brutstätten sitzen und dem sie 
besuchenden homo sapiens — den Rücken kehren. Die lockeren 
weifsen Federn der Weichen schimmern dann schneeig unter 
den angelegten Flügeln an beiden Seiten hervor, es sieht aus, 
als trügen die Herrschaften schwarze Fräcke mit grofsen silbernen 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 307 

Schofsknöpfen. An Zahl steht der Krabbentaucher hinter seinem 
grofsen Verwandten zurück, immerhin mufs ich ihn auf West- 
Spitzbergen eine alltägliche Erscheinung nennen. Gröfsere Brut- 
Kolonien fand ich in der Advent-Bai, in der Crofs-Bai (Nordost- 
seite bei der Koller Bucht), sowie in der Magdalena-Bai. Seltener 
erschien der niedliche Geselle in der Red-Bai, doch zeigten sich 
droben an der Eiskante wieder viele kleine Schwärme, welche 
in tadelloser Disziplin ihre Flug-Übungen ausführten. Junge im 
Wasser habe ich bis zum 10. August, als wir Spitzbergen ver- 
liefsen, noch nicht angetroffen. Auffallend war mir in der Kings- 
Bai das sehr zahlreiche Vorkommen des Krabbentauchers, obgleich 
auf den Loven-Inseln keine brüten. Die Kolonien müssen irgendwo 
etwas entfernt im Inlande liegen. 

Ich möchte die Besprechung der Alke nicht schliefsen, 
ohne besonders auf die erstaunliche Vorsicht hinzuweisen, mit 
welcher sie alle ihre Niststätten aussuchen. Das Aufbringen 
der Jungen ist nämlich gar nicht so einfach, da die Brutkolonien 
regelmäfsig von Eierräubern aufgesucht werden. Gegen die 
ungebetenen Gäste, soweit sie befiedert sind, wissen sich alle 
recht energisch und erfolgreich zu verteidigen, der schlimmste 
Feind ist aber der Fuchs in seinen verschiedenen Polarformen, 
ihm sind sie an Stärke natürlich nicht gewachsen. Da kann 
nur Klugheit helfen, und so werden denn für die Nester nur 
solche Felsbänder ausgesucht, welche für nicht beschwingte Besucher 
unerreichbar sind, selbt wenn es sich um so vorzügliche Kletterer 
und Springer handelt wie den Fuchs. Trotzdessen werden die 
gröfseren Kolonien täglich von ihm revidiert oder doch sehr 
häufig, er mag durch Junge, welche herabgefallen sind oder sich 
vorwitzig allein auf Entdeckungsreisen begeben haben, immer noch 
gut auf seine Kosten kommen. Auf den Inseln, welche dem Fuchs 
nicht zugänglich sind, werden die Brutplätze erheblich sorgloser 
ausgewählt, dort ist es dem Menschen auch leichter, heranzukommen, 
in den grofsen Kolonien des Festlands ist dies ohne gröfseren 
Apparat fast stets unmöglich. Wird viel Treibeis in die Buchten 
gedrückt, so bildet sich bisweilen auch noch spät im Sommer 
eine Eisbrücke vom Lande zu einer der Inseln, diese benutzt 
dann schleunigst der Fuchs, um hinüberzuschnüren und gründlich 
aufzuräumen. Auf einer Insel in der Nordost-Ecke der Kings-Bai 
fand ich nach solchem Besuch auch nicht ein einziges unversehrtes 
Ei oder irgend einen noch nicht flugbaren Jungvogel. 

11. Stercorarius parasiticus L. 

Schalow V. d. A. p. 132. 

In seinem umfassenden Werk erwähnt Schalow nicht, dafs 
es eine weifsbauchige und eine einfarbig braune Varietät dieser 
Möwe gibt, da er auf die Beschreibung der einzelnen Kleider 
überhaupt nicht eingeht. Ich habe im Laufe der Jahre die Beob- 



308 0. Graf Zedlitz: 

achtuüg gemacht, dafs in Norwegen anscheinend die braune 
Varietät etwas häufiger vorkommt, besonders zahlreich fand ich 
sie im August 1899 auf den Vigden-Inseln südlich der Lofot- 
Gruppe. Hingegen kommen auf der Bären-Insel und Spitzbergen nach 
meinen Beobachtungen von 1900 und 1910 auf eine braune wohl 
einige hundert weifsbäuchige Raubmöwen. Eine einfarbig dunkle 
wurde am 23. 7. 1910 im Möller-Hafen (Cross-Bai) von Müller 
erlegt. Es dürfte kaum möglich sein, irgendwo in West-Spitz- 
bergen an Land zu gehen, ohne sehr bald auf ein Pärchen dieser 
Möwe zu stofsen. Sie brütet nicht in Kolonien, sondern jedes 
Paar gesondert in einem eigenen Revier, das allerdings bisweilen 
nicht grofs ist. Naht man sich der Niststelle, welche auf flachen 
sumpfigen oder steinigen Stellen, manchmal zwischen den Armen eines 
Baches oder auf einer ins Meer vorspringenden Landzunge liegt, 
so versuchen die Alten alles Mögliche, um den Störenfried fort- 
zulocken. Sie nehmen am Boden die auffallendsten Stellungen 
ein, richten sich bald hoch auf, um dann wieder mit verhängten 
Elügeln fortzulaufen, kurzbefleifsigen sich eines möglichst auffälligen 
üebahrens, das ich nicht umhin kann, sie mit den Bewegungen 
balzender Birkhähne zu vergleichen. Das klingt komisch, doch 
wurde mir von erfahrenen Jägern unter den Teilnehmern der Expe- 
dition hierin vollkommen beigeflichtet. Selbstredend wird das 
ganze Theater mit sehr viel Geschrei begleitet. Die Brut fällt 
ziemlich spät. Im Jahre 1900 fand ich auf dem Prinz-Carl- 
Foreland Ende Juli frische Eier, dieses Jahr (1910) am 4. 8. in 
der Magdalena-Bai eben ausgekrochene Junge. Das volle Gelege 
beträgt 2 Eier, und 2 ist die Zahl der Jungen, wenn alles gut 
geht. Die Entwicklung ist eine aufserordentlich rasche wie nach 
meinen Beobachtungen bei allen jungen Polarvögeln. Von den 
beiden Jungen der Magdalena-Bai liefs ich eins abbalgen, das 
andere wurde aufgezogen. Nach 14 Tagen war aus dem fahlbraunen 
Dunenklümpchen dank einem stets regen Appetit eine recht 
manierliche Raubmöwe im fast vollendeten Jugendkleide geworden, 
nach 3 Wochen war der Vogel in seinem Gefieder ganz fertig 
bis auf die verlängerten Mittel-Schwanzfedern, welche nicht im 
ersten Herbst des Lebens erscheinen. 

Schon beim ersten Jugendkleide zeigt sich deutlich, ob 
der Vogel später weifsen oder braunen Bauch haben wird. 
Ich sammelte am 12. 8. auf der Bären-Insel ein knapp flugbares 
Junges und erhielt in Tromsoe einanderes im gleichen Stadium, bei 
denen die Grundfarbe der Unterseite unverkennbar weifs (Bären-I.) 
bezw. braun (Tromsoe) ist. Ebenso steht im B. M. ein gleichfalls 
noch nicht völlig ausgewachsener Jungvogel mit dunkler Unterseite, 
ein Vertreter der braunen Varietät, welcher aus Norwegen stammt. 

Als Nahrung zieht Stercorarius parasiticus Fische allem 
anderen vor und weifs dieselben vortrefflich anderen Möwen abzu- 
jagen. Mein jung aufgezogener Pflegling schätzt auch Fisch sehr viel 
mehr als Fleisch, doch hat er gelernt, sich mit einem Gemenge 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 309 

von Fleischresten und Kartoffeln zu behelfen, wenn es keine 
Fische gibt. In der Freiheit kommt diese Raubmöwe auch nur 
gelegentlich zum Luderplatz. Ebenso halte ich sie für keinen 
gewerbsmäfsigen Eierdieb, da ich sie an den grofsen Brutkolonien 
nie herumbotanisieren sah, hingegen mag sie gelegentlich von 
den Bodenbrütern, Tringeu und Seeschwalben, ihren Tribut fordern, 
denn stets wurde sie von ihnen mit lautem Geschrei verfolgt, 
sobald sie sich in der Nähe ihrer Nistplätze blicken liefs. Im 
allgemeinen halte ich diesen Charaktervogel hochnordischer 
Niederungen für viel harmloser als manche seiner Verwandten. 

12. Stercorarius longicauda Viell. 

Schalow V. d. A. p. 133.: S. cepphus; Lönnberg (Zoologist 
1903 p. 338—342): S. longicauda. 

Lönnberg hat in seiner Arbeit nachgewiesen, dafs der Name 
„cepphus Brunn," sich wohl nur auf junge S. parasiticus be- 
ziehen dürfte, daher folge ich in diesem Falle nicht Schalow's 
Nomenklatur. Mir ist stets nur die helle Form mit fast ganz 
weifser am Halse nur wenig gelblich verwaschener Unterseite 
vorgekommen, dunkle Stücke sind mir nicht bekannt. 

Diese Raubmwöe kommt nur in den nördlicheren Breiten 
von der Bären-Insel an aufwärts vor, doch ist sie auf Spitzbergen 
nicht so häufig als die vorige. Ihr Vorkommen ist nach meinem 
Befund sehr lokalisiert, so fand ich sie 1900 und 1910 am öst- 
lichen Ufer der Advent-Bai ganz genau an der nämlichen Stelle, 
ferner sammelte ich ein halbes Dutzend auf der südwestlichsten 
Loven-Insel in der Kings-Bai und sah andere Exemplare am 
Südufer der Bucht, hingegen ist mir der Vogel an keinem anderen 
Platze Spitzbergens vorgekommen. Die stark verlängerten Mittel- 
federn des Schwanzes und die fast rein weifse Unterseite er- 
möglichen es, auch die fliegende S. cepphus leicht von S. para- 
siticus mit ihrem kürzeren Schwanz und grauen Kropfbande zu 
unterscheiden. 

Ich möchte bestimmt behaupten, dafs die langschwänzige 
Raubmöwe an den erwähnten Orten, wo ich sie erbeutete, nicht 
brütet, vielmehr dürften die Gelege oben in den Bergen zu 
suchen sein. Ich habe die Vögel wiederholt beim Zu- und Ab- 
streichen beobachtet, sie halten sich am Meere nur so lange 
auf, als sie Nahrung suchen, dann entschwinden sie wieder nach 
den fernen Felsschroffen. Ich halte diese Raubmöwe für einen 
gefährlicheren Eierdieb als die vorige, fand sie auch in mehreren 
Exemplaren am Luderplatz. 

13. Gavia alba Gunn. 

Schalow V. d. A. p. 135. 

Die Elfenbein-Möwe ist ein echter Polarvogel und pafst mit 
ihrem schneeigen Kleid ebenso gut in die vereiste hochnordische 



310 0. Graf Zedlitz: 

Natur wie der Eisbär. Dafs der Vogel trotz seiner mäfsigen 
Gröfse, welche kaum die einer Haustaube übertrifft, sofort auch 
auf denornithologischen Laien tiefen Eindruck macht, wenn dieser 
überhaupt Sinn für Natur und Farben hat, das konnte ich in 
diesem Sommer wieder feststellen. Um so interessanter ist die 
Tatsache, dafs dieser gewifs auffallende Vogel keineswegs von 
allen Sammlern in West-Spitzbergen erbeutet wurde. Es geht 
daraus hervor, dafs die Standplätze in den einzelnen Jahren nicht 
immer die gleichen sind. Ich stimme nach meinen Erfahrungen 
aus den Jahren 1900 und 1910 vollkommen mit Schalow überein, 
wenn er ausführt, dafs diese Möwe in ihrem Vorkommen sich an 
grofse Massen von Treibeis und die wieder damit zusammen 
reisenden grofsen Herden von Robben halte. Im Juli 1900 war 
der Prinz-Carl-Foreland Sund ganz mit Eis versetzt, es wimmelte 
darauf von Robben, und ich schofs in wenigen Tagen dort 11 Gavia 
alba, meine Reisegefährten erlegten auch noch eine ganze Anzahl. 
Im Jahre 1910 war der Foreland-Sund eisfrei, wir sahen dort 
keine einzige Elfenbein-Möwe; dagegen lag im hinteren Teil der 
Kings-Bai viel Treibeis, für die Zahl der Robben spricht, dafs 
wir dort an einem Nachmittage 25 Stück schössen, meine Aus- 
beute an Gavia betrug 12 Exemplare, davon 6 an einem Tage. 
Es ist auch gewifs kein Zufall, dafs der Norweger den Vogel 
„Isrype" d. h. „Eishuhn" nennt, denn unsere nordischen Fangs- 
leute sind zumeist sehr feine Tier- und Natur-Beobachter. Ich 
glaube, dafs unsere Möwe in der Nähe solcher Plätze, wo sie den 
Sommer über zahlreich auftritt, ganz naturgeraäfs auch brütet, 
im folgenden Jahre ist der Platz dann vielleicht verlassen, wenn 
die Verhältnisse andere sind. Die Nester dürften an schwer zu- 
gänglichen Stellen hoch oben in den Bergen stehen, anscheinend 
wird auf gute Aussicht besonderer Wert gelegt. Ganz überein- 
stimmend beobachtete ich i. J. 1900 im Foreland-Sund und 
1910 in der Kings-Bai folgendes: Bei klarstem Wetter blickte 
man vergeblich nach irgend einer weifsen Möwe aus und konnte 
Stunden lang warten, ohne eine solche zu sehen. Wurde dann 
ein abgezogener Seehund als Köder ausgelegt, so dauerte es meist 
weniger als 10 Minuten, sicher nicht über eine Viertelstunde, bis 
die ersten Elfenbein -Möwen nach kurzem Kreisen sich darauf 
niederliefsen. Jedesmal kamen sie vom Lande her, doch glaube 
ich keinesfalls, dafs sie in 10 Minuten von Ost-Spitzbergen nach 
der Kings-Bai geflogen sind, zumal dieselbe von hohen Bergen 
eingeschlossen ist. Nirgends anders als auf diesen Bergen hatten 
die Möwen, von denen mehrere am 9. 8. erlegte Brutfleck auf- 
wiesen, ihr ständiges Domizil, und bei einer Besteigung wurde 
auch meine Vermutung insofern bestätigt, als sich tatsächlich 
Gavia alba an den Wänden herumtrieben, leider war die Zeit 
zu kurz, um nach Nestern ernstlich suchen zu können. 

Aufser in der Kings-Bai konstatierte ich die Möwe noch in 
vereinzelten Exemplaren im Signe-Hafen (Crofs-ßai) und an der 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 311 

Grenze des Polareises (80'' 10')- Die schon erwähnte Anlegung 
eines Luderplatzes ist ein ganz sicheres Mittel, ihrer habhaft zu 
werden, sie ist ein Fleischfresser par excellence, untersucht jeden 
blutigen Fleck auf dem Eise und kommt oft schon auf den 
blofsen Knall von Schüssen heran in der Hoffnung, dafs etwas 
für sie abfallen wird. Nur der äufseren Erscheinung nach ist es 
eine Möwe, im Charakter durchaus ein Raubvogel nach Art der 
Geier und auch ebenso wenig von Scheu vor dem Menschen erfüllt. 

14. Hissa triäactyla tridactyla L. 

Schalow V. d. A. p. 138: Bissa rissa rissa L. 

Von der durch 2 Jahre reichenden Entwicklung des Gefieders 
bis zum vollen Alterskleide gibt uns Schalow eine anschauliche 
Beschreibung. Ich habe nichts hinzuzufügen und möchte nur 
bestätigend erwähnen, dafs ich neben vielen jungen Stücken auch 
am 2. 8. in der Magdalena-Bai 2 einjährige im Übergang vom 
Jugend- zum Alterskleide sammeln konnte. Solche Exemplare 
scheinen sich am Brutgeschäft noch nicht zu beteiligen. Über 
die Entwicklung von Dunenjungen hatten wir Gelegenheit, 
dauernd Beobachtungen an 2 ausgenommenen Jungen anzustellen, 
welche aufgezogen wurden und prächtig gediehen. Sie waren 
sehr zahm und lebten an Bord zumeist in Symbiose mit den 
jungen Katzen, welche sie durch gelegentliche Schnabelhiebe im 
Respekt erhielten. Das Wachstum geht ebenfalls sehr rasch vor 
sich. Am 25. 7. fand ich auf den Loven-Inseln kleine ganz weifse 
Dunenjunge, am 9. 8. sah ich ebendort den erst fiugbaren Jung- 
vogel, am 12. 8. auf der Bären-Insel, war die Mehrzahl der Jungen 
schon unterwegs. Brutkolonien sind vom nördlichsten Norwegen 
bis Nord-Spitzbergen fast an jeder geeigneten Stelle zu finden. 
Besonders grofs ist die Zahl der brütenden Paare in der Crofs- 
Bai (Haakon-Vorgebirge und Signe-Hafen), in der Magdalena- 
und Red-Bai. Fast stets brütet diese Möwe zusammen mit üria 
lomvia, bisweilen mit Alle alle, Cepphus mandtii und selten mit 
Fulmarus glacialis. Es stehen dann abwechselnd reihenweise 
oder in Gruppen Niststellen der Möwen und der Alke, die sich 
offenbar vorzüglich vertragen. Sind die Jungen ausgeflogen, 
also um Mitte August, dann tun sich Alte und Junge zu riesigen 
Schwärmen zusammen — vielleicht bleibt auch die Kolonie dann 
noch geschlossen — und ziehen besonders gern landeinwärts nach 
denSüfswasser-Seen. Am 12.8. sah ich im Inneren der Bären-Insel 
buchstäblich ganze Hügel am Rande solcher Wasserbecken mit 
Möwen bedeckt, selbst als sie abgestrichen waren, zeigte sich 
der Boden noch weifs von ausgefallenen Dunenfedern, ein 
Zeichen, dafs dieser Platz regelmäfsig aufgesucht wurde. 

Die Dreizehen-Möwe nährt sich von Fischen und kleinem 
Getier des Wassers. Besonders eine kleine Krabbenart liebt sie, 
welche sich im Wasser am Ausflufs des Gletscherströme findet. 



312 0. Graf Zedlitz: 

In den mächtigen Eistoren, durch welche diese , hervorstürzen, 
fischt sie fast stets in grofsen Schwärmen. Übrigens teilen 
viele Alke, besonders Cepphus grylle mandtii, sowie erst recht 
die Robben diese Vorliebe für die kleinen schmackhaften Krusten- 
tiere. An Fleisch oder Eiern vergreift sich die Dreizehen-Möwe 
nicht. 

Schon in der Bearbeitung unserer Reise von IQOO^J ist 
erwähnt, dafs diese Möwe, wenn sie weit über Meer und Eis 
fortstreicht, gern die Füfse vollkommen unter dem Gefieder an 
Bauch und Unterschwanzdecken versteckt, sodafs auch mit einem 
scharfen Glase nichts von den schwarzen Extremitäten zu sehen 
ist. Der Anblick eines solchen scheinbar „beinlosen" Vogels wirkt 
bei der ersten Gelegenheit, wo er sich bietet, ganz frappierend. 

15. Larus marinus L. 

Schalow V. d. A. p. 139. 

Die Mantelmöve ist eine nordatlantische Form, welche nur 
im nördlichen Norwegen, wo sie recht häufig ist, beobachtet und 
erlegt wurde. Vollkommen selbständige Junge in ihrem chokoladen- 
farbig gesprenkelten Kleide sammelte ich am 16. 8. im Lyngen- 
fjord und sah viele am 18. 8. bei Tromsoe. 

16. Larus fusctis L. 

Schalow V. d. A. p. 140. 

Auch die Herings-Möwe gehört nicht zu den Bewohnern 
des eigentlichen Polargebietes. In Norwegen fand ich sie bis 
hinauf zum Nordkap, doch hier seltener als weiter südlich an den 
skandinavischen Küsten, wo sie ganz gemein ist. Schon von 
Mitte August an kann man dort flugbare Junge finden (z. B. 
1899 auf den Vigden-Inseln). 

17. Larus argentatus argentatus L. 

Schalow V. d. A. p. 142. 

Von der Silber-Möwe gilt dasselbe wie von der Mantel-Möwe. 
Sie ist in Norwegen heimisch bis zum Nordkap hinauf. Mitte 
August sind die Jungen zumeist ausgeflogen. Die Brutreviere 
von Mantel- und Silber-Möwe liegen vorzugsweise im nördlichen 
Norwegen, südlich des Polarkreises fand ich im Juli 1903 auf 
einer weit hinaus nach Westen vorgeschobenen Insel der Vigden- 
Gruppe eine Brut-Kolonie von L. argentatus, wo alle Nester flach 
am Boden zwischen Blumen und niederen Büschen standen. Der 
Regel nach wählt aber auch diese Möwe Felswände als Niststätten, 



1) „Deutsches Weidwerk unter der Mitternachtssonne" bei F. Parey- 
Berlin. 



Ornitbologiscbe Notizen von der Zeppelin-Studienfabrt. 318 

18. Larus glaucvs Brunn. 

Schalow V. d. A. p. 144. 

Als circumpolare Art ist die Bürgermeister-Möwe eine im 
ganzen Gebiet häufige Erscheinung. Ganz besonders zahlreich 
brütet sie auf der Bären-Insel, wo am 12. 8. schon viele Junge 
flugbar waren. In sämtlichen Buchten West- und Nord-Spitz- 
bergens fand ich den mächtigen Vogel, am zahlreichsten wohl in 
der Crofs-Bai. An den grofsen Vogel-Kolonien sieht man sie 
regelmäfsig, doch brütet sie dort nicht sondern geht auf Eierraub 
aus. In L. glaneus sehe ich den gefährlichsten, weil stärksten 
und gefräfsigsten, gefiederten Eierräuber unseres arktischen Ge- 
bietes. Unter anderen Fällen konnten wir z. B. auf der Cohen- 
Insel in der Crofs-Bai beobachten, wie die Möwen sich sofort auf 
die Gelege der Eiderenten stürzten, wenn die Alten vor unseren 
Füfsen notgedrungen das Nest geräumt hatten. Auch hier gilt 
das von Gavia alba Gesagte: Dem Äufseren nach haben wir eine 
Möwe, dem Charakter nach einen Raubvogel vor uns. L. glaneus 
begnügt sich nicht etwa mit dem Eierraub, sie fahndet auch auf 
junge Vögel und schlägt selbst bisweilen alte. Am 7. 8. be- 
obachteten wir während der Fahrt vom Deck aus, wie sie einen 
ausgewachsenen Krabbentaucher durch Schnabelhiebe halb betäubte 
und dann mit der Beute abstrich. Mit den Krallen vermag sie 
natürlich nicht zu greifen, der mächtige Schnabel ist die einzige 
Waffe, darum dürfte es eine Ausnahme sein, wenn sie einen der 
flinken Alke im Wasser erwischt. Sehr gern nimmt sie jedes 
Luder an, findet sich bei den Walfisch-Stationen in Mengen ein 
und stürzt sich mit Gier auf die abgezogenen Robbenkörper. 
Wir haben einmal i. J. 1900 um solch Kadaver herum stark mit 
Strychnin vergiftete Speckstücke gelegt und genau mit dem Glase 
beobachtet, wie sie aufgenommen wurden. Es dauerte dann noch 
21 Minuten, bis die erste Möwe Zeichen von Unbehagen aufwies, 
und erst nach einer runden halben Stunde machten einige ihr 
Testament. 

Die Bürgermeister-Möwe brütet nach meiner Ansicht zumeist 
nicht in gröfseren Gesellschaften sondern weit verstreut jteils auf 
kleinen Inseln der Binnenseen, teils an den Hochgebirgen des In- 
landes. Auch hier erbeutete ich Brutvögel mit rot gefärbter 
Unterseite, welche deutlich die Spuren des old red Sandstone 
aus dem Innern zeigten. Dort lagen also auch aller Wahrschein- 
lichkeit nach die Nistplätze. Der Vogel bedarf mehrerer Jahre, 
ehe er sein Alterskleid bekommt und fortpflanzungsfähigl wird. 
Im zweiten Sommer seines Lebens trägt er ein Übergangskleid, 
das erheblich blasser und zarter im Braun ist als das des ganz 
jungen Vogels. Stücke in diesem sehr ansprechend wirkenden 
Gefieder, das aus der Ferne etwa blafs-violett aussieht, scheinen 
nicht sehr häufig vorzukommen, ich erbeutete nur eines an der 
Bären-Insel am 12. 6. 1900 und sah ein zweites in Green 

Joum. f. Onu LIi. Jahrg. April 1911. 21 



314 0. Graf Zedlitz: 

Harbour (Eisfjord) am 17. 7. 1910. Im hohen Alter wird der 
graue Mantel immer heller, schliefslich fast weifs. Solche scheinbar 
albinistischen Exemplare sind ebenfalls prachtvoll anzuschauen 
aber recht selten. 

19. Sterna macrura Naum. 

Schalow V. d. A. p. 150. 

Diese Seeschwalbe ist ein häufiger Brutvogel schon im nörd- 
lichen Norwegen, fehlt nicht ganz auf der Bären-Insel und tritt 
auf der West- und Nordküste Spitzbergens wieder in recht grofser 
Zahl auf. Die Gelege bestehen aus 2 Eiern, welche in der Farbe 
stark variieren, bald auf weifslichem Grunde nur wenige dunkle 
Pünktchen zeigen, bald auf blaugrünlichem Grunde stark oliven- 
braun gefleckt sind. Sie liegen vollkommen ohne Unterlage 
von weichem Niststoff in kleinen natürlichen Vertiefungen zwischen 
Moos, bisweilen auf blankem Erdboden oder zwischen Steingeröll. 
In Bezug auf die Wahl des Platzes stellt der Vogel nur die An- 
forderung, dafs er ziemlich eben und nahe dem Meere gelegen sei. 
Moorige Stellen mit Moospolster werden bevorzugt, hier finden 
sich grofse Kolonien (Loven-lnsel, Smerenberg-Sund), aber wohl 
an jeder Bucht brüten einzelne Paare irgendwo an einem flachen 
Platze des Ufers; ich fand solche Stellen mit 1—3 Brutpaaren bei 
Green Harbour, in der Möller-Bai und am Signe-Hafen sowie 
Ebeltoft-Hafen (Crofs-Bai) und an der Red-Bai. Im Juli gab es 
noch weit mehr Eier als Junge, doch fand ich am 8. 8. noch ein 
Gelege, das nicht etwa verlassen war. Auf den Lovön-Inseln 
am 22. 7. waren die ersten Jungen soeben ausgekrochen, am 
8. 8. konnten viele an demselben Platze schon etwas fliegen, ein 
Beweis für die aufserordentlich rasche Entwicklung derselben, 
welche wir auch an gefangenen bestätigt fanden. Die Jungen 
fressen eben hier um diese Jahreszeit während aller 24 Stunden 
am Tage, Ich sah die Alten ebenso gut um 2 Uhr früh wie um 
Mittag Nahrung bringen, man hat den Eindruck, dafs die Vögel 
überhaupt nicht längere Zeit regelmäfsig schlafen, sondern nur 
kurze Ruhepausen machen je nach Bedürfnis. Beim Füttern 
setzt sich die Alte über das Junge, sodafs beider Köpfe nach 
derselben Seite zeigen, das Junge sperrt den Schnabel nach oben 
auf, und die Mutter stopft hinein. Das Bild sieht etwas komisch 
aus, da das Junge anscheinend fest zwischen die Beine des Alten 
geklemmt und mit Gewalt genudelt wird, natürlich schmeckt es 
ihm aber vorzüglich. Sobald die junge Sterna ausgekrochen ist, 
verläfst sie den Ort, welcher den Namen „Nest" wie oben ge- 
sagt nicht verdienen würde, und beginnt in der nächsten Um- 
gebung herum zu botanisieren. Beide Geschwister gehen dabei 
vollkommen auf eigene Hand vor. Die kleinen Dunenklümpchen 
sehen urdrollig aus, wenn sie auf den rotgelben Beinchen so 
munter umherwackeln. Bei Annäherung eines Menschen drücken 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 315 

sie sich in die nächste Vertiefung; sind sie nahe am Ufer, 
so schwimmen auch die Allerkleinsten unbedenklich ein Stück 
hinaus, kehren aber sofort wieder an Land zurück, wenn sie 
nicht mehr gescheucht werden. Die Alten scheinen unter der 
grofsen krabbelnden Schar ihre Kinder wohl zu kennen, denn 
wenn man sich mit einzelnen zu eingehend beschäftigt, sind es 
immer einzelne alte Paare, welche mit besonderer Wut auf den 
Eindringling stofsen und bisweilen seinen Hut streifen. Dabei 
entsenden sie gern aus der Höhe einen weichen warmen scharf ätzen- 
den Grufs, es empfielt sich also nicht, ihnen allzuviel mit den Augen 
zu folgen, denen das nicht gut bekommen soll. Abgesehen von 
den zunächst beteiligten Eltern erheben auch alle Nachbarn aus 
kollegialer Gesinnung ein ohrenbetäubendes Geschrei, so dafs es 
beim Besuch solch eines Brutplatzes wie auf den Loven-Inseln 
im ganzen recht lebhaft zugeht. Als Feinde der Eier und Jungen 
mufs auf dem Festlande wohl vor allem der Fuchs gelten, auf 
den Inseln kommen noch Rauhmöwen und vielleicht gelegentlich 
ein Fulmarus in Betracht. 

Unter der grofsen Suite, welche ich gesammelt habe und 
der noch viel erheblicheren Zahl, welche durch meine Finger 
ging, befindet sich in V2 Dutzend Exemplaren eine Sterna, 
deren Zugehörigkeit zu „macrura Naum." mir einigermafsen 
zweifelhaft erscheint. Die Färbung ist genau wie bei macrura 
im Winterkleide, also Stirn und Vorderkopf weifs, z. T. schwarz 
gefleckt, Hinterkopf und Kopfseiten hinterm Auge mattschwarz, 
Unterseite reinweifs nicht silbergrau; der Schnabel ist schwarz, 
die Füfse sind es gleichfalls, doch zeigt sich bei 2 Stücken an 
der Schnabelwurzel und den Füfsen stellenweise eine schwarzrote 
Färbung. Der Flügel mifst meist um 245 mm, höchstens bis 
255 mm, gegen 260 — 275 bei echter S. macrura. Der Schnabel 
bei den Exemplaren, welche ihn schwarz haben, mifst 30 mm, 
sonst bei S. macrura 30 — 33 mm. Es handelt sich hier keines- 
wegs um einen jungen Vogel desselben Sommers, denn von solchen 
habe ich eine grofse Menge in allen Stadien vom Dunenjungen 
bis- zum flugbaren in der Hand gehabt und auch genügend Beleg- 
Exemplare gesammelt, um bestimmt behaupten zu können, dafs 
sie stets helle gelblichrote Füfse haben. Der Schnabel zeigt in 
den ersten 14 Tagen etwa eine dunklere Spitze und gelbe Wurzel, 
dann wird er gelbrot und bald ganz ziegelrot. Aufserdem zeigen 
junge Stücke auf dem Rücken Querbänder und Wellenlinien in 
bräunlichem Tone, meine schwarzschnäbligen Exemplare sind aber 
rein schiefergrau wie alte Vögel, nur die kleinsten Flügeldecken 
sind dunkler. Letzteres Moment könnte darauf hindeuten, dafs 
es sich vielleicht um einjährige Stücke handelt, welche vom letzten 
Winter her eine abnorm dunkle Färbung der Beine und des Schnabels 
behalten haben, doch habe ich trotz aller Mühe bisher keine 5. 
macrura im Winterkleide auftreiben können, welche schwarze 
Beine hätte. Dafs der Schnabel im Winter wenigstens dunkel- 

21* 



816 0. Graf Zedlitz: 

rot wird, wissen wir. Jedenfalls handelt es sich ebensowenig 
um ein normales Winterkleid wie um ein Jugendkleid schlecht- 
hin. Solche Vögel kommen den ganzen Sommer über an einzelnen 
Stellen des Foreland-Sundes und der Kingsbai vor; wir erbeuteten 
schon ein Pärchen Ende Juni 1900 und jetzt eine etwas gröfsere 
Serie Anfang August 1910. Hierzu kommen noch 2 unzweifel- 
haft junge Vögel vom August und Anfang September aus dem 
Besitze des Tring-Museums, welche ich für Angehörige der gleichen 
Art halte wie meine älteren. Alle diese Momente lassen es nicht 
gerade als sehr wahrscheinlich dünken, dafs wir es mit S. macrura 
zu tun haben, es müfste ja dann der einjährige Vogel im Gegen- 
satz zu allen Stadien vor und nachher schwarze Füfse, stets 
kürzere Flügel haben und den ganzen Sommer hindurch ein aus- 
gesprochenes Winterkleid tragen. Ich halte es nicht für aus- 
geschlossen, dafs wir hier doch eine ganz getrennte Art vor uns 
haben könnten, ganz besonders da an vielen Orten, wo S. macrura 
massenhaft brütet, z. B. in Nord-Norwegen, meines Wissens nie 
die schwarzbeinige und schwarzschnäblige Varietät festgestellt 
worden ist. Als Name bei einer Abtrennung dürfte vielleicht 
S. portlandica Ridgw. in Frage kommen. Diese Bezeichnung 
wurde i. J. 1874 (Amer. Nat. VIII p. 433) für eine anscheinend 
ähnliche Seeschwalbe angewendet aber von Saunders im Cat. 
Brit. Mus. Vol. XXV p. 64 wieder eingezogen bezw. als reines 
Synonym zu macrura aufgeführt. 

Zur endgültigen Lösung dieser Frage bedarf es vor allem 
eines sehr grofsen Materials an Wintervögeln, wie es nicht ganz 
leicht zu beschaffen ist. Jedenfalls halte ich für den Moment 
die Angelegenheit für noch nicht genügend geklärt, um für oder 
wider Stellung zu nehmen, stehe aber einer schwarzbeinigen S. 
macrura bis auf weiteres skeptisch gegenüber. 

20. Fulmarus glacialis glacialis L. 

Schalow V. d. A. p. 151. 

Zu der Frage, wie sich die helle und die dunkle Phase, 
welche überall nebeneinander vorkommen, zu einander verhalten, 
vermag ich nichts Neues vorzubringen. Betonen möchte ich nur, 
dafs Übergänge zwischen beiden nach meinen Beobachtungen 
ebenso häufig sind wie die Extreme. Nicht ganz kann ich 
Swenander, den auch Schalow p. 152 zitiert, beipflichten, wenn 
er meint, dafs au der Bären-Insel die dunkle Form überwiege, 
ich notierte mir in meinem Tagebuche gerade das Gegenteil. Auf- 
fallend viel dunkle Vögel sah ich Mitte Juli in Green Harbour 
(Eisfjord), doch kommen überall beide Phasen vor, es ist sehr 
möglich, dafs an demselben Platze in verschiedenen Jahreszeiten 
bald die eine bald die andere überwiegt. Auch ich halte die 
dunklen Vögel nicht für junge Stücke, die hellen ebensowenig 
für besonders alte. 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 317 

Sehr zahlreich brütet der Eis-Sturmvogel auf der Bären-Insel, 
dort war am 12. 8. aber noch kein einziges Junges im Wasser oder 
fliegend zu sehen, die Entwicklung scheint keine sehr rasche zu 
sein. Auf Spitzbergen fand ich verhältnismäfsig wenig Brutplätze 
(ich nenne Tempelberg an der Sassen-Bai und Haakon-Vorgebirge) 
gegenüber der ungeheuren Zahl von Sturmvögeln, welche sich 
bei den Walfischfängern zu Tausenden ansammelten. Ich glaube, 
dafs ein erheblicher Prozentsatz weiter im Inlande brütet und 
konstatierte auch an Vögeln in der Kings-Bai die dafür charak- 
teristische rote Färbung am Bauche. ^) Unser Fulmarus ist 
weniger ein Raubvogel als ein ausgemachter Aasfresser, er kommt 
sofort auf jeden Köder, der ausgeworfen wird, und verschluckt 
gierig, was er bewältigen kann. Von Deck aus kann man ihn 
mit einem Stück Speck an mäfsig langer Schnur leicht angeln. 
Gefangene Stücke vermögen tüchtig zu beifsen. Vom flachen 
Deck können sie nicht abstreichen, sie brauchen dazu eine Stelle, 
von welcher sie sich herabstürzen können. Um vom Wasser 
aufzustehen, müssen sie erst eine Strecke weit Flügel schlagend 
darüber hin laufen. Das Bild ist nicht gerade elegant. Kürzere 
Strecken werden mit Vorliebe so „Wasser tretend" zurückgelegt. 
Ist der Vogel aber einmal im Schwünge, besonders auf hoher 
See bei stürmischem Wetter, dann sucht er als Flieger seines 
Gleichen an Ausdauer wie an Grazie. 



21. Phalacrocorax carbo L. 

Schalow V. d. A. p. 156. 

Der Kormoran wurde nur im nördlichen Norwegen angetroffen, 
wo er auf den Vogelbergen in grofsen Kolonien brütet. In der 
Umgebung vom Tromsoe (Kval-Sund) haben wir am 18. 8. eine 
ganze Serie geschossen. Die Jungen waren um diese Zeit voll- 
kommen erwachsen. 



22. Merganser serrator L. 

Schalow V. d. A. p. 157. 

An der norwegischen Küste ist der mittlere Säger fast über- 
all anzutreffen, zahlreich fand ich ihn am 9. 7. auf den Lofoten, ver- 
einzelt bis zum Nordkap. Ein Beleg-Exemplar wurde gesammelt. 
Im Juli kommen anscheinend keine cT mit schwarzem Kopf mehr 
vor, ich habe wenigstens auch in früheren Jahren dort nur cf im 
Sommerkleid, das dem des 9 sehr ähnelt, von Juli bis September 
angetroffen. Andere Enten tragen Anfang Juli nicht selten noch 
ihr Prachtkleid. 



1) Vgl. das bei Fratercula arctica glacialis Gesagte. 



318 0. Graf Zedlitz: 

23. Clangvla hyemalis L. 

Schalow V. d. A. p. 162. 

In der Eisente haben wir wieder einen Brutvogel der Arktis, 
doch ist sie dort keine alltägliche Erscheinung. Sie bevorzugt 
anscheinend einige wenige Lieblingsplätze, zu welchen in erster 
Linie die Loven-Inseln in der Kings-Bai gehören. Dort sammelten 
wir schon i. J. 1900 ein Pärchen, und auch bei der letzten Reise 
war dies der erste und einzige Ort, an welchem ich die Ente antraf 
und mehrere Exemplare erbeuten konnte. Nester habe ich leider 
nicht gefunden, doch glaube ich mit gröfster Wahrscheinlichkeit 
annehmen zu können, dafs die regelmäfsig beobachteten Pärchen 
auch dort brüteten. 

24. Somateria spectdbilis L. 

Schalow V. d. A. p. 165. 

Während wir i. J. 1900 noch mehrere cfcf im Prachtkleide 
Anfang Juli im Foreland-Sund erlegen konnten, war dieses Jahr 
von Mitte Juli an der schöne Vogel mit dem grauen Nacken 
nicht mehr zu sehen. Die cfcf waren offenbar teils in der 
Mauser, teils schon auf die hohe See ausgewandert, wie es ihre 
Gewohnheit ist, sobald die Gattin mit den ausgekrochenen 
Kleinen das Nest verlassen hat. Im allgemeinen ist die Pracht- 
Eiderente auf Spitzbergen — wenigstens im Westen und Nord- 
westen — keine häufige Erscheinung, doch brütet sie bestimmt 
in der Advent-Bai, wo Prof. König auch Gelege fand. Im Frühjahr 
und Herbst findet sie sich zahlreich im nördlichsten Norwegen 
ein, in Tromsoe erhielt ich auch dieses Jahr zwei Bälge cT und 9- 

26. Somateria mollissima thulensis Malmgr. 

Schalow V. d. A. p. 167: S. ni. molissima L. 

Ich möchte die Eiderente von Spitzbergen besonders wegen 
der konstant kleineren Mafse doch als gesonderte Subspezies auf- 
führen. Sie brütet aufserordentlich zahlreich auf den meisten 
Inseln des Westens sowie an vielen Stellen des Festlandes, welche 
einigermafsen eben sind. Grofse Kolonien sah ich auf den Inseln 
im Prinz-Carl-Foreland-Sund, den Loven-Inseln, der Insel Cohen 
in der Crofs-Bai und auf der Amsterdam-Insel. Da von Robben- 
Jägern und Eiderdunen - Sammlern sehr viele Gelege zerstört 
werden, findet man späte Nachbrüten, z. B. Ende Juli noch 
frische Eier. Normalerweise beginnt in West -Spitzbergen die 
Legezeit Mitte Juni, einen Monat später sieht man schon viele 
99 D^it kleinen Jungen. Am 19. 7. fingen wir einige in der 
Advent-Bai, um sie aufzuziehen, doch sie gingen nach wenigen 
Tagen ein. Sind die Jungen knapp halbwüchsig, dann tun sich 
oft mehrere Familien zusammen und bilden grofse Gesellschaften 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 319 

ausschliefslich aus 99 ^^nd juv. bestehend. Die cTcf sind zunächst 
im Juni zahlreich an den Brutstätten zu sehen, wie ich i. J. 
1900 festgestellt habe, noch um Mitte Juli 1910 waren sie täglich 
anzutreffen, wenn auch in bedeutend geringerer Zahl, dann ver- 
schwinden sie fast ganz von der Bildfläche. Einzelne mausernde 
alte Herren trifft man hier und da, aber das Gros treibt sich in 
Scharen von Hunderten und Tausenden ganz weit draufsen auf 
offener See herum, viele Stunden weit von jedem Lande. Ich 
konnte im letzten Jahre in dieser Beziehung ganz genaue Fest- 
stellungen machen, denn, während wir in den Buchten Spitz- 
bergens lagen, fuhr das Depeschenboot „Carmen" mit der Post 
zweimal hin und her zwischen uns und Tromsoe. Genau in der- 
selben Zeit, wo an den Brutplätzen fast kein einziges cf zu ent- 
decken war, traf die „Carmen" auf hoher See zwischen der Bären- 
Insel und Norwegen ganz kolossale Massen, die nur aus cfcf 
bestanden, und brachte mir in reicher Zahl Beleg-Exemplare mit. 
Schon seit 12 Jahren ist mir genau dasselbe von so manchem 
norwegischen Seefahrer berichtet worden, ich hegte aber immer 
noch geringe Zweifel, bis nunmehr einwandsfrei festgestellt ist, 
dafs tatsächlich zur Zeit, wo die Jungen noch vielfach recht klein 
sind, die Herren Väter bereits Hunderte von Seemeilen weit vom 
Brutplatze sich allein amüsieren. 

Die Mauser fällt ziemlich spät, am 18. 8. waren bei Tromsoe 
fast alle cTcf mitten drin, Ende August 1899 machte ich auf 
den Vigden-Inseln die gleiche Beobachtung, noch im Oktober 
1899 waren die meisten nicht voll verfärbt. 

Es dürfte bekannt sein, dafs das 9 sehr fest auf den Eiern 
sitzt und den Menschen oft bis auf 1 m heranläfst. Die ver- 
scheuchte Mutter kehrt sehr schnell auch Angesichts des Stören- 
friedes wieder zu den angebrüteten Eiern zurück. Kleine Junge, 
welche noch unbehilflich sind, werden einzeln zum Wasser bugsiert, 
auf dem dann die kleine Familie, sobald sie vollzählig ist, 
vergnügt sich tummelt. Am häufigsten fand ich 4 Junge, manchmal 
weniger, selten mehr. Sind mehrere Familien erst vereint, so 
läfst sich natürlich die Kopfzahl der einzelnen nicht mehr fest- 
stellen. 

27. Anser brachyrhynchus Baill. 

Schalow V. d. A. p. 176. 

Im nördlichen Norwegen wie auf Spitzbergen ist die graue 
Gans keine seltene Erscheinung. Die Brüten sind ziemlich zeitig 
für die Verhältnisse dort zu nennen, am 12. 7. konnte ich bei 
Tromsoe schon halbwüchsige Junge sammeln und am 25. 7. in 
der Crofs-Bai knapp flugbare. Die Nester stehen in der Regel 
auf höhern Bergen, oft weit ab vom Wasser, Brutstellen befanden 
sich unter anderen im Hinterlande von Green Harbour (Eisfjord), 
Sassen-Bai und Möller-Hafen (Crofs-Bai). Die Paare brüten 
inzelu, nicht in Kolonien. Während wir im Jahre 1900 auch 



320 0. Graf Zedlitz: 

auf den Loven-Inseln der Kings-Bai diese Gans fanden und sammel- 
ten, war sie diesesmal dort nicht zu sehen. Ähnlich wie die Eider- 
enten tun auch bei dieser Graugans die einzelnen Alten, welche 
etwa halbwüchsige Junge führen, sich gern zu gröfseren Gesell- 
schaften zusammen, welche anscheinend mit dem nahenden Herbst 
immer mehr anwachsen. Am 25. 7. traf ich in der Crofs-Bai 
16 Stück vereint, dabei 3 Alte, im Oktober 1899 sah ich an der 
norwegischen Küste Scharen von 40 bis zu hunderten, doch kommen 
daneben immer noch kleine Gruppen von 3 und Exemplaren vor. 
Hervorheben möchte ich die aufserordentliche Gewandtheit 
zu Lande wie im Wasser. Niemals habe ich einen Vogel — 
abgesehen natürlich von „berufsmäfsigen" Läufern wie Trappen 
und Hühnern — so flink und sicher in schwierigem Gelände 
laufen sehen wie junge Graugänse dieser Art an den Berghängen 
und auf den Gletschern Spitzbergens. Sieht man sie zum ersten 
Male, so ist man bei gröfserer Entfernung wohl meist etwas im 
Unklaren über das graue Etwas, was da gnomenhaft zwischen 
dem Gestein herumhuscht; eher denkt man wohl zunächst an 
Hasen als an Vögel. Eine halbwüchsige Gans im Gebirge zu 
Fufs einzuholen, halte ich für fast aussichtslos, wenn nicht 
besondere Ausnahme-Verhältnisse mitsprechen. Ebenso weifs sie 
im Wasser vorzüglich sich durch ausdauerndes Tauchen allen 
Nachstellungen zu entziehen, sie steht in dieser Fertigkeit den 
grofsen Seetauchern und Alken kaum nach. Ich habe es erlebt, 
dafs verfolgte Gänse unterm Wasser verschwanden und einfach 
innerhalb unseres Gesichtskreises nicht wieder emporkamen, ganz 
nach dem bewährten Rezept eines Urinators. Bei Spitzbergen 
ist übrigens auch der sonst so kluge und vorsichtige Vogel bis- 
weilen recht vertraut, jedenfalls kann man auch ohne Büchse 
seiner habhaft werden. 

28. Branta bernida bernicla L. 

Schalow V. d. A. p. 178. 

Die Ringel-Gans ist auf Spitzbergen regelmäfsiger Brutvogel. 
Wir fanden sie im Jahre 1900 brütend auf den Inseln im 
Prinz- Carl-Foreland-Sund und den Loven-Inseln in gröfserer Anzahl, 
im letzten Jahre in der Advent-Bai und auf den Loven-Inseln, doch 
hier nur eine Familie mit eben ausgekrochenen Jungen (8. 8.) 
bezw. die verlassene Niststelle mit Eierschalen auf der südwest- 
lichsten Insel. Es ist sehr wohl möglich, dafs die Mehrzahl der 
Jungen schon vor einiger Zeit ihre Kinderstube verlassen hatten, 
da wir dort erst recht spät erschienen. Jedenfalls bekommt man 
in der Zeit vom Juni bis Anfang Juli auf West-Spitzbergen diese 
Gans weit häufiger zu Gesicht als gegen Ende des Sommers, wo sie 
gern weit draufsen auf dem Meere liegt. Im ganzen halte ich 
sie für häufiger als Ä. Irachyrhynchus; auf der Bären-Insel sah 
ich sie nicht, sie soll dort auch nicht brüten. 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 321 

29. Branta leucopsis Bechst. 

Schalow V. d. Ä. p. 180. 

Die Weifswangen-Gans wurde noch in allerneuester Zeit von 
Prof. König brütend auf hohen Bergen nahe der Advent-Bai 
gefunden. Da wir im ganzen nur IV2 Tage in dieser Bucht lagen, 
war es mir unmöglich, die Zeit für eine Hochtour zu finden, da 
schon der Sumpf und die Vorberge genug des Interessanten 
boten. Der norwegische Arzt der Minen-Gesellschaft in Advent- 
City versicherte mir, dafs auch in diesem Jahre einige Stücke 
dieser selteneren Gans von jagenden Arbeitern erlegt worden 
seien. Leider konnte ich nur noch mehrere Branta bcrnicla bernicla 
von ihrer Jagdbeute sehen, alles andere war schon in den Koch- 
topf gewandert. Da der Doktor sich in der Oruis Spitzbergens 
anscheinend recht gut auskannte, habe ich keine Veranlassung, 
an seinem Bericht zu zweifeln. Mir selbst war es weder 1900 
noch 1910 vergönnt, eine Weifswangen-Gans lebend zu beobachten 
oder gar zu schiefsen. 

30. Crymophilus fulicarius L. 

Schalow V. d. A. p. 186. 

Da wir schon i. J. 1900 diesen Wassertreter im Sumpfe der 
Advent-Bai vereinzelt gefunden hatten, richtete ich dieses Mal 
sofort nach der Ankunft meine besondere Aufmerksamkeit auf 
den rotbrüstigen kleinen Gesellen. Mit freundlicher Unterstützung 
unseres Schiffsarztes Dr. v. d. Heyde, dem ich manche schätzens- 
werte ornithologische Beobachtung und tätige Mithilfe beim 
Sammeln verdanke, entdeckten wir bald mehrere Pärchen, welche 
uns unter lautem Angstgeschrei umkreisten, sodafs ich sie be- 
stimmt als Brutvögel dort ansprechen möchte. Übrigens ist 
gerade das Ufer der Advent-Bai schon von anderen (z. B. Trevor 
Battye) als Brutplatz dieses auf Spitzbergen keineswegs häufigen 
Sumpfvogels bezeichnet worden ; 2 cT wurden hier gesammelt. 
Nach dieser Beobachtung am 18. 7. fand ich auf den östlichen 
Loven-Inseln am 22. 7. ein Pärchen, das ich schofs, sowie am 
27. 7. eine gröfsere Anzahl, von der mir 3 cT in die Hände fielen. 
Ich glaube mich danach zu der Annahme berechtigt, dafs C. 
fulicarius auch an der Kings-Bai brütet, wo er meines Wissens 
bisher noch nicht nachgewiesen war. Ich habe allerdings am 
22. 7., 27. 7. und 8. 8. während eines je mehrstündigen Besuchs 
der Inseln vergeblich nach den Eiern oder Jungen gesucht, es 
kann also nicht als ausgeschlossen gelten, dafs diese sich vielleicht 
doch irgendwo gegenüber auf dem Festlande befanden und dals 
die alten Vögel nur wegen der reichlichen Nahrung die flachen 
Inseln besuchten. 

Ich bemerke noch, dafs das 9 nicht^nur etwas gröfser sondern 
auch lebhafter gefärbt ist als alle erbeuteten cfcf. 



322 0. Graf Zedlitz: 

31. Arquatella (Tringa) maritima Brunn. 

Schalow V. d. A. p. 191. 

Die grofse von mir gesammelte Suite zeigt eine sehr lebhafte 
Zeichnung in schwarz und rostgelb auf Rücken, Schulter und 
Bürzel. Prof. Neumann bestätigt mir mündlich, dafs er dieses 
Jahr gelegentlich einer Tour durchs nördliche Lappland an Brut- 
vögeln dort die gleiche Beobachtung gemacht habe. Ich halte es 
nicht für ausgeschlossen, dafs sich Subspecies dieser Tringe auf- 
stellen lassen könnten, doch fehlt es mir bisher an genügenden 
Suiten von Brutvögeln aus verschiedenen Gegenden. 

Der See-Strandläufer war auf der Bären-Insel wie in allen 
Buchten des westlichen und nördlichen Spitzbergens eine ganz 
alltägliche Erscheinung und brütete überall an flachen etwas 
sumpfigen Stellen. Einige Daten mögen genügen: bebrütete Ge- 
lege Green Harbour 16. 7; Möller-Hafen (Crofs-Bai) hochbe- 
brütete Gelege am 21. 7; sehr viele Brutpaare mit Eiern, kleinen 
und halbwüchsigen Jungen an der Advent-Bai 18. und 19. 7.; 
kleine Dunenjunge Ebeltoft-Hafen (Cross-Bai) 21.7.; Dunenjunge 
Signe-Hafen (Cross-Bai) 30. 7; Amsterdam-Insel Junge 3. 8., 
Red-Bai grofse schon flugbare Junge, sowie schwächere 6. 8. 
Auf der Bären-Insel am 12. 8. waren die sehr zahlreichen Jungen 
meist gut flugbar, man sah auch schon am Meeresufer auf 
Steinen und Geröll die für den Spätsommer und Herbst so 
charakteristischen kleinen Gesellschaften von V« Dutzend bis zu 
einigen 20 Stück. Im Herbst, speziell im Oktober 1899, fand 
ich solche Trupps massenhaft auf den kahlen Schären an der 
norwegischen Küste. 

Die normale Zahl des Geleges und der Jungen ist 4. Die 
Kleinen laufen herum, sobald sie ausgekrochen sind, und sehen 
dann in ihrem Dunenkleid mit der rostroten fein schwarz ge- 
tüpfelten Oberseite sehr niedlich aus. Natürlich verstehen sie 
es vorzüglich, sich zwischen Moos und Steinen zu drücken. 

32. Num^enius phasopus phaeopus L. 

Schalow V. d. A. p. 204. 

Der Regen-Brachvogel wurde nur im nördlichen Norwegen 
beobachtet, wo er unter anderen Stellen am Fufse des Swartisen- 
Gletschers in mehreren Pärchen brütet. Dort fingen wir in der 
Nacht vom 8. zum 9. 7. ein schon halbwüchsiges Junges, das 
bereits sehr flott laufen konnte. 

33. Aegialitis hiaticula L. 

Schalow V. d. A. p. 209. 

Bis heute kann man den grofsen Halsband-Regenpfeifer 
zu den selteneren Gästen auf Spitzbergen rechnen. Um so 
erfreuter war ich, am 18. 7. auf einer kiesigen Stelle des Ufers 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt, 323 

der Adveut-Bai ein Pärchen dieses Vogels herumlaufen zu sehen. 
Es gelang mir, des cf habhaft zu werden, das 9 sah ich nicht 
wieder. Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs es sich um Brut- 
vögel handelte, darauf deutet schon der Termin der Erlegung. 

34. Arenaria interpres L. 

Schalow V. d. A. p. 210. 

Der Steinwälzer wurde nur im Sumpf der Advent-Bai beob- 
achtet, wo einige Pärchen brüten dürften. Sie umkreisten uns 
bei Annäherung laut lockend und verzogen sich auch nicht nach 
einem Fehlschufs. Ein cf wurde als Beleg-Exemplar gesammelt 
am 18. 7. 

35. Saematopus ostralegus L. 

Schalow V. d. A. p. 212. 

Im nördlichen Norwegen ist der Austernfischer ein sehr 
häufiger Brutvogel auf den Schären und Inseln. Anfang Juli 
1903 fand ich im Namsen-Fjord ganz kleine Dünenjunge. Am 
9. 7. 1910 sah ich auf der Lofot-Gruppe eine Menge von Brut- 
paaren und sammelte einige Beleg - Exemplare, am 18. 8. bei 
unserer Rückreise fand ich im Kval-Sund bei Tromsoe vollkommen 
ausgewachsene Junge, welche kaum von den Alten zu unterscheiden 
waren, und schofs auch eins davon. Der Vogel ist so vertraut, 
dafs man ihn am liebsten leben läfst, um sich am munteren 
Wesen des Trägers der deutschen Farben zu erfreuen. 

36. Lagopus lagopus L. 

Schalow V. d. A. p. 212. 

Dies im ganzen nördlichen Norwegen häufige Schneehuhn 
brütet regelmäfsig auch auf den gröfseren Inseln an der Küste, 
z. B. auf der Tromsoe-Insel. Von dort besitze ich Exemplare. 
Die Jungen fallen meist in der ersten Hälfte des Juli aus, die 
Gelege sind bisweilen sehr stark bis zu 16 Eiern, wie mir glaub- 
würdig berichtet wurde. 

37. Lagopus hyperboreus Sund. 

Schalow V. d. A. p. 215. 

Diese für Spitzbergen charakteristische Form findet sich 
nicht gar zahlreich in unseren Sammlungen und gilt auch nach 
dem Bericht mancher Sammler, welche sie nur ausnahmsweise 
erbeuteten, für selten. Das trifft aber heute nicht mehr zu, 
wenigstens nicht ohne Einschränkung. Das Huhu ist, genau wie 
bei uns Feldhuhn und Fasan, ein Kultur- bezw. Menschenfreund, 
allerdings in Spitzbergen wohl aus einem ganz bestimmten Grunde. 
Seit dort das ganze Jahr über ständig Leute wohnen und an den 



324 0. Graf Zedlitz: 

Kohlenschächten gearbeitet wird, sind natürlich die Füchse der 
ganzen Umgebung aufserordentlich dezimiert worden, denn der 
Norweger ist ein geborener Fallensteller, freie Zeit steht den 
Arbeitern genügend zur Verfügung, und die Winterfelle werfen 
auch einen schönen Erlös ab. Mit der Abnahme der Füchse 
ging nun dort eine äufserst rapide Zunahme der Schneehühner 
Hand in Hand. Da vernünftigerweise während der Brut- und 
Aufzugs-Zeit die Völker bezw. Paare geschont werden, so hatte 
sich im letzten Juli ein Bestand entwickelt, wie man ihn bei uns 
in einem mäfsig mit Feldhühnern besetzten Reviere gewöhnt ist. 
Allein unmittelbar um den Ort Advent-City herum konnte man 
3 Ketten sehen, die eine kam täglich zum Kohlenplatz am 
Maschinenhaus, auch die anderen hielten sehr fest ihren Stand, 
wie ich mich selbst unter der freundlichen Führung des dort 
stationierten Arztes überzeugte. Ebenso waren die Schneehühner 
auf dem gegenüberliegenden Ufer der Advent -Bai keineswegs 
selten. Weiter nach Norden zu nehmen sie erklärlicherweise ab, 
dort werden auch weniger Füchse im Winter gefangen als im 
südwestlichen Spitzbergen. Nächst der Advent-Bai kommen als 
Standorte zunächst das Hinterland von Green-Harbour, sowie das 
südliche und südöstliche Ufer der Kings -Bai mit den benach- 
barten Seitentälern in Betracht. Die Herren der Isaaksen'schen 
Expedition hatten an letzterem Punkte in diesem Jahre eine Menge 
Hühner für ihre Küche geschossen. Sodann fand ich am 30. 7. 
eine Kette mit 6 Jungen westlich des Signe-Hafens (Crofs-Bai). 
Am Ostufer der Ked-Bai in Nord-Spitzbergen entdeckte ich noch 
frische Federn, sah aber keine Hühner, da diese es meisterhaft 
verstehen, sich zu drücken. Scheu sind sie im übrigen gar nicht, 
ich habe Aufnahme der herumlaufenden Jungen auf 3 und 5 m 
gemacht. In der Regel besteht die Kette aus beiden Alten und 
6—8 Jungen, welche Ende Juli gerade etwas flattern konnten und 
mit rührender Sorgfalt von beiden Eltern geführt wurden. Als 
Ausnahme erwähne ich ein Volk von 21 Stück, welche sämtlich 
aus einemGelege stammten, sie gehörten zu den „Haushühnern" 
von Advent-City. 

38. Archibuteo lagopus lagopus Brunn. 

Schalow V. d. A. p. 217. 

Der Rauhfufs-Bussard geht als Brutvogel hinauf bis zur 
äufsersten Spitze Norwegens. Im Juli d. J. stand ein Horst auf 
dem Festlande gegenüber der Stadt Tromsoe, ich erhielt aufser 
den 3 noch fast weifsen Jungen auch das 9 ^d- Da hier 
an Bäumen nur noch verkrüppelte Birken vorkommen, hatte der 
Raubvogel sich den Verhältnissen angepafst und seinen Horst 
auf Felsen angelegt. In gleicher Weise fand ich im Juli 1903 den 
Turmfalken auf den ganz baumlosen Vigden-Inseln in einer 
Felswand nistend, 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 325 

39. Saliaetus alMciUa L. 

Schalow V. d. A. p. 219. 

Der mächtige Seeadler war vor 11 — 12 Jahren im nördlichen 
Norwegen noch eine fast tägliche Erscheinung an der Küste. 
Mit Bedauern konstatierte ich dieses Jahr eine merkliche Abnahme, 
ich sah nur am 9. 7. auf den Lofoten ein Paar, sodann am 12. 7. 
bei Tromsoe 1 Exemplar, das zu einem in der Näche horstenden 
Paare gehören sollte, sowie auf der Rückkehr noch 1 Stück 
ziemlich genau am Polarkreise am 19. 8. 

40. Nyctea nyctea L. 

Schalow V. d. A. p. 231. 

Die Schnee-Eule ist an sich eine seltene Erscheinung auf 
Spitzbergen und wurde bisher nur als Wintergast bis spätestens 
zum Juni dort erlegt. Am 14. Juli 1900 beobachtete mein 
Reisegefährte Herr Major Roth in einem Seitentale der Advent- 
Bai ein Exemplar, ohne es erlegen zu können. In diesem Jahre 
wurde von einem jagenden Minenarbeiter genau in derselben 
Gegend eine Schnee-Eule in den Tagen um den 10.— 12. Juli 
erbeutet. Leider hatte mir ein Tourist des Hapag-Dampfers 
„Oceana" den Balg am Tage, ehe ich nach Advent-City, kam, 
weggekauft. 

41. Corvus corax corax L. 

Schalow V. d. A. p. 240. 

Der echte Kolkrabe ist gerade im nördlichsten Norwegen 
häufig und wurde auch in diesem Jahre von mir dort gesammelt. 
Weder auf der Bären-Inseln noch auf Spitzbergen wurde ein Ange- 
höriger der Raben-Familie gesehen. 

42. Corvus cornix cornix L. 

Schalow V. d. A. p. 242. 

In Norwegen überall zu finden, wo wiel Fische getrocknet 
werden. 

43. I*ica pica pica L. 

Die Elster, der Charaktervogel des ganzen norwegischen 
Festlandes, erstreckt sich in ihrer Verbreitung bis hinauf zum 
Nordkap. Die Jungen waren dort Mitte August vollkommen 
erwachsen. Nie in meinem Leben habe ich so massenhaft Elstern 
auf kleinem Räume vereint gefunden wie an den Ufern des 
Lyngenfjords. 

44. Sturnus vulgaris vulgaris L. 

Schalow V. d. A. p. 243. 

Beim Star, der an den Holzhäusern der Fischer an der 
norwegischen Küste gern auch seim Heim aufschlägt, konstatierte 



826 0. Graf Zedlitz: 

ich als nördlichsten Punkt seiner Verbreitung Lyngseder am 
Lyngenfjord (17. 8.)- 

45. Acanthis linaria holboellii Brehm. 

A. flammea holboelU Schalow V. d. A. p. 250. 

Der nordische Birkenzeisig ist wohl der häufigste Kleinvoge 
im nördlichsten Norwegen bis zum Nordkap. Er lebt meist in 
den spärlichen Birken-Gebüschen und hüpft während der Heu- 
ernte gern auf den Wiesen und auf den Gestellen zum Trocknen 
des Heus umher. 

46. Passerina nivalis nivalis L. 

Schalow V. d. A. p. 251. 

Folgendes sind die Mafse von 2 norwegischen Stücken, ge- 
sammelt von mir i. J. 1900, sowie von einer Serie Vögeln aus 
Spitzbergen aus dem letzten Jahre: Norwegen 2. 6. 1900 cT 
Fl. HO, 9 Fl. 104 mm, Spitzbergen Juli 1910 4 cf Fl. 105, 108, 
109, 110, 9 Fl. 103 mm, Stücke des B. M. messen meist Fl. 
106—108, Sehn. 10 — 11 mm (vgl. Schalow). Norwegische scheinen 
nur ausnahmsweise kleiner zu sein (z. B. 9 ^^^ ß- M., welches 
Schalow erwähnt). Der Schneeammer brütet auf Spitzbergen 
allenthalben an den Hängen der Vorberge unter Steinen. Ich 
fand Junge vom 18. 7. an im Advent-Bai, Crofs-Bai, auf den 
Loven-Inseln, am Virgo-Hafen. Die Jungen sind grau mit wenig 
weifser Zeichnung an den Flügeln. Sie verstecken sich bei 
nahender Gefahr unterm Geröll so lange sie noch nicht fliegen 
können. Die kleine Familie hält fest zusammen, auch nachdem die 
Kleinen flugbar sind. 

47. Motacilla flava subsp.? 

Am 16. 8. wurden am Lyngenfjord im Tale eines Baches zwei 
gelbe Bachstelzen vom Präparator Müller gesehen aber leider nicht 
geschossen, da der Platz gerade von Menschen wimmelte. Ich 
kann daher nicht sagen, welcher Form sie angehörten. 

48. Anthus obscurus Lath. 

Schalow V. d. A. p. 268. 

Der Felsenpieper kommt im nördlichen Norwegen nicht 
allzu häufig vor. Auf einer kleinen Insel im Eafi"sund (Lofoten) 
sammelte ich 1 Exemplar am 9. 7., ein zweites wurde am 16. 8. 
am Lyngenfjord vom Präparator erlegt, aber leider total zer- 
schossen. 

49. Turdus pilaris L. 

Schalow V. d. A. p. 268. 

Auf den Lofoten bei Diggermulen wurde diese Drossel ver 
einzelt im Birkengebüsch am 9. 7. konstatiert. 



Ornithologische Notizen von der Zeppelin-Studienfahrt. 327 

50. Saxicola oenanthe oenanthe L. 

Schalüw V. d. A. p. 269. 

An der Küste und auf den vorgelagerten Felseninseln des 
nördlichen Norwegens ist dieser Steinschmätzer nicht selten. Ich 
sammelte auf den Lofoten am 9. 7. mehrere Alte und knapp flug- 
bare Junge, es handelt sich natürlich um typische ,,oenanthe^'' mit 
Flügelmafsen unter 100 mm. Mitte August sah ich noch mehr- 
fach Exemplare in unmittelbarer Nähe des Nordkaps. Auf Bären- 
Insel und Spitzbergen fand ich keine Schmätzer mehr. 

Ich schliefse hiermit meine Notizen, welche ich absichtlich 
zur äufsersten Kürze zusammengedrängt habe, da ich weifs, dafs 
eine grofse ornithologische Arbeit gerade über dieses Gebiet 
innerhalb kürzester Zeit erscheinen wird. Ich meine die Ver- 
öffentlichung des Herrn Professors König und seiner Mitarbeiter 
über ihre so erfolgreichen Sammelreisen nach Bären-Insel und 
Spitzbergen. Ich bin fest überzeugt, dafs der Herr Verfasser 
uns in systematischer Beziehung manche längst gestellte Frage 
beantworten, auf oologischem Gebiete viele „Delikatessen" bieten 
wird, aber weit über dem Niveau alles bisher über diese 
Gegend Veröffentlichten wird sicher der biologische Teil stehen, 
sowohl an Fülle des Stoßes wie an Lebendigkeit des Vortrags. 
Aus diesem Grunde hielt ich es für praktisch und fast geboten, 
mich möglichst kurz zu fassen. Ich wollte nur darauf hinweisen, 
dafs auch während der Zeppelin-Studienfahrt 1910 ornithologisch 
mit Fleifs gearbeitet worden ist und dafs bescheidene Resultate 
auch erzielt wurden, so weit dies eben in dem einmal gegebenen 
Rahmen möglich war. 



328 



Eerision des Genns Camaroptera, 
Von O, Graf ZedUtz. 

Beim Genus Camaroptera zeigen sich dem aufmerksamen 
Leser in der Nomenklatur so viele Unklarheiten, Widersprüche 
und auch hie und da Irrtümer, dafs ich es nicht für überflüssig 
halte, die einzelnen Namen und Arten einmal etwas eingehender 
auf ihre Existenz-Berechtigung hin zu prüfen. Es werden bei 
dieser Arbeit sich nicht gar zu viel neue Formen ergeben, aber das 
Verhältnis verschiedener bereits beschriebener und z. T. mit nicht 
einwandsfreien Namen belegter zu einander wird einigermafsen 
geklärt werden. Die Bearbeitung der Camaroptera- Arten durch 
Sharpe im Brit. Cat. o. B. Bd. VII. p. 166—171 datiert vom 
Jahre 1883 ist in vielen Punkten inzwischen von der rastlos 
fortschreitenden Wissenschaft überholt worden. Ein sehr viel 
besseres Bild bietet uns natürlich schon Reichenow 1905 in 
„Vögel Afrikas" Bd. III p. 615 — 621. Einige Formen sind hier 
noch als zweifelhaft bezeichnet, deren Berechtigung inzwischen 
durch Herbeischaffung von reichlicherem Vergleichsmaterial nach 
meiner Ansicht wenigstens erwiesen erscheint. Bei der Unter- 
scheidung dieser Subspecies, welche zweifelsohne z. T. sich sehr 
nahe stehen untereinander, kann man nur zu brauchbaren Resul- 
taten kommen, wenn man eine gröfsere Suite alter Vögel der 
einen mit ebenfalls alten Vögeln der anderen Art vergleicht und 
sowohl Stücke im frischen wie solche im abgetragenen Gefieder 
gesondert gegeneinander gehalten werden. Hingegen entstehen 
Trugschlüsse, wenn junge Vögel mit alten in Vergleich gezogen 
werden, ein Fehler, der mehrfach gemacht worden ist und zu 
ungerechtfertigten Neubeschreibungen geführt hat. Andererseits 
möchte ich daraufhinweisen, dafs die Jungen der einzelnen Formen 
untereinander verglichen oft sich fast schärfer unterscheiden als 
die Alten. Die Jugendkleider selbst zeigen aber auch wieder 
sehr erhebliche Abweichungen je nach dem Grade der Abnutzung. 
Es dürfte bekannt sein, dafs besonders bei Vögeln mit losem 
zerschlissenem Gefieder das erste Jugendkleid, in welchem sie 
das Nest verlassen, bis zur Mauser vor der nächsten Brutperiode 
sich in besonders starkem Mafse durch Abnutzung verändert, 
in Steppen-Regionen wiederum ist diese Wirkung noch intensiver 
als in Wald-Gebieten. Ich führe nur ein Beispiel an: Eine 
Camaroptera von den Steppen am Barca oder weifsen Nil, welche 
m J uli oder August ausgekrochen ist, trägt im März oder April 
des nächstfolgenden Jahres ein so abgestofsenes und- darum blasses 
Kleid wie in keiner anderen Periode ihres Lebens vor oder nachher. 
Ich teile die verschiedenen Arten zunächst in zwei grofse 
Gruppen: 

I. Vögel mit deutlich gelbem oder grünem Zügel und Augen- 
brauenstrich, 



Revision des Genus Camaroptera. 829 

II. Vögel ohne diesen deutlichen Streifen. 

Gruppe I zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen: 
I a. Unterkörper weifs, Kehle und Kropf gelb sich scharf davon 

abhebend, 
Ib. ganze Unterseite graugelblich verwaschen. 

Gruppe II zerlege ich ebenfalls in zwei Abteilungen: 
IIa. ünterflügeldecken und Flügelbug gelb bis gelbgrün, 
IIb. Unterflügeldecken und Flügelbug rostbräunlich. 

Endlich zerfällt die Abteilung IIa noch in den Formenkreis 
„brachyura"- mit grünem Rücken auch beim alten Vogel und den 
Formenkreis ,,griseoviridis^'' mit ganz grauer oder fahlbrauner 
Oberseite einschl. des Rückens beim Vogel ad. 

I a. Unterkörper weifs, Kehle und Kropf gelb sich scharf vom 
Bauche abhebend, gelber Superciliarstreifen: 

1. Camaroptera flavigvlaris Rchw. 
Reichenow 0. M. 1894 p. 126, V. A. III p. 621. 
Mafse: Fl. ca. 50, Sehn. 13—14 mm. 
Zu dem von Reichenow Gesagten habe ich hier nichts hin- 
zuzufügen. 

Verbreitung: Kamerun bis Gabun. 

IIb. Ganze Unterseite gelblich verwaschen, gelber Superciliar- 
streifen : 

2. Camaroptera brevicaudata brevicaudata Cretzschm. 

Rüpp. Atlas p. 53. 

Der Name „brevicaudata"^ bei Rüppel und Cretzschmar ist 
meist falsch verstanden worden, so von Finsch und Hartlaub 
Orn. 0. A. p. 241 und von Sharpe Brit. Cat. Vol. VII p. 168. 
Hier wurde dieser Name auf einen Vogel mit graubrauner 
Oberseite angewendet, der zu einer ganz anderen Gruppe, zu 
griseoviridis, gehört. Verschuldet ist dies zumeist wohl durchden 
Umstand, dafs im Senckenbergischen Museum zwei sogenannte 
Typen von Cretschmars ,,brevicaudata"' stehen, welche allerdings 
beide griseoviridis sind, wie schon früher mehrfach konstatiert 
wurde und ich selbst mich durch Augenschein überzeugt habe. 
Von den mir freundlichst übersandten Stücken ist das aus Kor- 
dofan ein juv. im ganz abgetragenen Kleide (oberseits fahlbraun), 
das offenbar in der trockenen Zeit zwischen Februar und April 
gesammelt wurde. Das andere, ein cf aus „Abyssinien", halte 
ich trotz des fast ganz fehlenden Schnabels mit einiger Sicherheit 
für ein juv. im Übergangskleide, es ist unterseits fast ganz weifs 
mit rahmfarbenem Anfluge, oberseits bräunlich, nach dem Bürzel 
zu grauer, ganz wenige Federn am Mittelrücken zeigen matt 
olivengrüne Spitzchen, der Schwanz ist deutlich braun, also von 
einer „schön grünen Oberseite" kann keine Rede sein, ein 
grüner oder gdber Superciliarstreifen fehlt auch. Kurzum es sind 

Joarn. f. um. LIX. Jahrg. April 1911. 22 



330 0. Graf Zedlitz: 

eben echte griseoviridis. Es ist das Verdienst Reichenows, zuerst 
darauf hingewiesen zu haben (J, 0. 1891 p. 64/65), dafs der von 
Rüppell und Cretzschmar beschriebene und abgebildete Vogel 
Namens ^.hrevicaudata^' absolut von den in Frankfurt a/M, auf- 
gestellten verschieden ist. Abbildung und Beschreibung (Riipp. 
Atlas p. 53, Fig. 6), welche sehr gut übereinstimmen, beziehen 
sich vielmehr auf einen Vogel mit „auf dem Rücken und den 
Flügeln schönen grünen Schimmer" nach den Worten des 
Autors. Die Abbildung, auf deren Zuverlässigkeit wir bei Rüpp. 
Atlas ziemlich sicher bauen können, zeigt aufser dem lebhaft 
grünen Rücken einen grünen Oberschwanz und deutlich gelbgrünen 
Augenbrauenstreifen Danach können die Frankfurter Stücke 
mit brevicaudata nichts zu tun haben, obgleich sie ebenfalls von 
Rüppell und Cretzschmar gesammelt wurden. Nun könnte vermutet 
werden, das abgebildete und beschriebene Exemplar sei ganz jung, 
da im ersten Jugendkleide auch bei den braunrückigen 
Formen der Rücken grünlich verwaschen ist. Dem widerspricht 
aber folgendes: 

1) Der Rücken ganz junger Vögel, der später graubraun wird, 
ist matt grün zeigt aber nicht „schönen grünen Schimmer"; 

2) Der Oberschwanz ist bräunlich, höchstens grünlich bei den 
Mittelfedern gesäumte, bei jungen grünrückigen Stücken der 
Gruppe griseoviridis, hingegen grünlich wie auf der Abbil- 
dung nur bei den Formen, welche auch im Alter grünen 
Rücken und Schwanz behalten; 

3) Jede junge Camaroptera hat gelblichen bis hornbraunen 
Schnabel, der alte Vogel einen schwarzen; die Abbildung 
zeigt aber ganz schwarzen, die Beschreibung spricht von 
einem fast ganz schwarzen Schnabel, also kann es sich 
nicht wohl um einen Vogel im ersten Jugendkleide und auch 
nicht um das Frankfurter Stück aus Kordofan mit seinem 
gelben Schnabel handeln. 

Nach dem Gesagten kann ich nicht umhin, in voller Über- 
einstimmung mit Reichenow die Form ^^brevicaudata Cretzsch." 
weder für eine alte noch für eine junge ^^griseoviridis v. Müll." 
zu halten sondern für einen wohl unterschiedenen Vogel mit stets 
lebhaft grünem Rücken und Oberschwanz, sowie deutlichem Augen- 
brauenstreifen. Ein solches Stück aus einer Sammlung mir zur 
Ansicht zu verschaffen, ist mir leider bisher nicht gelungen. 

Verbreitung: Kordofan (nach der Urbeschreibung). 

3. Camaroptera brevicaudata superciliaris Fräs. 

Fräser Ann. Mag. XU 1843 p. 440: Sylvicola superciliaris. 
Strickl. P. Z. S. 1844 p. 100: Frinia icterica. 
Sharpe Brit. Cat. VII 1883 p. 171 : C. superciliaris. 
B. Alexander Ibis 1903 p. 370: dito. 

Rchw. V. A. III. p. 621: dito. 



Revision des Genus Camaroptera. 331 

Ganz klar und deutlich benennt Fräser als terra typica 
des von ihm beschriebenen Vogels die Insel Fernando Po. Das 
Gleiche gilt von Strickland in Bezug auf den von ihm ge- 
prägten Namen „icterica''\ Die Beschreibungen, wie wir sie bei 
Fräser für ^^superciliaris'''- und dann recht genau bei Hartlaub 
(J. 0. 1854 p. 17) für ,,%cterico>'- finden, sind auch durchaus 
passend für den sehr lebhaft gefärbten Inselvogel. Da nun 
icterica als Synonym zu superciliaris aufzufassen ist, kann ich 
nicht umhin, für die Vögel des Festlandes, wo ich eine Sub- 
species an der Guinea-Küste, eine andere in Angola unterscheide, 
neue Namen einzuführen. Ich nenne den Guinea-Vogel „rot- 
schildi"' zu Ehren des Barons W. v. Rotschild in Tring, dem 
ich seit Jahren ungezähltes Vergleichs-Material verdanke, den 
Angola-Vogel „pulchra''\ Ich möchte hier gleich alle drei Formen 
nebeneinander stellen: 

C. b. superciliaris hat die ganze Unterseite weifslich rahm- 
farben z. T. geblich überflogen, die beiden anderen Formen da- 
gegen zeigen das Weifs deutlich grau verwaschen besonders an 
den Seiten von Kropf und Brust. Die Oberseite von superciliaris 
ist so lebhaft goldiggrün wie bei keinem der verwandten Vögel. 
Die Mafse sind grofs: Fl. 50, Sehn, 14 mm, wie wir es bei der 
endemischen Ornis von Fernando Po fast durchweg finden. 

C. h. pulchra steht superciliaris am nächsten, insbesondere 
haben beide das ausgesprochen goldige Gelb an den Kopfseiten 
über die ganzen Wangen ausgedehnt, die Oberseite ist fast 
ebenso goldig, nur eine Nuance grünlicher, wie bei superciliaris, 
die Unterseite hingegen, wie schon gesagt, deutlich grauer. Die 
Mafse sind etwas kleiner, wie es wiederum bei Vögeln aus An- 
gola durchaus nicht auffallend ist, Fl. 47—49, Sehn. 12 — 12,5 mm. 

C. b. rotschildi ähnelt auf der grau überflogenen Unterseite 
am meisten pulchra, die Oberseite hingegen ist olivgrün, sehr 
viel düsterer als bei den beiden anderen Formen. Ebenso ist 
das Gelb am Kopfe etwas matter und weniger auf den Wangen 
ausgedehnt. Die Mafse reichen mit ihrer obersten Grenze knapp 
an superciliaris heran: Fl. 45—50, Sehn. 12 — 14 mm. 

Verbreitung von C. b. superciliaris: Fernando Po. 

4. Camaroptera brevicaudata pulchra subsp. nov. 

Typus: 9 No. 1143 Canhoca, Angola, Ansorge leg. 15. 11. 03 
(Tring.-Mus.). 

Hierher gehört auch cf vom Kasongo-Wald, oberer Kongo 
westl. Tanganjika-See, 10. 2. 09 (Tring.-Mus.). 

Verbreitung: Nord-Angola ostwärts bis Tanganjika. 

5. Camaroptera brevicaudata rothschildi subsp. nov. 
Typus: cf No. 937 Ogowe-Fl., Gabun, Ansorge leg. 6. 11. 07. 
(Tring.-Mus.). 

22* 



332 0. Graf Zedlitz: 

Es liegen mir noch einige Stücke des B. M. von der oberen 
Guinea-Küste vor, doch reicht das Material nicht aus, um fest- 
zustellen, ob wir in Ober-Guiuea noch mit einer gesonderten 
Form zu rechnen haben, was ich für sehr wohl möglich halte. 

Verbreitung; Gabun, nordwärts bis zur Goldküste (letzteres 
mit Vorbehalt!) 

IIa. Kein deutlich gelbgrüner Superciliarstreifen, Unterflügel- 
decken und Flügelbug gelb bis gelbgrün. 
a. Oberseite auch beim Vogel ad. deutlich grün. 

6. Camaroptera brachyura brachyura Vieill. 

Vieillot Enc. M^th. II. p. 450 (1820): Sylvia brachyura. 

Sundevall Oefv. Vet. Ak. Förh. p. 103 (1850): C. olivaeca. 

Sharpe Brit. Cat. VII p. 166 (1883): C. olivacea Vieill. 

Reichenow V. A. III p. 618: C. brachyura Vieill. 

Der älteste Name „olivacea Vieill." kann nicht beibehalten 
werden, wie schon Reichenow V. A. III p. 618 (Synonymik) aus- 
führt, weil sich Vieillot hierbei auf Levaillant bezog, während der 
Name Sylvia olivacea schon von Latham vorher benützt worden 
ist. Demgemäfs ist die Auflassung des lirit. Cat. zu korrigieren. 
Etwas kompliziert wird die Angelegenheit dadurch, dafs i J. 
1850 eine „olivacea Sund, nee Vieill." auftaucht, welche jedoch 
mit dem Vogel, den Vieillot benannte, als identisch aufzufassen 
ist: auch Sundevall beschrieb eine Camaroptera aus S. bezw. SO.- 
Afrika mit olivgrüner Oberseite, und ein Typus von ihm steht 
auch im B. M. d* Nr. 4566 Sundevall leg. Port Natal, der ganz 
mit der Beschreibung übereinstimmt. In seiner Anmerkung er- 
wähnt allerdings Sundevall gleich im Anschlufs daran auch ein 
graurückiges Exemplar aus S.- Afrika, fügt jedoch hinzu, dafs 
er diesen Vogel nicht abtrennen wolle. Es verbleibt also der 
Name „olivacea Sund .^^ unzweifelhaft dem grünrückigen Süd- 
afrikaner und bildet ein einfaches Synonym zu brachyura Vieill. 
Bei Bearbeitung einiger Vögel des B. M. (J. 0. 1882 p. 346, 347) 
konstatierte nun Sharpe sehr zutreffend, dafs die grünrückigen 
Vögel aus S. Afrika und aus Sansibar nicht mit einander über- 
einstimmten. Irrtümlicherweise hielt er letztere für typische 
„olivacea Vieill." (gleichbedeutend brachyura) und nannte die 
Südafrikaner statt ^olivacea Sund nee Viell." nun C. sundevalli 
Sharpe. Da aber gerade der grünrückige Südafrikaner als echte 
brachyura (gleichbedeutend olivacea Vieill.) anzusehen ist, so 
mufs nach den Gesetzen der Logik auch C. sundevalli Sharpe als 
Synonym zu brachyura gelten. Gemeint hat, abgesehen von dieser 
Verwechselung, Sharpe s. Z. etwas durchaus Richtiges, die Vögel 
von S. Afrika und Sansibar unterscheiden sich wohl, und letzterer 
hat später (18^1) vxjs Reichenow d€ß ihm — ab,er nicht dem 
Südafrikaner — zukommenden neuen Namen als C. pileata Rchw. 
erhalten. 



Revision des Genus Camaroptera. 338 

Der Beschreibung von C. brachyura bei Reichenow habe 
ich nichts hinzuzufügen, doch fand ich unter Heranziehung reich- 
licheren Materials nennenswert gröfsere Mafse: cfd* Fl. 56 — 60 
gegen 52—55 mm bei Reichenow, Schnabel sehr konstant 13 mm. 

Verbreitung: Süd-Afrika besonders im östlichen Teile. 

7. Camaroptera brachyura pileata Rchw. 

Reichenow J. 0. 1891 p. 66. 

ü. oUvacea Gab. v. d. Decken R. III 1869 p. 23. 

C. oUvacea Sund, bei Fschr. Rchw. J. 0. 1878 p. 267, 1879 
p. 354. 

C. oUvacea Vieill. bei Sharpe J. 0. 1882 p. 346, 347, sowie 
Brit. Cat. VII p. 166, 167 (1883). 

Wegen des Irrtums von Sharpe bei Benennung dieser Form 
verweise ich auf das oben Gesagte. Die Beschreibung Reichenows 
hebt das charakteristische Kennzeichen — den grauen Kopf und 
Nacken, auf welchen das Grün des Rückens sich nicht erstreckt 
— deutlich hervor, ich habe nichts hinzuzufügen. Mein Vergleichs- 
Material ist bei dieser Subspecies besonders knapp, wie junge 
Vögel dieser Form aussehen, wissen wir überhaupt noch nicht. 

Verbreitung: Küste von Ost- Afrika. 

8. Camaroptera brachyura congica Rchw. 

Rchw. J. 0. 1891 p. 67: C. congica. 

Rchw. J. 0. 1887 p. 306: C. concolor Hartl. 

Mehrfach dürfte auch sonst irrtümlicherweise der Name 
„concolor Hartl." für Exemplare von „congica Rchw." gebraucht 
worden sein. Ich möchte hier gleich erwähnen, dafs es eine 
„Camaroptera concolor Hartl." nicht gibt. Der Typus im Museum 
zu Leyden stellt einen Macrosphenus und keine Camaroptera 
dar, wie 0. Neumann einwandfrei festgestellt hat. Der Name 
ist also im Brit. Cat. VII p. 170 wie bei Rchw. V. A. III p. 620 
unter Camaroptera zu streichen. 

Reichenows Behandlung von congica in V. A. III habe ich 
nichts hinzuzusetzen. 

Verbreitung: Unterer Kongo. 

9. Cam,aroptera brachyura chloronota Rchw. 

Reichenow 0. M. 1895 p. 96. 

Bei dieser im ganzen Tone des Gefieders sehr düsteren 
Camaroptera scheint das cf auch im Alter einen grünlich ver- 
waschenen Kropf zu haben. Stücke aus Togo und von Kamerun 
(Bipindi) kann ich nicht unterscheiden, hingegen möchte ich den 
von B. Alexander für den Vogel von Fernando Po geschaffenen 
Namen „granti'' nicht ohne weiteres als Synonym zu „chloronota'' 
behandeln. 

Verbreitung: Togo bis Kamerun. 



334 0. Graf Zedlitz: 

10. Camaroptera bracliyura granti Alex. 

B. Alexander B. B. 0. C. XCIV Vol. XIII p. 36 (1903) und 
Ibis 1903 p. 369. 

Ebenso wie wir von der Gruppe brevicaudaia eine gesonderte 
Form auf Fernando Po feststellen können, dürfte sich auch hier 
bei C. hrachyura der Parallel-Fall ergeben. Ganz allgemein 
kann man die Beobachtung machen, dafs sich auf Fernando Po 
wie überhaupt den westafrikanischen Inseln endemische Formen 
herausgebildet haben, welche sich unter anderem durch gröfsere 
Mafse von Vögeln des Festlandes unterscheiden. Ich habe leider 
nicht das Vergleichs-Material bekommen können, um einwandsfrei 
die Frage in diesem speziellen Falle nachzuprüfen, halte mich 
aber gerade deshalb für nicht berechtigt, die Form einzuziehen und 
den Namen als Synonym zu chloronota zu behandeln. Andererseits 
ist zweifellos von Alexander ein Fehler begangen worden, als er 
bei seiner Neubeschreibung von „granti"' die weit ältere „chloro- 
nota Rchw." überhaupt nicht zum Vergleiche heranzog sondern 
mit Stillschweigen überging. Rechnet man die von ihm angege- 
benen iMafse in mm um, so stehen sie an der obersten Grenze 
der bisher bei chloronota gefundenen. 

Verbreitung: Fernando Po. 

ß. Oberseite beim Vogel ad. grau oder graubraun. 

11. Camaroptera griseoviridis griseöviridis v. Müll. 

v. Müller Naumannia 1851 Heft 4 p. 27, Abbildung: Bei- 
träge Orn. Afr. 1854 T. 19. 

Heuglin Stzb. Ak. Wien 1856 p. 276: Orihotomus clamans. 

„ ibidem: Orihotomus salvadorae. 
Sharpe Brit Cat. VII p. 168 (1883): C. hrevicaudata. 
Reichenow V. A. III p. 616: C. griseoviridis. 

Dafs der Name brevicaudaia nicht hierher gehört, habe ich 
schon oben ausführlich dargelegt. Als nächstberechtigter Name 
kommt nun „griseoviridis v. Müll." in Betracht, den ich akzeptiere, 
obgleich die Abbildung des Vogels B. O.A. 1854 T. 19 im wesentlichen 
ein Phantasiegebilde aber kaum eine Camaroptera irgend einer 
Art vorstellt. Immerhin sei als einzig richtiges und charakte- 
ristisches Kennzeichen erwähnt, dafs der Bauch und die Mitte 
der Flanken weifs sind, der Rücken wenigstens nicht grün. Sehr 
viel besser ist schon die Beschreibung, in welcher es unter 
anderem heifst: „La tete, le dos et le croupion sont d'un gris 
tirant sur le brun" — „une ligne d'un gris jaune passe au 
dessus de Toeil" — „le milieu du ventre blanc. Les plumes du 
flaue ont le brillant de la soie avec un chatoiement brun-rou- 
geätre." Das ist ganz genau die Beschreibung des jungen Vogels 
im abgetragenen Kleide, dem auch ältere Stücke im Stadium 



Revision des Genus Camaroptera. 335 

des sehr abgenützten Gefieders sich wieder nähern (abgesehen 
natürlich von der Schnabelfarbe). Ganz damit stimmend bemerkt 
auch V. Müller, er habe die Vögel durchweg im Mai während 
der Mauser gesammelt. Irrtümlicherweise schliefst er aus den 
Resten einer grünlichen Rücken-Befiederung bei einzelnen Stücken, 
der Vogel würde vielleicht im Hochzeitskieide einen glänzend 
grünen Rücken haben; in Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt: 
Das schwache Grün des Rückens bedeutet einen Rest des ersten 
Jugendkleides, der zumeist schon in den Monaten vor der Mauser 
durch Abnutzung allmählich verschwindet. Ganz ausgeschlossen 
wäre es allerdings auch nicht, dafs zwischen den griseoviridis 
auch V. Müller gelegentlich eine typische brevicaudata Cretzsch. 
in die Hände bekommen haben könnte, da auch er in Kordofan 
sammelte. In der Beschreibung und Abbildung deutet aufser 
der oben zitierten Notiz aber nicht das Geringste darauf hin. 
Beschrieben hat v. Müller ganz klar den Vogel mit grau- 
braunem Rücken, zwar im Jugendstadium und stark verwetztem 
Kleide, aber da ganz richtig, sodafs er vollen Anspruch auf das 
Recht der Priorität besitzt. 

Heuglin bat wenige Jahre später (1856) ebenfalls einen 
jüngeren Vogel von griseoviridis mit ganz abgestofsenem Gefieder 
als Orthotomus clamans beschrieben. Der Typus vom Bahr el abiad 
liegt mir hier vor, ich halte es für unzweifelhaft, dafs der Name 
„damals" lediglich als Synomym zu griseoviridis gelten mufs. 

Nicht ganz so einfach liegen die Verhältnisse für den Namen 
„Salvador ae"; welchen Heuglin bei derselben Gelegenheit für ein 
Exemplar aus der Sammlung des Herzogs Paul v. Württemberg 
in die Literatur eingeführt hat. Dieser Typus ist anscheinend 
verloren gegangen, Prof. Reichenow hat ihn in Tübingen vergeb- 
lich gesucht, im Naturalien-Kabinet zu Stuttgart habe ich mich 
ebenfalls nach ihm erkundigt, ohne Positives zu eruieren. Es 
bleibt somit nur die Beschreibung übrig. Diese bezieht sich 
unzweifelhaft auf einen ganz jungen Vogel, da der Schnabel 
gelblich, die Stirn rostgelblich genannt wird. Beide Kennzeichen 
finden wir bei griseoviridis in den ersten Lebensmonaten stets, 
wie ich durch eine grofse Suite nachweisen kann. Der Rücken 
von salvadorae soll nun grün sein (vgl. Sharpe Brit. Cat. VII 
p. 167), das trifft ebenfalls beim ersten Jugendkleide von griseo- 
viridis zu, so lange es nicht abgestofsen ist. Ich möchte daher 
„salvadorae Heugl.'' mit der Verbreitung „Atbara bis Sennar" 
(nach Sharpe Brit. Cat.) für eine ganz junge griseoviridis halten. 
Ganz ausgeschlossen ist es übrigens nicht, dafs Reichenow mit 
seiner Auffassung (V. A. III) Recht haben könnte, wenn er wegen 
des grünen Rückens salvadorae als Synonym zu brevicaudata 
Cretzsch., dem gleichfalls seit langen Jahren nicht mehr gesammelten 
Vogel, auffafst. Da der Typus fehlt, wird sich heute kaum noch 
mit Sicherheit feststellen lassen, ob salvadorae bei den Synonymen 
von griseoviridis oder von brevicaudata aufzuführen ist. 



386 0. Graf Zedlite: 

C. g. griseoviridis ist ein Steppenvogel, er bewohnt das 
nördliche Eritrea (meine Gebiete I und II), geht durch das ganze 
Gebiet des Atbara einschliefslich seiner Nel3enflüsse (Steppen von 
W. Abessinien) bis zum Weifsen Nil. Selbst ein Vogel des Tring 
Mus. aus Uganda (Seth Smith leg.) steht der echten griseoviridis 
noch nahe, andere Stücke aus dem Uganda-Protektorate gehören 
wiederum eher zur ostafrikanischen Form. Am Rande des Hoch- 
plateaus von Tigre (Süd-Eritrea bis Semien) kommen intermediäre 
Stücke zwischen griseoviridis und der abessinischen Form vor, 
oben auf dem Plateau ist letztere zu Hause. Dies beweisen 
Stücke von Schrader aus Ailet, welche offenbar teils an den Ab- 
fällen des Hochlandes, teils auf demselben gesammelt sind. Es 
ist zu bedauern, dafs der fleifsige Sammler auf den Etiketten 
als Fundort meist nur sein Hauptquartier vermerkt, von 
welchem aus er weite Ausflüge machte. So sind Bälge unter der 
Marke „Salamona" oder „Ailet" hinausgesegelt, welche aus ganz 
verschiedenen Formengebieten stammen. Zwischen Vögeln aus 
dem Barca-Becken und solchen vom Weifsen Nil kann ich keinen 
konstanten Unterschied finden, hingegen glaube ich sowohl Abes- 
sinier als Nordwestafrikaner von griseoviridis unterscheiden zu 
können. Dabei mufs man, ich betone es wieder, gröfsere Suiten 
vop Vögeln ad. im frischen Gefieder mit einander vergleichen 
und ebenso solche im abgetragenen, einen einzelnen frischen 
Balg einer griseoviridis kann ich von einem einzelnen ab- 
genützten abessinica auch nicht immer unterscheiden. C. 
g. griseoviridis ad. im frischen Gefieder hat Kinn und 
Kehle bis zum Kropf herab mäfsig grau verwaschen, Bauchmitte, 
Flanken und Unterschwanzdecken rein weifs oder weifslich, bis- 
weilen schwach rahmfarben verwaschen. Bei der benachbarten 
Form abessinica ist das Grau der Unterseite etwas betonter und 
stets ausgedehnter besonders auch auf die Flanken. Die Bauch- 
mitte ist ebenfalls oft rein weifs. Bei der Form ^.c'hrysocnemis'-'' 
aus NW. Afrika ist das Grau beim frischen Gefieder weniger 
(d. h. nicht so weit auf den Kropf hinab) ausgedehnt wie bei 
griseoviridis, die Unterseite also im ganzen noch heller. Die 
Oberseite bei griseoviridis und chrysocnemis ist im frischen Gefieder 
immer noch bräunlich, nur auf dem Bürzel tritt das Grau reiner 
hervor, bei abessinica ist die Oberseite weniger braun und deut- 
licher grau, daher im ganzen dunkler. Dieses frische Gefieder 
tragen die Vögel nur kurze Zeit, höchstens 2—3 Monate nach 
der Mauser (welche in verschiedenen Teilen Afrikas zu sehr ab- 
weichenden Zeiten eintreten kann) daher ist es bei den meisten 
Beschreibungen so gut wie garnicht berücksichtigt sondern höchstens 
mit der Bemerkung abgetan worden: „Es gibt dunklere und hellere 
Stücke in derselben Gegend". Den weitaus gröfseren Teil des 
Jahres finden wir das bereits abgenutzte Kleid. Die Oberseite 
ist dann bei allen drei hier in Parallele gestellten Formen brauner 
und blasser, progressiv mit der Jahreszeit fortschreitend. Die 



Revision des Genus Camaroptera. 387 

Uuterseite verliert bei griseoviridis und chrysocnemis jede Spur 
von grau und wird weifs, an Kropf und Flanken mehr oder weniger 
rahmfarben verwaschen, und zwar ziehen chrysocnemis meist mehr 
ins Weifse, griseoviridis mehr ins Gelbliche. Von beiden unter- 
scheidet sich abessinica in diesem Stadium auf den ersten Blick, 
hier verschwindet das Grau auf der Unterseite nie, höchstens 
zieht es an den Flanken etwas ins Bräunliche. Die Oberseite 
wird durch starke Abnutzung naturgeraäfs fahler, bräunlicher, 
jedoch nicht entfernt so blafs wie bei den beiden anderen Formen, 
vielmehr erreicht sie eben die Nuance, welche griseoviridis im 
frischen Gefieder zeigt. Bei starker Abnützung besonders beim 
Vogel juv. erscheint bei griseoviridis ein rostgelblicher Stirn- und 
Zügelstrich, bei chrysonemis ist er rahmfarben, bei aftessinica fehlt er. 

Analog verhält es sich mit dem Jugendgefieder, von dem 
mir besonders bei griseoviridis und ahbessinica schönes Material 
vorliegt. Im ersten Jugendkleide ist der Rücken — nicht aber 
der Oberschwanz — stark grün verwaschen, auf Kropf und Brust 
zeigen sich grüngelbliche Federchen. Beides verschwindet im 
Laufe der nächsten Monate, die Unterseite wird immer weifslicher, 
der Rücken immer graubrauner. Diese Entwickelung ist bei 
allen graurückigen Formen so ziemlich die gleiche, hingegen tritt 
der charakteristische Unterschied zwischen griseoviridis und 
abessinica schon vom ersten Stadium an deutlich hervor, abes- 
sinica ist oberseits stets dunkler, unterseits abgesehen vom Gelb- 
grün schon schwach graulich verwaschen, griseoviridis hingegen 
matt rostgelblich. Der Schnabel bei jungen griseoviridis ist 
gelblich, Oberschnabel dunkler, beim jungen abessinica matt 
hornbraun. Im Hochzeitskleide haben alle ohne Unterschied 
tiefschwarzen Schnabel, in anderen Monaten zeigen griseoviridis 
ad. meist hornbraune Ränder am Unterschnabel, abessinica ad. 
hat dagegen stets schwarzen Schnabel. Chrysocnemis scheint 
hierin mit griseoviridis übereinzustimmen. 

In den Mafsen unterscheiden sich die hier mit einander 
verglichenen Formen nur wenig, griseoviridis ist im allgemeinen 
etwas kleiner als seine beiden nahen Verwandten, bei allen aber 
ist stets cT gröfser als 9> was früher meines Wissens nicht scharf 
hervorgehoben worden ist. Es messen bei 23 untersuchten 
griseoviridis aus Eritrea bis zum Weifsen Nil: 

cTd* Fl. 53-57, Sehn. 12—13 mm, 
99 Fl. 50-53, Sehn. 12-12,5 mm; 
bei 37 abessinica: cfcT Fl. 56—59, Sehn. 11,5—13 mm. 
99 Fl. 50-55, Sehn. 11,5—13 mm; 
bei 13 chrysocnemis: d^cT Fl. 56—60, Sehn. 13— U mm, 
99 Fl. 52—54, Seh. 12 mm. 

Verbreitung: Nördliches Eritrea durch Barca- und Atbara- 
Gebiet bis oberer Weifser Nil. 

Zum Schlufs möchte ich noch bemerken, dafs mir in der 
Bearbeitung meiner ornithologischen Ausbeute aus NO. Afrika 



338 0. Graf Zedlitz: 

bei Besprechung von C. griseoviridis J. 0. 1911 1 p. 68 ein 
sinnentstellender Schreibfehler untergelaufen ist; es soll dort am 
Ende des ersten Absatzes heifsen : „Ich glaube, dafs die hellen 
(statt dunklen im Text!) Exemplare junge Vögel aus demselben 
Jahre (statt Frühjahre im Text) sind'". So wie der Text bis 
jetzt lautete, bedeutet er genau das Gegenteil von dem, was 
richtig ist und aus dem Vorhergesagten folgt. 



12. Caniaroptera griseoviridis abessinica subsp. nov. 
C. chryseocnemis Grant Reid Ibis 1901 p. 648. 

Sehr richtig haben 0. Grant und Reid erkannt, dafs die 
Camaroptera aus Abessinien sich vom Vogel der Barca-Steppe 
und aus Kordofan wohl unterscheiden läfst. Bei den sonst zu- 
treffenden Ausführungen im Ibis 1901 p. 648, 649 haben sie 
aber für die Abessinier den Namen ,,chrysocnemis"- Licht." ge- 
wählt, offenbar in dem Glauben, dieseu' beziehe sich auf einen 
Vogel aus NO. Afrika. Dem ist aber nicht so, der uomeu nudum 
Lichtensteins wird in Nomencl. 1854 p. 33 ganz deutlich dem 
einzigen damals im B. M. vorhandenen Exemplar vom Senegal 
beigelegt, das noch heute als Lichtenstein'scher Typus No. 4565 
dort steht. Der von Grant und Reid zuerst richtig beschriebene 
Vogel von Harar und dem Hauasch mufs also einen neuen Namen 
erhalten, als welchen ich „ahessinica'-'' vorschlage. Da Grant und 
Reid keinen Typus ausdrücklich bestimmt aber die Vögel aus 
Harar zuerst aufgezählt haben, nehme ich einen Typus vom gleichen 
Fundort aus der Koll. v. Erlanger: 

(S No. 5547 Harar 5. 4. 1900 v. Erlanger leg. 

Im übrigen verweise ich betreffs der Färbung und Mafse 
auf das unter griseoviridis Gesagte. 

Verbreitung: Vom Hochland von Eritrea südwärts durch 
Abessinien bis Nord-Somaliland und Seen-Gebiet. 



13. Camaroptera griseoviridis erlangeri Rchw. 
Reichenow V. A. II pg. 617. 

Diese Form aus dem Süd-Somalilande steht in der Färbung 
der benachbarten abessinica sehr nahe, es scheint mir die Bauch- 
mitte jedoch bei erlangeri reiner weifs, die Oberseite noch etwas 
reiner grau zu sein, Letzteres kann auch mit der Jahreszeit 
zusammenhängen, mir liegen nur Stücke vor, welche zwischen 
dem 28. 4. und 28. 6. gesammelt wurden. Jedenfalls aber zeich- 
net sich erlangeri stets durch kleinere Mafse aus: 

d Fl. 51-55, Sehn. 11-12 mm, 9 Fl. 50, Sehn. 11 mm. 

Verbreitung: Süd-Somaliland. 



Revision des Genus Camaroptera. 339 

14. Camaroptera griseoviridis chrysocnemis [Licht.] Zedl. 

Licht. Nomencl. 1854 p. 33. 

Da der nomen nudum Lichtensteins sich ausdrücklich auf 
ein bestimmtes Stück vom Senegal bezieht, das heute noch vor- 
liegt, möchte ich die Bezeichnung chrysocnemis beibehalten. 
Übrigens ist auch Lichtensteins Typus trotz Alter und Verstaubung 
noch jetzt am geblichen Schnabel und an einigen grünlichen 
Rückenfedern als juv. zu erkennen. Aus neuester Zeit liegen 
dafür eine ganze Reihe guter Bälge vom Senegal vor, welche von 
liiggenbach gesammelt, heute auf das Tring Mus., das B. M. und 
meine Privat-Sammlung verteilt sind. Die Verbreitung dieser 
Form erstreckt sich weit ins Innere, ein cf von Gambaga am 
obersten Volta-Fl., Hinterland von Togo (Tring Mus.) ziehe ich 
noch hierher, obgleich es sich echten griseoviridis vom Weifsen 
Nil schon recht nähert. Auch die Vögel aus den Steppen NW. 
Kameruns (Adamaua) möchte ich noch mit unter chrysocnemis 
fassen, obgleich hier der Bürzel in seiner mausgrauen Färbung 
etwas schärfer hervortritt und die Neigung zu dunklerer All- 
gemeinfärbung nicht zu verkennen ist. Die Mafse dieser Vögel 
sind an der obersten Grenze: Fl. 59—60, Sehn. 13 — 14 mm. 
Es dürfte hier die Nachbarschaft der sehr dunklen Guinea-Form 
^.tincta"- ihren Einflufs geltend machen. In der Zukunft kann 
sich sehr wohl die Notwendigkeit ergeben, die Adamaua-Vögel 
als Subspecies zu sondern. 

Verbreitung: Vom Senegal ostwärts bis Adamaua. 

15. Camaroptera griseoviridis tincta Cass. 

Cassin Proc. Philad. VII p. 325 (1855), p. 38 (1859). 

Reichenow V. A. III p. 617. 

Als terra typica nach der Urbeschreibung hat Gabun und zwar 
Kap Lopez an der Ogowe-Mündung zu gelten. 

Reichenow in V. A. III führt folgende für die Form charak- 
teristische Färbungs-Abweichungen an: „Oberseite grauer, fast 
rein schiefergrau, Körperseiten rein grau, Schulterfedern und 
Flügel noch grüner als bei den ostafrikanischen Vögeln." Aufser- 
ordeutlich zutreffend ist es, dafs hier tincta mit dem Ost-Afrikaner 
verglichen wird. Diese beiden Formen stehen sich tatsächlich 
besonders nahe ähnlich wie im Norden griseoviridis und chryso- 
cnemis. Auf die Gefahr hin, durch Wiederholungen eintönig zu 
wirken, mufs ich auch hier darauf hinweisen, dafs man nur Vögel 
im gleichen Stadium der Gefieder-Entwickelung mit einander ver- 
gleichen darf, wenn man zu richtigen Resultaten kommen will. 
Durch Abnutzung verliert auch bei tincta die Rücken-Befiederung 
z. B. ihre graue Tönung, wird bräunlich und geht somit des ent- 
scheidenden Charakteristikums gegenüber „griseigula'* aus O.- 
Afrika verlustig. Ob der Flügel bei tincta im allgemeinen grüner 
ist, möchte ich dahingestellt sein lassen. Jedenfalls ist das 



340 0. Graf Zedlitz: 

Grau im Gefieder bei tincta so rein und so vorherrschend wie 
bei keiner anderen Camaropiera. Unter dem Material aus tring 
finden sich schöne Bälge direkt vom Ogowe, also aus der Terra 
typica, bei ihnen ist die ganze Unterseite grau, die Bauchmitte 
nur etwas heller aber nicht weifs, das Grau ist nicht mit Braun 
gemischt, nur die hellere Bauchmitte bisweilen schwach gelblich 
verwaschen. Die ganze Oberseite ist bei frischem Gefieder rein 
grau zu nennen im Vergleich mit den verwandten Formen, wo 
auf Oberkopf und Schultern stets ein bräunlicher Ton sichtbar 
ist. C. tincta ähnelt hierin der unterseits sehr viel helleren 
abessinica. Stücke von der Küste von Kamerun sind noch typische 
tincta (2 Bälge des B. M. Zenker leg. Jaunde haben durch Nässe 
gelitten und eine abnorme Färbung angenommen, sodafs sie für 
Vergleiche ausscheiden), ebenso ein Exemplar vom Lubilia-Fl. 
westlich des Albert Edward-Sees (Tring Mus.). Schon etwas inter- 
mediär ist die Färbung eines Vogels aus Süd-Nigeria (Tring-Mus.), 
hier sind Bauchmitte und Seiten deutlich heller, etwa wie bei 
einer tincta juv., das Exemplar ist aber ad., immerhin stelle ich 
es wegen der grauen Oberseite noch zu tincta. Von Ober-Guinea 
liegen mir nur 2 Bälge des B. M. vor, einer von Porto Scguro 
(Togo), der andere cf von Bissau (Portug. Guinea) Ansorge leg. 
2. 5. 10. Dies sind keine tincta mehr sondern sehr viel heller 
gefärbte Vögel, welche wieder chrysocnemis näher stehen. Es 
dürfte sich bei mehr Material eine gesonderte Form für Ober- 
Guinea ergeben, welche die Mitte zwischen den extrem dunklen 
und hellen Unterarten hält ähnlich wie abessinica in NO. Afrika 

Die Mafse von 16 Vögeln ad. sind: 

(fcf Fl. 54—59, Sehn. 12—13 mm. 

99 Fl. V. 51 aufwärts. Sehn. 12—13 mm. 

Da mehrere Exemplare, welche ich der geringeren Mafse 
halber für 9 halte, keine Gesdilechtsangabe tragen; kann ich 
nur die unterste Grenze bestimmt angeben, welche sich auf ein 
9 des B. M. bezieht. 

Verbreitung: Guinea-Küste von der Niger-Mündung bis 
Loango. 

16. Camaroptera griseovirdis griseigula Sharpe. 

Sharpe Ibis 1892 p. 158: C. griseigula. 

Reichenow V. A. III p. 616: C. griseoviridis. 

Der Typus von Sharpe ist cT vom Voi-Fl., Taita, Brit. 
O.-Afrika 10. 12. 1888, also kann kein Zweifel darüber bestehen, 
dafs dieser Name dem ostafrikanischen Vogel zukommt, nicht 
aber einem westafrikanischen, für welchen er hie und da verseh- 
entlich Anwendung gefunden hat. In der Färbung steht grisei- 
gula, wie oben gesagt, tincta am nächsten, beide sind Vertreter 
des extrem dunklen Charakters, doch zieht der Ton bei grisei- 
gula selbst im frischen Gefieder auf Oberkopf und Nacken doch 



Revision des Genus Camaropfera. 341 

etwas ins Bräunliche, bei tincta ist er reiner grau und etwas 
dunkler. Weit deutlicher ist der Unterschied auf der Unterseite, 
welche bei tincta ganz grau verwaschen ist, bei griseigula 
sind nur Kehle und Kropf grau, Seiten und Bauch hingegen 
bräunlich bis gelblich überflogen, die Bauchmitte fast rein weifs, 
also im ganzen ist die Unterseite merklich heller. Einzelne recht, 
dunkle Exemplare kommen z. B. von Kikuyu in Brit. 0. Afrika, 
doch ist das Grau auch da mit Braun gemischt, also nicht rein. 
Durch diese bräunliche Nuance unterscheidet sich auch griseigula 
von der im Nordosten benachbarten mehr rein hellgrauen (Unter- 
seite!) abessinica. 

Sehr interessant und auffallend sind die Jugendkleider von 
tincta und griseigula, welche ich hier zusammen besprechen 
möchte: C. tincta ist in allen Jugendstadien micht nur grünlicher, 
sondern auch erheblich blasser gefärbt als im Alter. Für den 
frischen Vogel juv. ist charakteristisch die scharf sich abhebende 
blafsgelbe Kehle, die übrige Unteite ist rein weifs oder fast 
weifs. Die Oberseite ist grün verwaschen, selbst die Mittelfedern 
des Stummelschwänzchens haben grünliche Säume. Ein semiad. 
Exemplar aus der terra typica vom Ogowe (Tring Mus. Ansorge 
leg. 18. 5. 07) zeigt noch fast rein weifse Bauchmitte, auf der 
Kehle keine Spur von gelb mehr, auf der Oberseite hat das 
matte Grün des Jugendkleides sich durch Abnützung in ein 
gleichmäfsig fahles Braun gewandelt. In diesem Stadium ist 
allerdings vom „reingrauen Rücken" der tincta absolut nichts zu 
sehen. Bei griseoviridis juv. ist nicht nur die Kehle, sondern 
die ganze Unterseite lebhaft gelbgrün verwaschen, Kinn und 
Kehle am stärksten, Bauch etwas weniger. In diesem Stadium 
sieht der Vogel einer C. congica ad. recht ähnlich. Wie eine 
Reihe junger Vögel des B. M. und meiner Sammlung in den 
verschiedensten Stadien der Abnützung ihres Gefieders zeigen, 
verliert sich das helle Grün auf der Unterseite sehr rasch, das 
dunkle auf dem Rücken ist bedeutend widerstandsfähiger, 
doch ist auch davon kurz vor der nächsten Mauser oft keine 
Spur mehr sichtbar. Bei allen diesen Stücken ist der Unter- 
schnabel gelb, der Oberschnabel gelb bis hornbraun, nie aber 
ganz schwarz wie bei Vögeln ad. 

Intermediäre Stücke zwischen griseigula und griseoviridis 
— auch abessinica sehr ähnlich — kommen im Uganda-Protek- 
torate vor. 

Einzelne Exemplare ad. mit auffallend weifsem Bauch liegen 
mir vom Kilimandscharo und aus Ngorongoro (Grabenrand) im 
Nordosten sowie vom Tanganjika-See im Südwesten vor. . 

Die Mafse von 26 Exemplaren sind : 

cfcT Fl. 54-59, Sehn. 12—13,5 mm. 

99 Fl. 51-52, Sehn. 11,5—13 mm. 

Verbreitung: O.Afrika, westwärts bis Tanganjika, nordwärts bis 
Viktoria-See und Kikuyu-Berge, nordostwärts bis etwa zum Tana-Fl. 



342 0. Graf Zedlitz: 

17. Camaroptera griseotnridis Jiarterti subsp. nov. 

Typus: cf Ansorge leg. 20. 11.03. Canhoca, Nord-Angola. 
(Tring-Mus.). 

Diese Form von Angola ist von der benachbarten tinda 
sehr verschieden. Wir haben es hier wieder mit einem Vogel 
zu tun, dessen Unterseite ganz hell, im wesentlichen weifs und 
mattgrau überflogen ist. Die Oberseite ist zum gröfsten Teil 
fahl bräunlich, der Bürzel mattgrau, der Oberschwanz olivgrün 
ähnlich den Flügeln gefärbt. Es ist dies die einzige griseoviridis- 
Form mit grünem Oberschwanz, zumal bei adulten Exemplaren 
mit vollkommen schwarzem Schnabel. Beim ersten Blick auf 
die Unter- oder Oberseite ist diese Form sofort unter ihren Ver- 
wandten zu erkennen. Es erscheint mir sogar zweifelhaft, ob es 
auf die Dauer sich wird aufrecht erhalten lassen, sie subspezifisch 
mit unter griseoviridis zu fassen. Ich halte mich vorläufig für 
berechtigt dazu, weil im Norden wie im Süden Übergänge zu den 
benachbarten Unterarten sich nachweisen lassen. Von der Nord- 
grenze liegt mir ein cf von Ngombe am unteren Kongo (Tring 
Mus.) vor, das in der Färbung einer echten harterti ziemlich nahe 
steht, nur sind Kropf und Kehle etwas stärker grau verwaschen, 
der Oberschwanz ist bräunlich statt olivgrün. Die Mafse sind 
etwas gröfser: Fl. 55, Sehn. 12,5 mm, bei typischen harterti 
messen cTcT Fl. 52 — 53, Sehn. 11 — 12 mm. Neben erlangeri ist 
harterti die kleinste Form des ganzen Kreises, besonders in den 
Schnabelmafsen. Ebenso haben wir Stücke aus dem Süden, ein 
cT von Benguella Ansorge leg. 8. 1. 05 und cf von Bihe (Hinter- 
land von Benguella) Ansorge leg. 19. 11. 04, beide aus dem Tring 
Mus., welche in kleineu Schnabelmafsen und Rückenfärbung starke 
Anklänge an harterti zeigen, wenn ich sie auch wegen der stark 
gelblich verwaschenen Unterseite zur südwestafrikanischen Form 
ziehen möchte, sie messen Fl. 55, 56, Sehn. 11—12 mm. 

Verbreitung: Nord-Angola. 

18. Camaroptera griseoviridis sharpei subsp. nov. 

Sharpe Brit. Cat. VII p. 169 (1883): C. sundevalli Sharpe 
nee Sharpe J. 0. 1882 p. 347. 

Reichenow V. A. p. 618: C. sundevalli. 

Wie ich schon unter C. hrachyura erwähnte, hat Sharpe 
ursprünglich bei Bearbeitung einiger Vögel des B. M. im J. 0. 
1882 p. 346, 347 den südafrikanischen grün rückigen Vogel 
irrtümlicherweise C. sundevalli genannt, obgleich dieser die echte 
hrachyura Vieill. ist. Ein Jahr später im Brit. Cat. VII 1883 
p. 169 beschreibt nun Sharpe einen tatsächlich bis dato namen- 
losen graurückigen Südafrikaner mit sehr gelblicher Unter- 
seite ganz richtig, nennt ihn aber unglücklicherweise ebenfalls 
„sundevalli Sharpe". Dieser „sundevalli Sharpe 1883 nee 1882" ist 
also ein ganz anderer Vogel, und nach unseren Nomenklatur- 



Journ.f. Ornith.1911. 



TaF. 1. 












/,^ 




nat.Gr. 



Passer griseus eritreae Zedl. 2.P.g. swainsoni Rüpp. 3.Pg.neumanni Zedl. 



Kevision des Genus Camaroptera. 343 

Regeln ist es zweifellos nicht angängig, einen Namen, der das 
erste mal errore geprägt wurde und ein reines Synonym zu 
einem älteren ist, ein zweites mal ohne weiteres auf einen ab- 
solut anderen Vogel anzuwenden, auch wenn dessen Abtrennung 
als neue Art an sich durchaus berechtigt und die beigefügte Be- 
schreibung richtig ist. Also C. sundevalli ist und bleibt ein 
Synonym zu hrachyura Vieill., der von Sharpe 1883 richtig 
erkannte und beschriebene Vogel mufs dagegen einen eigenen 
Namen erhalten, als welchen ich C. g. sharpei vorschlage. 

Charakteristisch ist die sehr helle rahmfarben bis bräunlich 
überlaufene Unterseite sowie die fahlbräunliche Oberseite, bei 
welcher auch der Bürzel sich nicht nennenswert als viel grauer 
im Tone abhebt, wenn er auch graulich überflogen ist. Ein 
typisches Stück cf aus Omaruru (Tring. Mus.) hat mittelgrofse 
Mafse: Fl. 56, Sehn. 18.5 mm. Die schon erwähnten Stücke von 
Benguella sind in der Färbung zwar charakteristische sharpei, in 
den Schnabelmafsen jedoch harterti näher stehend. Das Material 
ist im ganzen leider noch recht knapp. 

Verbreitung: SW. Afrika, nordwärts bis Benguella, ostwärts 
bis Betschuana-Land. 

Kurz möchte ich hier nochmals die frischen Jugend- 
kleider der griseoviridis-¥ ormen, von denen ich genügend 
Material auftreiben konnte, einander gegenüberstellen: 

1. Ganze Unterseite gelbgrün überlaufen, Kehle lebhaft gelb: 
C. g. griseigula; 

2. Kehle deutlich gelb, übrige Unterseite weifslich: C. g. tincia. 

3. Unterseite auf weifsem Grunde grau verwaschen, nur auf 
Kropf und Brust einzelne gelbgrüne Federchen: C. g. dbes- 
sinica. 

4. Unterseite auf weifsem Grunde rahmfarben verwaschen, wenige 
gelbliche Federchen am Kröpfe: C. g. griseoviridis und C. g. 
chrysocnemis. 

Von C. g. harterti, sharpei und erlangeri liegen mir junge 
Vögel im frischen Gefieder leider nicht vor. 

IIb. Kein deutlicher Superciliarstreifen, Unterflügeldecken und 
Flügelrand rostbräunlich. 

19. Camaropte^^a toroensis Jacks. 

Jackson B. B. 0. C. CXII Vol. XV 1905 p. 38: Sylviella 
toroensis. 

Reichenow V. A. III p. 632: Sylvietta toroensis. 

Meines Dafürhaltens gehört dieser Vogel seiner Figur nach 
und zwar besonders wegen des relativ langen Schwanzes (30— 38 mm) 
sowie seiner Färbung nach wegen der lebhaft braungelben „Hosen" 
zum Genus Camaroptera und nicht zu Sylvietta mit dem sehr 
kurzen Schwänze und den matt gefärbten Oberschenkeln. Anderer- 
seits ist nicht zu verkennen, dafs der allgemeine Färbungs-Charakter 



344 0. Graf Zedlitz: 

von toroensis Anklänge an einzelne SylvieUa-Formen — besonders 
S. virens Cass. — aufweist, ein Fingerzeig dafür, dafs beide Genera 
sich ziemlich nahe stehen dürften. 

Das Material ist vorläufig noch sehr spärlich, mir liegen 
hier 3 Exemplare vor: 

B. M. 9 juv. Mauamli, Schubolz leg. Fl. 51, Sehn. 12, 
Schw. 30 mm. 

Tring M. cT ad. ünjoro, Seth Smith leg. Fl. 57, Sehn. 12, 
Schw. 38 mm. 

Tring M. 9 ad. Mpango-Forst, Toro, Grauer leg. Fl. 56, 
Sehn. 12, Schw. 36 mm. 

Durch die bräunliche Gesamtfärbung unterscheidet sich diese 
Art leicht von allen anderen Camaroptera, am deutlichsten charak- 
terisieren sie — wie oben schon gesagt — die rostbräunlichen 
Unterflügeldecken. 

Verbreitung: Centralafrikanisches Seen-Gebiet. 

Zusammenstellung der Camaroptera-Formen. 

la. 1) C. flavigularis Rchw.: Kamerun, 

b. 2) C. hrevicaudata brevicaudaia Cretzsch.: Kordofan. 

3) C. b. superciliaris Fräs.: Fernando Po. 

4) C. h. pulchra Zedl: Angola-Tanganjika. 

5) C. b. rothschildi Zedl.: Gabun. 

IIa. «. 6) C. brachyura brachyura Vieill.: Süd-Afrika. 

7) C. b. pileata Rchw.: 0.- Afrika, Küste. 

8) G. b. congica Rchw.: Unterer Kongo, 

9) C. b. chloronota Rchw.: Togo— Kamerun. 
10) C. 6. granti Alex.: Fernando Po. 

ß. 11) C. griseoviridis griseoviridis v. Müll.: Nord-Eritrea— 
Weifser Nil. 

12) C. g. abessinica Zedl.: Hochland v. Eritrea— Nord- 
Somalilaud und abess. Seen-Geb. 

13) C. g. erlangen Rchw.: Süd-Somaliland. 

14) C. g. cÄrysocwcmis [Licht.] Zedl.: Senegal — Adamaua, 

15) C. g. tincia Cass.: Küste von Unter-Guinea. 

16) G. g. griseigula Sharpe: Ost- Afrika. 

17) G. g. harterti Zedl.: Nord- Angola. 

18) G. g. sharpei Zedl.: Südwest- Afrika. 

b. 19) G. toroensis Jacks.: Centralafrikanisches Seen-Geb. 

Am Schlufs meiner Arbeit ist es mir eine selbstverständliche 
Pflicht, den Herren meinen verbindlichsten Dank auch an dieser 
Stelle zu sagen, welche durch ihre freundliche Unterstützung 
allein es mir ermöglichten, zu Resultaten zu gelangen. Vor 
allem war es die Übersendung von reichlichem Vergleichs-Material 
aus den ihnen unterstellten oder gehörenden Sammlungen, für 
die ich aufrichtig dankbar bin, sodann aber auch für freundliche 




t<^. 



j^r ,^^ 




Revision des Genus Camaroptera. 345 

Hilfe durch vielerlei Informationen. Es gebührt somit ein 
besonderes Verdienst — wenn auch indirekt — an dieser ganzen 
Arbeit folgenden Herren: 

Prof. A. Reichenow, Berliner Museum, 

Prof. Knoblauch I. Direktor d. Senckenberg. Naturf. Ges. 
Prof. Koenig, Museum A. Koenig-Bonn, 
Frau Baronin v. Erlauger \ Kollection v. Erlanger 
Konservator Hilgert / Nieder-Ingelheim, 

Studienrat Dr. Lampert, Naturalienkabinett Stuttgart. 
Dank so viel liebenswürdiger Unterstützung habe ich ein 
Material von weit über 150 Exemplaren bearbeiten können und 
hoffe, der Lösung mancher Fragen näher getreten zu sein, wenn 
auch natürlich noch manches grofse Fragezeichen bestehen bleibt. 



Dr. Carl Parrot f. 

Von Dr. med. E. Sohnorr v. Oarolsfeld. 

Am 28. Januar ds. Jahres verschied rasch und unerwartet 
Dr. med. Carl Parrot in München. Nachdem er noch am 13. Jan. 
die Generalversammlung der Ornithologischen Gesellschaft in 
Bayern, anscheinend in voller Rüstigkeit, geleitet hatte, begab er sich 
in eine Klinik, um durch eine Operation Heilung von Beschwerden 
zu suchen, die ihn offenbar schon längere Zeit gequält hatten. 
Zuversichtlich und furchtlos nahm er von den Seinen Abschied, 
um sich der Operation zu unterziehen, nicht ahnend, dafs wenige 
Tage nachher er für immer von Allem, was er auf der Welt 
geliebt, scheiden sollte. Der chirurgische Eingriff, von bewährtester 
Hand vorgenommen, gestaltete sich wider Erwarten schwierig 
und kompliziert, und nach einigen Tagen banger Sorge führte 
eine unheilvolle Wendung im Krankheitsverlaufe binnen wenigen 
Stunden zu dem tötlichen Ausgang. 

Parrot war am 1. Februar 1867 zu Castell in Unterfranken als 
der Sohn eines praktischen Arztes, des nachmals in München 
verstorbenen Hofrates Dr. J. Parrot, geboren. Er besuchte in 
Würzburg das Gymnasium, übersiedelte 1884 mit seinen Eltern 
nach München, vollendete hier das Gymnasium und studierte in 
München, Berlin und Wien die medizinische Wissenschaft. Nach 
Absolvierung einer Tätigkeit als Assistent und Vertreter eröffnete 
Dr. Parrot in München seine Praxis als Frauenarzt. Neben seinen 
medizinischen Studien und seinen beruflichen Interessen lebte in 
ihm jedoch, von Kindheit an, eine tiefe und nachhaltige Neigung 
für das Studium der Vogelkunde, und mit dem Wachsen seiner 
Kenntnisse betrieb er sie mehr und mehr wissenschaftlich. Er 

Jonrn. f. Gm. LIX. Jahrg. April 1911. 23 



346 Dr. E. Schnorr v. Carolsfeld: 

beobachtete viel, legte sich eine Privatsammlung und eine orni- 
thologische Fachbibliothek an. Auch durch gröfsere Reisen nach 
England, Egypten, Griechenland und zuletzt durch einen Winter- 
aufenthaft an der Riviera und auf Korsika erweiterte er seine 
Kenntnisse und vermehrte seine Sammlung. Neben Beobachtungs- 
reisen im engeren Vaterlande gab ihm besonders auch die Jagd, 
der er auf seinem Revier am Ammersee in waidmännischer Weise 
oblag, reiche Gelegenheit zur Beobachtung der heimischen Vogel- 
welt. Die ornithologische Literatur bereichterte er durch viele, 
wertvolle Beiträge. 

Parrot begründete mit mehreren anderen Münchener Inte- 
ressenten i. J. 1897 den Ornithologischen Verein München, der 
i. J. 1904, als das Interesse an der Sache sich durch Vermehrung 
der Mitglieder und Beobachter auf ganz Bayern auszudehnen 
begann, in die Ornithologische Gesellschaft in Bayern umgewandelt 
wurde, deren I. Vorsitzender Parrot bis zu seinem Tode blieb. — 
Erst vor wenigen Jahren verheiratete sich Parrot, der Ehe ent- 
sprofsten eine Tochter und ein Sohn. Leider machten ihm in 
den letzten Jahren asthmatische Beschwerden viel zu schaffen 
und erforderten einen ausgedehnten Kurgebrauch. Die Rücksicht 
auf seine Gesundheit, sowie das stets mehr ihn in Anspruch 
nehmende Interesse an der ornithologischen Wissenschaft veran- 
lafsten ihn, sich von der ärztlichen Praxis zurückzuziehen. Als 
I. Vorsitzender der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern 
betätigte sich Parrot nach wie vor mit unermüdlichem Eifer und 
peinlicher Gewissenhaftigkeit, aufserdem bekleidete er das Amt 
eines wissenschaftlichen Arbeiters an der zoologischen Staats- 
sammlung in München. 

Als Gelehrter in der von ihm in so idealer Weise betriebenen 
Fachwissenschaft war Parrot ausgezeichnet durch seine Gründ- 
lichkeit und Vielseitigkeit. Er beherrschte nicht nur die syste- 
matische Ornithologie, sondern widmete sich auch der biologischen 
Beobachtung der freilebenden Vogelwelt mit begeisterter Hingabe. 
In seinen Beobachtungen war er von unbedingter Zuverlässigkeit. 
Er besafs auch ein tiefinnerliches Verständnis für den Reichtum 
an Poesie, der in dem Leben der Vögel liegt, und seine stille 
Bewunderung für die Natur und ihre Schönheiten war ein Grundzug 
seines Wesens. ~ Die Gebiete der Ornithogeographie und Mi- 
gration nahmen Parrots Interesse vielfach in Anspruch; mit 
wahrem Bienenfleifse hatte er schon vor mehreren Jahren alles 
ihm zugängliche Material zur Vogelzugsfrage gesammelt, um es 
später zusammenfassend zu bearbeiten. Eine gröfsere (von ihm 
und K. Bertram eingeleitete, von Gallenkamp bearbeitete) Sam- 
melforschung über das Eintreffen der Rauchschwalbe in Bayern 
verdient hier genannt zu werden; ebenso, dafs Parrot in letzterer 
Zeit dem Ringversuch auch für Bayern tatkräftige Aufmerksamkeit 
zuwandte. Dem Vogelschutz brachte er warmes Verständnis 
entgegen, insbesondere trat er energisch der gedankenlosen Ver- 



Dr. Carl Parrot f. 847 

nichtuDg der Raubvögel und aller seltener werdenden Vogelarten 
entgegen. Nicht allein der Erhaltung der gemeinhin als nützlich 
geltenden Vögel habe sich der Vogelschutz zuzuwenden, sondern 
alle Arten müfsten als Naturdenkmäler und wichtige Glieder im 
Haushalte der Natur vor Ausrottung bewahrt werden, das war 
der Grundsatz, für den Parrot oft mit Nachdruck eingetreten ist. 
Dem Landesausschufs für Naturpflege gehörte er als Mitglied an, 
und die warmen Worte der Anerkennung, die ein Vertreter 
dieser Korporation ihm in's Grab nachgerufen hat, waren gewifs 
berechtigt. — Wissenschaftlich in des Wortes bester Bedeutung, 
schätzte Parrot gleichwohl nicht den volkstümlicheren Zweig unserer 
Wissenschaft, die Vogelhaltung, gering, und wer hierüber in den 
Sitzungen der Gesellschaft einen Beitrag lieferte, konnte seines 
Interesses und seiner freundlichen Anerkennung sicher sein. Er gab 
wiederholt der Überzeugung Ausdruck, dafs eine verständig geübte 
Vogelhaltung nicht nur nicht zu verwerfen, sondern sogar geeignet 
sei, den Sinn und das Verständnis für die belebte Natur zu fördern. 

Parrots Lieblingswerk war der Ausbau der bayerischen, 
ornithologischen Landesforschung, deren Resultate alljährlich 
(neben Sitzungsberichten und Originalabhandlungen) in den 
„Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern", 
als in einem Archiv der bayerischen Avifauna, niedergelegt wurden. 
Das Netz von Beobachtern, welche der Abteilung für Beobach- 
tungsstationen der Ornithologischen Gesellschaft angehören, 
weist jetzt die stattliche Mitgliederzahl von 970 auf; es sind dies 
zumeist Forstbeamte, Präparatoren, Lehrer, Geistliche neben Ange- 
hörigen verschiedener anderer Stände. Gemäfs dieser eindringlichen 
und umfassenden Beschäftigung mit dem Gegenstande war Parrots 
Kenntnis der bayerischen Avifauna von fast unfehlbarer Sicherheit 
und Gründlichkeit. 

Mit Dr. Carl Parrot ist sohin ein Mann aus dem Leben 
geschieden, der in weiten Kreisen als Ornitholog ein berechtigtes 
Ansehen genofs; er wurde aber auch von Allen, die ihm als 
Freunde nahestanden, verehrt und geliebt. Er war keiner von 
denen, die ihr Inneres Jedem rückhaltlos erschliefsen ; er war von 
einer ruhigen Freundlichkeit gegen Jedermann; wo Temperament 
und Überzeugung ihn dazu drängten, da konnte er, wie jeder 
willensstarke Mann, einen Zug von herber Energie verraten. 
Jeder aber, der ihm nahe stand, kannte sein gutes und weiches 
Gemüt, fand bei ihm einen so reichen Schatz von Kenntnissen 
und Idealen, dafs er dem seltenen Manne in Freundschaft anhängen 
mufste. Parrot war auch keiner von denen, die das Leben leicht 
nehmen, trotzdem er für Humor stets ein volles und dankbares 
Verständnis hatte. Aber der leise Hauch von Schwermut, der 
zuweilen über seinem Wesen lag, hatte mit schwächlichem Pessi- 
mismus nichts zu tun: er war im Gegenteil bei ihm der Aus- 
druck einer tiefgründigen, ernsten Lebensauffassung, der jedes 
Halbe, Laue und Gleichgültige auf's Tiefste zuwider war. 

23* 



348 Dr. E. Schnorr von Carolsfeld: 

Aus zahlreichen Zuschriften von Nah und Fern lasen wir 
Münchener in tiefer Bewegung stets dieselben, mit nur wenig 
verschiedenen Worten ausgedrückten Empfindungen, in die auch 
uns der Tod Parrots versetzt hatte. Vielen der auswärtigen 
Fachkollegen hatte er auch noch vor wenigen Monaten auf dem 
V. Internationalen Ornithologenkongrefs in Berlin die Hand gedrückt. 
Die Teilnahme an diesem Kongrefs und die lange nachklingende 
Erinnerung an die schönen Tage in Berlin sind seine letzte, grofse 
Freude im Leben gewesen. 

So steht das Bild des Heimgegangenen vor uns als das 
eines tüchtigen, geachteten Forschers und Gelehrten, eines ehren- 
haften, aufrechten und biederen Mannes und eines guten, geliebten 
Freundes. Ehre seinem Andenken! 

Verzeichnis der omithologisclieii Schriften 
C. Parrot's. 

1. Seltenere Erscheinungen in der oberbayerischen Ornis; Ornith- 
Jahrbuch I, No. 7, 1890, p. 132—139. 

2. Ornithologisches aus dem Britischen Museum; Ornith. Monats- 
schrift (Gera) XII, 1891, p. 343-352. 

3. Über die Gröfsenverhältnisse des Herzens bei Vögeln; Zool. 
Jahrb., Abt. f. Systematik c. VII, 1894. p. 496-522. 

4. Zur Verbreitung des Girlitz in Süddeutschland, Orn. Monatsber. 
IL 1894, p. 105—109. 

5. Der Halsbandfliegenschnäpper {Muscicapa albicoUis T. = M. 
collaris Bebst.) als Brutvogel bei München ; Journ. f. Ornith. 
XLIII, 1895, p. 1-14. 

6. Versuch einer Ornis des Grödner Tals (SüdtiroU; Ornith. 
Monatsschr. (Gera) XXII, 1897, p. 47—55, 73-77. 

7. Kann unsere einheimische Forschung annähernd als abge- 
schlossen betrachtet werden? Jahr. Ber. des Ornith. Vereins 
München, I, 1897/98, p. 1 — 15. 

8. Die Vogelfauna von Japan, ebenda, p. 66—78. 

9. Materialien zur bayrischen Ornithologie, zugleich I. Beobacht. 
Ber. aus den Jahr. 1897 u. 98, ebenda, p. 83—152. 

10. Das Vorkommen von Muscicapa parva Bechst. in Bayern; 
Journ. f. Orn. XLVI, 1898, p. 57—59. 

11. Ornithologische Mitteilungen aus Bayern; 1. c. p. 59 — 60. 

12. Zur Ornis der ostfriesischen Inseln; 1. c. 60 — 61. 

13. Spätsommertage an der pommerschen Küste; Orn. Mon. Sehr. 
(Gera) XXIIL 1898, p. 170-175. 

14. Ergebnisse einer Reise nach dem Occupationsgebiete nebst 
einer Besprechung der gesammten Avifauna des Landes; 1. 
c. p. 310—322, 348—363. 

15. Falco cenchris in Bayern; Ornith. Jahrb. IX, 1898, p. 120. 

16. Zum gegenwärtigen Stande der Schreiadler-Frage; Journ. 
f. Ornith, XLVII, 1899, p. 1—32. 



Dr. Carl Parrot f. 349 

17. Zur uDgarischen Avifauna; Ornith. Monatsschr. XXIV, 1899, 
p. 33—37. 

18. Materialien zur bayer. Ornithol. IL, zugleich IL Beobacht. 
Bericht aus den Jahren 1899 u. 1900, unter Mitwirkung von 
L. Frhr. v. Besserer u. Dr. J. Gengier. IL Jahr. Ber. des 
Ornith. Vereins München, 1899/1900 p. 89—238. 

19. Sonderbeobachtung über RutkUla tithys, K phoenicura, Co- 
lumba palumbus und Cuculus canorus; 1. c. p. 272 — 324. 

20. „Fhplloscopus rufus sylvestris^'' Meisner und die Verbreitung 
der Laubvogelarten in der Schweiz; Journ. f. Orn. XLVIII, 
1900, p. 455—458. 

21. Ornithologische Wahrnehmungen auf einer Fahrt nach 
Ägypten; III, Jahr. Ber. des Ornith, Ver. München 1901/02, 
p. 89-138. 

22. Materialien zur bayerischen Ornithologie III, IIL Beobachtungs- 
bericht aus den Jahren 1901/1902. L c. mit Frhrn. v. 
Besserer u. D. J. Gengier, 1. c. p. 139 ff. 

23. Sonderbeobachtung über Columba palumbus^ Columha oenas^ 
Ruiicilla tithys^ Ruticilla phoenicura, Cuculus canorus. 1. c. 
p. 347-384. 

24. Die Schneegans in Bayern; Orn. Monatsschr, XXVII 1902, 
p. 442-445. 

25. Vom Liebesspiel der Bekassine {Gallinago gallinago L.); 
Orn. Monatsber. XII, 1904, p. 37—41. 

26. Parrot u. Leisewitz, Untersuchungen zur Nahrungsmittellehre 
der Vögel; Verhandlungen der Ornitholog. Gesellschaft in 
Bayern, V., 1904, p. 436—443. 

27. Materialien zur bayrischen Ornithologie IV. Beobachtungs- 
bericht aus den Jahren 1903—04, mit K. Bertram, L. Frhr. 
v. Besserer u. Dr. J. Gengier, l. c. p. 77 ff. 

28. Sonderbeobachtung über Columba palumbus, Columba oenas, 
Euticilla tithys, R. phoenicura, Cuculus canorus; 1. c. 
p. 299—335. 

29. Einiges vom Dachauer Moos; Ornith. Monatsschr. XXX, 1905, 
p. 71—80. 

30. Cyanopica cyanus japonica a. subspec, Orn. Monatsber. 
XIII, 1905,. p. 26. 

31. Kritische Übersicht der paläarktischen Emberiziden; Ornith. 
Jahrb. XVI., 1905, p. 1 — 50; 81 — 113. 

32. Über die Formen von Sitta europaea L.; 1. c. p. 114—127. 

33. Eine Reise nach Griechenland und ihre ornithologischen 
Ergebnisse; Journ. f. Orn. III, 1905, p. 515—556, 618—669. 

34. Materialien zur bayerischen Ornithologie V. V. Beobachtungs- 
bericht aus den Jahren 1905 u. 1906; Verhandlungen der 
Orn. Ges. in Bayern VII. 1906. p. 68—80. 

35. Sonderbeobachtung über Zug und Vorkommen von Columba 
palumbus, C. oenas, Ruticilla tithys, R. phoenicura und Cuculus 
canorus; l. c. p. 168—192. 



350 Dr. E. Schnorr v. Carolsfeld: Dr. Carl Parrot f- 

36. Vogelzugbeobachtungen auf Reisen; Globus, LXXXIX, 1906, 
p. 123—126. 

37. Zur Systematik der paläarktischen Corviden; Zoolog. Jahr- 
bücher, Abt. f. Systematik etc. XXIII, 1906, p. 257—294; 1. c. 
XXV, 1907, p. 1 — 78. 

38. Über eine Vogelsammlung aus Siam und Borneo ; Verhdlgen. 
der Orn. Ges. Bay. VIII, 1907, p. 97—139. 

39. Zwei neue Vogelformen aus Asien; Ornith. Monatsber. XV, 
1907, p. 168—171. 

40. Aves in: W. Filchner, Zoologisch-botanische Ergebnisse einer 
Reise durch China und Tibet. 1907; p. 126—133. 

41. Beiträge zur Ornithologie Sumatras und der Insel Banka, 
Abhdl. B. Akad. d. Wissensch. München, IL Gl. Bd. XXIV, 
1. Abt., 1907, p. 151—286. 

42. Materialien zur bayrischen Ornithologie VI. Beobachtungs- 
bericht aus den Jahren 1907 u. 1908, nebst einer Zusammen- 
stellung württembergischer Vogelzugsdaten aus dem Jahre 
1908; Verhdlgen. der Orn. Ges. i. Bay. IX, 1908, p. 68—84. 

43. Der Zwergfliegenschnäpper in Südbayern; 1. c. p. 226—227. 

44. Bericht über eine von Dr. E. Zugmayer in Chinesisch-Turkestan, 
Westtibet und Kaschmir zusammengebrachte Vogelsammlung, 
1. c. p. 228—266. 

45. Neue Vogelformen aus dem mediterranen Gebiet; Ornith. 
Monatsber. XVIII, 1910, p. 153 — 156. 

46. Zwei neue Bienenfresser-Formen aus Afrika; Ornith. Monatsber. 
XVIIJ, 1910, p. 12-13. 

47. Beiträge zur Ornithologie der Insel Korsika; Ornith. Jahrb. 
XXI, 1910, p. 121—166, (Schlufs noch nicht erschienen.) 



Deutsche Ornithoiogisehe Gesellschaft. 
Bericht über die Dezembersitzung 1910. 

Verhandelt: Berlin, Montag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr, 
im Architekten-Vereinshause, Wilhelmstrafse 9211. 

Anwesend die Herren: v. Lucanus, v. Versen, K. Neunzig, 
Schiller, Radler, Jung, Krause, v. Treskow, Schalow, 
Reichenow, Deditius, K, Kothe, Haase und Heinroth. 

Als Gäste die Herren: v. Oertzen, Brehm, B. und W. 
Miethke, Zimmermann, Krech, v. Sommerfeld, Henne- 
mann, Detmers, Schwarz, Pohl, Hamburger und Frau 
Heinroth. 

Vorsitzender: Herr Schalow. 

Schriftführer: Herr Heinroth. 

Zu dem Bericht der Novembersitzung bemerkt Herr Detmers, 
dafs er beobachtet habe, wie eine Krähe sich nicht nur Ameisen 
zwischen die Federn gesteckt, sondern sich sogar in einem 



Bericht über die Dezembersitzung 1910. 351 

Ameisenhaufen gebadet habe, Herr Neunzig hat auch hei Leiothrix 
und verschiedenen Garrulax- Arten gesehen, wie sie sich sogar 
Mehlwürmer am Gefieder abrieben. 

Herr Reichenow bespricht die eingegangene Literatur, 
Herr Krause hat zwei Farbentafeln, welche Dunenjunge von 
Totaniden sowie Fodiceps und Fulica darstellen, angefertigt, die 
ganz reizend ausgefallen sind. Herr Schalow hat von Herrn 
0. Reiser-Sarajewo ein Album geschickt bekommen, in dem sehr 
schöne Photographien der bosnischen Abteilung der Wiener Jagd- 
ausstellung enthalten sind. 

Herr v. Lucanus berichtet hierauf über seinen Aufenthalt 
in Rossitten, der sich über die zweite Hälfte des Oktobers erstreckt 
hat. Er hatte diese Zeit gewählt, weil in sie erfahrungsgemäfs 
die besten Raubvogelzugtage zu fallen pflegen. Leider hatte er 
jedoch kein Glück, und die ganze Zeit hindurch war von Vogel- 
zug recht wenig zu bemerken. Es wurden namentlich Krähen 
beobachtet, die bei windstillem, schönem Wetter etwa gegen 
200 m, bei starkem Südwind etwa 20 m hoch zogen. Bei 
Nebel verlief der Krähenzug sehr langsam, um erst nach 
völliger Aufklärung stark einzusetzen. Die sonst um diese Jahres- 
zeit sehr zahlreichen Drosseln, Rotkehlchen, Stare, Berg- und 
Buchfinken fehlten fast gänzlich, dafür konnte man ganz riesige 
Schwärme von Äcanthis linaria und Äcredula caudata, die sonst 
recht selten nach Rossitten kommen, beobachten. Zum ersten 
Male erschien- ein Dendrocopus minor, ein Ruticilla titys-W eWichen 
und eine Sitia, ferner zogen Sumpfmeisen und Sumpfohreulen 
durch, letztere trieben sich merkwürdigerweise etwa 3 — 400 m 
von der Küste auf dem Meere gaukelnden Fluges umher. Schon 
am 18. Oktober wurden ein Seidenschwanz und mehrere Tannen- 
heher beobachtet, die jedoch späterhin ausblieben. Für das Fehlen 
eines starken Vogelzuges war der Vortragende durch den prächtigen 
und häufigen Anblick zahlreicher Elche und das Auffinden eines 
weifsen Rehes entschädigt worden. 

Herr Schalow hat von Herrn Baron London aus 
Finnland die Nachricht erhalten, dafs zu der entsprechenden Zeit 
dort ganz ungeheure Schwärme von Ä. linaria beobachtet worden 
sind. Herr D e t m e r s ist der Ansicht, dafs der sonst über Rossitten 
gehende Vogelzug wohl in diesem Jahre nicht, wie Herr v. Lucanus 
meinte, vorher und unbemerkt verlaufen ist, sondern die Vögel 
hätten sich wohl offenbar des scharfen, ihnen entgegenstehenden 
Windes wegen eine andere Zugstrafse ausgesucht: er glaubt sich 
nach seinen Beobachtungen an der holländischen Grenze zu 
diesem Schlüsse berechtigt. Ferner hält er es für nicht aus- 
geschlossen, dafs Äsio accipitrinus auf dem Meere gefischt habe. 
Herr Heinroth meint, dafs man vor allen Dingen nachforschen 
müsse, wie sich die Witterungsverhältnisse in den Brutgebieten 
der betreffenden Vogelarten gestaltet hätten. Wenn zu uns seltene 
nordische Gäste auffallend früh kommen, so beweist dafs nicht. 



352 Bericht über die Dezembersitzung 1910. 

dafs wir hier einen strengen Winter zu erwarten haben, sondern 
dafs in der Heimat dieser Vogelarten der Winter bereits herein- 
gebrochen ist. Nach Aussage des Herrn v. Lucanus hat Herr 
Thienemann-Rossitten bereits in diesem Sinne in Finnland 
angefragt. 

Herr Hamburger äufsert sich dahin, dafs alle Vögel wohl 
stets eine bestimmte Zugzeit einhalten. Auf Helgoland gelte 
der Satz: Zeit vorbei, Zug vorbei. Die Vögel sind dann eben 
nach Ablauf des betreffenden Termines unbemerkt, entweder 
nachts in bedeutender Höhe oder seitlich vorbei gezogen, während 
Herr v. Lucanus der bestimmten Ansicht ist, dafs die Zugvögel, 
wenn zu der gewohnten Jahreszeit abnorme Witterungsverhält- 
nisse eintreten, das Fortziehen unter Umständen vergessen und 
schliefslich zu Grunde gehen. Auch glaubt er nicht, dafs sich 
die Tiere je nach den meteorologischen Verhältnissen eine beson- 
dere Zugstrafse auswählen könnten, dazu hält er die ganze Er- 
scheinung für viel zu reflektorisch. Es sei ganz auffallend, mit 
welcher Genauigkeit die einzeln ziehenden Raubvögel auf Rossitten 
über fast genau dieselben Punkte flögen: die Sperber und Rauh- 
fufsbussarde fliegen beinahe über denselben Ast eines Baumes, 
über den das etwa 5 bis 10 Minuten vorher durchgekommene 
Stück gezogen ist. Er meint, dafs die vielen, bei seiner Anwesen- 
heit in Rossitten vollkommen fehlenden Zugvogelarten wohl schon 
vorher dort durchgekommen sind, da es im Nordosten früh kalt 
geworden sei, wofür ja auch das Eintreffen von Seidenschwanz 
und Tannenheher spricht. 

Herr Hamburger glaubt, dafs die erwähnten Sperber 
und Rauhfufsbussarde sich vielleicht doch noch hätten sehen 
können und also ihrem Vordermanne genau gefolgt wären. Er 
glaubt, dafs Vögel, welche in grofsen Schwärmen reisen, mithin 
also eine breite Zugstrafse haben, doch wohl durch widrige 
Wetterverhältnisse aus ihrer Bahn abgelenkt und somit einen 
anderen, ihnen geeigneter erscheinenden Weg einschlagen könnten. 
Herr Detmers bestärkt ihn in dieser Ansicht. Auf der kurischen 
Nehrung sei allerdings wenig Platz zum Abweichen, an der 
holländischen Grenze dagegen sei die Zugstrafse der Kraniche 
etwa 30 Kilometer breit, und namentlich die Wasservögel suchen 
an kalten Tagen ganz andere Gegenden auf, als bei warmem 
Wetter. 

Herr Schalow macht darauf aufmerksam, dafs von N. 
Sarudny in den Ornithologischen Monatsberichten dieses Jahres 
(No. 9, S. 147) eine neue Art, Clivicola hükemtschi, und in der- 
selben Zeitschrift (No, 13, S. 187) eine weitere, Riparia hilkewitschi, 
beschrieben worden sind. Da die von Forster 1817 aufgestellten 
Gattungen Uiparia und Clivicola synonym sind, so müfste die 
von dem russischen Ornithologen beschriebene Art, in der An- 
nahme, dafs sich beide Beschreibungen auf die gleiche Species 
beziehen, als Riparia hilkewitschi geführt werden. Es ist aber 



Bericht über die Dezembersitzung 1910. 353 

anzunehmen, dafs sich die a. a. 0. gegebenen Beschreibungen auf 
zwei verschiedene Arten beziehen, wenngleich sie beide bei der 
Stadt Termes, im Chanat Buchara, gesammelt wurden. Sarudny 
vergleicht nähmiich Clivicola bükewitschi mit Cotyle riparia 
diluta Sharpe und Wyatt, seine Riparia hilJcewitschi aber mit 
Riparia sinensis J. E. Gray. Sind aber beide Arten different, 
so mufs die letztere einen neuen Namen haben. 

Herr Reichenow hat von Herrn W eigold-Helgoland 
einen am 5. November d. J. erlegten Ammer geschickt bekommen, 
der sich als Emhcriza spodocephala erwiesen hat. Jedoch ist der 
Bauch bei diesem Stück statt gelblich reinweifs. Es ist das 
erste Mal, dafs diese Art für Deutschland nachgewiesen ist. 

O. Heinrotli. 



Bericht über die Januarsitzung 1911. 

Verhandelt: Berlin, Montag den 9. Januar, abends 8 Uhr, 
im Architekten- Vereinshause, Wilhelmstrafse 9211. 

Anwesend die Herren: v. Lucanus, Graf Zedlitz- 
Trützschler, v. Versen, K. Neunzig, Schiller, 0. Neu- 
mann, K. Kothe, Jung, Krause, von Treskow, Schalow, 
Reichenow, Rörig, Thienemann und Heinroth. 

Als Gäste die Herren: v. Oertzen, Brehm, Schwarz, 
Riesenthal, Hamburger und Frau Heinroth. 

Vorsitzender: Herr Schalow. 

Schriftführer: Herr Heinroth. 

Herr Schalow begrüfst die Anwesenden im neuen Jahre 
und gibt der allgemeinen Befriedigung über den Verlauf des 
V. Internationalen Ornithologenkongresses Ausdruck: Es war für 
die ornithologische Gesellschaft und namentlich für die Herren 
des Kongrefsausschusses ein arbeitsreiches Jahr. Herr Reichenow 
gedenkt hierauf des am 5. Januar 1911 erfolgten Todes des 
81jährigen Barons Richard König von Warthausen, der 
59 Jahre der ornithologischen Gesellschaft angehört hat. Früher 
hat er sich namentlich oologisch betätigt, in der letzten Zeit 
veröffentlichte er in den Jahresheften des Vaterländischen Vereins 
zu Württemberg Überblicke über ornithologische Seltenheiten. 
Aufserdem ist der durch seine Reisen und Veröffentlichungen, 
welche die Ornithologie Afrikas zum Gegenstand ihrer Forschungen 
machten, berühmte Kapitän Shelley kürzlich verstorben. Zahl- 
reiche Arbeiten sind von ihm in The Ibis und den Proceedings of 
the Zool. Society of London erschienen. Unter selbständig 
erschienenen Werken sind besonders „A Monograph of the Nectari- 
niidae" und das leider unvollendet gebliebene Werk „The Birds 
of Africa" zu nennen. 

Gelegentlich der Besprechung der eingegangenen Bücher 
und Zeitschriften regt Herr Reichenow die Frage an, ob es möglich 



354 Bericht über die Januarsitzung 1911. 

sei, dafs freilebende Vögel durch fortgesetzte Wegnahme ihrer 
Eier dazu veranlafst werden können, „sich tot zu legen'', und 
Herr Thienemann bemerkt hierzu nach seinen Erfahrungen aus 
dem Möwenbruch in Rossitten, dafs die Lachmöwen schliefslich 
sehr helle und dünnschalige Eier legen, endlich, wenn ihnen ihr 
Gelege dauernd geraubt werde, finde man dann tote Weibchen. 
Bei Sperlingen habe sein Vater festgestellt, dafs das betreffende 
Weibchen nach Wegnahme des 17. Eies eingegangen sei. Herr 
Heinroth bemerkt zu dieser Frage, dafs man sich hier sehr vor 
Verallgemeinerungen hüten müsse. Denn wenn auch viele Vögel, 
namentlich solche, die auch sonst häufig in die Lage kommen, 
ihre Eier durch Unfälle und Feinde zu verlieren, zahlreiche Ersatz- 
eier hervorbringen können, so tun dies wieder andere, z. B. 
die grofsen Adler- und Geierarten, anscheinend so gut wie nie. 
Aufserdem scheinen bei sehr vielen Vogelarten Eier nur bis zu 
einem bestimmten Datum hin erzeugt werden zu können. Nach 
diesem hört das Fortpflanzungsvermögen auf und die Mauser 
tritt ein. Nach dieser Zeit legen die Tiere also unter keinen 
Umständen mehr, sodafs das „Sich-totlegen" hier wohl so gut wie 
nie vorkommt. Herr Krause berichtet, dafs der Wanderfalk 
nach Verlust seines Geleges nach 21 Tagen ein Nachgelege macht, 
das gewöhnlich statt aus vier nur aus drei Eiern besteht. Nimmt 
man ihm auch diese, so kommt in ganz seltenen Fällen noch ein 
drittes nur au.s zwei Eiern bestehendes Gelege zu Stande. Herr 
Riesen thal bestätigt diese Angabe: auch hier kommt es also nicht 
dazu, dafs die Tiere „sich tot legen". 

Herr Heinroth macht die Mitteilung, dafs aus Belgien z. Z. 
blaue Wellensittiche angeboten werden. Diese Varietät ist sehr 
selten und kommt wohl in folgender Weise zu Stande: Das 
Grün des Wellensittichs und auch der meisten anderen Vögel 
entsteht dadurch, dafs sich auf einer dunkelbraunen Schicht 
durchsichtige Schirmzellen befinden, auf die wieder eine dünne 
Lage gelben Farbstoffs gelegt ist. Fehlt das dunkle Pigment, 
so sind die Wellensittiche gelb, fehlt die oberste gelbe Schicht, 
so sind sie blau. Beim normalen Vogel mischt sich das Blau 
und Gelb für unser Auge zu Grün. Ferner hat Herr Heinroth 
ein Schreiben des Herrn Graham aus Netherbury-Cumberland 
erhalten des Inhalts, dafs dieser Herr jeden Winter eine grofse 
Anzahl, zusammen etwa 1400 Stock-, Krick- und Pfeifenten 
einfängt, den Tieren die Federn je eines Flügels beschneidet 
und sie dann den Winter über auf einem Waldteiche hält. 
Gegen Ende des Februars werden den Enten die abgeschnittenen 
Federspulen ausgezogen und ein grofser Teil dieser Vögel erhält 
einen mit R. G. gezeichneten Fufsring. In einigen Wochen 
haben die Tiere durch Nachwachsen der Schwingen ihre Flug- 
fähigkeit wieder erlangt und verschwinden allmählich. Sowohl 
im Jahre 1909 als 1910 wurde je eine dieser Pfeifenten Mitte 
Juni in Holstein bezüglich in Mecklenburg erlegt, und dem 



Bericht über die Januarsitzung 1911. 355 

Berichterstatter ist es auffallend, dafs die für gewöhnlich doch 
recht spät im Jahre ziemlich hoch im Norden brütende Pfeifente 
im Sommer in Deutschland angetroffen wurde. Ferner hat Herr 
Heinroth von Herrn Alexander Falz-Fein in Askania-Nova, 
Südrufsland, ein ausführliches Schreiben üder seine vorjährigen 
Zuchterfolge erhalten, in dem sich auch sonst viele interessante 
ornithologische Mitteilungen befinden, von denen hier die haupt- 
sächlichsten angeführt seien. Bei den sich vollkommen frei 
bewegenden Lophophorus impeyanus wurde die Erfahrung gemacht, 
dafs die Hennen ihre Eier nicht nach sonstiger Hühnerart auf 
dem Boden ablegten, sondern sie versuchten auf erhöhten 
Punkten, wie Dächern und ähnlichem zu nisten, was ihnen 
wegen ungeeigneter Unterlage nicht gelang. Ein Versuch mit 
der freien Haltung von Catreus wallichi mifslang. Die Tiere 
halten sich nicht wie andere Fasane an den Wald, sondern 
wandern auf Nimmerwiedersehen in die Steppe aus, indem sie 
unaufhaltsam im Grase fortgehen. Herr Heinroth führt dies 
darauf zurück, dafs diese Art nicht wie ihre Verwandten den 
Wald und hohes Buschwerk als Deckung ansieht und es daher 
vermeidet, sich weit auf offenes Gelände hinauszubegeben, sondern 
nach indischen Berichten lebt Catreus im dicht mit Schlingpflanzen 
durchwachsenen, hohen Grase. Sehr interessant ist das Verhalten 
von zwei im Jahre 1907 in Askania-Nova gezüchteten freifliegenden 
gewöhnlichen Kranichen. Die Tiere blieben bis zum Frühjahr 
1908 bei ihren Eltern, zogen dann zu P'Inde des April weg und 
stellten sich erst im August wieder ein. Die folgenden Zugzeiten 
gingen spurlos an ihnen vorüber. Merkwürdigerweise zogen sie 
aber mit anderen Durchzüglern Mitte Oktober 1910 weg, um 
nach 6 Wochen plötzlich wieder zu erscheinen. Die Tiere sehen 
demnach offenbar Askania-Nova für ihr Winterquartier an und 
kehren, auch wenn sie den wilden Artgenossen beim Herbstzuge 
gefolgt sind, wieder dahin zurück. Sehr dankenswerterweise 
hat Herr Falz-Fein eine gröfsere Anzahl der dort brütenden 
Störche, Abendfalken, Roten Casarcas und anderen Vögel mit 
Rossittener Fufsringen versehen lassen, auf deren Wiedererlangung 
man gespannt sein darf. 

Herr Reiche now legt eine neue Kalanderlerche mit rot- 
brauner Kopfplatte aus Kansu vor, die der Melanocorypha maxima 
ähnlich ist. Derselbe legt drei von HerrnDr. Biedermann-Imh oof 
erhaltene recht verschiedene geographische Formen von Caccabis 
saxatilis vor, worüber in den ürn. Monatsberichten bereits Näheres 
mitgeteilt ist. 

Ferner hat Herr Reichenow eine sehr wertvolle Sammlung 
von Kamerunvögeln bekommen, die von der Expedition stammen, 
welche den Botaniker Ledermann zum Führer hatte. Herr 
Riggenbach war als Zoologe dabei tätig und hat in einem 
Jahre 1000 Vogelbälge in 300 Arten zusammengebracht, worunter 
34 neue und 180 bis jetzt noch nicht aus Kamerun bekannte 



356 Beriebt über die Januarsitzung 1911. 

Formen sind, sodafs die Vogelfauna dieses Landes sich jetzt auf 
660 Spezies beläuft. Herr Riggenbach hat insbesondere die 
bis jetzt noch fehlenden Steppenformen gesammelt und nachge- 
wiesen, dafs auch einige bisher nur aus dem Osten und Süden 
Afrikas bekannte Arten auch in Kamerun leben, so Anas sparsa, 
Ahdimia abdimi, Gyps rüppelli u. a. Der Vortragende legt meh- 
rere neu beschriebene Arten vor. Eine ausführliche Arbeit über 
die Sammlung erscheint in den „Mitteilungen des Berliner Zoo- 
logischen Museums." 

Herr K. Kothe legt das in den letzten Ornithologischen 
Monatsberichten von ihm beschriebene neue Perlhuhn Numida 
frommi vor. 

Herr Neu mann macht im Anschlufs daran darauf auf- 
merksam, dafs anscheinend zwei Gruppen in der Gattung Numida 
zu unterscheiden seien, die eine mit hartem, die andere mit weichem 
Helm, worauf noch nicht genügend geachtet sei. Auch die Farbe 
des Helms sei bei beiden Gruppen verschieden. 

Zum Schlufs legt Herr Krause noch einen Mischling zwi- 
schen Eniberiza leucocephala und cürinella vor, den Herr Wache 
vom Altai mitgebracht hat. O. Heinroth. 

In der Februarsitzung der Gesellschaft fand Vorführung 
farbiger Lichtbilder statt nach Photographien, die nach der Mie- 
theschen Dreifarben -Photographie von den Herren Geheimrat 
Miethe und Graf Zedlitz auf Spitzbergen aufgenommen waren. 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

Aquila. Zeitschrift für Ornithologie. Red. 0. Herman. T. 17. 

Budapest 1910. 
The Auk. A Quarterly Journal of Ornithology. Vol. XXVHL 

No. 1. 1901. 
Bulletin of the British Ornithologists' Club. No. CLXV-CLXVH. 

1911. 
The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. (9.) V. 1911. No. 17. 
The Journal of the South African Ornithologists' Union. Ed. by 

J. W. B. Gunning, A. Haagner and B. C. R. Langford. Vol. 6. 

No. 2. 1910. 
Ornithologische Monatsschrift 36. No. 1—3. 1911. 
Zeitschrift für Oologie. Herausg. v. G. Krause (F. Lehmann, 

Stuttgart). 1. No. 1. 1911. 
Conte Arrigoni Degli Oddi, Commemorazione di Richard 

Bowdler Sharpe fatta alla Societa Zoologica Italiana. (Ab- 
druck aus: Bull. Soc. Zool. Ital. XL 1910). 
— [Hierofalco cherrug in Tunisia]. (Abdruck aus: The Ibis Jan. 

1910). 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 357 

Conte Arrigoüi Degli Oddi, Nota ornitologica sopra la recente 
cattura della Geocichla sibirica in Italia. (Abdruck aus: Atti 
Ist. Veneto Sc. lett. arti 70. Parte seconda ott. 1910). 

— Notizie sopra un individuo albino di mestolone o spatula 

clypeata. (Abdruck aus: Diana 5 Fase. 52 No. 8). 

— Note sul secondo Congresso internazionale della caccia a Vienna 

nel settembre 1910. (Abdruck aus: Diana 5. Fase. 55. No. 11). 

F. M. Bailey, The Red-headed Woodpecker. (The Nat. Ass. 

Audub. Soc. Educat. Leafl. 43). 

A. Bau, Zehnjährige Beobachtungen über wechselnde Ab- und 
Zunahme von Singvögeln in Vorarlberg. (Abdruck aus: Orn. 
Jahrb. 21. 1910). 

0. De Beaux, II primo Turdus Sibiriens cattura in Italia. (Ab- 
druck aus: Boll. Soc. Zool. Ital. 11. 1910). 

G. Clodius, 7. ornithologischer Bericht über Mecklenburg (und 

Lübeck) für das Jahr 1909. (Abdruck aus: Arch. Ver. Fr. 
d. Naturg. in Mecklenb. 64. 1910). 

E. Csiki, Positive Daten über die Nahrung unserer Vögel. 
Siebente Mitteilung. (Abdruck aus: Aquila 1910). 

L. Dobbrick, Zur Ornis des Weichseltales. (Abdruck aus: 
Jahrb. westpreufs. Lehrerver. f. Naturkunde Jahrg. 4/5. 
1908 u. 9). 

A. Dubois, Les espeees et les varietes du genre Loxia. (Ab- 
druck aus: Rev. frang. d'ornith. No. 19. 1910). 

— Description d'oiseaux nouveaux du Congo Beige. (Abdruck 

aus: Revue frang. d'Ornith. No. 22. 1911). 
H. Ekama, Der Vogelzug in Holland im Jahre 1909. IV. Bericht, 

(Abdruck aus: Aquila 17. 1910). 
W. Faxon, Brewster's Warbier. (Mem. Mus. Comp. Zool. at 

Harvard Colleg 40. No. 2. Cambridge 1911). 
J. F. Ferry, Catalogue of a coUection of birds from Costa Rica. 

(Field Mus. Nat. Hist. I, No. 6. Ornith. Series Public. 146 

Chicago). 
E. Gresehik, Der Vogelzug in Ungarn im Frühjahre 1909. 

(Abdruck aus: Aquila 1910). 

— Magen- und Gewöll- Untersuchungen unserer einbeimischen 

Raubvögel. 1. Mitteilung. (Abdruck aus: Aquila 1910). 
J. Grinnell, The Linnet of the Hawaiian Islands: A Problem 
in Speciation. (Abdruck aus: Univ. of California Public, in 
Zoology Vol. 7 No. 4 1911). 

— The Modesto Song Sparrow. (Abdruck aus: Univ. of 
California Public, in Zoology Vol. 7 No. 5 1911). 

J. W. B. Gunning and A. Haagner, A Check-List of the Birds 
of South Africa. (Supplement to the Annais Transvaal 
Museum 2. July 1910). 



358 Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

N. Gyldenstolpe, Bidrag tili Kännedomen om det högre djur- 
lifvet i Algeriet. (Abdruck aus: Fauna och Flora 1910). 

E. Hartert, Miscellanea ornithologica: Critical, nomenclatorial 
and other notes, mostly on Palaearctic Birds and their allies. 
(Abdruck aus: Novit, zool. 17. 1910). 

— On the eggs of the Paradiseidae (Abdruck aus: Novit. Zool. 

17. 1910). 

J. Hegyfoky, Der Vogelzug und die Witterung im Frühling 
des Jahres 1909. (Abdruck aus: Aquila 1910). 

A. Hemprich, Führer durch das Museum Heineanum (Heinesche 
Vogelsararalung) in Halberstadt. 1910). 

0. Herrn an, Johann Friedrich Naumann in Ungarn im Jahre 
1835, Gedenkblatt, dem im Jahre 1910 in Berlin tagenden 
V. Internationalen Ornithologen-Kongrefs gewidmet. Buda- 
pest im Mai 1910. (Abdruck aus: Aquila 17. 1910, I— VII 
T. A u. B.). 

H. K. Job, Franklin's Gull. (The Nat. Ass. Audub. Soc. Educat. 
Leaflet 44). 

L. Kenessey v. Kenese, Die Reiherinsel von Adony. (Ab- 
druck aus: Aquila 17. 1910). 

E. Lampe, Zur Wirbeltier-Fauna des Regierungsbezirks Wies- 

baden. (Abdruck aus: Jahrb. Nassau. Ver. Naturk. 63. 1910). 
A. Lavalle, Die Rasse- und Nutzgeflügelzucht in Schiff'mühle. 
(Abdruck aus: Unser Hausgeflügel. Handbuch über Zucht, 
Haltung u. Pflege unseres Hausgeflügels 2. Aufl. Berlin). 

F. Lindner, Am Nistplatz des Thüringer Steinsperlings. (Ab- 

druck aus: Orn. Mntssch. 36. No. 1). 
A. Menegaux, Sur les Oiseaux sedentaires dans les bassins du 
Pungoue et du Bas Zambeze. (Bull. Soc. Philom. Paris 
(X) Tome 2 No. 2/3 1910). 

— Etüde des oiseaux de l'fiquateur rapportes par le Dr. Rivet. 

(Abdruck aus: Mission du service geogr. de l'armee pour la 
mesure d'un Are de Meridien Equatorial en Amörique du 
Sud 1899—1906 Tome 9). 

J. Michel, Einige Zugbeobachtungen aus dem Eibtale bei 
Bodenbach. (Abdruck aus: Aquila 17. 1910). 

L. V. Mierzejewski jun., Verzeichnis der Wierbeltiere der 
Insel Oesel (Livland, Rufsland). (Abdruck aus: Verhandl. 
zool. bot. Ges. Wien 1910.) 

J. G. Needham, Practical Nomenclature. (Abdruck aus: Science 
32 No. 818 1910). 

C. Par rot, Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in 
Bayern 10. Bd. 1909. München 1911. 

F. Peckelhoff, Das Schwinden des weifsen Storches. (Lü- 
beckische Blätter No. 38 1910). 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 359 

L. Rhumbler, Über eine Zwecksmäfsige Weiterbildung der 
Linneschen binären Nomenklatur. (Abdruck aus: Zool. An- 
zeiger 36. Bd. No. 26 1910). 

T. Salvadori e E. Festa, Nuova specie del genere Thinocorus. 
(Boll. Mus. Zool. Anat. comp. Torino No. 631). 

E. Schaff, Unser Flugwild. (Naturwiss. Wegweiser. Samml. 
gemeinverst. Darstellungen Ser. A Bd. 19, herausg. v. Prof. 
Dr. K. Lampert, Stuttgart). 

J. Schenk, A madärvonuläs kerdesenek kiserleti vizsgälata. 
(Abdruck aus: Aquila 17. 1910). 

— Von der Vogelwelt verhinderte Heuschreckenplage. (Abdruck 

aus: Aquila 17. 1910). 

— Bericht über die Vogelmarkierungen im Jahre 1910. (Abdruck 

aus: Aquila 17. 1910). 

Y. Sjöstedt, Wissenschaftliche Ergebnisse der Schwedischen 
Zoologischen Expedition nach dem Kilimandjaro, dem Meru 
und den umgebenden Massaisteppen Deutsch-Ostafrikas 1905— 
1906. I. Die Tierwelt der Steppen und Berge. 

R. Baron Snouckaert van Schauburg, Ornithologie van 
Nederland. Waarnemingen van 1 Mai 1909 tot en met 30 April 
1910. (Abdruck aus: Tijdschr. Ned. Dierk.Vereen. (2.) 12. Afl. 1). 

W. Stone, The Orchard Oriole. (The Nat. Ass. Audub. Soc. 
Educat. Leafl. 42). 

H. S. Swarth, Two new species of Marmots from Northwestern 
America. (Abdruck aus: Univ. of California Public, in 
Zoology Vol. 7 No. 6 1911). 

— Birds and Mammals of the 1909 Alexander Alaska Expedition. 

(Un. California Publicat. in Zoology Vol. 7 No. No. 2 1911). 
L. v. Szemere, Die relative Verbreitung der Wachtel und des 

Rebhuhns in Ungarn. (Abdruck: aus Aquila 17. 1910). 
W. P. Taylor, An apparent Hybrid in the Genus Dendroica. 

(Abdruck aus: Univ. of California Public, in Zoology Vol. 7 

No. 3 1911). 
J. Thienemann, Der Zug des weifsen Storches (Ciconia ciconia) 

auf Grund der Resultate, die von der Vogelwarte Rossitten 

mit den Markierungsversuchen bisher erzielt worden sind. 

(Abdruck aus: Zool. Jahrb. Suppl. 12 Heft 3 1910). 
Victor Ritter V. Tschusi zu Schmidhoffen, Ornithologische 

Literatur Österreich-Ungarns 1909. (Abdruck aus: Verhandl. 

zool. bot. Ges. Wien 1910). 

— Ornithologische KoUektaneen aus Österreich-Ungarn. (Abdruck 

aus: Zool. Beobachter 51. Heft 7—9 1910). 
R. Zimmermann, Nutzen und Schaden unserer Vögel. Leipzig 
(Th. Thomas). 



360 



Soeben erschienen! 




Wissenschaftliche Ergebnisse 

der schwedischen zoologischen Expedition nach dem 

Kilimandjaro, dem Meru 

lind den umgebenden Massaisteppen Deutsoh-Ostafrikas 

1905-1906 

unter Leitung von 

Prof. Dr. Yngve Sjöstedt. 

Herausgegeben mit Unterstützung der Königlichen Schwedischen 
Akademie der Wissenschaften. 

3 Bände 4«. Mit 2328 Seiten, 87 Tafeln und 175 Textfiguren. 

P. Palmquist's A. G. Verlag in Stockholm. 

Preis 250 Mark. 



Dieses "Werk ist in der Forschungsgeschichte Schwedens einzig in seiner 
Art und das gröfste, das über eine schwedische zoologische Reise herausgegeben 
worden ist. Es ist auf einer Grundlage von über 59000 von der Expedition 
mitgebrachten Tieren ausgearbeitet und behandelt über 4300 Arten, von denen 
sich mehr als 1400 als für die Wissenschaft neu erwiesen haben. Unentbehrlich 
für jeden Forscher, der sich mit der afrikanischen Tierwelt beschäftigt. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE. 



Neunundfiinfzigster Jahrgang. 



No. 3. Juli 1911. 

Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 

1910. 
Von Dr. Erioli Hesse. 

Eine Reihe von Beobachtungen und Aufzeichnungen aus 
dem Jahr 1910 möge im folgenden wiederum in Kürze mitgeteilt 
werden. 

Zunächst einige wenige Worte über das Leipziger Gebiet. 
Mehrmals besuchte ich die ehedem regelmäfsig von mir beobachteten 
Bezirke und habe daselbst auch die selteneren Arten wie früher 
angetroffen; ich werde dies jedoch nun nicht jedesmal wieder im 
einzelnen angeben, sondern behalte mir vor, späterhin im Zu- 
sammenhang bei andrer Gelegenheit darauf zurückzukommen. 
Nur die nachstehenden paar Bemerkungen seien hier verzeichnet. 

Tadorna tadorna L. Rohrbach : Nach Aussage der Anwohner 
soll sich Anfang März auf dem Mühlteich wiederum eine Brand- 
gans gezeigt haben. Bezüglich des Vorkommens dieser Art im 
Gebiet verweise ich auf meine früheren Angaben im Journ. f. 
ürn. 1907, S. 104; 1908, S. 265 u. 281. 

Otis tarda L. Gundorf: 26. IIL 3 St. sehr hoch nach W. 
Überhin. 

Fernis apivorus L. „Unser" Wespenbussard im Leipz. Zool. 
Garten (vgl. die beid. vor. Berichte) ist immer noch von bestem Wohl- 
sein, wie ich mich bei einem Besuch am 27. XL überzeugen konnte; 
das Gefieder zeigt abermals nur geringe Veränderung gegen das 
Vorjahr, indessen macht die dunkel rotbraune Grundfarbe mehr 
und mehr einem ebenso dunklen Sepia Platz; der Zustand dieses 
seines Federkleides ist nach wie vor tadellos, vor allem auch der 
lange Schwanz nicht verstofsen. Der Vogel hat sich nun also 
fast schon 2V2 Jahre, Sommer und Winter im Freien, aus- 
gezeichnet gehalten. — In allen den hier in Frage kommenden 
Forsten im Süd-Osten, Süden und Nord-Westen von Leipzig traf 
ich auch dies Jahr Brutpaare des Wespenbussards, in den 
angrenzenden grofsen preufsischen Forsten begegnete ich ihm 

Joum. f. Om. LLX. Jahr«. Juli 1911. 24 



362 Dr. Erich Hesse: 

gleichfalls verschiedentlich; sein Bestand an Brutpaaren ist jetzt 
im Leipziger Gebiet ungefähr der gleiche wie beim Mäusebussard. 

Syrnium aluco L. Als ich vom 15. bis 18. Juni im Waldkater 
bei Schkeuditz wohnte, liefs allabendlich nahebei ein Waldkauz 
Rufreihen ausnahmslos nach folgendem unabänderlichen Schema 

hören: „hu huhuhü^ — — huhuhü^j " wobei die beiden Striche 

die mit geradezu verblüffender Regelmäfsigkeit eingeschalteten 
Pausen von genau gleicher Länge darstellen. 

Cuculus canorus L. Am 17. VL trieben sich auf einer 
kleineren Waldwiese südlich von Wehlitz 6 Kuckucke herum, darunter 
2 St. mit rostrotem Kleid; am 18. VL in der Nähe des ebener- 
wähnten Waldkaters gleichfalls ein rostrotes Exemplar. 

Picus canus viridicanus Wolf. 26. IIL im Auewaldgebiet 
südl. von Schkeuditz 1 cT rufend; 18. VL ebendort ein solches 
herumstreichend. 

Fyrrhula. Am 27. XL im südl. (Connewitzer) Ratsholz und 
im Rosenthal allenthalben einzelne herumstreichende Gimpel, und 
nach mir später zugegangenen brieflichen Mitteilungen einiger 
Herren haben sie sich auch an verschiedenen anderen Stellen 
des Gebietes gezeigt; ich führe dies hier nur deshalb an, weil 
ich weiter unten noch einmal auf diese Art zurückkomme. 

Certhia. Am 28. IIL im Rosenthal ein Exemplar die typische 
Trillerstrophe singend, und zwar hatte ich dasselbe so nahe, wie 
zufälligerweise noch nie ein Individium jener Sangesweise; in 
diesem Fall war nun entschieden der Ton der Oberseite mehr ins 
Rostfarbene ziehend und der Schnabel kürzer, soweit man dies 
allerdings ohne Vergleichsmaterial draufsen zu beurteilen vermag; 
dies würde also hier für die echte Baumläuferform sprechen. 
(Vgl. auch u. S. 381). 

Aegithalus caudatus L. Am 26. III. fand ich im Kanitzsch 
ein schönes, fast völlig fertiges Nest, in dessen Nähe das Paar 
gerade beschäftigt war; seltsamerweise stand ersteres nur in 
dünnes Gezweig eines Busches eingebaut unmittelbar am Rand 
einer Schneise ca. IV2 ni hoch, sodafs es dem Vorübergehenden 
sofort auffallen mufste; bekanntlich findet man sonst die Nester 
in der Regel sehr geschickt angelegt. 

Locustella naevia Bodd. Vom 16.— 18. VI. 1 St. allabend- 
lich auf einem jetzt sehr stark verwucherten ehemaligen Kahl- 
schlag im nordwestl. Auewaldgebiet singend, also auch diesen 
Sommer zur Brutzeit festgestellt. 

Turdus musicus L. Sowohl im neuen Johannis- und Süd- 
Friedhof wie in den Parkanlagen des Völkerschlachtdenkmals hatten 
sich dies Jahr einzelne Singdrosselpaare angesiedelt. Es vollzieht 
sich also auch hier mehr und mehr die Einwanderung dieses 
ursprünglich reinen Waldvogels als Bewohner städtischer Anlagen. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 363 

Erithacus phoenicurus L. Jener Hexenbesen, den ich bereits 
in den beiden vorhergeh. Berichten als seltsamen Brutplatz 
unseres Vogels erwähnt habe, war auch in diesem Jahr, dem 
vierten nunmehr, wieder von einem Paar bezogen ; am 25. VI. 
enthielt das Nest 5 fast flügge Junge, das d* fütterte gerade. 



Es seien nunmehr eine Reihe weiterer Beiträge und 
Mitteilungen für das Berliner Gebiet angeführt. Zuvor möchte 
ich aber an dieser Stelle auf folgendes hinweisen. Je länger man 
in der freien Natur beobachtet, um so mehr erkennt man, wieviel 
noch selbst in den doch schon so gut durchforschten deutschen 
Gauen immer wieder zu tun übrig bleibt; um den gesamten Bau 
unsrer Kenntnisse mehr und mehr zu vervollständigen, kann man 
alljährlich nur Bausteinchen für Bausteinchen herzutragen, soweit 
eines Menschen Leben überhaupt dazu ausreicht. Und dabei weifs 
jeder, der sich auch mit anderen Tiergruppen beschäftigt hat, 
dafs die Ornithologie eine der bestbekannten Abteilungen der 
Zoologie in biologischer und faunistischer Hinsicht darstellt. Ich 
werde aber weiter unten wieder an einigen Beispielen zeigen, 
dafs unsere gröfseren Handbücher, selbst der neue Naumann, 
mitunter völlig versagen. — 

An fast allen der hier unternommenen Exkursionen beteiligte 
sich wiederum Herr K. Sekretär Stahlke, an einigen zu Anfang 
des Jahres auch nochmals Herr Dr. Schottmüller. — 

1. Colymhus cristatus L. Auf der Havel an der Pfaueninsel 
die ersten, 3 St., am 6. III., davon zwei noch im Übergangskleid, die 
letzten, 4 St., am 17. XII. Zur Brutzeit die Kolonie mindestens 
in gleicher Stärke wie im Vorjahr, als Höchstzahl an der Erd- 
zunge am 10. VIII. 57 Alte -}- 21 Junge. 

2. Colymhus grisegena Bodd. Auf den Linumer Karpfenteichen 
dies Jahr ca. 25—30 Brutpaare; auf den Teichen bei Forsthaus 
Entenfang (Wildpark) 2 Paare, ferner auf einer gewissen Lache 
im Nauener Luch 1 Paar, wo voriges Jahr keine Rothalstaucher 
vertreten waren. 

3. Colymbus nigricollis Brehm. Ein Brutpaar, das nur ein 
Junges grofszog, auf einem der ebenerwähnten Linumer Teiche, 
das einzige daselbst beobachtete. 

4. Colymhus nigricans Scop. Weitere Brutplätze: Teiche 
bei Neu-Töplitz, Wernsdorfer-, Zeesener-, Ruppiner- und Grim- 
nitz-See; verspätete Balztriller am 17. VIIL und 6. XL (!) auf 
zweitgenanntem See. 

5. Larus argentatus Brunn. Am 5. V. 2 alte Vögel nord- 
wärts ziemlich tief über den kleinen Zern-See streichend. Dicht 
hinterher flogen eine Krähe und eine Lachmöwe, sodafs man die 

24* 



364 Dr. Erich Hesse: 

augenfälligen Gröfsenunterschiede und abweichenden Habitusbilder 
schon aus der Ferne schön vergleichen konnte. i) 

6. Larus canus L. Auf den gröfseren Gewässern (Havel, 
Müggel-, Wann-, Sakrower-, Jungfern-, Lehnitz-, Schwielow-, Zern-, 
Schlänitz-See, Wublitz, u. s. w.) einzelne oder auch kleinere Trupps 
bis zu 20 St. bis zu Ende April und wieder von Mitte November 
an, soweit in den Kälteperioden offene Stellen vorhanden waren. 
Am grofsen Zern-See ferner am 4, und 5. V, ca. 30 St., am 24. VH. 
einzelne mit ca. 100 Lachmöwen und 4 Flufsseeschwalben zusammen, 
also in genau der gleichen Vergesellschaftung, der gleichen Zeit 
mitten im Sommer, auch an derselben Uferstelle wie im Vorjahr. 
Am 30. Vn. auch ein Stück auf dem Grimnitz-See. 

7. Larus ridibundus L. Von gröfseren Zusammenrottungen 
nenne ich hier nur: 27. H. auf den überschwemmten Nuthewiesen 
westl. von Drewitz ca. 300 St.; 24. VII. grofser Zern-See ca. 100 
St. (s. 0.); 31. VII. Grinnitz-See ca. 50 St.; auf der Havel von 
Wannsee bis Sakrow von Anfang August an zu ca. 30 bis ca. 200 
St. Stets waren die Schwärme aus Alten und Jungen gemischt. 

8. Sterna hirundo L. Grofser Zern-See am 4. und 5. V. 
sowie am 24. VII. (s. o.) je 4 St., an letzterem Tage 1 St. auch 
lange Zeit auf einem ganz schmalen Balkenkopf friedlich neben 
einer jungen Lachmöwe stehend. Linumer Luch am 15. V. 2 St. 
und am 17. VIL ca. 4 Paar, sich im Brutrevier der Trauersee- 
schwalben aufhaltend und fortgesetzt sehr aufgeregt ihre „tjip" 

und "^'rrräh^jjtt schreiend. 

9. HydrocheUdon nigra L. Die im Vorjahr konstatierten 
Brutkolonieen waren diesen Sommer entweder völlig verschwunden 
(Nauener Luch, Paretzer Kanal) oder in der Zahl der Paare 



^) Ich möchte biet noch einmal kurz auf das Vorkommen von Raub- 
möwen im Herbst 1909 zurückgreifen, was ich bereits im vor. Bericht 
erwähnte. Nach Drucklegung desselben ist noch ein weiteres Vorkommnis 
bekannt gegeben worden : E. Detmers berichtete in der Orn. Monatsschr. 
(1910, S. 316), dals er an den Geestner Karpfenteichen (i. d. Nähe von 
Meppen, Hannover) den Cadaver einer Schmarotzerraubmöwe (Sterc. para- 
siticus) fand, die von einem Wanderfalken geschlagen worden war, und 
zwar wiederum Anfang Oktober! Wenn ich also die verschiedenen bis 
jetzt gemeldeten Vorkommnisse noch einmal zusammenstelle, so ergibt 
sich, dals Raubmöwen {Sterc. parasiticus L. u. S. pomarinus Tem.) 
an folgenden Orten festgestellt wurden: Anfang Oktober bei Geeste, Pr. 
Hannover; (Orn. Monatsschr. 1910, S. 316); — Anfang Oktober bei 
Erkner b. Berlin (Journ. f. Orn. 1910, S. 491); — Anfang Oktober 
bei Leipzig, Meifsen und Lausa, Kgr. Sachsen (Journ. f. Orn. 1910, S. 
491); — Mitte September bei Mattsee und am Seekirchner See im 
Salzburgischen sowie Ende September bei Salzburg selbst (Orn. Jahrb. 
1910, S. 61). Stets und übereinstimmend wird nur von dem Erscheinen 
einzelner Vögel berichtet. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 365 

stark zurückgegangen (Neu-Töplitzer Teiche, Golmer Luch), nur 
die Kolonie im Linumer Luch war in alter Stärke vertreten. Als 
wir letztere zu Pfingsten zum ersten Mal besuchten, waren die 
Vögel offenbar gerade erst eingetroffen, sie hatten noch mit der 
Nestsuche zu tun, und es waren da gar anmutige Bilderchen zu 
sehen, wenn die graziösen Gatten so eifrig mit- und umeinander 
beschäftigt waren. Einzelne Herumstreicher am 22. V. auf dem 
Werbellin-See und am 31. VIL auf dem Grimnitz-See. 

10. Mergus merganser L. Wann-See — Havel— Pfaueninsel: 
6. m. 3 cT, 1 9; 3 cf, 5 9; 2 cf, 1 9; 3 cf, 3 9; 3 cf, 1 9; 
1 cT, 3 9'» 2 cf 1 95 dazwischen noch 9 einzelne Paare; 22. IIL 
6 einzelne Paare; 21. IV. 5 einzelne Paare; 26. V. 1 9 "lit 5 
kleinen Dunenjungen nach dem Schilf des Kälberwerder schwim- 
mend und sich dort bergend, nicht weit davon 1 cf, 2 9 + 59» 
also ohne Nachkommenschaft gebliebene; ich hätte aber kaum 
für möglich gehalten, dafs bei dem überaus lebhaften Verkehr 
aller nur erdenklichen Wasserfahrzeuge diese Art jetzt überhaupt 
hier noch brütet. 3. XH: 1 d', 2 9; 6 cf, 12 9; 1 cf, 7 9; 
1 cf, 4 9; dazwischen 4 einzelne Paare; 17. XU.: 8 cf, 26 9» 

1 d*, 2 95 dazwischen 5 einzelne Paare; in diesen letzteren 
beiden Fällen stimmt, wenn man die einzelnen Zahlen für cf und 
9 addiert, die Gesamtzahl ganz auffällig überein, möglicherweise 
dieselben Individuen. — Gr. Müggel-See: 13. IL 2 Paare-)- 1 cf. 

— Schwielow-See: 27. IL 5 cf , 13 9; ^ cf , 5 9; dazwischen 
8 einzelne Paare; 26. XII. 1 Paar. — Sakrower-See: 6. III. 

2 cf, 1 9; 2 cf, 12 9; 2 cf, 5 cf; dazwischen 3 einzelne Paare; 
8 cf, 14 9 überhinfliegeud. — Lehnitz-See: 6. IIL 1 cf, 4 9; 

1 Paar. — Gr. Zern-See: 3. IV. 5 einzelne Paare. — W^ublitz: 
3. IV. 2 einzelne Paare. — Schlänitz-See: 3. IV. 2 einzelne Paare. 

— Teupitzer See: 10. IV. 3 cf, 8 9; 2 9; 16 9; 1 cf , 2 9; 
dazwischen 5 einzelne Paare. — Werbellin-See: 22. V. 1 9 ^ait 

3 Dunenjungen, ein zweites mit deren 5, die 9 die Jungen bei 
der Flucht unter lockendem „krrrä" z. T. auf den Rücken nehmend; 
nicht weit davon 5 cf, 13 9i ohne Nachkommenschaft; 31. VII. 

2 einzelne Paare. — Caputher-See; 26. XII: 3 cf, 2 9- — Auf- 
fällig ist in vielen Fällen die starke Minderheit der alten cf, ins- 
besondere auch bei den Vorkommnissen zur Brutzeit. 

11. Mergus albellus L. Schwielow-See: 27. IL 2 cf , 1 9; 

4 cf, 2 9; 26. XIL 1 cf, 5 9. — Über das Erscheinen der Art 
in diesen beiden milden Wintern vgl. das unten S. 380 bei Äc. 
linaria Gesagte. 

12. Nyroca fuligula L. Gr. Müggel-Seß: 20. IL ca. 80 St., 
davon ca. 20 cf und ca. 60 9; 20. XL ebenfalls ca. 80 St., da- 
von ca. Vs cf und Vs 9- — Schwielow-See: 27. IL ca. 60 St., 
davon ca. 2/3 cf und Vs 9; 26. XIL ca. 100 St., Geschlechter etwa 
gleich. — Wannsee-See— Havel— Pfaueninsel: 6. III. 6-J-8 cf; 
23. HL 9 d; 21. IV. 1 cf, 2 9; 3. XIL ca. 300 St., Geschlechter 
etwa gleich ; 17. XII. ca. 100 + ca. 200 St., Geschlechter etwa gleich. 



866 Dr. Erich Hesse: 

möglicherweise dieselben Individuen wie am 3. XII. — Sakrower-See: 
6. III. 21 cf 7 9. — Krampnitz-See: 6. III. 5 d*, 3 Q. — Gr. 
Zern-See: 3. IV. 2 einzelne Paare. — Patzer- Vordersee: 10. IV. 
14 einzelne Paare +10*; 28. VIII. 2 cf; 6. XI. 7 einzelne 
Paare -\- ca. 130 St., davon ca. Vs cT und Vs 9- — Teupitzer- 
See: 10. IV. 1 cT. — Kangsdorfer-See : 12. IV. 1 cf. — Zeesener- 
See: 1. V. 1 cf, 2 9; 2 c?, 1 9; 3. VII. 4 cT; 12. VII. 15 cf, 
4 9; 3. VIII. 7 cf, 4 9; 9 + 2 cf; 17. VIII. 2+13 cf; 1 9; 
28. VIII. 10 + 5 d^; 4. IX. 4 + 21 d', 6 9; 6. XL 2 d*. — Tod- 
nitz-See: 1. V. 2 d*, 1 9; 2 d', 1 9; 9 d*, 4 9; 6. XL 69 St., 
38 d*, 31 9. — Caputher-See: 26. XIL 2 d*. — Bei den mehr- 
fach angegebenen gröfseren Schwärmen war die Zahl der Ge- 
schlechter wegen der Unruhe der Enten nicht ganz genau fest- 
zustellen. Auffällig ist, dafs auf dem erwähnten Zeesener-See, 
wo sich während der ganzen Brutzeit Reiherenten aufhielten, sich 
nicht ein einziges Mal 9 niit Jungen zeigten. Mehrmals im Früh- 
ling und Herbst befanden sich die Enten sehr nahe am Ufer, und 
man hatte Gelegenheit, ihr Benehmen und insbesondere auch 
ihre Stimmen aus grofser Nähe zu beobachten und zu hören ; es 
hatte den Anschein, als ob sie sich, namentlich wenn sie in gröfserer 
Zahl beisammen waren, gegenseitig um so mehr anregten; so balzte 
z. B. die oben angeführte grofse Schar auf dem Müggel-See am 
20. II. sehr lebhaft, aber auch die am 6. XL auf dem Todnitz-See be- 
befindlichen zahlreichen Enten waren von gleicher Regsamkeit. Aufser 
dem bekannten, etwas heruntergebogenen Schnarren, „ärrrr", liefsen 
sie eigentümliche, scharf nach unten oder auch nach oben ab- 
gebrochene zweiteilige Rufe vernehmen, wie „qui „^t i\ oder 

„quü 1 , manchmal klang es auch leiser und intimer wie „qua j^g^gj^K, 

ferner kurze, herabsinkende, fast wiehernde Tonreihen, wie 
„Quiüii •■ die zuweilen auch in ein leiseres „gö^^.... gewandelt 

"^ "Uji" "^Oou 

werden konnten. Im neuen Naumann finde ich über diese letz- 
teren Rufreihen nichts, wohl aber ist dort ein kurz abgebrochenes 
Pfeifen, dem von An. penelope ähnlich, mit ,,[Ioi Hoia" bezeich- 
net erwähnt (Bd. 10, S. 143); dies dürfte vielleicht einer der erst- 
beschriebenen Rufe sein. 

13. Nyroca ferina L. Vorkommen im Winter: 20. XI. Gr. 
Müggel-See 1 einzelnes d* unter den oben erwähnten ca. 80 Reiher- 
enten; 26. XIL Caputher-See 3 d*, 2 9. 

14. Nyroca nyroca Güld. Grimnitz-See 21. V. I d*. 

15. Nyroca clangula L. Gr. Müggel-See: 13. IL 2 einzelne 
Paare; 20. IL 2 d*, 1 9, 4 einzelne Paare; 20. XL 1 cf, 1 9; 
2 d*, 1 9. — Schwielow-See: 27. IL 6 einzelne Paare; 26. XIL 
2 9. — Wann-See— Havel— Pfaueninsel: 6IIL 1 d*, 2 9; 3. XIL 

1) Einen ganz ähnlichen Ruf habe ich bereits früher einmal be- 
schrieben, vgl. Journ. f. Ornith. 1907, S. 99. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 367 

2 einzelne 9; 17. XII. 1 + 29. — Sakrower-See: 6. IIL 4 cf , 89; 

1 cT, 4 9> 2 (f, 3 9i 5 einzelne Paare; in der Mitte eine 
Schar von ca. 50 St., Geschlechter etwa gleich, unruhig. — Gr. 
Zern-See: 3. IV. 2 cf, 19; 3 einzelne Paare. — Bütz-See: 

24. IV. 2 cT, 4 9- — Werbellin-See: 22. 5. am Ufer des sehr be- 
lebten Nordostzipfels ein 9 ^^^ 8 der niedlichen weifsbäckigen 
Dunenjungen, unter schnarrendem „rärrrärrr" und einzelnen 
„ra" die Sippschaft zusammenhaltend und führend; auf dem 
mittleren Seeteil 4 <f , 4 9 ohne Nachkommenschaft; 31. VIII. 
ca. 130 St., cf, 9 ^^^ Junge, sehr unruhig. — Grimnitz-See: 
22. V. 1 Paar. — Dovin-See: 22. V. 1 Paar. — Ruppiner-See: 
5. VI. 2 cf. — Patzer Vordersee: 6. XI. 1 cf. •— Caputher-See: 
26. XII. 1+29. 

16. Spatula clypeata L. Gr. Zern-See: 3. IV. 1 cf ; 3 d*, 

2 9- — Schlänitz-See : 3. IV. 1 + 2 Paare. — Luch von Golm- 
Nattwerder: 3. IV. 1 cf, 2 9; 5. V. einzelne d*. — Rangsdorfer 
See: 12. IV. 2 einzelne Paare; 24. V. 1 cf; 1 9 niit 8 Dunen- 
jungen. — Nauener Luch: 16. IV. 5 einzelne Paare; 6. V. 1 cT. — 
Linumer Luch: 16. IV. 3 einzelne Paare. 15. V. 1 cf + 1 Paar; 
14. VIII. 1 9 DQi^ ca. 6 erwachsenen Jungen, z. T. im Ried ver- 
steckt. — Beetzer Luch: 24. IV. 4 einzelne Paare. — Bütz-See: 

25. IV. 3 einzelne Paare; 5. VI. 1 9 ^^^ mindestens 5 Dunen- 
jungen, sich schnell im Rohr bergend, das 9 n^ch einiger Zeit 

wieder hervorkommend und mit dem charakteristischen „qua "^ 

oder „ko rufend. — Brüche am Sakrow-Paretzer Kanal: 5. V. 
1 Paar. — Prierow-See: 31. V. 1 cf + 1 Paar.i) — Meilen-See: 
7. VI. 1 9- — I^ie Löffelente liefs sich somit in diesem Jahr zur 
Brutzeit an den verschiedensten Stellen des Berliner Gebietes, 
auch mit Jungen, feststellen; doch wird gerade bei dieser Art, 
die ja mit Vorliebe stark verschilfte Brücher und Seen mit dichtem 
Rohrgürtel und weithin versumpften Ufern bevorzugt, die teils 
unzugänglich sind, teils keinen oder nur dürftigen Ausblick gewähren, 
die Auffindung und Beobachtung sehr erschwert. 

17. Anas strepera L. Schlänitz-See: 3. IV. 1 Paar. 

18. Anas penelope L. Nauener Luch: 13. III. u. 16. IV. ca. 
12 Paare, vgl. u. bei An. acuta. — Gr. Zern-See: 3. IV. 10 Paare. 
— Kremmener Luch: 17. IV. ab. 8li in der Dunkelheit offenbar 
ein gröfserer Schwärm lebhaft pfeifend nach N.O. überhin. 

19. Anas acuta L. Auf einer im Frühjahr tief unter Wasser 
stehenden Bruchfläche des Nauener Luchs am 13. III. u. 16. IV. 
ca. 30 Paare mit den ebenerwähnten Pfeifenten zusammen, einige- 
mal aufgehend und unter andauernden Rufen über der Raststätte 
kreisend; da Ort und Zahl an beiden Daten genau die gleichen 



1) Nehring erwähnt in einer ganz kurzen Aufzählung einiger Wasser- 
vögel auf diesem See das Vorkommen der Löffelente daselbst für 1. Mai 
1896. (Deutsche Jägerzeitg. Bd. 27, (1896), S. 247.) 



368 Dr. Erich Hesse: 

waren, ist wohl anzunehmen, dafs diese Entengesellschaft in beiden 
Fällen aus denselben Individuen bestand, was dann einer Aufent- 
haltsdauer von mindestens 35 Tagen entsprechen würde. — Gr. 
Zern-See: 3. IV. 4 cT, 3 9, — Linumer Luch: 17. VII. 1 9 bez. 
junger Vogel. — 

Aus obigen Aufzeichnungen speciell während der Zugzeit der 
Anatiden geht somit übereinstimmend hervor, dafs die grofsen 
Seen, deren Ufer nicht bruchig sind, keinen oder nur geringen 
Rohrbestand aufweisen und die aufserdem zum gröfsten Teil von 
Hochwald eingeschlossen werden, von den Sägern und Tauchenten, 
unter letzteren insbesondere, genau wie im Vorjahr, von der Reiher- 
ente in ihren oft recht stattlichen schwarz-weifsen Scharen beherrscht 
wurden, wogegen die Schwimmenten die frei gelegenen und kleineren 
Seen mit versumpften und verwachsenen Ufern oder die Wasser- 
flächen der Luche selbst bevorzugten. Ein Blick auf die Land- 
karte macht dies besonders augenfällig. — 

20. Anser spec. Feldgelände Lichtenrade-Schönefeld-Selchow: 
2. I. ca. 150, 19 St.; 2. X. 8, ca. 100, 36, 25, 18, ca. 80, 21 St.; 
30. X. 1, 35 St.; 4. XIL 12, ca. 40, 10. 6 St. — Luch von Jühns- 
dorf-Gensbagen: 27. I. ca. 100 St.; 2. IV. abends ca. 30 St. nach 
W. Überhin. — Havelländisches Luch: 30. L ca. 40 St.; 16. X. 
7, 9, St.; 17. X. 22 St.; 20. X. 5 St.; 22. X. 6 St.; 23. X. 7, 8 St.; 
18. XII. starker Durchzug, kleine Trupps fort und fort nach S.S.O. 
Überhin, und zwar 6, 12, 6, 2, 5, 7, 10, 11, 9, 8, 17, 30, 8, 12, 
5 St. — Dahlem : 4. II. früh und abends bei starkem Nebel durch 
Rufen („rai-ang", „gock gock") sich bemerkbar machend; 21. IL 
14-1-9 St. nach S.W.; 22. IL 38 St. nach S.W.; 23. IL 42 St. 
nach N.O.; 21. XIL 30 St. nach S.W. — Gr. Müggelsee: 20 IL 
10. St. nach 0.; 20. XL 3, 1, 1, 1 St., z. T. wohl angeschossen, 
das eine Exemplar konnte überhaupt nicht mehr auffliegen und 
flüchtete ins Rohr. — Rhin-Luch: 17. X. 1 St.; 18. X. 6 St.; 
21. X. 4 St. — In der Mehrzahl der Fälle liefs sich die Art- 
zugehörigkeit zu Anser fabalis Lath. feststellen, namentlich auch 
bei den gröfseren Schwärmen, die sich gewöhnlich auf Feldern, 
manchmal auch auf Bruchflächen aufhielten. 

21. Charadrius duhius Scop. 1. V. auf dem sandigen Ost- 
ufer des Patzer Vorder-Sees 1 Paar. — 15. V. an einem kleinen 
Tümpel im Linumer Luch, der in der Folgezeit bald austrocknete, 
1 cf. — In jener bereits im vor. Ber. erwähnten Sandgrube bei Alt- 
Töplitz am 29. V. ein einzelner Vogel abstreichend ; am 24. VIL 1 Paar. 

22. Oedicnemus oedicnemus L. Weitere Brutreviere: Auf 
sandigen Feldern nordwestl. von Dahlewitz in mehreren Paaren ; 
1 Paar hatte sich auch auf einer Sandbrache, die an ein Lupinen- 
feld Stiels und mitten im tiefen Kiefernhochwald der Jühnsdorfer 
Heide lag sowie rings von diesem umschlossen war, angesiedelt. i) 



^) Als wir am 9. VI. an diesem Geländestück vorbeikamen, revierten 
es gerade 2 Füchse gründlichst ab. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 869 

23. Tringoides hypoleucos L. Linumer Luch: 15. V. 1 St. 
am Rhin; 14. VIII. 1 St. mit 2 Tot. glareola (s. u.) an einem der 
Karpfenteiche. — Werbellin-See: 22. V. 1 St.; 31. VII. 2 St.; 
beidemale fast an der gleichen Stelle des Ostufers. — Zeesener 
See: 3, VIII. 3 St., auf Holzgestell stehend und schlafend. — 
Pfauen-Insel: 10. VIII. 1 St. 

24. Totanus pugnaxL. Linumer Luch: 17.1V. 5 St. streichend; 
24. VII. 1 St. mit 8 Tot. glareola (s. u.) zusammen an einem der 
Karpfenteiche. — NauenerLuch: 7. V. 2 cT, beide mit schwarzen 
Kragen, 4 9- — Bruch westl. Ribbeckhorst: 8. V. 1 cf mit dunkel- 
braunem Kragen, 5 9- — Kremmener Luch: 14. V. l 9- — 
Beetzer Luch: 5 VI. 1 d*, 2 9; 1 cf ; beide cf wieder mit schwarzem 
Kragen. 

25. Totanus ioianus L. Weitere Brutplätze: Die Fenne des 
Prierow-, Meilen-^) und Wernsdorfer Sees, namentlich an letzteren 
beiden in verhältnismäfsig recht stattlicher Anzahl von Brutpaaren. 

26. Totanus ochropus L. Linumer Luch: 17. IV. 1 St. am 
Rhin. — Mellni)-See: 22. V. ab y^d h 1 St. lebhaft über dem 
völlig unzugänglichen versumpften See balzend, also zur Brut- 
zeit konstatiert. 

27. Totanus glareola L. Naueuer Luch: 7. V. 2 St. 
streichend. — Linumer Luch: 15. V. 4 St. nach N.O. überhin; 
24. VIL 8 St. zusammen mit 1 Tot. puynax (s. o,); 14. VIII. 
2 St. zusammen mit 1 Tring. hypoleucos (s. o.). 

28. Limosa lirnosa L. In diesem Jahr liefsen sich folgende 
Brutplätze der Uferschnepfe feststellen: 1. Havelländisches Luch, 
a. Nauener Luch ca. 8 Paare; b. Brücher westlich von Deusch- 
hof l-|-2Paare; der eine inmitten einer grofsen Viehkoppel ge- 
legene Brutplatz ist durch das Weidevieh stark gefährdet, bei 
einem abermaligen Besuch am 29. V. trieben sich die betreffenden 
Limosen unstet in der Nähe umher, als sei ihnen die Brut vorher 
zerstört worden, c. Brüche am Windmühlendamm südl. von 
Lobeofsund 1 Paar. — 2. Rhin-Luch. a. Beetzer Luch ca. 2 Paare. 
— 3. Fenn des Prierow-See b. Zossen ca. 2 Paare. — Besucht 
man die Nistreviere, so wird man immer wieder erfreut, wenn die 
Vögel sich zu ihren Balzflügen erheben und die schönen Jodel- 
touren über den Bruch ertönen lassen, zu den Jodlern takt- 
mäfsig mit den Flügeln schlagend und sich dabei jedesmal ebenso 
taktmäfsig abwechselnd auf die linke und rechte Seite wendend. 
Als wir am 7. V. wieder in dem mitten im Havelländischen 
Luch gelegenen Deutschhof (s. o.) übernachteten, balzten sie an 
diesem schönen sternenklaren Maienabend bis tief in die Nacht 
hinein; am kommenden Morgen tat sich, nachdem wir in die 
Nähe des Nistplatzes gekommen waren, ein Individuum ganz be- 



1) 1) Der Meilen-See liegt südlich v. Zossen, der Melln-See nordöstl. 
V. Joachimsthal. 



370 Dr. Erich Hesse: 

sonders durch ängstliche kiebitzähnliche „tä äht" hervor. Wie 

beim grofsen Brachvogel hört man auch bei den Uferschnepfen 
von einzelnen Exemplaren hin und wieder einmal eine neue Variation 
oder Abstufung der verschiedenen Rufe, beide verfügen ja über 
eine erstaunliche Mannigfaltigkeit der Stimmäufserungen. Voigt^) 
sagt hinsichtlich der von ihm namhaft gemachten Wohnplätze der 
Limosen: „ . . . Mit ihnen zusammen wohnen Kampfschnepfen, 
Kiebitze, Rotschenkel, Wiesenrallen, aber nicht der grofse Brach- 
vogel; doch ist nicht ausgeschlossen, dafs es Plätze gibt, wo beide 
vorkommen, denn ich wüfste keinen durchgreifenden Unterschied 
anzugeben zwischen den Wiesen an der Trebel und Havel, wo 
Numenius wohnt, und denen an der Hamme und Wümme, wo 
Limosa limosa so ganz gemein ist." An allen den oben auf- 
geführten Brutplätzen der Mark kommen Limosa und Numenius 
nebeneinander vor, und zwar letzterer stets in der Überzahl. 

29. Numenius arquatus L. Die ersten beobachtet am 13. III. 
im Nauener Luch; bereits am 10. VII. 2 St. hoch und unauf- 
haltsam, natürlich auch rufend, genau südwestlich über das Havel- 
land. Luch (bei Paulinenaue) ziehend, offenbar also wieder Durch- 
zügler; die letzten (2 St.) am 9. X., am gr. Müggel-See hin und 
her streichend. 

30. Scolopax rusticola L. Am 21. u. 22. V. balzten abends 
an verschiedenen Stellen des Grumsiner Forstes Waldschnepfen, 

unter ihrem „quorrr quorrr "^^"^^ über Lichtungen oder entlang 
von Gestellen streichend. 

31. Otis tarda L. Zusammenrottungen: Havelländisches 
Luch. 13. m. 1-f 7+94-31+5 St., 2. IX. 24 St.; 25. IX. 14 St.; 
23. X. 9 St.; 13. XL 34 St. Am 10. VIL stand auf einer Luch- 
wiese südlich von Lobeofsund eine Alte mit einem halbwüchsigen 
Jungen; bei unsrer Annäherung „versank" das Junge mehr und 
mehr und verschwand schliefslich vollkommen, ohne dafs es sich 
dabei fortbewegte; die Alte flog bald darauf ca. 500 m weit weg, 
alsdann scharf beobachtend. Trotz langem und gründlichstem 
Suchens an genau der betreffenden Stelle war jedoch die junge 
Trappe unauffindbar, sie hatte sich also nicht „gedrückt", sondern 
mufste sich, allerdings ganz geduckt, in ein nicht weit entferntes 
höher begrastes Stück geflüchtet haben. Als wir uns wieder weit 
genug entfernt hatten, kehrte die alte Trappe langsam einher- 
schreitend in grofsem Bogen nach der eben erwähnten hoch- 
begrasten Partie allmählich zurück. — Rhin-Luch. 20. III. 1 + 17 St. ; 
15. X. 3 + 8 St.; 16. X. 17 + 11 St.; 17. und 18. X. 21. St; 
19. X. 18 St.; 20. X. 9 St.; 22. X. 26 St. Die vom 15.-20. Ok- 
tober beobachteten Trupps standen gewöhnlich auf dem Silber- 
berg, westsüdwestlich von Linum, und es gewährte einen schönen 
Anblick, wenn in der Frühe der Nebel zerflofs und sich die Ge- 



1) Exkursionsbuch, 5. Aufl., S. 252. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 371 

stalten der grofsen Vögel abhoben, sich reckend und dehnend 
und das Gefieder lüftend, bestrahlt von der herbstlichen Morgen- 
sonne. — Feldmarken Lichtenrade-Schönefeld. 7. IV. 14 -(- 6 St., 
vor dem gröfseren Trupp in einiger Entfernung ein wahrhaft 
kolossales cf, in halber ßalzstellung; 2. X. b -\- 1 -\- d -\- Q St.; 
30. X. 5 St. mit einem Schwärm Krähen erschreckt vor einem 
überhinfliegenden und rasselnden Zweidecker (Flugmaschine) ent- 
fliehend; 4. XII. 42 St. — Hähne in Balzstellung von Anfang 
März bis Ende Mai. 

32. Grus grus L. Zunächst ein paar Zugdaten. Havel- 
ländische Luch:' 13. III. 3, 1, 2, 23, ca. 100 St., sämtlich nach 
N.N.O. ziehend; 16. IV. 31 St.; 17. IV. 14 St.; 2. IX. 44 -|- 4, 
11, 7, 8, 2, 6, 4, 10, 4, 3, 20, 41 St.; 25. IX. 3, ca. 200 St., sich 
mehrfach in kleinere Trupps auflösend, vielleicht z. T. noch die 
Vögel vom 2. IX.; 13. XI. 6 St. — Rhin-Luch: 17. IV. 12 St.; 17. 
X. 1 St., 18. X. 2 St. n. S.W.; 19. X. 1 Paar mit 2 Jungen 
herumstreichend, letztere öfters im Flug das feine piepende „bij" 
hören lassend, die Alten mit einem gedämpften etwas absinkenden 
„korrr" antwortend; 23. X. 24 St., 19 Alte + 5 Junge,,, auf 
Feld weidend und auf ca. 150 m ankommen lassend. — Über 
die Verhältnisse zur Brutzeit sei nachstehendes erwähnt. Der 
Bestand der Brutpaare im Ebin-Luch war etwa folgender: Krem- 
mener Luch ca. 3 Paare; Flatower und Wustrauer Luch mindestens 
je 1 Paar. Allerdings sind diese einzelnen Luchbezirke keine 
scharf von einander geschiedenen Brutplätze, sondern stellen 
nur künstliche Gemarkungs- und Besitzesgrenzen dar; ferner 
wechseln, wie ich sicher erfahren konnte, einzelne Kranichpaare 
mit Ausnahme derjenigen des Kremmener Luch, in einzelnen 
Jahren mit der Wahl der engeren Nistorte, sodafs sie zuweilen 
in diesem, zuweilen in jenem Luchteil zur Brut schreiten, wobei 
natürlich auch wieder der jeweilige Wasserstand in Frage kommt; 
streng genommen müfste man das gesamte Rhin-Luch als ein 
einheitliches grofses Brutgebiet des Kranichs bezeichnen. Baer 
führt in seiner grofsen Arbeit die einzelnen Luchbezirke ^) eben- 
falls als gesonderte und mit fortlaufenden Nummern versehene 
Brutplätze auf; das Flatower und das Wustrauer Luch sind in- 
dessen nicht mit genannt. Dafs es in der Tat wohl zweckmäfsiger 
ist, die Nistreviere in dieser Weise zu sondern, lehrt ein Blick 
auf das benachbarte Havelländische Luch. Während das Rhin- 
Luch von Kremmen bis etwa Fehrbellin einen unbesiedelten, ein- 
heitlich geschlossenen gewaltigen Bruch von ca. 2 Meil. Längs- 
und an der breitesten Stelle^ von ca. 1 Meil. Querdurchmesser 
darstellt, während hier wie betont die einzelnen Luchbezirke 
unmerklich in einander übergehen, ist das Havelländische Luch, 
weitjmehr als das Doppelte und Dreifache an Flächenraum be- 
deckend, ungleich zerrissener und weitläufiger; durch zahlreiche 



1) Ornith. Monatsschr. 1907, S. 272, 273. 



372 Dr. Erich Hesse: 

kleinere Höhenzüge gegliedert und von verschiedenen Waldbe- 
ständen durchbrochen, ist das Gelände mehr und mehr in Kultur 
genommen ; die vielen Ortschaften bedingen ein weitverzweigtes 
Netz von Verkehrswegen; die einzelnen Bruchgebiete sind jetzt 
schon bei weitem lokalisierter, und da man das Luch leider 
immer mehr zu entwässern trachtet, wird wohl noch so manches 
Stück urwüchsig-schöner Natur samt seiner eigenartigen Flora 
und Fauna verschwinden. Auch schon deshalb, also im Hinblick 
auf den wirklich naturhistorischen Wert für späte Zeiten, ist 
vielleicht die genaue Feststellung der aparten Brutplätze eines 
unsrer gröfsten und stolzesten Vögel angebracht. Und endlich 
sprechen hierfür noch die kolossale räumliche Ausdehnung dieses 
Luches sowie der Umstand, dafs sich an der Peripherie Gebiete 
anschliefsen, in denen der Kranich z. T. ebenfalls brütet, die 
aber nicht mehr ohne weiteres zum eigentlichen Havelländischen 
Luch gerechnet werden können. 

Baer weist in einer Anmerkung (1. c) bereits darauf hin, 
dafs wahrscheinlich im Havelland. Luch noch mehr Nistplätze 
vorhanden sind, als in seiner Arbeit angeführt wurden; das hat 
sich auch bestätigt. Vor allem sind da die grofsen Brücher zu 
nennen, die sich etwa von der Grenze der Kreise Ost- und West- 
havelland an ostwärts erstrecken, ungefähr 52° 40' n. B.; hier 
haben wir in den letzten beiden Jahren zur Brutzeit Flüge bis 
zu 20 St. beobachtet, sich zuweilen noch in tiefer Dämmerung 
aus ihren Wohngebieten erhebend, über diesen unter Geschmetter 
Flugevolutionen ausführend, sich wohl auch in kleine Trupps 
oder einzelne Paare auflösend und wieder in die unzugänglichen 
Brücher einfallend. 

Wollte man einmal die Zahl der Brutpaare angeben, die 
zurzeit im Rhin-Luch und dem gegenüberliegenden Teil des 
Havelländischen Luchs brüten, so würde ich auf etwa 10—15 Paare 
schätzen; natürlich kann dies nur eben ungefähr geschehen, wie 
jeder weifs, der mit solchen Gebieten vertraut ist. Erhöht wird 
die Schwierigkeit noch dadurch, dafs im Bereich der Gemarkung 
Linum, wo die beiden Luche nur durch eine Wasserscheide in 
Form eines schmalen Höhenrückens getrennt werden, die Kraniche 
mit Vorliebe in jene beiden hinüber und herüber wechseln ; auch 
auf dem Kamm dieses Höhenzuges selbst standen des öfteren 
kleinere Flüge, wie eine „Grenzwacht" Ausschau haltend. — Von 
Einzelbeobachtungen will ich nur ganz kurz die beiden folgenden 
anführen: Am 16. IV. stand auf einem Acker im Havel. Luch 
ein kleiner Trupp, der sich in den bekannten Tänzen erging, 
wobei der eine Vogel unermüdlich einen grofsen alten Lappen 
in die Höhe warf und ihn womöglich wieder aufzufangen suchte; 
am 29. V. stiefs ein tollkühner Kiebitz fortgesetzt immer nur auf 
ein und denselben Vogel eines ebendort weidenden Kranichpaares; 
jedesmal, wenn der Kiebitz heransauste, machte der Kranich, 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 378 

wohl um auszuweichen, eine tiefe Verbeugung, überaus erheiternd 
anzusehen. — 

Luch südwestlich von Friert, am Wublitz-See, am 23. VIl. 
mindestens 2 Paar vorhanden ; dies Gebiet ist in der Arbeit von 
Baer (h c.) ebenfalls nicht genannt. — Melln-See: 21. und 22. V. 
sowie 30. und 31. VII. einzelne oder nur kleine Trupps bis zu 3 St. 

33. Fulica atra L. Gröfsere Scharen in den Wintermonaten : 
3. XII. Wann-See ca 200 St.; 26. XII. Schwielow-See ebenfalls 
ca. 200 St., Havel bei Neu-Geltow ca. 70 St. — 

Die kleinen Ralliden {'Rallus, Ortygometra) übergehe ich an 
dieser Stelle vollkommen. — 

34. Ciconia ciconia L. Weitere besetzte Horste in Dechtow, 
Carwesee, Brunne, Klessener Zootzen, Friesack, Kl. Ziethen, 
Mangelshorst, Vorwerk Bredow, Neu-Töplitz, Kl. Besten, Meilen, 
Alt-Grimnitz, dem nördl. davon gelegenen Leistenhaus, Joachims- 
thal, Glambeck. In dem kleinen Mangelshorst befinden sich mehrere 
Horste in Kopfpappeln, die von den Störchen bevorzugt werden; 
eine solche steht sogar dicht an einem Gebäude, dessen Giebel 
ebenfalls ein Storchnest trägt, dies blieb jedoch leer und der Vogel 
brütete in dem nur wenige Meter entfernten Horst auf der geköpften 
Pappel. Am 5. VI. im Beetzer Luch wiederum eine Schar von 
16 St. (vgl. vor. Ber.). Am 2. IX. im Havelland. Luch, ca. 2 km 
westl. von Tietzow, eine Gesellschaft von ca. 400 St. nachm. V22h 
durchziehend, g^nau von N.W. kommend und, soweit das Auge 
reichte, genau nach S.O. weiterziehend, WindursprungN.W. ; zweimal 
wurde der Wanderflug durch gemeinsames Kreisen, wobei sich 
die Vögel aber gleichfalls in der Zugrichtung langsam weiter be- 
wegten, unterbrochen, in der Zwischenzeit sodann mehrere Kilo- 
meter in gestrecktem Flug zurückgelegt, grofsartige Anblicke! 
Kurz darauf eine kleinere Gesellschaft von ca. 50 St. in genau 
gleicher Weise und Richtung durchziehend. Höhe der bekannt- 
lich ohne bestimmte Zugordnung und in den verschiedensten 
Entfernungen über- und untereinander fliegenden Vögel ca. 100 bis 
250 m; die verschiedene Höhe bei solch grofsen Schwärmen ja 
gerade auch beim Kreisen, sowohl aus der Nähe wie aus der 
Ferne, sehr aufiallig. Die hypothetische Verlängerung der Zug- 
strafse nach rückwärts würde auf West-Mecklenburg hinweisen. 
Am 9. IX. 4 h nachm. über Dahlem ca. 80 St. nach S.O. ziehend, 
in etwa derselben Höhe, in der Ferne sodann über Steglitz 
kreisend. 

35. Botaurus siellaris L. Bereits am 20. III., wo nachts 
zuvor mehrere Grad Kälte geherrscht, und die stehenden Ge- 
wässer mit einer fast centimeterstarken Eisschicht bedeckt waren, 
riefen trotzdem die zahlreichen Rohrdommeln im Rhin-Luch schon 
lebhaft vom frühen Morgen an, über Mittag etwas nachlassend 
und gegen Abend wieder stärker einsetzend. Wir haben dann 
in der Folgezeit bis Mitte Juni hier reichlichst Gelegenheit ge- 



374 Dr. Erich Hesse: 

habt, dies Brüllen von den verschiedensten Individuen zu hören ; 
in unmittelbarer Nähe der Rufer vernimmt man dann auch jene 
eigentümlichen Nebentöne. Die grofse überwiegende Mehrheit 
der Dommein rief vierteilig, mehr Haupttöne waren stets die Aus- 
nahme und wurden auch immer nur von einzelnen ganz bestimmten 
Individuen hervorgebracht. Eine vollständige „Strophe", bestehend 

aus Einleitung, Vor- und Hauptschlägen, lautet: „büüüü ^ J 
prumb ^^J prumb ^^J prumb ^^J prumb"; die kurzen vier Einlei- 
tungstöne lassen jedoch nicht alle Exemplare hören. Als wir 
uns z. B. am 15. V. abends in einem Kahn auf dem Rhin etwa 
im Mittelpunkt des gesamten Luches angesetzt hatten, brüllten 
allein in unserm engeren und weiteren Umkreis mindestens ca. 
25 St; abgesehen von geringen Schwankungen in der Tonhöhe, 
riefen fast alle Individuen ausnahmslos vierteilig, und nur je ein 
einzelnes an ganz bestimmter Stelle fünf- und sechsteilig; so ging 
es auch in genau gleicher Weise, wie man sich während der 
oben angegebenen Monate noch an verschiedenen andern Stellen 
des Luchs überzeugen konnte, die ganzen Nächte hindurch, stets 
und überall war die Vierteiligkeit der Rufe die Regel. Hier in 
den unabsehbaren Rohrwäldern und undurchdringlichen Dickichten 
des Luchs haben die so arg von der Fischerei Wirtschaft verfolgten 
Rohrdommeln eine sichere Zuflucht gefunden; und das ist gut 
so. Aufser im gesamten Rhin-Luch nebst den in- und anliegenden 
Seen (Kremmener, Bütz- und Rhin-See) zur Brutzeit noch im kl. 
Teufelsbruch (Havel. Luch), im Golmer Luch und am Prierow- 
See bei Zossen gehört. 

36. Ardetta minuta L. Am 26. V. brummten in den Rohr- 
beständen der Havel an und in der Nähe der Pfaueninsel etwa 
6 St.; einer der kleinen Reiher setzte aus, als ein Boot dicht vorbei- 
fuhr, dann aber sofort wieder beginnend. Am 3. VII. rief 1 St. im 
Rohr des Zeesener Sees, also auch hier zur Brutzeit konstatiert. 

37. Ärdea cinerea L. Aufser den beiden Kolonieen in der 
Dubrow und am Wann-See besuchten wir noch diejenigen in der 
Pirschheide bei Wildpark und im Forst Rüdersdorf. Die erste 
der beiden letzteren weist zur Zeit etwa 30, die andere etwa 20 
besetzte Horste auf; doch ist namentlich die Kolonie in der Pirsch- 
heide sehr auseinandergezogen und z. T. zerstreut, einige Horste 
stehen kaum 100 m weit entfernt von der überaus belebten 
Chaussee. Aus den Horsten am Wann-See tönte am 14. IV. 

schon recht anhaltend das „käkä'^^' der Jungen. 

38. Coturnix coturnix L. 7. VI. 1 cT in Feld bei Wünsdorf 
rufend. 

39. Tetrao ietrix L. Erstes Kollern am 13. III., letztes am 
29. V.; Balzen im Herbst: Am 25. IX., einem echten schönen 
Herbsttag, in der Nähe von Kienberg (Havel. Luch) gegen Abend 
Schwärm von 36 alten cf, z. T. noch lebhaft kollernd und auch 



Beobachtungen und Aufzeicbnungen während des Jahres 1910. 375 

fauchend; ferner im Rhin-Luch vom 17.— 20. X. einzelne cT nachm. 
von ca. 4b an bis zum Sinken der Sonne kollernd; die im Herbst 
vorgetragenen Koller waren stets kürzer als die des Frühjahrs. 
Gröfste auf einem Fleck zusammen getroffene Mengen während 
dieses Jahres im Havelland. Luch 39 St., 33 cf, 6 9) ani 23. X., 
im Rhin-Luch ca. 80 St., etwa Vs cf und Vs 9> ^^ 22. X., letztere 
unruhig und herumstreichend. 

40. Circus cyaneus L. Während Mai in den Luchen ver- 
schiedentlich Balzflüge der cT, in steilen Bogen schnell auf- und 
absteigend, auf der Höhe der Kurve sich fast überschlagend, dabei, 
und zwar bei auf- und absteigender Kurve, hastige etwas aufwärts- 
gehende Tonreihen, „kekeke . . . .", von sich gebend, so schnell, 
als man die Silben gerade noch deutlich hintereinander aus- 
sprechen kann. Diese Balzflüge wurden zu den verschiedensten 
Tageszeiten, am häufigsten allerdings vormittags ausgeführt; am 
29. V. tat dies ein cT auch während anhaltenden Regens. Achtet 
man scharf darauf, so erkennt man, dafs ein wirkliches Über- 
schlagen, von dem vorhin die Rede, nicht immer stattfindet, der 
Vogel läfst sich vielmehr, auf der Höhe der Kurve angelangt, 
häufig nur seitlich umkippen, um dann sich fallen zu lassen; bei 
flüchtiger Betrachtung und aus der Ferne sieht dies natürlich auch 
wie ein wirkliches Überschlagen aus. 

41. Circus pygargus L.i) Aufser in dem Luchgebiet westl. 
Jühnsdorf, wo sich auch diesen Sommer wieder mindestens ein 
Brutpaar eingefunden hatte, zeigten sich Wiesenweihen: Am 8. V. 
1 altes cf südwestwärts durch das Havel. Luch (bei Dreibrücken- 
Krug) streichend; am 16. V. 2 alte cf im Brunner Luch nördl. 
vom Zootzen. 

42. Astur palumbarius L. 1. V. besetzten, frisch gebauten 
Horst in den Rade-Bergen (Dubrow) gefunden, erst beide Gatten 
in der Nähe desselben und rufend, später immer nur das grofse 

9 ab und zu unter erregten „gü . . .", „ga . . ." oder „ga^^^^ • * ' 
den Horstplatz in gröfserer oder geringerer Entfernung eiligst 
umfliegend. — Von einzelnen Herumstreicheru seien erwähnt je 
1 St. am 2. X. bei Lichtenrade und am 27. XH. bei Dahlem. 

43. Archihuteo lagopus Brunn. Der letzte im Frühjahr am 
20. HL im Kremmener Luch, der erste im Herbst am 22. X. im 
Flatower Luch. 

44. Aquila spec. Am 28. VHL 2 St. über den Rade-Bergen 
(Dubrow) bald schöne Kreise ziehend, bald herumstreichend, zu- 
weilen von einem Sperber „begleitet", der jedoch nicht zu stofsen 
wagte. Nach dem Gefieder konnten es nur Schrei- oder Schell- 
adler sein, die genaue Bestimmung bleibt natürlich unentschieden. 



1) S. 504, J. f. 0. 1910, Zeile 7 v. u. lies Arm schwingen statt 
Handschwingen. 



376 Dr. Erich Hesse: 

45. Pernis apivorus L. 17. VII. 1 St. bei Dorotbeenhof 
(b. Kremmen). 

46. Milvus milvus L. 22. V. 1 Paar über den Werb ellin- 
See schwebend. 

47. Milvus korschun Gm. In der Dubrow und den Rade- 
Bergen wiederum mehrere Brutpaare; mindestens 3 besetzte 

Horste gefunden. Die klangvollen " hüüü ", wobei die 

Tonreihe oft bis ca. 10 ü-Laute zählte, in diesem Jahr von Mitte 
April bis Anfang Juli gehört, die Vögel dazu oft in aufserordentlich 
grofser Höhe schwebend. — Einzelne Exemplare sonst noch ange- 
troffen am 17. u. 23. IV. sowie am 15. V. u. 5. VI. im Rhin-Luch ; 
an der Havel am 4. V. bei Potsdam und am 5. VII. an der 
Pfaueninsel; am 21. V. über dem Grimnitz-See 1 Paar und am 
22. V. über dem Werbellin-See 1 St. schwebend. 

48. Fandion haliaetus L. In den Rade-Bergen (Dubrow) 
hatte sich auch dies Frühjahr wieder ein Brutpaar eingestellt; am 
10. IV. und 1. V. bot sich Gelegenheit, dasselbe über der allen 
Horsteiche balzend zu beobachten; letztere stehtauf einer Lichtung, 
die mitten im Wald in tiefer Abgeschiedenheit gelegen und von 
hoher landschaftlicher Schönheit ist; ganz in der Nähe befinden 
sich noch einige verlassene Horste. Wenn sich die Vögel erhoben 
und kürzere oder längere Zeit über dem Horstrevier gekreist 
hatten, begann der eine von beiden, wohl auch hier das cf, in 
die Höhe zu steigen, kippte um, liefs sich fallen, stieg wieder empor, 
das Ganze einigeraal wiederholend, er führte also wiederum einen 
jener Bogenflüge aus (s. u.); dabei beugt er das Handgelenk 
ziemlich stark, sodafs er, natürlich mit je- 
weiligen kleinen Abweichungen beim Auf- 
und Absteigen, ungefähr nebenstehende 
Silhouette darstellt, und streckt, wie er 
dies gewöhnlich vor dem Niederstofsen 
ins Wasser zu tun pflegt, Läufe und Fänge 
von sich. Dieses Flugspiel begleitet er 
aufserdem von Zeit zu Zeit mit Rufreihen, 
die etwa folgendermafsen klingen: „tjip tjip tjip tjip tjip — jihp 
jihp jihp jihp jihp . . . .;" der Vogel beginnt also mit 4 bis 5 
kurzen, gellend pfeifenden Rufen, worauf er nach einer ganz kurzen 
Pause zu gezogenen, mehr fiependen übergeht, die bis 9 mal 
wiederholt wurden; man kann letztere auch mit „ihjp" wiedergeben; 
die ganzen Stimmlaute sind bei ihrer Höhe aufserordentlich durch- 
dringend und schneidend. Die „tjip"-Rufe läfst er auch manchmal 
allein hören und auch bei anderer Gelegenheit, wie ich dies schon früher 
einmal erwähnt habe.^) Und diese charakteristische Balz, das 
schöne Bild, wenn das Paar hoch über dem gewaltigen Horst im 
blauen Äther einherzieht, wenn sodann das Flugspiel mit seinen 




1) Vgl. Journ. f. Orn. 08, S. 49. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 377 

lauten Rufen sich vollzieht, dieser typische auffallende Vorgang 
ist in unsern gröfseren deutschen Handbüchern überhaupt nicht 
erwähnt; in der von mir daraufhin durchgesehenen Literatur habe 
ich nur in der Forstzoologie von Altum (IL Bd., Vögel, S. 413) 
und im „Tierreich" von Heck, Matschie, Martens etc. (H. Bd. 
S. 444) einige kurze Angaben gefunden, jene Rufreihen sind in- 
dessen überhaupt nicht beschrieben. Befremdet es schon, dafs 
in einem Spezialwerk wie in dem von 0. v. Riesenthal nichts 
über diesen Balzflug vermerkt ist, so erscheint es zum mindesten 
ebenso befremdlich, dafs in der neuen Bearbeitung von Naumanns 
Werk den in diesem Fall allerdings recht dürftigen Angaben 
Naumanns, dgr über die Balz des Fischadlers kein Wort vermerkt, 
sie also offenbar garnicht gekannt hat, auch nicht eine einzige 
ergänzende Bemerkung hinzugefügt ist, dafs also auch in unserm 
gröfsten Werke jegliche diesbezügliche Angaben fehlen. Anführen 
will ich hier nur noch, dafs natürlich auch z. B, in den alten 
Werken von Bechstein (Gemeinnütz. Naturgesch., H. Aufl.) und 
Chr. L. Brehm (Handb. d. Naturgesch. all. Vög. Deutschi.) nichts 
darüber enthalten ist. — Eine Brut von obigem Paar ist selbst- 
verständlich nicht hochgekommen: Die trefflichen Berliner Eier- 
räuber hatten „das Weitere veranlafst." — 

Derartige bogenförmige Flugspiele, im einzelnen natürlich 
bei den verschiedenen Arten mit mancherlei Abweichungen, habe 
ich bis jetzt bei folgenden Tagraubvögeln beobachtet: Rohrweihe*); 
Kornweihe 2); Mäusebussard^); Wespenbussard*); schwarzer 
Milan s); Fischadler (s. o.). — 

49. Falco peregrinus Tunst. In der Dubrow und den Rade- 
Bergen am 10. IV. 2 besetzte Horste gefunden, die Falken unter 
hastigen „güep . . ." oder „güschep . . ." vom Horste abstreichend 
und sausenden Flugs in der Nähe umherstreichend; der eine 
auch mehrfach die Fischadler attackierend. Auch diese Horste 
wurden wieder ausgeplündert. — Von streichenden Vögeln will 
ich hier nur erwähnen 1 St. am 2. I. bei Dahlewitz, noch in 
der Dämmerung lebhaft rufend; 1 Paar am 25. IX. im Havel. 
Luch bei Tietzow; 1 St. am 3. XL bei Dahlem. 

50. Asio accipitrinus Pall. Im April und Mai waren in 
den Luchen Sumpfohreulen ebenfalls balzend zu beobachten, 
gewöhnlich gegen Abend, in der Dämmerung und bis tief in die 
Nacht hinein, doch auch am Tage. Wenn sich der Vogel in gröfsere 
Höhe erhoben hatte und unter den bekannten Schwenkungen 
hin- und herflog oder kreiste, liefs er von Zeit zu Zeit ein dumpfes 
mäfsig schnelles „bü bü bü . . . ." vernehmen, die einzelnen Töne 



1) VgL Journ. f. Orn. 1910, S. 504. 

2) s. 0. S. 375. 

8) VgL Journ. f. Orn. 1909, S. 340. 

*) ,, „ „ » » „ 16, 345, 346. 

5) „ „ „ „ 1907, „ 120. 

Joom. f. Onu LIX. Jahig. Joli 1911. 




378 Dr. Erich Hesse: 

6 bis zu ca. 20 mal nacheinander, etwas aus der Tiefe geholt; von 
Zeit zu Zeit erfolgte ein jäher Herabsturz der Eule, wobei sie aufser- 
ordentlich schnell und kurz, ohne mit den Flügeln wieder aus- 
zuholen, diese 3 bis 6 mal unter dem Leib zusammenschlug, 
hierbei häufig, aber durchaus nicht immer, ein lautes Klatschen 
erzeugend, in andern Fällen war bei dem Zusammenschlagen 
der Fittiche keine Spur eines Geräusches zu hören. Mitunter 
aber ertönte auch das „bü bü . . ." im Bruch vom Boden aus. 
Wir haben also hier zwei Parallelen in der Balzweise der beiden 
deutschen Vertreter des Genus Asio: Bei der Waldohreule das 
bedächtige, in Atemtempo und nur im Sitzen vorgetragene „huh", 
au das sich mitunter ein Balzflug mit bedächtigem Flügelklatschen 
anschliefst; bei der Sumpf ohreule das hastigere „bü bü . . .", 
teils im Fliegen teils im Sitzen gerufen, dem zuweilen ein jäher 
Absturz mit hastigem Flügelklatschen folgt; bei der Waldohr- 
eule ist also gewissermafsen alles mehr in das Phlegmatische über- 
tragen. Über diese Balz der Sumpfohreule ist wiederum sowohl im 
alten wie im neuen Naumann kein Wort gesagt; dagegen finden sich 
im Friederich (5. Aufl. S. 374, 375) folgende Angaben: „Bemerkens- 
wert ist, dals diese Eule bei ihren Liebesflugspielen einen meckern- 
den Ton mit den Schwingen hervorbringt wie die Bekassine mit 
den Schwanzfedern. Die Sumpfohreule stürzt dabei aus ruhigem 
Fluge plötzlich eine Strecke senkrecht herab, wie das die 
Bekassine in schräger Richtung tut. Das Meckern ist zu vergleichen 
mit einem Rasseln von Hornkugeln, die in einem Holzbecher 
heftig geschüttelt werden. (Nach Dr. Müllers Beobachtungen, 
siehe Monatshefte des Deutschen Jagdschutzvereins, 1902, Nr. 9.)" 
Wir haben die Balz bisher nie in dieser Weise, sondern stets 
nur in oben geschilderter Form gesehen und gehört, v. Riesen- 
thal erwähnt ebenfalls nichts über Balzflüge und Balzrufe, gibt 
jedoch an (S. 486), bei der Herbstsuche mit dem Hühnerhund auf 
Hühner und Bekassinen Flugspiele dieser Eule beobachtet zu haben, 
„wobei sie mit den Flügeln flattert, dem Meckern der Bekassine 
ähnliche Töne hervorbringt und sich bisweilen förmlich überschlägt". 
Am 8. V. stiefs eine Sumpfohreule im Havel. Luch diese „bü . . .", 
allerdings nur 3 mal nacheinander, aus, als sie eine männliche 
Kornweihe aus ihrem Revier verjagte, sie läfst also diese Töne 
auch bei anderer Gelegenheit hören. Diese letzteren erinnern 
allerdings etwas, namentlich aus der Ferne, an das Meckern der 
Bekassine; es wäre also auch eine Verwechslung nicht ausge- 
schlossen, und weiter wäre es möglich, dafs man in manchen 
Fällen die Kehllaute fälschlicherweise für mechanisch durch die 
Bewegung der Schwingen hervorgebrachte Töne gehalten hat 
(s. auch ob. den Vergleich mit den Hornkugeln). Immerhin wird 
der Kenner beides nie verwechseln; die doch schon recht vollen 
runden „bu" verraten deutlich den Ursprung aus der Kehle, 
gegenüber dem hölzernen Mecker-Geräusch von Schwanz und 
Flügeln der Bekassine. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 379 

51. Cuculus canorus L. Noch am 25. IX. mehrere am 
Weinberg nördl. von Nauen. 

52. Dryocopus martius L. Bei den vielen Schwarzspecht - 
höhlen, die ich in den letzten Jahren in den verschiedensten 
Gegenden gefunden habe, ist mir aufgefallen, dafs in der Mehr- 
zahl der Fälle das Einflugloch nicht rund oder länglich gestaltet 

ist, sondern die Form etwa eines romanischen 

Fensters hat, also mit fast horizontaler Basis, 
was nebenstehende kleine Figur veranschaulichen 
soll; und zwar war dies auch schon bei ganz 
frich ausgemeifselten Höhlen der Fall, wo die 
Spechte zuweilen noch bei der weiteren „Ausar- 
beitung" des Inneren überrascht werden konnten. 
In den Ergänzungen des neuen Naumann (Bd. 4, 
S. 315) sind nur elliptische oder ovale Formen 
dieser Einfluglöcher verzeichnet. — Als weitere Brutgebiete 
mögen hier noch angeführt sein die Jühnsdorfer Heide, Forst 
Grünau-Dahme, der Königswald (Römerschanze), der Zootzen, 
Forst Grumsin. 

53. Älcedo ispida L. Am 20, II. an der Spree bei Friedrichs- 
hagen 1 St.; 27. II. Schwielow-See 2 St.; 10. IV. Teupitzer See 
1 St.; 3. VII. u. 28. VIII. Hölzerner bez. Förster-See (Dubrow) je 
1 St.; 5. VII. Pfaueninsel 1 St.; 31. VII. Werbellin-See 1 St.; 
9. X. Kl. iMüggel-See 1 St., 6. XI. Todnitz-See 1 St.; 17. XII. 
Wann-See 1 St. 

54. Coracias garrulus L. Die im vor. Ber. an erster Stelle 
genannte Nisthöhle im Grunewald war auch in diesem Sommer 
wieder besetzt; obwohl sich gerade hier in der Nähe, ja sogar 
im Nistbaum selbst noch weitere verlassene Schwarzspechthöhlen 
befinden, war doch genau die gleiche Höhle wie im Vorjahr 
wieder angenommen; es mochte wohl dasselbe Brutpaar sein. 
Am 13. VII. fütterten die Alten um 5,55 h, sodann eine ganze 
Stunde gar nicht, darauf aber von 6,57 h bis 7,08 h aller 1—2 
Minuten. Die 1. c. zu zweit erwähnte Nisthöhle wurde am 25. V. 
mehrmals von den beiden Raken revidiert, sie schienen sich dann 
jedesmal gegenseitig ihren Unwillen zu bekunden, denn jene war 
bereits von Hohltauben occupiert, die hier mehrere Brüten zeitigten. 
Die Raken schienen indessen nicht ganz aus diesem Revierteil 
verschwunden zu sein; am 6. VIII. zeigte sich eine Familie, 2 
Alte und 3 flügge Junge, kaum 1 km weiter südöstlich, es dürfte 
dies vielleicht obiges Paar gewesen sein. 

55. Apus apus L. Die ersten am 26. IV. bei Werder a. d. 
Havel, die letzten am 17. VIII. bei Dahlem unter Rauchschwalben. 

56. Lanius excubitor L. Am 27. I. 1 St. im Luch westl. 
Jühnsdoif, 23. VII. 4 St. bei Hoppenrade herumstreichend; von 
Mitte August an einzelne im Havelländischen und Rhin-Luch; die 
Vögel waren meist sehr weit entfernt. Von Beutetieren fanden 
sich z. B. am 21. VIII. im Rhin-Luch ein junger Moorfrosch 

25* 



380 Dr. Erich Hesse: 

(Rana arvalis Nils.) in Weidenrutenzwiesel eingeklemmt, dagegen 
nur wenige Zweige davon der Vorderkörper eines männlichen 
Warzenbeifsers (Decticus verrucivorus L.) auf ein dürres Ästchen 
gespiefst; am 18. XII. im Havel.-Luch eine Feldmaus (Arvicola 
arvalis Fall.) wiederum eingeklemmt in Weidenrutenzwiesel. 

57. Corvus fruyüegus L. Am 5. V. besuchten wir die grofse 
Kolonie südöstlich von Göttin; sie befindet sich in einem Erlen- 
bruch, der, rings umgeben von Bruchwiesen, auch noch um diese 
Zeit so gut wie völlig unzugänglich war und tief unter Wasser 
stand. Die Kolonie zählt zur Zeit mehrere Hundert Paare, und 
es befinden sich darin ganz alte Horste von relativ enormen Dimen- 
sionen. — 

Am 16., 17., 20., 21. und 22. X. zogen truppweise Schwärme 
von „Schwarzkrähen" und Dohlen sehr hoch und genau süd- 
westlich über das Rhin- und Havelland. Luch, und zwar in der 
Zeit von etwa vorm. 9h — Ih; der Windursprung war hier in 
der Reihenfolge obiger Daten: 0., 0., S.O., O.N.O., O.N.O. — 

58. Fringilla moniifringilla L. Der letzte (cT) im Frühjahr 
am 17. IV. bei Deutschhof mit 3 Hänflingen zusammen, die ersten 
im Herbst am 25. IX. bei Nauen. 

59. Äcanthis cannabina L. Gesang im Herbst 16. und 19. X. 
bei Linum (s. u.). 

60. Äcanthis flavirostris L. Am 13. HI. im Nauener Luch 
zwei gröfsere Schwärme von ca. 50 und ca. 30 St. sowie einzelne 
kleine Trupps, bald auf den Spitzen der Bäume ausruhend, bald 
auf Wiesen und Feldern Nahrung suchend; im Flug und auch 
während der Ruhe neben dem „gäck gäck . . .*' noch zeisigartiges 
Geschwätz, „dädidähtsch . . ." und ganz ähnliche Rufe. 

61. Äcanthis linaria L. Die ersten Birkenzeisige, 21 Stück, 
deren Erscheinen auch bereits aus anderen Gegenden gemeldet 
wurde, traf ich am 20. X. im Havelland. Luch; seitdem waren 
sie bis zum Jahresende an den verschiedensten Stellen der näheren 
und weiteren Umgebung Berlins zu finden, einzeln, in kleineren 
Trupps oder auch in gröfseren Schwärmen bis zu 60 St. Aufser 
dem bekannten „tschätschätschä . . ." war auffällig oft das an 

Grünfink erinnernde hinaufgezogene „hu zu hören. — 

Das Erscheinen dieser nordischen Birkenzeisige, ebenso das- 
jenige der Zwergsäger (s. o. S. 365), z. T. auch der grofsen 
Gimpel (s. u.), zeigt uns wieder, dafs wir sehr wohl auch in milden 
Wintern nordische Gäste antreffen können. Es richtet sich doch 
einzig und allein danach, was für Verhältnisse in der nordischen 
Heimat der betreffenden Arten herrschen ; sind erstere ungünstig, 
so werden die Vögel gezwungen, weiter südlich zu streichen ; wie 
die Verhältnisse in diesen weiter südlichen Gebieten sind, ist 
erst eine zweite Frage; sieht es auch hier ungünstig mit der 
Nahrung aus, so wird die Wanderung noch weiter südlich gehen, 
steht es günstig, so werden die Vögel Aufenthalt nehmen. Man 



BeobachtuDgen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 381 

darf nie als allgemein gültig hinstellen, dafs nordische Gäste nur 
in bei uns strengen Wintern zu erwarten sind. — 

62. Fyrrhula. Seit dem 13. XI. zeigten sich ebenfalls an 
den verschiedensten Stellen des Berliner Gebietes häufig Gimpel, 
gewöhnlich einzeln oder zu ganz wenigen. Es schien vorherrschend 
die grofse nordöstliche Form zu sein, doch waren auch sehr 
kleine Individuen darunter. Die Vorkommen bei Leipzig habe 
ich bereits ob. S. 362 angeführt; Dr. Schottmüller teilte mir mit, 
dafs um dieselbe Zeit auch in der Umgegend Brombergs (Posen) 
auffällig viel Gimpel anzutreffen waren. Es dürfte also auch bei 
dieser Art eine Invasion stattgefunden haben. 

63. Emheriza calandra L. Gesang im Herbst und Winter: 
2, und 30. X. bei Lichtenrade; 17., 18., und 19. X. bei Linum ; 
13. XI. bei Börnicke (s. u.). 

64. Emheriza citrinella L. Gesang im Herbst: 17. X. bei 
Linum (s. u.). 

65. Emheriza schoeniclus L. Am 27. II. 1 cT schon lebhaft 
am Schwielow-See singend; es ist dies der früheste Termin, 
an dem ich jemals Rohrammern habe singen hören. 

66. Änthus pratensis L. Vorkommen zu mehreren im Winter: 
30. I. Nauener Luch Schwärm von 11 Stück. 

67. Alauda arvensis L. Vorkommen im Winter: 27. I. 
2 St. im Luch bei Jühnsdorf; 22. XIL 1 St. bei Dahlem. — 
Am 7. VII. ahmte in dem soeben erwähnten Luchgebiet eine 
Feldlerche, am Boden singend, täuschend Rufe des grofsen Brach- 
vogels nach, sie wieder ab und zu in ihre Strophen einflechtend; 
einzelne Individuen scheinen ganz besonders mit diesem Nach- 
ahmungstalent ausgestattet zu sein. 

68. Galerida cristata L. Gesang im Herbst: 15. IX. bei 
Dahlem; 2. X. bei Schönefeld (s. u.). 

69. Cerihia. 3. IV. Wildpark ein Individuum die Triller- 
strophe, ein andres Kombinationen, 1. V. Rade-Berge (Dubrow) 
eins das Liedchen, ein andres die Trillerstrophe singend; also 
wieder alle drei Typen des Gesanges nebeneinander vertreten. 

70. Äegithalus roseus Blyth. 10. IV. in der Nähe von Gr. 
Köris mehrere unter einem Schwann weifsköpfiger Schwanzmeisen. 

71. Sylvia nisoria Bebst. Am 17. VII. 1 Alter und 3 flügge 
Junge in einem Fliederbusch mitten im Rhin-Luch. Es befremdet 
zunächst, einen solchen Zierstrauch inmitten des urwüchsigen Luchs 
zu finden, was sich aber sehr einfach erklärt: Wie ich erfahren 
konnte, befand sich hier ehedem zur Zeit der Torfgräberei ein 
kleines Anwesen; die verwilderte Fliederhecke und eine alte 
Linde nah dabei sind jetzt noch die letzen Überreste davon. 

72. Äcrocephalus aquaticus Gm. Es gelang, den Binsenrohr- 
sänger noch in mehreren anderen Gegenden als Brutvogel nach- 
zuweisen. Wenn ich die beiden breits im vor. Ber. erwähnten 
noch einmal mit anführen soll, so sind es zur Zeit die folgenden 
Brutgebiete: 1. die gesamten Brücher des Havelländischen Luchs; — 



382 Dr. Erich Hesse: 

2. die gesamten Brücher des Rhin-Luchs; — 3. die Nuthe- 
Brücher, also das gesarate Luchgebiet etwa, um nur drei Punkte 
zu nennen, zwischen Rangsdorfer See, Wietstock und Grofsbeeren ; 
hier mag der Vogel indessen früher viel häufiger gewesen sein, 
denn ein grofser Teil des Luches ist bereits urbar gemacht und 
die Trockenlegung schreitet immer weiter vor sich; mit tiefstem 
Bedauern sieht man hier wieder ein grofses Stück ursprünglicher 
Natur, wo noch bis vor wenigen Jahren auch der Kranich brütete, 
der Kultur weichen; — 4. die Brücher bei Golm, etwas nordwestl. 
vom Forst Wildpark beginnend und sich bis Grube hinauferstrek- 
kend; — 5. die Brücher entlang des Sakrow-Paretzer Kanals sowie 
diejenigen nordöstl. von Paretz; — 6. das Phöbener und das 
Schmergower Bruch; — 7. das Luchgebiet bei Priort, insbesondere 
am Wublitz-See und entlang dem Satzkornschen Graben; — 
8. das Fenn des Prierow-See bei Zossen. — In allen diesen 
Gebieten war wiederum das Caricetum der typische Wohnort unseres 
Vogels, wie es ja gerade in den grofsen Luchen der Mark so 
hervorragend zur Entwicklung gelangt ist, an vielen Stellen ein- 
gestreut einzelne dürftige Saalweidenbüsche; manchmal dringt er 
auch in jene Übergangszonen von Caricetum und Phragmitetum vor, 
eine Pflanzenformation, die man also mit dem Begriff Phragmiteto- 
Caricetum bezeichnen würde — Vielleicht lassen sich im Laufe 
der Zeit hier noch mehr Brutplätze dieses Vogels feststellen. — 
An dem vorhin genannten Prierow-See waren zur Brutzeit 
alle unsre fünf Rohrsänger vertreten und zu beobachten: Es sangen 
Drossel- und Teichrohrsänger im Rohr, Schilf- und Binsenrohrsänger 
im Saalweidengebüsch und Ried, Sumpfrohrsänger in anstehenden 
Getreidefeldern; — gewifs ein seltenes Vorkommnis! ~ 

73. Phylloscopus trochilus L. Gesang im Herbst: 14. VIII. 
bei Gr. Ziethen; 21. u. 27. VIII. bei Dahlem, (s. u.) 

74. rhytloscopus rufus Bebst. Gesang im Herbst: 11., 16., 
19., 20., 21., 22., 23., 26., 27., 28., 29. u. 30. IX. sowie 1., 2., 
4. u. 8. X. bei Dahlem; 9. X. am gr. Müggel-See. (s. u.) 

75. Turdus iliacus L. Vom 13. III. — 17. IV. und wieder 
vom 17. X. — 13. XI. einzelne oder Trupps an verschiedenen 
Stellen; am 13. III. im Havel. -Luch Wein- und Wacholderdrosseln 
sowie Stare gemischt, ein Schwärm von ca. 60 St.; auffälligerweise 
noch einmal am 6. V. eine einzelne bei Dahlem. 

76. Turdus viscivorus L. 4. IX. Rade -Berge (Dubrow) 
Schwärm von ca. 40 St., Alte und Junge, beim Umherstreichen 
das Schnarren demzufolge recht lebhaft. 

77. Erithacus titys L. Zweite Sangesperiode im Herbst: 7. 
IX. — 10. X. in Dahlem, (s. u.) 

78. Erithacus phoenicurus L. Am 30. IV. Dubrow 1 (f jede 

seiner Gesanges-Strophen ausnahmslos mit 8—10 „hü ^" einleitend, 
also gewissermafsen den oft wiederholten ersten Teil des Lockens 
mit dem Gesang stets vereinigend. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1910. 383 

79. Erithacus rubeculus L. Gesang im Winter: 13. XII. in 
Dahlem. — 

Ich habe immer und immer wieder alljährlich die verschie- 
denen Sänger im Herbst und Winter genau notiert, um, soweit 
dies überhaupt erreichbar ist, ein möglichst grofses statistisches 
Material zu erhalten, und habe hierzu ganz besonders auf die 
zu gegebener Zeit herrschenden Witterungsverhältnisse geachtet; 
es liefsen sich aber dabei alle nur erdenklichen Wetterlagen 
beobachten. Oft schien es ja, als ob Aufheiterung, das Durch- 
brechen der Sonne, zum Gesang anrege, in vielen andern Fällen 
aber war hinsichtlich des Wetters gerade das absolute Gegenteil 
zu konstatieren u. s. w. Es scheinen somit auch innere, im Organismus 
des Vogels selbst begründete Ursachen mitzuwirken (z. B. Mauser), 
die wir für das Leben in der freien Natur nicht so ohne weiteres 
erkennen und erklären können; dafür dürften auch die geradezu 
als zweiteSangesperioden zu bezeichnenden Erscheinungen sprechen, 
wie wir sie am ausgeprägtesten beim Hausrotschwanz, z. T. 
auch beim Weidenlaubvogel beobachten. Und, ich weise auch 
hier nochmals darauf hin, etwa junge, dichtende Vögel kommen 
bei den Sängern des Herbstes und Winters nur zum Teil in 
Frage. Aber auch über diese ganzen Verhältnisse müfsten erst 
einmal aus möglichst viel verschiedenen Gebieten alljährliche ge- 
naue Aufzeichnungen vorliegen. 



Dies .möge für 1910 genügen. 



384 



Beobachtungen aus der Umgegend Ton Posen. 
Von J. Hammling und K. Schulz. 

Um auf Grund eigener Beobachtungen einen möglichst voll- 
ständigen Überblick über die Vogelwelt zunächst eines Teiles 
unsrer ornithologisch bisher etwas vernachlässigten Heimatprovinz 
zu gewinnen, haben wir uns auf ein verhältnismäfsig kleines 
Gebiet beschränkt. Dieses Gebiet wird von Norden nach Süden 
durch das Warthetal durchschnitten, Mittelpunkt des Gebietes, 
von beiden Endpunkten desselben so ziemlich gleich weit entfernt, 
ist Posen. Unsre Provinzialhauptstadt liegt am, teilweise im 
Tal der mittleren Warthe, dem in der Hauptsache in nordsüd- 
licher Richtung verlaufenden Verbindungstal zwischen dem Thorn- 
Eberswalder und Warschau-Berliner Urstromtale, die unsere 
Provinz in westöstlicher Richtung schneiden. Schon hieraus ist 
ersichtlich, dafs unser Beobachtungsgebiet nicht im Bereiche 
einer Hauptzugstrafse gelegen ist. Diese werden vielmehr in 
der Richtung der Urstromtäler verlaufen, wie wir dies für das 
nördliche der beiden genannten Haupttäler vielfach bestätigt 
gefunden haben. Aufser dem Warthetal kamen für unsre 
Zwecke noch die nicht unbedeutenden Seitentäler der von Osten 
und Westen her unmittelbar bei Posen in die Warthe einmün- 
denden Flüfschen Cybinoa und Bogdanka in Betracht. 

Das ziemlich tief in die wellige Posener Diluviallandschaft 
eingeschnittene Warthetal, d. h. das jetzige Überschwemmungs- 
gebiet der Warthe, ist durchschnittlich 1/2 bis IV2 km breit. 
Etwa 5 km oberhalb Posens liegt am linken Flufsufer der Eich- 
wald (Schutzbezirk Luisenhain, zur Königl. Oberförsterei Ludwigs- 
berg gehörig), ein beliebter Ausflugspunkt der Posener. Der 
Luisenhain, 83,366 ha grofs,i) liegt im Überschwemmungsgebiete 
der Warthe. Er besteht zu einem grofsen Teile aus Kiefern, die 
besonders am Nord- und Südrande einen bis zu 75 Jahre alten 
Bestand aufweisen. 2) In der Mitte, südlich des den Wald durch- 
schneidenden Dammes der Posen -Kreuzburger Bahn stehen 
bis zu 140 Jahren alte Eichen, auch Fichten, Birken und Erlen. 
Unter den mächtigen Eichen und Kiefern wächst reiches Unter- 
holz, besonders aus prunus padus, evonymus, ulmus-Arten, sam- 
bucus, corylus, an den Rändern und in den Lichtungen aus cornus, 

1) Wir verdanken diese Angabe einer freundlichen Mitteilung des 
Herrn Oberförsters Teske in Ludwigsberg. Danach ist die irrtümliche 
Angabe in den 0. M., Maiheft 1908 S. 78 zu berichtigen. 

') Diese und einige folg. Angaben entnehmen wir dem Berichte 
über Bäume u. Wälder der Prov. Posen von Prof. Dr. Pfuhl (Zeitschr. 
der Naturw. Abt. der Deutschen Gesell, für Kunst u. Wiss. in Posen, 
X. Jahrgang 1904, sowie XVL Jahrg. 1909. 



Beobachtungen aus der Umgegend von Posen. 386 

prunus spinosa, rhamnus, Crataegus u. s. w, bestehend. Zwischen 
den Büschen rankt reichlich humulus lupulus. Da der Auwald 
forstlich nicht ausgenützt wird und nur tote Bäume entfernt 
werden, so bietet er allerlei Vögeln, besonders den Sängern 
erwünschte und reichliche Brutgelegenheit. Stark verschilfte 
Lachen im Walde selbst wie an seinen Rändern, ebenso auch 
die die Warthewiesen bis zur Stadt hin durchziehenden Altwässer 
gewähren dem Wassergeflügel gute Verstecke. Die Wiesen 
selbst sind ziemlich dürftig. Das Warthetal wird alljährlich 
mehr oder weniger überflutet, ja bei Hochwasser ganz ausgefüllt. 
Dabei wird der sehr durchlässige Sand je nach den Boden- 
verhältnissen teilweise umgelagert. Wo er nicht geradezu Dünen 
bildet, kann im Bereich der regelmäfsigen Überschwemmungen 
jedenfalls nur äufserst wenig Humus entstehen, so dafs das 
dürftige Gras nur in nassen Jahren eine leidliche Heuernte 
gibt. Entlegenere Stellen sind etwas besser daran, so dafs wir 
neben Standorten von arabis arenosa und oenothera biennis alle 
Übergänge bis zu denen von symphytum officinale finden. 

Am rechten Ufer der Warthe, die hier nahe an die Uferhöhen 
herantritt, befinden sich mehrere Lehmausstichtümpel mit Rohr- 
horsten (phragmites communis), die Rohrsänger beherbergen 
und von Schwalben und Bachstelzen zur Nachtruhe aufgesucht 
werden. Diese Tümpel sind ein Produkt der Ziegeleien, die den 
hier nicht eben tief liegenden tertiären Ton, den sogenannten 
Posener Flammenton, verarbeiten. Etwa dem Viktoriapark ge- 
genüber befindet sich in einem Lehmausstiche alljährlich eine 
starke Brutkolonie von Erdschwalben (c). Die Brutröhren werden 
in den oberen Diluvialsanden angelegt. 

In Posen selbst und seiner nächsten Umgebung waren es 
besonders die prächtigen Festungsanlagen (auch die Wallgräben, 
die jetzt meist verschwunden sind, boten noch vor wenigen Jahren 
der Kleinvogelwelt, besonders Blaukehlchen und Sperbergras- 
mücken, günstige Plätze), der im Weichbilde der Stadt liegende 
Petrikirchhof, die Kirchhöfe hinter dem neu angelegten Schillerparke 
mit seinem schönen Teiche, sowie der nahe an der Stadt liegende 
Schilling mit seinen stattlichen alten Bäumen, die reiche Ausbeute 
versprachen und boten. Berühmt sind besonders seit alter Zeit 
die Anlagen unsres Kernwerks wegen ihres Reichturas an Nach- 
tigallen. Das Kernwerk, ein Teil der Stadtbefestigung, der sich 
steil aus dem Warthe- und Bogdankatale erhebt, enthält einen 
zwar nicht sehr breiten, aber etwa 4V2 km langen Gebüschgürtel, 
bei dem im Sommer durch chelidonium, geum urbanum, galium 
aparine, myrrhis temula und Urtica der Boden fast meterhoch dem 
Blick entzogen wird. 

Unterhalb Posens bekleidet die Ufer der Warthe stellen- 
weise dichtes Weidengebüsch, das leider immer mehr gelichtet 
oder auch völlig ausgerottet wird. Doch beherbergt das Ufer- 
gebüsch an der gegenüber dem Schilling einmündenden Cybina 



386 J. Hammling und K. Schulz: 

sowie am rechten Wartheufer bis zur Militärfähre hin noch zahl- 
reiche Grasmücken, auch Rohrsänger, Blaukehlchen u. s, w. Unter- 
halb der Fähre treten auf der rechten Stromseite sandige Uferhöhen 
bis unmittelbar an den Flufs, so dafs bei Hochwasser sich einige 
Meter hohe, glatte Absturzstellen bilden, an denen in manchen 
Jahren zahlreiche Erdschwalben nisten (a). Zu einer dritten 
Kolonie (b) führt die hier die Warthe mittels einer Fähre kreu- 
zende Ringstrafse. Diese Schwalbensiedelung befindet sich etwa 
1 km westlich in einer vor dem Dorfe Naramowice liegenden 
Sandgrube. 

Einige 100 m unterhalb der Fähre wendete sich früher die 
Warthe nach Nordwest, durchströmte das hier sich etwas 
verengende Tal und wurde dann durch steile UferhÖhen wieder 
in die nördliche Richtung gedrängt. Hier fallen schroffe Abhänge 
ins Warthtetalab, deren Nordende die sogenannte „tertiäre Wand" 
(vgl. Pfuhl u. a. 0.) bildet. Durch die Geradlegung des Warthe- 
bettes ist hier, da die stagnierende alte Warthe an der ehe- 
maligen Stroniseite stets Wasser zu führen flegt, eine bei nor- 
malem Wasserstande allerdings stets zugängliche Insel geschaffen 
worden. Nicht nur auf dieser Insel, sondern auch in dem alten 
Warthebette wächst dichtes Weidengebüsch, zwischen dem ein- 
zelne kleine Tümpel, von üppig aufgeschossenen Grasbüscheln 
umsäumt, frei bleiben. Da ferner auch das linke Ufer des ehe- 
maligen Warthebettes dichtes Weidengebüsch (bes. Mandel- und 
Purpurweide) trägt, zwischen dem Gräser und Nesseln wuchern, 
Brombeeren und Hopfenpflanzen ranken, da ferner das vorher 
genannte Steilufer, auf dem der Weg zum Etablissement Wolfs- 
mühle führt, mit schier undurchdringlichem Schwarz- und Weifs- 
dorngebüsch bedeckt ist, so ist hier die Kleinvogelwelt recht 
zahlreich vertreten. Grasmücken, Rohrsänger, Blaukehlchen, 
Fitislaubvögel, Rohrammern sind in auffallender Menge vorhanden. 
Auch der Heuschreckensänger fehlt nicht, und regelmäfsig haust 
hier die Zwergrohrdommel. 

Mit Recht wird von Pfuhl auch die Anmut des Landschafts- 
bildes hervorgehoben. Während von der „tertiären Wand" aus 
der Blick nach Norden hin ungehemmt nach dem etwa 5V2 km 
entfernten, mit dunkeln Kiefern gekrönten Annaberge schweift, 
nach Süden hin mit Wohlgefallen auf den Türmen des Doms und den 
aus dem GründerGärten hervorlugenden Häusern derUnterstadtruht, 
schiebt sich geradeaus gegen die sandigen Höhen des Gluwnoer Exer- 
zierplatzes hin ein dunkles Kiefernwäldchen, das militärische Schiefs- 
stände enthält, vors Auge und schliefst das Landschaftsbild nach Osten 
hin wirkungsvoll ab. Dieser Kiefernwald istder bevorzugte Schlafplatz 
aller bei uns überwinternden Saatkrähen und Dohlen ; auch Mantel- 
krähen fehlen nicht, die sich jedoch meist von den andern getrennt 
halten. Auf den Sandflächen unterhalb des Wäldchens hausen Triele. 

Weidengebüsch in gröfserer oder geringerer Ausdehnung be- 
gleitet auch weiterhin unterhalb der Wolfsschlucbt das linke Ufer der 



Beobachtungen aus der Umgegend von Posen. , 387 

Warthe bis zum Knie (dem Dorfe Czerwonak gegenüber), und 
besonders der letzte Teil des hier ziemlich breiten Tales enthält 
mehrere mit dichtem Schilf und hohen Sumpfgräsern bewachsene 
Lachen, die Enten, Bläfsköpfe, Teichhühnchen beherbergen und 
in der Zugzeit gern von Sumpfschnepfen und Totaniden besucht 
werden. 

Schmäler sind die Täler, die sich die Cybina und Bogdanka 
gegraben haben, doch liegen hier die Verhältnisse ähnlich wie 
beim Warthetale. Das dichte Buschwerk an der Elsenmühle 
(4V2 km etwa von Posen entfernt) beherbergt Turteltauben. Die 
hohen sandigen Ufer, auf denen Triele wohnen, bilden einen leb- 
haften Kontrast mit dem saftigen Grün der Büsche und der aus- 
gedehnten "Wiesen, die weiter unterhalb das Flüfschen rechts und 
links umsäumen, teilweise unterbrochen durch kleinere odergröfsere 
Waldparzellen, von denen das Solatscher Kiefernwäldchen, etwa 
17 ha grofs, in den Besitz der Stadt Posen übergegangen ist. 
Die rührige Stadtverwaltung ist eifrig dabei, durch schöne Park- 
anlagen eine anmutige Verbindung zwischen Stadt und Wald 
herzustellen; auch ausgedehnte Teichanlagen sind in der Nähe 
des an der Bogdanka unterhalb Solatsch liegenden Auwäldchens 
geschaffen worden. In diesem Wäldchen, das freilich infolge der 
neuen Anlagen stark gelichtet ist, konnten wir besonders Sperber- 
grasmücken, doch auch zuzeiten zahlreiche andere Vögel, die 
nach den Früchten der hier reichlich wachsenden Weichselkirschen 
(prunus mahaleb) lüstern waren, beobachten. 

Besonders tief eingeschnitten ist stellenweise das sich von 
Posen aus in östlicher Richtung hinziehende Tal der Cybina. 
Etwa 1 km vor dem Warschauer Tore liegt am rechten Cybina- 
ufer das Etablissement Schlofspark Ostend unmittbar an dem hier 
teichartig erweiterten Flüfschen. Die dichten Rohrbestände und die 
Schilfmassen auf den teilweise schwimmenden Inseln werden von 
Sumpf- und Wassergeflügel belebt. Gegenüber dem Schlofspark 
Ostend ziehen sich an der Schwersenzer Chausee entlang militär- 
fiskalische Schiefsstände hin, in deren prächtigen Anlagen zahlreiche 
Vögel wohnen. Hinter den Schiefsständen auf den sandigen 
rechten Uferhöhen befindet sich die Brutstätte eines Trielpaares, 
während die W^iesenflächen jenseits des Flüfschens vomWiesenpieper, 
Kiebitz, Braunkehlchen und zeitweilig vom Heuschreckensänger 
bewohnt werden. Weiter aufwärts treffen wir auf einen der 
lieblichsten Punkte in der Umgegend unserer Stadt. Es ist der 
sogenannte Kobylepoler Grund. Während das Flüfschen bei der 
Louczmühle wieder eine von undurchdringlichem Röhricht bedeckte 
teichartige Erweiterung bildet, die von zahlreichen Vögeln belebt 
wird, sind die Ufer sowie die steilen Gehänge mit Laubwald und 
dichtem Buschwerk bewachsen, das sich auf den Uferhöhen in 
einem Kiefern- und Birkenwäldchen fortsetzt. Das zwischen steilen 
Uferhöhen tief eingeschnittene Tal zieht sich, an einer Seite von 
dichtem Buschwerk umsäumt, flufsaufwärts an dem etwa 5 km 



388 J. Hammliug und K. Schulz: 

von Posen entfernten Park von Kobylepole vorbei bis zu der das 
Flüfschen überschreitenden Chaussee nach Schwersenz. Östlich 
der Strafse nimmt der von der Cybina durchströmte Schwer- 
senzer See fast das ganze Tal ein. Dieser See, etwa 90 ha 
grofs, 1) das Posen zunächst liegende gröfsere Wasserbecken, 
ermangelt zwar „der landschaftlichen Reiz verleihenden Wald- 
bedeckung", zeigt aber an seinen Rändern fast durchweg eine 
dichte Rohr- und Schilfwand, die sehr zahlreichen Rohrsängern, 
besonders Drossel- und Teichrohrsängern, Unterkunft bietet, 
während die Wasserfläche von Haubentauchern belebt wird. 

Dies ist das Gebiet, auf das sich während einer Reihe 
von Jahren unsre Beobachtungen erstreckten. Wir waren so 
ziemlich täglich draufsen, freilich nicht immer auf ausgedehnten 
Exkursionen, wenn solche auch so oft als möglich gemacht 
wurden. Von Berufsgeschäften sehr in Anspruch genommen, mufsten 
wir unsre täglichen Spaziergänge für unsre Zwecke fruchtbar 
zu machen suchen. Eine merkbare Lücke ergibt sich nur für 
die Zeit der Sommerferien, wo wir unserem Beobachtungsgebiete 
fern waren. 

Nur in wenigen Fällen haben wir über das vorher skizzierte 
Gebiet hinausgegrififen, wenn entweder eigene Beobachtungen in 
anderen Teilen der Provinz unserseits gemacht worden waren 
(Zwergfliegenfänger), oder bestimmte Mitteilungen dritter Personen 
vorlagen. 

Eingehendere Beobachtungen über den Herbstzug der Vögel 
sind erst in den letzten beiden Jahren von uns angestellt worden. 

Auf Angaben in der Literatur haben wir hier, wo es sich 
um eigene Beobachtungen handelt, grundsätzlich nicht Bezug 
genommen. In der systematischen Aufzählung der Vögel und 
ihrer Benennung halten wir uns durchaus an Reichenow „Die 
Kennzeichen der Vögel Deutschlands", Neudamm 1902. 



1. Calymbus cristatus L. 

Für die nähere Umgebung von Posen ist der Haubentaucher 
nur ein seltner Durchzugsvogel, da gröfsere Wasserflächen nicht 
vorhanden sind. Am 17. IV. 09 wurde l Stück auf den über- 
schwemmten Wiesen zwischen Schilling und Gluwno beobachtet; 
etwas weiter entfernt, doch mit dem Glase noch erreichbar, 
waren 2 weitere Stücke sichtbar. Die^ Vögel befanden sich 
noch auf dem Frühjahrszuge. 

Am 18. IX. 05 hatte sich gegen Abend ein Vogel dieser 
Art auf der Warthe gegenüben dem Rennplatz in einem stillen 
Winkel zwischen einer Buhne und dem rechten Ufer niedergelassen. 



1) vgl. Dr. Schütze in der Zeitschr. „Aus dem Posener Lande", 
1908 p. 501 f. 



Beobachtungen ans der Umgegend von Posen. 389 

Der Vogel schwamm uoruhig hin und her, flog aber nicht ab, als 
wir vorbeigingen. 

Auf dem etwa 10 km von Posen entfernten Schwersenzer 
See brütet diese Art. Am 28. VI 08 waren in einer Schilfbucht 
2 Paare alter Haubentaucher sichtbar, von denen das eine 2, 
das andere 1 halbwüchsiges Junges bei sich hatte. In der Nähe 
der Zieliniec-Mühle am Westende des Sees war ein drittes Paar 
mit 2 Jungen sichtbar, an der Schilfwand hinziehend. Auch auf 
dem Lubascher See im Kreise Czarnikau ist diese Art häufiger 
Brutvogel. Am 14. IV. 08 waren diese Taucher hier bereits reichlich 
vertreten (H.). 

Am 19. X. 09 waren pfeifende Rufe junger Taucher, die 
sich offenbar auf dem Zuge befanden, auf der schilfbedeckten, 
teichartig erweiterten Cybina beim Etablissement Schlofspark 
Ostend zu hören. Ob die Urheber dieser Töne junge Hauben- 
steifsfüfse oder Rothalstaucher waren, konnte bei der zum Ver- 
welchseln ähnlichen Beschaffenheit der Rufe beider Arten nicht 
festgestellt werden. 

Anmerkung: Vgl. über die Rufe der Jungen beider Arten 
Hesse im J. f. 0. 1908 I p. 26 und 1909 III, dessen Angaben 
nach Beobachtungen in Tütz in Westpreufsen, wo beide Arten 
ziemlich häufig brüten, durchaus bestätigt werden konnten (H.). 

2. Colymbus nigricans Scop. 

Am 2. V. 08 hörten wir Balztriller des kleinen Tauchers 
auf einer von dichtem Weidicht umsäumten Überschwemmungs- 
lache in der Nähe der Wolfsmühle, ebenso am 8. V., später je- 
doch nicht mehr. Obwohl gute Verstecke und ausreichender 
Pflanzenschutz vorhanden waren, scheinen die Vögel nicht zur 
Brut geschritten zu sein, vielleicht wegen ungenügenden Wasser- 
standes. Am 17. V. waren Balztriller etwas weiter nördlich auf 
einem der gras- und schilfreichen Überschwemmungstümpel 
zwischen Wolfsmühle und Wartheknie zu hören. Auch bei 
niedrigem Wasserstande trocknen diese Tümpel nicht aus, bieten 
auch durch den üppigen Pflanzenwuchs an den Rändern genügenden 
Schutz; der kleine Wasserspiegel ist meist mit den Blättern der 
Seerose bedeckt. Vielleicht hatten sich die Vögel zum Brutge- 
schäft hierher gezogen, doch wurden Nest und Junge nicht ge- 
funden. 

Am 26, IV. 09 wurde dieser kleine Taucher auf der teil- 
weise mit Rohr und Schilf bedeckten teichartig erweiterten Cybina 
an der Loncz-Mühle gehört. Nach zuverlässigen Angaben ver- 
weilt der Vogel hier den ganzen Sommer, so dafs auch hier mit 
dem Brüten des Vogels zu rechnen ist. 

Auf dem Herbstzuge wurde der Zwergtaucher nur einmal 
beobachtet. Am 12. XI. 05 trillerte ein solcher in der gute 
Deckung bietenden Westecke des sogenannten Rohrteichs, des 



390 J. Hammling und K. Schulz: 

Ausschachtungsgeläüdes an der Südseite des Kernwerks. Das 
Gelände, im Sommer eine Wiese, war erst vor wenigen Tagen 
durch Ableitung der Bogdanka überflutet worden, um im "Winter 
als Eisbahn zu dienen. 

3. Larus ridibundus L. 

Im März oder im April treffen regelmäfsig einzelne Stücke oder 
kleine Schwärme dieser Möwenart hier ein und treiben sich eine 
Zeitlang auf den überschwemmten Wiesen oder über der Warthe 
umher. Am 22. III. 08 zog ein kleiner Schwärm gegenüber dem 
Schilling wartheaufwärts ; am 28. III. 09 schwebte 1 Stück über 
den Wiesen an der Einmündung der Cybina in die Warthe, von 
einer Saatkrähe mehrfach befehdet. Am 17. und 18. IV. 09 
trieben sich auf den noch immer überschwemmten Wiesen zwischen 
Schilling und Wolfsmühle zahlreiche Vögel dieser Art umher; 
am Nachmittage des 18. IV. erhob sich unter lebhaftem Geschrei 
ein Schwärm von etwa 10 Stück, um weiter zu ziehen. 

Auch im Juni wurden wiederholt einzelne Vögel über der 
Warthe gesehen ; am 5. VI. 08 1 St. in der Nähe des Warthe- 
knies, über dem Flusse auf und ab streichend; am 4. VI. 09 
1 St. über der Warthe an der Insel hinziehend um ^/»8 p (V28 p 
(= post meridiem) = 1/28 Uhr nachmitttags) ; am 6. VI. zog 
1 St. um 6 p flufsaufwärts bis zum Schilling, dann wieder strom- 
abwärts; um Yg^ p flogen 2 St. ziemlich hoch jenseits der 
Warthe der Stadt zu ; am 29. VI. wurde 1 Vogel gegen Abend 
von der Wolfsmühle aus beobachtet, die Warthe aufwärts fliegend, 
gegen Yg^ P war der Vogel wieder bei der Wartheinsel. 

Im Frühjahr 1907 versuchte ein Paar Lachmöwen sich hier 
an der Warthe anzusiedeln. Am 30. V. kam uns in der Nähe 
der Überschwemmungslachen zwischen Wolfsmühle und Warthe- 
knie ein Vogel, ängstlich käck — — rufend, entgegenge- 
flogen und verfolgte uns unablässig mit seinem Geschrei. VVir 
versuchten von den Uferhöhen des Warthetales einen Überblick 
über das Sumpfgebiet zwischen den Lachen zu gewinnen und 
entdeckten denn auch leicht das brütende Weibchen, dessen 
leuchtendes Weifs sich scharf von dem Grün der Umgebung 
abhob, an einer f